Baskenland

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Baskenland
Lage des Baskenlandes
Arrano Beltza, Flagge in Erinnerung an Sancho III.
Baskisches Sprachgebiet am Golf von Biskaya,
hell - geringer Anteil an Baskisch-Sprechern,
dunkelblau - hoher Anteil an Baskisch-Sprechern
Aufteilung des Baskenlandes:
  • ÔĽŅAutonome Region Baskenland
  • ÔĽŅAutonome Region Navarra
  • ÔĽŅFranz√∂sisches Baskenland
Das Département Pyrénées-Atlantiques mit dem französischen Baskenland und der Provinz Béarn
Verteilung der Sprecher des Baskischen im spanischen Baskenland und Navarra 2001
Autonome Gemeinschaft Navarra (Spanien): Gemeinden der baskischsprachigen, gemischten und spanischsprachigen Zonen
Bauernhof im französischen Baskenland
Bauernhöfe im baskisch geprägten Norden Spanisch-Navarras

Das Baskenland (bask. Euskal Herria oder Euskadi, span. Pa√≠s Vasco, franz√∂s. Pays Basque) ist eine Landschaft an der Atlantikk√ľste in der Grenzregion der Staaten Spanien und Frankreich. Es umfasst in Spanien die drei Provinzen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland sowie die Provinz Navarra und in Frankreich das n√∂rdliche Baskenland im Westen des D√©partements Pyr√©n√©es-Atlantiques. Die Ausdehnung des Baskenlandes ist politisch und gesellschaftlich umstritten und steht im Spannungsfeld von baskischem, spanischem und franz√∂sischem Nationalismus. Besondere Kontroversen gibt es um die Zugeh√∂rigkeit Navarras zum Baskenland, da im S√ľden dieser Provinz ebenso wie im S√ľden der Provinz Alava der Anteil der Baskisch-Sprecher an der Gesamtbev√∂lkerung deutlich geringer ist (siehe Karte ‚Äěbaskisches Sprachgebiet‚Äú).

Das Baskenland ist benannt nach dem Volk der Basken, Eigenbezeichnung Euskaldunak, die mittlerweile auch wieder zu einem beträchtlichen Teil Sprecher der im spanischen Baskenland seit etwa 1980 wieder geförderten baskischen Sprache (baskisch Euskara oder Euskera) sind.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das Baskenland wird auf der Seeseite durch das kantabrische Meer (Golf von Biskaya) begrenzt, im S√ľden durch den Ebro. In seinen Anteilen am Ebro-Tiefland ist der baskische Bev√∂lkerungsanteil allerdings sehr gering.

Landschaftlich besteht das Baskenland im Wesentlichen aus dem √úbergang der Pyren√§en (bask. Pirinioak) in das Kantabrische Gebirge (bask. Kantauriar mendilerroa). S√ľdlich der Pyren√§en f√§llt das Land nur langsam zum Ebrobecken ab. Auf der Nordseite liegt das Talniveau dagegen bis ins Gebirge hinein nur bei 100 m √ľber NN. Der h√∂chste Gipfel des Baskenlandes ist die Tafel der drei K√∂nige (bask. Hiru Erregeen Mahaia) mit 2,444 m √ľ. NN am Dreil√§ndereck (2,421 m √ľ. NN) von Navarra (E), Arag√≥n (E) und B√©arn (F). Es folgen der 2.007 m hohe Orhi an der Grenze Navarras mit dem franz√∂sischen Baskenland (somit h√∂chster Berg innerhalb des Baskenlandes) und der 1.551 m hohe Aitxuri in Gipuzkoa. In den T√§lern der Provinzen Bizkaia und Gipuzkoa dr√§ngen sich zahlreiche St√§dte, au√üerhalb der verwinkelten Altst√§dte industriell gepr√§gt.

Im Westen und S√ľdwesten grenzt das Baskenland an die spanischen autonomen Gemeinschaften Kantabrien und Kastilien-Le√≥n, im S√ľden an die spanische autonome Gemeinschaft La Rioja, im S√ľdosten an die spanische autonome Gemeinschaft Aragonien, im Norden an das franz√∂sische D√©partement Landes und im Nordosten an die historische Provinz B√©arn, mit der zusammen der franz√∂sische Teil des Baskenlandes heute das D√©partement Pyr√©n√©es-Atlantiques bildet.

Das Klima ist auf der Nordseite der inneriberischen Gebirge zu jeder Jahreszeit mild und deutlich vom nahen Atlantik geprägt. Das Ebrobecken ist eher kontinental geprägt, vergleichsweise niederschlagsarm und im Sommer heiß.

Politische Gliederung

Politisch besteht das Baskenland heute aus drei verschiedenen Gebieten:

  1. Die spanische Autonome Gemeinschaft Baskenland (bask. Euskadi) umfasst die drei Provinzen Gipuzkoa (spanisch Guip√ļzcoa), Biskaya (baskisch Bizkaia, spanisch Vizcaya) und √Ālava (baskisch Araba). Hauptstadt der autonomen Region ist Vitoria-Gasteiz. Weitere bedeutende St√§dte sind Bilbao und Donostia-San Sebasti√°n, Hauptst√§dte der Provinzen Bizkaia, bzw. Gipuzkoa.
  2. Die spanische autonome Region Navarra (bask. Nafarroa) gehört nicht zur Autonomen Gemeinschaft Baskenland; in ihrem nördlichen Teil ist Baskisch verbreitete Umgangs- und zugelassene Amtssprache.
  3. Zum französischen Teil des Baskenlandes (bask. Iparralde) gehören die drei historischen herrialdes (Gebiete) Lapurdi (frz. Labourd), Zuberoa (frz. Soule) und Behenafarroa oder Nafarroa Behera (frz. Basse-Navarre).

