Transgender

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Transgender

Transgender (lat. trans „jenseitig“, „darĂŒber hinaus“ und engl. gender „soziales Geschlecht“) ist ein Begriff fĂŒr Abweichungen von der zugewiesenen sozialen Geschlechterrolle beziehungsweise den zugewiesenen sozialen Geschlechtsmerkmalen (Gender).

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Das Wort ist einerseits eine Bezeichnung fĂŒr Menschen, die sich mit der Geschlechterrolle, die ihnen ĂŒblicherweise bei der Geburt, in der Regel anhand der Ă€ußeren Geschlechtsmerkmale, zugewiesen wurde, nur unzureichend oder gar nicht beschrieben fĂŒhlen, und andererseits eine Selbstbezeichnung fĂŒr Menschen, die sich mit ihren primĂ€ren und sekundĂ€ren Geschlechtsmerkmalen nicht oder nicht vollstĂ€ndig identifizieren können. Manche Transgender lehnen auch jede Form der Geschlechtszuweisung bzw. -kategorisierung grundsĂ€tzlich ab â€“ vergleiche auch den wissenschaftlichen Begriff Gender Identity Disorder (deutsch: GeschlechtsidentitĂ€tsstörung). Transgender der Richtung Mann-zu-Frau werden hĂ€ufig als Transfrau bezeichnet, Transgender der Richtung Frau-zu-Mann als Transmann.

Von den meisten Transgender-Aktivisten wird Transgender als ein Oberbegriff fĂŒr all diejenigen Menschen verwendet, die sichtbar aus den klassischen Geschlechts-Rollenzuordnungen ausbrechen. Die bekanntesten damit verbundenen Termini sind die beiden fĂŒr grundsĂ€tzlich unterschiedliche ZusammenhĂ€nge stehenden Begriffe TranssexualitĂ€t und Transvestitismus. Doch auch noch einige andere nicht-transsexuelle Menschen, die stĂ€ndig oder vorwiegend in einer anderen als der ursprĂŒnglich zugewiesenen Geschlechterrolle leben oder fĂŒhlen, sind Transgender: Dazu zĂ€hlen auch Cross-Dresser, bewusst androgyne Menschen, Bigender, Drag Kings und Drag Queens, aber nur dann, wenn das Überschreiten der Geschlechterrolle fĂŒr sie nicht nur als Travestie, einer öffentlich zur Schau gestellten Verkleidungskunst, anzusehen ist. Üblicherweise nicht eingeschlossen (obwohl im Einzelfall die Abgrenzung schwierig sein kann) ist transvestitischer Fetischismus, da der Geschlechterrollenwechsel hier nur zeitweise, und nur zur sexuellen Stimulation vollzogen wird.

Transgender können unter die herkömmlichen Definitionen eines der obengenannten Begriffe passen, mĂŒssen es jedoch nicht. Ob und in welchem Maße Transgender medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen anstreben, ist in jedem einzelnen Fall verschieden, dies gilt auch fĂŒr die Änderung des Vornamens und gegebenenfalls des Personenstandes.

Da die obengenannten Begriffe bei aller teils grundlegenden Verschiedenheit dennoch nicht alle Variationsmöglichkeiten abdecken, werden gelegentlich auch „nur“ jene Menschen, welche unter die Definition von Transgender, jedoch nicht unter eine der „klassischen“ Definitionen von GeschlechtsidentitĂ€tsstörungen fallen (ĂŒblicherweise Cross-Dressing/Transvestitismus und Transsexualismus) als Transgender bezeichnet.

Das Gegenteil von Transgender wird manchmal als „Biomann“ und „Biofrau“ und von Sigusch[1] mit dem englischen[2] Wort Cisgender beziehungsweise Zissexuell (lat. cis- „diesseits“ und engl. gender „Geschlecht“) bezeichnet, meint also Menschen, deren GeschlechtsidentitĂ€t mit ihrem körperlichen Geschlecht ĂŒbereinstimmt; dies trifft auf die allermeisten Menschen zu.

