Urak Lawoi

Die Urak Lawoi (Thai: อูรักลาโว้ย) sind ein indigenes Volk in Thailand, das auf den Inseln Phuket (เกาะภูเก็ต), Phi Phi (หมู่เกาะพีพี), Lanta (เกาะลันตา), Muk (เกาะมุก), Bulon (เกาะบุโหลน), Lipe (เกาะหลีเป๊ะ) und Adang (เกาะอาดัง) des Tarutao-Nationalpark in der Andamanensee lebt. Die etwa 5.000 Mitglieder sprechen ihre eigene Sprache Malawui, die mit der indo-malaysischen Sprachgruppe verwandt und inzwischen von der thailändischen Sprache beeinflusst ist. Ethnisch gehören sie zur austronesischen Volksgruppe.

Inhaltsverzeichnis

Name

Sie nennen sich selber Urak Lawoi (Menschen vom Meer). In Thailand werden sie oft als Chao Leh (ชาวเล - wörtl. „Meeresbewohner“, deutsch meist verächtlich: „Seezigeuner“, eine Sammelbezeichnungen für verschiedenen Ethnien) bezeichnet, was aber nicht zutreffend ist, da sie sich selber nicht als Zigeuner sehen. Sie unterscheiden sich sprachlich und kulturell von den Moken, Moklen und den ethnischen Thais.

Geschichte

Ihre Geschichte ist erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt. Der damalige Regierungschef Satuns, Praya Poomnardpakdee, forderte den indonesischen Händler und Magier To Kiri auf Urak Lawoi in das Adang-Archipel zu bringen, um der britischen Kolonialregierung zu beweisen, dass die Inselgruppe von thailändischen Staatsbürgern besiedelt ist, denn 1909 wurde die Staatsgrenze zwischen Thailand und Malaysia ausgehandelt (Urak Lawoi of the Adang Archipelago, by Dr. Supin Wongbusarakum S.10).

Die heute auf der Insel Lipe lebenden Urak Lawoi sind hauptsächlich aus den Familien entstanden, die To Kiri von Lanta und Phuket ins Adang-Archipel folgten. Es ist möglich, dass die Urak Lawoi einzelne Inseln zwischen Langkawi und Phuket schon vor über 500 Jahren besiedelten.

Religion

Die traditionelle Religion ist der Animismus. Die Urak Lawoi respektieren sowohl Naturgeister als auch die Seelen Verstorbener. Schamanismus wird als Alltagsmedizin praktiziert. Die Urak Lawoi auf der Insel Bulon sind zum Islam konvertiert. Der thailändische Buddhismus ist unter den Urak Lawoi weit verbreitet; inzwischen gibt es auch eine christliche Bewegung. Der Buddhismus und der Islam vertragen sich gut mit dem Animismus, so dass diese Religionen angenommen werden konnten, ohne traditionelle Praktiken aufgeben zu müssen. Die missionarische Tätigkeit der baptistischen Christen dagegen verlangt die Aufgabe von Schamanismus und animistischen Riten. Die Einstellung der Urak Lawoi gegenüber Religion ist von Toleranz geprägt. Es kommt öfters vor, dass in einer Familie die einzelnen Mitglieder Anhänger unterschiedlicher Religionen sind.

Lebensweise

Traditionell lebten die Urak Lawoi am Strand. Sie ernten Muscheln und Schalentiere von Felsen und aus dem Riff. Sie fischen und stellen Fallen für Wildschweine. Die Urak Lawoi des Adang-Archipels besitzen ein umfassendes Wissen über im Dschungel wild wachsendes Gemüse, Kräuter und Wurzeln. Sie leben je nach Jahreszeit in Häusern oder vorübergehenden Unterkünften (Baghad). Sie benutzen Longtailboote, die meistens dem Fischhändler gehören. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie hauptsächlich aus dem Fischfang, wobei aber die Beschäftigung in der Tourismus-Industrie ständig zunimmt. Die meisten Urak Lawoi Männer sind „luk nong“ eines Fischhändlers (taukey), der normalerweise nicht aus ihrer Gemeinschaft stammt. Dieses (in ganz Asien verbreitete) Arbeitsverhältnis ist von einer starken Abhängigkeit der „luk nong“ von ihrem „taukey“ geprägt, vergleichbar mit der Leibeigenschaft im europäischen Mittelalter.

