Universität Straßburg

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Universität Straßburg
Universität Straßburg
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Gr√ľndung 1538; 1872; 1. Januar 2009 (Vereinigung)
Trägerschaft staatlich
Ort Straßburg, Frankreich
Präsident Alain Beretz
Studenten 41.740
Mitarbeiter 6.021
davon Professoren 2.477
Jahresetat 406.072.916 ‚ā¨ (2009)
Website www.unistra.fr
Wilhelminisches Hauptgebäude der Universität Straßburg am Universitätsplatz
Aula des Hauptgebäudes, in der 1949 die erste Tagung des Europarats stattfand.[1]
Das Gallia, ehemals Germania, Sitz des zentralen Studentenhilfswerks CROUS
Die National- und Universitätsbibliothek am Place de la République, dem ehemaligen Kaiserplatz
Das denkmalgesch√ľtzte Hauptgeb√§ude der Universit√© Robert Schuman
Das ‚ÄěInstitut Le Bel‚Äú der Universit√§t Louis Pasteur
Gebäude der Mathematischen Universität

Die Universität Straßburg (französisch Université de Strasbourg) ist die Universität der Stadt Straßburg im Elsass. Im Jahre 2009 zählte sie 42.000 Studenten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Alte Universität

Die Universit√§t Stra√üburg ist aus dem protestantischen Gymnasium hervorgegangen, das Johannes Sturm 1538 gr√ľndete. 1566 wurde das Gymnasium in den Rang einer Akademie erhoben, 1621 in eine Universit√§t und 1631 in eine k√∂nigliche Universit√§t verwandelt.

1681 wurde die freie Reichsstadt Stra√üburg von Truppen des ‚ÄěSonnenk√∂nigs‚Äú eingenommen und so mit den bereits von Frankreich durch den Westf√§lischen Frieden erworbenen linksrheinischen Gebieten aus dem Kaiserreich vereint. Das Ancien R√©gime hielt die Frage der Religion allerdings f√ľr wichtiger als die der Sprache, so dass es nicht zu so entscheidenden √Ąnderungen an der Universit√§t kam. Die Els√§sser galten als ‚Äědeutsche Untertanen des K√∂nigs‚Äú. Die Gegenreformation wurde zwar stark gef√∂rdert, doch wurden die Protestanten nicht verfolgt, um, wie auch auf sprachlichem Gebiet, eine reibungslosere Integration in das K√∂nigreich zu erm√∂glichen.

Auch zu franz√∂sischen Zeiten hatte die Universit√§t noch prominente deutsche Studenten. Einer davon war Goethe, der hier 1770/71 Jura studierte, nachdem sein Vater befunden hatte, dass er in Leipzig zu viel Zeit in Auerbachs Keller verbrachte. Die Vorlesungen fanden vor der Franz√∂sischen Revolution noch in deutscher Sprache statt ‚Äď und nat√ľrlich in lateinischer. Georg B√ľchner begann hier 1831 sein Medizinstudium (und beendete es dort nach der Flucht aus Hessen-Darmstadt in Folge der Beschlagnahme des ‚ÄěHessischen Landboten‚Äú). Zu dieser Zeit, nach Revolution, napoleonischer und Restaurationszeit, waren insbesondere die Naturwissenschaften (in denen damals ohnehin Frankreich f√ľhrend war) vollkommen in franz√∂sischer Hand. Allenfalls in Theologie und Geisteswissenschaften blieb noch ein (‚Äěalt-‚Äú)els√§ssischer und damit deutscher Einfluss.

Die Kaiser-Wilhelm-Universität

1871, nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Franz√∂sischen Krieg und der Abtretung des Elsass im Frieden von Frankfurt, wurde sie als deutsche Kaiser-Wilhelm-Universit√§t im Deutschen Reich neu gegr√ľndet. Ein gro√üer Teil der Bildungs-, Wirtschafts- und Verwaltungselite der Region verlie√ü das Elsass, um in Frankreich zu bleiben, so dass viele Bereiche des √∂ffentlichen Lebens, und somit auch die Universit√§t, von Grund auf neu organisiert werden mussten ‚Äď und konnten, mit Material und Zuzug aus dem ‚ÄěAltreich‚Äú. Im √úbrigen war bei der Belagerung und deutschen Bombardierung Stra√üburgs ‚Äď der Stadt des Buchdrucks ‚Äď die st√§dtische Bibliothek in der ehemaligen Dominikanerkirche getroffen worden und somit eine der gr√∂√üten und √§ltesten humanistischen Bibliotheken des gesamten Kontinents verbrannt. Diesen Verlust wollte man mit Buchspenden aus dem ganzen (neu gegr√ľndeten) Reich ausgleichen; allein das Preu√üische Staatsarchiv K√∂nigsberg √ľberlie√ü der Bibliothek 70.000 Dubletten. Das f√ľhrte dazu, dass die Bibliothek der Universit√§t (BNUS ‚Äď Biblioth√®que nationale et universitaire de Strasbourg) heute noch eine der gr√∂√üten und bestbest√ľckten deutschsprachigen Bibliotheken ist.