Im heutigen baskischen Sprachgebrauch wird die Gesamtheit der historischen Gebiete des Baskenlandes, die heute zu Spanien und Frankreich geh√∂ren, als Euskal Herria bezeichnet, w√§hrend die Bezeichnung Euskadi vor allem f√ľr die Autonome Region Baskenland verwendet wird. Die s√ľdlichen (spanischen) Gebiete des Baskenlandes werden baskisch auch Hegoalde, die n√∂rdlichen (franz√∂sischen) Teile Iparralde genannt.

Bevölkerung

Soweit sich feststellen l√§sst, bewohnten Sprecher der ‚Äď isolierten ‚Äď baskischen Sprache oder deren Vorl√§ufer schon das heutige Baskenland, als die indogermanischen Sprachen sich √ľber Europa ausbreiteten und dabei verzweigten.

Von den 2,7 Mio. Einwohnern des Baskenlandes sprechen nur 700.000 bis 800.000 die baskische Sprache. Allein im kleinen franz√∂sischen Teil sind es etwa 82.000 von 246.000 Einwohnern, in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland 27 Prozent der 2.123.000 Einwohner, auch wenn die Talsohle inzwischen durchschritten ist. In der Autonomen Gemeinschaft Navarra sind es etwa 12 Prozent der 600.000 Einwohner. Die Zahl der Personen, die sich √ľberwiegend als Basken definieren, ist ein wenig h√∂her.

W√§hrend die Basken sprachlich isoliert sind, legen genetische Untersuchungen nahe, dass die Vorfahren der heutigen europ√§ischen Sprecher indogermanischer Sprachen zu drei Vierteln die Genvarianten trugen, die bei heutigen Basken √ľblich sind [1]. Ein Beispiel ist die Blutgruppenvariante Rhesus-negativ (D-), bei den Basken dominierend, unter den √ľbrigen Europ√§ern h√§ufig, bei Nichteurop√§ern extrem selten. Den biochemischen Befunden entspricht die ph√§notypische Unauff√§lligkeit der Basken unter den √ľbrigen Europ√§ern.

Pelota-Spieler, Navarra

Baskische Kultur

Zur sportlichen Tradition der Basken geh√∂rt neben archaischen Kraftwettbewerben wie Baumstammwerfen und M√ľhlsteinstemmen besonders das Ballspiel Pelota. In nahezu jedem Dorf gibt es einen Pelotaplatz (Front√≥n) mit der charakteristischen, sehr hohen Prallwand aus Stein. In den K√ľstengebieten tief verwurzelt ist auch der Rudersport, an vielen Orten werden folkloristisch gepr√§gte Ruderregatten veranstaltet. Baskische Fischer sind heute auf allen Weltmeeren unterwegs und fangen insbesondere jungen Thunfisch. Echter Bonito (Bonito del Norte genannt) z√§hlt zu den bevorzugten Fangtieren.

Baskische Literatur

Siehe: Liste baskischer Schriftsteller

Geschichte

Vorgeschichte

Das √§lteste im Baskenland gefundene menschliche Skelett stammt aus der Zeit um 7000 v. Chr. Um 3500 v. Chr. begann dort das Neolithikum und um 2000 v. Chr. mit der fr√ľhen Bronzezeit das Zeitalter der Metalle. Um 900 v. Chr. wanderten die Kelten in das Land ein und lie√üen sich im mediterranen Baskenland nieder.

Zeit des Römischen Reiches

Ab 178 v. Chr. begann die Romanisierung des Baskenlandes, die jedoch im atlantischen Raum nur teilweise vollzogen wurde. 75/74 v. Chr. wurde die Stadt Pompaelo (heute Pamplona) von Pompeius gegr√ľndet. Im 2. Jahrhundert erfolgte in Aquitanien die Gr√ľndung der r√∂mischen Provinz Novempopulania. W√§hrend des 3.‚Äď5. Jahrhundert kam es zu einer Krise in den r√∂misch-baskischen Beziehungen und Aufst√§nden der Landbev√∂lkerung (bagaudae). In den Randgebieten des Baskenlandes wurden r√∂mische befestigte St√§dte angelegt. Im 4./5. Jahrhundert begann die Christianisierung des Baskenlandes, die erst im Sp√§tmittelalter abgeschlossen war.

Fr√ľhes Mittelalter

W√§hrend der V√∂lkerwanderung zogen seit 409 Sweben, Alanen und Westgoten durch das Baskenland; Ende des 5. Jahrhunderts stabilisierten sich die Herrschaftsgebiete der neuen Nachbarv√∂lker, der Westgoten im S√ľden und der Franken im Norden, zweier Nationen, die nach der Herrschaft √ľber das Baskenland strebten. Die Westgoten versuchten diese seit dem 6. Jahrhundert zu erringen, u. a. durch die Gr√ľndung von Victoriaco (581; heute Vitoria-Gasteiz) und die Anlage der Festung Olite (621). Die Bem√ľhungen der Franken resultierten in der Gr√ľndung der Grafschaft Vasconia (sp√§ter Gascogne) zu Beginn des 7. Jahrhunderts innerhalb Aquitaniens bzw. des Frankenreiches. Anfang des 8. Jahrhunderts drangen auch die Mauren in die Randgebiete des s√ľdlichen Baskenlandes vor. Die Basken lie√üen sich diese Politik der Aufteilung ihres Gebietes nicht so ohne weiteres gefallen, so √ľberfielen sie 778 in der Schlacht von Roncesvalles ein vom Markgrafen Roland gef√ľhrtes fr√§nkisches Heer.

