Ulm

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Ulm
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ulm
Ulm
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ulm hervorgehoben
48.4008333333339.9872222222222478
Basisdaten
Bundesland: Baden-WĂŒrttemberg
Regierungsbezirk: TĂŒbingen
Landkreis: Stadtkreis
Höhe: 478 m ĂŒ. NN
FlĂ€che: 118,69 kmÂČ
Einwohner:

122.801 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 1035 Einwohner je kmÂČ
Postleitzahlen: 89073–89081
Vorwahlen: 0731, 07304,
07305, 07346
Kfz-Kennzeichen: UL
GemeindeschlĂŒssel: 08 4 21 000
Stadtgliederung: 18 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
89073 Ulm
WebprÀsenz: www.ulm.de
OberbĂŒrgermeister: Ivo Gönner (SPD)
Lage der Stadt Ulm in Baden-WĂŒrttemberg
Frankreich Schweiz Österreich Bodensee Rheinland-Pfalz Hessen Freistaat Bayern Alb-Donau-Kreis Baden-Baden Landkreis Biberach Landkreis Böblingen Bodenseekreis Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Calw Landkreis Emmendingen Enzkreis Landkreis Esslingen Freiburg im Breisgau Landkreis Freudenstadt Landkreis Göppingen Heidelberg Landkreis Heidenheim Landkreis Heilbronn Heilbronn Hohenlohekreis Landkreis Karlsruhe Karlsruhe Landkreis Konstanz Landkreis Lörrach Landkreis Ludwigsburg Main-Tauber-Kreis Mannheim Neckar-Odenwald-Kreis Ortenaukreis Ostalbkreis Pforzheim Landkreis Rastatt Landkreis Ravensburg Rems-Murr-Kreis Landkreis Reutlingen Rhein-Neckar-Kreis Landkreis Rottweil Landkreis SchwĂ€bisch Hall Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Sigmaringen Stuttgart Landkreis TĂŒbingen Landkreis Tuttlingen Ulm Landkreis Waldshut ZollernalbkreisKarte
Über dieses Bild
Ansicht der Altstadt vom rechten Donauufer
Blick auf Ulm: die NeutorbrĂŒcke mit dem Ulmer MĂŒnster

Ulm ist eine UniversitĂ€tsstadt in Baden-WĂŒrttemberg und liegt an der Donau, am sĂŒdöstlichen Rand der SchwĂ€bischen Alb, an der Grenze zu Bayern. Die Stadt hat ĂŒber 120.000 Einwohner, bildet einen eigenen Stadtkreis und ist darĂŒber hinaus Sitz des Landratsamtes des Alb-Donau-Kreises.

Ulm ist nach dem Landesentwicklungsplan Baden-WĂŒrttemberg eines von insgesamt 14 Oberzentren des Landes und bildet mit Neu-Ulm (zusammen ĂŒber 170.000 Einwohner) eines der lĂ€nderĂŒbergreifenden Doppelzentren Deutschlands. Ulm ist die grĂ¶ĂŸte Stadt im Regierungsbezirk TĂŒbingen und der Region Donau-Iller, zu der auch Gebiete des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben gehören.

Die Stadt ist bekannt fĂŒr ihr gotisches MĂŒnster, dessen Kirchturm mit 161,53 Metern der höchste der Welt ist. Weiterhin bemerkenswert ist die lange bĂŒrgerliche Tradition Ulms mit der Ă€ltesten Verfassung einer deutschen Stadt und einem Stadttheater, dessen AnfĂ€nge bis ins Jahr 1641 zurĂŒckreichen. In der Vergangenheit war Ulm Ausgangspunkt der Auswanderung der Donauschwaben, die donauabwĂ€rts mit sogenannten Ulmer Schachteln in ihre neuen HeimatlĂ€nder im SĂŒdosten Europas fuhren.

Ulm, erstmals urkundlich genannt am 22. Juli 854, war Königspfalz und Freie Reichsstadt, ab 1802 bayerisch, ist seit 1810 wĂŒrttembergisch und seitdem getrennt von seinem Gebiet rechts der Donau, das bei Bayern blieb und auf dem sich die Stadt Neu-Ulm entwickelte. Als berĂŒhmtester Sohn der Stadt gilt Albert Einstein, der 1879 hier geboren wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt Ulm liegt auf einer mittleren Höhe von 479 m ĂŒ. NN (Messpunkt: Rathaus). Das Stadtgebiet ist geographisch reich gegliedert und reicht von 459 m ĂŒ. NN (Donauufer) bis 646 m ĂŒ. NN (Klingensteiner Wald). Das historische Stadtzentrum liegt ungefĂ€hr zwei Kilometer unterhalb (östlich) der EinmĂŒndung der Iller an der MĂŒndung der Blau in die Donau. Die Stadt liegt am sĂŒdlichen Rand der Ulmer Alb (Teil der mittleren FlĂ€chenalb) und der HochflĂ€che des durch das ehemalige Tal der Urdonau (Blau-, Ach- und Schmiechtal) hiervon nach SĂŒden abgetrennten, so genannten „HochstrĂ€ĂŸâ€œ. Die durch kleinere oder grĂ¶ĂŸere TĂ€ler voneinander abgetrennten Erhebungen von HochstrĂ€ĂŸ und Alb (von West ĂŒber Nord nach Ost: Galgenberg, Kuhberg, Roter Berg (HochstrĂ€ĂŸ), Eselsberg, Kienlesberg, Michelsberg, Safranberg (Ulmer Alb)) umgeben im Westen, Norden und Osten das Stadtzentrum. Im SĂŒden wird dieses durch den Lauf der Donau begrenzt.

Das Stadtgebiet Ulms erstreckt sich grĂ¶ĂŸtenteils nördlich der Donau, die hier fĂŒr einige Kilometer die Landesgrenze zwischen den BundeslĂ€ndern Baden-WĂŒrttemberg und Bayern, mit der auf dem sĂŒdlichen Donauufer gelegenen, bayerischen Schwesterstadt Neu-Ulm bildet. Im Westen, Norden und Osten greift das Stadtgebiet mit den Teilorten Harthausen, Grimmelfingen, Einsingen, Ermingen, Allewind und Eggingen auf die HochflĂ€chen des HochstrĂ€ĂŸ, mit Lehr, MĂ€hringen und Jungingen auf die HochflĂ€chen der Ulmer Alb aus. Westlich des Stadtzentrums liegt der Teilort Söflingen sĂŒdlich der Blau am Rande des HochstrĂ€ĂŸ. Der Teilort Böfingen schließt nordöstlich an das Stadtzentrum an und liegt an den HĂ€ngen der Alb nördlich der Donau. Lediglich oberhalb der MĂŒndung der Iller in die Donau greift das Stadtgebiet Ulms mit den Stadtteilen Wiblingen, Gögglingen, Donaustetten und Unterweiler auf die sĂŒdwestlich von Donau und Iller gelegenen Flussauen und Schwemmterrassen der Donau und Iller aus.

Historische Geographie

Bedeutsame prĂ€historische Funde aus der europĂ€ischen Ur- und FrĂŒhgeschichte in der Umgebung Ulms, zum Beispiel in der Vogelherdhöhle im Lonetal, weisen darauf hin, dass die Gegend bereits vor Inbesitznahme durch das Römische Reich am Schnittpunkt alter Verkehrs- und Handelswege lag. Eine nicht zu unterschĂ€tzende Rolle fĂŒr die Entwicklung der Stadt Ulm als Verkehrsknotenpunkt haben der Verlauf der FlĂŒsse Donau und Iller und der zwischen Ulm und Geislingen leicht zu bewĂ€ltigende Übergang ĂŒber die SchwĂ€bische Alb durch die von SĂŒden und Norden weit in die AlbhochflĂ€che einschneidenden TĂ€ler von Blau, Kleiner Lauter, Lone, Brenz, Kocher und Fils.

Die in der NĂ€he von Ulm zwischen dem römischen Kastell Unterkirchberg, dem Kleinkastell Burlafingen bzw. dem Kleinkastell Nersingen verlaufende Römerstraße und der nach Norden abzweigende Römerweg ins Filstal zu dem Kastell Urspring (Kastell Ad Lunam) und der dichte Nachweis römischer FundplĂ€tze und Gutshöfe in der Ulmer Umgebung lassen die strategisch wichtige Lage des Ulmer Gebietes in der SpĂ€tantike am Nordrand des Römischen Reiches in der NĂ€he der Verteidigungslinie des Limes vor dem Untergang des Römischen Reiches erkennbar werden.

Die aus dem 6. und 7. Jahrhundert stammenden, teils mit ImportgĂŒtern aus dem Ostsee- und Mittelmeerraum ausgestatteten Bestattungen des großen GrĂ€berfeldes aus der Zeit der Alamannen und Merowinger am Kienlesberg (unmittelbar nordwestlich des Stadtzentrums), sowie die frĂŒhmittelalterliche Königspfalz der Karolinger auf dem Weinhof und im Bereich des Hl. Geist Spitals (urkundlich erstmals erwĂ€hnt 854) unterstreichen die besondere Bedeutung Ulms als strategisch bedeutsamen Verkehrsknotenpunkt auch wĂ€hrend des frĂŒhen Mittelalters.

Durch seine Lage am Knotenpunkt mehrerer Handels- und Pilgerrouten zu Lande und zu Wasser entwickelte sich Ulm wĂ€hrend des Hoch- und SpĂ€tmittelalters als Freie Reichsstadt zu einem fĂŒhrenden Handels- und Kunstzentrum in SĂŒddeutschland. Im SpĂ€tmittelalter unterhielten Ulmer Kaufleute ein dichtes Netz von Handelskontakten, welche von Skandinavien bis nach Nordafrika, von Syrien bis nach Irland und darĂŒber hinaus reichten. Einer der durch Jahrhunderte bedeutsamen Pilgerwege nach Santiago de Compostela zum Grab des von der katholischen Kirche verehrten Heiligen Jakobus, der Jakobsweg, fĂŒhrte ĂŒber Ulm nach Nordwestspanien und rĂŒckt seit dem Jahr 1997 als völkerverbindend im Sinne der europĂ€ischen Einigung in das fördernde Interesse der Stadt Ulm und des Landes Baden-WĂŒrttemberg.

Ab dem spĂ€ten 17. Jahrhundert wurde Ulm zum zentralen Sammlungsort fĂŒr meist (aber nicht immer) schwĂ€bische Auswanderer, welche in den neueroberten Gebieten des Habsburgischen und Russischen Reiches in SĂŒdosteuropa und im SĂŒdlichen Russland angesiedelt wurden. Eine erste Auswanderungswelle erreichte zwischen dem spĂ€ten 17. und Mitte des 18. Jahrhunderts auf Ulmer Schachteln die neueroberten LĂ€nder des Habsburgischen Reiches im sĂŒdöstlichen Europa. In ihren neuen Siedlungsgebieten im heutigen RumĂ€nien, Ungarn und Serbien, entstanden die Volksgruppen der Ungarndeutschen und/oder Donauschwaben.

Eine zweite Auswanderungswelle folgte Anfang des 19. Jahrhunderts. Von 1804 bis 1818 gelangten tausende Auswanderer auf dem Wasserweg ins MĂŒndungsgebiet der Donau (Dobrudscha) im heutigen Bulgarien und RumĂ€nien, sowie nach Bessarabien (heutiges Moldawien) ans nördliche Schwarze Meer (heutige SĂŒd-Ukraine) und von dort nach SĂŒd-Russland insbesondere in das Gebiet des Kaukasus. Die zumeist schwĂ€bisch-stĂ€mmigen Auswanderer schifften sich in Ulm auf FlĂ¶ĂŸen und Ulmer Schachteln ein und fuhren die Donau abwĂ€rts bis zu deren MĂŒndung ins Schwarze Meer bei Ismajil. ReiseerzĂ€hlungen berichten von Ă€ußersten Strapazen der Auswanderer wĂ€hrend der rund 2.500 Kilometer langen Fahrt. Zahlreiche UnglĂŒcksfĂ€lle, und nach dem Genuss von verschmutztem Flusswasser und aufgrund schlechtester hygienischer Bedingungen in der drangvollen Enge der meist ĂŒberfĂŒllten Boote ausbrechende Krankheiten forderten zahllose TodesfĂ€lle. Ergebnis dieser zweiten großen donauabwĂ€rts gerichteten Auswanderungsbewegung waren die Volksgruppen der Dobrudschadeutschen, Bessarabiendeutschen, Schwarzmeerdeutschen, und Kaukasiendeutschen.

Durch diese Auswanderungswellen wurden die bereits vor dieser Zeit vorhandenen engen Kontakte Ulmer Kaufmanns- und Schifferfamilien in diesen Raum nachhaltig verstĂ€rkt. Nach der Vertreibung der Ungarndeutschen und Donauschwaben aus Serbien und Ungarn in Folge des Zweiten Weltkrieges sowie einer nach 1990 einsetzenden Auswanderungswelle von Donauschwaben aus RumĂ€nien siedelten sich diese hĂ€ufig in den ehemaligen Herkunftsgebieten ihrer Vorfahren an. Hierdurch entstand seit den spĂ€ten 1940er Jahren rund um Ulm eine starke donauschwĂ€bische Gemeinde. Heute bezeugen mehrere im Stadtgebiet aufgestellte DenkmĂ€ler, welche an Geschichte und Vertreibung der Donauschwaben erinnern, das im Jahr 2000 in den RĂ€umen der Oberen Donaubastion (Bundesfestung Ulm) eröffnete DonauschwĂ€bische Zentralmuseum (DZM) und zahlreiche StĂ€dtepartnerschaften und Kooperationsprojekte mit Gemeinden und StĂ€dten entlang der Donau die enge Verbindung Ulms mit den Donauschwaben und SĂŒdosteuropa.

Die seit dem Mittelalter kontinuierlich gewachsenen, weitgespannten geistigen wie kommerziellen Verbindungen Ulms spielen auch heute noch im Bewusstsein vieler Ulmer als Basis gegenwĂ€rtigen und zukunftsorientierten Denkens und Handelns eine zentrale Rolle. Sie werden sehr bewusst als Teil der eigenen Geschichte und IdentitĂ€t gepflegt. Das seit 1998 alle zwei Jahre stattfindende internationale Donaufest mit Vertretern aller Donauanrainerstaaten, die kĂŒrzlich gegrĂŒndete DonauAkademie, der „lebende Kreuzweg“ der großen italienischen Gemeinde oder ein alljĂ€hrlich stattfindendes „französisches Weinfest“ unterstreichen die engen und ĂŒber Jahrhunderte hinweg gewachsenen und im Alltag gelebten gegenseitigen Verbindungen.

Nachbargemeinden

Auf der rechten (sĂŒd-östlichen) Seite von Donau und Iller grenzt die bayerische Kreisstadt Neu-Ulm an. Auf der linken (nordwestlichen) Seite ist Ulm fast gĂ€nzlich vom Alb-Donau-Kreis umgeben. Die baden-wĂŒrttembergischen Nachbargemeinden sind hier (von SĂŒden ĂŒber Westen nach Norden): Illerkirchberg, Staig, HĂŒttisheim, Erbach (Donau), Blaubeuren, Blaustein, Dornstadt, Beimerstetten und Langenau, sowie im Osten die bayerische Gemeinde Elchingen.

Stadtgliederung

Stadtteile

Das Stadtgebiet von Ulm ist in 18 Stadtteile eingeteilt: Stadtmitte, Böfingen, Donautal, Eggingen, Einsingen, Ermingen, Eselsberg, Gögglingen-Donaustetten, Grimmelfingen, Jungingen, Lehr, MĂ€hringen, Oststadt, Söflingen, Unterweiler, Weststadt und Wiblingen. Neun Stadtteile, welche im Zuge der jĂŒngsten Gemeindereform in den 1970er Jahren eingemeindet wurden (Eggingen, Einsingen, Ermingen, Gögglingen-Donaustetten, Jungingen, Lehr, MĂ€hringen und Unterweiler) verfĂŒgen ĂŒber eigenstĂ€ndige OrtschaftsrĂ€te, welche eine wichtige Beraterfunktion des Gesamtstadtrates zu die Stadtteile betreffenden Angelegenheiten wahrnehmen. EndgĂŒltige BeschlĂŒsse ĂŒber Maßnahmen können jedoch nur vom Stadtrat der Gesamtstadt Ulm getroffen werden.

Klima

Klimadiagramm von Ulm 1961–1990

Im Volksmund wird Ulm als „Hauptstadt des Nebelreiches“ bezeichnet. Die Statistik weist dagegen aus, dass in Ulm hinter Freiburg und MĂŒnchen die Sonne mit 1698 Stunden am lĂ€ngsten scheint, wobei die messende Station auf dem Kuhberg, einer der höchsten Erhebungen innerhalb Ulms, steht. Ulm ist nach derselben Studie „Deutschlands gesĂŒndeste Großstadt“, bietet seinen BĂŒrgern die besten Lebensbedingungen. FĂŒr die Bewertung waren Kriterien wie Luftverschmutzung, Ă€rztliche Versorgung, die soziale und wirtschaftliche Lage, das Sportangebot sowie die Zahl der KrippenplĂ€tze ausschlaggebend.[2]

Dagegen liegen die Werte des Mittels der Niederschlagsmenge im deutschen Durchschnitt. Mit 745 Millimeter (mm) Niederschlagsdurchschnitt und einer Durchschnittstemperatur von 8 Grad Celsius (°C) im Jahr (von 1971 bis 2000) fĂ€llt die Stadt nicht aus dem Rahmen der gemĂ€ĂŸigten Klimazone.

Hochwasser werden in Ulm in der Regel erst dann zu einem ernsten Problem, wenn beide FlĂŒsse, Donau und Iller, gleichzeitig viel Schmelz- oder Regenwasser mit sich fĂŒhren. Gerade schlagartiges Schmelzwetter kann innerhalb eines halben Tages zu starken Überschwemmungen fĂŒhren.

Geologie

Im Großraum Ulm grenzen die tertiĂ€ren, klastischen Molassesedimente an die Kalksteine des Oberen Jura. Damit einher geht auch der LandschaftsĂŒbergang vom Alpenvorland hin zur SchwĂ€bischen Alb. Die Kalke des Jura werden sĂŒdlich (und zum Teil auch noch nördlich) von Ulm von den Sedimenten des Alpenvorlandes (Molassesedimente) ĂŒberlagert. Neben den quartĂ€ren Ablagerungen entlang des Blau-, Iller- und Donautals treten in Ulm Sedimente der Brackwassermolasse (Grimmelfinger- und Kirchberger- Schichten), der Oberen Meeresmolasse, der Unteren SĂŒĂŸwassermolasse („Ulmer Schichten“) sowie des Obersten Juras (Massenkalke, Zementmergel des Kimmeridgium) in Erscheinung.

Auf der Gemarkung von Ulm-Ermingen befindet sich die untermiozĂ€ne „Erminger Turritellenplatte“, die sich durch ihren Fossilreichtum auszeichnet. Die Ablagerung wurde vor rund 18,5 Millionen Jahren (Unteres Ottnangium) unter flachmarinen kĂŒstennahen Bedingungen gebildet (Obere Meeresmolasse).

In der Thermalwasserbohrung von Neu-Ulm (Donautherme Neu-Ulm) wurde der Oberjura (Malm) bis in eine Tiefe von 460 m erbohrt. Darunter folgen die Schichten des Mitteljura (Dogger) und des Unterjura (Lias). Von etwa 700 m Tiefe bis 890 m treten die Schichten der Oberen Trias (Keuper) und bis etwa 1010 m der Mittleren Trias (Muschelkalk) in Erscheinung. Darunter folgt dann schließlich das kristalline Grundgebirge, aus dem das Thermalwasser gefördert wird.