Der Begriff „Transgender“

Obwohl heute fast ausschließlich als Oberbegriff benutzt, beziehungsweise als (Selbst-)Bezeichnung fĂŒr Menschen, die sich nicht auf eine der oben genannten engeren Kategorien festlegen wollen, wurde der Begriff Transgender in den 1970er Jahren von Virginia Prince in den USA geprĂ€gt, um eine ganz bestimmte Gruppierung zu beschreiben, nĂ€mlich jene Menschen, welche zwar die soziale Geschlechtsrolle vollstĂ€ndig wechseln wollten, aber keine chirurgischen Eingriffe, und insbesondere keine genitalangleichenden Eingriffe anstrebten (und diese hĂ€ufig auch generell ablehnten).

Da der Begriff Transgender seit den 1980er Jahren zunehmend als gender-politischer Oberbegriff gebraucht wurde – gleichzeitig und zusammenhĂ€ngend mit der Ablösung von women’s studies (Frauenforschung) durch Gender Studies – setzte sich in den USA fĂŒr die erste Gruppe der Begriff Transgenderist durch. Diese Gruppierung ist in Europa kaum bis gar nicht vertreten - hier hatte ein breiterer öffentlicher Transgender-Diskurs erst um 1995 begonnen. Der Gebrauch als spezifisch nicht-transsexuelle vollstĂ€ndige Geschlechtsrollenwechsler findet sich vor allem noch im Bereich der Medizin, die im DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) zwischen den formalen Diagnosen GID („Gender Identity Disorder“ fĂŒr TranssexualitĂ€t) und GIDNOS („Gender Identity Disorder Not Otherwise Specified“ fĂŒr Transgender) unterscheidet, ist aber auch im nicht-medizinischen Bereich noch anzutreffen.

Allgemeines

Berichte ĂŒber Personen oder VorfĂ€lle, die Geschlechtsrollenwechsel beschreiben, finden sich in nahezu allen Kulturen dieser Welt. Unter Betrachtung historischer Personen oder VorfĂ€lle, lĂ€sst sich Ă€ußerst selten eine Aussage darĂŒber treffen, ob ein Verhalten seine Ursache darin hatte, dass eine Person transgender war, oder ob es sich lediglich um eine praktische Umgehung der Grenzen der jeweiligen Geschlechtsrolle handelte (zum Beispiel bei den relativ hĂ€ufigen FĂ€llen von Frauen, die als MĂ€nner verkleidet Soldaten wurden). Selbst wenn in einigen FĂ€llen entsprechende Aussagen vorliegen, sind diese selbst im besten Falle von den kulturellen Gegebenheiten zu dieser Zeit geprĂ€gt, und natĂŒrlich davon, dass Begriffe wie Transgender, TranssexualitĂ€t, oder auch HomosexualitĂ€t gar nicht existierten. HĂ€ufig sind sie allerdings auch davon geprĂ€gt, dass sie oft im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen oder religiösen Verfolgung zustande kamen, und viele Aussagen mit dem Ziel gemacht wurden, eine möglichst geringe Strafe zu erhalten.

Allerdings beruht nicht jedes Auftreten in einer anderen als der (aufgrund der eigenen Geschlechtsmerkmale) zugewiesenen Geschlechtsrolle auf einem GefĂŒhl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht. Dies kann auch rein praktische Ursachen haben. Bekannte Beispiele dafĂŒr dĂŒrften Frauen sein, die sich in Situationen, in denen sie eine Vergewaltigung befĂŒrchten (zum Beispiel im Krieg) als MĂ€nner verkleiden oder im umgekehrten Fall, MĂ€nner die sich als Frauen verkleiden, um zu ĂŒberleben (zum Beispiel bei Massakern).

Außerdem kennen viele Kulturen rituelle Geschlechtswechsel, die meist nur zeitweilig sind. In westeuropĂ€ischen Kulturen findet sich solches nur noch im MĂ€nnerballett zu Karneval und Ähnlichem.

Daneben haben etliche Kulturen spezifische soziale Rollen fĂŒr einige oder alle Menschen, die sich ihrem Geburtsgeschlecht nicht zugehörig fĂŒhlen, etwa die Two-Spirit vieler nordamerikanischer IndianerstĂ€mme, indische Hijras, die Khanith Omans oder thailĂ€ndischen Kathoeys.

