Torquato Tasso

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Torquato Tasso
Torquato Tasso

Torquato Tasso (* 11. M√§rz 1544 in Sorrent, nahe Neapel; ‚Ć 25. April 1595 in Rom) war ein italienischer Dichter des 16. Jahrhunderts, der Zeit der Gegenreformation. Am bekanntesten wurde er durch sein Werk La Gerusalemme liberata (eig. Das befreite Jerusalem, auch ins Deutsche √ľbersetzt als Gottfried von Bulljon), in welchem er ein fiktives Gefecht zwischen Christen und Muslimen am Ende des Ersten Kreuzzuges w√§hrend der Belagerung von Jerusalem beschreibt; bekannt wurde er auch durch die Geisteskrankheit, an der er den gr√∂√üten Teil seines Lebens litt.

Torquato Tasso war der Sohn von Bernardo Tasso, einem Adligen aus Bergamo, der einer Seitenlinie des Geschlechts von Thurn und Taxis (italienisch: di Torre e Tasso) entstammt; seine Mutter war Porzia dei Rossi, die eng mit den nobelsten Familien Neapels verbunden war. Sein Vater war lange Jahre Sekret√§r im Dienste Ferrante Sanseverinos, des F√ľrsten von Salerno. Tasso wurde in Abwesenheit seines Vaters geboren, der seinen Herren zum Krieg zwischen Karl V und Franz I ins Piemont begleitete. 1545 kehrte er zur√ľck und im Sommer des Jahres zog die Familie von Sorrent nach Salerno, wo Tasso seine ersten Jahre verbrachte.

Inhaltsverzeichnis

Fr√ľhe Jahre

Ferrante Sanseverino geriet mit der spanischen Regierung Salernos zusammen, woraufhin er ge√§chtet und seiner ererbten Lehensg√ľter beraubt wurde. Tassos Vater, ebenfalls von dieser √Ąchtung seines G√∂nners getroffen, wurde mit seinem Sohn zum Rebellen erkl√§rt, sein Verm√∂gen wurde beschlagnahmt.

Deswegen lebte Tasso ab 1552 mit seiner Mutter und seiner einzigen Schwester Cornelia in Neapel, wo er von den Jesuiten in deren neu er√∂ffneter Schule erzogen wurde. Tasso lernte mit raschem Fortschritt Latein, Griechisch und Rhetorik. Die fr√ľhe Reife seines Intellekts und seine religi√∂se Leidenschaft erregten allgemeines Aufsehen, so dass er schon mit 8 Jahren Ber√ľhmtheit erlangte.

Im September des Jahres 1550 schickte Bernardo seinen Sohn nach Bergamo zu seinen Eltern, Tasso wurde begleitet von Don Giovanni Angeluzzo, der in seiner Kindheit sein Hauslehrer war.

1554 nahm ihn sein Vater mit nach Rom, wo er in gro√üer Armut lebte. Da die Familie seiner Mutter mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war, durfte Porzia Tasso, sehr zu ihrem Kummer, ihren Mann nicht begleiten, woraufhin sie nur wenige Monate sp√§ter verschied. Die Nachricht, dass sie sehr pl√∂tzlich und unter mysteri√∂sen Umst√§nden in Neapel starb, erreichte Bernardo und Torquato Tasso 1556. Bernardo Tasso war √ľberzeugt, dass sie von ihrem Bruder mit dem Ziel, ihren Besitz zu erlangen, vergiftet wurde. Tats√§chlich ging Porzias Besitz nie auf ihren Sohn √ľber. (Cornelia Tasso heiratete auf Verlangen ihrer m√ľtterlichen Verwandten nicht standesgem√§√ü.)

Leben am Hofe

1557 nahm Bernardo Tasso eine Stelle am Hof von Urbino im Dienst von Guidobaldo II. della Rovere an. Der junge Torquato wurde der Studiengefährte von Francesco Maria II. della Rovere, dem Erben des Herzog von Urbino. Am Hofe von Urbino pflegte man die ästhetischen und literarischen Studien, die in dieser Zeit in Mode waren. Bernardo Tasso las Gesänge seines Amadigi vor der Herzogin und ihren Damen oder diskutierte die Leistungen von Homer, Vergil und Ariost mit den Bibliothekaren und Sekretären des Herzogs. So wuchs Torquato in einer Atmosphäre von gebildetem Luxus und einem etwas pedantischen Kritizismus auf. Beides hatte einen großen Einfluss auf die Bildung seines Charakters.

Die Eroberungen der T√ľrken in Ungarn und ihre h√§ufigen Angriffe an der italienischen K√ľste weckten in den K√∂pfen den Gedanken an einen neuen Kreuzzug. Torquato, der im Kloster von Cava de Tirreni das Grab von Papst Urban III. gesehen hatte und dem man bei dieser Gelegenheit die Geschichte des Ersten Kreuzzuges erz√§hlt haben muss, begann √ľber ein Gedicht zu diesem Thema nachzudenken. Er schrieb bereits einen Teil davon nieder, der uns erhalten geblieben ist. Dieses Bruchst√ľck enth√§lt den Stoff der ersten drei Ges√§nge des sp√§teren Gerusalemme. Aber als Torquato merkte, dass das Werk sehr umfangreich und schwierig werden w√ľrde, und da er ungeduldig war, ber√ľhmt zu werden, legte er das Werk beiseite und begann, an einem einfacheren Werk zu arbeiten, aus dem sp√§ter der Rinaldo werden sollte.

