Tribut


Tribut

Tribut (Maskulinum, von lateinisch tributum ‚Beitrag‘, ‚öffentliche Abgabe‘, ‚Steuer‘, substantiviertes Partizip Perfekt Passiv von tribuere ‚zugestehen‘, ‚gewähren‘) bezeichnet einen Teil des Vermögens, das eine Person einer anderen Person oder einer Institution als Anerkennung gibt. Tribut wurde auch zum Zeichen der Unterwerfung oder der Vasallentreue geleistet. In aller Regel handelt es sich dabei nicht um einmalige, sondern um regelmäßige Vorgänge, die nicht nur (oder sogar nicht primär) ökonomische Bedeutung haben, sondern vor allem auch eine hierarchische Beziehung symbolisieren sollen.

Geschichte

Verschiedene antike Staaten forderten Tribut (altgriechisch φορός phóros ‚tragen‘) von den Gebieten oder Völkern, die sie unterworfen bzw. bedroht hatten. Im Falle von Bündnissen gab die schwächere Partei der stärkeren Partei den Tribut als Zeichen der Untertanentreue und für die Finanzierung bestimmter Projekte – normalerweise dem Militär. Der Begriff kann auch auf religiöse Abgaben angewendet werden, für den Tempeldienst oder andere Heiligtümer.

Athen nahm Tribut von den anderen Städten des Attischen Seebundes. Babylon, Karthago und Rom forderten Tribut von ihren Provinzen und Vasallenstaaten. Im alten Rom bezeichnete der Begriff dabei ursprünglich eine Abgabe des Bürgers an den Staat, die dieser zurückzahlen konnte, aber nicht musste: Die Römische Republik forderte von ihren Bürgern Tribut in Form vom Äquivalent der Vermögensteuer mit dem Ziel der Kriegführung. Seit 167 v. Chr. waren römische Bürger dann allerdings vom tributum befreit, auch wenn unter Kaiser Augustus wieder eine Erbschaftsteuer eingeführt wurde.

Tribut im modernen Sinne (also nicht als Steuer) wurde nicht nur in Form von Geld entrichtet, auch Wertgegenstände standen zur Disposition und Menschen, die gleichsam als Geiseln für botmäßiges Verhalten festgehalten wurden. In der Spätantike spielten Tribute eine wichtige Rolle für die römische Außenpolitik gegenüber Germanen, Hunnen und persischen Sassaniden; dabei bemühten sich die Kaiser, die Zahlungen an die Barbaren zu "Hilfsgeldern" (Subsidien) umzudeuten, um so nicht als unterlegen, sondern als überlegen dazustehen.

Verschiedene mittelalterliche Herrscher erzwangen Tribut von ihren Vasallen oder Bauern, offiziell gegen die Gewähr von Schutz. Hieraus entwickelte sich das mittelalterliche Steuersystem.

Es kam auch vor, dass Eindringlinge wie Wikinger oder Kelten Tribut forderten (siehe: Danegeld), anstatt den Ort zu überfallen, so dass sich dieser durch die Zahlung einer bestimmten Menge von Wertgegenständen freikaufen konnte; ein regelmäßiger Tribut ähnelte dann einer Schutzgeldzahlung. Die Entrichtung solcher Tribute einzustellen, stellte eine massive Provokation dar, die die Hierarchie zwischen Geber und Empfänger in Frage stellte. Als etwa König Heinrich I. im 10. Jahrhundert die Leistung von Tributzahlungen an die Ungarn einstellte, kam dies einer Kriegserklärung gleich.

Die symbolische Bedeutung von Tribut als Zeichen von Respekt und Unterordnung hat sich in der deutschen Redewendung jemandem Tribut zollen erhalten. In der heutigen Alltagssprache bezeichnet Tribut häufig eine Anerkennung, die einer Person, einer Tätigkeit oder einem Produkt zuteil wird (vgl. auch Tribute-Album). Diese Symbolik überträgt der Sprachgebrauch auch auf die hydrografische Hierarchie von Fließgewässern, indem Nebenflüsse als dem jeweiligen Hauptfluss tributär bezeichnet werden.