Geschichte

ArchÀologische Geschichte

Ansicht von Ulm um 1490

Die Ă€lteste Besiedlung des Ulmer Raumes datiert aus der frĂŒhen Jungsteinzeit, um 5000 v. Chr. Nachgewiesen sind Siedlungen dieser Zeit, beispielsweise bei Eggingen (Grabungen des Landesdenkmalamtes Baden-WĂŒrttemberg) und Lehr (Lesefunde verschiedener Sammler).

Zahlreiche Ausgrabungen im Rahmen der seit den 1960er Jahren betriebenen StadtarchĂ€ologie (zunĂ€chst durch die Stadtgeschichtliche Forschungsstelle, zuletzt vom Landesdenkmalamt Baden-WĂŒrttemberg) belegen: Das Gebiet des spĂ€teren Ulm war in Form der durch Schenkungsurkunden des Klosters Reichenau belegten Orte „Westerlingen“ und „PfĂ€fflingen“ besiedelt, bevor es als „Ulm“ erstmals namentlich erwĂ€hnt wurde (854). Die Ă€ltesten Funde datieren aus dem Endneolithikum (Bestattung der Glockenbecherkultur auf dem MĂŒnsterplatz). Bereits im Herbst 1857 wurde nördlich des Ulmer Bahnhofs am Unteren Kienlesberg ein großes, ĂŒberaus reich ausgestattetes alamannisches GrĂ€berfeld der Merowingerzeit entdeckt, welches, trotz mangelhafter Grabungsmethodik und Funddokumentation wichtige Hinweise fĂŒr auch ĂŒberregional bedeutsame Siedlungen auf dem Weinhof und im Bereich des GrĂŒnen Hofes (eventuell: Westerlingen und PfĂ€fflingen) lieferte.[3]

Als Ergebnis neuester Forschungen des Landesdenkmalamtes in der Neuen Straße[4] wurde jĂŒngst eine vollstĂ€ndige Umschreibung der Ulmer Stadtgeschichte bis ins 14. Jahrhundert skizziert. Wesentlichste Thesen sind hierbei: Die Pfalz befand sich etwa auf Höhe der heutigen Spitalhofschule/Adlerbastei. Der bisher angenommene Standort am Weinhof soll eine ottonische GrĂŒndung gewesen sein. Demnach geht die Kernstadt auf eine ottonische StadtgrĂŒndung zurĂŒck.

Beim bisherigen Grabungs- und Diskussionsstand sind die vorgebrachten Argumente jedoch nicht vollstĂ€ndig ĂŒberzeugend, da das neue, in einigen Punkten sehr bedenkenswerte Modell den archĂ€ologischen Befunden im ĂŒbrigen Stadtgebiet weniger gerecht wird, als die bisherigen Vorstellungen, die den hier folgenden Kapiteln zugrunde liegen.

Im Mai 2007 wurden bei Ausgrabungsarbeiten beim Salemer Hof im SĂŒdosten der Ulmer Altstadt Reste jungsteinzeitlicher Siedlungsanlagen sowie ein etwa 5000 Jahre altes Skelett entdeckt.

StÀdtische Geschichte

Vor 1200

Im frĂŒhen Mittelalter, wohl um 850, wurde Ulm zur Königspfalz. Die erste urkundliche ErwĂ€hnung datiert vom 22. Juli 854. König Ludwig der Deutsche besiegelte eine Urkunde in „Hulma“. Der Name ist ein germanischer oder vorgermanischer GewĂ€ssername (indogermanische Wurzel *uel: drehen, winden, wĂ€lzen oder *el-/*ol-: fließen, strömen, feucht sein, modrig sein), der auf einen Zusammenhang mit der MĂŒndung der Blau in die Donau deutet.[5] Ulm war in den nĂ€chsten 50 Jahren ein wichtiger Pfalzort, was sich in den zahlreichen Königsbesuchen widerspiegelt. Zur Pfalz – von der nur die Reste der Pfalzkapelle (im Schwörhaus) und verschiedene BefestigungsgrĂ€ben bekannt sind – gehörte eine Wirtschaftssiedlung, in der zahlreiche eingetiefte HandwerkerhĂŒtten nachgewiesen worden sind. Im Schutz der Pfalz entstand ein Markt, der dann offenbar Ausgangspunkt fĂŒr die Stadtbildung wurde: Hier entstanden frĂŒhe Steinbauten und hier wurde schließlich das Rathaus der Stadt errichtet. Seine Bedeutung als Ort von Königsaufenthalten verlor Ulm wĂ€hrend der Zeit der sĂ€chsischen Könige im 10. und 11. Jahrhundert. Erst unter den Saliern – beginnend mit dem Hoftag Konrad II. im Jahr 1027 – sind wieder vermehrt königliche Aufenthalte nachweisbar. 1079 wurde Friedrich von Staufen mit dem Herzogtum Schwaben belehnt. Nach Festigung ihrer Macht in diesem Raum konnten die Staufer Ulm zu einem ihrer HauptstĂŒtzpunkte ausbauen. Das Aussterben der Salier fĂŒhrte zu KĂ€mpfen um die ReichsgĂŒter aus diesem Erbe, in dessen Folge Ulms Umland 1131 niedergebrannt wurde, 1134 traf es dann auch die komplette Stadt.[6]

Unter den Staufern wurde die Ulmer Pfalz ab 1140 wieder aufgebaut und im Gefolge wurde die Siedlung weiter ausgebaut. 1181 wird sie zur Stadt erhoben und 1184 zur Freien Reichsstadt [7]. Rund 100 Jahre spĂ€ter scheint Ulm komplett befestigt gewesen zu sein, da es einer Belagerung des Gegenkönigs Heinrich Raspe standhalten konnte. Ulm entwickelte sich zu einem der Herrschaftsschwerpunkte der Stauferkönige und -kaiser. Zur Verfassungsentwicklung in der FrĂŒhphase Ulms ist wenig ĂŒberliefert. „Eine Urkunde ĂŒber die Erhebung Ulms zur Stadt ist nicht ĂŒberliefert“. Die Stadtwerdung scheint seit dem 11. Jahrhundert etappenweise stattgefunden zu haben, ohne jedoch schriftliche Überlieferungen zu hinterlassen. Die Verleihung Esslinger Stadtrechts durch Rudolf von Habsburg 1274 war wohl mehr „eine Verlegenheitslösung, um eine [
] LĂŒcke auszufĂŒllen“.[8]

1200 bis 1500

Seccomalerei an der SĂŒdseite des Rathauses, auf der die Handelsbeziehungen Ulms zu sehen sind.
Ulmer MĂŒnz und Schiefes Haus (rechts)

Mit dem Ende der staufischen Herrschaft gelang es Ulm eine Königsstadt zu bleiben, was möglicherweise daran lag, dass die die Reichsvogtei innehabenden Linien der Grafen von Dillingen fast gleichzeitig ausstarben und Graf Ulrich von WĂŒrttemberg als neuer Vogteiinhaber keine Ambitionen bezĂŒglich Ulms hatte. Ende des 13. Jahrhunderts ist ein stĂ€dtischer Ammann fassbar, der jĂ€hrlich von den BĂŒrgern gewĂ€hlt wurde.

In das 14. Jahrhundert fĂ€llt dann die Vervierfachung des Stadtgebiets auf 66,5 Hektar, was bis ins 19. Jahrhundert die GrĂ¶ĂŸe der Stadt bleiben sollte. Einher ging mit der Erweiterung auch die Neubefestigung der Stadt, die möglicherweise in Zusammenhang mit einem im Ergebnis misslungenen Überfall von Ludwig dem Bayern 1316 steht.[9] InnerstĂ€dtisch war die erste HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts von bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Unruhen geprĂ€gt, die im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen den ZĂŒnften und dem stĂ€dtischen Patriziat, welches großteils aus ehemaligen kaiserlichen Amtmannen entstanden war und die Herrschaft ausfĂŒhrte. 1345 kam es zu einer Zwischenlösung in Form des Kleinen Schwörbriefs, der vorlĂ€ufig zu einer Befriedung der Situation fĂŒhrte, indem er erstmals den ZĂŒnften entscheidende Mitsprache in politischen und rechtlichen Dingen einrĂ€umte.

Unter Ulmer FĂŒhrung wurde 1376 der SchwĂ€bische StĂ€dtebund als BĂŒndnis von 14 schwĂ€bischen ReichsstĂ€dten gegrĂŒndet. Ulm wurde hierbei zum „Vorort“ (d. h. Hauptort fĂŒr Versammlungen des Bundes) gewĂ€hlt und erhielt den Titel „Haupt- und Zierde Schwabens“. Am 30. Juni 1377 begann der Bau des Ulmer MĂŒnsters, da die alte Kirche vor den Stadtmauern lag und die Einwohner wĂ€hrend einer kurz zuvor erfolgten Belagerung durch Kaiser Karl IV. nicht zur Kirche gehen konnten. Nach der Niederlage im Ersten StĂ€dtekrieg 1388 fiel der SchwĂ€bische StĂ€dtebund auseinander. Ulm verlor dadurch an Einfluss auf die anderen schwĂ€bischen StĂ€dte, blieb jedoch sowohl ökonomisch, als auch politisch so einflussreich, dass es zahlreiche, weitestgehend unabhĂ€ngige Niederlassungen in nahezu allen wichtigen HandelsstĂ€tten Europas unterhielt (z. B. Venedig, Wien, Antwerpen/Amsterdam, Konstantinopel/Istanbul). 1396 kommen Geislingen mit der Burg Helfenstein, Altenstadt, Amstetten, Aufhausen und weitere Orte an die Stadt, als der Graf von Helfenstein seine Schulden bei der Stadt begleichen muss.[10]

Der Große Schwörbrief, die Ulmer Verfassung, trat 1397 in Kraft, nachdem der Kompromiss des Kleinen Schwörbriefs „immer unbefriedigender wurde“.[11] Er regelte die Machtverteilung und die Aufgaben des BĂŒrgermeisters. Die ZĂŒnfte hatten nun 30, die Patrizier nur noch 10 Ratssitze. Gleichzeitig wurde den Patriziern das aktive Wahlrecht verweigert. Der BĂŒrgermeister musste den Einwohnern Rechenschaft ablegen. Der Schwörmontag (vorletzter Montag im Juli) ist seither ein Ulmer Feiertag.

1480 wurde mitten „im reißenden Fluss“ eine neue Stadtmauer errichtet. Sie reichte vom 1348 erbauten Herdbruckertor bis zum an der heutigen Wilhelmshöhe gelegenen Fischertor. Diese heute noch existierende Stadtmauer entlang der Donau löste die alte, nur noch in Teilen ĂŒbrig gebliebene Mauer ab, welche vom Fischerturm ĂŒber den Schweinemarkt und die beiden Blauarme (Reste in der heutigen HĂ€uslesbrĂŒcke erhalten) in einem fast rechten Winkel auf die Buckelquadermauer der staufischen Pfalz stieß und dieser dann in östlicher Richtung folgte. Die mittelalterliche Mauer wurde dann 1527 nach Albrecht DĂŒrers Befestigungslehre (im selben Jahr in NĂŒrnberg erschienen unter dem Titel „Etliche underricht/zu befestigung der Stett/Schlosz/und flecken“) vom NĂŒrnberger Baumeister Hans Beham d. Ä. umgebaut.

DĂŒrers Ideen, die von Beham umgesetzt wurden: Die an die Stelle der Mauer tretende Mauer-Wall-Grabenwehr sollte dem Beschuss der damals modernen Feuerwaffen besser standhalten und dem Verteidiger zusĂ€tzlich ermöglichen, eigene Artillerie besser zu positionieren. FĂŒr die Artillerie wurden von der Stadtseite her auch Auffahrrampen gebaut. Nach außen wurde eine Brustwehr mit großen Schießscharten errichtet. DĂŒrers Befestigungs-Ideen wurden weiterhin umgesetzt, indem die durch ihre Höhe bei Artilleriebeschuss besonders gefĂ€hrdeten TĂŒrme der Stadttore radikal abgetragen und mit niedrigen Achteckgeschossen versehen wurden. Zudem sah DĂŒrers System vor, dem Wall runde Basteien vorzulagern, von wo aus der Graben flankierend beschossen werden konnte. Auch die Stadtbefestigung beim Glöcklertor, Neuen Tor und beim Frauentor wurde dann demgemĂ€ĂŸ modernisiert. Die Anfang des 17. Jahrhunderts dann von Gideon Bacher im italienischen Stil realisierte BastionĂ€rbefestigung, welche die Verteidigungslinien weit in das Vorfeld hinaus verlagerte, verĂ€nderte das Stadtbild noch entscheidender als Behams Umbauten. Und gleich anschließend (ab 1617 bis 1622) setzten der hollĂ€ndische Ingenieur Johan van Valckenburgh und diverse Nachfolger mit ihren Um- und Neubauten nach niederlĂ€ndischem System, das damals als Nonplusultra der Festungsbaukunst galt, nochmals neue MaßstĂ€be. Überbleibsel ihrer TĂ€tigkeit ist im Wesentlichen der Bereich Wilhelmshöhe/Promenade. Diese neuen Arbeiten kosteten rund zwei Millionen Gulden, welche durch Steuern aufgebracht werden mussten.

1500 bis 1800

Vogelschaubild von Ulm, um 1597
Ulm von oben um 1650, Kupferstich von Merian
Ulm in drei Blickrichtungen um 1650, Kupferstich von Merian

Ihren wirtschaftlichen wie kulturellen Höhepunkt erreichte die Stadtentwicklung um 1500: Ulm besaß das nach NĂŒrnberg zweitgrĂ¶ĂŸte reichsstĂ€dtische Territorium auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Drei StĂ€dte (Geislingen, Albeck und Leipheim) sowie 55 Dörfer gehörten zum Gebiet. Die Stadt war wichtiger Umschlagplatz fĂŒr Eisen, Textilwaren, Salz, Holz und Wein. Gleichzeitig entwickelte sich Ulm seit Mitte des 15. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Kunstzentren SĂŒddeutschlands. Kunstwerke aus Ulmer Produktion (vor allem aufwĂ€ndig gestaltete Skulpturen und FlĂŒgelaltĂ€re) wurden weit ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus zu „Exportschlagern“ und bis nach Wien, Sterzing (SĂŒdtirol) und die Niederlande gehandelt. Aus dieser Zeit stammt auch der Reim, der die Stellung der Stadt in der damaligen Welt untermauerte:

Venediger Macht,
Augsburger Pracht,
NĂŒrnberger Witz,
Straßburger GeschĂŒtz,
und Ulmer Geld
regier’n die Welt.

Mit dem Ulmer Geld im Vers ist neben dem in Ulm geprĂ€gten und von Ulmer Handelsleuten und Bankiers reichlich verwendeten MĂŒnzgeld auch das gemeint, was den eigentlichen Reichtum Ulms ausmachte – das Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen. Das nach strengster PrĂŒfung mit dem Ulmer Siegel versehene Barchent bĂŒrgte fĂŒr eine so außergewöhnlich hohe QualitĂ€t, dass es, da in ganz Europa begehrt, so gut wie Geld war.

Mit der GrĂŒndung des SchwĂ€bischen Reichskreises als einem von insgesamt 10 Reichskreisen mit denen Kaiser Maximilian I. 1500 bzw. 1512 die Verwaltung des Heiligen Römischen Reiches neu ordnete, gelang es Ulm nochmals an seine Vormachtstellung unter den schwĂ€bischen StĂ€dten und ReichsstĂ€nden anzuknĂŒpfen. Die Stadt wurde zum Haupt- und Versammlungsort des neuentstandenen schwĂ€bischen Reichskreises. Die Reichskreistage (d. h. die beschlussfassenden Versammlungen der im schwĂ€bischen Reichskreis zusammengeschlossenen ReichsstĂ€nde) fanden bis zum Ende der Reichsstadtzeit im gotischen Rathaus statt. Als Ausweichquartier fĂŒr die stĂ€dtische Verwaltung wĂ€hrend der Reichskreistage, wurde zwischen 1583 und 1593 von Hans Fischer und MatthĂ€us Gaiser der Neue Bau im Stil der Ulmer SpĂ€trenaissance errichtet. Er diente als MehrzweckgebĂ€ude gleichzeitig als Rat- und Schwörhaus, Gerichtssaal, GefĂ€ngnis und stĂ€dtisches Lager fĂŒr Salz, Wein und Korn.

Ab 1694 unterhielt der schwĂ€bische Reichskreis ein stĂ€ndiges stehendes Heer, dessen Verwaltung und MaterialbestĂ€nde zu großen Teilen im Ulmer Zeughaus untergebracht wurden.

Die Entdeckung Amerikas (1492), sowie des Seeweges nach Indien (1497), aber auch die starke lokale Konkurrenz im Barchent-GeschĂ€ft durch die Fugger, welche zu Beginn des 16. Jahrhunderts den lukrativen Barchenthandel zunehmend auf ihre neuerworbenen Besitzungen im unteren Illertal „umleiteten“, ließen den Wohlstand und Einfluss Ulms bald nach 1500 rasch verblassen. Das Entstehen neuer Handelszentren und die Verlagerung der wichtigsten Handelsrouten Richtung Atlantik fĂŒhrten zu einem allmĂ€hlichen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Hierzu trugen nicht zuletzt auch religiöse Spannungen bei. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre BĂŒrgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens. 1531 trat die Stadt durch Abstimmung der BĂŒrgerschaft dem protestantischen Glauben bei. Der nachfolgende Bildersturm, in dessen Folge ĂŒber 30 Kirchen und Kapellen abgerissen oder profaniert wurden, sowie weit ĂŒber 100 AltĂ€re (allein ĂŒber 60 im MĂŒnster) zerstört oder entfernt wurden, bedeutete auch das abrupte Ende Ulms als Kunstzentrum. Konflikte mit dem Kaiser und anderen ReichsstĂ€nden fĂŒhrten bis 1546 (Schmalkaldischer Krieg) dazu, dass Ulm 35 seiner Dörfer durch PlĂŒnderung oder Brandschatzung verlor und sich zuletzt doch dem katholischen Kaiser Karl V. unterwerfen musste, welcher 1546 die bis dahin gĂŒltige stĂ€dtische Verfassung (Großer Schwörbrief) aus dem Jahre 1397 aufhob, und dem stĂ€dtischen Adel (Patriziat) durch den sogenannten Hasenrat faktisch die alleinige Entscheidungsgewalt in der Stadt zusprach.

Im Laufe der nĂ€chsten Jahrhunderte wurde der einstige Reichtum der Stadt durch weitere Kriege, besonders wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges und des Spanischen Erbfolgekrieges, durch verheerende Seuchen, Reparationszahlungen und Erpressungen verschiedenster Belagerer und Besatzer derart verringert, dass die Stadt um 1770 bankrott war und weiteren Grund (Herrschaft Wain) verĂ€ußern musste. 1786 umfasste das Ulmische Gebiet noch folgende Verwaltungen: Obervogteiamt Geislingen, OberĂ€mter Langenau, Albeck und Leipheim sowie die Ämter SĂŒĂŸen, Stötten, Böhringen, Nellingen, Weidenstetten, Lonsee, Stubersheim, Bermaringen und Pfuhl.

