Vilnius

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Vilnius
Vilnius
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Litauen Litauen
Bezirk (ab 1994): Vilnius County flag.png Vilnius
Gegr√ľndet: 1323
Koordinaten: 54¬į 41‚Ä≤ N, 25¬į 16‚Ä≤ O54.68333333333325.266666666667112Koordinaten: 54¬į 41‚Ä≤ N, 25¬į 16‚Ä≤ O
H√∂he: 112 m. √ľ. NN
Fl√§che (Ort): 401 km¬≤
 
Einwohner (Ort): 548.816 (2010)
Bevölkerungsdichte: 1.369 Einwohner je km²
Zeitzone: EET (UTC+2)
Telefonvorwahl: (+370) 37
 
Status: Stadtgemeinde
Gliederung: 21 SeniŇęnijos (‚Äě√Ąmter‚Äú)
 
B√ľrgermeister: ArtŇęras Zuokas
Webpräsenz:
Vilnius (Litauen)
Vilnius
Vilnius
Satellitenansicht
Die Altstadt von Vilnius
Das rekonstruierte Schloss der Gro√üf√ľrsten

Vilnius [ňąv ≤…™l ≤…≤ äs] anh√∂ren?/i (deutsch tlw. Wilna, russisch –í–ł–Ľ—Ć–Ĺ—é—Ā, –í–ł–Ľ—Ć–Ĺ–į, polnisch Wilno, wei√ürussisch –í—Ė–Ľ—Ć–Ĺ—Ź/Vilnja, jiddisch ◊ē◊ē◊ô◊ú◊†◊Ę/Wilne) ist die Hauptstadt Litauens und des Distrikts Vilnius (Vilniaus Apskritis). Mit 548.816 Einwohnern (2010) ist sie die gr√∂√üte Stadt des Landes. Sie liegt an der M√ľndung der Vilnia in die Neris, in einem waldreichen Gebiet nur etwa 40 km von der wei√ürussischen Grenze entfernt.

Vilnius ist katholischer Erzbischofssitz und mit der 1579 gegr√ľndeten Universit√§t Vilnius eine der √§ltesten Universit√§tsst√§dte Europas. Sie trug gemeinsam mit der Stadt Linz den Titel Kulturhauptstadt Europas f√ľr das Jahr 2009.

Wilna war von Anfang eine baltische Gr√ľndung und wurde im Gegensatz zu den Hauptst√§dten der baltischen Nachbarl√§nder Lettland und Estland, Riga und Tallinn, nie vom Deutschen Orden kontrolliert. Sie entwickelte sich als Hauptstadt Litauens zum Zentrum eines ausgedehnten Gro√üreiches, das auf dem H√∂hepunkt seiner Macht zeitweise von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.

Vilnius galt seit seiner Gr√ľndung als eine der liberalsten St√§dte Europas, die im Lauf ihrer Geschichte auch verfolgten Juden aus Mitteleuropa und Russland Schutz bot. Als ‚ÄěJerusalem des Nordens‚ÄĚ wurde Vilnius zu einem Zentrum der j√ľdischen Kultur und Aufkl√§rung. Um 1900 stellten Litauer nur einen kleinen Teil der Bev√∂lkerung, nach dem (jiddisch sprechenden) j√ľdischen und dem slawischen (v. a. Polen und Wei√ürussen). Im Holocaust verlor die Stadt fast s√§mtliche j√ľdischen Bewohner und somit die H√§lfte ihrer Bev√∂lkerung.

Ab dem 16. Jahrhundert schufen italienische Baumeister zahlreiche Bauwerke im Stil des Barock, und noch heute verf√ľgt Vilnius √ľber eine der ausgedehntesten Altst√§dte in Osteuropa, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl√§rt wurde [1]

Im 20. Jahrhundert war das Gebiet von Vilnius aufgrund seiner ethnischen Zusammensetzung umstritten und wurde nach einem Referendum im Jahr 1920 von Polen annektiert und erst 1939 an Litauen zur√ľckgegeben.

Aufgrund der √ľber 50 Kirchen der Stadt tr√§gt Vilnius auch den Beinamen ‚ÄěRom des Ostens‚Äú. Man sieht von fast jedem Ort aus in der Stadt mindestens vier Kircht√ľrme.

Inhaltsverzeichnis

Namen der Stadt

Die Neris in Vilnius

Entsprechend ihrem multiethnischen und multikulturellen Charakter ist die Stadt unter verschiedenen Namen bekannt. Die Litauer (die heute die deutliche Mehrheit der Bev√∂lkerung darstellen) nennen sie Vilnius; dieser Name setzt sich allm√§hlich auch in anderen Sprachen durch. Auf Polnisch hei√üt sie Wilno, auf Wei√ürussisch –í—Ė–Ľ—Ć–Ĺ—Ź/Wilnja, auf Jiddisch Wilne, auf Russisch schlie√ülich hie√ü sie urspr√ľnglich –í–ł–Ľ—Ć–Ĺ–į/Wilna, wurde ab der sowjetischen Zeit aber nur noch als –í–ł–Ľ—Ć–Ĺ—é—Ā/Wilnjus bezeichnet. Aus der russischen Bezeichnung ist auch die Eindeutschung Wilna abgeleitet. In der litauischen Sprache bedeuten die W√∂rter Vilnis und Vilnele soviel wie ‚ÄěKleine Welle‚Äú.

Durch Vilnius flie√üt ein Fl√ľsschen namens Vilnia (oft in der Verkleinerungsform Vilnelńó genannt), das unweit des historischen Stadtkerns (Gediminas-Berg) in die Neris m√ľndet. Andererseits ist ein alternativer Name der Neris *Velija, belegt um 1230 als –í–Ķ–Ľ—Ć—Ź. Hierzu ist der kleinere Zufluss urspr√ľnglich Diminutivbildung. Von diesem Flussnamen wird der Name der Stadt abgeleitet. Die √§ltesten Formen aus dem 14. Jahrhundert lauten vor die Wilne, ante Vilnam usw. Die Form Vilnius ist erstmalig 1600 belegt.