Erste Erfolge

In Venedig, wo Torquatos Vater 1560 den Druck seines Amadigi √ľberwachte, galt der h√∂fisch-intellektuelle Einfluss weiterhin. Er fand sich als Scho√ühund und Wunderkind eines angesehenen literarischen Kreises wieder. Aber nachdem Bernardo Tasso in seiner eigenen Karriere so unter der Abh√§ngigkeit der Musen gelitten hatte, w√ľnschte er sich f√ľr seinen Sohn eine lukrativere Stellung, weswegen er ihn zum Studium der Rechtswissenschaften nach Padua sandte, wobei er ihn dem ber√ľhmten Gelehrten Sperone Speroni empfahl. Torquato betrieb seine Studien allerdings nicht unbedingt ausdauernd, bis ihm sein Vater nach einem Jahr erlaubte, sich f√ľr Philosophie und Rhetorik einzuschreiben. Von seinen Freunden ermutigt, arbeitete Tasso weiter an seinem Rinaldo.

Noch vor 1562 beendete er das erzählende Gedicht, welches die Regelmäßigkeit der Dichtung Vergils mit der Anziehungskraft der romantischen Epen verband. Das Gedicht beeindruckte wenig durch seine Handlung, den Stil und die Bearbeitung, aber durch seine Originalität, so dass sein Autor als der vielversprechendste Poet seiner Zeit gehandelt wurde, obwohl er noch nicht einmal 18 Jahre alt war. Der geschmeichelte Bernardo erlaubte den Druck des Werkes. Nachdem Bernardo ein Jahr im Dienst des Kardinals Luigi d’Este verbracht hatte, begab er sich nun in die Dienste des Herzogs von Mantua, Guglielmo Gonzaga, bei dem er bis zu seinem Tod angestellt blieb.

Sein drittes Studienjahr verbrachte Tasso in Bologna, wo er oft private Literatur-Akademien besuchte. Die Ferien verbrachte er bei seinem Vater in Mantua. Im vierten Studienjahr, 1564, wurde er allerdings im Januar beschuldigt, Autor von satirischen Gedichten gegen einige Mitstudenten und einen seiner Professoren zu sein, und wurde der Stadt verwiesen. Auf Einladung des jungen Prinzen Scipio Gonzaga lie√ü er sich in Padua nieder. Er wurde unter dem Namen Pentito Mitglied der Academia degli Eterei und nahm an der Universit√§t seine unterbrochenen Studien wieder auf. W√§hrend seines Aufenthaltes in Padua verfasste er seine ersten lyrischen St√ľcke. Einige waren inspiriert von Tassos erster Liebe zu Lucrezia Bendidio, einer jungen Dame aus einer vornehmen ferraresischen Familie. Die anderen schrieb er f√ľr Laura Peperara, in die er sich w√§hrend seiner Ferien in Mantua verliebt hatte.

Nach Beendigung seines Studiums im Sommer 1565 trat er, dank der Vermittlung des Grafen Fulvio Rangone, wie vor ihm sein Vater in die Dienste des Kardinals Luigi d’Este. Im Oktober ließ er sich in Ferrara nieder, wo er, da seine Aufgabe am Hof noch nicht festgelegt war, Gelegenheit hatte, am Gerusalemme weiter zu arbeiten, dessen Beendigung er sich wieder vorgenommen hatte.

Ferrara

Die f√ľnf Jahre zwischen 1565 und 1570 scheinen, trotz der Trauer √ľber den Tod seines Vaters 1569, die gl√ľcklichsten Jahre in Tassos Leben gewesen zu sein. Jung, gut aussehend, kultiviert und wohlerzogen in allen Belangen eines Ehrenmannes, gew√∂hnt an die Gesellschaft der Gro√üen und Gelehrten, ber√ľhmt durch seine in Versen und in Prosa ver√∂ffentlichten Werke, wurde er zum Idol am hervorragendsten Hof Italiens. Die Prinzessinnen Lucrezia und Leonora d‚ÄôEste, beide unverheiratet und √ľber zehn Jahre √§lter als Tasso, nahmen ihn unter ihren Schutz. Er wurde zu ihrem vertrauten Umgang zugelassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihm beide Prinzessinnen auch pers√∂nlich sehr gewogen waren. Tats√§chlich wurde ihm eine Liebschaft mit Leonora d‚ÄôEste nachgesagt, wof√ľr es allerdings keinerlei Beweise gibt. Fest steht, dass Tasso der G√ľte der beiden Schwestern sehr viel verdankte.

1570 reiste Tasso mit dem Kardinal nach Paris. Sie kamen am 10. Februar 1571 in Paris an. Seine sehr offene Art zu sprechen und sein gewohnheitsm√§√üiger Mangel an Takt f√ľhrten zu einer Streitigkeit mit dem Kardinal. Es ist m√∂glich, dass es einen kleinen Zwischenfall mit K√∂nig Karl IX gab, dessen Toleranz gegen√ľber den Hugenotten Tasso ungelegenerweise kritisierte. Deshalb verlie√ü er Frankreich am 19. M√§rz schnellstm√∂glich. Nach einer anderen Version wurde Tasso schlicht und einfach entlassen, da es dem Kardinal an Geld fehlte. In seinem Dialog Cattaneo (1585) erw√§hnt Tasso, dass er w√§hrend seines Aufenthaltes in Frankreich den Dichter Ronsard kennen lernte.