Königreich von Pamplona

Von 816 bis 851 herrschte I√Īigo Arista √ľber das christliche Pamplona, vom 9. bis 11. Jahrhundert bildeten sich innerhalb des navarrischen Einflussbereichs die Grafschaften Bizkaia, √Ālava und Gipuzkoa und der Vizegrafschaften Labourd und Soule heraus. 905 begr√ľndete K√∂nig Sancho I. Garc√©s aus diesen die erbliche Monarchie von Pamplona, die auch als K√∂nigreich Navarra bekannt wurde. Zwischen 1000 und 1035 erreichte das K√∂nigreich Pamplona unter K√∂nig Sancho dem Gro√üen (Sancho el Mayor), dem ‚ÄěK√∂nig aller Basken‚Äú, den H√∂hepunkt seiner Macht, bevor es nach dem Tod des K√∂nigs unter seinen S√∂hnen geteilt wurde. 1076 l√∂ste sich das K√∂nigreich auf; Gipuzkoa, √Ālava und Bizkaia fielen an Kastilien, das Kerngebiet Navarras an Aragonien.

Hoch- und Spätmittelalter

Ab 1090 begann man, am Jakobsweg, dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela, St√§dte zu gr√ľnden. Unter den ersten St√§dten im Baskenland waren Sang√ľesa und Estella. Nach dem Tod des kinderlosen aragonesischen K√∂nigs Alfons I. im Jahre 1134 wurde das K√∂nigreich Navarra erneut unabh√§ngig, auch Gipuzkoa, Alava und Bizkaia gerieten wieder unter navarrischen Einfluss. Im 12. Jahrhundert begannen in Navarra und Alava weitere Stadtgr√ľndungen aus wirtschaftlichen und milit√§rischen Gr√ľnden, u. a. Vitoria-Gasteiz im Jahr 1181. Im Jahre 1152 geriet Aquitanien unter englische Herrschaft, da die englischen K√∂nige durch Heiratsverbindung zu Herz√∂gen von Aquitanien wurden. In der Folge erhielt Bayonne 1174 die Stadtrechte. Im Zeitraum von 1179 bis 1200 fielen Bizkaia, Alava und Gipuzkoa dagegen endg√ľltig an Kastilien. 1181 gr√ľndete der K√∂nig von Navarra die Stadt San Sebasti√°n, um den Seehandel im K√∂nigreich zu verst√§rken. Indessen erzielten die Engl√§nder weitere Erfolge: 1193 wurde Labourd direkt der englischen Verwaltung unterstellt, 1253 wurde der Herrschaftsbereich auf Soule ausgedehnt. Auch Navarra dehnte sich weiter aus, denn zwischen 1194 und 1249 wurden die Territorien Niedernavarras in das K√∂nigreich integriert. 1234 dann geriet Navarra mit K√∂nig Theobald I. unter franz√∂sischen Einfluss.

Im 13. und 14. Jahrhundert erfolgten an der baskischen K√ľste und an den wichtigsten Handelsstra√üen in Bizkaia und Gipuzkoa weitere Stadtgr√ľndungen, beispielsweise wurde im Jahr 1300 Bilbao gegr√ľndet. 1285 fiel Navarra unter Philipp IV. dem Sch√∂nen, K√∂nig von Frankreich und Navarra, an ersteres. Dieser Zustand wurde bereits 1328 nach dem Tode Karls des IV. wieder aufgehoben, doch Navarra blieb unter dem Einfluss des franz√∂sischen Adels. Zwischen 1362 und 1379 verloren die K√∂nige von Navarra dann s√§mtliche franz√∂sischen Besitzungen.

Im 14. und 15. Jahrhundert trat im Baskenland eine schwere Wirtschafts- und Sozialkrise auf, auch wurde der H√∂hepunkt der Bandenkriege zwischen den Ahaide Nagusiak und den Parientes Mayores erreicht. Infolgedessen wurden die Hermandades (Polizeitruppen zur Bek√§mpfung der Banden) eingerichtet und zahlreiche weitere St√§dte zum Schutz vor den Banden gegr√ľndet. Nach dem Sieg der Hermandades wurden die feudalen und vorfeudalen Eliten im atlantischen Baskenland entmachtet. Doch bald rutschte das Land wieder in eine weitere Krise, n√§mlich den B√ľrgerkrieg um die Thronfolge des K√∂nigreichs Navarra von 1447 bis 1452. Indessen verlor England 1449 und 1451 Labourd bzw. Soule an Frankreich.

Fr√ľhe Neuzeit

Arrasate (Mondragon), Eingang zur Altstadt

1512 fiel Navarra einmal mehr an Kastilien, nachdem Ferdinand der Katholische das K√∂nigreich besetzt und an seinen Staat angeschlossen hatte. Im Jahre 1530 zogen sich die kastilischen Truppen bereits wieder aus Niedernavarra zur√ľck, die navarrischen Monarchie wurde in Niedernavarra fortgesetzt und 1620 definitiv mit der franz√∂sischen Krone vereinigt.

Im 15. und 16. Jahrhundert erholte sich das ganze Baskenland wirtschaftlich, da die eisenschaffende Industrie einen Aufschwung erlebte. Im 16. Jahrhundert wurde Bizkaia so zum wichtigsten Eisenlieferanten Westeuropas. Auch entwickelte sich die Hochseefischerei sehr gut, baskische Fischer begannen im Nordatlantik zu fischen. Ein weiterer Faktor war die Zunahme des Seehandels und des Schiffbaus. 1511 wurde das Konsulat und Handelshaus von Bilbao gegr√ľndet.

Im 17. Jahrhundert traten jedoch wirtschaftliche und soziale Ver√§nderungen ein: Die europ√§ischen Nachfrage nach baskischem Eisen ging zur√ľck. Gleichzeitig trat im atlantischen Baskenland die Maisrevolution auf und wurden die Fischfanggr√ľnde im Nordatlantik verloren. Daf√ľr wurde Bilbao zum wichtigsten Hafen f√ľr die kastilische Wollausfuhr, au√üerdem erlebte Bayonne Ende des 17. Jahrhunderts seine Bl√ľtezeit in Handel und Schiffbau.

