Uterus myomatosus

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Uterus myomatosus
Klassifikation nach ICD-10
D25.- Leiomyom des Uterus

inkl.: Fibromyom des Uterus
Gutartige Neubildungen des Uterus mit Morphologieschl√ľsselnummer M889 und Malignit√§tsgrad /0

D25.0 Submuköses Leiomyom des Uterus
D25.1 Intramurales Leiomyom des Uterus
D25.2 Subseröses Leiomyom des Uterus
D25.9 Leiomyom des Uterus, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Myome der Gebärmutter (Uterus myomatosus) sind die häufigsten gutartigen Tumoren der Frau; so weisen ca. 25 Prozent der Frauen nach dem 30. Lebensjahr Uterusmyome (englisch Fibroids) auf, etwa 25 Prozent von ihnen haben Beschwerden. Myome können einzeln vorkommen (solitäre Myome), oft aber sind sie in größerer Zahl in der Gebärmutter verteilt, die man dann als Uterus myomatosus bezeichnet. Von ihrer Form her sind Myome meist rund, histologisch meist Leiomyome.

Inhaltsverzeichnis

Mögliche Beschwerden

Abhängig von der Größe und Lage des/der Myome im Uterus sind zwar die meisten Frauen mit einem Myom beschwerdefrei, in Einzelfällen kann es aber zu massiv verstärkten und/oder verlängerten Regelblutungen (bei intramuralen Myomen wegen Kontraktionsschwäche des Uterus bzw. bei submukösen Myomen wegen gestörter Schleimhautregeneration) kommen, möglicherweise bis hin zum Auftreten einer sekundären Anämie.

mehrknolliger Uterus myomatosus

Weitere wichtige Beschwerden sind:

  • Schmerzen, Druckgef√ľhl, Fremdk√∂rpergef√ľhl im Unterleib vor allem bei gro√üen Tumoren bzw. subser√∂sen Myomen
  • Obstipation (durch Druck auf den Darm)
  • Beschwerden beim Wasserlassen (durch Druck auf die Blase; m√∂gliche Folgen: Dysurie, Pollakisurie, Inkontinenz)
  • Beschwerden beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Auch Kreuzschmerzen und (Nerven-)Schmerzen in den Beinen (durch den Druck des Tumors auf die pr√§sakral austretenden Nerven) sind m√∂glich.

Myome und Schwangerschaft

Es k√∂nnen in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft isoliert starke Schmerzen im Bereich des Myoms auftreten, was das Risiko eines Analgetikaabusus (s. a. Drogenmissbrauch) durch die Schwangere nach sich zieht. Myome k√∂nnen Ursache f√ľr Sterilit√§t sein oder bei entsprechender Lage ein Geburtshindernis darstellen. Fehlgeburten und Fr√ľhgeburten sind h√§ufig.
Meistens wird nach Information der Patientin ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) durchgef√ľhrt.

Einteilung

großes subseröses Leiomyom der Uterus

Man unterscheidet nach der Lage des Myoms bezogen auf die unterschiedlichen Schichten des Uterus mehrere unterschiedliche Typen:

  1. submuköse Myome: direkt unter der Gebärmutterschleimhaut, bzw. im Myometrium mit Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut; submuköse Myome verursachen oftmals verstärkte Regelblutungen
  2. intramurale Myome: in der Muskelschicht (Myometrium) der Geb√§rmutter gelegen; oftmals gr√∂√üer als submuk√∂se Myome komprimieren sie die Blase und f√ľhren neben Beschwerden beim Wasserlassen (Dysurie) oft auch zu schmerzhaften Regelblutungen
  3. subseröse Myome: dem Uterus außen aufliegend (unter dem Bauchfell der Gebärmutter); subseröse Myome werden dort oftmals sehr groß und können lange beschwerdefrei bleiben. Aufgrund ihrer Größe und des daraus resultierenden Druckes auf Blase und Darm kann es zu häufigem Urindrang oder Druckschmerzen im Bereich des Unterbauches kommen
  4. intraligament√§r wachsende Myome: seltenere Myome, in den bds. seitlich der Geb√§rmutter gelegenen Bindegewebsschichten (z. B. Aufh√§ngungsb√§nder) lokalisiert; dort k√∂nnen sie die Harnleiter komprimieren und dann ggf. durch den resultierenden Harnaufstau zu einer Nierenerkrankung f√ľhren
großes submucöses Myom in der Gebärmutterhöhle

Entstehung

Myome entstehen und wachsen unter dem Einfluss von √Ėstrogenen, daher nur im geb√§rf√§higen Alter (in der Zeit zwischen erster und letzter Menstruation der Frau): Junge M√§dchen k√∂nnen keine Myome haben, nach der Menopause entstehen keine neuen Myome mehr und bereits bestehende Myome k√∂nnen dann schrumpfen und eventuell verkalken. Myome verschwinden in den Wechseljahren nicht, sind dann aber durch die fehlende Blutungssymptomatik (Ausnahme Patientinnen mit Hormonersatz-Therapie) selten therapiebed√ľrftig. Das Auftreten von Myomen kann erblich bedingt sein (famili√§re Risikogruppen), h√§ufig finden sich Chromosomenaberrationen. Das f√ľr die Fumarase codierende FH-Gen kann betroffen sein. Bei afrikanischen Frauen treten Myome mit vielfach h√∂herer Wahrscheinlichkeit auf,[1] rund doppelt so h√§ufig wie bei kaukasischen.[2] Auch in Westindien und den franz√∂sischen √úberseedepartementen treten sie geh√§uft auf,[3] manche Quellen sprechen von einem bis zu neunmal h√∂heren Risiko bei afrikanischen, afrokaribischen und afroamerikanischen Frauen.[4]