Am 15. April 1571 kehrte er f√ľr ein paar Tage nach Ferrara zur√ľck, dann reiste er nach Rom, von dort nach Pesaro und Urbino, wo er Lucrezia d‚ÄôEste traf, die im Jahr zuvor Prinz Francesco Maria della Rovere geheiratet hatte. Mit ihr kehrte er im September nach Ferrara zur√ľck. Ab Januar des Jahres 1572 nahm er Dienst unter Herzog Alfonso II, dem Bruder von Kardinal Luigi d‚ÄôEste, zuerst ohne fest definierte T√§tigkeit, ab 1576 offiziell als Historiker des Hofes.

Im Januar 1573 folgte er dem Herzog nach Rom und nach der R√ľckkehr komponierte er in wenigen Monaten seine Aminta, ein inhaltlich einfach gehaltenes, aber lyrisch sehr ansprechendes Pastoraldrama, die er im Fr√ľhling dem Hof pr√§sentierte. Im Jahr darauf begab er sich in der Karnevalszeit nach Pesaro, im Juli begleitete er Alfonso nach Venedig, um anwesend zu sein bei der Durchreise von Heinrich III, der aus Polen zur√ľckkehrte, weil er die Krone Frankreichs in Besitz nehmen wollte.

La Gerusalemme Liberata

Tasso arbeitete weiter an seinem Hauptwerk, dem Gerusalemme Liberata, das er im April 1574, nachdem er sich √ľber 15 Jahre damit besch√§ftigt hatte, vollendete. Er las es im folgenden Sommer dem Herzog und den Prinzessinnen vor. Die angenehmste Zeit seines Lebens war vor√ľber, seine besten Werke bereits geschrieben; auf einmal sah er sich mit unvermuteten Problemen konfrontiert. Anstatt seinem Instinkt zu vertrauen und das Werk zu ver√∂ffentlichen, f√ľhlte er sich unsicher.

Er sandte Manuskripte des Gerusalemme verschiedenen Gr√∂√üen seiner Zeit zu ‚Äď Schriftstellern, Theologen, Philosophen - , um deren Meinungen einzuholen. Er bat sie, ihre Kritik zu √§u√üern, und wollte ihre Vorschl√§ge, soweit sie sich mit seinen Vorstellungen deckten, in sein Werk aufnehmen. Im Mai begab sich Tasso nach Padua und Vicenza und bat den gro√üen Gelehrten Gian Vincenzo Pinelli (1535‚Äď1601) das Werk zu pr√ľfen. Im September 1575 begab er sich nach Rom, wo er sein Werk Scipio Gonzago, Flaminio de‚Äô Nobili, Silvio Antoniano, Pier Angelis Bargeo, Sperone Speroni, sowie in Florenz dem bekannten Schriftsteller Vincenzo Borghini unterbreitete.

Das Ergebnis: Jeder dieser aufrichtigen Freunde lobte das Werk zwar im Allgemeinen, wollte aber an Einzelheiten feilen: an der Handlung, am Titel, an einzelnen Episoden, an der Wortwahl oder am moralischen Grundton. Einer w√ľnschte es sich regelm√§√üiger, klassischer, ein anderer wollte einen eher romantischen Ton; ein Freund merkte an, die Inquisition w√ľrde die √ľbernat√ľrlichen Teile des Werkes nicht tolerieren, ein weiterer w√ľnschte den Ausbau der verzaubertsten Passagen, der Liebesgeschichten von Armida, Clorinda und Erminia. So musste sich Tasso gegen all diese Einw√ľrfe wehren. Die Zeit hat gezeigt, dass Tassos selbstgew√§hlte Kritiker nicht geeignet waren, das Werk richtig einzusch√§tzen. Sie meinten, die von Tasso gew√§hlte epische Form w√ľrde nicht zum romantischen Inhalt des Gedichtes passen. So rieten sie Tasso nicht das einzig Richtige, die Ver√∂ffentlichung des Werkes, sondern eine √úberarbeitung.

Tasso, von seinen Studien, dem anstrengenden Leben am Hofe und seiner Arbeit als Literat auch so schon √ľberm√§√üig gefordert, verkraftete diese zus√§tzliche Anstrengung nicht mehr. Seine Gesundheit begann zu leiden: Er klagte √ľber Kopfschmerzen, litt an malaria-√§hnlichen Fieberschauern und w√ľnschte, Ferrara zu verlassen. So begann er Verhandlungen mit dem Hof von Florenz zu f√ľhren, was den Herzog von Ferrara, der nichts so sehr hasste, wie wenn ihn ein H√∂fling wegen eines rivalisierenden Herzogs verlie√ü, ver√§rgerte. Er argw√∂hnte, wenn er Tasso gehen lie√üe, w√ľrde das Gerusalemme Tassos neuen Herren, den Medici, gewidmet werden. Deshalb entschied er, dass Tasso keine Erlaubnis erhalten solle, den Hof zu verlassen.

Beginnender Niedergang

Tasso im Jahre 1577

1576 besuchte er im April f√ľr die Osterfeierlichkeiten Modena; als er im Mai zur√ľck nach Ferrara kam, wurde er schwer krank. In den Jahren 1575 bis 1577 verschlechterte sich Tassos Gesundheit zusehends. Er litt an tiefer Niedergeschlagenheit und pl√∂tzlicher Melancholie. Neid veranlasste die H√∂flinge, ihn schlecht zu machen und ihn zu beleidigen. Sein leicht erregbares und argw√∂hnisches Temperament, Kr√§nkungen gegen√ľber sehr empfindlich, machten es ihnen zu leicht, ihn zur Zielscheibe zu nehmen. Er wurde zum Opfer von Wahnvorstellungen, dachte, dass seine Diener sein Vertrauen missbrauchten, f√ľrchtete, an die Inquisition verraten worden zu sein, erwartete t√§glich, vergiftet zu werden; unaufhaltsam steigerte sich sein Verfolgungswahn. Wahrscheinlich litt Tasso ab dem Jahr 1575 an einer Geisteskrankheit, die, ohne ihn direkt k√∂rperlich krank zu machen, ihn durch sein untragbares Verhalten zum Besorgnis seiner G√∂nner werden lie√ü. Heute geht man davon aus, dass es sich bei dieser Krankheit um Schizophrenie handelte.