Reaktionen und Sanktionen

Das Abweichen von den jeweilig vorgegebenen Geschlechtsrollen (die sich nicht in jeder Kultur auf nur zwei mögliche beschrĂ€nken) wird ĂŒblicherweise sozial, hĂ€ufig auch strafrechtlich oder religiös negativ sanktioniert. So wurde Jeanne d'Arc unter anderem deswegen verbrannt, weil sie sich weigerte, einen Eid abzulegen, niemals wieder MĂ€nnerkleidung anzuziehen.

WÀhrend entsprechende Gesetze in Europa in den letzten Jahrzehnten abgeschafft wurden, oder nie bestanden, gibt es selbst in einigen Bundesstaaten der USA noch Gesetze, die das öffentliche Tragen von nicht zum eigenen Geschlecht zugehöriger Kleidung (siehe Cross-Dressing) unter Strafe stellen, allerdings werden diese mit zunehmender Liberalisierung immer seltener angewandt. Weiterhin gibt es in den meisten westlichen (Europa, Nordamerika) sowie einigen anderen LÀndern (zum Beispiel Japan, Iran) mittlerweile Gesetze, welche die rechtlichen Aspekte eines Geschlechtsrollenwechsels regeln. In vielen nicht-westlichen LÀndern allerdings wird entsprechendes Verhalten wesentlich hÀrter bestraft, bis hin zur Todesstrafe (beispielsweise in vielen islamischen LÀndern).

Gesellschaft

In der heutigen westlichen Gesellschaft sind sowohl rituelle als auch aus Not geborene Geschlechtsrollenwechsel Ă€ußerst selten geworden, so dass man nahezu immer davon ausgehen kann, dass wer dort Transgender-Verhalten zeigt, dies aus innerer Notwendigkeit tut. Denn eine von den ĂŒblichen Geschlechtsrollen abweichende GeschlechtsrollenprĂ€sentation beruht ĂŒblicherweise nicht oder nur bedingt auf einer freiwilligen Entscheidung, sondern sie ist fĂŒr einige Transgender eine innere Notwendigkeit, da sie die PrĂ€sentation in einer akzeptierten Geschlechtsrolle (HeteronormativitĂ€t) sehr belastend, oder sogar als unlebbar empfinden. Viele Transgender bemĂŒhen sich, oft jahre- oder gar jahrzehntelang, darum, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, schaffen dies aber nie so, dass sie sich selber in dieser Rolle wohlfĂŒhlen. Viele schaffen es nicht einmal, andere Menschen von diesem Konflikt mit der, ihrem inneren Empfinden nicht entsprechenden GeschlechtsrollenprĂ€sentation, zu ĂŒberzeugen. Aus diesem Konflikt entstehen hĂ€ufig psychische Probleme, psychische und psychosomatische Krankheiten, Suchtprobleme und Ähnliches.

Klassifikation nach ICD-10
F64.0 Transsexualismus
F64.9 Störung der GeschlechtsidentitÀt, nicht nÀher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Dieser Tatsache teilweise Rechnung trĂ€gt in Deutschland seit 1980 das Transsexuellengesetz, welches zumindest die rechtlichen Notwendigkeiten eines Geschlechtsrollenwechsels von weiblich zu mĂ€nnlich (oder umgekehrt) regelt, da TranssexualitĂ€t als medizinisch behandlungsbedĂŒrftiger Zustand anerkannt ist. Wenn auch mit unterschiedlichen Folgen hinsichtlich der KostenĂŒbernahmen fĂŒr chirurgische oder andere medizinische Maßnahmen existiert die Diagnose F64.9, die neben IntersexualitĂ€t unter anderem auch fĂŒr Transgender angewendet wird.

Viele Transgender kritisieren mittlerweile allerdings, dass nur fĂŒr die medizinische Diagnose TranssexualitĂ€t, beispielsweise chirurgische Maßnahmen, zu der Leistungspflicht der Krankenkassen gehören, welche nur einen relativ kleinen Teil des Transgender-Spektrums umfasst, wĂ€hrend Transgendern, welche die Kriterien fĂŒr TranssexualitĂ€t nicht erfĂŒllen, die aber juristische oder medizinische Maßnahmen ebenso benötigen, diese nicht oder nur unter Schwierigkeiten erhalten können.