Therapie

Hysteroskopische Sicht auf ein submucöses Myom der Gebärmutterhinterwand vor der Resektion

Myome der Geb√§rmutter sind benigne Tumore, die an sich keinerlei Therapie erfordern m√ľssen. Nur weniger als 0,5 Prozent aller Myome werden zu b√∂sartigen Tumoren (Sarkome). Durch ihre Lage (unterschiedliche Typen) und Gr√∂√üe (sehr klein, aber auch 15 cm oder gr√∂√üer) k√∂nnen sie aber Beschwerden verursachen, was dann eine Therapie notwendig machen kann.

  • Konservative Therapie: Myome, die keine Beschwerden machen, bed√ľrfen meist keiner Therapie und k√∂nnen mittels Ultraschall beobachtet werden. Die konservative, medikament√∂se Therapie wird meist zuerst angewandt. Als Medikamentengruppen kommen zum Einsatz entz√ľndungshemmende, nicht steroidale Medikamente wie Ibuprofen oder Naproxen; Ovulationshemmer; hormonelle Therapie durch GnRH-Analoga, welche in der Regel √ľber sechs Monate durchgef√ľhrt ein der Postmenopause entsprechendes endokrines Milieu erzeugt. Durch diese Therapeutika gelingt h√§ufig eine Gr√∂√üenreduktion der Myome. Nach Absetzen der Therapie kann es jedoch zu einem Wiedereinsetzen des Wachstums auf die Originalgr√∂√üe kommen. Die m√∂glichen Nebenwirkung der GnRH-Analoga entsprechen dem Zustand nach der Menopause wie Osteoporose, Trockenheit der Scheide und Hitzewallungen.
Myomenentfernung per Bauchspiegelung
Befund nach Myomenentfernung per Bauchspiegelung
  • Operative Therapie: Myome mit Beschwerden werden meist chirurgisch behandelt. Es werden geb√§rmuttererhaltende und ablative Verfahren unterschieden. Bei den geb√§rmuttererhaltenden Verfahren werden die Myome aus der Geb√§rmutter gesch√§lt. Dies kann per Bauchschnitt, aber zunehmend auch mittels Bauchspiegelung oder Hysteroskopie (Geb√§rmutterspiegelung) erfolgen. Als ablatives Verfahren gilt die Hysterektomie (Geb√§rmutterentfernung). Diese kann vaginal, per Bauchschnitt (abdominal) oder per Laparoskopie (Bauchspiegelung) durchgef√ľhrt werden. Bei der Wahl der richtigen Therapieoption spielt neben dem Alter der Patientin, ihrem Therapiewunsch (z. B. noch Kinderwunsch?) nat√ľrlich die Gr√∂√üe und Lage des/der Myome die zentrale Rolle.
  • Myomembolisation: Bei der Uterusmyomembolisation handelt es sich um eine radiologische, minimal-invasive Behandlung der Myome. Dazu wird √ľber einen Hautschnitt in der rechten Leiste ein Katheter unter R√∂ntgenkontrolle in die den Uterus versorgende Arterie vorgeschoben. Wenn der Katheter sicher im zuf√ľhrenden Gef√§√üsystem des Myoms platziert ist, wird √ľber diesen das zuf√ľhrende Gef√§√üsystem mittels des Einspritzens von kleinen Gelatine- oder Plastik-Partikeln embolisiert. Die kleinen Partikel (500-900 Mikrometer) flie√üen in die Endarterien des Myoms und verbleiben darin (und verschlie√üen damit alle im Uterus befindlichen Myome in einem Eingriff). √úber ein paar Minuten werden so die zuf√ľhrenden Gef√§√üe langsam blockiert. Diese Prozedur muss auch im Gef√§√üsystem der Gegenseite in gleicher Weise durchgef√ľhrt werden. Zur Bet√§ubung der Schmerzen w√§hrend und nach dem Eingriff bedarf es meist einer PCA-Pumpe (Patienten-kontrollierte Analgesie), wo √ľber eine Perfusorspritze von der Patientin selbstst√§ndig Schmerzmittelboli abgerufen werden k√∂nnen. Die meisten Patientinnen beschreiben den Eingriff als gut vertr√§glich. Mit der Uterusmyomembolisation k√∂nnen je nach Myomtyp und pr√§interventioneller Symptome 78-94 Prozent der so behandelten Frauen symptomfrei werden. Bez√ľglich Patientinnen mit Kinderwunsch liegt folgender Konsensus des 2. und 3. Radiologisch-Gyn√§kologischen Expertentreffens vor: ‚ÄěDie UAE ist keine Methode im Rahmen der Kinderwunschbehandlung. Bevor bei einer Patientin mit nicht abgeschlossener Familienplanung eine Hysterektomie in Erw√§gung gezogen wird, sollte die M√∂glichkeit einer UAE gepr√ľft werden. F√ľr Patientinnen mit Kinderwunsch ist die Rolle der UAE als Behandlungsoption nicht gekl√§rt. Es existieren bisher keine prospektiv erhobenen Daten, deren Ergebnisse mit der erforderlichen Evidenz eine Aussage √ľber den Einfluss der UAE auf Fertilit√§tsrate und Schwangerschaftsausgang zulassen.‚Äú[5][6] Allerdings ist eine Hysterektomie bei Patientinnen mit Kinderwunsch aus gyn√§kologischer Sicht grunds√§tzlich nicht angezeigt.[7]
  • Fokussierter Ultraschall: eine Methode, die seit etwa 2002 zur Verf√ľgung steht, ist die gezielte Ultraschallerw√§rmung unter MRT-Kontrolle.[8][9] Sie ist in Deutschland bislang an drei Zentren verf√ľgbar.