1800 bis 1945

Ulm (etwa 1890 bis etwa 1900)

Die Neuordnung Europas durch Napoleon wirkte sich auch in Ulm aus. 1802, noch vor der VerkĂŒndung des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, verlor die Stadt ihre UnabhĂ€ngigkeit und wurde dem KurfĂŒrstentum Bayern eingegliedert. AnknĂŒpfend an Ulms fĂŒhrende Rolle innerhalb des aufgelösten schwĂ€bischen Reichskreises wurde Ulm Sitz der Landesdirektion der „Baierischen Provinz Schwaben“ (VorgĂ€nger der heutigen Regierung von Schwaben). Am 14. Oktober 1805 fand nahe Ulm bei Elchingen eine entscheidende Schlacht der napoleonischen Kriege statt (Schlacht von Elchingen), die zur Schlacht von Ulm am 16. bis 19. Oktober fĂŒhrte, aus der Napoleon als Sieger herausging. Nachdem Marschall Ney (Michel Ney, als Herzog von Elchingen und FĂŒrst von der Moskwadie) die Österreicher vernichtend geschlagen hatte, zogen sich diese nach Ulm zurĂŒck, wo sie belagert wurden und kurz darauf kapitulierten. Damit war fĂŒr Napoleon der Weg nach Osten frei fĂŒr die Entscheidungsschlacht gegen die Russen und Österreicher bei Austerlitz. 1810 gelangte Ulm durch einen bayerisch-wĂŒrttembergischen Gebietsaustausch an das Königreich WĂŒrttemberg. FĂŒr Ulm hatte der Übergang an WĂŒrttemberg schwerwiegende und bis heute andauernde Folgen. Zwar kam der weitaus grĂ¶ĂŸere Teil des ehemaligen reichsstĂ€dtischen Territoriums nördlich der Donau mit Ulm an WĂŒrttemberg, unterlag jedoch zu großen Teilen nicht mehr direkter Ulmer Verwaltung, sondern wurde anderen Ämtern- und OberĂ€mtern (v. a. Geislingen, das vorher selbst zum Ulmer Gebiet gehört hatte) zugeschlagen. Der kleinere, aber fĂŒr Ulm wirtschaftlich wichtigere sĂŒdliche Teil des vormaligen Ulmer Territoriums blieb bayerisch, wurde „Ausland“ und bildete den Grundstock der kĂŒnftigen Stadt Neu-Ulm. Ulm war damit Grenzstadt geworden.

Was der Verlust seines sĂŒdlich der Donau gelegenen Hinterlandes fĂŒr Ulm ausmachte, lĂ€sst sich dadurch verdeutlichen, dass sĂŒdlich der Donau wichtige Ulmer Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen lagen. Von der zentralen HerdbrĂŒcke aus flussaufwĂ€rts zur IllermĂŒndung hin landeten die IllerflĂ¶ĂŸe an, die meist Ulm als Endpunkt ansteuerten, aber bisweilen auch bis Wien fuhren. Es waren ĂŒberwiegend reine BaumflĂ¶ĂŸe, aber auch so genannte BĂ€derische, die aus bereits vorgearbeiteten Brettern bestanden. Die FlĂ¶ĂŸer brachten nicht nur Bauholz fĂŒr die Stadt, sondern auch Brennholz, Salz und Köstlichkeiten wie KĂ€se (aus der Schweiz und dem AllgĂ€u), Weinbergschnecken, Wein (aus den Anbaugebieten am Bodensee oder aus Italien) oder Kirschwasser. Zwischen der heutigen EisenbahnbrĂŒcke und der GĂ€nstorbrĂŒcke lagen am sĂŒdlichen Donauufer ein Zimmerplatz fĂŒr Bauholz, ein Holzhandelsplatz und ein weiterer Holzmagazinplatz fĂŒr das Lagern und den ĂŒberregional bedeutsamen Verkauf von Bau- und Brennholz.

Wilhelmsburg 1904

Des Weiteren befanden sich sĂŒdlich der Donau in unmittelbarer NĂ€he der HerdbrĂŒcke am sog. „Schiffbauerplatz“ mehrere Schiffs-Werften, in welchen die sog. „Ulmer Schachteln“ fĂŒr die hier einsetzende Donauschifffahrt gebaut wurden. Nach ihrer Fertigstellung wurden diese am sog. „Schwal“ mit Waren beladen und zu Wasser gelassen. Etwas weiter flussabwĂ€rts unterhielt die GĂ€rtnerzunft einen DĂŒngerplatz, der vor allem wichtig fĂŒr die stattliche Anzahl der ebenfalls sĂŒdlich gelegenen Baum-, Obst- und LustgĂ€rten war. Dem SteinhĂ€ule zu lagen die Einrichtungen zur Verwertung von Tierkörpern, welche der Verwaltung des reichsstĂ€dtischen Scharfrichters unterlagen. Dieser war zugleich Wasenmeister (Abdecker, Schinder, Kleemeister).

Auch das reichsstĂ€dtische SchĂŒtzenhaus lag sĂŒdlich der Donau. Dort pflegte die SchĂŒtzengesellschaft mehrmals in der Woche SchieĂŸĂŒbungen abzuhalten. Gleichzeitig bildete das sĂŒdliche Donauufer auch das bevorzugte Naherholungsgebiet der Ulmer, wo man spazieren ging, promenierte und in den SchĂ€nken einkehrte. Als die Donau dann in Folge der napoleonischen Kriege und Gebietsverschiebungen zwischen den neuen Königreichen WĂŒrttemberg und Bayern zum Grenzfluss wurde, gab es plötzlich einen Passzwang fĂŒr SpaziergĂ€nger; dies auch fĂŒr jene Ulmer, welche jenseits der Donau ihren Arbeitsplatz hatten.

Mit dem Anschluss an WĂŒrttemberg wurde Ulm Sitz eines Oberamtes, des Oberamtes Ulm. Ein Jahr spĂ€ter erhielt die Stadt die Bezeichnung „Unsere gute Stadt“ und damit das Recht auf einen eigenen Landtagsabgeordneten.

1811 sollte Albrecht Ludwig Berblinger, „der Schneider von Ulm“, anlĂ€sslich des Antrittsbesuchs des wĂŒrttembergischen Königs in der Stadt das von ihm entworfene FluggerĂ€t vorfĂŒhren. Nach Aussage von Augenzeugen absolvierte Berblinger im Bereich des oberen Michelsbergs mit seinem FluggerĂ€t erfolgreich mehrere GleitflĂŒge von mehreren Dutzend Metern â€žĂŒber Wiesen und GĂ€rten“. UngĂŒnstigerweise sollte Berblinger seine FlugkĂŒnste nun nicht dort, sondern am hohen Ufer der Adlerbastei nahe der HerdbrĂŒcke prĂ€sentieren. Berblinger scheute die Demonstration, weil er richtigerweise die dort herrschende Thermik als fĂŒr Flugversuche extrem ungĂŒnstig einschĂ€tzte. Am Tag darauf, der König war nicht mehr anwesend, dafĂŒr aber sein Sohn, stand der Ulmer Flugpionier wieder am Start. Einem Ondit zufolge soll der immer noch zögernde Berblinger von der Adlerbastei gestoßen worden sein und landete, statt am bayerischen Ufer, in der Donau. Neuzeitliche Flugwettbewerbe zeigten denn auch, dass die fĂŒr die FlugvorfĂŒhrung Berblingers gewĂ€hlte Stelle in jedem Falle fĂŒr das HinĂŒbergleiten mit nichtmotorisierten FluggerĂ€ten sehr problematische Bedingungen bietet. FĂŒr Albrecht Berblinger hatte die gescheiterte FlugvorfĂŒhrung verheerende Folgen. Weit ĂŒber Ulm hinaus wurde er zur lĂ€cherlichen Witz-Figur und war dem Spott seiner Zeitgenossen schutzlos preisgegeben. Er selbst gab verbittert seine Experimente auf, zog sich zurĂŒck und starb verkannt und völlig verarmt. Inzwischen ist (nicht nur in Ulm) die Ehre Berblingers hinsichtlich seiner EinschĂ€tzung als Flugpionier wiederhergestellt. Neben den zeitgenössischen Berichten haben auch moderne Nachbauten von und Versuche mit Berblingers FluggerĂ€t eindeutig bewiesen, dass es tatsĂ€chlich flugtauglich war und sich mit ihm bei guter Thermik beachtliche Strecken zurĂŒcklegen lassen.

1819 wurde Ulm Sitz des wĂŒrttembergischen Donaukreises (etwa einem Regierungsbezirk vergleichbar).

Die Eröffnung der ersten durchgehende Strecke des wĂŒrttembergischen Eisenbahnnetzes von Heilbronn nach Friedrichshafen am 1. Juni 1850 sowie die seit Mitte des 19. Jahrhunderts angegangenen gewaltigen Bauaufgaben des Baues der Bundesfestung und der Fertigstellung des Ulmer MĂŒnsters brachten neues Leben in das inzwischen zum „Provinznest mit 12.000 Einwohnern“ gewordene Ulm. Im Gefolge der Errichtung der Bundesfestung mit 53 Festungswerken um Ulm und Neu-Ulm herum sowie der Vollendung des MĂŒnsters, in deren Folge Ulm seit 1885 den bis heute höchsten Kirchturm der Welt erhielt (die Einweihung des neuen Westturms war am 31. Mai 1890), zog wieder der Wohlstand ein.

Folge dieser Belebung war eine stark ansteigende Einwohnerzahl und die GrĂŒndung zahlreicher Wirtschafts- und Industrieunternehmungen. So entdeckte der Ulmer Apotheker Ernst Gustav Leube die seit der SpĂ€tantike vergessene Kunst der Zementherstellung neu, und grĂŒndete 1838 mit seinen BrĂŒdern, Wilhelm und Julius Leube, die erste Zementfabrik Deutschlands. Conrad Dietrich Magirus, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ulm, beschĂ€ftigte sich mit der Konstruktion von GerĂ€tschaften zur FeuerbekĂ€mpfung. Er gilt als Erfinder der fahrbaren Feuerleiter. 1864 wurde Magirus Kommanditist der neu gegrĂŒndeten Gebr. Eberhardt offene Handels- und Kommanditgesellschaft, die FeuerwehrgerĂ€te herstellte und vertrieb. Nach Unstimmigkeiten zwischen Magirus und den GebrĂŒdern Eberhardt grĂŒndete Magirus dann 1866 seine eigene Firma, der er den Namen Feuerwehr-Requisiten-Fabrik C. D. Magirus gab. 1893 grĂŒndete Karl Heinrich KĂ€ssbohrer, Spross einer alten Ulmer Fischer- und Schifferdynastie die Wagenfabrik KĂ€ssbohrer. Ab 1910 wurden dort erstmals Karosserien fĂŒr Personenwagen-Fahrgestelle in Serie gefertigt. Auch erhielt die Firma das erste Patent fĂŒr einen kombinierten Omnibusaufbau fĂŒr Personen- und GĂŒtertransport. 1922 entwickelte KĂ€ssbohrer den ersten Lastwagen-AnhĂ€nger.

Eine bedeutende Rolle fĂŒr die Entwicklung Ulms und Neu-Ulms spielten auch die seit Mitte des 19. Jahrhunderts stationierten Truppen der Bundesfestung. So zĂ€hlte Ulm 1913 60.000 Einwohner, davon ĂŒber 10.000 Soldaten. Auch 1938 kurz vor Ausbruch des II. Weltkriegs war die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm mit mehr als 20.000 Soldaten die grĂ¶ĂŸte Garnison im Deutschen Reich. Die tolerant-reichsstĂ€dtisch geprĂ€gten Ulmer waren kriegerischen Handlungen und dem MilitĂ€r an sich nicht besonders zugetan. Selten hatte Krieg in der Geschichte der Stadt Gutes gebracht. Die Abneigung der Ulmer gegen alles allzu MilitĂ€rische zeigte sich z. B. darin, dass die Reichsstadt bereits sehr frĂŒh große Teile der Verteidigung der Stadt auswĂ€rtigen Söldnern ĂŒberließ, fĂŒr die entlang der Stadtmauer eigens die sog. „GrabenhĂ€uschen“ gebaut wurden. Auch versuchte Ulm Gebietsstreitigkeiten mit seinen Nachbarn stets diplomatisch, notfalls auch durch horrende Geldzahlungen zu regeln. Große Teile des ehemaligen reichsstĂ€dtischen Territoriums waren durch Kauf oder Schuldeinlösungen in die HĂ€nde der Ulmer gelangt, nicht durch militĂ€rische Mittel. Auch die EinfĂŒhrung der allgemeinen Wehrpflicht nach dem unfreiwilligen Anschluss an Bayern und WĂŒrttemberg stieß in Ulm auf erbitterten und lang anhaltenden Widerstand. Insgesamt war Ulm im Lauf seiner Geschichte wiederholt Objekt verschiedener Begierden, die meist zum Schaden der Stadt auch mit kriegerischen Mitteln verfolgt wurden. So wurde die Stadt als Hauptort des SchwĂ€bischen StĂ€dtebundes oder des SchwĂ€bischen Reichskreises immer auch durch eigenes oder fremdes MilitĂ€r geprĂ€gt.

Der Erste Weltkrieg und die folgende Weltwirtschaftskrise traf Ulm besonders hart, da die Wirtschaftsunternehmen der Stadt stark exportorientiert ausgelegt und als vormalige RĂŒstungsunternehmungen ĂŒberdies direkt von Reparationsforderungen und HerstellungsbeschrĂ€nkungen des Versailler Vertrages betroffen waren. Auch radikale Verringerung der Anzahl des in Ulm stationierten MilitĂ€rs nach dem Ersten Weltkrieg wirkte sich extrem negativ auf die örtliche Wirtschaft aus. Ähnlich wie in anderen StĂ€dten gab es auch in Ulm wĂ€hrend der Weltwirtschaftskrise eine eigene RegionalwĂ€hrung, das Markengeld WĂ€ra. Dennoch blieb es zwischen den beiden Weltkriegen in Ulm erstaunlich ruhig.

FischerplÀtzle

Nach der MachtĂŒbernahme durch die Nationalsozialisten, welche bereits seit den spĂ€ten 1920er Jahren in Ulm hohe Stimmenanteile verbuchen konnten, wurde von 1933 bis 1935 am Oberen Kuhberg, in einem der Festungswerke der Bundesfestung, ein KZ, vorwiegend fĂŒr politische Gefangene aus WĂŒrttemberg eingerichtet. Darunter befand sich auch Kurt Schumacher. Am 22. April 1934 gaben Vertreter der evangelischen Kirche aus ganz Deutschland (Deutsches Reich) im MĂŒnster die Ulmer ErklĂ€rung ab, in der sie sich offen gegen Hitler wandten. In der „Kristallnacht“ (9./10. November 1938) brannte auch die Ulmer Synagoge Am Weinhof 2. Sie wurde aber nicht ein Opfer des Brandes selbst, der kaum einen Schaden verursachte, sondern vielmehr des durch die Stadtregierung angeordneten Abrisses danach. Am Treppenabgang der Sparkasse Neue Straße 66 erinnert eine Gedenktafel an die verfolgten und in der Shoa ermordeten Ulmer Juden und ihr Gotteshaus.

Dennoch konnte sich Ulm wĂ€hrend der NS-Zeit Teile seiner alten Freiheiten „zurĂŒckerobern“. 1938 wurde die Stadt kreisfrei und zudem Sitz des aus dem alten Oberamt hervorgegangenen Landkreises Ulm. 1942 bildete eine Gruppe Abiturienten um Hans und Susanne Hirzel sowie Franz J. MĂŒller den Ulmer Ableger der bekannten MĂŒnchner Widerstandsgruppe Weiße Rose, in welcher die beiden Ulmer Hans und Sophie Scholl aktiv waren. Beide Widerstandsgruppen wurden 1943 gefasst und deren Mitglieder teils zum Tode, teils zu GefĂ€ngnisstrafen verurteilt. 1944 begannen die schweren Luftangriffe auf Ulm. Zu Kriegsende – insbesondere als Folge des Großangriffs vom 17. Dezember 1944 – waren 81 % der historischen Altstadt zerstört, das MĂŒnster jedoch blieb weitgehend verschont.

1945 bis heute

1955: Blick vom Hauptturm des Ulmer MĂŒnsters zum westlichen MĂŒnsterplatz. Die BaulĂŒcken sind Folgen der besonders am 17. Dezember 1944 erfolgten Zerstörung der Altstadt.
2005: Blick von der mittleren Plattform des Ulmer MĂŒnsters Richtung Westen. Links der historische Neue Bau, nahezu alle anderen erkennbaren Bauten sind neu entstanden.

Die zu großen Teilen zerstörte Innenstadt Ulms wurde in den Jahrzehnten nach Kriegsende wieder aufgebaut. Die Frage, ob der Wiederaufbau historisch oder modern erfolgen sollte, fĂŒhrte zu heftigen Auseinandersetzungen. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Stadt wurde im Stil der FĂŒnfziger- und Sechzigerjahre wiederaufgebaut. Um große Verkehrsprojekte wie die „Neue Straße“ als Ost-West-Magistrale zu verwirklichen, wurde sogar noch erhaltene historische Bausubstanz geopfert. Es kam allerdings auch zu Rekonstruktionen einzelner, fĂŒr die Stadtgeschichte bedeutender GebĂ€ude, und zahlreiche moderne Bauten orientierten sich mehr oder weniger an historischen Formen, z. B. an den fĂŒr Ulm typischen Spitzgiebeln. (Siehe auch unter 5.4.1 – Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten – Bauwerke - Stadtbild)

Der Wiederaufbau war aber nicht begrenzt auf die alte Ulmer Innenstadt. So war das neu ausgewiesene Industriegebiet im Donautal (1951) von großer Bedeutung fĂŒr die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Im neuen Stadtteil Eselsberg konnten zahlreiche Vertriebene aufgenommen werden, was die Einwohnerzahl schnell wieder auf den Stand von vor dem Krieg und darĂŒber hinaus anschwellen ließ.

1953 begann die Geschichte der fĂŒr die FĂŒnfziger- und Sechzigerjahre stilbildenden, inzwischen aber wieder geschlossenen Hochschule fĂŒr Gestaltung. Eine Ingenieurschule eröffnete 1960 ihren Lehrbetrieb und ging 1972 in der Fachhochschule fĂŒr Wirtschaft und Technik auf. Ein wichtiger Impuls fĂŒr die Stadt war die GrĂŒndung der UniversitĂ€t Ulm (1967), der 1982 das aus bisher stĂ€dtischen Kliniken gebildete UniversitĂ€tsklinikum angeschlossen wurde.

Am 1. Januar 1973 trat die Kreisreform in Baden-WĂŒrttemberg in Kraft. Ulm wurde Sitz des neu gebildeten Alb-Donau-Kreises, blieb selbst aber kreisfrei. 1980 ĂŒberschritt Ulm erstmals die 100.000-Einwohner-Marke und wurde somit Großstadt. Im gleichen Jahr war Ulm Gastgeber der ersten Landesgartenschau in Baden-WĂŒrttemberg, an der sich auch die bayerische Nachbarstadt Neu-Ulm beteiligte.

Die Überwindung der Wirtschaftskrise Anfang der 1980er Jahre machte aus der bisherigen Industriestadt auch ein Dienstleistungs- und Wissenschaftszentrum, welches 1987, bei einer Einwohnerzahl von 104.000, stolze 84.000 ArbeitsplĂ€tze aufweisen konnte.

2004 feierte die Stadt gleich mehrere bedeutende Ereignisse: Zum einen den 1150. Jahrestag der ersten urkundlichen ErwĂ€hnung von Ulm, zum anderen den 125. Geburtstag von Albert Einstein, der am 14. MĂ€rz 1879 in der heutigen Bahnhofstraße geboren wurde. Die Familie zog allerdings bereits kurz nach der Geburt Alberts 1880 nach MĂŒnchen. An der Stelle seines Geburtshauses steht heute eine Skulptur zu Ehren des prominenten jĂŒdischen Sohnes der Stadt, der von den NS-Machthabern ausgebĂŒrgert wurde. Ein weiteres Großereignis war der 95. Deutsche Katholikentag vom 16. bis zum 20. Juni unter dem Motto „Leben aus Gottes Kraft“, an dem ungefĂ€hr 30.000 GlĂ€ubige teilnahmen.

