Thomas Hobbes

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Thomas Hobbes
Thomas Hobbes (Ausschnitt aus einem Gemälde von John Michael Wright, circa 1669-1670)

Thomas Hobbes ([h…Ēbz]; * 5. April 1588 in Westport, Wiltshire; ‚Ć 4. Dezember 1679 in Hardwick Hall, Derbyshire) war ein englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph, der durch sein Hauptwerk Leviathan, in dem er eine Theorie des Absolutismus entwickelte, bekannt geworden ist. Des Weiteren ist er neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Hobbes wurde 1588 als Sohn eines einfachen Landpfarrers in Malmesbury in der Grafschaft Wiltshire geboren. Seine Mutter stammte aus einer Bauernfamilie. Die be√§ngstigende Situation vor dem Angriff der spanischen Armada auf England im selben Jahr soll Ursache seiner Fr√ľhgeburt gewesen sein. Thomas Hobbes schreibt in seiner Autobiographie: ‚Äě(She) did bring forth Twins at once, both Me and Fear.‚Äú[1] Die Angst vor der Gewalt in Folge politischer Auseinandersetzungen ‚Äď im England des 17. Jahrhunderts vor allem als B√ľrgerkrieg zwischen K√∂nig und Parlament, zwischen verschiedenen gesellschaftlich und religi√∂s differenzierten Gruppen ‚Äď ist ein bestimmendes Element im Leben wie in der politischen Philosophie Thomas Hobbes geblieben.

Da er bereits mit vier Jahren lesen, schreiben und rechnen konnte, wurde er als Wunderkind (child prodigy) bezeichnet. Mit acht Jahren wurde Hobbes in einer Privatschule in den klassischen Sprachen unterrichtet. Schon sechs Jahre sp√§ter im Alter von vierzehn Jahren begann er sein Studium an der traditionell-scholastischen Universit√§t Oxford, wo er 1603‚Äď1607 vor allem Logik und Physik studierte. Resultate der klassischen Ausbildung waren Hobbes‚Äô genaue Kenntnisse des Griechischen und Lateinischen, aber auch seine vehemente Ablehnung der Universit√§tsphilosophie, der mittelalterlich-aristotelischen Logik und Staatstheorie.

Nach seinem Bachelor-Abschluss 1608 in Oxford wurde er Hauslehrer bei der adligen Familie Cavendish. Diesen Posten hatte er mit Unterbrechungen bis zu seinem Lebensende inne. Er unterrichtete hier u. a. den kleinen William Cavendish, der sp√§ter Graf von Devonshire wurde. Seine Erziehert√§tigkeit in einer der f√ľhrenden Adelsfamilien Englands, die ihn lebenslang unterst√ľtzen sollte, verschaffte ihm die M√∂glichkeit zu ausgedehnten Reisen und Kontakt zu f√ľhrenden Politikern und Denkern seiner Zeit.

F√ľr kurze Zeit war Hobbes Sekret√§r des Philosophen Francis Bacon, f√ľr den er einige seiner Schriften ins Lateinische √ľbersetzte. Der Arbeit f√ľr Bacon, dem Begr√ľnder des englischen Empirismus, wird einiger Einfluss auf die mechanisch-materialistische Konzeption seiner Philosophie zugeschrieben. Auf den Auslandsreisen, die er mit seinen Sch√ľlern der Cavendish-Familie unternahm (Grand Tour), lernte er in Pisa Galileo Galilei kennen. Ferner schloss er auf seinen Reisen Bekanntschaft mit Ren√© Descartes, Marin Mersenne und Pierre Gassendi.

Während seiner dritten Europareise als Erzieher entwickelte Hobbes den Plan, seine Philosophie aus drei systematisch aufeinander aufbauenden Teilen zu konstruieren: der Lehre von der körperlichen Substanz (de corpore), der Lehre vom Menschen im Naturzustand (de homine) und schließlich die Lehre vom Menschen in der Gesellschaft (de cive).