Da alle Urak-Lawoi-Siedlungen sich auf Inseln befinden, die inzwischen stark besuchte Touristenzentren sind, geht ihre Kultur unter. Ihr traditioneller Lebensbereich wird durch Urbanisierung zerstört. Bestrebungen aus ihrer Gemeinschaft zur Erhaltung ihres Lebensraumes werden von lokalen Mächten im Keim erstickt. Auf Phuket sind die Urak Lawoi inzwischen in Slums gedrängt worden.

Kulturelle Besonderheit

Zweimal im Jahr, zum Wechsel der Monsunwinde, feiern die Urak Lawoi ein dreitägiges Fest, genannt Pra Chack. Es beginnt mit einer Opferzeremonie zugunsten der Seelen Verstorbener, vor allem To Kiris und seiner Frau, die auf der Insel Lipe begraben sind. Am zweiten Tag wird ein Modellboot gebaut, das am morgen des dritten Tages ins Meer gebracht wird. Danach werden sieben Holzkreuze und Wassereimer anstelle des Bootes aufgestellt.

Spirituelle Zeremonien werden mit „ramana“-Musik begleitet. Das sind sieben verschiedene Lieder in ihrer eigenen Sprache. Um „ramana“ zelebrieren zu können, müssen mindestens sieben alte Männer anwesend sein, wobei der Schamane die Rolle des Vorsängers übernimmt. Zu dem Gesang wird getrommelt. Die Frauen tanzen im Kreis jeweils um das verehrte Objekt, also die Gräber to Kiris und seiner Frau, das Modellboot, die Holzkreuze oder bei anderen „ramana“-Zeremonien um die trommelnden und singenden Männer.

Außer der „ramana“-Musik kennen die Urak Lawoi noch die „rong ngeng“-Musik, die eher gesellschaftlichen Anlässen diente. Der Schamane spielt bei dieser Musik keine Rolle, wichtig ist stattdessen der Geigenspieler. Die Damen stellen sich in zwei Reihen auf und tanzen aufeinander zu, wobei die Performance der Hände sehr wichtig ist. Hilfsmittel der Tänzerinnen ist ein Stofftaschentuch.

Aufgrund ihres isolierten Lebensstils auf Inseln besitzen die Urak Lawoi noch die Kenntnisse, sich aus der Natur selbst zu versorgen. Sogar giftige Fischarten wie Kugelfisch und Feuerfisch werden zubereitet und verzehrt, wenn sie in Fischfallen (Bubu) geraten. Ihre Gemeinschaft ist geprägt vom umfangreichen Wissen über den Lebensraum Meer einschließlich Navigation ohne technische Hilfsmittel.

Sprache

Deutsch Malaysisch Malawui
Hast du schon gegessen? Anda sudah makan? Gau makad nasi da ted?
Es gibt kein Wasser Tidak ada air Bo hoy ayee
Fisch Ikan Ikad
Tintenfisch Sotong Nuih
Fischen Memancing Memancing
Wohin gehst du? Pergi mana? Pi diha?
Macht nichts! Tidak apa-apa! Hoy nama!, Hoy pasan!

Bezeichnung als Indigenes Volk

Die Urak Lawoi können als indigenes Volk bezeichnet werden, da sie die Voraussetzungen der Definition nach Irene Daes entsprechen:

  1. Die Urak Lawoi bevölkerten und nutzten die Inseln der südlichen Andamanensee vor den ethnischen Thais, die traditionell kein seefahrendes Volk sind.
  2. Die Kultur der Urak Lawoi unterscheidet sich in Sprache, Riten, Musik und Essgewohnheiten von den ethnischen Thais und ethnischen Malaien. Die Bewahrung ihrer Kultur erfolgte auf freiwilliger Basis.
  3. Sie definieren sich selbst als „Menschen vom Meer“ und sehen sich als Gemeinschaft, die sich von den Moken, ethnischen Thais und ethnischen Malaien unterscheidet.
  4. Ihre Erfahrung von Unterdrückung bezieht sich auf Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, Verweigerung ihres Rechtes auf Selbstbestimmung hinsichtlich ihres Wohnortes, Verweigerung der Anerkennung ihrer Landrechte und Diskriminierung.

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