Siehe auch: MilitÀr in Ulm

Eingemeindungen

Ehemals selbstÀndige Gemeinden beziehungsweise Gemarkungen, die in die Stadt Ulm eingegliedert wurden. Die ZuwachsflÀche gibt die hinzukommende FlÀche zur GesamtflÀche der Stadt im Jahr der Eingliederung an.

Jahr Orte Zuwachs in ha
1828 Böfingen, Örlingen und Obertalfingen  ?
6. November 1905 Söflingen 1.448
1. April 1926 Grimmelfingen 471
1. April 1927 Wiblingen 809
1. September 1971 Jungingen 1.354
1. Januar 1972 Unterweiler 452
1. Februar 1972 MĂ€hringen 891
1. Mai 1974 Eggingen 810
1. Juli 1974 Donaustetten 598
1. Juli 1974 Einsingen 651
1. Juli 1974 Ermingen 837
1. Juli 1974 Gögglingen 514
1. Januar 1975 Lehr 614

Einwohnerentwicklung

→ Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Ulm

Zwischen 1890 (36.000 Einwohner) und 1939 (75.000 Einwohner) verdoppelte sich die Bevölkerung der Stadt. Durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges verlor Ulm bis 1945 rund 30 Prozent (20.000) seiner Bewohner. 1951 hatte die Bevölkerungszahl wieder den Stand von vor dem Krieg erreicht. 1980 ĂŒberschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Ende September 2005 lebten in Ulm nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Baden-WĂŒrttemberg 120.574 Menschen mit Hauptwohnsitz – historischer Höchststand. Mit Stand vom 31. Dezember 2004 haben 19.570 Einwohner (16,3 Prozent) einen auslĂ€ndischen Pass (ĂŒber 100 Nationen). 14,4 Prozent der Einwohner sind unter 15 Jahre alt, 17,5 Prozent sind 65 Jahre alt oder Ă€lter. Damit hat Ulm, Ă€hnlich wie andere deutsche StĂ€dte, eine relativ niedrige Geburtenrate, die Einwohnerzahl steigt aber durch Zuwanderung noch um jĂ€hrlich 0,5 Prozent.

Laut einem Bericht des Statistischen Landesamtes von Baden-WĂŒrttemberg wird die Stadt bzw. der Stadtkreis Ulm im Jahr 2025 der jĂŒngste Landkreis in Baden-WĂŒrttemberg sein. So wird das Durchschnittsalter der Stadt von derzeit 41,3 Jahre auf 44,5 Jahre steigen, was aber immer noch deutlich unter dem Durchschnittsalter von anderen Stadt- und Landkreisen im Land liegt.[12]

Eine grobe Übersicht ĂŒber die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ulm bietet folgende Tabelle:

Jahr Einwohner von Ulm (Hauptwohnsitz)
1890 36.000
1939 75.000
1945 55.000
1951 75.000
1980 100.000
2005 120.574
2006 120.664
2007 121.434
2008 121.648
2010 122.801

Religionen

Christen

Der Turm des Ulmer MĂŒnsters von Nordwesten
Die katholische Georgskirche

1529 trat Ulm auf dem Reichstag in Speyer den protestantischen ReichsstĂ€nden bei. 1531 wurde die Reformation Zwinglischer Richtung eingefĂŒhrt, doch nĂ€herte man sich bald Martin Luther an, als 1533 die Stadt eine lutherische Kirchenordnung erhielt. Somit war Ulm ĂŒber Jahrhunderte eine protestantische Stadt. Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert sank der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung Ulms (rund 20.000) auf ein Prozent (200 bis 250 im Jahre 1624) ab. Diese Zahl blieb bis Mitte des 18. Jahrhunderts konstant. Predigen durften die verbliebenen katholischen Priester nicht, katholische Taufen durften nur noch in den PrivathĂ€usern stattfinden, zur katholischen Trauung (in Ulm verboten) gingen die wenigen Paare daher ins katholische Söflingen, wo seit 1258 ein Klarissenkloster existierte, das 1803 aufgelöst wurde. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts blieben Katholiken vom BĂŒrgerrecht ausgeschlossen. Die stĂ€rksten Gruppen unter den Katholiken waren die Patrizier und vor allem die Gesellen, Dienstboten und Taglöhner. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es wieder eine starke katholische Gemeinde (1805 erste katholische Stadtpfarrei).

Nach dem Übergang an WĂŒrttemberg (1810) wurde Ulm Sitz eines Generalats (heute PrĂ€latur) innerhalb der Evangelischen Landeskirche in WĂŒrttemberg, welcher die evangelischen Gemeindeglieder – sofern sie nicht Mitglied einer Evangelischen Freikirche sind – angehören. Des Weiteren besteht in Ulm an der Adlerbastei – neben der Evangelischen PrĂ€latur – ein Dekanat, dessen Stelleninhaber dem evangelischen Kirchenbezirk Ulm mit insgesamt 55.408 Protestanten vorsteht (Stand 2005). Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm ist die Nachfolgeeinrichtung der historischen eigenstĂ€ndigen Ulmer Reichsstadtkirche und bildet zurzeit einen Verbund aus sechs Kirchengemeinden beziehungsweise Kirchen: Auferstehungskirche, Christuskirche, Lukaskirche, Martin-Luther-Kirche, MĂŒnster, Paul-Gerhardt-Kirche (wurde 2007 abgerissen und wich Eigentumswohnungen) und Pauluskirche. Die gewĂ€hlten Vertreter dieser sechs Kirchengemeinden bilden den Gesamtkirchengemeinderat Ulm. Dieser reprĂ€sentiert 21.561 Gemeindeglieder (Stand 2006) und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr das evangelische kirchliche Leben in der Stadt.

Die römisch-katholischen Christen in der Stadt gehörten anfangs zum Bistum Konstanz, spÀter zum Bistum Augsburg und 1817 zum Generalvikariat Rottenburg, aus dem spÀter das Bistum Rottenburg und dann das bis heute bestehende Bistum Rottenburg-Stuttgart hervorgingen.

Mit der Eingemeindung umliegender katholischer Orte verĂ€nderte sich das Gewicht zwischen evangelischen und katholischen Christen. Heute betrĂ€gt der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung 38,1 %, zum protestantischen Glauben bekennen sich 27,5 % (Stand: 2004).

Seit dem Ende des Eisernen Vorhangs verzeichnete Ulm eine große Zuwanderung osteuropĂ€ischer Bevölkerungsgruppen, von denen ein großer Anteil verschiedenen orthodoxen Religionsgemeinschaften angehört. Die in den letzten Jahren stark angewachsene Russisch-Orthodoxe Gemeinde Ulms nutzt fĂŒr ihre Gottesdienste neben der inzwischen viel zu kleinen Valentinskapelle („SchmalzhĂ€usle“) auf dem sĂŒdlichen MĂŒnsterplatz auch das von ihr 2007 ĂŒbernommene, ehemals baptistische Gemeindezentrum am Judenhof.

Außerdem gibt es eine Anzahl von Christen, welche sich zur Evangelisch-methodistischen Kirche bekennt; zwei GotteshĂ€user (Zionskirche und Erlöserkirche) beherbergen diese evangelische Freikirche. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Ulm hat ihr Gemeindehaus in Neu-Ulm. Des Weiteren finden sich in Ulm Gemeinden der Ecclesia und der Volksmission, eine Freie Evangelische Gemeinde, eine Gemeinde der Adventisten und eine Versammlung des SĂŒddeutschen Gemeinschaftsverbandes. Die Apostolische Gemeinschaft nutzt eine ehemalige Friedhofskapelle in der Innenstadt. Die Neuapostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sowie die Zeugen Jehovas sind ebenfalls mit eigenen Gemeinden und GotteshĂ€usern in Ulm vertreten.

Judentum

→ Hauptartikel: JĂŒdische Gemeinde Ulm

Die „JĂŒdische Gemeinde Ulm“ hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Seit dem Mittelalter gab es in Ulm eine jĂŒdische Gemeinde (1241/42 erstmals belegt) mit einer Synagoge im Judenhof. WĂ€hrend der Pest 1349 wurden die Juden verfolgt und ihre Gemeinde nahezu vernichtet. In der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts siedelten sich erneut Juden an, die große wirtschaftliche Bedeutung fĂŒr die Stadt hatten, doch 1499 aus der Stadt gewiesen wurden. Erst ab 1806 konnten Juden wieder zuziehen. Seit 1889 war Ulm Sitz eines Rabbinats. Die höchste Zahl wurde um 1880 mit 694 jĂŒdischglĂ€ubigen Personen erreicht. 1933 lebten rund 530 Juden in Ulm. Durch Deportationen starben davon mindestens 118. Nach Kriegsende befanden sich Tausende Juden unter den „Displaced Persons“, welche sich in mehreren FlĂŒchtlingslagern in und um Ulm aufhielten, bevor die Lager 1948 aufgelöst wurden. Fast alle Juden wanderten in den neu gegrĂŒndeten Staat Israel aus. Schon seit 1990 zogen mit den Aussiedlern aus Osteuropa wieder vermehrt Juden nach Ulm, die seit 1999 auch wieder von einem Rabbiner betreut werden. 2002 wurde die jĂŒdische Gemeinde als Filialgemeinde von Stuttgart neu gegrĂŒndet und am 5. Mai des gleichen Jahres ein neues jĂŒdisches Gemeindezentrum mit einem Gebetsraum eingeweiht, der erste seit Zerstörung der Synagoge 1938.

Die jĂŒdische Gemeinde umfasst heute ca. 450 Ulmer BĂŒrger. Ein Zuzug jĂŒdischer Migranten nach Ulm wird laut Vorstand der IRGW (Mai 2008) durch eine verstĂ€rkte Zuweisung jĂŒdischer Neuzuwanderer erfolgen.[13]

In Ulm besteht außer dem stillgelegten alten jĂŒdischen Friedhof, an den seit 1987 ein Gedenkstein erinnert, heute noch eine jĂŒdische Abteilung auf dem Stadtfriedhof. Ein Förderverein engagiert sich fĂŒr den Neubau einer Synagoge in der Stadt, fĂŒr das die Stadt ein GrundstĂŒck direkt an dem alten Synagogenplatz bereithĂ€lt.[14]

Islam

Gerade die tĂŒrkische Minderheit zeichnet sich durch zahlreiche kulturelle und soziale Initiativen, so z. B. das einzige professionelle tĂŒrkischsprachige Theater SĂŒddeutschlands, dem „Theater UlĂŒm“, aus. In der Ulmer Weststadt wird derzeit (2008) eine Moschee errichtet, die einen Gebetsraum fĂŒr 400 MĂ€nner und 30 FrauenplĂ€tze auf einer Empore, außerdem einen Versammlungsraum fĂŒr 600 Menschen sowie Minarett und Kuppeln erhalten soll. Die bestehende Baugenehmigung wurde Mitte Juni 2008 vom Verwaltungsgericht Sigmaringen wegen eines Planungsfehlers aufgehoben, so dass eine neue Baugenehmigung abgewartet werden muss.

2007 kam es zu Aufsehen wegen eines fundamentalistisch radikalisierten Teiles muslimischer Ulmer, der dem Islamischen Informationszentrum (IIZ) nahestand. Zu dessen Vorstand gehörten zwei MĂ€nner, die in Tschetschenien mit der Waffe gekĂ€mpft haben und dabei getötet wurden; einer der drei MĂ€nner, die im September 2007 verhaftet wurden, weil sie TerroranschlĂ€ge in Deutschland geplant hatten, war Mitglied des IIZ. DarĂŒber hinaus wurden andere fundamentalistische Aktivisten mit dem IIZ in Verbindung gebracht, was dort zu einer Razzia fĂŒhrte. Das IIZ kam einem geplanten Verbot zuvor und löste sich im Oktober 2007 selbst auf. Im IZ verkehrte auch Khaled al-Masri, der am 11. September 2009 den Neu-Ulmer OberbĂŒrgermeister Gerold Noerenberg in dessen BĂŒro ĂŒberfiel und schlug, so dass Noerenberg anschließend Ă€rztlich versorgt werden musste.

Politik

Ulmer Rathaus, neue Zentralbibliothek (Glaspyramide)

An der Spitze der Stadt Ulm standen anfangs der „Ammann“ sowie der „Rat der Stadt“. Seit dem 13. Jahrhundert gab es neben dem Ammann einen BĂŒrgermeister als GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Rates, der ab 1345 den Vorsitz im Rat und die Leitung der Stadt ĂŒbernahm. Ab 1325 wurde den ZĂŒnften im „Kleinen Schwörbrief“ nach bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Wirren mehr Mitspracherecht neben dem stĂ€dtischen Patriziat, welches bis dahin allein die Politik bestimmte, eingerĂ€umt. Zwischen 1397 bis 1547 sicherte der „Große Schwörbrief“ als „Verfassung“ der Reichstadt den ZĂŒnften die Mehrheit im Rat und den Zugang auch zu hohen stĂ€dtischen Ämtern. 1547 wurden die im Große Schwörbrief garantierten Rechte der ZĂŒnfte durch Kaiser Karl V. (HRR) aufgehoben und dem stĂ€dtischen Adel (Patriziat) wieder die Mehrheit eingerĂ€umt. Der Zugang zu höheren stĂ€dtischen Ämtern war fortan Nichtadligen kaum mehr möglich. Ulm wurde de facto zu einer Adelsrepublik. UrsprĂŒnglich 17 Patrizierfamilien wĂ€hlten fortan den BĂŒrgermeister und die hohen Staatsbeamten aus ihren Reihen. Infolgedessen waren nahezu alle höheren staatlichen Ämter im Besitz des stĂ€dtischen Patriziats, ehrenamtlich und auf ein bis zwei Jahre beschrĂ€nkt. Nach ihrer Amtszeit galt fĂŒr die vormaligen Amtsinhaber (insbesondere die BĂŒrgermeister) eine Art „Sperrfrist“, so dass jene, von Ausnahmen abgesehen, nicht unmittelbar 2 mal hintereinander in das gleiche Amt gewĂ€hlt werden konnten, wohl aber ein anderes Amt annehmen durften. 1802 wurde die reichsstĂ€dtische Verfassung aufgehoben. Heute hat der Gemeinderat 40 Mitglieder. Der OberbĂŒrgermeister wird direkt gewĂ€hlt, jeweils fĂŒr acht Jahre. Mit 68 scheidet er automatisch aus dem Amt.

Gemeinderat

Ergebnis der Wahl zum Gemeinderat am 7. Juni 2009:

Partei Stimmen in Prozent Anzahl der Sitze
CDU 23,1 % (−5,1) 10 Sitze (−2)
SPD 18,6 % (−2,6) 8 Sitze (−1)
BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen 18,4 % (+2,3) 7 Sitze (=)
Freie WĂ€hler/FWG 8,8 % (+0,4) 3 Sitze (=)
UWS 7,6 % (+0,1) 3 Sitze (=)
FDP/DVP 7,4 % (+2,6) 3 Sitze (+1)
WWG 7,0 % (+0,5) 3 Sitze (+1)
UVL 5,9 % (-0,2) 2 Sitze (=)
Die Linke 3,2% (+3,2%) 1 Sitz (+1)
Andere - (−1,2%) - (=)

FWG, UWS, WWG und UVL bilden zusammen die Fraktion FWG.

→ Ergebnisse der Kommunalwahlen in Ulm

OberbĂŒrgermeister seit 1819

Wappen

Historisches Wappen mit Reichsadler im Ulmer MĂŒnster (von 1480)

Blasonierung: „Von Schwarz und Silber geteilt.“

Die Stadtflagge trĂ€gt die Stadtfarben Schwarz-Weiß (Schwarz-Silber).

Die seit 1244 nachweisbaren Siegel der Reichsstadt enthalten den Reichsadler, der oben zeitweilig von einem Stern und einer Lilie begleitet ist. Der geteilte Schild als das eigentliche Stadtwappen ist seit 1351 in den Siegeln belegt, wo er zunĂ€chst in den FĂ€ngen des Adlers, spĂ€ter als dessen Brustschild erscheint. Mit der Mediatisierung (nach 1803) fiel der Reichsadler weg, wĂ€hrend das in farbigen Darstellungen seit der Mitte des 15. Jahrhundert ĂŒberlieferte von Schwarz und Silber geteilte Stadtwappen, das bisher nicht sicher gedeutet ist, weitergefĂŒhrt wurde.[15]

StÀdtepartnerschaften

Ulm hat keine offizielle Partnerstadt. Es unterhĂ€lt aber ĂŒber einen Partnerschaftsverein seit 1986 eine De-facto-StĂ€dtepartnerschaft mit Jinotega in Nicaragua. Der Stadtteil Wiblingen unterhĂ€lt eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Argenton-sur-Creuse.

Im Juli 1998 haben in Ulm ReprĂ€sentanten aus 15 DonaustĂ€dten aus Anlass des „Ersten Internationalen Donaufestes“ eine gemeinsame ErklĂ€rung unterzeichnet, Motto: „Die Donau und ihre StĂ€dte – ein europĂ€isches Netzwerk der Zukunft”. Darin haben sie sich zu einer dauerhaften und grenzĂŒberschreitenden Zusammenarbeit verpflichtet. Inzwischen entwickelten sich daraus feste Kontakte insbesondere zu folgenden StĂ€dten und Regionen in SĂŒdosteuropa (Donau-Partnerschaften):

Eine wichtige Rolle fĂŒr das Anlaufen der Zusammenarbeit mit den oben genannten StĂ€dten und Regionen spielte und spielt das Donau-BĂŒro Ulm. Es wurde ins Leben gerufen mit dem Ziel, dass von Ulm, der ersten Großstadt am Lauf der Donau ausgehend und anknĂŒpfend an traditionelle Beziehungen (Donauschwaben), die Zusammenarbeit mit den StĂ€dten und Regionen entlang der Donau verstĂ€rkt werden solle, vorhandene Kontakte zu pflegen, neue Verbindungen zu knĂŒpfen und dauerhafte Partnerschaften zu begrĂŒnden, zur Gestaltung des kĂŒnftigen Europa. Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Kultur sind die Felder, auf denen das Donau-BĂŒro tĂ€tig ist: zum einen mit Projekten, Veranstaltungen, Workshops, Seminaren und (Ko-)Produktionen, zum anderen im Vermitteln von Kontakten und Herstellen von Synergien. Nach Ulmer Vorbild gibt es inzwischen in einem halben Dutzend dieser PartnerstĂ€dte ebenfalls DonaubĂŒros.

Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten

Theater

Das Theater Ulm

In Ulm gibt es mehrere Theater, die unabhĂ€ngig voneinander arbeiten. Das stĂ€dtische Theater, mit 815 SitzplĂ€tzen grĂ¶ĂŸtes Theater Ulms, wurde 1641 gegrĂŒndet und ist somit das Ă€lteste stĂ€dtische Theater Deutschlands.[16] Das Theater Ulm am Herbert-von-Karajan-Platz 1 ist, ungewöhnlich fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe der Stadt, ein Dreispartenhaus (Musiktheater, Schauspiel und Ballett). Dem Theater angegliedert ist das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm, das sowohl im Theater als auch an anderen KonzertplĂ€tzen sinfonische Konzerte gibt.

Ein weiteres Theater, das Theater in der Westentasche, ist akut gefĂ€hrdet, weil die Stadt Ulm ihre ZuschĂŒsse erheblich verringern musste. Die „Weste“ ist ein auch vom Land Baden-WĂŒrttemberg gefördertes Privattheater (Mitglied im Deutschen BĂŒhnenverein) in deren maximal 80 Zuschauern Platz bietenden SpielstĂ€tte, einem frĂŒheren Ladenlokal in der innerstĂ€dtischen Herrenkellergasse, freie Akteure ĂŒberwiegend Sprechtheater auffĂŒhren. Derzeit wird zusĂ€tzlich ein Ensemble professioneller, aus Osteuropa stammender und jetzt in der Region ansĂ€ssiger KĂŒnstler gebildet.

