Viehzucht

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Viehzucht
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Unter Zucht versteht man die kontrollierte Fortpflanzung mit einem Ziel. Meistens zur genetischen Umformung oder Verst√§rkung gewollter beziehungsweise Unterdr√ľckung ungewollter Eigenschaften. Um die Ziele zu erreichen, werden aus einer Population Individuen mit gew√ľnschten Eigenschaften ausgew√§hlt (Selektion) und gezielt gekreuzt bzw. angepaart. Weiterhin werden auf k√ľnstlichem Weg Mutationen ausgel√∂st oder Organismen gentechnisch modifiziert. Neue Pflanzensorten oder (nichtmenschliche) Tierrassen werden als Neuz√ľchtungen bezeichnet, diese unterliegen gesetzlichen Bestimmungen. Im Gegensatz zur Ethik ist die Zucht von einer rechtlichen Position bei Nichtmenschen unumstritten.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Wort entspricht dem mittelhochdeutschen z√ľhter (althochdeutsch zuhtari) und bedeutet urspr√ľnglich ‚ÄöLehrer‚Äė, oder ‚ÄöErzieher‚Äė. Diese Bedeutung ist teilweise noch im heutigen Wort z√ľchtig (anst√§ndig) enthalten.

Die Bezeichnung Viehzucht ist nur zutreffend, wenn mit der Zuchtwahl unter Verfolgung von Zuchtzielen die Fortpflanzung beeinflusst wird. In den fr√ľhen Agrargesellschaften war dies jedoch nicht der Fall, weswegen in der Vor- und Fr√ľhgeschichte von Viehhaltung gesprochen wird. Fast alle Gesellschaften kennen die Domestizierung von nichtmenschlichen Tieren und die kontrollierte Vermehrung.

Geschichte

Mit der Sesshaftwerdung wurde sowohl bei Pflanzen als auch nichtmenschlichen Tieren ausgew√§hlt, welche Individuen sich fortpflanzen sollten. Mit dieser Auslesez√ľchtung begann die Z√ľchtung. Bei der Auslesez√ľchtung wird das Individuum ausgew√§hlt bei dem die gew√ľnschten Merkmale am st√§rksten ausgepr√§gt sind und f√ľr weitere Z√ľchtung genutzt. Die Forschungsergebnisse von Gregor Mendel mit Erbsen haben die Z√ľchtung revolutioniert; nicht die Vermischung von ‚ÄěBlutlinien‚Äú, sondern Gene, die dominant oder rezessiv vererbt werden, sind die ‚ÄěBausteine des Lebens‚Äú. Die von ihm formulierten Regeln der Vererbung gelten in der Grundaussage noch heute.

Durch Zuchtwahl entstehen grunds√§tzlich nur Variet√§ten innerhalb einer Spezies (taxonomisch Unterart/Subspezies, zoologisch Rassen, botanisch Sorten oder Sippen) im Sinne der Mikroevolution. Dar√ľber hinaus wird Zuchtwahl in der Makroevolution als ein Grundmechanismus der Evolution postuliert, der √ľber erdgeschichtlich l√§ngere Zeitr√§ume auch zu v√∂llig neuen Spezies f√ľhre.

Im nat√ľrlichen Umfeld spielt hier die Bastardisierung (Hybridisierung) in der Pflanzenwelt eine wichtige Rolle, bei Tieren ist sie jedoch selten artbildend. Die Geschichte der Menschheit und ihre Zuchtbestrebungen haben dahingehend bisher wenig Spuren hinterlassen ‚Äď nur eine paar der √§ltesten Kulturpflanzen und Haustiere werden heute als eigenst√§ndiges Taxon gef√ľhrt. Dabei wurde oftmals die Wildform verdr√§ngt und ist ausgestorben oder auch in der Zuchtform aufgegangen, so dass eine klare Abgrenzung nicht m√∂glich ist. Beispiele sind:

Der Haushund Canis lupus familiaris etwa ist als nahe Unterart des Wolfs erwiesen, andere Anteile d√ľrften nur marginal sein; hingegen wird der r√ľckverwilderte Dingo Canis lupus dingo ebenfalls als eigene Unterart gef√ľhrt. Die Hauskatze ist ein undefinierter Bastardkomplex der diversen nat√ľrlichen Subspezies der Wildkatze Felis silvestris, vermutlich prim√§r der Falbkatze.

