Theater

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Theater

Theater (von altgriechisch Ï„ÏŒ ÎžÎ­Î±Ï„ÏÎżÎœ thĂ©atron „SchaustĂ€tte, Theater“; von ÎžÎ”ÎŹÎżÎŒÎ±Îč theaomai „anschauen“) ist die Bezeichnung fĂŒr eine szenische Darstellung eines inneren und Ă€ußeren Geschehens als kĂŒnstlerische Kommunikation zwischen Akteuren (Darstellern) und dem Publikum. Mit dem Wort Theater kann das GebĂ€ude gemeint sein, in dem Theater gespielt wird (siehe Theaterarchitektur), oder der Prozess des Theater-Spielens oder auch allgemein eine Gruppe von Menschen, die Theater machen, also eine Theatergruppe.[1]

Stadttheater FĂŒrth
Theaterszene, GemÀlde von Honoré Daumier

Inhaltsverzeichnis

Sparten des Theaters

Es gibt vier klassische Sparten des Theaters:

  1. Sprechtheater (Tragödie, Komödie, Schauspiel)
  2. Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
  3. Tanztheater oder Ballett
  4. Figurentheater

Das Figurentheater (zum Beispiel Marionettentheater) und verwandte Formen wie das Schattentheater wurden noch im 19. Jahrhundert zum Handwerk der WanderbĂŒhnen und Schausteller gerechnet und fanden selten Eingang in die kommunalen Theater.

Die Spartentrennung vollzog sich seit ungefĂ€hr 1830. In den jeweiligen Sparten sind unterschiedlich ausgebildete und qualifizierte KĂŒnstler tĂ€tig.

Theater, in denen mehrere Sparten zu Hause sind, nennt man Mehrspartentheater. An ihnen arbeiten die unterschiedlichsten KĂŒnstler. Immer mehr Stadttheater, die oft MehrspartenhĂ€user sind, sind aus KostengrĂŒnden gezwungen, einzelne Sparten abzuschaffen. Dem fallen oft zuerst die Tanzsparten und Jugendtheater zum Opfer.

Kunstform Theater

Als Minimalformel von Theater kann gelten: A spielt (B) und C schaut zu (und beide haben ein Bewusstsein von ihren Rollen als Spieler und Zuschauer). Das bedeutet vor allem: zum Theater gehört ein Publikum. Theater ohne Publikum ist kein Theater. Das Publikum kann in einer Live-AuffĂŒhrung diese teilweise beeinflussen (Zustimmung und Ablehnung).

Theater kann religiös, gesellschaftskritisch, politisch oder auch nur Ă€sthetisch ambitioniert sein. Vor allem ist es eine Sparte der Kunst und deshalb frei. Aufgrund der kollektiven Rezeption und des Live-Charakters, also dem transitorischen Element von AuffĂŒhrungen steht es in besonderer NĂ€he zur (realen) Gesellschaft: Theater erzĂ€hlt ĂŒber Menschen, ĂŒber das Leben. Die Zuschauer können wiedererkennen und Neues entdecken. Ein BĂŒhnengeschehen kann bestĂ€tigen oder konterkarieren, kann neue Perspektiven eröffnen, den Blick fĂŒr Alternativen schĂ€rfen.

Historisch hat das Theater religiös-kultische Wurzeln. Doch schon in der Antike (im alten Athen) grenzten sich die KĂŒnstler von Priestern und Politikern ab, stellten mit Theatermitteln die existierenden Götter-, Welt- und Menschenbilder aus und stellten eher Fragen, als dass sie Antworten geben wollten. Die Diskussion von Gesellschaft als Spiel auf der BĂŒhne hat zu allen Zeiten und in unterschiedlicher AusprĂ€gung ĂŒberall auf der Welt stattgefunden. Und sie findet auch heute noch statt, besonders in Deutschlands auf der Welt einzigartigen Theaterlandschaft. Doch dieses Spiel ist auch immer wieder (MĂ€chtigen) ein Dorn im Auge.