Geographie

Die Stadt liegt in einer bewaldeten H√ľgellandschaft im S√ľdosten Litauens an der M√ľndung der Vilnia in die Neris rund 40 km von der wei√ürussischen Grenze entfernt. N√∂rdlich von Vilnius im Dorf PurnuŇ°kńós befindet sich der geographische Mittelpunkt Europas.

Panoramabild der Stadt
Vilnius Altstadt-Panorama, Blick nach Norden

Geologie

Stadtgliederung

Stadtgliederung

Der Bezirk Vilnius war einer der zehn Verwaltungsbezirke Litauens. Der fl√§chenm√§√üig gr√∂√üte und auch bev√∂lkerungsreichste Bezirk lag im S√ľdosten des Landes und umfasste auch die Hauptstadt Vilnius. Am 1. Juli 2010 wurden die Bezirke (Apskritys) in Litauen als Verwaltungseinheiten ersatzlos gestrichen.

Die Stadtverwaltung von Vilnius besteht aus folgenden 21 Bezirken [2] mit einer unterschiedlichen Anzahl von Stadtteilen. Sie ist die einzige Stadtverwaltung in Litauen, die zwei St√§dte (Vilnius und GrigiŇ°kńós) sowie drei D√∂rfer der Gemeinde GrigiŇ°kńós verwaltet.[3]

1. Verkiai
2. Antakalnis
3. PaŇ°ilaińćiai

4. FabijoniŇ°kńós
5. Pilaitńó
6. JustiniŇ°kńós

7. VirŇ°uliŇ°kńós
8. ҆eŇ°kinńó
9. ҆nipiŇ°kńós

10. ŇĹirmŇęnai
11. KaroliniŇ°kńós
12. ŇĹvńórynas

13. GrigiŇ°kńós
14. Lazdynai
15. Vilkpńódńó

16. Naujamiestis
17. Senamiestis (Altstadt)
18. Naujoji Vilnia

19. Paneriai
20. Naujininkai
21. Rasos

Klima

Gewitter √ľber Vilnius
Winter in Vilnius

Das Klima in Vilnius ist gem√§√üigt kontinental. In den meist kurzen warmen Sommern wurde Spitzenwerten von √ľber 35 ¬įC gemessen. Die Tiefstwerte im Winter lagen unter ‚ąí37 ¬įC. W√§rmster Sommermonat ist der Juli mit durchschnittlich 22¬įC. Der k√§lteste Wintermonat ist der Januar mit durchschnittlich -8,7¬įC. Die Jahresniederschlagsmenge lag in den Jahren 1961 bis 1990 im Jahresmittel bei 683 Millimeter pro Jahr. Die Monatsdaten k√∂nnen dem Klimadiagramm entnommen werden.

Vilnius
Klimadiagramm (Erklärung)
J F M A M J J A S O N D
 
 
41
 
-4
-9
 
 
38
 
-2
-8
 
 
39
 
3
-4
 
 
46
 
11
2
 
 
62
 
18
8
 
 
77
 
21
11
 
 
78
 
22
12
 
 
72
 
22
12
 
 
65
 
16
8
 
 
53
 
10
3
 
 
57
 
4
-1
 
 
55
 
-1
-5
Temperatur in ¬įC,  Niederschlag in mm
Quelle: Lithuanian Hydrometeorological Service
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschl√§ge f√ľr Vilnius
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (¬įC) ‚ąí3,5 ‚ąí1,7 3,3 10,7 18,2 21,1 22,1 21,6 16,4 10,2 3,5 ‚ąí0,5 √ė 10,1
Min. Temperatur (¬įC) ‚ąí8,7 ‚ąí7,6 ‚ąí3,8 1,6 7,5 10,8 12,3 11,5 7,7 3,4 ‚ąí0,9 ‚ąí5,2 √ė 2,4
Niederschlag (mm) 41 38 39 46 62 77 78 72 65 53 57 55 ő£ 683
Regentage (d) 19 14 13 13 12 14 16 13 16 15 18 22 ő£ 185
T
e
m
p
e
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a
t
u
r
‚ąí3,5
‚ąí8,7
‚ąí1,7
‚ąí7,6
3,3
‚ąí3,8
10,7
1,6
18,2
7,5
21,1
10,8
22,1
12,3
21,6
11,5
16,4
7,7
10,2
3,4
3,5
‚ąí0,9
‚ąí0,5
‚ąí5,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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a
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41 38 39 46 62 77 78 72 65 53 57 55
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Geschichte

Karte der Stadt Wilna (1576)

Einer Legende nach soll Gediminas, litauischer Gro√üf√ľrst seit 1316, bei einer Jagd auf einem H√ľgel am Zusammenfluss der Neris und Vilnia gerastet haben. Dort tr√§umte er von einem eisernen Wolf, der markersch√ľtternd ‚Äělaut heulte wie hundert W√∂lfe‚Äú. Der Pfeil, den er auf das Tier abfeuerte, prallte an dessen st√§hlernem K√∂rper ab. Beunruhigt bat er seinen heidnischen Hohepriester Lizdeika um die Deutung dieser Episode: ‚Ä쬼Was die G√∂tter dem Herrscher und dem litauischen Staat beschieden haben, mag geschehen: der eiserne Wolf steht auf einem H√ľgel, auf dem eine Burg und eine Stadt errichtet werden ‚Äď die Hauptstadt Litauens und die Residenz der Herrscher.¬ę Die Festung aber m√ľsse fest wie Eisen sein, dann w√ľrde ihr Ruhm laut durch die Welt hallen (Die litauischen W√∂rter f√ľr laut und ber√ľhmt sind identisch).‚Äú[4] Zu jener Zeit war die Wasserburg im weiter westlich gelegenen Trakai Sitz des Herrschers.