Im zur Akademie fĂŒr darstellende Kunst (s. u.) gehörenden Akademietheater am Kuhberg stellen angehende Regisseure und Darsteller ihre BĂŒhnenkĂŒnste dar, wobei auch auf andere SpielstĂ€tten wie das Roxy ausgewichen wird.

Das Theater UlĂŒm ist das einzige professionelle tĂŒrkischsprachige Theater in SĂŒddeutschland. Auch dieses bietet einen regelmĂ€ĂŸigen Spielplan und besitzt eine feste SpielstĂ€tte (Donaubastion Schillerstraße).

Das Erste Ulmer Kasperletheater wurde 2001 als professionelles Kindertheater gegrĂŒndet. Es hat rund 50 ZuschauerplĂ€tze und bietet wöchentlich fĂŒnf AuffĂŒhrungen.

Museen und Freiluftgalerien

Die Kunsthalle Weishaupt in der Neuen Straße

Das Ulmer Museum ist als Museum fĂŒr Kunst, ArchĂ€ologie sowie Stadt- bzw. Kulturgeschichte konzipiert. Neben zahlreichen, teils hochrangigen AusstellungsstĂŒcken werden auch Informationen zur Stadtgeschichte und bekannten Ulmer Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Albert Einstein, prĂ€sentiert. Unter den Sammlungen und AusstellungsstĂŒcken des Museums verdienen die archĂ€ologische Abteilung mit dem Löwenmenschen, als die Ă€lteste Mensch-Tier-Plastik der Welt (datiert auf ca. 30.000 vor Christus), die große kultur- und stadtgeschichtliche Abteilung mit den Kleidung und reichsstĂ€dtischen Alltag des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis ins Detail beschreibenden Ton-Figuren der Hafnerfamilie Rommel und der aus dem 17. Jahrhundert stammende Kunst- und Naturalkammer des reichen Ulmer Kaufmannes Christoph Weickmann mit einigen der weltweit Ă€ltesten erhaltenen afrikanischen Textilien, die umfangreiche Kunstsammlung mit spĂ€tmittelalterlichen Werken der sogenannten „Ulmer Schule“ (u. A. Werke von Jörg Syrlin d. J., Hans Multscher, Gregor & Michel Erhart, BartholomĂ€us Zeitblom und Niklaus Weckmann) und zahlreichen Werken zeitgenössischer Kunst des 20. Jahrhunderts (u. A. von Joseph Beuys, Andy Warhol und Roy Lichtenstein), sowie die Design-Ausstellung mit EntwĂŒrfen und Werken der international renommierten Ulmer Hochschule fĂŒr Gestaltung (HfG) besondere ErwĂ€hnung.

Am 24. November 2007 ist in der Neuen Mitte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ulmer Museum und mit diesem ĂŒber eine glĂ€serne BrĂŒcke direkt verbunden, die Kunsthalle Weishaupt eröffnet worden. Sie ist vom Unternehmer Siegfried Weishaupt mit privaten Mitteln realisiert und nach den PlĂ€nen des MĂŒnchener Architekten Wolfram Wöhr gebaut worden. Die Sammlung umfasst heute etliche Hundert große Arbeiten und zĂ€hlt zu den bedeutenden Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland.

Plastik von Niki de Saint Phalle (Der Dichter und seine Muse) als Bestandteil des Skulpturenweges auf dem Oberen Eselsberg

Zusammen mit dem Skulpturenweg der UniversitĂ€t (u. a. Werke von Niki de Saint Phalle) und dem Archiv der international renommierten Ulmer Hochschule fĂŒr Gestaltung (HfG) erhĂ€lt Ulm den Rang eines herausragenden Ausstellungsortes fĂŒr bildende Kunst und Design in SĂŒddeutschland.

Einzigartig in Deutschland werden im Museum der Brotkultur neben Techniken und Geschichte(n) der Brotherstellung auch die ĂŒberaus vielschichtige Kultur- und Sozialgeschichte des Brotes als grundlegendem Nahrungsmittel und wichtigem kulturellem Symbol dargestellt.

Die Ulmer DenkStĂ€tte Weiße Rose erinnert in ihrer Dauerausstellung mit dem Titel „wir wollten das andere“ Jugendliche in Ulm 1933 bis 1945 im Foyer der Ulmer Volkshochschule am Kornhausplatz an Ulmer Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose wie auch eine Reihe anderer Ulmer Jugendlicher, die wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben.

Die KZ-GedenkstĂ€tte Ulm im „Fort Oberer Kuhberg“ erinnert an die Nutzung dieses Teils der Bundesfestung durch das NS-Regime als Konzentrationslager. Im Fort Oberer Kuhberg wurden vom November 1933 bis Juli 1935 unter unmenschlichen Bedingungen ĂŒber 600 politische und weltanschauliche Gegner aus dem Land WĂŒrttemberg-Hohenzollern eingekerkert. Unter ihnen befand sich auch Kurt Schumacher, der WiederbegrĂŒnder der SPD in Deutschland nach 1945. Das ehemalige KZ ist heute GedenkstĂ€tte. Sie wurde 1994 vom RegierungsprĂ€sidium TĂŒbingen als „vorbildliches Heimatmuseum“ ausgezeichnet. Das KZ Oberer Kuhberg ist als einziges KZ in SĂŒddeutschland in seiner gesamten baulichen Substanz erhalten. Dazu gehören die unterirdischen Verliese, in denen die HĂ€ftlinge untergebracht waren, das FreigelĂ€nde mit der Haftzelle von Kurt Schumacher und die RĂ€ume der KZ-Kommandantur.

Das Festungsmuseum Fort Oberer Kuhberg wurde 1974 vom „Förderkreis Bundesfestung Ulm e. V.“ gegrĂŒndet. Ziel dieses Vereines ist die Restaurierung, die Dokumentation und die PrĂ€sentation der erhaltenen Bauwerke. Noch vor der VereinsgrĂŒndung im Jahr 1974 begannen im Fort Oberer Kuhberg (Teil der Bundesfestung Ulm) die ersten Erhaltungsarbeiten. In der Zwischenzeit ist es das am besten erhaltene Fort und kann bei FĂŒhrungen besichtigt werden. Die AktivitĂ€ten des Vereins haben sich in den letzten Jahren auf andere Festungswerke ausgeweitet, welche ebenso im Rahmen von FĂŒhrungen der Öffentlichkeit prĂ€sentiert werden

Im DonauschwĂ€bischen Zentralmuseum (dzm), welches in einem Teil der Festungsanlage Obere Donaubastion (Teil der Bundesfestung Ulm) untergebracht ist, werden Geschichte, Kultur und Schicksal der sog. „Donauschwaben“, deutschstĂ€mmigen, meist „schwĂ€bischen“ Auswanderern, die im 18. Jahrhundert nach SĂŒdosteuropa auswanderten und deren Nachfahren nach dem Zweiten Weltkrieg als „Heimatvertriebene“ zurĂŒckkehrten, in wechselnden Ausstellungen dargestellt. Das dzm ist eine gemeinsam von der Stadt Ulm, dem Land Baden-WĂŒrttemberg, dem Bund sowie der EU finanzierte Einrichtung von europĂ€ischer Bedeutung.

Die Naturkundlichen Sammlungen der Stadt Ulm werden auch als lebendiges Museum bezeichnet. Die Themen Mineralogie, Geologie, PalĂ€ontologie, Botanik, Zoologie und Ökologie können dabei nicht nur kognitiv, sondern auch sinnlich erfahren werden. Durch diese Konzeption ist das Museum insbesondere fĂŒr Familien mit Kindern und Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung besonders geeignet. Das Museum verfĂŒgt ĂŒber zahlreiche Informationstafeln in Blindenschrift.

Das nicht öffentlich zugĂ€ngliche Setra-Museum im Ulmer Fischerviertel (Fischergasse 23) zeigt die Geschichte der Marke Setra (Omnibusse mit selbstragender Karosserie, entwickelt Mitte des letzten Jahrhunderts vom damaligen Ulmer Unternehmen Karl KĂ€ssbohrer GmbH). Außerdem gibt es eine Ausstellung von Omnibusmodellen.

Kulturelle Vereine

Konzert des Oratorienchors zusammen mit dem Sinfonischen Blasorchester in der Pauluskirche

Der 1890 gegrĂŒndete Oratorienchor Ulm e. V. ist ein gemischter Konzertchor, steht seit 2010 unter Leitung von MĂŒnsterkantor Friedemann Johannes Wieland und fĂŒhrt gemeinsam mit professionellen Orchestern und Solisten Werke der klassischen Kirchenmusik und weltliche Oratorien auf, unter anderem bei Konzerten in der Pauluskirche sowie im Rahmen der Feierlichkeiten zum Schwörmontag.

Das 1961 als „Ulmer Knabenmusik“ gegrĂŒndete Jugendblasorchester Junge BlĂ€serphilharmonie Ulm spielt gleichfalls eine wichtige Rolle im Musikleben der Stadt. 2008 gewann das Ensemble beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Wuppertal den ersten Platz in der Kategorie B2 Jugendblasorchester.

Das neue, zweigiebelige Haus der Museumsgesellschaft (rote Lamellen-Fassade)

Die „Museumsgesellschaft Ulm e. V.“ organisiert als kulturelle BĂŒrgerinitiative Ausstellungen, bietet Versammlungsraum fĂŒr die KĂŒnstlergilde oder die Freunde des Ulmer Theaters (1979 zur UnterstĂŒtzung des Ulmer Theaters gegrĂŒndet), und betĂ€tigt sich mĂ€zenatisch. So vergibt sie jĂ€hrlich den mit 5000 Euro dotierten Preis der Museumsgesellschaft Ulm zur Förderung der Geisteswissenschaften an der UniversitĂ€t Ulm. Die Museumsgesellschaft ging aus der Ă€ltesten Ulmer BĂŒrgergesellschaft, der 1789 gegrĂŒndeten Lesegesellschaft, hervor. Diese hatte 1815 die „Obere Stube“, gegenĂŒber dem Rathaus, bezogen, nachdem das Haus von 1548 bis 1803 der „ehrbaren Gesellschaft der Herren Geschlechter“ gehört hatte. Im Gegensatz zur „Unteren Stube“, wo sich die Zunft der Kaufleute traf, war die „Obere Stube“ Versammlungsort des Patriziats gewesen. Um 1900 war die Museumsgesellschaft gesellschaftlicher Mittelpunkt des gehobenen BĂŒrgertums. Sie besaß eine (schon von der Lesegesellschaft aufgebaute) Bibliothek, zu der nur Mitglieder Zutritt hatten. Diese umfasste etwa 30.000 BĂ€nde, bevor sie beim Bombenangriff am 17. Dezember 1944 mit dem grĂ¶ĂŸten Teil der Ulmer Innenstadt vollstĂ€ndig vernichtet wurde. Die „Obere Stube“ wurde an historischer Stelle wieder aufgebaut, wobei allerdings der Neubau dem Rathaus seine Traufseite zeigte. Die Museumsgesellschaft hat 2007 die „Obere Stube“ in zeitgemĂ€ĂŸer Architektur und mit modernen Baumaterialien grundlegend umgebaut (auch in Reaktion auf drei moderne Neubauten in unmittelbarer Nachbarschaft, Ulms „Neuer Mitte“) und nach historischem Vorbild wieder mit einem zum Rathaus weisenden Doppel-Giebel versehen.

Wie viele Vereine wurde auch die „Gesellschaft 1950“ im Jahre 1950 gegrĂŒndet; (GrĂŒndungs-) Mitglieder waren und sind namhafte Persönlichkeiten der (bĂŒrgerlichen) kulturellen Szene, darunter Otl Aicher, Kurt Fried, Wilhelm Geyer und Inge Scholl. Die tonangebende Rolle der frĂŒheren Jahre ist allerdings verloren gegangen.

Der „Söflinger Vorstadtverein (VVS)“ dient als Dachverein der Söflinger Vereine und verwaltet zentral die Interessen der Mitglieder, um sie der Stadt Ulm gegenĂŒber besser vertreten zu können. Weitere wichtige Aufgaben des VVS sind die Förderung von Kunst und Kultur, Koordination, UnterstĂŒtzung und Beratung der beigetretenen Vereine (insgesamt 26 Musik-, Sport- und Gesangsvereine und viele kleinere Gesellschaften) sowie Landschafts- und Denkmalschutz. Das katholische Söflingen wurde erst 1903 in die protestantisch geprĂ€gte Reichsstadt Ulm eingemeindet. Mit der GrĂŒndung des VVS wurde einerseits Söflingens EigenstĂ€ndigkeit gestĂ€rkt, andererseits ein Scharnier gebildet, das dem Zusammenhalt Ulms mit dem Stadtteil dient. Der VVS fungiert auch als kooperierender Ansprechpartner der Stadtverwaltung. Die Vereinsarbeit wurde im neuen Jahrtausend erfolgreich fortgesetzt, etwa mit den Vorbereitungen zur Jahrhundertfeier der Vorstadt Söflingen im Jahr 2003 und regelmĂ€ĂŸiger Organisation weiterer Feiern, die im Söflinger Klosterhof stattfinden.

Die „Große Karnevalsgesellschaft Ulm/Neu-Ulm e. V.“ (GKG U/NU) bemĂŒht sich um Erhalt und Pflege des karnevalistischen Treibens in der Region Ulm. GegrĂŒndet wurde sie 1905 durch Zusammenschluss der VorgĂ€ngergesellschaften „Gesellschaft der Elfen“ und einem weiteren, 1885 gegrĂŒndeten, Karnevalsverein. Teilbereiche der GKG U/NU sind die Garden in ihren verschiedenen Altersklassen, Clowns und die Maskengruppe „Donauhexen“.

Bauwerke

Stadtbild

MĂŒnsterturm hinter dem Ulmer Stadthaus

Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Stadtbild Ulms geprĂ€gt von einer jahrhundertealten reichsstĂ€dtischen Baukultur mit zahlreichen BaudenkmĂ€lern vor allem aus Gotik, Renaissance und Historismus und einigen barocken und klassizistischen Bauten. Die mittelalterliche Altstadt Ulms zĂ€hlte zu den grĂ¶ĂŸten und bedeutendsten in SĂŒddeutschland. Diese Traditionslinie brach gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit der weitgehenden Zerstörung Ulms durch Luftangriffe am 17. Dezember 1944 abrupt ab. Die Ensemblewirkung der geschlossenen Altstadtbebauung ging verloren, weniger als ein FĂŒnftel der historischen Altstadtbebauung blieb erhalten. Die westliche Innenstadt vom MĂŒnster bis zum Hauptbahnhof wurde völlig vernichtet, wĂ€hrend in einigen anderen Gebieten wenige, meist unzusammenhĂ€ngende Altstadtreste ĂŒberdauerten (Fischerviertel, Donaufront, einige Gassen im nördlichen und nordöstlichen Bereich des MĂŒnsters, Quartier „Auf dem Kreuz“ östlich der Frauenstraße). Einige bedeutende GebĂ€ude, deren Inneres im Feuersturm ausgebrannt war, wurden in ihren Ă€ußeren Formen wiederaufgebaut (z. B. Rathaus, Schwörhaus, Kornhaus), viele andere sind dagegen vollkommen aus dem Stadtbild und dem Bewusstsein der Ulmer BĂŒrger verschwunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zwar Konzepte gefragt, wie das wenige erhaltene Alte sinnvoll in den Wiederaufbau der Stadt miteinbezogen werden könnte, aber das rasche Wiederaufbauen der Innenstadt brachte keine besonderen architektonischen Werke hervor. Zwar orientierte sich das Straßennetz weitgehend am Straßennetz der Vorkriegszeit, jedoch mit schwerwiegenden Ausnahmen. So wurde gemĂ€ĂŸ der Idee einer autogerechten Stadt mit der Neuen Straße eine breite Schneise durch die Stadt geschlagen und dabei noch erhaltene historische Architektur zugunsten dieser „Stadtautobahn“ abgerissen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die LĂŒcke durch die „Neue Mitte“ geschlossen (siehe unten), nachdem man in anderen Innenstadt-nahen Quartieren bereits wĂ€hrend der 1980er Jahren sensibler mit der noch erhaltenen historischen Bausubstanz umgegangen war. So kann die behutsame Sanierung einiger historischer GebĂ€ude im Fischerviertel und des Quartiers „auf dem Kreuz“ durch die stadteigene Sanierungsanstalt als vorbildhaft gelten.

Die Neubauten der „Neuen Mitte“ zwischen MĂŒnsterplatz und Rathaus, wie das Stadthaus des Architekten Richard Meier, das „Haus der Sinne“ und das Sparkassen-GebĂ€ude, beide von Stephan Braunfels, sowie die Kunsthalle Weishaupt des Architekten Wolfram Wöhr, die als „glĂ€serne Pyramide“ errichtete neue Stadtbibliothek von Gottfried Böhm und der Neubau der „Obere Stube“ (siehe unter „Museumsgesellschaft“) setzen mit ihrer modernen Formensprache in unmittelbarer NĂ€he des MĂŒnsters und des wiederaufgebauten historischen Rathauses auf bewusste Kontrastwirkungen und BrĂŒche.

Zusammenfassend ist das Stadtbild Ulms heute durch die Mischung zwischen erhalten gebliebenen, oder (wenn auch meist nur rein Ă€ußerlich) wiederaufgebauten historischen Bauten und StraßenzĂŒgen auf der einen Seite und moderner Architektur auf der anderen Seite gekennzeichnet. Das spannungsreiche Ergebnis des mutigen StĂ€dtebaus erregt viel Aufsehen und findet Anerkennung in weiten Teilen der Fachwelt, wird aber von Teilen der Bevölkerung auch kritisch gesehen.

Panoramabild der Ulmer Weststadt.
Panoramabild der Ulmer Weststadt.

Stadtmitte

Haus der Begegnung

Das gotische MĂŒnster beherrscht das Stadtbild. Des Weiteren prĂ€gen die Stadtsilhouette die 1617 bis 1621 erbaute Dreifaltigkeitskirche, nach dem Brand von 1944 stark verĂ€ndert wiederaufgebaut und heute als Haus der Begegnung fĂŒr Konzerte, Seminare, Theater und VortrĂ€ge genutzt. AuffĂ€llig sind ferner die TĂŒrme der evangelischen Garnisonskirche Pauluskirche, die innerhalb von zwei Jahren (1908–1910) von Theodor Fischer im Jugendstil erbaut wurde. Die St.-Georgs-Kirche, welche 1904 durch Max Meckel als katholische Garnisonkirche erbaut wurde und spĂ€ter Pfarrkirche wurde, ist ebenfalls weithin sichtbar.

Die beiden ehemaligen Stadttore GĂ€nsturm und Metzgerturm prĂ€gen das Donauufer. In der historischen Altstadt haben sich trotz der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges einige GebĂ€ude erhalten, darunter das 1370 erbaute Rathaus. Das Steinhaus ist das Ă€lteste noch erhaltene GebĂ€ude der Stadt und stammt aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Ein Fachwerkbau mit spĂ€tgotischem Ziegelgiebel von 1485 ist der BĂŒchsenstadel, der das Jugendhaus Mitte sowie das nichtkommerzielle Lokalradio „Radio freeFM“ beherbergt. Der Gasthof zur Krone ist ein imposanter GebĂ€udekomplex aus dem 16. Jahrhundert mit Anteilen und baulichen ErgĂ€nzungen aus dem 19. Jahrhundert, er wurde im 15. und 16. Jahrhundert als Pfalzersatz fĂŒr Könige und Kaiser genutzt. Das Kornhaus ist ein Renaissancebau von 1594 mit reicher Sgraffito-Verzierung. Der letzte erhaltene Patrizierbau ist das Kiechelhaus, welches heute zum GebĂ€udekomplex des Ulmer Museums gehört. Der Neue Bau, ein von 1584 bis 1593 als Lagerhaus mit Amtszimmer und Ratsstube erbauter Backsteinbau, ist heute Sitz der Polizeidirektion. Ein durch Ulrich Ehinger erweiterter Bau ist der Ehinger Hof. Ulms Lage an der Salzstraße fĂŒhrte 1592 zur Errichtung eines Salzstadels. Seit 1991 ist dieser Sitz des Museums der Brotkultur.