Im 17. und 18. Jahrhundert begannen die Zentralregierungen Frankreichs und Spaniens, die baskischen Freiheiten einzuschr√§nken; infolgedessen traten zahlreiche Matxinada genannte Volksaufst√§nde auf. Um 1700 begann der Aufstieg des Handelsb√ľrgertums von San Sebasti√°n, Bilbao und Bayonne, besonders dank der Kontrolle des internationalen Handels. Dies f√ľhrte im Jahre 1728 zur Gr√ľndung der K√∂niglichen Handelsgesellschaft Gipuzkoa-Caracas (Real Compa√Ī√≠a Guipuzcoana de Caracas), deren Bl√ľtezeit sich bis 1740 erstreckte. Im 18. Jahrhundert begann ein neuerlicher Wirtschaftsaufschwung: Bayonne, Saint-Jean-de Luz, Pasaia (Gipuzkoa) und Zorroza (bei Bilbao) erlebten eine weitere Bl√ľtezeit im Schiffbau, ein weiterer Aufschwung des Handels und der eisenschaffenden Industrie setzte ein. Andererseits findet sich in dieser Zeit der H√∂hepunkt der Maisrevolution. 1765 wurde die K√∂nigliche Gesellschaft der Freunde des Baskenlandes (Real Sociedad Bascongada de Amigos del Pa√≠s) gegr√ľndet, die nach 1785 allerdings in die Bedeutungslosigkeit zur√ľckfiel. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Baskenland wieder von einer schweren strukturellen Krise in Landwirtschaft, Handel und Industrie ersch√ľttert.

1789 ‚Äď Beginn des 20. Jahrhunderts

Arrasate (Mondragón), vom Berg

Nachdem 1789 in Frankreich die Franz√∂sische Revolution erfolgreich gewesen war, wurden im n√∂rdlichen Baskenland die traditionellen Institutionen und Sonderrechte abgeschafft. 1790 wurde daf√ľr das D√©partements der Unteren Pyren√§en (Basses-Pyr√©n√©es, seit 1969 Pyr√©n√©es Atlantiques) gebildet, zu dem das n√∂rdliche Baskenland und die Region des B√©arn geh√∂ren. Von 1793 bis 1795 fand dann der Krieg zwischen dem revolution√§ren Frankreich und der spanischen Monarchie statt, Teile des s√ľdlichen Baskenlandes wurden zeitweilig durch franz√∂sische Truppen besetzt. Zwischen 1808 und 1813 wehrte sich Spanien im Volkskrieg gegen Napoleon (Spanischer Unabh√§ngigkeitskrieg; Francesada), wobei auch rege Guerilla-Aktivit√§t im Baskenland stattfand. W√§hrend den liberalen Drei konstitutionellen Jahren (Trienio Constitucional) von 1820 bis 1823 wurden die baskischen Fueros allm√§hlich abgeschafft, in Folge dessen entstanden Guerilla-Bewegungen. Im April 1823 erfolgte die Invasion eines franz√∂sischen Heeres und die Restauration des Absolutismus und der Fueros. Im darauf folgenden Jahrzehnt, der sogenannten Omin√∂sen Dekade (Ominosa D√©cada) wurden die Fueros dennoch h√§ufig verletzt. Daran schloss sich der erste Karlistenkrieg von 1833 bis 1839 an, w√§hrend dem die Karlisten das Baskenland mit Ausnahme der St√§dte beherrschten. Auch der Frieden wurde im Baskenland geschlossen, dies durch den Kompromiss des Abkommens von Bergara (Convenio de Bergara). 1836 erlie√ü der spanische Wirtschaftsminister Mendiz√°bal ein Desamortisierungsgesetz (Abschaffung von Kommunal- und klerikalem Land), das im Baskenland erst nach Kriegsende wirksam wurde. 1841 wurde Navarra durch das Ley Paccionada endg√ľltig in den spanischen Staat integriert, woraufhin auch die Fueros endg√ľltig aufgegeben wurden, dies im Gegenzug gegen weitgehende fiskale Autonomie.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Bizkaia und Gipuzkoa die Industrialisierung, die Folge waren Fortschritte im Bergbau und in der metallurgischen Industrie; auch wurden erste Hoch√∂fen und Papierfabriken errichtet sowie die Banco de Bilbao gegr√ľndet (1875). In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch der Tourismus in Bayonne, San Sebasti√°n und anderen K√ľstenorten ein. 1855 wurde ein weiteres spanisches Gesetz zur Desamortisation von Gemeinschaftsland erlassen. 1855 bis 1864 wurden die ersten Bahnlinien angelegt und damit die baskischen Territorien infrastrukturell in die Wirtschaften Spaniens und Frankreichs integriert. Auch im zweiten Karlistenkrieg zwischen 1872 und 1876 wurde das Baskenland mit Ausnahme der St√§dte von den Karlisten beherrscht. Nachdem diese Partei unterlegen war, wurden die Fueros in Alava, Bizkaia und Gipuzkoa abgeschafft; daf√ľr wurde 1878 in diesen Gebieten durch die Wirtschaftlichen √úbereinkommen (Conciertos Econ√≥micos) die fiskale Autonomie eingerichtet.

