Unternehmen

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Unternehmen

Ein Unternehmen oder eine Unternehmung ist ein spezieller Betriebstyp in marktwirtschaftlichen Systemen. Konstitutive Merkmale des Unternehmens sind nach Erich Gutenberg das erwerbswirtschaftliche Prinzip (Streben nach Gewinnmaximierung), das Prinzip des Privateigentums und das Autonomieprinzip (Selbstbestimmung des Wirtschaftsplans).[1] √Ėffentliche Betriebe und Verwaltungen sind innerhalb einer Marktwirtschaft das Pendant zu Unternehmen. K√∂rperschaften des Privatrechts (Vereine) stellen eine Mischform dar und unterliegen strengen Grenzen zu erwerbswirtschaftlichen Zielen. Die Struktur eines Unternehmens wird in den sogenannten Gesch√§ftsplan aufgenommen. In Deutschland gibt es rund drei Millionen umsatzsteuerpflichtige Unternehmen. Etwa zwei Drittel davon sind Einzelunternehmen.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Die Begriffe Unternehmen, Firma und Betrieb haben zwar eine √§hnliche Bedeutung, sind aber nicht synonym. Ein Betrieb ist eine systemunabh√§ngige Wirtschaftseinheit zur Fremdbedarfsdeckung. Ein Unternehmen kann einen oder mehrere Betriebe haben, mehrere Unternehmen k√∂nnen einen Betrieb auch gemeinschaftlich f√ľhren.

Der Firmenbegriff ist durch ¬ß 17 Handelsgesetzbuch (HGB) festgelegt und bezeichnet den Namen eines Unternehmens. Umgangssprachlich wird der Begriff ‚ÄěFirma‚Äú meist genutzt, um ein Unternehmen als gesellschaftliche Institution zu beschreiben. H√§ufig ist mit dem Begriff ‚ÄěFirma‚Äú umgangssprachlich auch das Geb√§ude gemeint, in dem sich ein Betrieb befindet, und in dem die Leistungserstellung abl√§uft ‚Äď die ‚ÄěBetriebsst√§tte‚Äú.

Im Arbeitsrecht wird ein Unternehmen als organisatorische Einheit verstanden, mit welcher der Unternehmer seine wirtschaftlichen oder ideellen Zwecke verfolgt.[2] Ein Unternehmen kann aus einem oder mehreren Betrieben bestehen. Im ersten Fall bezeichnet Unternehmen dann die wirtschaftliche Komponente, w√§hrend der Betrieb f√ľr den arbeitstechnischen Ablauf steht.

Typisierung

Unternehmen lassen sich nach folgenden Kriterien unterscheiden:

Nach Rechtsformen

Unternehmen in Deutschland (2004) Anzahl
Einzelunternehmen 2.060.000
Gesellschaften mit beschränkter Haftung 452.955
Offene Handelsgesellschaften, Gesellschaften b√ľrgerlichen Rechts 259.275
Kommanditgesellschaften 116.630
Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien 7.190
√Ėffentliche Betriebe 6.025
Genossenschaften 5.470
Sonstige Rechtsformen 45.490
Insgesamt 2.953.035

Die Rechtsform eines Unternehmens umfasst alle gesetzlichen Regelungen, durch die es zur rechtlich fassbaren Einheit wird. Rechtsformen lassen sich anhand einiger zentraler Merkmale unterscheiden. Dazu z√§hlt unter anderem das gesetzlich vorgeschriebene Haftungskapital bei Unternehmensgr√ľndung, die Haftungsregelung oder auch die steuerliche Behandlung. Die Rechtsform bestimmt auch, ob ein Unternehmen eine eigene Rechtspers√∂nlichkeit besitzt oder ob ihre Teilhaber als nat√ľrliche Personen handeln. Wechselt ein Unternehmen die Rechtsform, spricht man von einer Umwandlung. Dabei sind beispielsweise Auflagen der Kreditgeber, √Ąnderungen der Zahl der Gesellschafter, √Ąnderungen der Steuergesetze oder √Ąnderungen der Unternehmensgr√∂√üe (durch Wachstum oder Schrumpfung) bedeutende Einflussfaktoren.[3]

Man unterscheidet grundsätzlich privatrechtliche und öffentlich-rechtliche Rechtsformen, die alle gesetzlich festgelegt sind (einige privatrechtliche Mischformen ausgenommen).