Ulmer Schwörhaus

Der ursprĂŒnglich als Pfleghof des Klosters Ochsenhausen errichtete OchsenhĂ€user Hof wurde um 1500 erbaut. Das ehemalige Zunfthaus der Schuhmacher, das Schuhhaus, wurde 1537 hinter dem Chor des MĂŒnsters errichtet und beherbergt heute den Kunstverein Ulm, der ihn fĂŒr Kunstausstellungen nutzt. Jeden Juli ist das Schwörhaus Mittelpunkt des Ulmer Schwörmontags. Es wurde 1612 erbaut und nach einem Brand 1785 mit einem Barockgiebel versehen. 1944 wiederum ausgebrannt, wurde es bis 1954 mit modernen InnenrĂ€umen wiederaufgebaut. Heute befindet sich darin das Stadtarchiv.

Aus der jĂŒngsten Ulmer Baugeschichte sind zwei Bauten herausragend: die Neue Zentralbibliothek, 2004 in Form einer glĂ€sernen Pyramide errichtet, etwa 23 Meter hoch, unmittelbar neben dem historischen Rathaus gelegen, sowie das Stadthaus am MĂŒnsterplatz, 1993 trotz der mehrheitlichen Ablehnung des Projektes in einem BĂŒrgerentscheid nach dem Entwurf des New Yorker Architekten Richard Meier erbaut, „begehbare Skulptur“, Platz fĂŒr Ausstellungen, Konzerte, Tagungen, VortrĂ€ge etc. Ebenso ist zu nennen der Ausstellungsbau fĂŒr die Privatsammlung Weishaupt, die Kunsthalle Weishaupt, unmittelbar dem Museum und dem Rathaus benachbart, in Ulms „Neuer Mitte“. Die unter anderem mit einer Ausstellung zur Geschichte Ulms ausgestattete und auch sonst ungewöhnliche Tiefgarage unter dieser „Neuen Mitte“, am 11. MĂ€rz 2006 eröffnet, ermöglichte es, den Marktplatz und den Judenhof autofrei zu machen.

Auf zwei weitere Kirchenbauten ist zu verweisen: Die Martin-Luther-Kirche als bedeutendes Bauwerk im Stil des Expressionismus, 1928 durch Theodor Veil erbaut und vom Neu-Ulmer Holzschnitzer Martin Scheible reich ausgestattet, sowie auf St. Michael zu den Wengen (der Wengenkirche). Die ehemalige Klosterkirche von 1399 ist 1944 ausgebrannt; in der 1954 neu erbauten Kirche findet sich ein 1766 von Franz Martin Kuen gemaltes Altarbild und in der Barockkapelle von 1629 eine spÀtgotische Kreuzigungsgruppe.

Ulms Stadtmauer, um 1480 in die Donau hinein („mitten im reißenden Fluss“) erbaut; spĂ€ter nach den Vorstellungen Albrecht DĂŒrers vom Festungsbau durch Hans Beham d. Ä. (NĂŒrnberger Baumeister) umgebaut, ist heute ein schöner, 600 Meter langer Promenadenweg, der flussaufwĂ€rts an der Wilhelmshöhe – Bastion Lauseck endet, einem Teil der Stadtbefestigung aus dem 16.–18. Jahrhundert. Zu diesem Teil der alten Stadtmauer gehört auch die optisch völlig unauffĂ€llige Adlerbastei, der Platz, von dem aus 1811 Albrecht Berblinger (Der Schneider von Ulm) seinen erzwungenen, gescheiterten Flugversuch ĂŒber die Donau startete. Der Teil der Stadtmauer an den heutigen Straßen „Neuer Graben“, „Frauengraben“ und „Seelengraben“ wurde ab 1610 mit SoldatenunterkĂŒnften bebaut, nachdem durch den NiederlĂ€nder Valckenburgh eine neue Befestigung Ulms geplant und umgesetzt wurde, welche die alte Stadtmauer praktisch in die Stadt hereinnahm. Die „GrabenhĂ€usle“ bilden, modernisiert, heute ein Wohnquartier mit eigenem Flair. Im Bereich des Fischerviertels findet man die Staufermauer an der Blau, ab etwa 1150 erbaut, dies sind Reste der Befestigungsanlage der Ulmer Königspfalz.

Fischer- und Gerberviertel

Im Fischerviertel

In diesem im Mittelalter vorwiegend von Handwerkern besiedelten Quartier am Donauzufluss der Blau finden sich noch viele aus dieser Zeit stammenden und auf sie verweisende Bauten, so die Garnsiede auf der Blauinsel, das heute genauso wie die LochmĂŒhle und das Gerberhaus gastronomisch genutzte Zunfthaus der Schiffsleute (am historischen FischerplĂ€tzle direkt an der Donau gelegen, etwa da, von wo aus sich unter anderem die Donauschwaben fĂŒr die Fahrt flussabwĂ€rts in ihre neuen HeimatlĂ€nder Ungarn und RumĂ€nien einschifften). Weiter nennenswert sind die Ulmer MĂŒnz, das um 1500 gebaute KĂ€ssbohrersche Haus und, der Ulmer MĂŒnz direkt benachbart, das Schiefe Haus, im 14. Jahrhundert erbaut, heute ein Hotel, welches als schiefstes der Welt gilt. Die acht mit viel FingerspitzengefĂŒhl in das alte Haus gebauten, modern eingerichteten Zimmer haben Niveauunterschiede bis zu 40 cm, weshalb ans Kopfende der Hotelbetten Wasserwaagen eingebaut wurden, um dem Gast zu demonstrieren, dass er absolut „im Wasser“ (waagerecht) liegt. In der NĂ€he des Fischerviertels waren auch drei AnlandeplĂ€tze fĂŒr die IllerflĂ¶ĂŸerei, die Holz aus dem AllgĂ€u und Oberschwaben und Waren aller Art nach Ulm und von dort aus weiter nach Wien transportierten. Noch 1870 erreichten 3.000 FlĂ¶ĂŸe die Anlandestellen an der Donau.

Auf dem Kreuz

Etwa die HĂ€lfte der Bauten in diesem mittelalterlichen Altstadtviertel, welches sich in den letzten 20 Jahren zu einem bevorzugten, weil verkehrsberuhigten und zentrumnahen Wohnquartier entwickelt hat, stammt aus der Zeit vor 1700. Zu den nennenswerteren gezĂ€hlt werden kann die Sebastiankapelle, erstmals 1415 in der Stadtgeschichte erwĂ€hnt, jetzt ein Ausstellungsraum. Außerdem der Seelturm, der im 14. Jahrhundert auf der Ulmer Stadtmauer errichtet wurde und ab 1638 als Pumpwerk diente, welches Wasser in das nebenstehende – achteckige – Brunnenhaus pumpte und dort speicherte. Der Name Seelturm kam von einem Seelhaus direkt gegenĂŒber, das im Krieg zerstört wurde. Zu nennen weiterhin das Zundeltor, das 1870 unterhalb des Seelturms erbaut wurde und heute immer noch einen (neo)gotischen Stil aufweist (besonders der Dachstuhl). Der Name Zundeltor stammt von den gelagerten Materialien im Seelturm, denn dort wurde Zunder und auch Pulver gelagert. Außerdem befindet sich am Rande dieses Viertels das Zeughaus, ehemaliges Waffenarsenal der Reichsstadt Ulm, welches ab 1522 in mehreren Etappen erbaut wurde. Große Teile wurden 1945 zerstört. In der SĂ€ulenhalle des zum Komplex gehörenden, unzerstört durch alle Kriege gekommenen frĂŒhbarocken „Löwenbaus“ von 1667 finden wechselnde Ausstellungen statt.

Wilhelmsburg: Teil der Bundesfestung

Bundesfestung Ulm

→ Hauptartikel: Bundesfestung Ulm

Geplant und erbaut als zentraler sĂŒddeutscher Waffenplatz des Deutschen Bundes von 1842 bis 1859 unter dem Festungsbaudirektor und damaligem Oberst Moritz Karl Ernst von Prittwitz. Bei der Errichtung waren bis zu 10.000 Arbeiter tĂ€tig.

Weitere Bauwerke

Weitere, zum Teil markante, zum anderen Teil (architektur-)geschichtlich bemerkenswerte Bauten seien hier kurz gefasst erwĂ€hnt: das Daimler-Forschungszentrum von Architekt Richard Meier; das Donaustadion, mit 19.500 Sitz- und StehplĂ€tzen, Austragungsort der Heimspiele der Fußballmannschaften des SSV Ulm 1846 sowie von FußballlĂ€nderspielen (Frauennationalmannschaft) und Leichtathletikwettbewerben; das weltweit grĂ¶ĂŸte BĂŒrogebĂ€ude im Passivhausstandard Energon, mit 8000 mÂČ und ca. 420 ArbeitsplĂ€tzen; der 1964 erbaute Fernmeldeturm Ulm-Ermingen; das Getreidesilo SchapfenmĂŒhle, 2005 fertig gestellt, mit 125 m Höhe (einschließlich Antenne) der höchste noch in Benutzung befindliche Getreidesilo der Welt; und endlich noch einige Sakralbauten in den Vororten: die Klosterkirche St. Maria in Söflingen, 1688 von Caspar Feichtmayr als Kirche des Clarissenklosters im frĂŒhbarocken Stil erbaut, mit noch erhaltenen Teilen der Anfang des 19. Jahrhundert abgebrochenen Klosteranlage sowie die in unmittelbarer NĂ€he am Söflinger Friedhof gelegene Leonhards-Kapelle mit einem barocken Kalvarienberg; das Kloster Wiblingen, ehemaliges Benediktinerkloster, (1093 gegrĂŒndet, 1806 aufgehoben) mit der bedeutenden spĂ€tbarocken Klosterkirche (1772–81) mit frĂŒhklassizistischer Innenausstattung; die evangelische Marienkirche in Lehr mit beachtenswerten spĂ€tgotischen Wandmalereien.

OberschwĂ€bische Barockstraße

Ulm ist Startpunkt der OberschwĂ€bischen Barockstraße. Die Strecke ist ca. 500 km lang, beginnt am Ulmer MĂŒnster, verlĂ€uft weiter in Richtung Bodensee und besteht aus zusĂ€tzlichen Erweiterungsrouten, die durch Österreich und durch die Schweiz verlaufen. Das auf Ulmer Stadtgebiet liegende Kloster Wiblingen mit seinem Bibliothekssaal ist eine der HauptsehenswĂŒrdigkeiten der Barockstraße.

Parkanlagen

HĂ€ngebauchschwein im Streichelzoo

Die Friedrichsau gilt als das Naherholungsgebiet fĂŒr Ulm. Sie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Straßenbahn) zu erreichen, mit Fahrgastschiffen ĂŒber die Donau – oder zu Fuß. Von der Ulmer Innenstadt aus gelangt man ĂŒber Uferwege donauabwĂ€rts in ca. 30 Gehminuten in die Friedrichsau mit ihren drei GesellschaftsgĂ€rten, dem Festplatz (fĂŒr Volksfeste, Circus-Gastspiele und Open-Airs sowie dem sechswöchigen Kultur-Festival „Ulmer Zelt“) und dem Tiergarten.

Bemerkenswert ist die Geschichte der Friedrichsau. So sagt man in Ulm „Napoleon ist an allem schuld“. TatsĂ€chlich fiel das rechts der Donau gelegene „SteinhĂ€ule“ als Ausflugsgebiet fĂŒr die Ulmer weg, da es, nachdem im Jahre 1810 die Grenzen neu gezogen worden waren, Bayern zugeschlagen worden war. Der erst durch Napoleons Gnaden zum wĂŒrttembergischen König aufgestiegene, vormalige KurfĂŒrst Friedrich I. zeigte sich bei seinem Antrittsbesuch in Ulm im Jahre 1811 großzĂŒgig und stiftete unter anderem 2000 Gulden fĂŒr ein neues Erholungsgebiet im „GĂ€nshölzle“, der deshalb nach ihm benannten Friedrichsau.

Exotische Pflanzen im Botanischen Garten Ulm. Oben Aechmea chantinii

Dort entstanden in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts die „Au-Gesellschaften“, unter denen die „Hundskomödie“ die bekannteste wurde. Sie dienten vorwiegend geselligen Zwecken. Auch SĂ€ngervereine wie der „Liederkranz“ und die „Teutonia“ fanden in der Friedrichsau ihre Heimat.

Neben der Friedrichsau kann man auch den Botanischen Garten Ulm, eine zentrale Einrichtung der UniversitĂ€t Ulm, besichtigen. Er dient an erster Stelle der Forschung und der Lehre. Pflanzensammlungen, VersuchsflĂ€chen im Freien sowie mehrere GewĂ€chshĂ€user stehen dem Unterricht von Studenten zur VerfĂŒgung. DarĂŒber hinaus soll der Botanische Garten der Öffentlichkeit eine Möglichkeit zur Umweltbildung bieten. Zu bestimmten Zeiten sind die GewĂ€chshĂ€user und die VersuchsflĂ€chen fĂŒr Besucher geöffnet.

Im nördlichen Teil des FreigelĂ€ndes des Botanischen Gartens hat das pharmazeutische Unternehmen ratiopharm in Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t Ulm im Jahr 2001 den Neuen Apothekergarten Ulm eröffnet. In den angelegten Beeten sind ĂŒber 200 Heil- und Nutzpflanzen zu finden. Neben bekannten Arten wie Johanniskraut, Baldrian oder auch Hopfen gibt es auch eine Vielzahl an unbekannteren Pflanzen wie den Sonnentau oder den Kampferbaum zu entdecken.

Weitere Erholungsgebiete bzw. parkĂ€hnliche Anlagen sind der alte Friedhof, das Donauufer mit Gehmöglichkeiten, der Duft- und Tastgarten mit Informationen auch fĂŒr sehbehinderte Menschen sowie kĂŒnftig der geplante, aber noch nicht realisierte Stadtteilpark Oberer Eselsberg.

Die Gerd-Walter-Linde ist in weiten Teilen Ulms sichtbar.

360°-Panorama vom Turm des Ulmer MĂŒnsters
360°-Panorama vom Turm des Ulmer MĂŒnsters

RegelmĂ€ĂŸige Veranstaltungen

  • Ulmer Zelt, mit sechseinhalb Wochen Programm das lĂ€ngste Kulturzelt Deutschlands seit 1986, von Mitte Mai bis Anfang Juli in der Friedrichsau mit internationalen Top-Acts, aber auch weniger bekannten KĂŒnstlern sĂ€mtlicher Genres, sowie Kabarett, Kinderaktionswiese, Kindertheater und weiteren Veranstaltungen. Veranstalter ist der „Verein zur Förderung der freien Kultur Ulm e. V.“.
  • WĂŒrttembergischer Landesposaunentag: Alle zwei Jahre findet in Ulm an einem Wochenende im Mai oder Juni der Landesposaunentag des „Evangelischen Jugendwerks in WĂŒrttemberg“ statt, bei dessen Schlussfeier bis zu 9000 teilnehmende BlechblĂ€ser den grĂ¶ĂŸten Posaunenchor der Welt bilden.
  • Ulmer Donaucup, die jĂ€hrliche Ruderregatta des Ulmer Ruderclubs. Im Rahmen dieser Großveranstaltung werden unterschiedliche WettkĂ€mpfe auf der Donau ausgetragen: die klassische Ruderregatta mit Rennen in je 37 Bootsklassen und der Drachen-Cup fĂŒr 64 Freizeitmannschaften.
  • Open Air an der Klostermauer: Im Zusammenhang mit der 100-Jahr-Feier der Ulmer Vorstadt Söflingen im Jahr 2005 wurde das Open Air an der Klostermauer vom Verein fĂŒr Musikkultur in Söflingen e. V. in Kooperation mit der Veranstaltungsagentur livekonzepte gegrĂŒndet. Nach den Konzerten in der Schwörwoche ist es das grĂ¶ĂŸte Open Air-Festival in Ulm. Topacts wie Al Jarreau, BAP, Silbermond, Sasha und Apocalyptica waren hier schon zu Gast.
  • Internationales Donaufest: Das Festival der DonaulĂ€nder mit kulturellen, musikalischen und kulinarischen Veranstaltungen am Ulmer und Neu-Ulmer Donauufer wurde erstmals 1998 gefeiert und findet seither alle zwei Jahre statt. Das nĂ€chste Donaufest findet im Sommer 2012 statt.
  • Schwörwoche: Als Schwörwoche werden die Festlichkeiten bezeichnet, die ab dem Wochenende vor dem Schwörmontag stattfinden. Sie beginnt mit der Lichterserenade. Am Morgen des Schwörmontag muss der BĂŒrgermeister Rechenschaft vor den Einwohnern ablegen. Der Tag erinnert an die einstige Verfassung der Reichsstadt, den großen Schwörbrief von 1397, und wird am vorletzten Montag im Juli begangen. Dieser Montag wird wie ein halber Feiertag in Ulm und Neu-Ulm gehandhabt, das heißt, die meisten GeschĂ€fte und öffentlichen Institutionen haben ab ca. 10:30 Uhr geschlossen, um jedem Ulmer die Möglichkeit zu geben, die Schwörrede (traditionell gegen 11 Uhr vom Balkon des Schwörhauses auf dem Weinhof verlesen) zu hören. Abschluss des Wochenendes ist das Nabada. Alle vier Jahre findet zudem das Fischerstechen statt. Ebenso findet ab Mitte Juli das Ulmer Volksfest in der Friedrichsau statt, das mit dem Schwörmontag endet.
  • Ulmer und Neu-Ulmer Kulturnacht, seit 2000 jĂ€hrlich wiederkehrende Veranstaltung im September, die das gesamte kulturelle Angebot der beiden DonaustĂ€dte abbildet. Die Kulturnacht ist mit 95 Veranstaltungsorten und ĂŒber 450 beteiligten KĂŒnstlern im Jahr 2006 eine der grĂ¶ĂŸten Veranstaltungen ihrer Art in Deutschland.
  • Der Einstein-Marathon findet seit 2005 im September statt.
  • Wiblinger Bachtage: JĂ€hrliche Konzertreihe, meist im Herbst, die ihre Mitte in den Werken des Thomaskantors Johann Sebastian Bach hat. Die Konzertreihe besteht in Ulm und Neu-Ulm seit 1985 und erreichte 2004 insgesamt 70.000 Konzertbesucher.
  • Der jĂ€hrliche Ulmer Weihnachtsmarkt ist einer der grĂ¶ĂŸten und populĂ€rsten WeihnachtsmĂ€rkte SĂŒddeutschlands. Er beginnt in der Regel am Montag vor dem ersten Adventswochenende und geht bis zwei Tage vor Heiligabend. Dazu wird der Marktplatz vor dem Hauptportal des MĂŒnsters in ein „HĂŒttendorf“ (mit eigenen Straßennamen) verwandelt.