Anfänge

Gediminas-Turm der Oberen Burg Vilnius

Arch√§ologen sehen die Geschichte bodenst√§ndiger: Ihren Ausgrabungen nach war das Areal der Stadt bereits im steinzeitlichen Magdal√©nien besiedelt. Weitere Fundstellen im Stadtgebiet wurden auf das 4. Jahrtausend und das 2. Jahrhundert vor Christus datiert. Im Fr√ľhmittelalter siedelten an diesem taktisch vorteilhaften Ort zuerst wohl Balten, sp√§ter Slawen und seit dem 11. Jahrhundert auch Juden. Bereits im 10. Jahrhundert war auf dem heutigen Stadtgebiet eine h√∂lzerne Befestigungsanlage errichtet worden, um die herum eine Siedlung entstand. Erste Erw√§hnung in den geschichtlichen Quellen findet Vilnius als Hauptstadt der Litauer 1323. In jenem Jahr sandte Gro√üf√ľrst Gediminas in Latein verfasste Briefe an Kaiser, Papst, verschiedene Ritterorden und Handelsst√§dte jener Zeit. Darin warb er Kaufleute, Wissenschaftler und Handwerker f√ľr ‚Äěin civitate nostra regia, Vilna dicta‚Äú ‚Äď sozusagen als hochqualifizierte Gastarbeiter und lockte mit zwei Kirchen, also auch Religionsfreiheit. Diese Toleranz gegen√ľber den verschiedensten Glaubensrichtungen sollte die Entwicklung der Stadt noch lange bestimmen. Dessen ungeachtet wurde Vilnius wiederholt Ziel von kriegerischen Angriffen des Deutschen Ordens, die jeweils mit Verw√ľstungen der Stadt und ihres Umlandes einhergingen, so beispielsweise 1365, 1375, 1377, 1383, 1390, 1392, 1394 und 1402.[5]

Polen-Litauen

Panorama von Vilnius, 1600

Ab 1377 war der ehrgeizige Jogaila (auf Polnisch: WŇāadysŇāaw II. JagieŇāŇāo) Gro√üf√ľrst Litauens. 1385 schloss er mit Polen die Union von Krewo ‚Äď der Preis daf√ľr war die Christianisierung des Landes. Er l√∂schte das ‚Äěewige Feuer‚Äú auf dem H√ľgel in Vilnius und zerst√∂rte den dazugeh√∂rigen heidnischen Tempel. Ein Jahr sp√§ter, 1386, lie√ü er sich taufen, heiratete wie vereinbart die polnische K√∂nigin Hedwig und bestieg als WŇāadysŇāaw II. JagieŇāŇāo den Thron des neuen und m√§chtigen Gro√üreiches aus Polen und Litauen.

Zeitgleich wurde in Vilnius das Magdeburger Stadtrecht eingef√ľhrt. Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt ein Periode gro√üer wirtschaftlicher Bl√ľte. In Folge der polnisch-litauischen Union (1385/1569) kam die Stadt zunehmend unter polnischen Einfluss. Damit einher gingen die Versuche der Gegenreformation. Das zu diesem Zweck 1570 von den Jesuiten gegr√ľndete Kollegium wurde so 1579 zur Universit√§t (Alma academia et universitas Vilnensis societatis Jesu) mit Privileg des polnischen K√∂nigs Stephan B√°thory und Segen des Papstes Gregor XII. erkl√§rt. Gleichzeitig wurde Vilnius das wichtigste Zentrum j√ľdischer Kultur in Nordeuropa. Aufgrund seiner geistigen Bedeutung hatte die Stadt den Beinamen Jerusalem Litauens. Wirtschaftlich begann im 16. Jahrhundert allerdings mit der zunehmenden Dominanz Polens ein langsamer Abstieg Vilnius. Das 17. Jahrhundert war gepr√§gt von kriegerischen Auseinandersetzungen und Heimsuchungen wie Br√§nden und der Pest. Als verheerend f√ľr die Bev√∂lkerung und die Baudenkm√§ler der Stadt, vor allem aber auch f√ľr die Quellen zur Stadtgeschichte, erwies sich die Zeit der so genannten ‚ÄěSintflut‚Äú (polnisch: Potop), w√§hrend der Vilnius von 1655 bis 1661 von russischen Truppen besetzt war. Die sechsj√§hrige russische Besetzung schadete der Stadt weit mehr als die nur kurze Zeit andauernden Besetzungen durch schwedische Truppen im Gro√üen Nordischen Krieg in den Jahren 1702 und 1707. √úberdies legten verheerende Stadtbr√§nde in den Jahren 1737, 1745 und 1747 erneut gro√üe Teile von Vilnius in Schutt und Asche.

Zarenreich

Vilnius, 1860

Seit 1795 geh√∂rte Litauen und damit Vilnius zum russischen Kaiserreich. Nach dem Aufstand der Polen und Litauer gegen die russische Oberherrschaft im Jahr 1831 wurde die Universit√§t als Hort nationalistischer Umtriebe im folgenden Jahr von den russischen Beh√∂rden geschlossen und blieb es bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Vilnius entwickelte sich relativ bescheiden im Rahmen einer russischen Gouvernementshauptstadt. Damals wurde in der Stadt mehrheitlich Polnisch gesprochen. Dennoch war sie im 19. Jahrhundert das Zentrum des wei√ürussischen nationalen Lebens, noch vor Minsk. Die wichtigsten wei√ürussischen Dichter und Schriftsteller publizierten ihre Werke damals in Vilnius. In der Stadt wurde 1906 auch die erste wei√ürussische Zeitung ‚ÄěNaŇ°a Niva‚ÄĚ gegr√ľndet.

1896 vermachte der j√ľdische Gesch√§ftsmann Straschun seine Buchbest√§nde der j√ľdischen Gemeinde und begr√ľndete damit die gr√∂√üte j√ľdische Bibliothek in Europa. 1900 geh√∂rte Vilnius zu einer der gr√∂√üten j√ľdischen St√§dte, 41% der Einwohner waren Juden.[6]

Der Erste Weltkrieg brachte das Ende der zaristischen Herrschaft, als die Ostfront im Sommer 1915 in Bewegung geriet. Deutsche Truppen r√ľckten in das von der russischen Armee kurz zuvor ger√§umte Wilna am 18. September 1915 ein[7] und besetzten es bis 1918.

Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit

Karte von Litauen bis 1923

Nach der Proklamation des litauischen Staates 1918 (unter deutscher Besatzung, Anerkennung durch das Deutsche Reich im März 1918) wurde Vilnius dessen Hauptstadt. Am 5. Januar 1919 wurde es jedoch durch die Rote Armee besetzt, die im April 1919 durch polnische Truppen wieder aus der Stadt vertrieben wurde. Mit dem Abschluss des Versailler Friedensvertrages im Juni 1919 wurde Litauen international anerkannt, bei der Grenzfestlegung durch die Ententemächte am 8. Dezember 1919 die Zugehörigkeit Vilnius' zu Litauen bestätigt. Auch der litauisch-sowjetische Friedensvertrag von Moskau vom 12. Juli 1920 erkannte die Zugehörigkeit der Stadt zu Litauen an. Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges von Juni bis Oktober 1920 war die Stadt zunächst in polnischer, dann wieder in sowjetischer bzw. litauischer, dann wieder in polnischer Hand.

Am 12. Oktober 1920 wurde unter polnischer Besatzung im mehrheitlich polnischsprachigen S√ľdosten Litauens die Republik Mittellitauen proklamiert, die sich erst 1922 formal der polnischen Republik anschloss. In der Stadt Vilnius stellten damals Litauer nach Polen (74.466 Personen, also 53.67%) und Juden (57.516 Personen, also 41.54%) nur die wesentlich kleinere drittst√§rkste Bev√∂lkerungsgruppe (2.909 Personen, also 2.09%) und das Vilniuser Umland hat noch heute eine polnischsprachige Mehrheit.

So war 19 Jahre lang Kaunas die ‚Äď provisorische ‚Äď Hauptstadt Litauens.

Zweiter Weltkrieg

Einmarsch motorisierter deutscher Truppen, Aufnahme der Propagandakompanie
Litauischer Polizist mit Hakenkreuz-Armbinde vor als Juden im rassenkundlichen Sinn kenntlich gemachten und f√ľr den Einsatz zur Zwangsarbeit vorgesehenen M√§nnern, Aufnahme der Propagandakompanie vom Juli 1942
Als Juden gekennzeichnete Frauen, Aufnahme der Propagandakompanie vom 25. Juli 1942

Als die deutsche Wehrmacht im September 1939 in Polen einmarschierte, wurde der bis dahin polnisch besetzte Teil Litauens gem√§√ü der Absprache des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes von der Roten Armee besetzt. Vilnius wurde am 19. September eingenommen. F√ľr wenige Wochen war Vilnius Teil der Wei√ürussischen Sowjetrepublik, im Oktober wurde die Stadt formell an Litauen gegeben. Litauen wurde am 15. Juni 1940 von der Roten Armee besetzt. Nach dem Anschluss Litauens an die UdSSR am 3. August 1940 wurde Vilnius wieder Hauptstadt des Landes, der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Als im Sommer 1941 die deutschen Wehrmachtstruppen nach Litauen vorstie√üen, begann das Ende der j√ľdischen Geschichte in Vilnius. Die deutsche Besetzung begann am 23. Juni 1941 und endete am 13. Juli 1944, Vilnius wurde Teil des Reichskommissariats Ostland. In der Altstadt wurde das Ghetto Vilnius in zwei Teilen eingerichtet, von denen der kleinere bis zum Oktober 1941 bereits wieder liquidiert wurde, was f√ľr mehrere zehntausend Juden den Tod durch Erschie√üung im Wald von Paneriai (etwa 10 km westlich der Altstadt) bedeutete. Das zweite Ghetto bestand bis 1943, wobei verschiedene so genannte Aktionen auch hier eine weitere Dezimierung der j√ľdischen Bev√∂lkerung zur Folge hatten. Die verbliebenen Juden wurden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Sp√§ter bestand in der Stadt das Kriegsgefangenenlager 195 f√ľr deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[8]

Litauische SSR und Republik Litauen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die polnische Bev√∂lkerung vertrieben (nach Sch√§tzungen haben nach der Besetzung durch die Rote Armee etwa 100.000 B√ľrger polnischer Abstammung die Stadt verlassen) und Vilnius Hauptstadt der Sozialistischen Sowjetrepublik Litauen. Der Stalinismus der Nachkriegsjahre brachte nicht nur eine Verstaatlichung und Sowjetisierung der Wirtschaft, sondern versuchte auch die nationale und religi√∂se Identit√§t der Litauer zu unterbinden. So wurden auch in Vilnius Kirchen zum Beispiel als Lagerhallen zweckentfremdet, die Ruinen der ehemaligen Gro√üen Synagoge gar abgetragen. Das √∂ffentliche Leben wurde durch strenge Zensur bestimmt.

Der litauische Bev√∂lkerungsanteil in Vilnius stieg in dieser Zeit ‚Äď unter anderem durch Landflucht als Folge der Zwangskollektivierung der litauischen Landwirtschaft ‚Äď deutlich an. Daneben f√∂rderten die Sowjetbeh√∂rden in den ersten Nachkriegsjahren auch den Zuzug von Arbeitskr√§ften aus anderen Teilen der Sowjetunion. Jedoch gelang es dem Politb√ľro der Litauischen Kommunistischen Partei, die Ansiedlung von Fremdarbeitern zu begrenzen, so dass der Anteil der russischsprachigen Bev√∂lkerung bei etwa zwanzig Prozent verharrte, w√§hrend er in den beiden anderen baltischen Hauptst√§dten Riga und Tallinn zeitweise auf f√ľnfzig Prozent anstieg.[9]

Auch nach der Wiedererlangung der Unabh√§ngigkeit 1990 blieb Vilnius Sitz des litauischen Parlaments und der Regierung. Das heutige Vilnius entwickelte sich innerhalb von zehn Jahren von einer sowjetischen in eine Stadt westlich-kosmopolitischen Stils. Auf dem der Altstadt und dem Zentrum (Bebauung rund um den zentralen Gediminas-Prospekt ab der Jahrhundertwende) gegen√ľber gelegenen Ufer der Neris haben sich in den letzten Jahren die ersten Ans√§tze f√ľr ein modernes B√ľro- und Gesch√§ftsviertel gebildet, mit dem Vilnius zu einem Anziehungspunkt nicht nur f√ľr Touristen werden will. Bislang verlief die Entwicklung mehr oder weniger auf Brachfl√§chen, in absehbarer Zeit werden aber die √§rmlichen Holzhaus-Siedlungen, die sich unmittelbar n√∂rdlich anschlie√üen, weichen m√ľssen.

