Vorarlberg

ï»ż
Vorarlberg
Vorarlberg
Landesflagge Landeswappen
Landesflagge Landeswappen
Basisdaten
Landeshauptstadt: Bregenz
GrĂ¶ĂŸte Stadt: Dornbirn
Landeshymne: ’s LĂ€ndle, meine Heimat
ISO 3166-2: AT-8
KĂŒrzel: V
Website: www.vorarlberg.at
Karte: Vorarlberg in Österreich
Liechtenstein Schweiz Bodensee Vorarlberg Tirol Tirol Salzburg KÀrnten Burgenland Wien Steiermark Oberösterreich Niederösterreich Italien Slowenien Deutschland Kroatien Slowakei Tschechien UngarnVorarlberg in Austria.svg
Über dieses Bild
Politik
Landeshauptmann: Herbert Sausgruber (ÖVP)
Regierende Partei: ÖVP
Sitzverteilung im Landtag
(36 Sitze):
ÖVP 20
FPÖ 9
GrĂŒne 4
SPÖ 3
Letzte Wahl: 20. September 2009
(Ergebnisse)
NĂ€chste Wahl: 2014
Bevölkerung
Einwohner: 372.001 (30. September 2011)[1]
– Rang: 8. von 9
Bevölkerungsdichte: 143 Einw. pro kmÂČ
AuslĂ€nderanteil: 13,0 %[2] (2010)
Geographie
FlĂ€che: 2.601,48 kmÂČ
– davon Land: 2.533,84 kmÂČ (97,4 %)
– davon Wasser: 67,64 kmÂČ (2,6 %)
– Rang: 8. von 9
Geographische Lage: 47° N, 10° O47.2436111111119.8938888888889Koordinaten: 47° N, 10° O
Höchster Punkt: 3.312 m ĂŒ. A.
(Piz Buin)
Tiefster Punkt: 395,23 m ĂŒ. A.
(Bodensee)
Verwaltungsgliederung
Bezirke: 0 StatutarstÀdte
4 Bezirke
Gemeinden: 96
– davon StĂ€dte: 5
– davon Marktgemeinden: 11
Karte: Verwaltungsbezirke in Vorarlberg
Bezirk Bludenz Bezirk Bregenz Bezirk Dornbirn Bezirk FeldkirchDie Vorarlberger Verwaltungsbezirke
Über dieses Bild
Rheintal bei Bregenz
Hinterer Bregenzerwald

Vorarlberg ist ein Bundesland im Westen von Österreich. Durch seine Verfassung ist es sowohl als „selbstĂ€ndiger Staat“ wie auch als Teil des Bundesstaates definiert.[3] Die Landeshauptstadt ist Bregenz.

Vorarlberg, das im lokalen Dialekt meist LĂ€ndle genannt wird, ist das westlichste und flĂ€chen- wie bevölkerungsmĂ€ĂŸig zweitkleinste Bundesland Österreichs.

Viele Vorarlberger Kulturformen unterscheiden sich vom ĂŒbrigen Österreich. So werden etwa hoch- und höchstalemannische Dialekte gesprochen (Vorarlbergerisch), wĂ€hrend das ĂŒbrige Österreich fast ausschließlich zum bairischen Sprachraum gehört. Geografisch gesehen liegt das Land weitestgehend im Einzugsgebiet des Rheins,[4] wĂ€hrend das ĂŒbrige Österreich mit kleinen Ausnahmen demjenigen der Donau angehört.[5]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die FlĂ€che Vorarlbergs wird im Allgemeinen mit 2.601,48 kmÂČ angegeben. Ohne die FlĂ€che des hohen Sees des Bodensees, der nach der allgemein vorherrschenden Kondominiumstheorie völkerrechtlich von allen Anrainerstaaten gemeinsam verwaltet wird, betrĂ€gt die LandesflĂ€che allerdings nur 2.596 kmÂČ. Das Land liegt zwischen dem Bodensee und dem Alpenrhein im Westen, dem Arlberg und der Verwallgruppe im Osten, den GebirgszĂŒgen des RĂ€tikons und der Silvretta im SĂŒden und dem AllgĂ€u im Norden.

Politische Geographie

Das Bundesland ist in vier unterschiedlich große Verwaltungsbezirke aufgeteilt. Die Bezirke tragen jeweils den Namen ihrer Hauptstadt; diese sind, der flĂ€chenmĂ€ĂŸigen GrĂ¶ĂŸe der Bezirke nach abnehmend geordnet Bludenz, Bregenz, Feldkirch und Dornbirn.

Neben diesen Verwaltungsbezirken gibt es sechs Gerichtsbezirke im Bundesland. Es sind dies Bezau, Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Montafon. Generell decken die in den BezirkshauptstÀdten ansÀssigen Bezirksgerichte jeweils den gesamten Bezirk ab. Die beiden FÀlle des Bezirksgerichts Bezau, welches den gesamten Bregenzerwald und das Kleinwalsertal abdeckt, und Montafon, welches, ansÀssig in Schruns, das komplette Montafon behandelt, beschrÀnken jeweils die Gebiete des Bezirksgerichts Bregenz und Bludenz.