Literatur

  • Henning Börm: "Es war allerdings nicht so, dass sie es im Sinne eines Tributes erhielten, wie viele meinten..." Anlässe und Funktion der persischen Geldforderungen an die Römer (3. bis 6. Jh.). In: Historia 57, 2008, S. 327-346.
  • Thomas Pekáry: Tributum, in: Der kleine Pauly 5, Stuttgart 1975, S. 952-954.
  • Gerhard Wirth / Ulrich Mattejiet: Tribut, in: Lexikon des Mittelalters 8, Stuttgart 1999, S. 986f.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Tribut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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  • tribut — [ triby ] n. m. • 1463; trebu XIVe; lat. tributum « impôt, contribution », de tribuere « répartir (l impôt) entre les tribus » 1 ♦ Contribution forcée, imposée au vaincu par le vainqueur, ou payée par un État à un autre, en signe de dépendance,… …   Encyclopédie Universelle

  • tribut — TRIBÚT, tributuri, s.n. Obligaţie (în bani sau în bunuri) pe care o impunea o putere cuceritoare unui popor învins şi care se plătea la date fixe; bir (2). ♢ expr. A şi da (sau a şi aduce) tributul = a contribui la ceva. – Din fr. tribut, lat.… …   Dicționar Român

  • tribut — TRIBUT. s. m. Ce qu un Estat paye à un autre de temps en temps pour marque de dependance. Les Valaques, les Moldaves payent tribut au Turc. ils luy donnent tant par forme de tribut, On appelle Enfans de Tribut, Les enfans que le Turc leve en… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • tribut- — *tribut germ.?, Substantiv: nhd. Tribut; ne. tribute (Neutrum); Rekontruktionsbasis: ae., afries., ahd.; Interferenz: Lehnwort lat. tribūtum; Etymologie: s …   Germanisches Wörterbuch

  • tribut — Tribut, Tributum, Vectigal. Maniere de tribut, quand on bailloit de vingt l un, Vigesima vigesimae. Asseoir ou imposer tribut, Stipendium imponere, Tributum irrogare. Qui doit et paye taille, tribut, cense, ou rente, Vectigalis, Stipendiarius,… …   Thresor de la langue françoyse

  • Tribut — Sm Abgabe, Beitrag erw. fach. (9. Jh.) Entlehnung. In mehreren Stufen (auch ahd. tribuz) entlehnt aus l. tribūtum n. öffentliche Abgabe, Steuer , dem substantivierten PPP. von l. tribuere (tribūtum) zugestehen, gewähren , zu l. tribus f.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Tribut — Tribut: Das in spätmhd. Zeit aus lat. tributum »öffentliche Abgabe, Steuer, Beitrag usw.« aufgenommene Fremdwort erscheint zuerst mit der heute veralteten Bedeutung »Steuer, Abgabe«. Heute ist das Wort nur mehr in der übertragenen Bedeutung… …   Das Herkunftswörterbuch

  • tribut — m. tribut ; redevance …   Diccionari Personau e Evolutiu

  • Tribut — (v. lat. Tributum), 1) (Ant.), ursprünglich in Rom die Steuer, welche die Bürger zu Kriegszwecken an den Staat zahlten. Anfangs nach Köpfen (T. in capita), seit Servius Tullius nach dem Vermögen (T. ex censu). Wenn der Feind besiegt wurde u. die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tribūt — (lat.), ursprünglich die Steuer im alten Rom, welche die Bürger nach Köpfen, seit der Servianischen Verfassung nach dem Vermögen für Kriegszwecke zu zahlen hatten (bis 168 v. Chr.), dann die in den Provinzen erhobene Kopfsteuer (tributum capitis) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon


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