Die politische Entwicklung in England zerschlug jedoch Hobbes‚Äô Pl√§ne eines systematischen Aufbaus seiner Philosophie. In den Jahren 1603 bis 1629 versch√§rfen sich die Spannungen: Die absolutistischen Pl√§ne Jakobs I. und Karls I. bringen sie in Gegensatz zum Landadel, der sich zu einer agrarischen Kapitalistenklasse entwickelt hatte, und zum B√ľrgertum der Handelsst√§dte, dessen Bedeutung im 17. Jahrhundert in England stetig wuchs. Auseinandersetzungen zwischen anglikanischer Staatskirche, Calvinisten (= Puritanern), die eine st√§rkere Abgrenzung vom Katholizismus, asketische Lebensf√ľhrung und ein System freier, an der Bibel orientierter Gemeinden forderten, und Katholiken kamen hinzu. Diese religi√∂sen Konflikte entsprachen zum Teil regionalen Gegens√§tzen.

Von 1629 bis 1640 herrschte Karl I. mit einer parlamentslosen Regierung, die alle politischen und religi√∂sen Gegner, vor allem die Puritaner, verfolgte: Der Versuch, dem calvinistischen Schottland die anglikanische Staatskirche aufzuzwingen, f√ľhrte zur ersten milit√§rischen Niederlage. Karl I. sah sich 1640 gezwungen, zwecks Mittelbeschaffung f√ľr den Krieg das Parlament einzuberufen, das nun seinerseits begann, mit den wichtigsten Unterst√ľtzern des K√∂nigs abzurechnen.

Hobbes hatte sich im Streit zwischen Krone und Parlament anonym f√ľr die Rechte des K√∂nigs Karl I. und gegen das Unterhaus eingesetzt[2] und musste deshalb 1640 nach Frankreich ins Exil fliehen.

1642 brach der B√ľrgerkrieg zwischen Parlament und Krone aus, ausgel√∂st durch einen irischen Katholikenaufstand. Mit seinem Werk de cive versuchte Hobbes erneut, Einfluss auf die Entwicklung in England zu Gunsten einer absolutistischen Monarchie auszu√ľben. Wie auch sp√§ter im Leviathan (1651) argumentierte er f√ľr die √úbertragung aller Gewalt auf einen souver√§nen Herrscher, da im ‚ÄěNaturzustand‚Äú ein egoistischer Krieg ‚Äěaller gegen alle‚Äú um Besitz und Ansehen herrsche, der nur durch die Angst vor der Strafe durch eine √ľberm√§chtige Gewalt verhindert werden k√∂nne. In einem Vertrag sollen demzufolge die einzelnen ihre nat√ľrlichen Rechte auf eine zentrale Gewalt √ľbertragen, die am vollkommensten in einer Person, dem absoluten Herrscher, repr√§sentiert werde.

Seine Argumentation verschaffte Hobbes jedoch wenig Freunde. Karl II., den er 1646 in Paris in Mathematik unterrichtet hatte, ver√ľbelte ihm, dass er f√ľr jede de facto souver√§ne Regierung eintrat ‚Äď zu einer Zeit, in der in London der Puritaner Cromwell nach der Niederlage und Hinrichtung Karls I. diktatorisch regierte. Hobbes Materialismus und seine Kritik an der katholischen Kirche (‚ÄěReich der Finsternis‚Äú) lie√ü ihn eine Verfolgung in Frankreich bef√ľrchten, sodass er 1651 nach England zur√ľckkehrte, wo er sich mit dem Cromwell-Regime arrangierte.

Nach Ver√∂ffentlichung seines Hauptwerks, des Leviathan, wurde er dort wegen dessen angeblichen atheistischen und h√§retischen Charakters vielfach von Seiten der Kirche, des Adels wie auch von Privatpersonen angefeindet. Wenn auch zahlreiche Freunde mit ihm brachen, so blieb er von Seiten der Staatsmacht zun√§chst weitgehend unbehelligt. Dies mochte insbesondere damit zusammenh√§ngen, dass er ‚Äď gegen Anglikaner wie Presbyterianer ‚Äď f√ľr die von den Br√ľdern Cromwell favorisierte Kirchenverfassung eintrat, den Independentismus.