Am 7. September 1576, als es schien, als h√§tte Tasso sich von seinem Leiden wieder etwas erholt, wurde er am helllichten Tage auf einem √∂ffentlichen Platz in Ferrara von Ercole Fucci und dessen Bruder Maddalo, beide Mitglieder des Hofes, heimt√ľckisch √ľberfallen. Bei dieser Schl√§gerei wurde der Dichter sehr heftig von einem Stock am Kopf getroffen, wovon er eine ernsthafte Verletzung davontrug. Der Schuldige fl√ľchtete und entkam so den Nachforschungen, die der F√ľrst anstellen lie√ü. Ursache des Zwistes soll wohl entweder Neid der beiden H√∂flinge auf Tassos Erfolg oder die Tatsache, dass Maddalo zu offen √ľber eine Liebesaff√§re gesprochen hatte, gewesen sein. Entr√ľstet begab sich Tasso daraufhin nach Modena, wo er die Bekanntschaft der sch√∂nen und ber√ľhmten Dichterin Tarquinia Molza machte, zu deren Ehren er einige Verse schrieb. Ende Januar 1577 ging er wieder nach Ferrara, genauer gesagt nach Comacchio, wo sich zu dieser Zeit der Hofstaat aufhielt.

Auch seine religi√∂sen Skrupel vermehrten sich. Im Juni 1575 hatte er sich auf eigenes Betreiben vor dem Inquisitor von Bologna zu verantworten, da er sich der H√§resie f√ľr schuldig befand, im Juni 1577 vor dem Ferraras. Solch ein religi√∂ser Eifer war in Ferrara allerdings gef√§hrlich, wo calvinistische Gedanken eher verbreitet waren. Die Absolution, die ihm der Inquisitor erteilte, beruhigte Tassos nicht, da er glaubte, man lasse ihn nur aus Mitleid in seinem Irrglauben verharren.

Am Abend des 17. Juni, als er seine Qualen Prinzessin Lucrezia beichtete, bildete er sich ein, dass ein vorbeigehender Diener ihm nachspionierte. Er versetzte ihm einen Stich mit seinem Messer. Der Herzog lie√ü ihn in einem kleinen Zimmer innerhalb des Schlosses einsperren und sorgte daf√ľr, dass Tasso gepflegt wurde. Wenig sp√§ter nahm er Tasso mit auf sein Lustschl√∂sschen Belriguardo in der Hoffnung, dass die Zerstreuungen auf dem Lande heilsam wirken w√ľrden. Was dort passierte, ist unbekannt. Einige Biographen behaupten, dass eine kompromittierende Liaison mit Leonora d‚ÄôEste ans Licht gekommen sei und Tasso sich wahnsinnig stellte, um ihre Ehre zu sch√ľtzen. Aber daf√ľr gibt es keinen Beweis. Sicher ist nur, dass er fast sofort wieder nach Ferrara zur√ľckgeschickt wurde und dort ein franziskanisches Konvent aufsuchen musste, offenbar mit der erkl√§rten Absicht, seine Gesundheit wieder herzustellen. Dort blieb er einige Zeit, st√§ndig in der Angst, durch die ihm verabreichten Medikamente vergiftet zu werden. Er glaubte, beim Herzog in Ungnade gefallen zu sein; der Gedanke, dass der F√ľrst ihn ermorden lassen wolle, lie√ü Tasso nicht mehr los.

Es gibt keine augenscheinlichen Beweise, dass sein Verhalten einer √ľberm√§√üigen Leidenschaft zu Leonore d‚ÄôEste entsprang. Der Herzog zeigte, entgegen seinem Tyrannenimage, eine beachtliche Nachsichtigkeit. Er war ein unbeugsamer und wenig verst√§ndnisvoller Mann, so geltungsbed√ľrftig, wie es von einem Manne seines Ranges in dieser Zeit zu erwarten war. Aber zu Tasso war er nie grausam, mit Sicherheit war er nicht das Ungeheuer, das sp√§ter aus ihm gemacht wurde. Der weitere Verlauf seiner Beziehung zu dem Poeten best√§tigt dies.

In der Nacht vom 25. Juli 1577 zerst√∂rte Tasso die T√ľr seiner Zelle und fl√ľchtete nach Ferrara. Er verkleidete sich als Bauer und ging zu Fu√ü zu seiner Schwester in Sorrent. Er erschien vor ihr in der Verkleidung eines Sch√§fers, wie im Brief vom 14. November 1578 beschrieben, und berichtete ihr vom angeblichen Tod Tassos, wie Manso erz√§hlt, um zu sehen, welchen Effekt diese Tatsache auf sie haben w√ľrde. Er wurde mit Freude von ihr aufgenommen, nachdem er seine Verkleidung gel√ľftet hatte. Ende Januar 1578 versp√ľrte Tasso allerdings den Wunsch, seine Gedichte zu vollenden, und begab sich deshalb nach Rom. Dort fand er erst Zuflucht bei Kardinal Luigi d‚ÄôEste, wenig sp√§ter bei Giulio Masetti, dem Botschafter von Ferrara.