Bilbao: Mercado de la Ribera

Von 1878 bis 1910 diente der Eisenerzabbau in Bizkaia als Motor der Industrialisierung im atlantischen Baskenland, so wurden bedeutende metallurgische Unternehmen (Forges de l‚ÄôAdour 1881, Altos Hornos de Vizcaya 1902), Werften (Euskalduna 1900) und Banken (Banco de Vizcaya 1901) gegr√ľndet, au√üerdem erfolgte eine Bev√∂lkerungsexplosion in den K√ľstengebieten. Ab 1879 entstand die Arbeiterbewegung in Bizkaia durch die Gr√ľndung der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) (1879) und der sozialistischen Gewerkschaft UGT (1888). Kontr√§r entstand ab 1893 die Bewegung des baskischen Nationalismus durch Sabino Arana Goiri, so wurden die Baskischen Nationalistische Partei (EAJ-PNV) (1895) und die nationalistische Arbeitergewerkschaft ELA-SOV (1911; sp√§ter ELA-STV) gegr√ľndet. Von Bilbao ausgehend, breitete sich die Ideologie des baskischen Nationalismus allm√§hlich in der ganzen Region aus. Auch wirtschaftlich kamen neue M√∂glichkeiten auf, dies durch die Erschlie√üung von Stromquellen durch Wasserkraft im Jahre 1901, die Anlage der bedeutsamsten Stauanlagen Europas im Baskenland und in Kastilien durch baskische Unternehmen.

20. Jahrhundert

Das fr√ľhe 20. Jahrhundert im Baskenland war gepr√§gt durch das gro√ür√§umigere Erwachen des baskischen Nationalbewusstseins, so wurde 1917 die Gesellschaft f√ľr Baskische Studien (Eusko Ikaskuntza) und 1918 die K√∂nigliche Akademie der Baskischen Sprache (Euskaltzaindia) gegr√ľndet. Doch auch Geschehnisse von internationalen Ausma√üen hatten ihre Wirkung auf die Region; so lie√üen im Ersten Weltkrieg 6.000 Soldaten aus dem n√∂rdlichen Baskenland ihr Leben. Die Weltwirtschaftskrise l√∂ste in der ersten H√§lfte der Drei√üigerjahre eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise im Baskenland aus.

Am 14. April 1931 wurde im baskischen Ort Eibar die demokratische Zweite Spanische Republik ausgerufen. Doch am 17. Juli 1936 fand ein Milit√§raufstand statt und der Spanische B√ľrgerkrieg begann. Pamplona war durch den Carlismus eines der wichtigsten Zentren der republikfeindlichen Verschw√∂rung. Die Rebellen konnten in Navarra und √Ālava innerhalb weniger Tage die Macht an sich rei√üen; im September fiel auch Gipuzkoa. Lediglich Bizkaia blieb auf Seiten der Republik. Am 1. Oktober 1936 wurde vom spanischen Parlament das baskische Autonomiestatut angenommen; Jos√© Antonio Aguirre wurde Lehendakari, d. h. Pr√§sident der Regierung von Euskadi, das Alava, Bizkaia und Gipuzkoa umfassen sollte. Am 26. April 1937 erfolgte im Zuge des B√ľrgerkrieges die Bombardierung der baskischen Symbolstadt Gernika durch die Flugzeuge der deutschen Legion Condor als Hilfstruppen des aufst√§ndischen spanischen Milit√§rs. Mitte Juni 1937 gelang den antirepublikanischen Rebellen die Eroberung Bizkaias, die baskischen Truppen ergaben sich durch den mit den Franquisten ausgehandelten Pakt von Santo√Īa kampflos und erhielten daraufhin eine bessere Behandlung als andere Gefangene. Jedoch wurden Bizkaia und Guipuzkoa zu "Verr√§terprovinzen" erkl√§rt und ihnen ihre fiskalen Sonderrechte der Conciertos Econ√≥micos entzogen. Damit war der Spanische B√ľrgerkrieg im Baskenland beendet (im √ľbrigen Spanien am 1. April 1939), die franquistische Diktatur wurde eingerichtet.

Dorf im nördlichen Navarra, Spanien

Im Zweiten Weltkrieg wurde die franz√∂sische Atlantikk√ľste von Juni 1940 bis zum August 1944 durch die deutsche Wehrmacht besetzt, was Labourd und das westliche Niedernavarra einschloss.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte von 1959 bis 1973 ein Wirtschaftsaufschwung in Spanien, der in den vier Provinzen des s√ľdlichen Baskenlandes durch starken Industrialisierungsschub gekennzeichnet wurde. Aufgrund hoher Einwanderung ereignete sich in Bizkaia, Gipuzkoa, Vitoria und Pamplona eine Bev√∂lkerungsexplosion; vielerorts gerieten die Basken in die Minderheit. 1959 entstand dann die radikal-nationalistische Gruppe ETA (Euskadi ta Askatasuna = Das Baskenland und dessen Freiheit) mit dem Ziel der Befreiung, der Losl√∂sung und Unabh√§ngigkeit des Baskenlandes von Spanien durch den bewaffneten Kampf. Seit 1961 ver√ľbte die ETA Sabotageakte, 1968 wurde das erste Todesopfer gefordert. In diese Zeit f√§llt auch der Beginn der Teilnahme verschiedener kleiner baskisch-nationalistischer Parteien an den Wahlen im n√∂rdlichen Baskenland (ab 1963). Nach dem Prozess von Burgos gegen 15 ETA-Mitglieder im Dezember 1970 erstarkte die Bewegung weiter, da die als Schauprozess der Diktatur geplante Gerichtsverhandlung der ETA stattdessen weltweit Sympathien einbrachte. Drei Jahre sp√§ter, am 20. Dezember 1973 erfolgte das bis dahin spektakul√§rste Attentat der ETA, bei dem der spanische Ministerpr√§sident Luis Carrero Blanco durch die ETA ermordet wurde. Ab 1973 trat auch die linksnationalistische Gruppe Iparretarrak durch Brand- und Bombenanschl√§ge im n√∂rdlichen Baskenland auf den Plan.

Am 20. November 1975 endete durch den Tod des spanischen Diktators Francisco Franco die nationalistische Diktatur.