In den Jahren 1655 und 1658 erscheinen mit de corpore und de homine die beiden fehlenden Teile seines Systems. Nach der Restauration der Stuarts sah er sich vor allem nach der gro√üen Pest- und Brandkatastrophe in London Verfolgungen durch den Klerus ausgesetzt, vor denen ihn aber die Sympathie Karls II. sch√ľtzte. Versch√§rfen sollte sich die Situation f√ľr ihn indes nach der Restauration der Monarchie 1660: Dabei ging der Verfolgungseifer weniger vom neuen K√∂nig aus, der ohnehin heimlich zum Katholizismus konvertiert war, sondern vielmehr von traditionell anglikanischen und presbyterianischen Kreisen, insbesondere von den neuen Ministern Edward Clarendon und Gilbert Sheldon. Um ihn wegen der ihm vorgeworfenen H√§resie juristisch zur Rechenschaft ziehen zu k√∂nnen, wurde sogar mehrfach versucht, eigens daf√ľr eine strafrechtliche Gesetzesgrundlage zu schaffen. Dank einflussreicher Freunde wie etwa dem Earl von Arlington, der ein Ministeramt in der sog. Cabal-Regierung bekleidete, gelang es Hobbes indes, die gegen ihn gerichteten Intrigen unversehrt zu √ľberstehen.

Seine 1668 verfasste Geschichte der B√ľrgerkriegsepoche Behemoth oder Das Lange Parlament erhielt keine Druckerlaubnis, seine lateinischen Schriften musste er in Amsterdam verlegen lassen. Dennoch lebte Hobbes bis zu seinem Tod in gesicherten und komfortablen Verh√§ltnissen auf einem Landsitz seiner G√∂nnerfamilie. In seinem Todesjahr 1679 setzte ein starkes Parlament seine Vorstellungen in der Habeas-Corpus-Akte gegen Karl II. durch. Hobbes starb in Hardwick Hall/Derbyshire.

Als Philosoph wird Hobbes eher der Aufklärung zugerechnet, als Staatstheoretiker aber dem Absolutismus.

Lehre

Naturwissenschaft

Insbesondere in seinem Werk De Corpore, dem ersten Teil der Trilogie elementa philosophiae, von 1655 entwickelt Hobbes zentrale Thesen zu naturwissenschaftlichen Fragen. Ausgehend von einer materialistischen Grundhaltung und dem ‚Äď exemplarisch durch Ren√© Descartes vertretenen ‚Äď mechanistischen Denken seiner Zeit schreibt er allein den K√∂rpern und deren Bewegung Wirklichkeit zu. Dabei entsteht keine Bewegung aus sich selbst heraus, sondern ist Folge einer anderen Bewegung. Der Bewegung unterliegen nur K√∂rper; sie k√∂nnen ausschlie√ülich durch andere K√∂rper bewegt werden.

Auf der Grundlage dieser K√∂rper-Lehren entwickelt Hobbes mitunter erstaunlich modern anmutende Theorien etwa zum Ph√§nomen des Lichts, das sich seiner Ansicht gem√§√ü in materieartigen Impulsen bewegt, und ver√∂ffentlichte auch ein Werk √ľber Optik. Auch besch√§ftigte er sich vor diesem Hintergrund mit der Natur des Vakuums.

Dazu kommen einige Werke √ľber Mathematik; in einem davon schl√§gt er ein Verfahren zur Quadratur des Kreises vor. Begeistern konnte sich Hobbes insbesondere auch f√ľr Euklidische Geometrie, die ihm als Vorbild f√ľr jegliche exakte Wissenschaft galt und deren Grunds√§tze er entsprechend dem mos geometricus auch auf seine Philosophie √ľbertragen wollte. Gleichwohl galt Hobbes auf diesem Gebiet vielfach als Dilettant; um ihn auch als Philosophen zu diskreditieren, setzte die Kirche Mathematiker ein, um seine Bem√ľhungen der L√§cherlichkeit preiszugeben.

Erkenntnistheorie

Im zweiten und dritten Teil der genannten Trilogie, dem 1658 ver√∂ffentlichten De Homine, aber auch bereits in seinem Hauptwerk Leviathan von 1651 √ľbertr√§gt Hobbes seine K√∂rpertheorie auf den menschlichen Erkenntnisapparat und entwickelt eine eigene mechanistische Erkenntnistheorie.

Auch die Vorg√§nge im Bewusstsein sind nach Hobbes lediglich Folge der Bewegung von K√∂rpern. Durch Druck auf die jeweiligen Sinnesorgane l√∂sen sie Sinneswahrnehmungen aus, die wiederum zu ‚ÄěEinbildungen‚Äú (Imagination) f√ľhren. Diese setzen schlie√ülich mannigfaltige psychische Prozesse wie Denken, Verstehen, Erinnern und dergleichen in Gang. Neben den geordneten, etwa auf das Auffinden von Kausalbeziehungen gerichteten, Gedankeng√§ngen gibt es auch ungeordnete, wie sie etwa dem Prozess des Tr√§umens innewohnen.