Religion

In der Stadt gibt es eine Vielzahl an Kirchen und religi√∂sen St√§tten. √úber mehrere Jahrhunderte gab es ein friedliches nebeneinander der Religionen. Als ‚ÄěYerushalayim de Lita‚Äú (dt. Jerusalem des Nordens) wurde Vilnius zu einem Zentrum der j√ľdischen Kultur und Aufkl√§rung. Mit dem Vorsto√ü der deutschen Wehrmachtstruppen nach Litauen im Jahr 1941 begann das Ende der j√ľdischen Geschichte in Vilnius. Die Stadt verlor im Zweiten Weltkrieg durch den Holocaust fast s√§mtliche j√ľdischen Bewohner und somit die H√§lfte ihrer Bev√∂lkerung. Wegen der Kriegsbesch√§digungen wurde in den 1950er-Jahren die Gro√üe Synagoge abgerissen. Heute ist die Choral-Synagoge der einzig noch existierende j√ľdische Sakralraum in Vilnius.

Einwohnerentwicklung

1875 wurden in der Stadt 82.688 Einwohner gez√§hlt, davon 37.909 Juden (knapp 46 % der Bev√∂lkerung und damit die gr√∂√üte Bev√∂lkerungsgruppe der Stadt). 1902 lebten etwa 80.000 Juden in der Stadt, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 162.633 (etwa 49 %). Bis zum Zweiten Weltkrieg war das damals zu Polen geh√∂rende Vilnius eine mehrheitlich von Juden und Polen bewohnte Stadt. Daneben lebten in Vilnius auch viele Wei√ürussen. Der Zweite Weltkrieg f√ľhrte zu einem fast v√∂lligen Bev√∂lkerungsaustausch. Von den etwa 80.000 Juden, die bis 1939 in Vilnius gelebt hatten, √ľberlebten nur wenige Tausend den Holocaust, und noch weniger blieben in der Stadt wohnen. Der gr√∂√üte Teil der polnischen Bev√∂lkerung wurde nach Westpolen, in die ehemaligen deutschen Ostgebiete umgesiedelt bzw. vertrieben, w√§hrend im Umland von Vilnius dagegen bis heute noch sehr viele Polen leben. Im Gegenzug kamen Litauer aus den l√§ndlichen Regionen sowie Russen in die Stadt, ben√∂tigt f√ľr den Aufbau der Stadt als Hauptstadt der Sozialistischen Sowjetrepublik Litauen. Verwaltung, Wissenschaft und vor allem gro√üe Industriebetriebe wurden angesiedelt. Die Stadt erlebte ein rasantes Bev√∂lkerungswachstum. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabh√§ngigkeit ging die Bev√∂lkerung von √ľber 576.000 (1989) auf 546.000 (2009) zur√ľck. In den letzten Jahren zeichnete sich jedoch wieder ein leichter Anstieg der Bev√∂lkerung ab.

Bevölkerungsentwicklung
1796 1818 1859 1875 1897 1909 1919 1923 1931 1939 1941 1944 1959 1970 1985 2001 2006 2009 2010
17 500 33 600 58 200 82 688 154 500 205 200 128 500 167 400 195 100 209 400 270 000 110 000 236 100 372 100 544 400 542 287 541 824 546 733 548 816

Im Jahr 2001 z√§hlte Vilnius 542.287 Einwohner. Davon machten Litauer 57,8 % aus, Polen 18,7 %, Russen 14 %, Wei√ürussen 4 %, Juden 0,5 %, Vertreter anderer Nationalit√§ten 5 %.

Politik

Stadtrat

Die Amtszeit des 51-k√∂pfigen Stadtrates betr√§gt vier Jahre. Der Rat wurde bis 2010 aus den Kandidatenlisten der registrierten Parteien gew√§hlt. Seit 2011 k√∂nnen auch unabh√§ngige Kandidaten gew√§hlt werden. In seiner ersten Sitzung w√§hlt der Rat einen B√ľrgermeister, vier stellvertretende B√ľrgermeister sowie einen Administrationsdirektor.[10]

B√ľrgermeister

Der jetzige B√ľrgermeister ArtŇęras Zuokas wurde im November 2000 mit 32 Jahren erstmals zum B√ľrgermeister gew√§hlt. Seit dem 19. April 2011 ist Zuokas erneut B√ľrgermeister der Hauptstadt.

Stadtwappen

Stadtwappen

Das Stadtwappen stammt aus dem Jahr 1330. Es zeigt auf rotem Grund den Schutzheiligen von Vilnius. Der heilige Christophorus watet durch einen Fluss und trägt dabei auf seinen Schultern das Jesuskind. Das Jesuskind segnet mit der einen Hand und hält in der anderen Hand die Weltkugel.

Städtepartnerschaften

Vilnius unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten.