Ziele

Industrielle Tierz√ľchtung

Ziel der z√ľchterischen Bearbeitung von nichtmenschlichen Tierrassen ist die optimale Verwertung der nichtmenschlichen Tiere als Lieferanten von Produkten: Durch gezielte Selektion und Anpaarung von nichtmenschlichen Tieren wird ein Zuchtfortschritt erreicht. Hierbei orientiert man sich an den jeweiligen Zuchtzielen.

Kleinere Tierzucht

Daneben sind Hobbyz√ľchter (auch Kleintierz√ľchter), die sich vor allem Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, Reptilien, Fischen sowie einer Reihe von Vogelarten, zum Beispiel H√ľhnern, Tauben, Sittiche, Sing- und Greifv√∂gel, widmen. Ausw√ľchse hier sind so genannte Qualzuchten, das hei√üt die F√∂rderung von Merkmalen, die zu Lasten der Gesundheit der individuen gehen, um in den h√§ufigsten F√§llen das optische Erscheinungsbild markanter zu gestalten.

Vornehmlich in den Zoologischen G√§rten werden Arten gez√ľchtet, die vom Aussterben bedroht sind. Dazu z√§hlen insbesondere exotische Arten.

Z√ľchtungsverfahren

Pflanzenzucht

Hauptartikel: Pflanzenzucht

Z√ľchtungsmethoden bei verschiedenen Pflanzenarten in Abh√§ngig von Fortpflanzungsart; Kategorie; Sortentyp; Beispiele:

  • Selbstbefruchtung (durch den eigenen Pollen befruchtet); Linienz√ľchtung (Population mit definierten Merkmalen, deren Best√§ndigkeit durch Auslese weiter erhalten bleibt); Liniensorten; Weizen, Gerste.
  • Fremdbefruchtung (Pollen von anderen Individuen); Populationsz√ľchtung (Fortpflanzungsgemeinschaft die in ihrer erblichen Konstitution nicht gleich, aber kreuzbar sind); Populationssorten; Roggen, Gr√§ser.
  • Vegetative Befruchtung; (Nachkommenschaft durch Zellteilung aus somatischem Gewebe der Mutterpflanze); Klonz√ľchtung; (Durchf√ľhrung ausschlie√ülich vegetativer Vermehrung); Klonsorte; Kartoffel.
  • Kontrollierte Befruchtung (k√ľnstliche Verfahren, zur gezielten Kreuzung); Hybridz√ľchtung (Best√§ubungslenkung zur maximalen Steuerung der Befruchtung); Hybride; Mais, Zuckerr√ľbe.

Tierzucht

Grundsätzlich lassen sich vier Arten von Zuchtstrategien bei den landwirtschaftlichen Nutztieren feststellen:

Reinzucht

Bei der Reinzucht werden nur Tiere derselben Rasse miteinander verpaart. Die Rasse stellt eine so genannte Reinzuchtpopulation dar. Ausnahmsweise werden in solche Reinzuchtpopulationen auch Tiere anderer Rassen eingekreuzt (sogenannte Veredelungskreuzung). Der Rassestandard wird durch Selektion innerhalb der Rasse erreicht.

Verdrängungskreuzung

Bei der Verdrängungskreuzung werden in eine Rasse immer wieder Tiere derselben anderen Rasse eingekreuzt, sodass schließlich die eine Rasse durch die neue, andere Rasse verdrängt wird. Das Ergebnis einer Verdrängungskreuzung ist eine neue Reinzuchtpopulation.