Vorarlberg ist in 96 eigenstĂ€ndige politische Gemeinden und 107 Katastralgemeinden gegliedert. FĂŒnf Vorarlberger Gemeinden fĂŒhren das Stadtrecht (Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Hohenems) und weitere elf wurden zur Marktgemeinde erhoben.

Sitz der obersten Organe des Landes, des Vorarlberger Landtags und der Landesregierung, ist die Landeshauptstadt Bregenz. FĂŒr die Dauer außerordentlicher VerhĂ€ltnisse kann der Landeshauptmann, laut Landesverfassung, deren Verlegung an einen anderen Ort des Landesgebietes verfĂŒgen.

Talschaften

Das gebirgige Vorarlberg wird geographisch vor allem durch die TĂ€ler und deren FlĂŒsse strukturiert: Das Rheintal mit dem Rhein und der Walgau mit der Ill sind die bevölkerungsreichsten Gebiete. Weitere TĂ€ler und deren FlĂŒsse sind: Montafon (Ill), Klostertal (Alfenz), Großes Walsertal (Lutz), Brandnertal (Alvier), Laternsertal (Frutz), Leiblachtal (Leiblach), Bregenzerwald (Bregenzer Ach), Kleinwalsertal (Breitach) und das Lechtal (Lech) im Arlberg-Gebiet.

Großraumgebiete

Vorarlberg wird in mehrere GroßrĂ€ume eingeteilt, die meistens verkehrstechnisch oder -planerisch zusammenhĂ€ngen. Den wichtigsten dieser GroßrĂ€ume bildet das von Bregenz bis Feldkirch verlaufende Rheintal, welches mit knapp 240.000 Menschen das grĂ¶ĂŸte Ballungszentrum Vorarlbergs darstellt. Damit konzentrieren sich rund 66 % der Bevölkerung auf den Westen des Landes.

Die zweitgrĂ¶ĂŸte Region ist der Walgau mit rund 48.000 Einwohnern. Weitere Regionen sind der Bregenzerwald, das Montafon, die Bodenseeregion inklusive Leiblachtal sowie das Große Walsertal. Eine geografische Besonderheit bildet das Kleinwalsertal, das von Österreich aus nicht erreichbar und nur ĂŒber Bayern zugĂ€nglich ist. Dennoch gehört es als „funktionale Enklave“ zum Bezirk Bregenz.

FlĂŒsse und GewĂ€sser

Als Hauptfluss Vorarlbergs gilt der Neue Rhein (Alpenrhein), der auf weiter Strecke die Staatsgrenze zur Schweiz bildet. Die Ill ist der zweitwichtigste Fluss und durchfließt das Montafon und den Walgau, bevor sie bei Meiningen in den Rhein fließt. Weitere wichtige GewĂ€sser sind die Bregenzer und die Dornbirner Ach, da sie große Teile der Berge des Bregenzerwaldes entwĂ€ssern. Der grĂ¶ĂŸte See ist der Bodensee, an dem Vorarlberg mit einer UferlĂ€nge von gut 11 Prozent (28 Kilometer) beteiligt ist. Weitere bedeutsame Seen sind der LĂŒnersee und der Kopsspeicher, allerdings sind beides Stauseen der Vorarlberger Illwerke. Aus dem Lechquellengebirge entspringt der Lech, der in nordöstlicher Richtung nach Tirol fließt.

PĂ€sse

Vorarlberg wird im Osten durch drei PĂ€sse mit dem ĂŒbrigen Österreich verbunden, die nicht oder nur bedingt ganzjĂ€hrig befahrbar sind. Das sind der Arlberg, der Hochtannberg (verbindet eigentlich das Bregenzerachtal mit dem oberen Lechtal) und die Bielerhöhe in der Silvretta (zwischen dem Montafon und dem Paznauntal). Der Flexenpass stellt die Verbindung zwischen dem obersten Lechtal, dem Klostertal und dem Arlberg her. Ein nicht ganzjĂ€hrig befahrbarer Pass ist das Furkajoch, welches das Rheintal ĂŒber das Laternsertal mit dem inneren Bregenzerwald (DamĂŒls) verbindet. Zwei weitere wichtige innervorarlbergische ÜbergĂ€nge sind das Bödele (Losenpass 1.140 m) zwischen Dornbirn beziehungsweise dem Rheintal und dem Bregenzerwald sowie das Faschinajoch, ĂŒber das eine Landesstraße vom Bregenzerwald ins Großwalsertal und weiter in den Walgau fĂŒhrt.

Wichtige Berge und Gebirgsketten

Der höchste Berg Vorarlbergs ist der Piz Buin mit 3.312 Metern Höhe. Weitere bekannte Berge sind die Zimba (RĂ€tikon), die Schesaplana (höchster Berg des RĂ€tikons), die Rote Wand (Lechquellengebirge), die Drei TĂŒrme (Montafon), die Drei Schwestern (bei Frastanz/Feldkirch), der Diedamskopf und die Kanisfluh im Bregenzerwald, der Große Widderstein (höchster Berg des Kleinen Walsertals), der Karren in Dornbirn und der PfĂ€nder in Bregenz.