Privatrechtliche Rechtsformen

√Ėffentlich-rechtliche Rechtsformen

Nach Unternehmensphasen

Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland seit 1970

Man unterscheidet die Phasen eines Unternehmens nach Gr√ľndungsphase (Pionierphase), Umsatzphase (Markterschlie√üung, Diversifikation, Akquisition, Kooperation und Restrukturierung) sowie Aufl√∂sungsphase. W√∂he/D√∂ring[4] sprechen im Rahmen der genetischen Gliederung der Betriebswirtschaftslehre von der Gr√ľndungs-, Betriebs- und Liquidationsphase. Au√üerdem kann zwischen der Gr√ľndungs-, Entwicklungs- und Krisenphase unterschieden werden[5].

Sofern ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen gegen√ľber Gl√§ubigern nicht mehr erf√ľllen kann, kommt es meist zur Insolvenz. Unternehmen k√∂nnen auch in die Aufl√∂sungsphase √ľbergehen, ohne die Umsatzphase jemals erreicht zu haben. Ein Unternehmen hat grunds√§tzlich keinen definierten Endzeitpunkt. Es ist kein einmaliges, sondern ein st√§ndiges Vorhaben mit zun√§chst nicht begrenzten Ressourcen. Dadurch unterscheidet es sich von einem Projekt. Projekte k√∂nnen aber Bestandteil eines Unternehmens sein.

Ein Gro√üunternehmen erreicht im Durchschnitt ein Alter von 75 Jahren. Dennoch gibt es zahlreiche Unternehmen, die mehrere hundert Jahre alt sind. Einige der weltweit √§ltesten Familienunternehmen bilden die sogenannte Association les H√©nokiens. Das √§lteste deutsche Unternehmen dieses Zusammenschlusses ist die Poschinger Glasmanufaktur, gegr√ľndet im Jahr 1568. Der im Jahr 578 gegr√ľndete japanische Tempel- und Burgbauer KongŇć Gumi galt bis zu seiner Liquidation im Januar 2006 als √§ltestes noch bestehendes Familienunternehmen der Welt.[6]

Nach Branchen

In einer groben Branchengliederung ist zwischen Sachleistungsunternehmen und Dienstleistungsunternehmen zu differenzieren. Sachleistungsunternehmen sind insbesondere Industrie- und Handwerksunternehmen. Bei solchen Unternehmen wird nach der Erzeugungsstufe weiter unterschieden: Gewinnungsunternehmen sind Unternehmen, die sogenannte Urprodukte hervorbringen. Dazu zählen mineralische, pflanzliche oder tierische Naturvorkommen sowie die Naturkräfte. Urprodukte stellen den Ausgangspunkt des Wirtschaftsprozesses dar. In derartigen Bereichen tätige Unternehmen werden unter dem Sammelbegriff Primärsektor zusammengefasst. Veredelungs- oder Aufbereitungsunternehmen (sekundärer Sektor) produzieren aus den gewonnenen Urprodukten schließlich Zwischenprodukte, die wiederum von Verarbeitungsunternehmen (ebenfalls sekundärer Sektor) in Endprodukte transformiert werden.[7]

Dienstleistungsunternehmen z√§hlen zum Terti√§rsektor und produzieren keine physischen G√ľter, sondern erbringen immaterielle Dienste. Eine solche Dienstleistung ist nicht lagerbar, kaum √ľbertragbar und ben√∂tigt einen externen Faktor (Integration des externen Faktors ‚ÄěKunde‚Äú). Ihre Erzeugung und der Verbrauch fallen meist zeitlich zusammen. Man spricht vom Uno-actu-Prinzip.

Nach Unternehmensgrößen

Betriebsgrößenklassen Betriebe Beschäftigte
1 bis 5 1.402.442 3.031.445
6 bis 9 236.617 1.720.845
10 bis 19 187.441 2.511.537
20 bis 49 119.101 3.608.795
50 bis 99 44.358 3.064.424
100 bis 199 22.176 3.049.218
200 bis 499 11.934 3.600.869
500 und mehr 4.643 5.591.133
Insgesamt 2.028.712 26.178.266

Es gibt keinen weltweit anerkannten einheitlichen Bewertungsma√üstab f√ľr die Gr√∂√üe eines Unternehmens. Das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) unterscheidet in ¬ß 267 HGB nach kleinen Kapitalgesellschaften, mittelgro√üen Kapitalgesellschaften und gro√üen Kapitalgesellschaften. Dabei sind Bilanzsumme, Umsatzerl√∂se und Besch√§ftigtenzahl die entscheidenden Ma√üst√§be. Die Unternehmensgr√∂√üe wird bei Kapitalgesellschaften h√§ufig auch anhand der B√∂rsenkapitalisierung beziehungsweise des B√∂rsenwerts und der Jahres√ľbersch√ľsse beurteilt.[8]

Die Bundesagentur f√ľr Arbeit kategorisiert Unternehmen in ‚ÄěBetriebsgr√∂√üenklassen‚Äú f√ľr Betriebe mit sozialversicherungspflichtigen Besch√§ftigten (siehe Abbildung, Stand: 30. Juni 2005).