Die Kunstform Theater (darstellende Kunst) spricht, z. B. durch ihre Symbolik, intellektuell an, wirkt durch die Bilder aber auch ins Unterbewusste. Insofern ist Theater ein ganzheitliches, plurimediales (live-)Ereignis − eine Besonderheit aller AuffĂŒhrungskĂŒnste. Der Schauspieler (oder die Schauspielerin) versinnlicht in den illusionistischen und epischen Theaterformen auf der BĂŒhne eine Figur („spielen“ wurde besonders im 18./19. Jahrhundert als „lĂŒgen“ verstanden), und diese Rolle soll − jedenfalls im bĂŒrgerlichen Illusionstheater − dem Zuschauer realistisch und damit glaubhaft erscheinen. Die Mittel, die eingesetzt werden mĂŒssen, um ein Publikum zu erreichen, mĂŒssen zeitgemĂ€ĂŸ sein. Sie sind daher auch von regionalen Gegebenheiten abhĂ€ngig.

Geschichte des Theaters

→ Hauptartikel: Geschichte des Theaters

FrĂŒhe Formen des Theaters entwickelten sich schon in der FrĂŒhzeit der Zivilisation in Form von TĂ€nzen in Steinzeitkulturen. FĂŒr das Ă€gyptische Abydos sind religiöse Feste mit theatralen Elementen aus der Zeit von 2000 bis 1500 vor Christus belegt, aber erst im Theater der griechischen Antike wurden neue GrundsĂ€tze erfunden, die das Theater erschufen. Mit dem „Theatron“, dem Zuschauerraum, wurde einerseits die Möglichkeit zu Diskussionen der griechischen Demokratie ermöglicht, aber auch die religiösen Feste, vor allem die Dionysien, abgehalten; in dieser Zeit bildeten Politik und Religion eine untrennbare Einheit. Die Abhandlungen des Aristoteles begrĂŒndeten auch die Theaterwissenschaft, vor allem verlangte er die Einheit von Handlung, Ort und Zeit im Drama.

Das athenische Dionysostheater wurde zum Prototyp des Theaters und in die griechischen Kolonien im ganzen Mittelmeerraum exportiert. Es besaß neben dem Zuschauerraum eine BĂŒhne, die skenĂ©, auf der die danach benannte Szene dargestellt wurde (auf in die skenĂ© gehĂ€ngte Bildern). In Tragödien, der ersten Form des Dramas seit spĂ€testens 534 v. Chr., und Komödien seit etwa 480 v. Chr., wurde in den „Großen Dionysien“ der Gott Dionysos verehrt; alle Dramen wurden nur einmal gezeigt, erst etliche Jahrzehnte spĂ€ter wurden Dramen auch wiederholt.

Die Römer ĂŒbernahmen die griechische Theaterkultur zur Zeit des Punischen Krieges; im gesamten Römischen Reich wurden Theater errichtet. In der Kaiserzeit jedoch verlor diese Kultur offenbar ihren Reiz zugunsten der Pantomime.

Im Mittelalter wurden Theaterspiele in Form von Passionsspielen abgehalten; generell gab es aber keine antiken Dramen, sondern nur Mirakelspiele mit Inhalten aus der Bibel und den Berichten ĂŒber das Leben der Heiligen. Gegen Ende der Epoche wurden auch Fastnachtspiele und in England Morality Plays beliebt; letztere bildeten einen starken Einfluss auf die Theaterkultur der Neuzeit.

Die Renaissance vereinte die alten Mysterienspiele mit den wiederentdeckten klassischen Tragödien und Komödien. Im nördlichen Italien wurde an den Hoftheatern eine neue Form der Komödie geschaffen, die commedia erudita. NiccolĂČ Machiavelli schrieb die berĂŒhmtesten Komödien seiner Zeit. Die Tragödie wurde von den aristotelischen Vorstellungen bestimmt.