Anhand der Vorstellung eines von jeder Sinneswahrnehmung abgetrennten, ‚Äěfrei im Raum schwebenden‚Äú Solipsisten zeigt Hobbes, dass die psychischen Prozesse auch bei ausbleibenden Sinneseindr√ľcken weitergehen. Letzte Ursache hierf√ľr sei aber weiterhin der einmal erfolgte Ansto√ü von au√üen durch die Bewegung von K√∂rpern. Nur den Bewegungen selbst komme Realit√§t zu, nicht den Wirkungen, die sie im Bewusstsein verursachen. Daraus folge u. a., dass die Eigenschaften, von deren Vorhandensein der Mensch aufgrund seiner Sinneswahrnehmung ausgeht, in Wahrheit nicht vorhanden sind, sondern nur scheinbar und als Erscheinungen auftreten.

Hobbes begr√ľndet seine These, dass der menschlichen Wahrnehmung keine gesicherten Erkenntnisse √ľber eine Au√üenwelt m√∂glich sind. Aufgrund der weitverbreiteten Lehre des Skeptizismus wurde diese Auffassung von seinen Zeitgenossen vielfach geteilt, etwa von Ren√© Descartes. Dessen Einwand, dass infolge der eingreifenden G√ľte Gottes die Wahrnehmung trotzdem weitgehend der Realit√§t entspreche, l√§sst Hobbes nicht gelten.

Da die Inhalte des menschlichen Bewusstseins letztlich nur die Folge von außen kommender Bewegung sind, verneint Hobbes auch konsequent die Freiheit des Willens und gilt als Verfechter des Determinismus.

Ethik

Hatten Philosophen in der Tradition Platons und Aristoteles‚Äô sittliche Ideale angenommen, etwa in Form einer Idee des Guten oder eines Summum Bonum, so √ľberwog zu Hobbes‚Äô Lebzeiten ein mehr den Vorstellungen der Sophisten und Kyniker verpflichteter Skeptizismus, der die Existenz universell verbindlicher Moralstandards ablehnt. Als typische Vertreter dieser Auffassung galten etwa Justus Lipsius, Ren√© Descartes oder Michel de Montaigne.

Auch Hobbes vertritt diesen moralischen Relativismus und √ľbertr√§gt seine erkenntnistheoretische These: mittels menschlicher Wahrnehmung sei keine gesicherte Erkenntnis √ľber die Welt m√∂glich, auf das Feld der Ethik. So hei√üt es etwa in den Elements of Law: jedermann nenne ‚Äědas, was ihm gef√§llt und Vergn√ľgen bereitet, gut, und das was ihm missf√§llt, schlecht‚Äú. Entsprechend ihrer unterschiedlichen k√∂rperlichen Beschaffenheit unterschieden sich die Menschen auch in ihrer Auffassung von Gut und B√∂se. Ein agathon haplos, das schlechthin Gute, gebe es deshalb nicht.

In Ankn√ľpfung an Gedanken seines Zeitgenossen, des Fr√ľhaufkl√§rers Hugo Grotius nimmt Hobbes einschr√§nkend zumindest insofern einen moralischen Minimalkonsens an, als nach allgemeiner Meinung jedes Individuum ein Naturrecht auf Selbsterhaltung hat und sich gegen Angriffe auf seine Person verteidigen darf. Daraus folgt die Verpflichtung, niemanden zu verletzen (Lehre vom Naturgesetz im Leviathan). Anders als Grotius geht Hobbes aber davon aus, dass ‚Äď w√§hrend des Naturzustands ‚Äď jeder als sein eigener Richter auftreten konnte und musste, d.h. ohne R√ľcksichtnahme auf das Lebensrecht des Mitmenschen. Dieser Auffassung wurde vielfach widersprochen.

Jenseits des Minimalkonsenses √ľber das Selbsterhaltungsrecht m√ľssen laut Hobbes moralische Konflikte verbindlich durch eine √ľbergeordnete Instanz, den absoluten Herrscher, entschieden werden, womit Hobbes den Grundstein f√ľr seine politische Philosophie und insbesondere das absolutistische Staatsmodell des Leviathan legt.