Kultur und Sehensw√ľrdigkeiten

Kirche St. Annen (҆v. Onos)
Kathedrale Sankt Stanislaus
Altstadt von Vilnius: Blick auf die AuŇ°ros Vartai (‚ÄěTor der Morgenr√∂te‚Äú, also Osttor)

Ausgehend vom Burgberg bildet das Stra√üennetz der Altstadt von Vilnius in Richtung Westen und S√ľden eine f√§cherartige Struktur. Die Altstadt, die sich an den H√§ngen auf dem linken Ufer der Neris hochzieht, hat eine Fl√§che von 360 ha und z√§hlt damit zu den gr√∂√üten und besterhaltenen Europas; seit 1994 z√§hlt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Als politisches Zentrum des Gro√üherzogtums Litauen vom 13. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte Vilnius einen tiefgreifenden Einfluss auf die kulturelle und architektonische osteurop√§ische Entwicklung. Trotz einiger √úberf√§lle und Zerst√∂rungen wurden viele bemerkenswerte Bauwerke des Barocks, Klassizismus, der Gotik und Renaissance, sowie die mittelalterliche Stadtstruktur bewahrt.[11]

Bauwerke

Viele Baustile hinterlie√üen ihre Spuren, vor allem pr√§gen sie der Barock, aber auch Gotik und Renaissance. Sehenswert sind die St.-Annen-Kirche (҆v. Onos), ein gotisches Backsteingeb√§ude (Flamboyant-Gotik) zusammen mit der ebenfalls gotischen Bernhardiner-Kirche, die barocke Universit√§tsanlage mit der Johannes-Kirche (lit. ҆v. JonŇ≥).

Das Nationaltheater in Vilnius

Die Wahrzeichen der Stadt sind die Ruine der Burg von Gediminas auf dem gleichnamigen H√ľgel aus dem 14. und 15. Jh. sowie an ihrem Fu√üe die klassizistische r√∂misch-katholische Kathedrale Sankt Stanislaus mit ihrem etwas abseits stehenden Glockenturm. Der Wiederaufbau des zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragenen gro√üf√ľrstlichen Schlosses ist 2011 nahezu abgeschlossen. Die Einweihung des unfertigen Geb√§udes erfolgte bereits 2006 im Zuge der damaligen Funktion Vilnius als europ√§ische Kulturhauptstadt.[12]

Bekannt sind auch die barocke Kasimir-Kirche (lit. ҆v. Kazimiero), welche dem Nationalheiligen geweiht ist, und das Tor der Morgenr√∂te (polnisch: Ostra brama /litauisch: AuŇ°ros vartai). Das alte Rathaus wurde wie die Kathedrale zuletzt in klassizistischem Stil umgebaut. Eine der wenigen alten Kirchen au√üerhalb der Altstadt ist die von dem Hetman des polnisch-litauischen Staates Michal Kazimier Pac gestiftete St. Peter-und-Paul-Kirche (lit. ҆v. Petro ir Povilo), ein Meisterwerk des Barock. Diese Kirche, wie auch das Bild der wundert√§tigen Madonna in den ‚ÄěAuŇ°ros vartai‚ÄĚ, ist ein wichtiges Pilgerziel, vornehmlich f√ľr polnische Katholiken. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hauptsynagoge im Stil der italienischen Renaissance und Rokoko zerst√∂rt. Von den 105 Synagogen in Vilnius blieb als einziges die Choral-Synagoge erhalten. Interessant ist au√üerdem der oberhalb der Altstadt gelegene RasŇ≥-Friedhof, wo zahlreiche prominente Litauer und Polen begraben sind (J√≥zef PiŇāsudskis Herz ist hier bestattet), sowie der zentrale Markt auf dem n√∂rdlichen Ufer der Neris.

Am rechten Ufer des Fl√ľsschens Vilnele liegt das Stadtviertel UŇĺupis (deutsch: Hinter dem Fluss), das seit Anfang der Neunziger vom unbeachteten und verwahrlosten Winkel zu einem K√ľnstlerviertel (in unmittelbarer N√§he der Kunstakademie ‚ÄěDailńós akademija‚ÄĚ) wurde und nunmehr auch eine exquisite Adresse darstellt.

An die nähere Vergangenheit erinnert das Museum der Opfer des Genozids.

In Vilnius steht der höchste Wolkenkratzer des gesamten Baltikums, der Europa Tower.

Umgebung von Vilnius

Eine moderne Sehensw√ľrdigkeit ist der Fernsehturm, der 326 m hoch ist und in 190 m H√∂he √ľber eine Aussichtsplattform verf√ľgt.

Etwa 30 km westlich von Vilnius liegt Trakai, die mittelalterliche Hauptstadt Litauens mit seiner wieder aufgebauten Wasserburg.

N√∂rdlich von Vilnius im Dorf PurnuŇ°kńós befindet sich der Europapark. Dort soll der geographische Mittelpunkt Europas (lit. Europos centras) liegen. Diese Berechnung franz√∂sischer Wissenschafter um 1989 ist allerdings wegen fraglicher Gewichtung von Inseln umstritten. Andere Geowissenschafter setzen den Mittelpunkt in der Ukraine nahe der Grenze zur Slowakei an, wobei es keine zwingende Methodik zur Bestimmung eines solchen Punktes gibt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Vilnius ist das beachtlichste Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum Litauens. In der Stadt sitzen wichtige Banken und zahlreiche Vertretungen globaler Firmen. Zu den bedeutenden Unternehmen geh√∂rt die BITńĖ Group eine der gr√∂√üten Telekommunikationsfirmen in den baltischen Staaten und Omnitel der gr√∂√üte litauische Mobilfunk-Betreiber sowie Lietuvos energija ein staatlich kontrollierter Energieversorger und die Lietuvos GeleŇĺinkeliai die gr√∂√üte Eisenbahngesellschaft Litauens. Die NASDAQ OMX Vilnius ist die einzige B√∂rse in Litauen. Sie wurde 1993 gegr√ľndet und wird von der B√∂rsengruppe OMX gef√ľhrt.

Verkehr

‚Üí Hauptartikel: Verkehr in Litauen

Die litauische Hauptstadt liegt verkehrstechnisch auf Grund ihrer N√§he zur stark abgesicherten EU-Au√üengrenze zu Wei√ürussland in einer Art ‚Äětotem Winkel‚Äú. Die wichtigsten Verkehrsstr√∂me vom Baltikum in die restliche EU verlaufen √ľber Kaunas. Von dort f√ľhrt eine Schnellstra√üe ins 100 Kilometer entfernte Vilnius.