Die größten Unternehmen der Welt nach Umsatz, 2005

Nach Umsatz war im Gesch√§ftsjahr 2008 der √Ėlkonzern Royal Dutch Shell das weltweit gr√∂√üte Unternehmen,[9] nach Marktkapitalisierung am 31. Dezember 2009 der √Ėlkonzern PetroChina.[10]

Listen der größten Unternehmen werden unter anderem von den US-amerikanischen Wirtschaftsmagazinen Forbes und Fortune sowie der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times aufgestellt. Dazu gehören vor allem Fortune Global 500, eine Rangliste der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt, und Financial Times Global 500, eine Rangliste der 500 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen der Welt.

Einen alternativen integrativen Ansatz, welcher die vier verschiedenen Indikatoren Umsatz, Gewinn, Aktiva und Marktkapitalisierung gleichzeitig ber√ľcksichtigt, bietet Forbes mit der Liste Forbes Global 2000, die aber ausschlie√ülich b√∂rsennotierte Unternehmen ber√ľcksichtigt. Hier war im Gesch√§ftsjahr 2008 General Electric das gr√∂√üte Unternehmen der Welt.[11]

In Deutschland erstellt die Monopolkommission eine Rangliste der größten Unternehmen in Deutschland in ihren alle zwei Jahre erscheinenden Hauptgutachten.[12] Die gemessen an der Wertschöpfung zehn größten Unternehmen in Deutschland waren demnach 2006: Deutsche Telekom, Siemens, DaimlerChrysler, Volkswagen, Deutsche Bahn, Deutsche Post, Deutsche Bank, Robert Bosch GmbH, Bayerische Motoren Werke und BASF.

Nach räumlicher Struktur

Lokale Unternehmen sind Unternehmen, die nur einen Betrieb an einem Ort f√ľhren. Man spricht von regionalen Unternehmen, wenn innerhalb einer geografischen Region mehrere Betriebsst√§tten gef√ľhrt werden. Ein sogenanntes nationales Unternehmen betreibt St√ľtzpunkte innerhalb eines Landes.[13]

Handelt es sich um Unternehmen, die auch auf internationalen M√§rkten aktiv sind (Internationalisierung), spricht man nach Sumantra Ghoshal und Christopher Bartlett von internationalen Unternehmen, globalen Unternehmen und multinationale Unternehmen. Multinationale Unternehmen zeichnen sich durch Produktionsstandorte in mehreren Staaten aus. Nationale Gesellschaften erledigen dabei das operative Gesch√§ft und Teile der strategischen Aufgaben. Globale Unternehmen sind zentralisierte Unternehmen, bei denen die einzelnen nationalen Gesellschaften prim√§r Distributionsaufgaben √ľbernehmen. Strategische Entscheidungen und der gr√∂√üte Teil der operativen Entscheidungen werden jedoch im Mutterland beschlossen. Internationale Unternehmen organisieren bestimmte strategische Abteilungen zentral, andere dezentral. Es handelt sich dabei um eine Mischform von multinationalen und globalen Unternehmen.

Existenzbedingungen und Unternehmensziele

‚Üí Hauptartikel: Unternehmensziele

Die Existenzbedingungen des Unternehmens sind Liquidit√§t (Existenzbedingung ‚Äěsine qua non‚Äú), Rentabilit√§t und Wachstum. Liquidit√§t muss jederzeit ‚Äď auch kurzfristig ‚Äď gesichert sein, um Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu k√∂nnen. Rentabilit√§t muss mittel- bis langfristig gesichert sein, da sonst die Liquidit√§tsbedingung nicht erf√ľllt werden kann. Wachstum wird an Gr√∂√üen wie Gewinn, Erl√∂s oder Besch√§ftigtenzahl gemessen. Um Liquidit√§t und Rentabilit√§t zu sichern, muss ein Unternehmen mindestens mit dem Markt mitwachsen.