Staatskunde

Hobbes’ staatstheoretische Lehren bilden aus heutiger Sicht den zentralen Teil seines Werkes. Sie sind es, die ihm einen herausgehobenen Platz in der Philosophiegeschichte sichern. Einerseits legt er sie in Elements of Law von 1640 sowie in De Cive von 1642 dar, dem dritten Teil der Trilogie elementa philosophiae.

Vor allem aber sind sie Gegenstand seines Hauptwerks, des Leviathan von 1651. Dort besch√§ftigt er sich mit der √úberwindung des von Furcht, Ruhmsucht und Unsicherheit gepr√§gten gesellschaftlichen Naturzustands durch die Gr√ľndung des Staats, also der √úbertragung der Macht auf einen Souver√§n. Dies geschieht durch einen Gesellschaftsvertrag, in dem alle Menschen unwiderruflich ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungsrecht auf den Souver√§n √ľbertragen, der sie im Gegenzug voreinander sch√ľtzt. Rechtlich gesehen wird er zu Gunsten des kommenden Souver√§ns geschlossen. Weil der gar kein Vertragspartner ist, gibt der Vertrag also den ihn Schlie√üenden ihm gegen√ľber weder ein K√ľndigungs- noch ein Widerstandsrecht. Will man den Souver√§n st√ľrzen, ist es immer Hochverrat. St√ľrzt man ihn dennoch und ersetzt ihn, so schlie√üen die kommenden Untertanen einen neuen entsprechenden ‚ÄěVertrag zu Gunsten Dritter‚Äú.

Hobbes wird oft wegen seines Leviathans angef√ľhrt, jedoch wird seine Theorie als Rechtfertigung absolutistischer Herrschaft auch kritisiert.

Mit dem Naturzustand hat sich Hobbes schlie√ülich im Gegenst√ľck zum Leviathan befasst, dem Behemoth von 1668, der erst posthum 1682 ver√∂ffentlicht werden konnte.

Religion

Sein erkenntnistheoretisches Postulat, dass der menschlichen Wahrnehmung eine Erkenntnis der Welt nicht m√∂glich sei, erstreckt Hobbes auch auf Gott; er nimmt also eine agnostische Position ein. Ausgehend von seiner Vorstellung der Welt als geschlossener Kausalzusammenhang, in dem jede Zustandsver√§nderung auf den Einfluss bewegter K√∂rper zur√ľckzuf√ľhren sei, nimmt er aber konsequenterweise eine erste, selbst nicht bewegte Ursache an, die diese Kausalprozesse in Gang setze, bei der es sich aber nicht notwendig um Gott handeln m√ľsse.

Hobbes war daher, obwohl ihm dies h√§ufig vorgehalten wurde, nicht Atheist, sondern vertrat eher deistische Positionen. Er unterschied streng zwischen Glauben und Wissen. Religion im Allgemeinen und Christentum im Besonderen lehnte er nicht ab, sondern erkl√§rte sie zu einer Sache des Glaubens, was f√ľr ihn in streng rationalistischer Denktradition konkret das Vertrauen auf die fehlerfreie Weitergabe religi√∂s-historischer Tatsachen bedeutet. Von der biblischen √úberlieferung betrachtete er nur ein Minimum als verbindlichen Glaubensinhalt, n√§mlich dass Jesus der Messias sei, der die Menschheit durch seinen Kreuzestod erl√∂st habe.

Auf der Grundlage der starken Stellung des Staates in Hobbes‚Äô politischer Philosophie weist er als Ahasit diesem auch die Entscheidungsbefugnis in religi√∂sen Dingen zu und fordert insbesondere eine einheitliche Staatskirche. Dementsprechend stand er sowohl dem Papsttum wie au√üerhalb des Nationalstaates stehender Institution und auch den verschiedenen englischen Sekten kritisch gegen√ľber. Hatte er urspr√ľnglich zumindest noch die Zust√§ndigkeit f√ľr die verbindliche Auslegung von Glaubensfragen der Kirche selbst zugesprochen, billigte er im Leviathan erstmals auch diese dem als absolut betrachteten Staat mit seinem Alleinherrscher zu. Im Dritten und Vierten Buch des Leviathan befasst er sich ausf√ľhrlich mit der institutionellen Ausgestaltung der Anglikanischen Kirche (Kirchenverfassung).