Sport

Der bekannteste Verein Ulms ist der SSV Ulm 1846, welcher mit seiner Fußballabteilung in der Saison 1999/2000 in der ersten Fußballbundesliga spielte. Heute spielt die seit Januar 2009 ausgegliederte Abteilung in der Oberliga Baden-WĂŒrttemberg. Er ist zugleich mit 12.000 Mitgliedern der zweitgrĂ¶ĂŸte Sportverein Baden-WĂŒrttembergs und der achtgrĂ¶ĂŸte bundesweit. Im Basketballsport ist der Verein ratiopharm Ulm derzeit der erfolgreichste Ulmer Sportverein. Er spielt bereits seit 2006 in der 1. Basketball-Bundesliga, 1996 gewann er den deutschen Pokal. Nach dem SSV Ulm 1846 ist die TSG Söflingen der mitgliederstĂ€rkste Sportverein Ulms. Er ist vor allem mit der Turn- und Handballsektion erfolgreich, bringt aber auch in sogenannten Nischensportarten wie Radball und Rolli-Basketball erfolgreiche Sportler hervor. Mit seinen etwa 700 Mitgliedern ist der ESC Ulm mit acht Abteilungen in den Sportarten Kegeln, Fußball, Tennis, Tischtennis, Gymnastik, Tae Kwon Do, Angeln und SchĂŒtzen in der Stadt vertreten. Vor allem die Kegler spielten in der Vergangenheit öfters in der 1. und 2. Bundesliga. Der Post SV Ulm e. V. wurde 1952 gegrĂŒndet und besteht aus sieben Abteilungen.[17] Erfolgreichste Abteilung ist die Schachabteilung, die zeitweilig in der Bundesliga und derzeit (2010) in der Oberliga WĂŒrttemberg spielt. Ihr entstammt mit Klaus Bischoff auch der erfolgreichste Sportler des Vereins. Der Verein betreibt eine Tennishalle in Ulm.

Der 1971 gegrĂŒndete Sporttauchverein Sporttauchergruppe Ulm/Neu-Ulm e. V. ist mit ĂŒber 250 Mitgliedern einer der grĂ¶ĂŸten Tauchvereine Baden-WĂŒrttembergs. Einer der grĂ¶ĂŸten Rudervereine Baden-WĂŒrttembergs ist der Ulmer Ruderclub „Donau“ e. V. Mit Urs KĂ€ufer, der Weltmeister im Deutschlandachter 2009 und Teilnehmer bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking war und Kerstin Hartmann, Maximilian Reinelt befinden sich einige Ulmer Ruderer in den Nationalmannschaften ihrer jeweiligen Altersklasse. Zudem verfĂŒgt der Ulmer Ruderclub „Donau“ e. V. ĂŒber einige, teilweise amtierende Landes- und Bundesmeister. Erfolgreichste Ulmer Ruderer sind Raimund Hörmann sen. und Dieter Wiedenmann. Sie wurden im Doppelvierer zweimal Vizeweltmeister (1979 und 1982), sowie je einmal Weltmeister (1983) und Olympiasieger (1984). Der Kanu-Verein Ulmer Paddler wurde 1925 gegrĂŒndet und betreibt im Illerkanal eine Traininngsstrecke; als zweiter Kanu-Verein ist der Verein Ulmer Kanufahrer e.V., der ebenfalls 1925 gegrĂŒndet wurde aktiv. Die American Football spielenden Ulm Sparrows wurden 1984 gegrĂŒndet und sind heute eine Untergruppe des VFB Ulm.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wichtige Branchen

Ulm ist Sitz einer Industrie- und Handelskammer (IHK) (Kammerbezirk: Stadt Ulm, Alb-Donau-Kreis und Landkreis Biberach) und einer Handwerkskammer (Kammerbezirk: Stadt Ulm, Alb-Donau-Kreis, Landkreis Biberach, Bodenseekreis, Landkreis Heidenheim, Ostalbkreis und Landkreis Ravensburg).

Ulm ist ein bedeutender Standort fĂŒr Unternehmen der elektronischen Industrie und der Waffenherstellung.

Lastwagen aus Ulmer Produktion: Magirus-Deutz M170D15FAK

Ulm ist ebenso ein traditionsreicher Standort der Nutzfahrzeugindustrie. Schon 1866 grĂŒndete der Ulmer Feuerwehrkommandant Conrad Dietrich Magirus eine Fabrik zur Herstellung von FeuerwehrgerĂ€ten (siehe dazu: Magirus). Dort wurden 1892 die erste Drehleiter, 1903 die erste selbstfahrende Dampffeuerspritze, ab 1916 Lastkraftwagen und ab 1919 Omnibusse gebaut. 1935/36 wurde die Firma Magirus von Klöckner-Deutz aus Köln ĂŒbernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die nach dieser Fusion auf dem Markt etablierte Nutzfahrzeugmarke Magirus-Deutz zu Deutschlands zweitgrĂ¶ĂŸtem Lkw- und Omnibushersteller sowie zum deutschen und europĂ€ischen MarktfĂŒhrer fĂŒr Feuerwehrfahrzeuge auf. Zwischen 1975 und 1983 ging die Marke Magirus-Deutz mit dem Ulmer Nutzfahrzeugwerk in der zum italienischen Fiat-Konzern gehörenden Iveco auf, die zwar den Markennamen Magirus-Deutz einstellte, nicht aber die Produktion in Ulm. Bis heute werden in Ulm Lkw und Feuerwehrfahrzeuge gebaut, z. B. der Iveco Stralis. Der ehemalige Mutterkonzern von Magirus-Deutz (die heutige Deutz AG) baut in Ulm nach wie vor Motoren. Das Ulmer Werk von Deutz wurde zum unternehmensinternen Zentrum fĂŒr luftgekĂŒhlte Dieselmotoren ausgebaut.

Auf das Jahr 1893 und die Initiative von Karl Heinrich KĂ€ssbohrer ging das Ulmer Unternehmen KĂ€ssbohrer zurĂŒck, das ab 1951 selbsttragende Omnibusse unter dem Markennamen Setra baute. Ende der 1960er-Jahre war KĂ€ssbohrer Deutschlands grĂ¶ĂŸter Hersteller von Omnibussen und Lkw-AnhĂ€ngern. Ab 1993 wurde das Unternehmen aufgeteilt in die heutige KĂ€ssbohrer Transport Technik, die KĂ€ssbohrer GelĂ€ndefahrzeug AG und die Bus-Sparte, die von Daimler-Benz ĂŒbernommen wurde und heute unter dem Namen EvoBus nach wie vor in Ulm und nach wie vor unter dem Namen Setra Omnibusse herstellt.

Der Buchhersteller Ebner & Spiegel GmbH mit Sitz in Ulm fertigt mit etwa 500 Mitarbeitern mehr als 70 Mio. BĂŒcher jĂ€hrlich. Ebner & Spiegel ging 2002 aus dem 1817 gegrĂŒndeten J. Ebner Graphische Betriebe GmbH & Co. KG sowie der 1930 durch Franz Xaver Spiegel gegrĂŒndeten Franz Spiegel Buch GmbH hervor. Nach dem Zusammenschluss der beiden TraditionshĂ€user investierte die international agierende Gruppe CPI aus Paris 13 Millionen Euro in die Modernisierung des Rotationsdrucks und der Binderei im Ulmer Werk.

AnsĂ€ssige Großunternehmen

Messestadt

Im Nordosten der Stadt liegen die Donauhalle und das MessegelÀnde mit mehreren, auch unabhÀngig voneinander nutzbaren Hallen. Daneben finden im Congress Centrum Ulm (CCU) und im Kornhaus Kongresse und Veranstaltungen statt, darunter die jÀhrlich stattfindende VersandbuchhÀndlertagung, organisiert durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Zahlreiche Fertighaushersteller haben in der Fertighausausstellung beim MessegelÀnde AusstellungshÀuser errichtet.

Umwelt/Ökologie

Die FUG GmbH (FernwĂ€rme Ulm) betreibt eines der grĂ¶ĂŸten Biomasseheizkraftwerke Deutschlands (60 MW installierte Leistung) in der Ulmer Weststadt (Siehe auch: Liste deutscher Kraftwerke). DarĂŒber hinaus nimmt Ulm in den letzten Jahren regelmĂ€ĂŸig in der Kategorie GroßstĂ€dte einen der vordersten PlĂ€tze in der Solarbundesliga ein und ist neben Ingolstadt die deutsche Großstadt, in der am meisten Solarstrom je Einwohner produziert wird. Der 1976 gegrĂŒndete Weltladen in Ulm ist einer der Ă€ltesten und heute grĂ¶ĂŸten WeltlĂ€den Deutschlands. 2007 und 2011 wurde die Stadt Ulm fĂŒr ihre vorbildliches kommunales Energiemanagement und ihre Verdienste um den Klimaschutz mit dem European Energy Award ausgezeichnet.[18] Seit Januar 2008 wird das Ulmer MĂŒnster vollstĂ€ndig mit regenerativer Energie versorgt[19] und seit April 2008 ist in Ulm fĂŒr Neubauten der KfW-40-Energiestandard vorgeschrieben. Bis Ende 2011 wird als europĂ€isches Pilotprojekt ein Null-Energie-Rechenzentrum in der Weststadt von Ulm errichtet werden.[20] Im Februar 2010 wurde das "BĂŒndnis 100% Erneuerbare Energien" gegrĂŒndet, welches mit allen wesentlichen Akteuren der Region Ulm/Neu-Ulm bis 2030 einen Umstieg der Region Ulm/Neu-Ulm auf 100% erneuerbare Energien erreichen möchte.[21]

Verkehr

Im Modal Split der Verkehrsmittelwahl betrĂ€gt der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs 49,8 %, des Fußverkehrs 23,3 %, des ÖPNV 15,5 % und des Radverkehrs 11,4 % am Gesamtverkehr in der Stadt (Stand 2008).[22]

Straßenverkehr

Durch Ulm und an Ulm vorbei verlaufen mehrere Autobahnen und Bundesstraßen, die die Stadt gut an das Umland und an weiter gelegene StĂ€dte binden:

A 7 Flensburg – Hamburg – Hannover – Kassel – Fulda – WĂŒrzburg – Ulm – Memmingen – Kempten – FĂŒssen/Reutte (Tirol)
A 8 Karlsruhe – Stuttgart – Ulm – Augsburg – MĂŒnchen – Salzburg
B 10 Pirmasens – Karlsruhe – Stuttgart – Ulm – Augsburg
B 19 Eisenach − WĂŒrzburg – Ulm/Neu-Ulm – Kempten – Oberstdorf
B 28 Strasbourg – Freudenstadt – TĂŒbingen – Reutlingen – Ulm
B 30 Ulm – Biberach (Riß) – Ravensburg – Friedrichshafen
B 311 Ulm – Ehingen – Tuttlingen – Geisingen (– Donaueschingen)

In Ulm besteht seit dem 1. Januar 2009 eine Umweltzone. Eine Einfahrt ohne eine Feinstaubplakette ist nicht mehr gestattet.

Im Stadtzentrum befindet sich eine ausgedehnte FußgĂ€ngerzone.

Die GesamtstraßenlĂ€nge in Ulm betrĂ€gt 450 km. ZusĂ€tzlich gibt es 20 km reine Radwege.

Schienenverkehr

EmpfangsgebÀude des Ulmer Hauptbahnhofs
Die Gleisanlagen von Ulm Hbf

Ulm liegt an der ICE-Strecke, die ĂŒber Stuttgart nach MĂŒnchen fĂŒhrt, sowie an der wichtigen Europamagistrale Paris–Budapest. EuropĂ€ische Metropolen wie Amsterdam, Paris und Wien sind ohne Umsteigen erreichbar. Auch der TGV MĂŒnchen–Paris hĂ€lt in Ulm.

Die Strecke Stuttgart-Ulm-Augsburg wird im Bundesverkehrswegeplan 2003 als vordringlicher Bedarf aufgefĂŒhrt (Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Augsburg). Von Stuttgart nach Ulm soll eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut werden (Neubaustrecke Wendlingen–Ulm). Die Strecke von Ulm nach Augsburg soll fĂŒr Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h ausgebaut werden. Durch die Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Ulm-Augsburg wird mit einer Zunahme des Fern- und Regionalverkehrs in Ulm um teilweise bis zu 50 % gerechnet.

Bereits im Zuge des Projekts Neu-Ulm 21 wurde der Bahnhof Neu-Ulm vollstĂ€ndig neu angelegt (offizielles Abschlussdatum dieser Maßnahme: 24. November 2007); außerdem wurde die EisenbahnbrĂŒcke ĂŒber die Donau auf vier Gleise erweitert.

Der Hauptbahnhof Ulm bildet mit 12 Gleisen, davon fĂŒnf nicht durchgehend, den wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt. Weitere Eisenbahnverkehrsstationen bestehen im Westen (Bahnhof Ulm-Söflingen) und Osten (Haltepunkt Ulm Ost) sowie im Industriegebiet Donautal (Haltepunkt Ulm-Donautal). Daneben gibt es weitere Verkehrsstationen in Neu-Ulm.

Im Einzelnen treffen in Ulm folgende Eisenbahnstrecken aufeinander:

Am Wochenende fĂ€hrt zudem ein Schienenbus („Ulmer Spatz“) von Ulm aus ĂŒber die Donautalbahn und SchwĂ€bische Albbahn auf die SchwĂ€bische Alb.

Nahverkehr

Insgesamt bedienen das Stadtgebiet 20 Linien der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH (SWU)[23], darunter eine Straßenbahn- und 19 Buslinien, sowie weit mehr als 35 Linien anderer Verkehrsunternehmen. Weitere Straßenbahnlinien sind geplant oder zumindest in der Diskussion. Somit sind alle Stadtteile und das nahe gelegene Umland gut angebunden.

Ende 2005 hat die SWU an den Wochenenden zusĂ€tzlich acht Nachtlinien eingefĂŒhrt, die ebenfalls alle Stadtteile und das Umland von Ulm auch nach Mitternacht im Stundentakt bedienen. FĂŒr Orte und Gemeinden außerhalb von Ulm, in denen bisher keine Nachtlinien fahren, hat die Stadt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2006 einige zusĂ€tzliche Busse nach Mitternacht eingefĂŒhrt. Alle Unternehmen fahren zu einheitlichen Preisen innerhalb des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds (DING).

Fernradweg

Ulm liegt am Donauradweg, der von der Donauquelle ĂŒber Passau, Wien und Budapest bis zur MĂŒndung in das Schwarze Meer fĂŒhrt. Des Weiteren endet in Ulm der Iller-Radweg, der von Oberstdorf ĂŒber Memmingen nach Ulm fĂŒhrt.

Flugverkehr

Die nĂ€chsten GroßflughĂ€fen sind in Stuttgart (ca. 80 km) und in MĂŒnchen (ca. 160 km). Diese FlughĂ€fen sind mittels Bus und Bahn zu erreichen.

Die nĂ€chstgelegenen RegionalflughĂ€fen befinden sich im 50 Kilometer entfernten Memmingen (Flughafen Memmingen), im etwa 80 Kilometer entfernten Augsburg (Flughafen Augsburg, seit Sommer 2005 keine LinienflĂŒge mehr) sowie im etwa 100 km entfernten Friedrichshafen (Flughafen Friedrichshafen).

Der nĂ€chstgelegene Flugplatz ist der 10 km von Ulm entfernte Sportflugplatz Erbach (Donau) (ICAO:EDNE) mit einer 630 m × 30 m Graspiste, geeignet fĂŒr Motorflugzeuge bis 2 t MPW, Motorsegler, Hubschrauber, Ultraleicht, Segelflugzeuge (F-Schlepp & Windenstart) und Ballone.

Medien

→ Hauptartikel: Medienlandschaft Ulm

Die SĂŒdwest Presse hat grĂ¶ĂŸten Anteil an Abonnenten; einziger Mitbewerber ist, seit die SchwĂ€bische Zeitung 2004 ihre Ulmer Redaktion geschlossen hat, die „Neu-Ulmer Zeitung“, eine Regional-Ausgabe der Augsburger Allgemeinen mit einem Lokalteil fĂŒr Ulm. Breiter ist das Angebot im Bereich e-Medien: Es gibt ein Regionalstudio (TV und Rundfunk) des SWR, die privaten Rundfunksender Radio 7 und Donau 3 FM, das freie Radio freeFM, das journalistisch-nachrichtlich ausgerichtete, unkommerzielle und fĂŒr jeden zugĂ€ngliche Internetportal ulmnews, das ehrenamtlich betriebene Online-Magazin Team-Ulm sowie etliche andere Internet-Portale, welche ihren Nutzern auch (eher kulturelle) Informationen aus der Region, aber ĂŒberwiegend zielgerichtete (Freizeit-) Angebote und -Nutzungsmöglichkeiten bieten. Außerdem existiert als Lokalradio das Hitradio MS One.

Seit dem 22. September 2005 ist in Ulm ein TV Sender mit dem Namen Regio TV Schwaben ansĂ€ssig. Dieser sendet von montags bis freitags zwischen 18 Uhr und 24 Uhr eine tagesaktuelle, halbstĂŒndige als Schleife wiederholende Sendung ĂŒber Ulm, den Alb-Donau-Kreis, den Kreis Neu-Ulm sowie Biberach berichtet.

Öffentliche Einrichtungen

Ulm ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Landgerichts, eines Arbeitsgerichts und eines Sozialgerichts. Ferner hat Ulm ein Finanzamt, ein Hauptzollamt und eine Agentur fĂŒr Arbeit, an die Außenstellen in Ehingen und Blaubeuren sowie die Familienkasse Ulm angegliedert sind.

Die Stadt ist Sitz der PrĂ€latur Ulm und des Kirchenbezirks Ulm der Evangelischen Landeskirche in WĂŒrttemberg und des Dekanatsverbands Ehingen-Ulm des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Medizinische Versorgung

UniversitÀtsklinikum Ulm
→ Hauptartikel: UniversitĂ€tsklinikum Ulm

Das UniversitĂ€tsklinikum Ulm ist eines der fĂŒnf UniversitĂ€tsklinika in Baden-WĂŒrttemberg. Es ist einerseits ein Krankenhaus der Stufe Maximalversorgung und fĂŒr das Versorgungsgebiet OstwĂŒrttemberg, Donau-Iller und Bodensee-Oberschwaben zustĂ€ndig. Andererseits ist es innerhalb der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Ulm in die praktische Ausbildung der FĂ€cher Human- und Zahnmedizin involviert. Die Klinik bietet Platz fĂŒr rund 1.100 Patienten wobei der Nutzungsgrad bei 75,4 % liegt, um fĂŒr Krisenzeiten vorbereitet zu sein. FĂŒr die rund 192.000 FĂ€lle pro Quartal stehen knapp 6.000 Ärzte und andere Angestellte zur VerfĂŒgung.

Bundeswehrkrankenhaus Ulm
→ Hauptartikel: Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Ulm ist Standort eines der fĂŒnf deutschen BundeswehrkrankenhĂ€user.

Friedhof

Der StĂ€dtische Friedhof entstand, nachdem Friedhöfe einzelner Stadtteile fĂŒr die BegrĂ€bnisse nicht mehr ausreichten. Er weist auch eine Vielzahl von GrabstĂ€tten prominenter Ulmer BĂŒrger auf.

Auf diesem Friedhof befinden sich auch zahlreiche GrabstĂ€tten von Soldaten der Roten Armee als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Außerdem erinnert neben der Friedhofshalle ein Gedenkstein an viele hundert Ulmer BĂŒrger, die Opfer des NS-Gewaltregimes wurden.[24]

Bundeswehr

→ Hauptartikel: Heeresmusikkorps 10

Neben Kreiswehrersatzamt, drei Kasernen der Bundeswehr (Stand 2011: Wilhelmsburg-Kaserne, Hindenburg-Kaserne und Bleidorn-Kaserne), dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm und dem Ring der Bundesfestung ist Ulm Standort des Heeresmusikkorps 10. Die Musikgruppe ist eines von fĂŒnf Musikkorps des deutschen Heeres und der 10. Panzerdivision aus Sigmaringen unterstellt. In der Wilhelmsburgkaserne hat das Kommando Operative FĂŒhrung EingreifkrĂ€fte mit 300 ArbeitsplĂ€tzen seinen Dienstsitz.