Mit dem Sieg des Absolutismus ĂŒber den Feudalismus wurden die Inszenierungen grĂ¶ĂŸer und aufwĂ€ndiger â€“ als Abbild und Sinnbild der Welt spielte der Gegensatz von Schein und Sein eine dominante Rolle. In England wurde dabei die Galerie eingefĂŒhrt, mit mehreren Geschossen und SitzplĂ€tzen fĂŒr die Reichen.

Theaterbau

Theater Bielitz-Biala
→ Hauptartikel: Theater (Architektur)

Stadttheater, LandesbĂŒhnen und Staatstheater sind â€“ architektonisch gesehen â€“ meistens besondere Bauten und werden auch heute noch als architektonische Glanzbauten geplant und gebaut. Besonders herausgefordert werden die Architekten durch den Zwang, raffinierte Ă€sthetische Vorstellungen und praktische Erfordernisse miteinander vereinen zu mĂŒssen, bis hin zu dem profanen Umstand, dass ein Theater vor allem auch von der Akustik im Inneren her hohen AnsprĂŒchen genĂŒgen und zudem gegen AußenlĂ€rm praktisch schalldicht sein soll.

Wie alt oder neu Theaterbauten auch sind, sie mĂŒssen als VersammlungsstĂ€tten strengen Sicherheitsvorschriften genĂŒgen. Es gibt mannigfache Auflagen fĂŒr alle Funktionsbereiche: fĂŒr die BĂŒhne, den Zuschauerraum (bis hin zur „Bestuhlung“), fĂŒr das Foyer (die â€“ hĂ€ufig bewirtete â€“ BegegnungsstĂ€tte des Publikums), auch fĂŒr die Zuschauergarderobe und die Toiletten sowie fĂŒr alle Verwaltungs- und WerkstĂ€tteneinheiten bis hin zu SozialrĂ€umen, Kantine und Arztraum, in dem (womöglich notwendig werdende) Erste Hilfe geleistet werden kann.

Worauf in Klein- oder Zimmertheatern (bis maximal 99 ZuschauerplĂ€tze) noch verzichtet werden kann, ist in grĂ¶ĂŸeren HĂ€usern nicht möglich. Bei jeder grĂ¶ĂŸeren BĂŒhne mĂŒssen verantwortliche BĂŒhnenmeister angestellt sein; zu jeder Vorstellung mĂŒssen je nach GrĂ¶ĂŸe des Hauses eine bestimmte Anzahl Feuerwehrleute prĂ€sent sein, die vor der Vorstellung die BĂŒhne inspizieren und sich wĂ€hrend der Vorstellung unmittelbar an der BĂŒhne aufhalten. In den großen Theatern ist (in Deutschland seit 1889) ein „Eiserner Vorhang“ Pflicht, der im Falle einer Gefahr (Brand) von oben herabgelassen wird und als Schutz-„Wand“ BĂŒhne und Zuschauerraum trennt. Alle Stoffe (VorhĂ€nge) mĂŒssen schwer entflammbar sein, alle technischen GerĂ€te mĂŒssen den „TÜV“-Standards entsprechen und dĂŒrfen nur von ausgebildetem Personal (z. B. von Veranstaltungstechnikern) bedient werden − um nur einige der zahlreichen bau-, brand- und sicherheitstechnischen Auflagen zu erwĂ€hnen.

Zum modernen Theaterbetrieb gehören aufwĂ€ndige Licht- und Tonanlagen (beides heute in der Regel computergesteuert), wofĂŒr auch nur geschultes Fachpersonal einzusetzen ist.

Die großen HĂ€user haben ausreichend große SeitenbĂŒhnen, auf denen die Kulissen und Requisiten fĂŒr die verschiedenen Szenen des laufenden StĂŒckes „versteckt“ werden können. Die HinterbĂŒhne wird heutzutage in modernen Inszenierungen als willkommene Möglichkeit gesehen, große Tiefe der SpielflĂ€che zu erreichen. Die OberbĂŒhne, der SchnĂŒrboden („BĂŒhnen-Himmel“), ist allein schon wegen des Eisernen Vorhangs mindestens ebenso hoch wie die sichtbare BĂŒhne selbst. Dort oben hĂ€ngt, was beim Umbau der BĂŒhne von einer Szene zur anderen an VorhĂ€ngen, BĂŒhnenbildern u. a. mit Hilfe von SeilzĂŒgen herabgelassen werden kann. In BĂŒhnennĂ€he findet man die KĂŒnstler-Garderoben sowie Handmagazine fĂŒr den Tagesbedarf an Requisiten und Dekorationen.