Einige Transsexuelle dagegen beharren auf der Beibehaltung des Transsexuellengesetzes in seiner bisherigen Form und den medizinisch unterschiedlichen Diagnosen, weil sie bei einer Aufweichung der Grenzen einen Verlust in ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz befĂŒrchten.

Ursachen

Über die Ursache von Transgendern ist nichts bekannt. Zwar existieren eine Vielzahl von psychologischen Theorien und auch einige, die körperliche Ursachen annehmen, jedoch konnte keine dieser Theorien bisher empirisch belegt werden. Zu jeder einzelnen bis dato postulierten Theorie jedoch lassen sich etliche Gegenbeispiele finden, sowohl unter Transgendern, auf welche die postulierte Ursache nicht, als auch unter Cisgendern (Nicht-Transgendern), auf die sie zutrifft.

Laut deutschem Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2007) bezeichnet der Begriff Gender diejenigen Geschlechterrollen, die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprĂ€gt seien. Sie seien „- anders als das biologische Geschlecht - erlernt und damit auch verĂ€nderbar.“[3] (Siehe auch Gender).

Behandlung

Keine Form von Transgender ist therapierbar oder heilbar im Sinne einer Versöhnung mit der ursprĂŒnglichen Geschlechtsrolle; wie bei der HomosexualitĂ€t empfinden sich Transgender in der Regel, so sie nicht starkem Druck von außen ausgesetzt sind, allerdings auch nicht als therapie- oder geistig heilungsbedĂŒrftig.

Transgender und SexualitÀt

GrundsÀtzlich sind Transgender unabhÀngig von der sexuellen Orientierung und sexuellen Vorlieben; sÀmtliche sexuellen Variationen, die bei Cisgendern bekannt sind, gibt es auch bei Transgendern.

Die hĂ€ufige Assoziation insbesondere von Transfrauen mit Prostitution (oder anderen Arbeiten in der Sex-Industrie) rĂŒhrt daher, dass in vielen Gesellschaften Prostitution die einzige Möglichkeit fĂŒr Transfrauen ist, Geld zu verdienen, oder die einzige gesellschaftlich anerkannte Rolle fĂŒr Transfrauen.

Die ebenfalls hĂ€ufige Assoziation mit HomosexualitĂ€t hat zwei Ursachen; zum einen die Tatsache, dass lesbische oder schwule Kreise hĂ€ufiger sowohl Raum als auch Vorbild fĂŒr Menschen mit abweichender GeschlechtsrollenprĂ€sentation boten. Zum anderen bevorzugen auch Transgender hĂ€ufig Menschen mit einem anderen Geschlecht als Partner, und zwar mit einem anderen IdentitĂ€tsgeschlecht. Dies fĂŒhrt hĂ€ufig zu Beziehungen, die fĂŒr Außenstehende homosexuell erscheinen. Die betreffenden Personen betrachten solche Beziehungen allerdings meist als heterosexuell.

Zwar wird die Behandlung oder Begutachtung von Transgendern hÀufig von Sexualwissenschaftlern vorgenommen, jedoch (anders als hÀufig angenommen) haben GeschlechtsidentitÀt und SexualitÀt - zumindest bei Transgendern - nur wenig miteinander zu tun. So ist nicht etwa die Mehrheit der Transgender vor einem eventuellen Geschlechtsrollenwechsel schwul oder lesbisch, um dann hinterher heterosexuell zu leben, sondern im Gegenteil sind etwa die HÀlfte der Transgender nach dem Wechsel lesbisch oder schwul, oder auch bi- oder pansexuell. Auch bei jenen Transgendern, die keinen vollstÀndigen Wechsel der Geschlechtsrolle anstreben (Cross-Dresser und andere) ist die Mehrzahl ebenso oft heterosexuell (relativ zu ihrem Ausgangsgeschlecht) veranlagt wie der Durchschnittsmensch.