Der Bahnhof Vilnius.

Eisenbahn

Der Bahnhof Vilnius ist der wichtigste Personenbahnhof im litauischen Eisenbahnnetz. Neben Nah- und Regionalverkehr besteht auch Fernverkehr. Dem internationalen Verkehr, dessen Hauptziele Moskau und St. Petersburg sind, dienen in erster Linie die Korridorz√ľge der Relation Russland-Oblast Kaliningrad sowie Kaliningrad-Wei√ürussland/Ukraine. Des Weiteren existieren Eisenbahnverbindungen ins Ausland Richtung Warschau (√ľber ҆eŇ°tokai) und nach Minsk. Innerhalb Litauens f√§hrt die Lietuvos geleŇĺinkeliai mit ihren Z√ľgen unter anderem nach Kaunas und √ľber ҆iauliai nach Klaipńóda (Memel).

Lokale Bahnhöfe sind: Hauptbahnhof Vilnius, Bahnhof Paneriai, Bahnhof Pavilnys, Bahnhof Naujoji Vilnia, Bahnhof Vilnius Flughafen. In Paneriai gibt es Eisenbahntunnel Paneriai.

Fernbus

Vom zentralen Busbahnhof fahren Fernbusse in sämtliche Nachbarländer, und in viele andere Länder der Europäischen Union. Daneben werden auch kleinere litauische Städte von Vilnius aus angefahren. So fährt ein InterCity-Bus der polnischen Eisenbahngesellschaft Polskie Koleje Panstwowe von Vilnius nach Warschau.

Flugverkehr

Am Flughafen von Vilnius

In unmittelbarer N√§he der Stadt befindet sich der internationale Flughafen Vilnius. Mittlerweile hat verst√§rkte Konkurrenz zu g√ľnstigen Preisen (in die Hauptst√§dte Europas f√ľr unter 150 ‚ā¨) gef√ľhrt, im deutschsprachigen Raum werden t√§glich Frankfurt/Main, Berlin, Wien, Hamburg, Bremen und M√ľnchen angeflogen.

Ein Solaris-O-Bus und sein Konkurrent, die MarŇ°rutka

Straßen

Eine Schnellstra√üe f√ľhrt nach Kaunas, ab dort eine Autobahn an die Ostsee zum F√§hrhafen Klaipńóda (Memel), sowie eine Autobahn nach PanevńóŇĺys, jeweils mit Anschluss an die Via Baltica (Europastra√üe 67). Fernstra√üenverbindungen bestehen ins nahe Wei√ürussland und nach Polen.

√Ėffentlicher Personen-Nahverkehr

Dem √∂ffentlichen Nahverkehr dienen, da Vilnius weder U-Bahn noch Stra√üenbahn hat, vor allem Omnibusse der Vilniaus Autobusai, Trolleybusse der Trolleybus-Geschellschaft Vilniaus troleibusai und MarŇ°rutka genannte Kleinbusse als Linientaxi, die h√§ufig dieselben Linien bedienen wie die st√§dtischen Busse. Eine erste Trambahnlinie wurde 2005 projektiert ‚Äď die Realisierung ist fraglich. Die Lietuvos GeleŇĺinkeliai (Eisenbahngesellschaft) betreibt ein bescheidenes S-Bahn-√§hnliches System von Vorortz√ľgen. Zur Reduzierung von Staus wurde ein Metro-Projekt der Vilnius Metro vorgeschlagen.

Bildung

Universität Vilnius

Gedenktafel f√ľr Stephan B√°thory im Campus der Universit√§t von Vilnius

Die Universit√§t Vilnius (Vilniaus universitetas, VU) geht auf ein 1569 er√∂ffnetes Jesuitenkolleg zur√ľck, das 1579 von Stephan B√°thory anl√§sslich seiner Wahl zum litauischen Gro√üf√ľrsten zur Akademie erhoben wurde. Die Vilniuser Universit√§t ist die √§lteste Universit√§t im Baltikum. (Die √§lteste Universit√§t in Mitteleuropa ist die Karls-Universit√§t Prag.) Sie steht gegen√ľber dem Pr√§sidentenpalast.

YIVO

1925 wurde in Vilnius das YIVO (Yidisher visnshaftlekher institut) gegr√ľndet. Das YIVO war die erste akademische Einrichtung zum Studium des Jiddischen und der ostj√ľdischen Kultur. 1940 verlegte es, angesichts der Zeitumst√§nde, seinen Sitz nach New York, wo es bis heute besteht.

Europäische Humanistische Universität

Im Juni 2005 ist die Europ√§ische Humanistische Universit√§t von Wei√ürussland (wo sie 2004 aus politischen Gr√ľnden geschlossen wurde) nach Vilnius √ľbergesiedelt und wird dort als vorl√§ufige Exiluniversit√§t gef√ľhrt. Sie ist eine Privatuniversit√§t und bietet Europastudien, Sprach- und Politikwissenschaften an.

ISM University of Management and Economics

Die ISM University of Management and Economics wurde 1999 von der Norwegian School of Management BI gegr√ľndet und war damit die erste private Universit√§t Litauens. Sie ist eine Business School und hat sich dementsprechend ausschlie√ülich auf Wirtschaftswissenschaften spezialisiert. Die ISM unterh√§lt je einen Campus in Vilnius und in Kaunas. Das Studienangebot umfasst einen vierj√§hrigen Bachelor- sowie zwei verschiedene Master- und einen Promotionsstudiengang. Im Jahre 2007 studierten in Kaunas und Vilnius an der ISM 1772 Studentinnen und Studenten, wobei von diesen 1418 im Bachelor- 330 im Master- und 24 im Doktorandenprogramm eingeschrieben waren.[13]

Dar√ľber hinaus gibt es in Vilnius noch die Technische Gediminas-Universit√§t Vilnius, die Mykolas-Romer-Universit√§t, die P√§dagogische Universit√§t Vilnius, die Kunstakademie Vilnius und die Internationale Hochschule f√ľr Recht und Wirtschaft.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Aufgef√ľhrt sind Personen, die in Vilnius geboren wurden, gestorben sind oder hier begraben liegen und die mit der Stadt eine pers√∂nliche Verbindung aufweisen.