Die Rote Wand (2704 m) im Lechquellengebirge in Vorarlberg, winterliche Aufnahme aus dem Hubschrauber, Cinedoku Vorarlberg Titelbild
Das Gebiet um die Rote Wand bildet die geographische Mitte Vorarlbergs.

Das wohl bekannteste Gebirgsmassiv ist die Silvretta im SĂŒdosten des Landes. Hier befinden sich auch Vorarlbergs grĂ¶ĂŸte Gletscher. Ein weiterer bedeutender Gebirgszug ist der RĂ€tikon, der sich ebenfalls im SĂŒden des Landes an der Grenze zur Schweiz befindet. Die Gebirge fallen in Richtung Norden steil ab. Im Bregenzerwald steigen die Berghöhen stufenweise Richtung SĂŒdosten bis 2.650 m (Braunarlspitze) an. Der bekannte Hausberg der Landeshauptstadt, der PfĂ€nder (1.064 m) im Nordwesten des Landes, erhebt sich zwar mehr als 650 Meter ĂŒber den Bodensee, ist damit aber dennoch einer der niedrig(st)en Berge im Landesgebiet.

NachbarlÀnder

Vorarlberg hat Grenzen mit dem Schweizer Kanton St. Gallen und dem FĂŒrstentum Liechtenstein im Westen, dem Kanton GraubĂŒnden im SĂŒden, mit dem österreichischen Bundesland Tirol im Osten und dem deutschen Land Bayern im Norden.
Aufgrund einer völkerrechtlichen Besonderheit, nach der es außerhalb der dem Ufer vorgelagerten Halde des Bodensees keine festgelegten Staatsgrenzen gibt, und daher alle Anrainerstaaten aneinander grenzen, grenzt Vorarlberg des Weiteren an Baden-WĂŒrttemberg und den Schweizer Kanton Thurgau.[6]

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Vorarlbergs

Vorarlberg war mindestens seit 500 v. Chr. vom keltischen Volksstamm der Brigantier besiedelt. Im Jahr 15 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet.

Um 260 begannen die EinfĂ€lle der Alemannen, die dann ab etwa 450 hier siedelten. Mit den Alemannen kam das Gebiet zum FrĂ€nkischen Reich, 843 zum OstfrĂ€nkischen Reich. Als Erben der Udalrichinger, die karolingische Grafen u. a. im Bodenseegebiet waren, erlangten die Grafen von Montfort um 1200 die Herrschaft im Gebiet von Bludenz, Bregenz und Feldkirch.

Seit dem 14. Jahrhundert gelangten die einzelnen Herrschaften an die Habsburger, die bestrebt waren, ihre Territorien in der heutigen Schweiz und ihre österreichischen Besitzungen zu arrondieren: 1363 die Herrschaft Neuburg am Rhein, 1375 die Grafschaft Feldkirch, 1394 die Herrschaft Bludenz mit dem Montafon, 1397 die Herrschaft Jagdberg, 1451 die halbe Grafschaft Bregenz, 1453 die Gerichte Tannberg und Mittelberg, 1474 die Grafschaft Sonnenberg (der Truchsessen von Waldburg), 1523 die zweite HĂ€lfte der Grafschaft Bregenz. Zahlreiche Herrschaften in SĂŒdwestdeutschland (Freiburg im Breisgau) und der heutigen Schweiz (Fricktal im spĂ€teren Kanton Aargau) waren ebenfalls in habsburgischem Besitz (Vorderösterreich). Bis ins 17. Jahrhundert hinein stand ein Landvogt an der Spitze der Verwaltung der habsburgischen Gebiete in Vorarlberg.

Karte Vorarlbergs (von 1783)

Ebenfalls ins 14. Jahrhundert fĂ€llt die Einwanderung der Walser aus dem Oberwallis (Schweiz) und GraubĂŒnden (Schweiz). Im 13. Jahrhundert war die alemannische Bevölkerung im Oberwallis so stark angewachsen, dass ihnen der Platz zu eng wurde. Eine Ausdehnung weiter nach Westen war wegen der starken Romanen (Herzogtum Savoyen) nicht möglich, deshalb zogen sie ĂŒber die östlichen und sĂŒdlichen GebirgspĂ€sse in die nachbarlichen HochtĂ€ler (Walserwanderung).[7]

1765 fiel die Grafschaft Hohenems nach dem Aussterben des Grafenhauses in mĂ€nnlicher Linie ebenfalls an die Habsburger. 1804 rundete der Erwerb der Herrschaften Blumenegg und St. Gerold, ehemals Besitz der Klöster Weingarten bzw. Einsiedeln, und schließlich 1814 des ehemaligen Reichshofes Lustenau das Territorium ab.

In napoleonischer Zeit, zwischen 1806 und 1814, gehörte das Gebiet Vorarlbergs zu Bayern und kam dann bis auf die WestallgĂ€uer Teile der Herrschaften Bregenz und Hohenegg an Österreich zurĂŒck; es wurde von Innsbruck aus verwaltet.