Unbeständigkeit

In Rom sehnte sich der des h√∂fischen Lebens √ľberdr√ľssige Tasso nach dem famili√§ren Umfeld von Ferrara. Er schrieb einen bescheidenen Brief, mit der Bitte, nach Ferrara zur√ľckkehren zu d√ľrfen. Alfonso gew√§hrte dies gern, unter der Bedingung, dass Tasso sich einer medizinischen Behandlung seiner Melancholie unterzog. Bei seiner R√ľckkehr, die er unter diesen Bedingungen ohne zu z√∂gern annahm (Mitte April 1578), wurde er von der herzoglichen Familie gut wieder aufgenommen. W√§ren seine alten Krankheiten nicht wieder aufgelebt, h√§tte das Leben in Ferrara sicher wieder seinen alten Glanz angenommen. Allerdings gab es immer wieder Momente, in denen Tasso zu Reizbarkeit, Launenhaftigkeit, Argwohn, verletzter Eitelkeit und gewaltt√§tigen Ausbr√ľchen neigte.

In den ersten Julitagen fl√ľchtete er wieder, reiste durch Mantua, wo er verkaufte, was er besa√ü, Padua, Venedig und Pesaro, wo er von Herzog Francesco Maria, dem Gef√§hrten seiner Kindheit, aufs Neue empfangen wurde. Im September verlie√ü er ihn heimlich und ging ins Piemont. Er erreichte zu Fu√ü die Tore von Turin, wo er, da er keine Best√§tigung √ľber seine Gesundheit (in Zeiten der Pest unumg√§nglich) besa√ü, von den Wachen nicht eingelassen wurde. Angelo Ingegneri, ein venezinianischer Gelehrter, den Tasso in Ferrara kennen gelernt hatte, sorgte daf√ľr, dass man Tasso dennoch einlie√ü. Prinz Karl Emanuel I. bot ihm an, in seine Dienste zu treten, desgleichen der Erzbischof Kardinal Giulio della Rovere und der Marquis Philippe d‚ÄôEste, Schwiegersohn des Herzogs Emmanuel-Philibert von Savoyen.

Wohin er auch ging, aufgrund seines bekannten Namens und seines dichterischen Talentes wurde er √ľberall zuvorkommend aufgenommen. Aber schon bald (November) wurde Tasso der Gesellschaft √ľberdr√ľssig. Immer noch zog es ihn nach Ferrara. Also f√ľhrte er wieder Verhandlungen mit dem F√ľrsten und im Februar 1579 wurde der Dichter wiederum im Schloss aufgenommen. Alfonso war zu dieser Zeit im Begriff, seine dritte Heirat auszurichten, die Heirat mit Prinzessin Margarita von Mantua. Er hatte aus seinen beiden ersten Ehen keine Kinder, und sofern er keinen Erben hatte, bestand die M√∂glichkeit, dass sein Rang dem Heiligen Stuhl zufiel (wie es sp√§ter tats√§chlich geschah).

Die Hochzeitsfeierlichkeiten, w√§hrend deren Tasso den Hof erreichte, boten dem alternden Br√§utigam keine Gelegenheit zu gro√üer Freude √ľber die R√ľckkehr seines Sch√ľtzlings. Alfonso war √ľber die Notwendigkeit einer dritten Heirat nicht erfreut und seine Erwartungen, die Zukunft seiner Ehe betreffend, waren nicht sehr positiv. Tasso, zu sehr mit seinen eigenen Sorgen und Gef√ľhlen besch√§ftigt, konnte f√ľr die Probleme seines Herren nicht die notwendige Beachtung aufbringen. Dennoch erbat er eine Audienz beim Herzog, die ihm allerdings abgeschlagen wurde. Er f√ľhlte sich unter seinem Rang behandelt. Auch die Prinzessinnen wollten Tasso nicht sehen. Am Abend des 11. M√§rz verbreitete er gemeinsam mit (oder gegen) Cornelio Bentivoglio, den Hauptmann des Herzogs, heftige Beschimpfungen. Als er wenig sp√§ter dem Hof vorgef√ľhrt wurde, war er Opfer eines solch heftigen Wahnsinns, dass man ihn ergreifen und ins Irrenhaus von St. Anna schicken musste, wo Tasso bis zum Juli 1586 blieb. Nach langem Hoffen glaubte Herzog Alfonso nun, Tasso sei mit Gewissheit verr√ľckt und St. Anna sei der sicherste Platz f√ľr ihn.

Leonora d’Este

Eleonora d¬īEste

Ein R√§tsel in Tassos Leben ist, warum es ihn immer wieder zum Hof von Ferrara zur√ľckzog. Eine m√∂gliche Ursache w√§re eine unerf√ľllte Liebe zu Leonora d‚ÄôEste. Allerdings gibt es f√ľr diese Liebschaft, wie bereits angef√ľhrt, keinen Beweis. Die Beziehung Tassos zu Leonora war nicht im mindesten intimer oder leidenschaftlicher als die zu ihrer Schwester Lucrezia. Die Gedichte, die er einigen anderen Damen gewidmet hatte, waren nicht weniger respektvoll oder weniger leidenschaftlich als die, die er Leonora widmete. H√§tte Tasso die Ehre Leonoras verletzt, so h√§tte der Herzog ihn sicherlich t√∂ten lassen. In diesen Zeiten bef√ľrwortete die Gesellschaft Vergeltungsma√ünahmen f√ľr die Verletzung der Ehre einer Dame. Auf alle F√§lle hat sich Tasso Eleonora gegen√ľber nicht wie ein treuer Liebhaber verhalten; besonders als er 1578 und 1579 nach Ferrara zur√ľckkehrte, zeigte er keinerlei √ľberm√§√üige Anstrengungen, den vertrauten Umgang mit Eleonora d‚ÄôEste wiederzugewinnen. Wenn also Tasso tats√§chlich sein ganzes Leben lang eine geheime Beziehung zu Leonora gehabt haben sollte, so ist dies im undurchdringlichen Nebel der Zeit verborgen.