Unternehmensziele lassen sich in drei Dimensionen darstellen. Dabei wird zwischen der ökonomischen, der sozialen und der ökologischen Dimension unterschieden. Eine vorrangige Stellung der ökonomischen Dimension ergibt sich aus den konstitutiven Merkmalen eines jeden Unternehmens. Innerhalb der ökonomischen Dimension unterscheidet man wiederum Leistungsziele, Finanzziele und Erfolgsziele.[14]

Internationalisierung

Verschiedene Formen der Internationalisierung

‚ÄěInternationalisierung‚Äú hei√üt die geografische Dezentralisierung der Unternehmenst√§tigkeit auf internationalen M√§rkten. Sie gewinnt durch eine zunehmende Globalisierung der gesamten Unternehmenst√§tigkeit immer mehr an Bedeutung. Motive f√ľr Internationalisierung sind die Sicherung des Absatzes durch gr√∂√üere Marktn√§he, die Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten, Umgehen von Importrestriktionen, Realisierung von Transportkostenvorteilen, Investitionsf√∂rderma√ünahmen durch die ausl√§ndischen Staaten sowie Unabh√§ngigkeit von der Entwicklung der Devisenkurse.[13] In welcher konkreten Form Internationalisierung erfolgt, ist abh√§ngig von der Situation des jeweiligen Unternehmens und seiner Strategie. Die Stufen der Internationalisierung in Abh√§ngigkeit von Kapital- und Managementleistungen sind Export, Lizenzvergabe, Franchising, Joint Venture, Auslandsniederlassung und Tochterunternehmen.[15] Bei der Internationalisierung von Dienstleistungsunternehmen gelten dagegen andere Schwerpunkte.[16]

Siehe auch: Uppsala-Modell

Unternehmensverbindungen

Unternehmen sind h√§ufig Teil gr√∂√üerer Wirtschaftseinheiten. Dabei werden ‚ÄěKooperation‚Äú und ‚ÄěKonzentration‚Äú unterschieden.

Kooperation

Kooperation ist die freiwillige Zusammenarbeit mehrerer rechtlich selbstst√§ndiger Unternehmen. Dabei werden die drei Typen Kartell, Konsortium und Unternehmensverband unterschieden. Kartelle sind Kooperationen auf vertraglicher Basis, die sich wettbewerbsbeschr√§nkend auswirken sollen. Die Mitglieder eines Kartells streben meist nach Monopolstellung, ohne dabei ihre Selbstst√§ndigkeit aufzugeben. In Deutschland sind Kartelle im Rahmen des Wettbewerbsrechts verboten. Konsortien sind √§hnliche Kooperationen auf vertraglicher Basis, allerdings ohne wettbewerbsrechtliche Relevanz. H√§ufig werden sie zur Durchf√ľhrung von Gro√üprojekten gegr√ľndet und anschlie√üend wieder aufgegeben. Unternehmensverb√§nde werden zur gemeinsamen Interessenvertretung gegen√ľber der √Ėffentlichkeit oder dem Staat gebildet. Bei Unternehmensverb√§nden ist wiederum nach Wirtschaftsfachverb√§nden, Kammern und Arbeitgeberverb√§nden zu differenzieren.[17]

Dar√ľber hinaus z√§hlt auch die gemeinsame Gr√ľndung eines neuen Unternehmens durch mehrere bestehende Unternehmen zu den Kooperationen. Ein derartiges Gemeinschaftsunternehmen basiert jedoch im Gegensatz zu den drei klassischen Typen der Kooperation nicht allein auf vertraglicher Basis. Stattdessen ist die Kooperation dabei durch Kapitalbeteiligungen der Gesellschaftsunternehmen gekennzeichnet.[18]

Konzentration

Konzentration ist die freiwillige oder auch unfreiwillige Angliederung eines bereits bestehenden Unternehmens an ein anderes Unternehmen. Dabei wird die wirtschaftliche Selbstst√§ndigkeit des Unternehmens zugunsten der √ľbergeordneten Einheit eingeschr√§nkt. In seltenen F√§llen geht sie sogar komplett verloren. Dabei wird zwischen Fusionen und verbundenen, rechtlich selbstst√§ndigen Unternehmen unterschieden. Eine Fusion ist die Verschmelzung mehrerer Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Einheit. Sie wird entweder durch √úbertragung des Unternehmensverm√∂gens mit vorheriger Liquidation oder durch √úbertragung des Unternehmensverm√∂gens im Rahmen der Gesamtrechtsnachfolge (gilt nur f√ľr Kapitalgesellschaften) vollzogen.[18]