1861 wurde Voralberg ein "Land" mit eigenem Landtag und Landesausschuss, blieb aber im Hinblick auf die Verwaltung weiterhin Teil der "gefĂŒrsteten Grafschaft" Tirol mit der Statthalterei in Innsbruck als oberster Instanz. Reste dieser Verwaltungseinheit mit Tirol gibt es noch heute z.B. im Gerichtswesen (Oberlandesgericht Innsbruck) oder in der Kammerorganisation (Architekten, Notare).

Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie trennte Vorarlberg 1918 seine Verwaltung von derjenigen Tirols. Eine Volksabstimmung, die Verhandlungen mit der Schweiz ĂŒber einen Beitritt Vorarlbergs zur schweizerischen Eidgenossenschaft befĂŒrwortete, ergab 1919 eine Mehrheit von gut 80 Prozent, scheiterte jedoch an der zögerlichen Politik der (provisorischen) Vorarlberger Landesversammlung und am Schweizer Bundesrat, der das sorgsam austarierte VerhĂ€ltnis zwischen Sprachen und Religionen in der Schweiz nicht durch einen zusĂ€tzlichen Kanton mit deutschsprachigen Katholiken ins Ungleichgewicht bringen wollte, sowie an den FriedensvertrĂ€gen von St. Germain und Versailles.[8] Die herabwĂŒrdigende Bezeichnung Vorarlbergs als Kanton Übrig stammt dagegen von einem den Anschluss an Deutschland befĂŒrwortenden Gegner des Vorhabens.[9] Mit der Errichtung der Republik wurde Vorarlberg ein selbstĂ€ndiges Bundesland mit eigener Landesregierung und einer im Wesentlichen bis heute gĂŒltigen Verfassung. Vorarlberg ist das einzige österreichische Bundesland, das sich auch als selbstĂ€ndiger Staat versteht.[3]

Nach dem so genannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. MĂ€rz 1938 wurde Vorarlberg mit der Republik Österreich vom nationalsozialistischen Deutschen Reich de facto annektiert. Bereits kurz nach der MachtĂŒbernahme durch die Nationalsozialisten wurde Vorarlberg mit Tirol zum „Gau Tirol-Vorarlberg“ zwangsvereinigt und als selbstĂ€ndige Gebietskörperschaft aufgelöst. Auch in Vorarlberg, das von Kriegshandlungen fast vollstĂ€ndig verschont blieb, forderten die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und der Zweite Weltkrieg Menschenleben. Kurz vor Kriegsende im FrĂŒhjahr 1945 schoss die örtliche SS noch auf einheimische Zivilisten, die „zu frĂŒh“ weiße Fahnen beim AnrĂŒcken der französischen Truppen aus den Fenstern gehĂ€ngt hatten. In Vorarlberg lebten 1938 nur noch sehr wenige Juden. Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende JĂŒdische Gemeinde von Hohenems wurde zwangsweise aufgelöst und die Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nach dem Krieg gehörte Vorarlberg von 1945 bis 1955 gemeinsam mit dem Land Tirol (ausgenommen Osttirol) zur Französischen Besatzungszone.

Im Jahr 1964 sorgte Vorarlberg fĂŒr bundesweite Schlagzeilen, als eine aufgebrachte Menge in der Bodenseegemeinde Fußach erreichte, dass ein Schiff statt auf den vom Bundesministerium fĂŒr Verkehr vorgesehenen Namen „Karl Renner“ auf den Namen „Vorarlberg“ getauft wurde. Dieser lokale Protest gegen die Zentralregierung wurde unter dem Namen FußachaffĂ€re bekannt.

In den Jahren 1999 und 2005 verwĂŒsteten schwere Überschwemmungen Teile Vorarlbergs und verursachten große SchĂ€den.

Name

Der Name „Vorarlberg“ leitet sich vom Pass Arlberg ab: Aus Sicht des alten Reiches, der Stammburg der Habsburger und der Schweizerischen Eidgenossenschaft liegt das Gebiet „vor“ dem Arlberg. Der Name „Vorarlberg“ wird seit Mitte des 18. Jahrhunderts fĂŒr die zu einem Land zusammengewachsenen Gebiete verwendet.[10]

Wappen

→ Hauptartikel: Vorarlberger Wappen

Die staatlichen Symbole des Landes sind das Landeswappen, das Landessiegel, die Landeshymne[11] und die Landesfarben.

Die Vorarlberger Landesverfassung bestimmt im Rahmen der Landessymbole das 1918 eingefĂŒhrte Landeswappen mit den Worten: „Das Wappen des Landes ist das Montfortische rote Banner auf silbernem Schild.“

Das Montfortische Banner ist mit drei gleich breiten, und schwarz befransten LÀtzen versehen und trÀgt am oberen Rand drei rote Ringe. Das obere Feld des Banners ist mit zwei, die LÀtze sind mit drei schwarzen Querlinien durchzogen.[12]

Politik

LandeshauptmÀnner der Zweiten Republik
24. Mai 1945 – 18. Oktober 1964 Ulrich Ilg
18. Oktober 1964 – 9. Juli 1987 Herbert Keßler
9. Juli 1987 – 2. April 1997 Martin Purtscher
seit 2. April 1997 Herbert Sausgruber
Das politische System Vorarlbergs
Sitzung des Vorarlberger Landtags

Das Amt des Vorarlberger Landeshauptmannes hat zurzeit Herbert Sausgruber (ÖVP) inne, sein Stellvertreter ist Landesstatthalter Markus Wallner (ÖVP). PrĂ€sidentin des Vorarlberger Landtages ist Bernadette Mennel (ÖVP).