In Gefangenschaft

Es muss ohne Zweifel f√ľr einen Mann wie Tasso mit seiner Empfindsamkeit, seiner Genussfreudigkeit, seinem rastlosen und selbstbewussten Geist, sehr schwer gewesen sein, mehr als sieben Jahre gefangen zu sein. Allerdings erhielt er nach den ersten Monaten seiner Einkerkerung ger√§umige Zimmer, durfte seine Mahlzeiten am Hofe des Herzogs einnehmen, bekam Besuche von seinen Freunden (unter anderem wurde er 1581 von dem bekannten Autor Michel de Montaigne besucht), ihm wurden unter Begleitung von f√ľr ihn verantwortlichen Aufsichtspersonen seines Bekanntenkreises Ausfl√ľge gestattet und er durfte freien Briefwechsel f√ľhren. Die Briefe, die er von St. Anna an die Prinzen Italiens, an ihm gewogene G√∂nner und an M√§nner h√∂chsten Rufes in Kunst und Kultur schrieb, bilden die wertvollste Informationsquelle, nicht nur, was seine Gesundheit angeht, sondern auch seinen geistigen Zustand im ganzen. Er sprach immer respektvoll, fast liebevoll von Herzog Alfonso. Kritiker behaupteten, Tasso k√ľsse die Hand, die ihn z√ľchtigte, in der Hoffnung, er m√∂ge aus dem Gef√§ngnis befreit werden; aber diese Meinung ist sehr umstritten. Was allerdings ganz klar aus den Briefen hervorgeht, ist, dass er unter einer ernsten Geisteskrankheit litt und dass er sich dessen bewusst war. Er musste auch weiterhin √ľberwacht werden, da er von Zeit zu Zeit pl√∂tzliche gef√§hrliche Anf√§lle hatte, neben langen Perioden, in denen er davon verschont blieb.

Tasso war in der Zeit seiner Gefangenschaft ungew√∂hnlich produktiv. Er verfasste eine Vielzahl von Dialogen zu philosophischen und ethischen Themen. Abgesehen von einigen Oden und Sonetten, zum Teil Auftragswerke und nur bez√ľglich der Rhetorik von Interesse, schrieb er Gedichte. Alles, was er in dieser Zeit schrieb, wurde genauestens von den Italienern aufbewahrt, die, w√§hrend sie ihn offenkundig f√ľr einen Verr√ľckten hielten, sich dennoch um die Produkte seines angeschlagenen Geistes rissen. Man kann nicht der Gesellschaft die Schuld geben: Tasso machte sich selbst zu einem f√ľr seine Mitmenschen unertr√§glichen Zeitgenossen, wobei er aber immer noch ein Genie und dadurch der interessanteste Mann Italiens blieb.

1580 h√∂rte Tasso, dass Teile seines Gerusalemme ohne seine Erlaubnis und ohne seine Korrekturen ver√∂ffentlicht worden waren: Celio Malaspina ver√∂ffentlichte in Venedig 14 Ges√§nge des Gerusalemme. Angelo Ingegneri, der ein vollst√§ndiges Manuskript besa√ü, gab im Jahr darauf eine Edition in Parma und eine weitere in Casalmaggiore heraus. In den folgenden sechs Monaten gab die Presse sieben verschiedene Editionen heraus. Der immer noch im Irrenhaus von St. Anna gefangene Tasso hatte keinerlei Einfluss auf seine Herausgeber und verdiente keinen Pfennig an seinem Meisterwerk, das ihn k√ľnstlerisch auf das Niveau von Petrarch und Ariost stellte. Ein konkurrierender Poet des Hofes von Ferrara, Giovanni Battista Guarini, √ľbernahm es 1582, seine Verse zu √ľberpr√ľfen und herauszugeben, und Tasso in seiner Zelle musste erlauben, dass seine Oden und Sonette, seine pers√∂nlichen Gedichte und gelegentliche Gru√üworte gesammelt und berichtigt wurden, ohne dass er im Zweifel seinen Einfluss geltend machen konnte.

Einige Jahre sp√§ter, 1585, erkl√§rten zwei Florentiner Pedanten der Della Crusca-Akademie dem Gerusalemme den Krieg. Sie √ľbersch√ľtteten das Werk mit Beleidigungen, die denen, die ihre Pamphlete lasen, eher wie Parodien als wie eine fundierte Kritik erscheinen mussten. Dennoch f√ľhlte Tasso sich verpflichtet zu antworten und er tat dies mit einer solchen M√§√üigung und Kultiviertheit, dass es schien, als w√§re er nicht nur ein herausragender Ehrenmann, sondern auch im Vollbesitz seiner geistigen Kr√§fte.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Tassos Kerkerhaft auf ihre Art wohl einzigartig ist. Wie Hamlet verzweifelte er an den gesellschaftlichen Umst√§nden und seiner Zeit. Geisteskrank war Tasso ohne Zweifel. In der Gefangenschaft benahm er sich pathetisch und gereizt, aber nie unedel. Er zeigte eine einzigartige Gleichg√ľltigkeit dem Schicksal seines gro√üen Werkes gegen√ľber und einen unglaublichen Gro√ümut im Umgang mit seinen Kritikern. Sein eigenes Leid fra√ü ihn auf. Was √ľbrig blieb, unber√ľhrt von der Krankheit, war eine ruhige und ernsthafte Menschlichkeit.