Rotationskreuzung

Bei der Rotationskreuzung wird nach einem festen System nacheinander eine Anzahl von Reinzucht-Rassen miteinander gekreuzt - und meist die weiblichen Nachkommen nach Selektion wieder zur Zucht verwendet. Dabei werden √ľblicherweise Zwei- und Drei-Rassen-Rotationskreuzungen durchgef√ľhrt. Das bedeutet, falls die drei Rassen A, B, C verwendet werden (Drei-Rassen-Rotationskreuzung): Tiere der Rasse A werden mit Tieren der Rasse B gekreuzt, die Kreuzungsnachkommen AxB mit der Rasse C. Die Nachkommen dieser Drei-Rassen-Kreuzung (AxB)xC werden wieder mit Tieren der Rasse A gekreuzt und so weiter. Durch die Kreuzung kommt es zu Heterosis-Effekten, wodurch die Produkte einer Rotationskreuzung bessere Gebrauchseigenschaften aufweisen als die Ausgangstiere. Auch bei der Rotationskreuzung findet die Selektion nach Eigenschaften in den Reinzuchtrassen und durch die Auswahl der geeigneten Kreuzungsrassen statt. Weiterhin werden die Tiere, die zur Rotationskreuzung weiter verwendet werden, ebenfalls selektiert. Die Rotationskreuzung wird nur sehr selten angewandt, hat aber insbesondere in der Rinderhaltung Bedeutung.

Gebrauchskreuzung

Bei der Gebrauchskreuzung werden gezielt Tiere verschiedener Reinzucht-Rassen miteinander gekreuzt. Man kennt hierbei ebenso verschiedene Formen, z.¬†B. Zwei-Rassen-Kreuzung, Drei-Rassen-Kreuzung, Vier-Rassen-Kreuzung. Entscheidend ist hierbei, dass mit dem Endkreuzungsprodukt nicht mehr weiter gez√ľchtet wird, sondern nur genutzt wird, z.¬†B. zur Milch- oder Fleischerzeugung. Durch die Kreuzung kommt es zu Heterosis-Effekten, wodurch die Produkte einer Gebrauchskreuzung bessere Gebrauchseigenschaften aufweisen als die Ausgangstiere. Allerdings ist der Heterosis-Effekt gr√∂√üer als bei einer Rotationskreuzung.

Die Selektion nach Eigenschaften findet bei Gebrauchskreuzungen in den Reinzuchtpopulationen und durch die Auswahl der geeigneten Kreuzungsrassen statt.

Eine Sonderform der Gebrauchskreuzung ist die Hybridzucht. Bei der Hybridzucht werden reine Linien erstellt, die in vielen F√§llen stark ingez√ľchtet sind. Diese reinen Linien werden miteinander gekreuzt. Durch die starke Auslese bei der Zucht der Linien lassen sich die Heterosis-Effekte bei der Kreuzung wesentlich besser voraussagen bzw. vergr√∂√üern.

Streng genommen ist die Gebrauchskreuzung keine z√ľchterische Bearbeitung eines Nutztieres, weil mit dem Produkt der Gebrauchskreuzung nicht mehr weiter gez√ľchtet wird.

Werden die Kreuzungstiere aber untereinander angepaart, splittet sich die nächste Generation in ihren Eigenschaften wieder nach den mendelschen Regeln auf. Werden die Eigenschaften der Hybriden durch Kreuzung untereinander stabilisiert, spricht man auch von der Erschaffung einer neuen Rasse.

Beispiele f√ľr die Zuchtmethoden

Die meisten Rassen werden in Reinzucht gehalten. Extrembeispiele der Reinzucht ist das Englische Vollblut und der Vollblutaraber, die keinerlei weitere Einkreuzungen dulden. Die meisten anderen Rassen erlauben ausnahmsweise Einkreuzungen von fremden Rassen zur Verbesserung von Eigenschaften, z. B. Fleckvieh von Red-Holstein. Der Übergang von der Veredelungskreuzung zur Verdrängungskreuzung kann fließend sein (z. B. Entstehung der deutschen Holstein-Population).

Die Gebrauchskreuzung findet Verwendung bei allen Nutztieren, um qualitativ hochwertige Tiere zu erzeugen. In der Rinderzucht werden die Reinzuchtpopulationen von den einzelnen Z√ľchtern gehalten und bei Bedarf mit anderen Rassen gekreuzt. Dies ist insbesondere in der Milchkuhhaltung (z.¬†B. Braunvieh, Jersey-Rind) bzw. in der Mutterkuhhaltung zur Erzeugung von mastf√§higen Tieren der Fall. Auch in der Schweinezucht sind Gebrauchskreuzungen √ľblich. Hierbei werden oftmals die Rassen Pietrain als Vater (gute Mastleistung) und Deutsche Landrasse als Mutter (gute Fruchtbarkeit, Muttereigenschaften) eingesetzt. Die aus dieser Paarung entstehenden Ferkel (Kreuzungsferkel, ab und zu auch als Hybridferkel bezeichnet) werden nur zur Mast genutzt.