Transgender „versus“ TranssexualitĂ€t

Obwohl (oder gerade weil) TranssexualitÀt als eine Form von Transgender erscheint, kam es in Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Transsexuellen, die den Begriff, und/oder jegliche Kommunikation, Zusammenarbeit oder Allianz mit nicht-transsexuellen Transgendern ablehnen, und vor allem politisch motivierten Transgendern andererseits.

Wo einerseits „klassische“ Transsexuelle oft argumentieren, dass sie darunter leiden, transsexuell zu sein, und nur ein normales Leben fĂŒhren möchten, wĂ€hrend Transgender (manchmal wird hier stattdessen auch „Transvestiten“ benutzt oder Transvestitismus, also ein nur zeitweiliger Rollenwechsel, impliziert) zum Teil durch ihr Äußeres Aufsehen erregen wollen, oder dadurch „Spaß haben“ möchten (ebenso werden teilweise auch sexuelle Motive unterstellt), verweisen einige Transgender andererseits darauf, dass a) nicht-transsexuelle Transgender genauso leiden können und genauso medizinische und juristische Maßnahmen benötigen können wie Transsexuelle, und dass b) noch lange nicht alle nicht-transsexuellen Transgender Aufsehen erregen möchten, oder „Spaß haben“ wollen, sondern es genauso nicht-transsexuelle Transgender gibt, welche ebenfalls fĂŒr sich persönlich kein großes Interesse daran haben, irgendwie aufzufallen in Hinsicht auf ihre Geschlechtszugehörigkeit.

Diese angenommene Unterscheidungsmöglichkeit wird zunĂ€chst durch die ICD-10-Definitionen von „Störungen der GeschlechtsidentitĂ€t“ insoweit unterstĂŒtzt, weil dieses unter F64.0 (TranssexualitĂ€t, vollstĂ€ndiger Geschlechtsrollenwechsel innerhalb eines als binĂ€r verstandenen Systems, unter Inanspruchnahme „soweit wie möglicher“ medizinischer Maßnahmen) und F64.9 (nicht nĂ€her definierte GeschlechtsidentitĂ€tsstörung) eine Ă€hnliche Unterscheidung trifft. Allerdings ignorieren die Argumentationen nach ICD folgende Faktoren:

  • Die ICD-Definition ist nach dem allgemeinen wissenschaftlichen Konsens veraltet. (z.B. [2]) Selbst als ausgesprochen konservativ bekannte mit dem Thema befasste Wissenschafter betrachten diese angeblich mögliche klare Unterscheidung als veraltet. (Bosinski-03-Urologe-TS.pdf)
  • Das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) verzichtet gĂ€nzlich auf den Begriff Transsexualismus und spricht (unter der Nummer 302.85 fĂŒr Adoleszente und Erwachsene bzw.302.6 fĂŒr Kinder) nur noch allgemein von GeschlechtsidentitĂ€tsstörungen, welche in unterschiedlich schwerer Form auftreten und bei welcher die notwendigen Behandlungen jeweils auf die BedĂŒrfnisse des Einzelnen abgestimmt sind und nicht nur eine Alles-oder-Nichts-Alternative bieten.
  • Und nicht zuletzt jene nicht unbetrĂ€chtliche Anzahl von Menschen, welche zwar einen Geschlechtsrollenwechsel samt den fĂŒr sie notwendigen medizinischen und juristischen Maßnahmen benötigen oder bereits vollzogen haben, die jedoch, sei es, weil sie ein binĂ€res GeschlechterverstĂ€ndnis ablehnen oder gewisse medizinische Maßnahmen fĂŒr sich nicht benötigen, nicht die strikte Definition von F64.0 erfĂŒllen.

Andere Transsexuelle begrĂŒĂŸen den Begriff Transgender, weil er nicht den in der deutschen Sprache problematischen Wortbestandteil sex enthĂ€lt, da hier, anders als im Englischen mit den beiden AusdrĂŒcken sex fĂŒr das körperliche und gender fĂŒr das soziale Geschlecht, nur ein einziger Begriff existiert. Dieser Umstand fĂŒhrt sprachbedingt im Allgemeinen zu dem MissverstĂ€ndnis, dass TranssexualitĂ€t primĂ€r ein sexuelles Problem sei. Aus diesem Grund, und dem Umstand, dass in der deutschen Sprache die Geschlechtszuordnung eben mit dem biologischen Geschlecht gleichgesetzt wird, wird TranssexualitĂ€t in Deutschland hĂ€ufiger, in Österreich seltener auch durch den Begriff der TransidentitĂ€t ersetzt.