Seit dem Beginn der Zweiten Republik wird Vorarlbergs Politik von der konservativen ÖVP Vorarlberg, zuvor, in der Zeit der Ersten Republik, von deren VorgĂ€ngerorganisation, der Christlichsozialen Partei, dominiert. Die SPÖ Vorarlberg schied 1974 aus der Landesregierung aus. Vorarlberg war lange Zeit das einzige österreichische Bundesland, in dem die Regierungssitze laut Landesverfassung nicht nach dem Proporzprinzip, sondern nach dem Majorzprinzip vergeben werden, seit 1999 jedoch gilt auch in Salzburg und in Tirol das Majorzprinzip, es bestehen auch Bestrebungen weiterer BundeslĂ€nder auf dieses umzusteigen. Die ÖVP hatte â€“ bis auf die Zeitspanne zwischen 1999 und 2004 â€“ immer eine absolute Mandatsmehrheit im Landtag, die in frĂŒheren Landesregierungen dem Juniorpartner FPÖ oder SPÖ zugestandenen Regierungssitze waren keine politische Notwendigkeit. Seit 1984 sind auch Die GrĂŒnen als vierte Partei im Vorarlberger Landtag vertreten. Nach der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ entschied sich die Vorarlberger Landesgruppe zunĂ€chst fĂŒr einen eigenstĂ€ndigen dritten Weg, ordnete sich 2006 aber wieder der Bundes-FPÖ unter. Das Liberale Forum schaffte den Einzug in den Landtag nie. Der Sitz des Landtages und der Vorarlberger Landesregierung befindet sich in Bregenz.


Verwaltung

Politische Bezirke

Politische Bezirke[13]
Bezirk Einwohner FlĂ€che (kmÂČ) Bevölkerungs-
dichte
Bezirk Dornbirn 80.438 172 468
Bezirk Feldkirch 98.889 278 356
Bezirk Bregenz 125.647 854 147
Bezirk Bludenz 62.074 1.286 48
Vorarlberg 367.766 2.590 142

Vorarlberg gliedert sich in vier politische Bezirke. Das sind von Nord nach SĂŒd geordnet:

Obwohl die StĂ€dte Bregenz, Dornbirn und Feldkirch durchaus die erforderliche GrĂ¶ĂŸe hĂ€tten, gibt es in Vorarlberg keine Statutarstadt.

Einrichtungen der Verwaltung

In Vorarlberg ist die Verwaltung traditionell dezentral organisiert. Dies liegt zum einen daran, dass Vorarlberg bis 1918 kein eigenstĂ€ndiges Land war, deshalb auch keine Landeshauptstadt besaß und die Einrichtungen auf die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte aufgeteilt wurden. Zum anderen liegt es daran, dass Bregenz zwar Sitz von Landtag und Landesregierung ist, als drittgrĂ¶ĂŸte Stadt des Landes aber nicht die zentrale Stellung einnimmt wie dies LandeshauptstĂ€dte in den meisten anderen BundeslĂ€ndern fĂŒr gewöhnlich tun. So kann das gesamte Rheintal, insbesondere die drei grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte Bregenz, Dornbirn und Feldkirch, als das eigentliche politische und gesellschaftliche Zentrum Vorarlbergs angesehen werden.

Einrichtungen mit landesweiter Bedeutung in den einzelnen StÀdten und Gemeinden, die normalerweise in der Landeshauptstadt angesiedelt sind, sind beispielsweise:

Bregenz: Landesregierung, Sicherheitsdirektion, Landespolizeikommando, MilitĂ€rkommando, Landesbibliothek, Landesarchiv, Landesmuseum, Landestheater, Landesschulrat fĂŒr Vorarlberg (Schulaufsicht), Kunsthaus Bregenz, Bregenzer Festspiele, Landwirtschaftskammer, RegionalbĂŒro der Sozialversicherungsanstalt der Bauern, Landesstelle der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter

Wolfurt: GĂŒterbahnhof fĂŒr das gesamte Rheintal – daraus resultierend: Postamt Wolfurt-Bahnhof als grĂ¶ĂŸtes und wichtigstes Postamt, Zollamt Wolfurt-Bahnhof und Sitz der ÖBB-Postbus AG

Dornbirn: ORF-Landesstudio, Fachhochschule, Vorarlberger Gebietskrankenkasse, Landesstelle der Pensionsversicherungsanstalt, Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer, Ärztekammer

Feldkirch: Sitz der Diözese, Landesgericht, Hauptzollamt fĂŒr Vorarlberg, Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer, PĂ€dagogische Hochschule, Landesstelle der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, grĂ¶ĂŸtes Landeskrankenhaus (Landeskrankenhaus Feldkirch), Finanzlandesdirektion fĂŒr Vorarlberg, Vorarlberger Landeskonservatorium, Landesvermessungsamt, Landesfeuerwehrschule

Lustenau: Industriellenvereinigung, Sitz der Internationalen Rheinregulierungsbehörde, wichtigstes Zollamt Richtung Schweiz, zentrales Erdöllager fĂŒr ganz Vorarlberg

Natur

Die Zimba ist einer der bekanntesten Kletterberge in Vorarlberg mit einer Höhe von 2.643 m ĂŒ. A. Da die Form des Berges von allen Seiten an ein Horn erinnert, wird sie auch Vorarlberger Matterhorn genannt. Die Zustiege in die Klettertouren sind nicht allzu schwer, jedoch sollten die Touren an sich nicht unterschĂ€tzt werden. Der höchste Berg ist der Piz Buin in der Silvretta mit 3.312 m ĂŒ. A.