Literatur

  • Helmberger TK, Jakobs TF and Reiser MF (2003) Technique and methods in uterine leiomyoma embolization. Radiologe 43(8): 634-640.
  • Kr√∂ncke TJ and Hamm B (2003) Role of magnetic resonance imaging (MRI) in establishing the indication for, planning, and following up uterine artery embolization (UAE) for treating symptomatic leiomyomas of the uterus. Radiologe 43(8): 624-633.
  • Radeleff B, Rimbach S, Kauffmann GW, et al. (2003) Risk and complication rate of uterine fibroid embolization (UFE). Radiologe 43(8): 641-650.
  • Richter GM, Radeleff B, Rimbach S, et al. (2004) Uterine fibroid embolization with spheric micro-particles using flow guiding: safety, technical success and clinical results. R√∂fo 176(11): 1648-1657.
  • Pelage J (2001) Treatment of uterine fibroids. Lancet 12(357(9267)): 1530.
  • Ravina JH, Aymard A, Ciraru-Vigneron N, et al. (2003) Uterine fibroids embolization: results about 454 cases. Gynecol Obstet Fertil 31(7-8): 597-605.
  • Spies JB, Bruno J, Czeyda-Pommersheim F, et al. (2005) Long-term outcome of uterine artery embolization of leiomyomata. Obstet Gynecol 106(5): 933-939.
  • Rein, D.T., T. Schmidt, M. Fleisch, R. Wagner, W. Janni: Multimodale Behandlung des Uterus myomatosus. Frauenarzt 50 (2009), 752-758, online (PDF-Dokument; 520 kB)
  • Taran A., Gaffke G., R√ľsch M., Heuer H., Hosang B., Ricke J., Costa, S.-D.: Die moderne multimodale Therapie des Uterus myomatosus: Wann ist eine Hysterektomie indiziert? √Ąrzteblatt Sachsen-Anhalt 19 (2008), 38-45 online (PDF-Dokument; 375 kB)

Weblinks

Quellen

  1. ‚ÜĎ Minimalinvasive Therapie von Myomen der Geb√§rmutter (Uterusmyomembolisation) Universit√§tsklinikum T√ľbingen, eingesehen am 17. Dezember 2008
  2. ‚ÜĎ Chronische Schmerzen in der Gyn√§kologie ‚Äď Pelvipathien Zeitschrift f√ľr angewandte Schmerztherapie, 3/2002
  3. ‚ÜĎ J. P. Pelage: Alles, was Sie √ľber die Embolisation von Geb√§rmuttermyomen wissen sollten European Congress of Radiology, 2008
  4. ‚ÜĎ Was sind Myome? St. Elisabeth-Krankenhauses Tilburg, eingesehen am 17. Dezember 2008
  5. ‚ÜĎ Kr√∂ncke TJ, David M: Ergebnisse des 2. Radiologisch-gyn√§kologischen Expertentreffens - Uterusarterienembolisation (UAE) zur Myombehandlung. (Konsensuspapier), Fortschr R√∂ntgenstr 2007; 179: 325-326, doi:10.1055/s-2007-972191
  6. ‚ÜĎ Thomas Kr√∂ncke, Matthias David: Uterusarterienembolisation zur Myombehandlung. Frauenarzt 51 (2010), 644-6, online (PDF-Dokument, 213 kB)
  7. ‚ÜĎ Thomas R√∂mer, Hans-Rudolf Tinneberg: Kommentar zu: Thomas Kr√∂ncke, Matthias David: Uterusarterienembolisation zur Myombehandlung. Frauenarzt 51 (2010), 647-8, online (PDF-Dokument, 213 kB)
  8. ‚ÜĎ Myome zerst√∂ren mit fokussiertem Ultraschall unter Kernspin-Kontrolle
  9. ‚ÜĎ Magnetresonanzgef√ľhrte (MR) Therapie von Uterusmyomen mit fokussiertem Ultraschall - eine nichtinvasive Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualit√§t.
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