Die Gebrauchskreuzung in der speziellen Ausgestaltung der Hybridzucht findet im Wesentlichen in der Schweinezucht und Gefl√ľgelzucht Anwendung. Dabei werden reine Linien als Basispopulationen gez√ľchtet (√§hnlich der Reinzucht) und sehr stark selektiert. Zur Erzeugung der Nutztiere werden die verschiedenen Basispopulationen miteinander gekreuzt. Die Basispopulationen etwa in der Schweinezucht werden von Zuchtunternehmen gehalten (Basiszuchtbetriebe, zum Beispiel JSR Hybrid Hirschmann, Schaumann, PIC, BHZP, SZV (Schweinezuchtverband Baden-W√ľrttemberg). Die Tiere aus der Kreuzung zweier Basispopulationen aber auch Tiere der Basispopulation selbst werden z.¬†B. an "Vermehrungszuchtbetriebe" verkauft. Die Vermehrungszuchtbetriebe erzeugen Jungsauen f√ľr die Ferkelerzeuger. Die Mastferkel werden schlie√ülich von den Ferkelerzeugern erzeugt, diese belegen (durch k√ľnstliche Befruchtung oder Natursprung) die Zuchtsauen (Mutterlinie) mit Ebern anderer Rassen/Linien oder Kreuzungen entsprechend dem System des Hybridzuchtprogrammes. Nach 21 bis 27 Tagen werden die Hybridferkel entw√∂hnt (= abgesetzt). Mit circa 30¬†kg Lebendmasse, die Tiere hei√üen jetzt L√§ufer, werden sie an den M√§ster verkauft. Der Mastbetrieb m√§stet die Tiere nun bis zu einem Gewicht von etwa 100¬†kg bis zur Schlachtung. Die Aufgabenteilung zwischen Basiszuchtbetrieb, Vermehrerbetrieb und Ferkelerzeuger kann auch variieren und wird abs√§tziges oder arbeitsteiliges System genannt.

Die Weiterzucht von Kreuzungstieren wurde z.¬†B. bei der Entstehung der meisten Tierrassen verwendet. Beispiel aus j√ľngster Zeit ist die Zucht des Deutschen Reitponys.

Kritik

Bezogen auf Menschen ist der Begriff der Zucht mit dem der Eugenik und der Rassenhygiene verkn√ľpft. Die Kontrolle menschlicher Fortpflanzung ist heute weitestgehend durch entsprechende Freiheitsrechte verboten.

Von Vertretern der Tierrechtsbewegung wird vorgeschlagen, auf Grund unterstellter Grundrechte f√ľr gewisse Tiere diesen Status zu √ľbertragen.[1]

Pflanzenzucht ist weitestgehend unumstritten.

Literatur

  • Manfred G. Raupp: The Debate Concerning the Effects on Bioinformatics on Food Production; Sciencia Agriculturae Bohemica 32, Tschechische Universit√§t Prague-Suchdol 2001 CS ISSN 1211-3174
  • Helmut Hemmer: Neum√ľhle-Riswicker Hirsche - Erste planm√§√üige Zucht einer neuen Nutztierform. Naturwissenschaftliche Rundschau 58(5), S. 255-261 (2005), ISSN 0028-1050

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Jean-Claude Wolf: Argumente pro und contra Tierrecht, M√§rz 2008

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  • Neue Viehzucht (Zeitschrift) ‚ÄĒ Neue Viehzucht war eine anarchistische Zeitschrift, herausgegeben von Stefan Blankertz im Verlag ‚ÄěB√ľchse der Pandora‚Äú von 1970 bis 1977. Neue Viehzucht Beschreibung F√ľr Selbstbestimmung, Herrschaftslosigkeit Fachgebiet ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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