Im gleichen Jahr wurde der Kampf gegen die ETA begonnen, bei dem vom spanischen Staat unterst√ľtzte Gruppen gegen die ETA k√§mpften. Dieser Kampf forderte Dutzende von Todesopfern, seinen H√∂hepunkt erreichte er 1983‚Äď1987 durch die GAL (Grupos armados de Liberaci√≥n). Die meisten Anschl√§ge traten im n√∂rdlichen Baskenland auf. 1976 wurde die Taktischen Alternative KAS konstituiert, der verschiedene legale und illegale linksnationalistische Organisationen beitraten, u. a. die ETA und die Gewerkschaft LAB. Ende 1978 wurde innerhalb der KAS Gr√ľndung die Wahlplattform Herri Batasuna gegr√ľndet, die seitdem an Wahlen teilnimmt.

Politische Wandmalerei

Mittlerweile waren 1976 bis 1977 alle der beinahe 600 inhaftierten ETA-Mitglieder amnestiert worden. Gleichzeitig wurden die 1937 entzogenen Conciertos Económicos in Bizkaia und Gipuzkoa wiederhergestellt.

Dennoch f√ľhrte die ETA 1978 bis 1980 eine weitere Serie von gewaltt√§tigen Anschl√§gen durch, der Kampagne fielen 253 Personen zum Opfer.

Am 6. Dezember 1978 wurde im Baskenland √ľber den spanischen Verfassungsentwurf abgestimmt. In Alava, Bizkaia und Gipuzkoa wurde der Entwurf deutlich abgelehnt, in Navarra gab es eine knappe Mehrheit f√ľr die Vorlage. Im folgenden Jahr, am 25. Oktober 1979, gab es eine Volksabstimmung √ľber das baskische Autonomiestatut in Alava, Bizkaia und Gipuzkoa, die die spanische autonome Region Euskadi bilden. Das Estatuto de Guernica (Baskisches Autonomiestatut), welches in elfmonatigen, z√§hen Verhandlungen durch den Consejo General Vasco (Baskischer Generalrat, Vorl√§ufer der baskischen Landesregierung, Vorsitz: Ram√≥n Rubial sp√§ter Carlos Garaikoetxea) der Zentralregierung abgerungen wurde und die von Franco abgeschaffte vollst√§ndige Finanzautonomie wieder einf√ľhrte, wurde mit einer Mehrheit von 90 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent von der baskischen Bev√∂lkerung bef√ľrwortet[2]. Ab 1980 gab es alle vier Jahre Wahlen zum Parlament von Euskadi, wobei die EAJ-PNV st√§ndig st√§rkste Partei ohne absolute Mehrheit ist. 1982 wurde auch die spanische autonome Region Navarra eingerichtet, die Wahlen zum Parlament von Navarra zeigen jedoch noch immer ein deutliches √úbergewicht der nichtbaskischen Parteien.

Ende 1986 wurden erste Kontakte zwischen der spanischen Regierung und der ETA gekn√ľpft, dies mit dem Ziel, den baskischen Konflikt auf dem Verhandlungsweg beizulegen. Im Januar 1988 wurde der Antiterrorismus-Pakt von Ajuria Enea von allen im baskischen Parlament vertretenen Parteien des s√ľdlichen Baskenlandes mit Ausnahme von Herri Batasuna unterzeichnet.

Aktuelle politische Lage in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland

Bahnhof Atxuri in Bilbo (Bilbao)

Nach einem mit Unterst√ľtzung von PP und PSOE neu erlassenen Parteiengesetz wurde die linke Unabh√§ngigkeitspartei Batasuna 2003 gerichtlich verboten. Nach einer Suspendierung folgte im September 2008 die traditionsreiche linksnationalistische Partei EAE-ANV, die unter der Diktatur Francos 1939 schon einmal verboten worden war, und die junge kommunistische Partei PCTV-EHAK. Ihnen wird vorgeworfen, die ETA unterst√ľtzt zu haben. Das Batasuna-Verbot wurde zwar vom Europ√§ischen Gerichtshof f√ľr Menschenrechte gepr√ľft, am 30. Juni 2009 jedoch einstimmig f√ľr menschenrechtskonform erkl√§rt.[3]

Nach dem Verbot von Batasuna, Herri Batasuna und Euskal Herritarrok (die nachträglich auch verboten worden sind) wurde auch die Teilnahme von ANV und EHAK, durch die Suspendierung von Januar bzw. Februar 2008, an den spanischen Parlamentswahlen vom 9. März 2008 unterbunden. Verboten wurde ohne Parteiverbotsverfahren auch die Partei Askatasuna (Freiheit), obwohl die sogar 2001 in Konkurrenz zu Batasuna kandidiert hatte und auf ihr keinerlei ehemalige Kandidaten der zuvor verbotenen Parteien zu finden waren.

Nach heftiger internationaler Kritik an dem Parteiengesetz und angesichts des bevorstehenden Richterspruchs des Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg, kassierte das spanische Verfassungsgericht im Mai erstmals das Verbot einer neuen Wählerliste. Das Verbot hatte zuvor auf Antrag der Regierung der Oberste Gerichtshof ausgesprochen, weil angeblich auch hinter der neuen Liste die Partei Batasuna stehen soll[4]. Die "Iniciativa Internacionalista - La Solidaridad entre los pueblos" (II-SP) kann nun doch zu den Europaparlamentswahlen antreten.

Kurz zuvor hatte sich auch der UN Sonderbeauftragte f√ľr Menschenrechte dar√ľber "beunruhigt" gezeigt, "welche Vielfalt an Bestimmungen‚Äú des Parteigesetzes in Spanien Verbote erm√∂glichten. "Schwammige Formulierungen", so Martin Scheinin "k√∂nnen so interpretiert werden, dass sie auch auf jede politische Partei zutreffen, die mit friedlichen Mitteln √§hnliche politische Ziele verfolgt, wie terroristische Gruppen‚Äú. Die Institution, die Spanien auch wegen Folter r√ľgt, kritisiert, Strafrechtsbestimmungen zu Terrorismus seien zum Teil vage.[5]

Es existiert nun neben der spanischen Partei II-SP, zu deren Wahl die verbotene Partei Batasuna aufruft, noch mit Aralar eine Abspaltung von Batasuna. Nun haben die etwa 200.000 Wähler der linken Unabhängigkeitsbewegung eine Wahlmöglichkeit, auch wenn sich auf der Liste kein Baske befindet[6]. Aralar wird vom Großteil der baskischen Linken als spalterisch abgelehnt.

