Unterlüß

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Unterlüß
Unterlüß
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Unterlüß hervorgehoben
52.85027777777810.291388888889108
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Celle
Höhe: 108 m ü. NN
Fläche: 77,53 km²
Einwohner:

3.672 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29345
Vorwahl: 05827
Kfz-Kennzeichen: CE
Gemeindeschlüssel: 03 3 51 020
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Urwaldschneise 1
29345 Unterlüß
Webpräsenz: www.unterluess.de
Bürgermeister: Kurt Wilks (parteilos)
Lage der Gemeinde Unterlüß im Landkreis Celle
Landkreis Celle Niedersachsen Landkreis Heidekreis Landkreis Uelzen Landkreis Gifhorn Region Hannover Faßberg Hermannsburg gemeindefreies Gebiet Lohheide Bergen Winsen Wietze Hambühren Celle Adelheidsdorf Hagen Wathlingen Bröckel Eicklingen Wienhausen Langlingen Unterlüß Eschede Scharnhorst Hohne Langlingen Eldingen Habighorst Ahnsbeck Höfer Beedenbostel LachendorfKarte
Über dieses Bild
Fuchs- und Hase-Brunnen vor dem Rathaus

Unterlüß ist eine Gemeinde im Landkreis Celle in Niedersachsen. Sie liegt im Naturpark Südheide.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Unterlüß liegt inmitten des einzigartigen 7500 ha großen Lüßwaldes. Der Lüßwald, ein Mischwald mit Kiefern, Fichten, Buchen, Eichen und Birken, ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Zur Gemeinde gehören die Ortschaften bzw. Gehöfte Lutterloh, Neu-Lutterloh (eine Neubauernsiedlung, gegründet 1955), Alten- und Neuensothrieth (Forsthaus), Lünsholz (Forsthaus), Siedenholz (früher Forsthaus, heute Jugendwaldheim), Schafstall (Forsthaus), Theerhof, Schröderhof und Neuschröderhof.

Flächennutzung

Die Flächennutzung in Unterlüß verteilt sich wie folgt:[2]

Nutzungsart Größe Nutzungsart Größe
Wald 6478 ha Wasserfläche 19 ha
Gebäudefläche 239 ha Landwirtschaft 600 ha

Geschichte

  • 1847: Entstehung des Ortes durch den Bau der Bahnstrecke Lehrte–Harburg (Hannover-Hamburg) und Anlage des Bahnhofs
  • 1889: Heinrich Ehrhardt gründet in Düsseldorf die „Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“ und beginnt, beruhend auf seinem Patent, mit der Produktion von Kanonenrohren für das kaiserliche Heer
  • 1899: Anlage des Rheinmetall-Schießplatzes in Unterlüß
  • 1910: Der Ort wird selbstständige Gemeinde
  • 1914–1918: Erster Weltkrieg, Einsatz französischer Kriegsgefangener
  • 1919: Versailler Vertrag, Rheinmetall muss auf zivile Produktion umstellen und betreibt ein landwirtschaftliches Mustergut; Ersatzarbeitsplätze z. T. in der Kieselgurindustrie
  • 1934: Werkserweiterung im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht; Rheinmetall und Borsig verstaatlicht und fusioniert zu Rheinmetall-Borsig
  • 1936: Bau der Rheinmetall-Borsig-Werkssiedlungen im heutigen Ortsteil Hohenrieth (1942 eingemeindet)
  • 1939: Beginn des Zweiten Weltkrieges, Beginn des Einsatzes polnischer Zwangsarbeiter
  • 1941: Russlandfeldzug, Beginn des Einsatzes sowjetischer Zwangsarbeiter
  • 1944: Ungarische Jüdinnen werden durch Rheinmetall-Borsig in einem Außenlager Unterlüß des KZ Bergen-Belsen eingesetzt
  • 1945: Kriegsende, Britische Besatzung und Beschlagnahme der teilweise zerstörten Werksanlagen sowie zeitweise auch der Werkssiedlungen; im Ort existieren etwa 20 Barackenlager für etwa 4.000 ausländische Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene (etwa 2.500 Polen, 1.000 aus der UdSSR, 500 Jugoslawen, 1.000 aus anderen Ländern)
  • 1951: Rheinmetall Berlin AG reprivatisiert; als zweiter Industriebetrieb in Unterlüß entsteht die Textilmaschinenfabrik Artos
  • 1955: Abzug der Briten, Wiederaufrüstung, Rheinmetall produziert nun für die Bundeswehr
  • 1974: Verkauf der Artos an den britischen Maschinenbaukonzern Babcock, der daraufhin das Werk in Unterlüß schließt
  • 1986: Mit Steuergeldern des Landes Niedersachsen errichtet Rheinmetall das Technologiezentrum Nord (TZN) für militärische Forschung, die auch zivil nutzbar sein soll
  • 1990: Wiedervereinigung, Verkleinerung der Bundeswehr führt zu Auftragseinbrüchen und Abbau von Arbeitsplätzen bei Rheinmetall
  • 1997: 150. Ortsjubiläum
  • 1999: 100. Firmenjubiläum der Firma Rheinmetall am Standort Unterlüß

Bevölkerung

Religionen

Im Ort existieren drei protestantische (lutherisch, baptistisch), eine neuapostolische und eine katholische Kirchengemeinde.

Einwohnerentwicklung

Im Jahr 2007 hatte Unterlüß 3.887 Einwohner. Der sprunghafte Anstieg der Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg ist im Wesentlichen durch den Zuzug Vertriebener bedingt.

Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1940 2.500 1970 4.700 2005 4.115
1945 8.200 1980 4.600 2006 3.922
1950 4.100 1990 4.300 2007 3.887
1960 4.250 2000 4.350 2008 3.817

Politik

Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Unterlüß setzt sich aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren sowie dem direkt gewählten hauptamtlichen Bürgermeister zusammen.

CDU SPD Lutz Zschiesche (parteilos) FÜR Unterlüß Grüne FDP Gesamt
2001 9 6 0 0 0 0 15 Sitze
2006 8 4 2 0 0 0 14 Sitze [3]
2011 6 (45,2%) 3 (18,3%) 0(siehe FÜR Unterl.) 5 (36,5%) 0 0 14 Sitze

letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 [4]

Bürgermeister seit 1945

  • 1945–1957 Erich Müller, SPD (durch britische Besatzungsmacht eingesetzt)
  • 1957–1970 Robert Busse, CDU
  • 1970–1991 August Biermann, CDU
  • 1991–2005 Eberhard Staiger, CDU
  • 2005–2011 Kurt Wilks, parteilos

Mit Wirkung vom 1. Oktober 2005 fiel das Amt des Bürgermeisters und des Gemeindedirektors zusammen. Dieses Amt bekleidet derzeit der am 22. Mai 2005 mit 63 % der Stimmen gewählte Kurt Wilks, ein parteiloser Dipl. Verwaltungswirt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirchen

  • Ev.-luth. Friedenskirche
  • Ev.-freik. Gemeinde (Baptisten)
  • Kath. Kirchengemeinde St. Paulus
  • Neuapostolische Kirche

Museen

  • Das Albert-König-Museum, das einzige reine Kunstmuseum der Lüneburger Heide, ist dem Maler und Graphiker Albert König gewidmet, dessen Nachlass die Gemeinde Unterlüß geerbt hat.

Musik

  • Liedertafel „Frohsinn“ (Gesangverein)
  • Gospelkonzerte der Evangelischen Friedenskirche
  • Klassikkonzerte im Albert-König-Museum
  • Chor der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde

Sport

  • Turn- und Sportverein (TuS) Unterlüß e.V. (verschiedene Sparten)
  • DLRG (Schwimmsport), Schul- und Vereinsbad
  • Keglervereinigung Unterlüß
  • F.C. Unterlüß

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Schützenfest in Unterlüß, seit 1952 jeweils am letzten Wochenende im Juli
  • Schützenfest in Lutterloh, alljährlich am Himmelfahrtstag
  • Unterlüßer Dorffest, seit 1981 jeweils am letzten Wochenende im August
  • Sportwoche
  • Waldweihnachtsmarkt, jeweils am Samstag vor dem 1. Advent

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Unterlüß verfügt über einen Bahnhof und liegt an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg. Diese wird von der metronom Eisenbahngesellschaft bedient, Züge nach Hannover/Göttingen und Uelzen/Hamburg verkehren im Stundentakt.

Im Straßenverkehr liegt Unterlüß 8 km von der Bundesstraße 191 entfernt. So ist die Stadt Celle (37 km) und Uelzen (35 km) jeweils in einer guten halben Stunde zu erreichen.

Ansässige Unternehmen

  • Rheinmetall, ein Unternehmen der Rüstungsindustrie, seit 1899 am Standort, heute der einzige größere Arbeitgeber des Ortes und der ganzen Region mit rund 1.000 Beschäftigten.
  • Grafix GmbH, ein Unternehmen zur Herstellung von Komponenten für Druckmaschinen. Grafix ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das in Unterlüß nur einen von vielen Standorten betreibt.

Wirtschaftsverbände

  • Gewerbeverein Unterlüß e. V. − Seit 1980 ist die Mehrzahl der Unterlüßer Unternehmen Mitglied.

Bildung

  • Kindergarten „Noahs Arche“ (ev.-luth.)
  • Kindergarten/-krippe „Regenbogen“ (DRK)
  • Grund- und Hauptschule „Waldschule“: Als zunächst 3-jähriges Projekt (bis 2012) können die Schüler/-innen, die die 10. Klasse in Unterlüß besuchen, je nach persönlichen Fähigkeiten entweder einen Realschulabschluss oder einen Sekundarabschluss I (erweiterter Hauptschulabschluss) erwerben.
  • Außenstelle der Volkshochschule Celle (beherbergt in Grund- und Hauptschule)

Literatur

  • Jürgen Gedicke: Chronik der Gemeinde Unterlüß. Von den Anfängen als Eisenbahnsiedlung im Jahre 1847 bis zur selbständigen Gemeinde im Jahre 1910. 1997. ISBN 3-930374-10-2
  • Jürgen Gedicke: Chronik der politischen Gemeinde Unterlüß. Band 2: Von der selbständigen Gemeinde im Jahre 1910 bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1945. Unterlüß 2002. ISBN 3-927399-37-X
  • Karl-Heinz Grotjahn: Meiler, Mühlen und Monarchen. Kleine Geschichte des Kieselgurbergbaus in der Lüneburger Heide 1836–1994 (= Veröffentlichung des Albert-König-Museums 30), Unterlüß 1999
  • Nils Köhler: Zwangsarbeit in der Lüneburger Heide. Organisation und Alltag des „Ausländereinsatzes“ 1939–1945. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, 2. Auflage. ISBN 3-89534-537-7
  • Rainer Schulze (Hg.): Unruhige Zeiten. Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945–49. München 1990. ISBN 3-486-54981-2

Weblinks

 Commons: Unterlüß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
  2. Webseite der Gemeinde Unterlüß.
  3. Endergebnis Komunalwahl 2006.
  4. Endergebnis Kommunalwahlen 2011

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