Die französische Universität

1919, nach dem Ersten Weltkrieg, kamen mit dem Versailler Vertrag das Elsass und Straßburg und damit die Universität wieder zu Frankreich. Der Lehrbetrieb wurde nunmehr ausschließlich auf Französisch umgestellt. Um die Professoren Lucien Febvre und Marc Bloch entstand in dieser Zeit in Straßburg die Annales-Schule der Geschichtswissenschaft.

W√§hrend des Zweiten Weltkriegs verlie√ü die franz√∂sische Universit√§t Stra√üburg und das Elsass und richtete sich in Clermont-Ferrand ein. In Stra√üburg, von den Nationalsozialisten wieder dem Deutschen Reich angegliedert, wurde die Reichsuniversit√§t Stra√üburg gegr√ľndet. Carl Friedrich von Weizs√§cker arbeitete zum Beispiel an dieser kurzlebigen ‚ÄěBesatzungsuniversit√§t‚Äú. 1945 wurde sie mit dem R√ľckzug der deutschen Wehrmachtstruppen zun√§chst nach T√ľbingen verlegt und sp√§ter aufgel√∂st. Nach 1945 kehrten die franz√∂sischen Abteilungen der Universit√§t nach Stra√üburg zur√ľck.

Heute

Die Universit√§t Stra√üburg ist in der ‚ÄěEurop√§ischen Konf√∂deration der Universit√§ten am Oberrhein‚Äú (EUCOR) mit den Universit√§ten Karlsruhe, Basel, Universit√§t des Oberelsass und der Albert-Ludwigs-Universit√§t Freiburg verbunden. Sie verf√ľgt wegen der kirchenrechtlichen Sonderstellung des ehemaligen Elsass-Lothringen als einzige in Frankreich √ľber zwei staatlich finanzierte theologische Fakult√§ten (katholisch und protestantisch).

In den 1970er Jahren wurde die Universität Straßburg aufgeteilt:

  • Universit√§t Louis Pasteur (Stra√üburg I ‚Äď Naturwissenschaften)
  • Universit√§t Marc Bloch (Stra√üburg II ‚Äď Sprachen und Geisteswissenschaften)
  • Universit√§t Robert Schuman (Stra√üburg III ‚Äď Recht, Politik- und Sozialwissenschaften)

Die Universit√§t Stra√üburg wurde am 1. Januar 2009 wiedergegr√ľndet als Vereinigung der Universit√§t Louis Pasteur, der Universit√§t Marc Bloch, der Universit√§t Robert Schuman und des Institut universitaire de la formation des ma√ģtres (IUFM) Stra√üburg. Erster Pr√§sident nach der Wiedervereinigung wurde der Pharmakologe Prof. Dr. Alain Beretz, vormaliger Leiter der Universit√© Louis Pasteur. Die sogenannte ‚ÄěUniversit√© unique de Strasbourg‚Äú (Unistra) z√§hlte Anfang 2009 42.000 Studenten und 5.200 Angestellte.

Bekannte ehemalige Studenten oder Lehrer

Literatur

  • Gustav C. Knod: Die alten Matrikeln der Universit√§t Stra√üburg. 1621‚Äď1793. 2 B√§nde und Registerband. Tr√ľbner, Stra√üburg 1897‚Äď1902
  • Stephan Roscher: Die Kaiser-Wilhelms-Universit√§t Stra√üburg 1872‚Äď1902. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2006, ISBN 3-631-31854-5 (zugl. Dissertation, Universit√§t Frankfurt am Main 1991)
  • Ulrike Rother: Die theologischen Fakult√§ten der Universit√§t Stra√üburg. Ihre rechtlichen Grundlagen und ihr staatskirchenrechtlicher Status von den Anf√§ngen bis zur Gegenwart. Sch√∂ningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-73385-0 (zugl. Dissertation, Universit√§t Freiburg 1996)
  • Anton Schindling: Humanistische Hochschule und freie Reichsstadt. Gymnasium und Akademie in Stra√üburg 1538-1621. Steiner, Wiesbaden 1977 (Ver√∂ffentlichungen des Instituts f√ľr europ√§ische Geschichte Mainz 77)
  • Otto Warth: Das Kollegien-Geb√§ude der Kaiser Wilhelms-Universit√§t zu Strassburg. Kraemer, Kehl 1885 (Digitalisat)

Weblinks

 Commons: Universit√§t Stra√üburg ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Siehe Gedenktafel Palais Universitaire de Strasbourg-10 ao√Ľt 1949

Siehe auch


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