Am 24. M√§rz 2006 verk√ľndet die ETA eine einseitige Waffenruhe zur Aufnahme von Friedensgespr√§chen mit der spanischen Regierung. Mit einem am 30. Dezember 2006 ver√ľbten Sprengstoffanschlag auf den Flughafen Barajas in Madrid hatte die ETA die Waffenruhe allerdings noch im gleichen Jahr gebrochen, dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Die Regierung setzte daraufhin die Friedensverhandlungen mit der baskischen Untergrundorganisation bis auf Weiteres aus. Ihrerseits hob die ETA den ‚ÄěWaffenstillstand‚Äú mit Wirkung ab 6. Juni 2007 auf. Seit dem kam es wieder zu einer Vielzahl von Anschl√§gen.

Am 28. September 2007 k√ľndigte Juan Jos√© Ibarretxe, Ministerpr√§sident der spanischen Autonomen Gemeinschaft Baskenland, an, im Oktober 2008 eine Volksbefragung √ľber die politische Zukunft der Region abzuhalten. Er begr√ľndete sein Vorgehen mit den Worten: "Die Gewalt kann uns nicht davon abhalten, politische Initiativen zur L√∂sung des politischen Konflikts beizusteuern"[7] Damit griff Ibarretxe seinen Unabh√§ngigkeitsplan von 2001 wieder auf, der 2004 vom baskischen Parlament angenommen und dann im Jahr 2005 vom spanischen Parlament mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde. Auch der neue Volksbefragungsplan stie√ü erwartungsgem√§√ü auf starke Ablehnung bei den wichtigsten spanienweit organisierten Parteien PSOE und Partido Popular (PP) und deren baskischen Ablegern PSE-EE (PSOE) und PP Pais Vasco.[7][8]

Am 4. Oktober 2007 wurden bei einem polizeilichen Gro√üeinsatz, 22 Politiker aus der F√ľhrungsspitze der f√ľr illegal erkl√§rten Partei Batasuna verhaftet.[9] Diese vom spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garz√≥n geleitete Aktion kann als Reaktion auf die gescheiterten Friedensverhandlungen mit ETA und den neuen Volksbefragungsplan von Ibarretxe gewertet werden.[10] Zudem wollte die regierende PSOE vor den Wahlen (2008) und gegen√ľber der Kritik der oppositionellen PP H√§rte demonstrieren.[11]

Am 29. Dezember 2007 demonstrierten anl√§sslich eines Freundschaftsspiels Euskal Herria - Catalunya im Stadion des Erstligisten Athletic Bilbao mehrere Tausend Basken und Katalanen f√ľr die offizielle Zulassung der baskischen und katalanischen Fu√üballnationalmannschaften, auch Forderungen nach Unabh√§ngigkeit dieser Regionen wurden vielfach artikuliert. Offizielle Vertreter der Regierungen von Galicien, Katalonien und Baskenland unterzeichneten eine Erkl√§rung (Declaraci√≥n de San Mam√©s), in der sie sich f√ľr die offizielle Zulassung eigener nationaler Sportauswahlen aussprechen.[12] Die Forderung wird von der Madrider Regierung abgelehnt.

Am 7. M√§rz 2008, zwei Tage vor den spanischen Parlamentswahlen, wurde der Kommunalpolitiker der regierenden Sozialisten Isaias Carrasco in seinem baskischen Heimatort von einem ETA-Attent√§ter erschossen. Auch nach den Wahlen setzt ETA die aktuelle Anschlagsserie fort. Am 27. Mai beschloss das baskische Parlament eine unverbindliche Volksbefragung f√ľr den 25. Oktober, in der sich die Bev√∂lkerung √ľber eine m√∂gliche Vorgehensweise zur Konfliktl√∂sung √§u√üern soll.[13] Auf die Normenkontrollklage der Zentralregierung erkl√§rte das Verfassungsgericht am 11. September 2008 das baskische Gesetz √ľber das Referendum f√ľr verfassungswidrig und nichtig.[14]

Erstmals wurden bei den Wahlen zum Parlament der Autonomen Gemeinschaft Baskenland (CAV) am 1. M√§rz 2009 die baskischen Nationalisten abgel√∂st. Nun regiert eine Koalition aus spanischen Sozialisten (PSOE) und der konservativen Volkspartei (PP) Partido Popular die Region. Mit knapp 31 % der g√ľltig gewerteten Stimmen blieb die PSOE aber deutlich hinter der Baskisch-Nationalistischen Partei (PNV) zur√ľck, die 39 % der g√ľltig gez√§hlten Stimmen erreichte. Mit den 14 % der PP kommt die Koalition auf 45 % der g√ľltig gewerteten Stimmen. Die Wahlen brachten folgendes offizielles Ergebnis[15]:

Partei Prozent Sitze 2009 Sitze 2005
PNV 38,56 30 22
PSE-EE 30,71 25 18
PP 14,09 13 15
PCTV-EHAK - - 9
EA 3,68 1 7
EB-IU 3,51 1 3
Aralar 6,05 4 1
UPyD 2,14 1 -

Damit erreichten die spanienweit organisierten Parteien PP, PSE-EE zusammen, erstmals seit Einf√ľhrung der Demokratie, eine Sitzmehrheit im Parlament der Autonomen Gemeinschaft Baskenland.