Das Naturschutzgebiet Rheindelta ist das grĂ¶ĂŸte Feuchtgebiet am Bodensee und zĂ€hlt zu den bedeutendsten Brut- und Rastgebieten fĂŒr Vögel.

Zu den spektakulĂ€rsten Naturschauspielen im Rheintal gehört das Ebniter Tal mit der Rappenloch-, Alploch-, Schaufelschlucht, dem Staufensee, dem Kirchle und der Kobelach. Die Schluchten sind ĂŒber Dornbirn erreichbar und von April bis Oktober begehbar, außerhalb dieser Zeit besteht die Gefahr von Steinschlag.

Blick von der Hohen Kugel in Richtung Vorarlberger Rheintal und den Bregenzerwald.
Blick von der Hohen Kugel in Richtung Vorarlberger Rheintal und den Bregenzerwald.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung[14]

Vorarlberg ist mit 143 Einwohnern pro Quadratkilometer nach Wien das am zweitdichtesten besiedelte Bundesland Österreichs. Mit dem Ballungsraum zwischen Feldkirch und Hörbranz verfĂŒgt es ĂŒber eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas. Aufgrund der im österreichischen Vergleich frĂŒhen Industrialisierung, entwickelte sich Vorarlberg bereits im 19. Jahrhundert zu einem klassischen Einwanderungsland. Das flĂ€chenmĂ€ĂŸig kleine Land hat neben Wien den höchsten Immigrantenanteil. Dieser lag im Jahr 2008 bei etwa 13 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die grĂ¶ĂŸte migrantische Gruppe stellen, entgegen dem österreichischen Schnitt, Bewohner tĂŒrkischer Herkunft, knapp gefolgt von Immigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die weit abgeschlagene drittgrĂ¶ĂŸte Immigrantengruppe stellen in Vorarlberg Menschen aus Deutschland dar.

Vorarlberg war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts noch relativ dĂŒnn besiedelt. Die Rheinregulierung, der Bahnbau und der damit verbundene Aufschwung der Industrie förderte die Immigration von Trentinern, welche als ArbeitskrĂ€fte ins Land kamen. Zeugnis dieser Einwanderungswelle sind noch heute zahlreiche italienische Nachnamen, darunter auch bekannte wie etwa Collini oder Girardelli.

Die erste Einwanderungswelle beginnend in der Zwischenkriegszeit bestand hauptsĂ€chlich aus Menschen aus Ostösterreich, vor allem Steirer und KĂ€rntner. WĂ€hrend der NS-Zeit wanderte eine große Anzahl von SĂŒdtiroler Optanten ein. Zu diesem Zweck entstanden auch die markanten, noch heute erhaltenen und bewohnten, SĂŒdtiroler-Siedlungen in den grĂ¶ĂŸeren Gemeinden des Landes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten mehrere grĂ¶ĂŸere Einwanderungswellen das Vorarlberger Land, was den großen Bevölkerungssprung zwischen 1923 und 1951 (trotz des Krieges) und zwischen 1961 und 1971 erklĂ€rt. So waren etwa im Jahre 1966 26,3 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung außerhalb des Landes geboren worden.[15] Die erste Welle bestand vor allem aus deutschen Heimatvertriebenen (Sudetendeutsche und Untersteirer). Die zweite große Einwanderungswelle der 1960er und frĂŒhen 1970er Jahre kam mit den Gastarbeitern besonders aus der TĂŒrkei und Jugoslawien, deren Arbeitskraft vor allem in der Textilindustrie benötigt wurde. Diese Migrationswelle wurde durch die relativ gute Wirtschaftslage in Vorarlberg und der benachbarten Schweiz herbeigefĂŒhrt.