Literatur

Bibliographien

Werke

  • Abraham Sutzkever: Wilner Getto 1941‚Äď1944. √úbersetzt von Hubert Witt, Ammann Verlag, Z√ľrich 2009. ISBN 978-3-250-10530-5
  • Rich Cohen: Nachtmarsch. Fischer, ISBN 3-596-15240-2 (Widerstand von Wilnaer Juden), Roman
  • Dunin-Horkawicz, Janusz: Wilna ‚Äď verlorene Heimat. Erinnerungen eines polnischen Bibliothekars (1933‚Äď1945). Hannover 1998 (Kleine historische Reihe des Laurentius Verlages. Bd. 11), ISBN 3-931614-94-8
  • Fishman, David E.: Dem Feuer entrissen. Die Rettung j√ľdischer Kultursch√§tze in Wilna. Deutsch-jiddische Ausgabe. Hannover 1998, ISBN 3-931614-97-2
  • Jurga Ivanauskaitńó: Die Regenhexe. DTV, ISBN 3-423-13132-2
  • Mascha Rolnikaite: Ich muss erz√§hlen. Kindler, ISBN 3-463-40427-3
  • Sima Skurkovitz: Sima. Bericht einer j√ľdischen Frau aus Vilnius √ľber die Zeit des Naziterrors. C. Weiherm√ľller, Leverkusen 2002, ISBN 3-929325-05-5
  • Helmuth Sch√∂nauer: Der eingecremte Blick auf Vilnius. Roman. Wien 2002, ISBN 978-3-85266-196-4
  • Benjamin Anolik, Lauf zum Tor mein Sohn. Von Wilna durch das Ghetto Wilna und sechs Lager in Estland (= Edition Sho√°h & Judaica; 3), Konstanz 2005, ISBN 3-86628-020-3
  • Genrich Agranovskij, Vilnius: Memorable Sites of Jewish History and Culture, Vilnius: Vilna Gaon Jewish State Museum [u.a.] 2005, ISBN 9955-9556-6-X
  • J√ľdische Kultur(en) im Neuen Europa ‚Äď Wilna 1918‚Äď1939, hrsg. von Marina Dmitrieva, Wiesbaden 2004 (J√ľdische Kultur. Studien zur Geistesgeschichte, Religion und Literatur; 13), S. 85-97
  • Judenmord in Litauen. Studien und Dokumente, hrsg. von Wolfgang Benz und Marion Neiss (= Dokumente, Texte, Materialien // Zentrum f√ľr Antisemitismusforschung der Technischen Universit√§t Berlin; 33), Berlin: Metropol-Verlag 1999 ISBN 3-932482-23-9
  • Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941, hrsg. von Vincas Bartusevińćius, Joachim Tauber und Wolfram Wette (beteiligt Ralph Giordano), K√∂ln [u. a.]: B√∂hlau 2003, ISBN 3-412-13902-5
  • Kim Priemel: Am Rande des Holocaust. Die Rettung von Juden durch Wehrmachtsangeh√∂rige in Vilnius, in: Zeitschrift f√ľr Geschichtswissenschaft 52 (2004), S. 1017‚Äď1034
  • Joachim Tauber und Ralph Tuchtenhagen: Vilnius. Kleine Geschichte der Stadt. K√∂ln-Weimar-Wien: B√∂hlau Verlag 2008, ISBN 978-3-412-20204-0. (Schwerpunkt auf der politischen Geschichte)
  • Tomas Venclova: Vilnius. Eine Stadt in Europa (= Edition Suhrkamp; 2473), Frankfurt 2006, ISBN 3-518-12473-0 ISBN 978-3-518-12473-4 (√ľbersetzt von Claudia Sinnig)
  • Cornelius Hell: Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius, Picus Verlag Februar 2009, ISBN 978-3-85452-951-4

Weblinks

 Commons: Vilnius ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ‚ÜĎ W√§hrend in den anderen baltischen Hauptst√§dten Riga und Tallinn gotische (genauer: backsteingotische), hanseatische und lutherische Elemente wichtig waren und der Seehandel vorherrschte, dominierten in Vilnius das Barocke und das Katholische, und f√ľr Litauen ging es im Wesentlichen um Landhandel.
  2. ‚ÜĎ Goruma.de - Verwaltung von Vilnius abgerufen am 21. Mai 2011
  3. ‚ÜĎ Vilnius-tourism.lt - Die Verwaltung von Vilnius abgerufen am 21. Mai 2011
  4. ‚ÜĎ Tauber/Tuchtenhagen (2008), S. 15.
  5. ‚ÜĎ Tauber/Tuchtenhagen (2008), S. 16f., 21f. und 33.
  6. ‚ÜĎ Magocsi, P. R. (2002): Historical Atlas of Central Europe. Seattle: University of Washington Press
  7. ‚ÜĎ Casimir Hermann Baer: Der V√∂lkerkrieg, Band 12, Seite 232. Hoffmann Verlag, Stuttgart, abgefragt am 17. September 2010
  8. ‚ÜĎ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962‚Äď1977.
  9. ‚ÜĎ Volker Hagemann: Riga ‚ÄĘ Tallinn ‚ÄĘ Vilnius. Rundg√§nge durch die Metropolen des Baltikums. Berlin: Trescher 2008, S. 218
  10. ‚ÜĎ Vilnius-tourism: Die Verwaltung von Vilnius abgerufen am 15. Mai 2011
  11. ‚ÜĎ Unesco-Eintrag Nr. 541 abgerufen am 15. Mai 2011
  12. ‚ÜĎ http://fazarchiv.faz.net/faz.html?START=A40&T_TEMPLATE=save&WID=34163-1120091-20809_4
  13. ‚ÜĎ Pr√§sentation im PDF-Format √ľber die ISM University of Management and Economics

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