Intersexuelle

Hauptartikel: IntersexualitÀt

In einigen Definitionen werden pauschal alle intersexuellen Menschen, also Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht eindeutig ist, unter Transgender subsumiert. Andere Definitionen betrachten nur diejenigen Intersexuellen als Transgender, die ihre Geschlechtzuweisung in irgendeiner Form als problematisch empfinden.

HĂ€ufigkeit

Die folgende Tabelle stammt aus einem Artikel1 von Lynn Conway2, und stellt AbschĂ€tzungen von PrĂ€valenzen3 in der USA dar. Laut Lynn Conway unterliegen die groben Zahlen immer noch Definitions- und „Deklarations“-Problemen.

Grobe Vorhersagen der PrĂ€valenz3 von CD/TG/TS-Veranlagungen in den USA – 2001
CD: Cross-Dressing4   TG: Transgender   TS: TranssexualitĂ€t   GA-OP: Geschlechtsangleichende Operation
 Betrachtete Situationen Konservative5 untere
Schranken fĂŒr die
gegenwÀrtige PrÀvalenz
%
von
bis
Wahrscheinliche6 untere
Schranken fĂŒr die
„intrinsische“ PrĂ€valenz
 Intensive CDs in Teilzeit 1:50 2,0 – 5,0  1:20
 Davon mit starken TG-GefĂŒhlen 1:200 0,5 – 2,0  1:50
 Davon mit ausgeprĂ€gten TS-GefĂŒhlen 1:500 0,2 – 0,7  1:150
 TG Transitionen7 (ohne GA-OP) 1:1000 0,1 – 0,5  1:200
 TS Transitionen (mit GA-OP) 1:2500 ,04 – 0,2  1:500
  1. Deutsche Übersetzung: „Wie hĂ€ufig tritt TranssexualitĂ€t auf?“ – Englisch: „How Frequently Does Transsexualism Occur?“ von Lynn Conway (17.12.2002)
  2. Biographieabriss von Lynn Conway – englisch (2006)
  3. „PrĂ€valenz“ (genauer eigentlich „PrĂ€valenzratio“) bezeichnet das VerhĂ€ltnis der Anzahl der „Kranken“ zu der Gesamtzahl der „Gesunden“ und „Kranken“.
  4. „Cross-Dressing“ bezeichnet das Tragen der spezifischen Bekleidung eines anderen Geschlechts.
  5. „Konservative gegenwĂ€rtige PrĂ€valenz“: Bisher von Psychiatern festgestellte/angegebene PrĂ€valenz.
  6. „Wahrscheinliche intrinsisch PrĂ€valenz“: GeschĂ€tzte „von innen her kommende“ PrĂ€valenz (oder auch latente/unterschwellige „Dunkelziffer“-PrĂ€valenz).
  7. „Transition“: Der Prozess des Übergangs des sozialen Geschlechts bzw. der Geschlechterrolle – englisch „transgender transition“.