Religion

Religiöse Zugehörigkeit der Bevölkerung in Vorarlberg[16]

Bei der letzten von der Statistik Austria durchgefĂŒhrten VolkszĂ€hlung im Jahr 2001 waren etwa 78 Prozent der Vorarlberger römisch-katholischen und etwa 2,2 Prozent evangelischen Glaubens. Unter den evangelischen GlĂ€ubigen bekannte sich der Großteil zum Augsburger Bekenntnis, es gab aber auch eine kleine Gruppe, die sich zum helvetischen Bekenntnis bekannte. Muslime machten im Jahr 2001 circa 8,4 Prozent der Bevölkerung aus, womit der Islam die zweitgrĂ¶ĂŸte Glaubensgemeinschaft in Vorarlberg ausmacht. Dieser Glaube wird vor allem von tĂŒrkischen und bosnischen Einwanderern praktiziert und ist ĂŒberdurchschnittlich stark im Bezirk Dornbirn vertreten, wo verschiedene muslimische Glaubensgruppen mehr als 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ohne Glaubensbekenntnis waren bei der VolkszĂ€hlung 2001 in ganz Vorarlberg 20.945 Personen, was etwa 6 Prozent der Bevölkerung entsprach.[16]

Dialekt

→ Hauptartikel: Vorarlbergerisch

Im Gegensatz zum restlichen Österreich werden in Vorarlberg keine bairischen, sondern alemannische Dialekte gesprochen, vergleichbar dem alemannischen Schweizerdeutsch, dem sĂŒdbadischen Alemannisch und dem SchwĂ€bischen. Die beliebte Bezeichnung Vorarlbergs als „LĂ€ndle“ weist auf den alemannischen Sprachraum hin. Der nördliche Vorarlberger Dialekt (Bregenzerwald und die Landeshauptstadt Bregenz) ist am nĂ€chsten mit dem AllgĂ€uer Dialekt verwandt; der im Vorarlberger Rheintal gesprochene Dialekt orientiert sich eher an den Dialekten des Schweizer Rheintals (Kanton St. Gallen) sowie Liechtensteins. Vor allem in geographischen Bezeichnungen, aber auch fĂŒr manche AlltagsgegenstĂ€nde, haben sich viele romanische Begriffe erhalten und verbreitet.

Verkehr

Die Hauptverkehrsachse Vorarlbergs fĂŒhrt durch das Rheintal, den Walgau und das Klostertal zum Arlberg, durch den das Bundesland unter anderem mit dem restlichen Österreich verkehrstechnisch verbunden ist. Die erwĂ€hnenswertesten ÜbergĂ€nge nach Tirol sind die Bielerhöhe, der Arlbergpass und der Arlbergstraßentunnel, sowie der Übergang ins Lechtal bei Warth.

Auf Ebene des Individualverkehrs ist diese Verkehrsachse mit der Rheintal/Walgau Autobahn A 14 und der Arlberg Schnellstraße S 16 (mit dem Arlberg Straßentunnel) realisiert.

Im Dezember 2008 wurden Vorarlberg, von Seiten des Bundes, Fördermittel in der Höhe von 4,7 Millionen Euro zur DurchfĂŒhrung eines Modellversuches fĂŒr Elektroautos zugesprochen. Dabei sollen, vor allem im Rheintal, etwa 100 E-Wagen neu eingefĂŒhrt werden, 50 davon werden durch die Illwerke/VKW-Gruppe angeschafft und verleast. Der fĂŒr die Fahrzeuge benötigte Strom soll durch erneuerbare Energien gewonnen werden. Bei der Ausschreibung fĂŒr die Modellregion hatte sich das Land gegen Graz, Linz und Salzburg durchgesetzt.[17]

Im Bereich des öffentlichen Verkehrs sind die Hauptverkehrsachse die Vorarlbergbahn und die Arlbergbahn. Zusammen mit der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs werden diese Strecken von der ÖBB bedient. Daneben gibt es noch die von der Montafonerbahn betriebene Bahnstrecke Bludenz–Schruns. Die EuroCity-ZĂŒge von MĂŒnchen nach ZĂŒrich halten in Vorarlberg im Bahnhof Bregenz. Die Railjet ZĂŒge von Wien nach ZĂŒrich halten am Bahnhof Feldkirch.

Die Schmalspurstrecke im Bregenzerwald wurde in den 1970er-Jahren grĂ¶ĂŸtenteil stillgelegt und nur noch ein kurzer Abschnitt wird heute als Museumsbahn betrieben. Das Landbus, Stadtbus und Ortsbus System (die meisten Linien im Halbstundentakt) komplettieren die öffentlichen Verkehrsmittel, die tariflich im Verkehrsverbund Vorarlberg integriert sind.

Die Bodenseeschifffahrt hat entgegen den benachbarten Regionen in der Schweiz und Deutschland keine große Bedeutung. Sie dient zumeist touristischen Zwecken und verkehrt hauptsĂ€chlich im Sommer. Ein Bodenseeschiff heißt Vorarlberg, siehe dazu FußachaffĂ€re.

Vorarlberg hat außer einem Flugplatz fĂŒr Sportflugzeuge in Hohenems und zwei Heliports in Feldkirch und Ludesch keinen Flughafen. Die nĂ€chsten FlughĂ€fen sind Altenrhein (Schweiz), Friedrichshafen (Deutschland), Memmingen (Deutschland), ZĂŒrich (Schweiz), Innsbruck (Österreich), MĂŒnchen (Deutschland) und Stuttgart (Deutschland).