Das Merkw√ľrdigste w√§hrend seines Lebens im Gef√§ngnis war, dass er immer versuchte, seine zwei Neffen, die S√∂hne seiner Schwester Cornelia, am Hofe unterzubringen. Den einen schickte er dem Herzog von Mantua, Guglielmo I von Gonzaga, den anderen dem Herzog von Parma, Ottavio Farnese. Nach allen schlechten Erfahrungen, die sein Vater und er mit dem h√∂fischen Leben gemacht hatten, hatte er immer noch nicht gelernt, dass ein Dichter den Trubel eines gro√üen F√ľrstenhofes meiden sollte. Dies entkr√§ftet √ľbrigens wiederum das Bild Alfonsos als Tyrannen. Tasso erscheint nicht wie das Opfer eines Tyrannen, wenn er Himmel und Erde in Bewegung setzt, um die Kinder seiner Schwester zu eben solchen Tyrannen zu schicken.

Wiedergewonnene Freiheit

Der Prinz von Mantua, Vincenzo Gonzaga, kam h√§ufig nach Ferrara, um dort seine Schwester, die neue Herzogin, zu sehen. Dabei besuchte er auch √∂fter Tasso in seinem Gef√§ngnis. Im Juli 1586 schlug er dem Herzog vor, Tasso mit sich zu nehmen, unter dem Versprechen, ihn auf Wunsch des Herzogs unverz√ľglich nach Ferrara zur√ľckzubringen. Alfonso war damit einverstanden; und am 13. Juli durfte der Poet sein Gef√§ngnis verlassen, um sich nach Mantua zu begeben. Er lebte eine Weile in Freiheit im h√∂fischen Trubel, besch√§ftigte sich mit seinen Gedichten, beendete eine bereits angefangene Trag√∂die unter dem Titel Galeatto, K√∂nig von Norwegen, die er allerdings in K√∂nig Torrismondo umbenannte. 1587 begab er sich nach Bergamo, wo er Verwandte hatte, und genoss die freudige Begr√ľ√üung seiner Vaterstadt. Aber schon nach wenigen Monaten wurde er wieder unzufrieden. Vincenzo Gonzaga, der seinen Vater als Herzog von Mantua ersetzte, hatte wenig Mu√üe, sich um den Dichter zu k√ľmmern. Tasso f√ľhlte sich vernachl√§ssigt. Im Oktober des Jahres 1587 fl√ľchtete er nach Modena, reiste dann durch Bologna und Loreto nach Rom, wo er bei seinem alten Freund Scipione Gonzaga, der nun der Patriarch von Jerusalem war, am 3. November Quartier nahm. Im Jahr darauf wanderte er nach Neapel, in der Hoffnung, seine Schwester wiederzusehen, und schrieb dort im M√§rz ein schwerf√§lliges Gedicht √ľber den Monte Oliveto. Es stellte sich heraus, dass seine Schwester gestorben war. Er lebte als Gast verschiedener vornehmer Herren, besonders hervorzuheben ist Manso, der sp√§ter sein erster Biograph wurde.

Am 25. November 1589 kehrte er nach Rom zur√ľck, wo er wieder bei Scipione Gonzaga einkehrte, der inzwischen zum Kardinal ernannt wurde. Er lebte bis zum August 1589 im Palais in der Via della Scrofa, die heute den Namen Palais Negroni-Galitzin tr√§gt.

Die Diener setzten Tasso aufgrund exzentrischen Verhaltens vor die T√ľr. Er wurde krank und begab sich bis zum November zu den M√∂nchen des Klosters auf dem Monte Oliveto. In dieser Zeit verschlimmerte sich seine Geisteskrankheit zusehends. Deswegen begab er sich einen Monat sp√§ter in ein Krankenhaus in Bergamo. Als er es 1590 wieder verlie√ü, nahm ihn der Patriarch erneut auf. Aber Tassos rastloser Geist trieb ihn am 15. April nach Florenz, wo er von Gro√üherzog Ferdinand I. f√ľrstlich empfangen wurde. Schon im September reiste Tasso wieder nach Rom. Vincento Gonzago lud ihn ein, an seinen Hof zu kommen. Nach l√§ngeren Verhandlungen akzeptierte Tasso dies und erreichte Mantua am 17. M√§rz 1591. W√§hrend dieser ganzen Zeit sah er weiter seine Manuskripte durch und schmiedete neue Verse. Im August wurde der Dichter schwer krank; im November begleitete er den Herzog nach Rom, um Innozenz IX., den neuen Papst, zu begr√ľ√üen.