Siehe auch

Film

Literatur

  • (k)ein geschlecht oder viele - Transgender in politischer Perspektive. Hrsg. v. Polymorph. Querverl., Berlin 2002. ISBN 3-89656-084-0
  • Helma Katrin Alter: Gleiche Chancen fĂŒr alle. TransidentitĂ€t in Deutschland. KatrinLive SV, Köln 1999. Norderstedt 2000. ISBN 3-89811-043-5
  • Kate Bornstein: My Gender Workbook - how to become a real man, a real woman, the real you, or something else entirely. Routledge, New York 1998. ISBN 0-415-91673-9 (englisch)
  • Judith Butler: Körper von Gewicht. Die Diskursiven Grenzen des Geschlechts. Suhrkamp, Frankfurt 1995. ISBN 3-518-11737-8
  • Patrick Califia: Sex changes. The politics of transgenderism. Cleis Press, San Francisco 2003. ISBN 1-57344-180-5 (englisch)
  • Elisabeth Greif: Doing Trans/Gender. Rechtliche Dimensionen. UniversitĂ€tsverlag Rudolf Trauner, Linz 2005. ISBN 978-3-85487-832-2
  • Stefan Hirschauer: Die soziale Konstruktion der TranssexualitĂ€t. Suhrkamp, Frankfurt 1993. ISBN 3-518-28645-5
  • Judith Lorber: Genderparadoxien. Leske und Budrich, Opladen ÂČ2003. ISBN 3-8100-3743-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Sigusch, Volkmar: Die Transsexuellen und unser nosomorpher Blick. Zeitschrift fĂŒr Sexualforschung 4, 225-256, 309-343, 1991; Sigusch, Volkmar: Geschlechtswechsel. Hamburg: Klein, 1992, 1993 (Taschenbuch: 1995); Sigusch, Volkmar: Transsexueller Wunsch und zissexuelle Abwehr. Psyche - Zeitschrift fĂŒr Psychoanalyse 49, 811-837, 1995; Volkmar Sigusch ĂŒber Zissexuelle [1]
  2. ↑ Joan Roughgarden: Evolution's Rainbow. Diversity, Gender, and Sexuality in Nature and People. Taschenbuchausg., University of California Press, Berkeley (USA) 2004, ISBN 978-0-520-24679-9. (engl.), BegriffserklĂ€rung auf eminism.org: „Cissexual/Cisgender – decentralizing the dominant group“ (engl.), „Frequently Asked Questions“ auf der Website der University of Texas, Austin (USA): „FAQ – Transgender Issues“; „How should I identify myself if I am not transgender?“ (engl.)
  3. ↑ Definitionen „Gender Mainstreaming“, „Gender“ und „Mainstreaming“ des Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen & Jugend. (Stand 30. Nov. 2007)

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   Wikipedia

  • transgender — The state of a person s gender identity (self identification as male or female) not matching their assigned sex at birth. (See also: transsexual) Category: Divorce & Family Law → Lesbian & Gay Couples Nolo’s Plain English Law Dictionary. Gerald N 
   Law dictionary

  • transgender — (adj.) by 1988, from TRANS (Cf. trans ) + GENDER (Cf. gender). Related: Transgendered 
   Etymology dictionary

  • transgender — UK [trĂŠnsˈdʒendə(r)] / US [trĂŠnsˈdʒendər] or transgendered UK [trĂŠnsˈdʒendə(r)d] / US [trĂŠnsˈdʒendərd] adjective relating to transsexuals 
   English dictionary

  • transgender — [trans jenâ€Čdər, tranzjenâ€Čdər] adj. of or being a person, as a transsexual or hermaphrodite, whose sexuality is not readily characterized as exclusively male or female: also transgendered 
   English World dictionary

  • transgender — [[t]trĂŠÌ±nzÊ€e̱ndə(r)[/t]] transgenders N COUNT Transgender people, such as transsexuals, do not have a straightforward gender identity. Karen said she is a transgender a man who wants to be a woman and is attracted to women. ...a three year… 
   English dictionary

  • transgender — 1. adjective /tÉčanzˈdʒɛndə/ Pertaining to someone who does not identify with conventional categories of male or female, but combines elements of both or moves between the two; sometimes used as a general, inclusive term, and sometimes as… 
   Wiktionary

  • transgender — trans|gen|der [trĂŠnzˈdʒendə US trĂŠnsˈdʒendər] n [U] a general word for people who feel that they belong to the other sex, and not the sex they were born with, and who express this in their sexual behaviour →↑transsexual â–Ș the transgender… 
   Dictionary of contemporary English

  • transgender — /trans jen deuhr, tranz / n. 1. a person appearing or attempting to be a member of the opposite sex, as a transsexual or habitual cross dresser. adj. Also, transgendered 2. of, pertaining to, or characteristic of transgenders: the transgender… 
   Universalium

  • transgender — soc trans‱gen‱der [[t]trĂŠnsˈdʒɛn dər, trĂŠnz [/t]] n. 1) a person appearing or attempting to be a member of the opposite sex, as a transsexual or habitual cross dresser 2) of, pertaining to, or characteristic of transgenders: the transgender… 
   From formal English to slang


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