Neben den ausgedehnten Magazinen, in denen Kulissen und Requisiten aller abgespielten Produktionen und der RepertoirestĂŒcke gelagert werden, gibt es auch einen großen Fundus, wo der hĂ€ufig riesige Bestand (zum Teil schon sehr alter) KostĂŒme aufbewahrt wird, auf den immer wieder zurĂŒckgegriffen werden kann. Im Theaterbau sind auch viele WerkstĂ€tten (Malersaal, Schreinerei, Schlosserei, Schneiderei, Maskenbildnerei, Elektrowerkstatt) untergebracht sowie die BĂŒros der Verwaltung.

In OpernhĂ€usern und MehrspartenhĂ€usern sitzt zwischen der ersten Sitzreihe und der BĂŒhnenrampe das Orchester im Orchestergraben, der bei Musicals, Opern und Operetten abgesenkt ist, aber bei Schauspiel-Inszenierungen hoch gefahren wird, wodurch die BĂŒhne nach vorne erweitert wird. Große HĂ€user haben DrehbĂŒhnen. Das erleichtert den Szenenwechsel und ermöglicht ebenso inszenatorische Besonderheiten wie die Möglichkeit, den BĂŒhnenboden in Segmenten hydraulisch absenken oder ĂŒber das Normalniveau hochfahren zu können. Der Zuschauerraum im Theater ist normalerweise völlig abzudunkeln, was insbesondere zu Beginn einer Vorstellung praktiziert wird, um das Publikum in dieser Phase gleichsam in eine andere Welt zu fĂŒhren, von dem „Vorher“ wegzubringen. Der dunkle Zuschauerraum ermöglicht auch Blackouts (bei denen durch „Ausschalten“ der BĂŒhnen-Scheinwerfer der gesamte Raum auf einen Schlag dunkel wird). Weil der Zuschauerraum wĂ€hrend des Spiels dunkel, die BĂŒhne aber aus Richtung der Zuschauer mit Scheinwerfern ausgeleuchtet ist, sind die Akteure auf der BĂŒhne „geblendet“. Sie sehen das Publikum nicht. Sie spielen gegen die „vierte Wand“, die durch die Helligkeit der En-face-Beleuchtung errichtet wird.

Außer der BĂŒhne im Großen Haus haben die großen Theater ProbebĂŒhnen, FoyerbĂŒhnen und Ähnliches. Seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als KleinbĂŒhnen mit damals neuen StĂŒcken und vielen Experimenten Furore machten, haben die großen HĂ€user in der Regel auch StudiobĂŒhnen, WerkstattbĂŒhnen und Podien, die diesen avantgardistischen Konkurrenten Ă€ußerlich nachempfunden sind (bis hin zur „offenen“, einsehbaren Technik), und in denen ein „junger“ Spielplan gepflegt wird.