Werke

Neuausgaben

  • Vom Menschen.‚Äď Vom B√ľrger. Hrsg. v. G√ľnter Gawlick, 3. Aufl. Meiner, Hamburg 1994, ISBN 978-3-7873-1166-8
  • Leviathan, oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und b√ľrgerlichen Staates. Teil I und II. Aus dem Englischen von Walter Euchner, hrsg. mit einem Kommentar von Lothar R. Waas, Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-27018-9
  • Leviathan. √úbers. v. Jutta Schl√∂sser, hrsg. v. Hermann Klenner. Meiner, Hamburg 1996, ISBN 978-3-7873-1303-7
  • Elemente der Philosophie. Erste Abteilung: Der K√∂rper. √úbers. u. hrsg. v. Karl Schuhmann. Meiner, Hamburg 1997, ISBN 978-3-7873-1459-1

Quellen und Anmerkungen

  1. ‚ÜĎ zitiert nach: Iring Fetscher, Hrsg. von Thomas Hobbes, Leviathan, Berlin 1966, Einleitung S. XI
  2. ‚ÜĎ ("Humane Nature; or the Fundamental Elements of Policie" und "De Corpore Politico, or the Elements of Law"

Literatur

  • Georg Geismann, Karlfriedrich Herb (Hrsg.): Hobbes √ľber die Freiheit. W√ľrzburg 1988, ISBN 3-88479-337-3
  • Jean Hampton: Hobbes and the Social Contract Tradition, Cambridge University Press, 1988, ISBN 0-521-36827-8
  • Otfried H√∂ffe: Thomas Hobbes. In: Beck'sche Reihe Denker. 580, Beck, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3-406-60021-0.
  • Dieter H√ľning: Freiheit und Herrschaft in der Rechtsphilosophie des Thomas Hobbes, Duncker & Humblot, Berlin 1998, ISBN 3-428-09046-2
  • Dieter H√ľning (Hrsg.): Der lange Schatten des Leviathan. Hobbes' politische Philosophie nach 350 Jahren. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11820-0
  • Wolfgang Kersting: Thomas Hobbes zur Einf√ľhrung. In: Zur Einf√ľhrung. 373, Junius, Hamburg 2009, ISBN 978-3-88506-673-6.
  • Reinhart Koselleck: Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der b√ľrgerlichen Welt, Suhrkamp, Frankfurt am Main ¬≤1976 (u. a. ein Abschnitt √ľber Thomas Hobbes, der sein Pl√§doyer f√ľr den absolutistischen Staat mit der Angst vor den religi√∂sen B√ľrgerkriegen erkl√§rt)
  • Bernd Ludwig: Die Wiederentdeckung des Epikureischen Naturrechts. Zu Thomas Hobbes' philosophischer Entwicklung von ‚ÄěDe Cive‚Äú zum ‚ÄěLeviathan‚Äú im Pariser Exil 1640‚Äď1651, Frankfurt am Main 1998, ISBN 978-3-465-02998-4
  • Herfried M√ľnkler: Thomas Hobbes. Campus, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-593-36831-5 (Campus-Einf√ľhrungen)
  • Philip Pettit: Made with Words: Hobbes on Mind, Society and Politics, Princeton: Princeton University Press 2008.
  • Talcott Parsons: The Structure of Social Action. A Study in Social Theory with Special Reference to a Group of Recent European Writers. New York 1937.
  • Martin Rybarski: "Anthropologie als Grundpfeiler in der Staatstheorie von Thomas Hobbes im Kontrast zur aristotelischen", M√ľnchen 2010. ISBN 3640598091
  • Quentin Skinner: Freiheit und Pflicht. Thomas Hobbes' politische Theorie. In: Institut f√ľr Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universit√§t (Hrsg.): Adorno-Vorlesung. 2005, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2008 (Originaltitel: Hobbes and Republican Liberty, √ľbersetzt von Karin W√∂rdemann), ISBN 978-3-518-58498-9 (Inhaltsverzeichnis).
  • Leo Strauss: The Political Philosophy of Hobbes. Oxford 1936.
  • Ferdinand T√∂nnies: Thomas Hobbes, der Mann und der Denker. Stuttgart, Frommann [1896, ¬≤1910] (erw.) ¬≥1924. Faksimile 1971.
  • Richard Tuck, Hobbes, Freiburg, ISBN 3-926642-41-6

Weblinks

 Commons: Thomas Hobbes ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Werke
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Sekundärliteratur

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