Demgegen√ľber sind verbundene Unternehmen durch kapitalm√§√üige Verflechtung oder vertragliche Vereinbarung miteinander verbunden. Dabei kann es sich um eine Minderheitsbeteiligung (bei Beteiligungsquoten bis zu 25 Prozent), eine Sperrminorit√§t (bei Beteiligungsquoten bis zu 50 Prozent), eine Mehrheitsbeteiligung (bei Beteiligungsquoten bis zu 75 Prozent), eine Dreiviertelmehrheitsbeteiligung (bei Beteiligungsquoten bis zu 95 Prozent) oder eine Eingliederungsbeteiligung (bei Beteiligungsquoten im Bereich zwischen 95 und 100 Prozent) handeln.[18]

Unternehmens√ľbertragung und -√ľberlassung

√úbertragungen von Unternehmen f√ľhren dazu, dass die Inhaberschaft am Unternehmen wechselt. Zu √úbertragungen kann es insbesondere bei Unternehmenskauf und Erbfall kommen. Daneben kommen etwa √úbertragungen aufgrund Schenkung bei sog. vorweggenommener Erbfolge in Betracht. Bei √úberlassungen von Unternehmen wechselt (nur) die Person des Betreibers des Unternehmens, der Inhaber des Unternehmens bleibt in der Regel derselbe; Anwendungsf√§lle sind insbesondere die Unternehmenspacht und der Unternehmensnie√übrauch.

Zusammenarbeit von Unternehmen

Als vor√ľbergehende Formen der Zusammenarbeit von Unternehmen existieren beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft.

√Ėkonomische Interpretation

Die Frage, warum sich Individuen und Gruppen von Individuen zu Unternehmen zusammenschlie√üen und dadurch Transaktionen au√üerhalb des Marktes durchf√ľhren, ist eine der Grundfragen der Industrie√∂konomik.

Neben Effizienzgr√ľnden (technologische Gr√ľnde, Unternehmen als langfristige Beziehung, Unternehmen als Institution zum optimalen Umgang mit unvollst√§ndigen Vertr√§gen) kann die Existenz von Unternehmen auch mit Rentenabsch√∂pfung erkl√§rt werden.

Sonstige Unternehmensbegriffe

Betriebswirtschaftslehre

Neben dem traditionellen Unternehmensbegriff Erich Gutenbergs existieren weitere Unternehmensbegriffe. Erich Kosiol definierte 1972 einen Unternehmensbegriff, der gegen√ľber Gutenberg sehr viel weiter gefasst ist. F√ľr Kosiol z√§hlt die Fremdbedarfsdeckung √ľber den Markt, die wirtschaftliche Selbstst√§ndigkeit im Sinne finanzieller Eigenst√§ndigkeit und unternehmerischer Entscheidungsfreiheit sowie die √úbernahme eines Marktrisikos zu den konstitutiven Merkmalen. Damit gelten f√ľr Kosiol selbst solche Betriebe als Unternehmen, die nicht in Privateigentum stehen und die nicht dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip folgen.[19]

Im weiteren Sinne k√∂nnen Betriebe auch dann als Unternehmen gelten, wenn sie nicht nach Gewinnmaximierung streben. Derartige Unternehmen werden als Non-Profit-Unternehmen bezeichnet. Man unterscheidet wirtschaftliche Non-Profit-Unternehmen, soziokulturelle Non-Profit-Unternehmen, politische Non-Profit-Unternehmen und karitative Non-Profit-Unternehmen. Da die Abkehr vom erwerbswirtschaftlichen Prinzip nicht mit den meisten traditionellen Unternehmensbegriffen vereinbar ist, spricht man in diesem Kontext h√§ufig von Organisationen statt Unternehmen (‚ÄěNon-Profit-Organisationen‚Äú).[7]