Viele Neubauten wenden sich ab von der traditionellen GuckkastenbĂŒhne hin zur RaumbĂŒhne, ArenabĂŒhne und RundumbĂŒhne, um eine andere Zuschauer-Darsteller-Zuordnung zu erreichen (die so neu allerdings auch nicht ist, denkt man etwa an die Shakespeare-BĂŒhne, das „Globe-Theater“). Damit das Geschehen eine direkte Verbindung zum Publikum hat, gehen BĂŒhne und Zuschauerraum architektonisch ineinander ĂŒber. Es gibt einen (immer mal wieder aufflammenden) Disput unter Theatermachern darĂŒber, ob es nicht dem Wesen des Theaters widerspricht, die Zuschauer rund um eine BĂŒhne zu setzen. Kritiker dieser aus ihrer Sicht nur scheinbar modernen Praxis meinen, dabei entstĂŒnde kein (BĂŒhnen-)„Raum“ â€“ das Geheimnis des „Dahinter“, der imaginĂ€ren anderen, nicht sichtbaren RĂ€ume ginge verloren. Es fehle der Zuschauerfokus auf das Geschehen, die Phantasie ĂŒber das „Dahinter“ werde beschnitten. Man werde zum Beobachter der jeweiligen anderen Besucher, was die Beobachteten an der völligen Konzentration hindere, sie negativ beeinflusse und die Rezeption des BĂŒhnengeschehens mit allen Sinnen unmöglich mache. Beobachtet man das aktuelle Theatergeschehen, stellt man fest: Auch ansonsten frei und unkonventionell arbeitende Theatermacher greifen, was die Zuordnung BĂŒhne / Zuschauerraum angeht, eher wieder zur „alten“ Praxis zurĂŒck.

Aufbau eines heutigen Theaters

In einem Theater arbeiten Menschen zusammen, die sehr unterschiedliche Berufe haben. Vor allem in den Theatern in öffentlicher TrĂ€gerschaft, aber auch in den meisten mit diesen vergleichbaren grĂ¶ĂŸeren Privattheatern wird arbeitsteilig „produziert“. Dort dĂŒrfen Schauspieler beispielsweise keine technischen Arbeiten verrichten. Von der guten Kooperation der kĂŒnstlerisch und nichtkĂŒnstlerisch BeschĂ€ftigten hĂ€ngt der Erfolg der Theater-Produktionen ab. Es gibt allerdings mehr Theater, in denen solch geteiltes Arbeiten nicht möglich und/oder nicht gewollt ist.

Organisatorischer Bereich

Theater in öffentlicher TrĂ€gerschaft werden in der Regel kĂŒnstlerisch geleitet vom Intendanten (von der Intendantin). Intendanten von Stadttheatern zum Beispiel werden (fĂŒr eine bestimmte Zeit) vom Rat der Kommune gewĂ€hlt. Meistens ist ein (beamteter) Verwaltungsdirektor zur Seite gestellt. Die Intendanten-VertrĂ€ge legen den Aufgabenbereich fest. Dazu gehören Einzelheiten, zum Beispiel ob und wie oft der Intendant (die Intendantin) selbst im eigenen Hause inszeniert, ob und wie viele auswĂ€rtige Regie-Arbeiten er/sie ĂŒbernehmen darf. Es werden auch Rahmenbedingungen festgeschrieben, so die Zahl der (Neu-)Inszenierungen (in den Sparten und Genres) pro Spielzeit und vieles mehr.

In enger Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen wird fĂŒr ein bis zwei Jahre im Voraus der komplette Spielplan erstellt. Er ist Grundlage fĂŒr alle Dispositionen bis hin zum Lösen bisheriger VertrĂ€ge und zu (Neu-)Verpflichtungen im Bereich kĂŒnstlerisches Personal.

Das KĂŒnstlerische BetriebsbĂŒro (KBB) ist Anlaufstelle und Sammelpunkt fĂŒr alle Teilbereiche. Das KBB ist eine organisatorische Einheit, die alle Aufgaben, Personen und VorgĂ€nge koordiniert.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist fĂŒr die Verbindungen nach „draußen“, zu den Medien und anderen Ansprechpartnern, verantwortlich; sie gibt Pressemitteilungen heraus, sie steuert die Werbung (Plakate, Flyer, Postkarten und Monatsleporello usw.), und es gibt in vielen HĂ€usern Spezialisten fĂŒr die Zusammenarbeit mit Besucherringen, Schulen, mit dem jungen Publikum und anderen Zielgruppen. Die Arbeit der Marketingabteilungen der MusicalhĂ€user und anderer Privattheater wird als zentral fĂŒr den Erfolg des Hauses angesehen. Viele Leiter von Theatern in öffentlicher TrĂ€gerschaft setzen eher auf die vermeintliche AttraktivitĂ€t ihres kĂŒnstlerischen Angebotes, stehen dem „Verkauf“ ihrer Produkte reserviert gegenĂŒber und verlassen sich auf immer weniger greifende herkömmliche Mittel und Wege beim BemĂŒhen, ihr − oder ein neues − Publikum zu erreichen.