Im Januar 1592 wurde er von Mathieu von Capua, dem Prinzen von Conca, eingeladen, nach Neapel zu kommen, wo er ein neues Gedicht, Il Mondo creato, begann, das 1607, nach Tassos Tod, ver√∂ffentlicht wurde. Im April, als Tasso nach Rom zur√ľckkehrte, musste er sich einige Tage nach Mola de Ga√ęte begeben, weil der ber√ľhmte Bandit Marco de Sciama sich in der Gegend befand. In Rom lebte er bis Juni bei Vincenzo Gonzago, darauf bei Cinzio und Pietro Aldobrandini, dem Neffen von Papst Clemens VIII, der 1592 den Heiligen Stuhl bestiegen hatte. Diesen beiden widmete er 1593 sein Gerusalemme Conquistata, eine √ľberarbeitete Version seines Gerusalemme liberata. Alles, was das Gedicht seiner fr√ľheren Jahre ansprechend machte, wetzte er rigoros aus. Im selben Jahr erschien ein Prosast√ľck in italienischen Blankversen, Le Sette Giornate, eine d√ľstere Beschreibung des ersten Kapitels der Genesis. Es ist heute g√§nzlich unbekannt.

P√§pstliche W√ľrdigung und Tod

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr und sein Genie nahm ab. Im Juni 1594 fand er Asyl bei den M√∂nchen von San Severino. Im November rief ihn der Papst nach Rom, um ihn mit der Krone des Poeten, mit der zuvor schon Petrarch geehrt worden war, auf dem Kapitol zu kr√∂nen. Er erreichte Rom schwer krank. Die Kr√∂nungszeremonie verschob sich, da Kardinal Aldobrandini erkrankt war. Man bereitete ihm angenehme Tage, der Papst sorgte daf√ľr, dass Prinz Avellino, der Tassos ererbte Lehensg√ľter besa√ü, eine j√§hrliche Rente an Tasso zahlte. Dennoch verschlimmerte sich sein Leiden zusehends.

Anfang April 1595 begab Tasso sich in das Kloster von San Onofrio, um dort genesen zu k√∂nnen. Angeblich sagte Tasso, als er aus seiner Kutsche stieg, zum Prior des Klosters, dass er gekommen sei, um im Kloster zu sterben. Der Papst sandte ihm seinen Leibarzt Cesalpino. Am 25. April 1595, einen Tag vor der geplanten Dichterkr√∂nung, starb er in San Onofrio. Der Papst sorgte daf√ľr, dass Tasso ein feierliches Begr√§bnis bekam. Auf eigenen Wunsch wurde Tasso in Sant' Onofrio al Gianicolo begraben.

Er war erst 51 Jahre alt und die letzten 20 Jahre seines Lebens waren k√ľnstlerisch unbedeutend. Im Alter von 31 Jahren vollendete er das Gerusalemme, wie wir es kennen. Auch die Aminta war bereits ver√∂ffentlicht. Mehr als das konnte Tasso der Welt nicht geben. Aber die folgenden Jahre der Geistesgest√∂rtheit, des Exils, der Gef√§ngnishaft, der Armut und der immer wieder zerst√∂rten Hoffnung machten Tasso, durch das Mitleid, das man ihm entgegenbrachte, zum Liebling seines Volkes. Missmutig und verdrossen musste er immer erscheinen, dennoch ist Tasso uns gerade, weil er fast ein Vierteljahrhundert langsamen Niedergangs ertragen musste, in Erinnerung geblieben.

Werke

  • Das Stanzen-Epos La Gerusalemme liberata (1575).
    • Deutsche √úbersetzungen (Auswahl):
      • Gottfried von Bulljon von Diederich von dem Werder, hrsg. Gerhard D√ľnnhaupt, T√ľbingen 1974 (Nachdruck der Ausgabe von 1626).
      • Versuch einer poetischen Uebersetzung des Tassoischen Heldengedichts genannt: Gottfried, oder das Befreyte Jerusalem von Johann Friedrich Koppe. Leipzig 1744, Online.
      • Befreytes Jerusalem, 2 B√§nde, √ľbersetzt von August Wilhelm Hauswald, G√∂rlitz 1802, Erster Band, Zweyter Band.
  • Das Sch√§ferspiel Aminta (1573) gilt als die sch√∂nste Pastoraldichtung in italienischer Sprache. Pastoraldrama, einfacher Handlungsverlauf, besticht durch lyrischen Charme.
    • Deutsche √úbersetzungen:
      • Des beruembten Jtaliaenischen Poeten Torqvati Taszi Amintas oder Wald-Gedichte von Michael Schneider, Hamburg 1642.
      • Amyntas, Hirten-Gedichte des ber√ľhmten Poeten Torquati Tassi von Johann Heinrich Kirchhoff, Hannover 1742, Online.
  • Das Ritterepos Rinaldo (1562).
  • Kleine Prosawerke.
  • Er hinterlie√ü rund 1700 Briefe.

In der Dichtung u. a. behandelt von Goethe: Torquato Tasso 1790, Lord Byron 1819, Ernst Raupach 1833.

Stand- und Denkmale

  • Standbild des Dichters auf dem Piazza T. Tasso in seiner Geburtsstadt Sorrent
  • Marmorherme von Gustav Blaeser im Dichterhain vor der Westseite des Schlosses Charlottenhof, genannt ‚ÄěSiam‚Äú, im Park von Sanssouci/Potsdam
  • Standbild des Dichters auf der Piazza Vecchia in Bergamo, vor dem Palazzo della Ragione

Literatur

  • Achim Aurnhammer (Hrsg.): Torquato Tasso in Deutschland. Seine Wirkung in Literatur, Kunst und Musik seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. de Gruyter, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-11-014546-4. (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte, 3 (=237))
  • Winfried Wehle: Torquato Tasso. Sprachritter. Jahresgabe der Frankfurter Stiftung f√ľr Deutsch-Italienische Studien, Frankfurt a.M. 1997. PDF

Weblinks

 Commons: Torquato Tasso ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Torquato Tasso ‚Äď Quellen und Volltexte (Italienisch)

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