Unternehmensbegriff im Recht

Der Gesetzgeber hat in Deutschland mehrere M√∂glichkeiten genutzt, im Wege einer Legaldefinition den Unternehmensbegriff zu bestimmen. In ¬ß 15 AktG hat er noch davon abgesehen, weil es ihm zu kompliziert erschien und mit gro√üen praktischen Schwierigkeiten verbunden war[20]. Im Juni 2000 wurden die Begriffe Verbraucher und Unternehmer ins BGB eingef√ľgt. Seither versteht ¬ß 14 Abs. 1 BGB unter dem Unternehmer eine nat√ľrliche oder juristische Person oder eine rechtsf√§hige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgesch√§fts in Aus√ľbung ihrer gewerblichen oder selbst√§ndigen beruflichen T√§tigkeit handelt. Aus Sicht des BGB kommt es mithin darauf an, dass die gewerbliche oder selbst√§ndige T√§tigkeit bei Rechtsgesch√§ften im Vordergrund steht. Bei seiner Definition hat sich hierbei der Gesetzgeber vom Unternehmerbegriff des ¬ß 2 Abs. 1 Umsatzsteuergesetz leiten lassen, wonach Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche T√§tigkeit selbst√§ndig aus√ľbt. Nach dieser Bestimmung umfasst das Unternehmen die gesamte gewerbliche oder berufliche T√§tigkeit des Unternehmers. Gewerblich oder beruflich ist umsatzsteuerrechtlich jede nachhaltige T√§tigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt. Dadurch werden auch √∂ffentlich-rechtliche Unternehmen wie Anstalten des √∂ffentlichen Rechts erfasst, die keine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen. Damit steht die rechtliche Einordnung der Non-Profit-Unternehmen im Einklang mit der betriebswirtschaftlichen Sichtweise.

Siehe auch

 Portal:Unternehmen ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Unternehmen

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Unternehmen ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Statistisches Bundesamt - Daten zum Thema "Unternehmen, Gewerbeanzeigen, Insolvenzen": [2], ‚ÄĘ Beitr√§ge zum Thema "Unternehmen, Gewerbeanzeigen, Insolvenzen" aus der Monatszeitschrift "Wirtschaft und Statistik" des Statistischen Bundesamtes: [3]

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Wolfgang Domschke, Armin Scholl: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre: Eine Einf√ľhrung aus entscheidungsorientierter Sicht, Springer, 4. Auflage, ISBN 3-540-85077-5, Seite 5
  2. ‚ÜĎ Vgl. BAG, Urteil vom 7. August 1986 ‚Äď 6 ABR 57/85, BAGE 52, 325, 329.
  3. ‚ÜĎ Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 28.
  4. ‚ÜĎ G. W√∂he, U. D√∂ring: Einf√ľhrung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Aufl., M√ľnchen 2010, S. 45 f.
  5. ‚ÜĎ K. Olfert, H.J. Rahn: Einf√ľhrung in die Betriebswirtschaftslehre, 10. Aufl., Herne 2010, S. 93 ff.
  6. ‚ÜĎ Sch√§fer-Kunz, Jan; Vahs, Dietmar (2007): Einf√ľhrung in die Betriebswirtschaftslehre, Sch√§ffer-Poeschel, Stuttgart, Seite 7.
  7. ‚ÜĎ a b Sch√§fer-Kunz, Jan; Vahs, Dietmar (2007): Einf√ľhrung in die Betriebswirtschaftslehre, Sch√§ffer-Poeschel, Stuttgart, Seite 8.
  8. ‚ÜĎ Sch√§fer-Kunz, Jan; Vahs, Dietmar (2007): Einf√ľhrung in die Betriebswirtschaftslehre, Sch√§ffer-Poeschel, Stuttgart, Seite 9.
  9. ‚ÜĎ Fortune Global 500
  10. ‚ÜĎ Financial Times Global 500
  11. ‚ÜĎ Forbes Global 2000
  12. ‚ÜĎ [1] Zu den Hauptgutachten der Monopolkommission
  13. ‚ÜĎ a b Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 42.
  14. ‚ÜĎ Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 62.
  15. ‚ÜĎ Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 45.
  16. ‚ÜĎ Dirk Holtbr√ľgge, Hartmut H. Holzm√ľller, Florian von Wangenheim (2009): Management internationaler Dienstleistungen mit 3K: Konfiguration - Koordination - Kundenintegration, Gabler Verlag, ISBN 3-8349-1778-8.
  17. ‚ÜĎ Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 48.
  18. ‚ÜĎ a b c Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 49.
  19. ‚ÜĎ Schierenbeck, Henner (2003): Grundz√ľge der Betriebswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, M√ľnchen, Seite 24.
  20. ‚ÜĎ Regierungsentwurf zu ¬ß 15 AktG bei Bruno Kropff, Aktiengesetz 1965, S. 27
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