Die Verwaltung, zu der auch eine Personalabteilung gehört, plant, kontrolliert und bilanziert alle finanz- und verwaltungstechnischen VorgĂ€nge. Der Etat der öffentlich getragenen Theater wird von den TrĂ€gern vorgegeben, inklusive der zu erzielenden Eigeneinnahmen. Dabei wird an einigen HĂ€usern immer noch nach dem kameralistischen System verfahren, viele Theater haben aber bereits auf die Doppik, die aus der Industrie bekannte doppelte BuchfĂŒhrung umgestellt. In der Regel erhalten die Theater Budgets, die einen gewissen Spielraum beim Verwenden der Gelder zulassen, wobei etwa 85 % des Budgets fĂŒr Personalausgaben gebunden sind. FĂŒr die Verwaltung fallen in der Regel etwa 9 % des Budgets an. [2]

KĂŒnstlerischer Bereich

Im Theater arbeiten viele KĂŒnstler auf und hinter der BĂŒhne:

Technischer Bereich

Die meisten Theater haben eigene technische Abteilungen, unterteilt in

Von den Technischen Abteilungen wird im Theater große Kunstfertigkeit, Erfindungsreichtum, FlexibilitĂ€t und VerstĂ€ndnis fĂŒr kĂŒnstlerische Prozesse verlangt. In vielen kleineren und sogenannten Freien und Off-Theatern beschrĂ€nkt sich der Technische Bereich oft auf ein Minimum.

Theater und Ökonomie

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Öffentliche TrĂ€gerschaft

Es gibt in Deutschland rund 150 Theater in öffentlicher TrĂ€gerschaft. Diese HĂ€user werden mit Mitteln aus Landes- und Kommunalhaushalten unterstĂŒtzt. Die Einnahmen durch Kartenverkauf (Eigenanteil) belaufen sich in diesen Theatern durchschnittlich auf rund 20 Prozent des Gesamtetats. Eine Theaterkarte in Deutschland wird im Durchschnitt mit 95,74 Euro gestĂŒtzt. Trotz knapper öffentlicher Haushalte halten die Subventionsgeber weitgehend an der öffentlichen Finanzierung der Theater fest; zudem sind sie vor allem beim nichtkĂŒnstlerischen Personal als Arbeitgeber an TarifvertrĂ€ge gebunden. Da aber dennoch die Subventionen in den letzten Jahren eingefroren oder auch gekĂŒrzt wurden, suchen die Theater nach anderen Quellen: MĂ€zene, Sponsoren, Fördervereine und Stiftungen (Bundeskulturstiftung). Weiterhin sind in den neuen LĂ€ndern viele Theater in HaustarifvertrĂ€gen, in denen die GehĂ€lter gekĂŒrzt sind. Somit finanzieren die Mitarbeiter der Theater ihr Theater selbst mit.

Gastspieltheater

Nicht jede Stadt, nicht jede Gemeinde kann ein eigenes Theater, womöglich mit festem Ensemble, unterhalten. Eine Alternative fĂŒr solche Kommunen, die aber Wert auf ein breites kulturelles und sogar kĂŒnstlerisches Angebot legen, sind Gastspiele: In manchen StĂ€dten gibt es richtige Theater, in anderen KulturhĂ€user, Saalbauten, Kongresszentren oder andere SpielstĂ€tten mit den entsprechenden technischen Einrichtungen, die fĂŒr gute AuffĂŒhrungen notwendig sind. Es gibt auch Kommunen mit eigenem Theater-Ensemble, die dennoch in anderen SpielstĂ€tten Auftritte von Tournee-Veranstaltern ermöglichen, wobei in diesen FĂ€llen meistens die Stars des Business zum Zuge kommen, von Stars an Geige, Klavier oder anderen Solo-Instrumenten ĂŒber berĂŒhmte Symphonie-Orchester bis zu aktuellen Tanz-AuffĂŒhrungen (engl. performance). Die StĂ€dte und Gemeinden mit SpielstĂ€tten, aber ohne eigenes Ensemble haben sich zu einem Verband zusammengeschlossen.