Zum Gedenken der Deserteure der Wehrmacht wurde 1989 in der Oberen Donaubastion vor dem Roxy eine sechs Tonnen schwere Stahlplastik aufgestellt. Das als "Stein des Anstoßes" von der Bildhauerin Hannah StĂŒtz-Mentzel entworfene Mahnmal ließ der Gemeinderat bald darauf wieder entfernen. 2005 fand es im Lehrer Tal am unteren Eingang zum Botanischen Garten seinen endgĂŒltigen Standort.[25]

Schullandschaft

Hochschulen

UniversitÀt Ulm

Die UniversitĂ€t Ulm wurde im Jahr 1967 als Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule gegrĂŒndet. Das FĂ€cherspektrum umfasst heute Naturwissenschaften, Medizin, Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Informatik. Derzeit (Sommersemester 2010) sind 7.271 Studenten immatrikuliert.

Des Weiteren verfĂŒgt Ulm ĂŒber eine Hochschule (vor 2006 Fachhochschule Ulm), die 1960 als „Staatliche Ingenieurschule“ gegrĂŒndet wurde.
Die in der Schwesterstadt Neu-Ulm beheimatete Hochschule Neu-Ulm hat durch eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Ulm (u. a. das gemeinsame Anbieten einiger StudiengĂ€nge) ebenfalls Einfluss auf die Ulmer Hochschullandschaft.

Bereits 1953 grĂŒndeten Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill die Hochschule fĂŒr Gestaltung (HfG Ulm), die zeitweise von bundesweiter Bedeutung war, aber 1968 wieder geschlossen wurde.

Siehe auch: Studentenwerk Ulm

Akademien

Die Akademie fĂŒr darstellende Kunst (adk) ist eine Schauspielschule. Sie wurde 1996 gegrĂŒndet und besitzt 16 Unterrichts- bzw. AusbildungsrĂ€ume im Fort Unterer Kuhberg mit einer GesamtflĂ€che von 1200 mÂČ. An die adk-Ulm angeschlossen findet man das Akademietheater Ulm (s. o.), die Kammeroper Ulm (ein Musiktheaterensemble aus Dozenten der adk-ulm und GĂ€sten), sowie ein Figurentheater, das FiThea. Alle Einrichtungen haben einen regelmĂ€ĂŸigen Spielplan.

Zum UniversitĂ€tsklinikum gehört auch die Akademie fĂŒr medizinische Berufe. Diese hat sich auf die Aus- und Weiterbildung von therapeutischen, pflegerischen und technisch-medizinischen Berufen spezialisiert. Sie wurde vor ĂŒber 35 Jahren gegrĂŒndet und hat ihren Sitz im Kloster Wiblingen. Die neun Berufsfachschulen der Akademie haben ĂŒber 700 AusbildungsplĂ€tze.

Allgemeinbildende Schulen

Ulm unterhĂ€lt 21 Grundschulen, fĂŒnf Grund-und Werkrealschulen, acht (Werk-)Realschulen, sieben allgemeinbildende Gymnasien (Humboldt-Gymnasium (die Ă€lteste Schule Ulms), Kepler-Gymnasium, Schubart-Gymnasium, St. Hildegard-Gymnasium (Katholische Freie MĂ€dchenschule), Anna-Essinger-Gymnasium, Albert-Einstein-Gymnasium (eins von vier im Land mit Hochbegabtenzug) und Hans und Sophie Scholl-Gymnasium) sowie 12 Sonderschulen. Des Weiteren bestehen drei berufsbezogene Gymnasien, sechs Berufsschulen (darunter eine zusĂ€tzliche Sonderberufsschule), 21 Berufsfachschulen, eine freie evangelische Grundschule, ein Abendgymnasium mit Abendrealschule, fĂŒnf Fachschulen, 13 Berufskollegs und zwei Waldorfschulen und weitere private allgemein- und berufsbildende Schulen. Insgesamt gibt es in Ulm ca. 70 allgemein- und berufsbildende Schulen (z.T. mit mehreren Schulzweigen).[26]. Mit der Elly-Heuss-Realschule Ulm hat die Stadt Ulm landesweit die einzige Realschule mit reinem Kunstprofil.

Jugend- und Erwachsenenbildung

In Ulm findet sich ein breites außerschulisches Bildungsangebot. GrĂ¶ĂŸter Anbieter ist die Ulmer Volkshochschule (vh), die in ĂŒber 3000 Kursen, VortrĂ€gen und Veranstaltungen jĂ€hrlich mehr als 20.000 Menschen weiterbildet. Die vh bietet auch spezielle Angebote fĂŒr Zielgruppen – z. B. in der Frauenakademie oder ihrer Kulturwerkstatt und Jugendkunstschule kontiki.

DarĂŒber hinaus bieten neben privaten Anbietern und der IHK auch konfessionelle Weiterbildungsinstitutionen wie das Haus der Begegnung, das Evangelische Kreisbildungswerk, die Familien-BildungsstĂ€tte (ev.), das Katholische Bildungswerk und das Kolping Bildungswerk (kath.) eine Vielzahl an Bildungsangeboten. Einen besonderen Schwerpunkt auf die Seniorenbildung setzt das Zentrum fĂŒr Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW). Die Musikschule der Stadt Ulm und der Stadtjugendring Ulm bieten ein breites Spektrum an Bildungsangeboten fĂŒr junge Leute.

Bibliotheken

Neue Zentralbibliothek (Glaspyramide)

Die Stadtbibliothek Ulm gehört mit einem Bestand von ĂŒber 560.000 Medien (2009) zu den grĂ¶ĂŸten öffentlichen Bibliotheken in Deutschland. Die UniversitĂ€tsbibliothek Ulm verfĂŒgt als wissenschaftliche Bibliothek ĂŒber mehr als 910.000 BĂŒcher, die Bibliothek der Hochschule Ulm ĂŒber mehr als 50.000.

Wissenschaftsstadt

Als Reaktion auf die wirtschaftliche Strukturkrise Anfang der 1980er Jahre, die neben vielen klassischen Industriestandorten auch Ulm betraf, wurde 1987 unter wesentlicher Beteiligung des damaligen baden-wĂŒrttembergischen MinisterprĂ€sidenten Lothar SpĂ€th das Konzept der „Wissenschaftsstadt“ entwickelt. Eine der Leitideen des Konzeptes ist es, Hochschul- und Industrieforschung besser zu verzahnen und damit neue ArbeitsplĂ€tze zu schaffen. KernstĂŒck der auf dem Oberen Eselsberg nahe dem UniversitĂ€tscampus angesiedelten „Wissenschaftsstadt“ sind die so genannten An-Institute, die in enger Zusammenarbeit mit UniversitĂ€t, UniversitĂ€tsklinikum, Hochschulen und der Industrie anwendungsorientierte Forschung betreiben. Das erste derartige Institut wurde 1985 gegrĂŒndet: das ILM – Institut fĂŒr Lasertechnologien in der Medizin. Des Weiteren haben sich auch Forschungszentren großer internationaler Konzerne (z. B. Daimler, Nokia, Siemens) angesiedelt. Nachdem bereits in den 1990er Jahren aufgrund der hohen Nachfrage das Gebiet der Wissenschaftsstadt ausgeweitet werden musste („Science Park II“), plant die Stadt derzeit eine erneute Erweiterung („Science Park III“).

Persönlichkeiten

Neben einer Anzahl von Persönlichkeiten, denen die Stadt Ulm das EhrenbĂŒrgerrecht verliehen hat, wurden zahlreiche Persönlichkeiten in Ulm geboren, verbrachten einen Teil ihres Lebens in der Stadt oder verstarben hier. Auf Grund der hohen Anzahl dieser Persönlichkeiten wurde ein eigener Artikel angelegt.

Zitate

„In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.“

– bekannter Zungenbrecher, auch im gleichnamigen Schlager von Gus Backus verwendet

„Ulmer Geld regiert die Welt.“

– mittelalterliche Redensart

„Die Stadt der Geburt hĂ€ngt dem Leben als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle kĂŒnstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.“

– Albert Einstein

„HĂ€tt’ ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, NĂŒrnberger Witz und Straßburger G’schĂŒtz und Ulmer Geld, so wĂ€r ich der Reichste in der Welt.“

– Sprichwort

Literatur

  • Ingeborg Flagge: Ulm (FSB ArchitekturfĂŒhrer. StadtfĂŒhrer zeitgenössischer Architektur). Verlag Das Beispiel, Darmstadt 2003, ISBN 3-935243-35-9.
  • Erich Keyser (Hrsg.): WĂŒrttembergisches StĂ€dtebuch. Band IV, Teilband Baden-WĂŒrttemberg, Band 2 aus Deutsches StĂ€dtebuch. Handbuch stĂ€dtischer Geschichte – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit UnterstĂŒtzung des Deutschen StĂ€dtetages, des Deutschen StĂ€dtebundes und des Deutschen Gemeindetages. Stuttgart 1961.
  • Landesarchivdirektion Baden-WĂŒrttemberg (Hrsg.): Das Land Baden-WĂŒrttemberg – Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden (in acht BĂ€nden); Band VII: Regierungsbezirk TĂŒbingen. Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4.
  • Felix Fabri: Tractatus de Civitate Ulmensi. 15. Jahrhundert. Deutsche Übersetzung: Heinrich Frey: Abhandlung von der Stadt Ulm. Ulm 1909 (Volltext)
  • Johann Herkules Haid: Ulm mit seinem Gebiete. Wagner, Ulm 1786 (Digitalisat)
  • Hans Eugen Specker: Ulm. Stadtgeschichte. Separater Druck des Beitrags fĂŒr Band II der Amtlichen Kreisbeschreibung, ergĂ€nzt durch einen einfĂŒhrenden, die Stadtentwicklung dokumentierenden Bildteil sowie eine Zeittafel und ein abschließendes Register. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1977, ISBN 3-920921-95-X.
  • A. BrĂ€uning und andere: Um Ulm herum. Untersuchungen zu mittelalterlichen Befestigungsanlagen in Ulm. Forschungen und Berichte der ArchĂ€ologie des Mittelalters in Baden-WĂŒrttemberg 23. Stuttgart 1998.
  • Herbert Wiegandt: Ulm – Geschichte einer Stadt. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1977, ISBN 3-87437-134-4.
  • Martin Nestler: Ulm – Geschichte einer Stadt. Sutton Verlag GmbH, Erfurt 2003, ISBN 3-89702-544-2.
  • Eberhard Neubronner: Ulm in TrĂŒmmern. Pfaffenhofen/MĂŒnsingen 1991.
  • Wolf-Henning Petershagen (Hrsg.): Vorstadt Söflingen. Ulms eigenwilliger Stadtteil. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft GmbH, Ulm, ISBN 3-88294-348-3.
  • Kathrin Schulthess: HimmelwĂ€rts. Das Ulmer MĂŒnster fĂŒr Kinder, Jugendliche und Erwachsene. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft GmbH, Ulm, ISBN 3-88294-356-4.
  • Uwe Schmidt: Die SĂŒdbahn. Eisenbahn und Industrialisierung in Ulm und Oberschwaben. Hrsg.: Industrie- und Handelskammer Ulm. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft GmbH, Ulm, ISBN 3-88294-342-4.
  • Barbara SchĂ€uffelen: Sag niemals nie. Wie sich die Ulmer ihre UniversitĂ€t ertrotzten. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft GmbH, Ulm, ISBN 3-88294-335-1.
  • Barbara SchĂ€uffelen, Joachim Feist: Ulm – PortrĂ€t einer Stadtlandschaft. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0484-5.
  • Wolf-Henning Petershagen, Ulrich Burst: Die Ulmer Schachtel. Ein schwimmendes Kuriosum. Jan Thorbecke Verlag, ISBN 3-7995-8023-9.
  • Volkmar Könneke, Hans-Uli Thierer: ulm liebe. Jan Thorbecke Verlag, ISBN 3-88294-309-2.
  • Daniel Riechers: 100 Jahre Straßenbahn Ulm/Neu-Ulm. SĂŒddeutsche Verlagsgesellschaft GmbH, Ulm, ISBN 3-88294-239-8.
  • Inge Scholl: Die Weiße Rose. Überarbeitete Neuausgabe. S. Fischer, Frankfurt/M. 1982.
  • Wolf-Henning Petershagen: Die Geschwister Scholl. Hrsg: Stadt Ulm, Zentrale Dienste, Öffentlichkeitsarbeit und ReprĂ€sentation. Band 3/2001.
  • Wolf-Henning Petershagen: Schwörpflicht und VolksvergnĂŒgen. Ein Beitrag zur Verfassungswirklichkeit und stĂ€dtischen Festkultur in Ulm. Kohlhammer, Stuttgart 1999.
  • Hermann Simon: Geschichte der Ulmer Presse von den AnfĂ€ngen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Diss. phil. MĂŒnchen 1954
  • Hellmut PflĂŒger: Rundgang durch das alte Ulm. Wartberg Verlag 2001, ISBN 3-8313-1137-4.
  • Hellmut PflĂŒger, Eugen Sauter: Ulm. Fotografien von gestern und heute. Eine GegenĂŒberstellung. Wartberg Verlag, 1998, ISBN 3-86134-402-5.
  • Hellmut PflĂŒger: Ulm, das alte Stadtbild. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1982, ISBN 3-87437-192-1.
  • Reintraut Semmler: Charmantes Ulm – Eine Stadt zwischen Tradition und Moderne. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2005, ISBN 3-8313-1601-5.
  • Reinhart Hohner, Albrecht Schuler: Ulm – ein Vorplatz des Himmels. Chronik der wĂŒrttembergischen Landesposaunentage. buch & musik, ejw-service-GmbH, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-932595-89-9.
  • Wolf-Henning Petershagen: Ulms lebendige Wasser. Brunnengeschichte(n) aus sieben Jahrhunderten. Hrsg: Stadt Ulm. Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm, Band 1. Klemm & OelschlĂ€ger, Ulm 2003, ISBN 978-3-932577-47-5.
  • Michael Loerke: Grenzgeschichten. Das VerhĂ€ltnis zwischen Ulm und Neu-Ulm in der öffentlichen Meinung. Hrsg: Stadt Ulm. Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm, Band 2. Klemm & OelschlĂ€ger, Ulm 2004, ISBN 978-3-932577-62-8.
  • Ulrich Linse: Ulmer Arbeiterleben. Vom Kaiserreich zur frĂŒhen Bundesrepublik. Hrsg: Stadt Ulm. Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm, Band 3. Klemm & OelschlĂ€ger, Ulm 2006, ISBN 978-3-932577-64-2.
  • Ilse Schulz: Krankenpflege im Wandel. Erinnerungen an die AnfĂ€nge des Klinikums der ReformuniversitĂ€t Ulm 1968–1984. Hrsg: Stadt Ulm. Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm, Band 4. Klemm & OelschlĂ€ger, Ulm 2006, ISBN 978-3-932577-69-7.
  • Ilse Schulz: Verwehte Spuren. Frauen in der Stadtgeschichte. Ulm 1998.
  • Verein fĂŒr Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben (Hrsg.): Der Geschichte treuer HĂŒter
 Die Sammlungen des Vereins fĂŒr Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. Festschrift zum 150-jĂ€hrigen Bestehen des Vereins. Ulm 1991.
  • Elsbet Zumsteg-BrĂŒgel: Die Tonfiguren der Hafnerfamilie Rommel. Miniaturen zur Kulturgeschichte an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Ulm 1998.
  • Geologisches Landesamt Baden-WĂŒrttemberg: Geologische Karte 1:500.000 Sonderausgabe Großraum Ulm. Freiburg i. Br. 1997.
  • M. Franz, T. Simon, R. K. F. Meyer, G. Doppler: Die Thermalwasserbohrung „Donautherme“, Neu-Ulm. Geologica Bavarica 106. MĂŒnchen 2001.
  • Johannes Baier: Die Geologie des Ulmer Raums. In: Documenta Naturae. Band 173. MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-86544-173-7, S. 1-44.

Weblinks

 Commons: Ulm â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

dito von Böfingen, Donaustetten, Eckingen, Einsingen, Ermingen, Gögglingen, Grimmelfingen, Jungingen, Lehr, MÀhringen, Söflingen, Unterweiler und Wiblingen

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Einzelnachweise

  1. ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-WĂŒrttembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. ↑ Gesundheitsatlas der Zeitschrift Healthy Living, Gruner & Jahr-Verlag, Hamburg, 2007
  3. ↑ Zum Grabungsablauf und in Ulm verbliebenen Funden vgl.: Kurt Wehrberger, Ausgrabungen und archĂ€ologische BestĂ€nde des Vereins fĂŒr Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, in: Der Geschichte treuer HĂŒter
, Die Sammlungen des Vereins fĂŒr Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben (= Festschrift zum 150jĂ€hrigen Bestehen des Vereins), Ulm 1991, S. 64–68
  4. ↑ Denkmalpflege in Baden-WĂŒrttemberg 2006, Heft 1
  5. ↑ Lutz Reichhardt: Ortsnamenbuch des Alb-Donau-Kreises und des Stadtkreises Ulm, Stuttgart 1986, S. 308f.
  6. ↑ Hans Eugen Specker, Ulm. Stadtgeschichte, Ulm 1977, S. 37–38.
  7. ↑ http://www.ulmer-stadtportal.de/Lokal_Geschichte.php
  8. ↑ Beide Zitate: Hans Eugen Specker, Ulm. Stadtgeschichte, Ulm 1977, S. 38.
  9. ↑ Hans Eugen Specker, Ulm. Stadtgeschichte, Ulm 1977, S. 41.
  10. ↑ Grafen von Helfenstein
  11. ↑ Hans Eugen Specker, Ulm. Stadtgeschichte, Ulm 1977, S. 53.
  12. ↑ Statistisches Landesamt Baden-WĂŒrttemberg
  13. ↑ Gemeindezeitung Ausgabe August/September 2008 (Hg. Israelitische Religionsgemeinschaft WĂŒrttembergs), Tamus/Aw/Elul/Tischri 5768/5769, Nr. 08/09, August/September 2008, S. 17
  14. ↑ http://www.suedwest-aktiv.de/region/swp_laichingen/ulm_und_neu_ulm/4320943/artikel.php?SWAID=2661962407e001069e48dc57d5cb290f
  15. ↑ Kreis- und Gemeindewappen in Baden-WĂŒrttemberg Band 4 Seite 24; Herausgeber: Landesarchivdirektion Baden-WĂŒrttemberg 1987 ISBN 3-8062-0804-2
  16. ↑ Theater Ulm: Geschichte, abgerufen am 5. September 2011
  17. ↑ Abteilungen des Post-SV-Ulm e. V.. Abgerufen 3. September 2010.
  18. ↑ Webseite der Stadt Ulm, European Energy Award
  19. ↑ SWU Fakten, Stadtwerke Ulm, abgerufen am 15. Mai 2008
  20. ↑ Pressemeldung auf Gruene-IT.de
  21. ↑ www.100ee.de
  22. ↑ http://www.tu-dresden.de/srv/SrV_Web/Dok/Staedtevergleich_Stand%20Dez_2010.pdf
  23. ↑ Stadtwerke Ulm – Verkehr
  24. ↑ GedenkstĂ€tten fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 99
  25. ↑ Informationen zum Ulmer Deserteurdenkmal
  26. ↑ http://ulm.de/leben_in_ulm/bildung_arbeit/ulmer_schulen.17113.htm

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