Trabrennbahn Karlshorst

Eingang zum Gelände der Trabrennbahn

Die Trabrennbahn Karlshorst befindet sich im Ortsteil Karlshorst im Bezirk Lichtenberg von Berlin an der Treskowallee in der Nähe des S-Bahnhofes Karlshorst. Die Rennbahn Karlshorst ist nach dem Vorwerk Karlshorst die älteste Ansiedlung in der Umgebung des heutigen Karlshorst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Besucher auf der Pferderennbahn in Karlshorst im Jahr 1910

Auf dem nahen Vorwerk Carlshorst wurden schon seit 1862 Armee-Jagd-Rennen durchgeführt. Die hierfür genutzte Rennbahn diente auch als Ausweichparcour für die in Charlottenburg vorhandene Hindernisbahn. So fand in Karlshorst 1884 das erste öffentliche Pferderennen statt.[1] Die eigentliche Rennbahn Karlshorst entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem etwa 1,2 Quadratkilometer großen Gelände der Familie Treskow. Der Verein für Hindernisrennen aus Charlottenburg suchte zu dieser Zeit ein neues Gelände, wobei sich der Standort Karlshorst gegen Zehlendorf, Kaulsdorf und Tempelhof durchsetzte. Die Kritiker hätten die neue Hindernis-Rennbahn lieber verkehrsgünstig in Zehlendorf zwischen Berlin und Potsdam gesehen, denn Karlshorst hatte zu dieser Zeit noch nicht einmal eine Eisenbahnanbindung. Nach Plänen der Architekten Johannes Lange (Hochbauten), Rudolph Jürgens (Landschaftsanlagen) und Martin Haller (sporttechnische Gestaltung) entstand jedoch 1893/1894 die Galopprennbahn für Hindernis- oder Jagdrennen.

Die Trabrennbahn und das dominante Gebäude "Fürstenhaus" im Jahr 1899 (hier noch als Hindernisrennbahn)

1945 wurde die Anlage auf Anordnung des sowjetischen Stadtkommandanten Generaloberst Bersarin zur Trabrennbahn umgebaut und flächenmäßig etwa um das Doppelte vergrößert. Während der deutschen Teilung war dies die einzige Trabrennbahn in der DDR und wurde vom Volkseigenen Betrieb Trabergestüte und Trabrennbahn betrieben.[1] Nach der Wiedervereinigung verpachtete die Treuhandanstalt die Reitsportanlage Karlshorst an den Trabrennverein Mariendorf (TVM), der bereits die Trabrennbahn Mariendorf verwaltete. Dadurch gab es vier Renntage pro Woche, zwei auf jeder Bahn. Durch den wirtschaftlichen Niedergang des Pferderennsports nach der Jahrtausendwende zog sich der TVM zurück.

Im Jahr 2004 wurde das Rennbahngelände Karlshorst zum Verkauf ausgeschrieben. Nachdem die TLG Immobilien, eine Nachfolgeeinrichtung der Treuhandanstalt, das Areal geteilt hatte, konnte die eine Hälfte an den neu gegründeten Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V. und die andere Hälfte als Bauland verkauft werden. Das Bauland entstand durch Abriss einiger Stallgebäude, des Casinos und der Reithalle und ist inzwischen (Stand April 2009) weitestgehend mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut.[1] Das verbliebene Areal von circa 3,7 Quadratkilometer wird engagiert vom Verein betreut. Die Erfolge der Arbeit zeigen sich in steigenden Besucherzahlen, in steigenden Wettumsätzen und dem Auftreten von Sponsoren. Das Konzept war von Anfang an „volksnah“ und auf die Masse der Besucher ausgerichtet. So kann man zum Beispiel für wenig Geld Anteile an Rennpferden erwerben und so zu einem Bruchteil der Kosten Mitbesitzer werden. Es existiert eine Fahrschule für Traber, in der jedermann Unterricht nehmen kann. Neben den regelmäßigen wöchentlichen Renntagen gab es im Herbst 2007 eine Großveranstaltung mit über 30 römischen Kampfwagen, Legionären und Ben Hur. Das wichtigste Rennen im Jahr ist das Bersarin-Erinnerungsrennen. Der Verein und die Marketingagentur GPM LiveMarketing setzen alle Kraft daran, die Trabrennbahn auch für Großveranstaltungen attraktiv zu machen. Hierfür sind unter anderem die Deutsch-Russischen Festtage ein Vorzeigeprojekt geworden, das im Jahr 2008 mehr als 110.000 Besucher hatte.

Eine dauerhafte Sicherung des Rennbetriebs in Karlshorst bahnt sich 2009 an, ein Mietvertrag mit der Reiterstaffel der Bundespolizei steht kurz vor dem Abschluss. Darin ist die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes für die 37 Mitarbeiter und neuer Ställe für die derzeitig 24 Pferde vorgesehen. Der Standort Karlshorst wird damit erheblich aufgewertet und der Verein rechnet mit jährlichen Mieteinnahmen von 518.000 Euro.[1]

Literatur

  • Gerd von Ende: Berliner Pferderennsport. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-088-5.
  • Michael Laschke: Die Baumeister : Architekten der Rennbahn Karlshorst. Kulturring, Berlin 2009, ISBN 978-3-9812995-0-2. (Heft 3 der Karlshorster Beiträge zur Geschichte und Kultur)
  • Die Rennbahnanlagen in Carlshorst bei Berlin. In: Deutsche Bauzeitung. Jg. 30, Nr. 88 (31. Oktober 1896), S. 549–553 und Nr. 90 (7. November 1896), S. 561–562. (PDF des Jahresbandes, 132 MB)

Weblinks

 Commons: Trabrennbahn Karlshorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Neue Pferde für die Trabrennbahn - Die Reiterstaffel des Bundes könnte das Überleben der Anlage in Karlshorst sichern - Artikel in der "Berliner Zeitung" vom 25./26. April 2009
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