Der Vorteil des Tourneetheater-Modells aus Sicht der gastgebenden Kommune: Es ist eine Vielfalt an unterschiedlichen AuffĂŒhrungen möglich, da zahlreiche Tournee-Theater Produktionen anbieten, ohne dass die Dauerkosten eines Theater-Betriebes anfallen. Zudem konnten in den letzten Jahren die TourneebĂŒhnen wegen der Konkurrenz untereinander leichter zu fĂŒr den Veranstalter gĂŒnstigeren Konditionen bewegt werden. ZusĂ€tzlich drĂ€ngen im Musik-Theater (Oper, Operette, Musical) verstĂ€rkt osteuropĂ€ische Ensemble zu Dumpingpreisen auf den Markt. Der finanzielle Vorteil der Veranstalter hat aber auch eine Kehrseite: Wegen der fallenden Honorare und weil bei den Veranstaltern der zahlenmĂ€ĂŸige Erfolg (Kassen-Einnahme) auch mehr und mehr in den Vordergrund gerĂŒckt ist, ist das allgemeine Niveau (von Highlights abgesehen) eher gesunken. Es wird viel Unterhaltungs-Theater geboten, SchwĂ€nke, Komödien, Krimis. Meistens wird in das aus ĂŒberwiegend jungen (und damit preiswerten) Darstellern bestehende Ensemble ein Zugpferd aus Film und Fernsehen eingebaut. Aktuelle Autoren, zeitgenössische Themen, moderne StĂŒckauswahl fallen weitgehend flach. Ein Ensemble-Theater in einer Stadt kann ganz anders Theater fĂŒr die Stadt machen als eine TourneebĂŒhne. Die liefert − unabhĂ€ngig von dem, was in der Stadt sonst lĂ€uft − ihre Vorstellung ab und fĂ€hrt weiter.
Abgesehen davon machen Theater mit eigenem festen Ensemble auch zahlreiche Gastspiele, vor allem die Landestheater, aber auch andere BĂŒhnen. Dabei haben sich in der Regel viele feste Partnerschaften ergeben.

Privattheater

Neben den rund 150 öffentlich getragenen Theatern (Stadttheater, Staatstheater und LandesbĂŒhnen) gibt es in Deutschland etwa 280 Privattheater. Das sind Theater höchst unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe, kĂŒnstlerischer Ausrichtung, Provenienz und Tradition. Rund 80 dieser Privattheater sind im Deutschen BĂŒhnenverein organisiert (Beispiele: Altes Schauspielhaus, Stuttgart; Ohnsorg-Theater und Schmidt Theater, Hamburg; Komödie am KurfĂŒrstendamm, Berlin; Millowitsch-Theater, Köln; Komödie im Bayerischen Hof, MĂŒnchen). Es gibt kaum etwas, was fĂŒr alle Privattheater gleichermaßen gilt, sei es in kĂŒnstlerischer oder in organisatorisch-verwaltungstechnischer oder in finanzieller Hinsicht. Manche dieser Theater sind grĂ¶ĂŸer als Stadt-Theater und haben denselben „Apparat“ (Verwaltung, WerkstĂ€tten, große Ensemble), andere Privattheater sind so klein, dass es keinerlei Arbeitsteilung gibt und alle Beteiligten alle Arbeiten machen (mĂŒssen).

WĂ€hrend fĂŒr die nichtkĂŒnstlerisch BeschĂ€ftigten an Stadt- und Staatstheatern die TarifvertrĂ€ge des öffentlichen Dienstes gelten, arbeiten die kĂŒnstlerisch BeschĂ€ftigten – mit Ausnahme der Orchestermusiker – ĂŒberwiegend auf der Grundlage von befristeten ArbeitsvertrĂ€gen.