Dem Aufruf, gegen den Wahlausschluss der Linksseparatisten mit der Abgabe von ung√ľltigen Stimmen f√ľr die verbotenen Listen zu protestieren, kamen etwa 101.000 W√§hler nach, was 8,84 % der Stimmen entsprach. Die Wahlbeteiligung lag etwa 3,2 % unter der von 2005.[16]

Das Wahlb√ľndnis aus PSOE und PP w√§hlte am 5. Mai 2009 den Sozialisten Patxi L√≥pez zum Lehendakari (Pr√§sidenten des Baskischen Parlaments), womit die drei Jahrzehnte dauernde Regierungszeit der Nationalisten beendet wurde.

Siehe auch

 Portal:Basken ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Basken

Literatur

  • Michael Kasper: Baskische Geschichte in Grundz√ľgen. Wiss. Buchges., Darmstadt 1997, ISBN 3-89678-039-5
  • Hermann Dallhammer: Geschichte(n) aus dem Baskenland ‚Äď rings um Anglet, Ansbachs Partnerstadt ‚Äď Ansbach. Selbstverl., 2001
  • Andr√© Lecours: Basque nationalism and the Spanish state. (The Basque series). Reno: University of Nevada Press, 2007
  • Manex Goyhenetche; Histoire g√©n√©rale du Pays basque. 5 vols. Donostia: Elkarlanean, 1998-2005
  • Mark Kurlansky: The Basque history of the world. Penguin Books (Reprint der bei Walker, New York, erschienenen Ausgabe 1999). 2001.
  • Eguzki Urteaga: Les m√©dias en Pays basque ‚Äď histoire d‚Äôune mutation. Mare et Martin, Paris 2005
  • Cameron Watson: Modern Basque history. Eighteenth century to the present. Basque textbooks series, 2. Reno: Center for Basque studies, University of Nevada, 2003
  • Roger Collins: The Basques. 2nd ed. (The peoples of Europe). Oxford: Blackwell, 1990
  • Marianne Heiberg: The making of the Basque nation. Cambridge studies in social anthropology, 66. Cambridge: Cambridge University Press, 1989
  • Jean-Louis Davant: Histoire du peuple basque ‚Äď le peuple basque dans l‚Äôhistoire. Elkar, Baiona 1986
  • Jos√© Antonio Vaca de Osma: Los vascos en la historia de Espa√Īa. 2a ed. Madrid: Rialp, 1986
  • Jean-Baptiste Orpustan: 1789 et les Basques ‚Äď histoire, langue et litt√©rature. Presses univ. de Bordeaux, Bordeaux 1991, ISBN 2-86781-115-5
  • Ingo Niebel: Das Baskenland. Geschichte und Gegenwart eines politischen Konflikts. Promedia, Wien 2009, ISBN 978-3-85371-294-8.[17]

Dokumentarfilm

  • Julio M√©dem: "La Pelota vasca. La piel contra la piedra", 2004. Sprachen: Spanisch, Baskisch, Franz√∂sisch, Englisch. Untertitel: Englisch. 107 Min.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Baskenland ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Die sprachliche Fr√ľhgeschichte oder: Was war eigentlich vor ‚Äěden Indogermanen‚Äú? In: Wolfgang Schindler: Einf√ľhrung in die Sprachgeschichte. (PDF-Datei; 295 kB)
  2. ‚ÜĎ Deutschlandfunk, Julia Macher, 17. Februar 2008: Autonomie f√ľr das Baskenland Vor 30 Jahren begannen im spanischen Vitoria die Verhandlungen
  3. ‚ÜĎ Herri Batasuna et Batasuna c. Espagne, Presseerkl√§rung Europ√§ischer Gerichtshof f√ľr Menschenrechte vom 30. Juni 2009 (.doc, franz√∂sisch)
  4. ‚ÜĎ heise.de
  5. ‚ÜĎ Promotion and Protection of All Human Rights, Civil, Political, Economic, Social and Cultural Rights, Including the Right to Development (PDF). ohchr.org. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  6. ‚ÜĎ Instrument der baskischen ETA?. In: Neues Deutschland, 3. Juni 2009. Abgerufen am 20. Juni 2011. 
  7. ‚ÜĎ a b Frankfurter Rundschau: Ein Referendum - trotz ETA-Terror vom 29. September 2007.
  8. ‚ÜĎ S√ľddeutsche Zeitung: Basken-Referendum untersagt vom 16. Oktober 2007.
  9. ‚ÜĎ die tageszeitung: F√ľhrung der Batasuna-Partei verhaftet vom 6. Oktober 2007.
  10. ‚ÜĎ Tagesschau: Batasuna-F√ľhrungsmitglieder bleiben in Haft (nicht mehr online verf√ľgbar) vom 8. Oktober 2007.
  11. ‚ÜĎ Telepolis: Festnahme der gesamten Batasuna-F√ľhrung vom 5. Oktober 2007.
  12. ‚ÜĎ El Pais: Miles de personas piden en Bilbao la oficialidad de las selecciones deportivas vascas y catalanas (3. Dezember 2007)
  13. ‚ÜĎ Basken-Parlament f√ľr Abstimmung √ľber Unabh√§ngigkeit auf welt.de, 28. Juni 2008 (abgerufen am 1. Juli 2008)
  14. ‚ÜĎ Urteil 103/2008 des Verfassungsgerichts (englisch)
  15. ‚ÜĎ Gobierno Vasco: Elecciones Parlamento Europeo 2009. Auf: euskadi.net.
  16. ‚ÜĎ Archiv der Wahlergebnisse der Autonomen Gemeinschaft Baskenland (spanisch)
  17. ‚ÜĎ Vgl. Michel Espagne: Rezension zu: Niebel, Ingo: Das Baskenland. Geschichte und Gegenwart eines politischen Konflikts. Wien 2009. In: H-Soz-u-Kult, 19. Februar 2010.

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