Die Privattheater, die grĂ¶ĂŸere ProzentsĂ€tze ihrer Finanzmittel aus Eigeneinnahmen erwirtschaften mĂŒssen als die öffentlich getragenen HĂ€user, sind nicht an die Tarife des öffentlichen Dienstes gebunden. Jedoch wenden sie in der Regel den „Normalvertrag (NV) BĂŒhne“ an (vor allem die HĂ€user, die von der Struktur und der GrĂ¶ĂŸe her den BĂŒhnen in öffentlicher TrĂ€gerschaft nahekommen) − oder aber sie arbeiten nach individuellen Regelungen (freie VertrĂ€ge). Meistens können diese weder im kĂŒnstlerischen noch im nichtkĂŒnstlerischen Bereich fest anstellen. Es wird eher mit frei ausgehandelten Gagen pro gespielter Vorstellung gearbeitet. Da in Klein- und MittelstĂ€dten nur wenige Tage pro Woche gespielt werden kann, fallen die Honorare fĂŒr die KĂŒnstler, auf den Monat gerechnet, dort niedrig aus. Auf den BĂŒhnen der grĂ¶ĂŸeren Privattheater spielen allerdings regelmĂ€ĂŸig die deutschen TV- und Kino-Stars von Mario Adorf und Uwe Ochsenknecht ĂŒber Heiner Lauterbach bis Judy Winter, Katja Riemann und DĂ©sirĂ©e Nick.

Aus den genannten GrĂŒnden finden sich die bekannteren Privattheater in GroßstĂ€dten, da sich durch das dort vorhandene Zuschauer-Aufkommen sowie Touristen der Betrieb eher rechnet.

WÀhrend die öffentlich getragenen HÀuser in der Spielzeit 2003/04 ein Minus von rund 300.000 Zuschauern hinnehmen mussten, hatten die Privattheater, zu denen auch die Musical-HÀuser gehören, einen Besucherzuwachs von rund 500.000 zu verzeichnen.

Die meisten der heutigen Stadttheater entstanden auf private Initiative und wurden auch zunĂ€chst als Privattheater gefĂŒhrt. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nur 16 Stadttheater in kommunaler Verantwortung, aber es gab 360 Privattheater.

Am Broadway gibt es rund 30 Privattheater, in der Hauptstadt Frankreichs 250. Ein knappes halbes Hundert renommierter Privattheater sind dabei, in denen auch Kino-Stars wie Gerard Depardieu, Alain Delon oder Claudia Cardinale auf die BĂŒhne gehen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Theater â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Theater â€“ Quellen und Volltexte
 Wikiquote: Theater â€“ Zitate
Wiktionary Wiktionary: Theater â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Zur Situation des / der Theater in Deutschland siehe Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“, Deutscher Bundestag Drucksache 16/7000 16. Wahlperiode vom 11. Dezember 2007, Seite 105 ff. 3.1.2.1 Theater, Kulturorchester, Opern
  2. ↑ Theaterbrief des Deutschen BĂŒhnenvereins, der die Ausgaben der Theater aufschlĂŒsselt

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   English World dictionary

  • Theater [1] — Theater (v. gr. Theātron), 1) Platz fĂŒr die. welche einem Schauspiel zusehen od. einer musikalischen AuffĂŒhrung zuhören; 2) bes. in einem dazu errichteten GebĂ€ude der fĂŒr die Zuschauer u. Zuhörer bestimmte Theil; 3) das ganze GebĂ€ude, worin… 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Theater — (griech.; hierzu die Tafeln »Theaterbau I bis III« mit Textblatt), SchaubĂŒhne, Schauspielhaus, Opernhaus. Das eigentliche Vaterland des Theaters ist das alte Hellas mit seinen Kolonien. Seine AnfĂ€nge sind jetzt in Kreta zutage gekommen in den… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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