Wirtschaft

Standort

Wirtschaftlich ist das Bundesland Vorarlberg eine der am frĂŒhesten entwickelten Industrieregionen Österreichs. Heute dominiert nicht mehr so sehr die traditionelle Textilindustrie, sondern die feinmechanische und Elektroindustrie sowie der Tourismus (Lech und ZĂŒrs am Arlberg, Montafon, Bregenzerwald, Kleinwalsertal). Vorarlberg ist das am zweitstĂ€rksten industrialisierte Bundesland Österreichs mit der stĂ€rksten Exportorientierung (Exportquote der Industrieproduktion zirka 70 Prozent). Ein weiterer wichtiger Faktor sind die GrenzgĂ€nger in die Schweiz und nach Liechtenstein. Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EuropĂ€ischen Union ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards erreichte Vorarlberg 2006 einen Index von 129,5 (EU-27 = 100).[18]

Industrie

Zu den großen Vorzeigeunternehmen mit internationaler Bedeutung zĂ€hlen die Julius Blum GmbH und Grass in Höchst (BeschlĂ€ge), GebrĂŒder Weiss in Lauterach, Zumtobel in Dornbirn (Lichttechnik), Alpla in Hard (Plastikverpackungen), Doppelmayr in Wolfurt (Seilbahnanlagenbau), Rauch FruchtsĂ€fte in Rankweil und NĂŒziders sowie Pfanner in Lauterach (FruchtsĂ€fte), Suchard (Schokolade) und Getzner-Textil in Bludenz und Wolford (Textilien) in Bregenz. Daneben haben sich auch einige bedeutende auslĂ€ndische Großkonzerne mit strategischen Produktionsanlagen in Vorarlberg angesiedelt. Hier sind beispielsweise Liebherr und Hydro-Aluminium in Nenzing zu nennen. Zudem sind in Vorarlberg vier Brauereien angesiedelt, die grĂ¶ĂŸte und Ă€lteste â€“ seit 1834 bestehende â€“ Mohrenbrauerei August Huber befindet sich in Dornbirn.

Dienstleistungsbetriebe

In Vorarlberg bieten 51 Pflegeheime 2.147 Wohn-/PflegeplĂ€tze an, davon 1.818 PflegeplĂ€tze und 329 WohnplĂ€tze in 1.914 genutzten Zimmern; davon sind 1.755 Einzelzimmer. 2006 wurden 3.687 Menschen betreut, davon kamen 1.152 nur vorĂŒbergehend in ein Pflegeheim (alle Zahlen 2006).

Die Prostitution ist in Vorarlberg de facto verboten, da sie nur in vom Gemeindevorstand bewilligten Bordellen stattfinden darf und keine solchen Bewilligungen erteilt werden. 2011 bestanden ca. 70 bis 100 illegale Bordelle; das Gewerbe und die Kunden weichen auch in das benachbarte Schweizer Rheintal aus.[19]

Energie

Stromwirtschaft bildet heute einen grundlegenden Punkt der Vorarlberger Wirtschaft, wobei Wasserkraft die Hauptenergiequelle ist. Diese wird vorwiegend fĂŒr die Produktion von Spitzenstrom genutzt. Aufgrund eines Abkommens mit Baden-WĂŒrttemberg wird Spitzenstrom mit deutschem Grundstrom im VerhĂ€ltnis 1:4 ausgetauscht. 2003 war Vorarlberg auch die erste Region Europas, in der mehr regenerative Energie erzeugt als dort verbraucht wird. Ökostrom aus Vorarlberg wird deshalb auch ins deutsche WestallgĂ€u, in die Schweiz und in andere österreichische BundeslĂ€nder verkauft. Der grĂ¶ĂŸte Stromerzeuger Vorarlbergs ist die Illwerke AG. Sie produziert 75 Prozent des Vorarlberger Stroms vor allem durch Wasserkraft. GrĂ¶ĂŸter StromverkĂ€ufer des Landes ist die Vorarlberger Kraftwerke AG.

Tourismus

Die Tourismuswirtschaft nimmt in Vorarlberg, obwohl das Land eine etablierte Destination ist, eine fĂŒr ein Alpenland verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringe Rolle ein. Der Brutto-Wertschöpfungsanteil liegt bei etwa 6 %.[20] Im Tourismusjahr 2002/03 etwa wurden Einnahmen von 2,1 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Dabei zeigt sich die Branche in den letzten Jahren stabil, zwischen 1980 und 2003 schwankte die Anzahl der NĂ€chtigungen zwischen 7,5 bis 8,7 Mio. pro Jahr. Dabei halten AuslĂ€ndern 88 %, davon Deutschland 74 % (2003).

Wichtigste Tourismusregion ist das Montafon (NĂ€chtigungsanteil 2003: 25 %), es folgen das Kleine Walsertal und der Bregenzerwald (etwa 20 %), der Arlberg, die Region Bludenz und die Region Bodensee-Alpenrhein (etwa 12 %).[21]

Tendenzen

Die Wirtschaftsentwicklung Vorarlbergs wurde in den letzten Jahren als „sehr positiv und wird fĂŒr die Zukunft dynamischer eingeschĂ€tzt als fĂŒr die NachbarlĂ€nder“, das galt auch fĂŒr die prognostizierten Bevölkerungs- und BeschĂ€ftigtenzuwĂ€chse im Vergleich zu den benachbarten Staaten, mit Ausnahme von Liechtenstein.[22]

Die Vorarlberger Wirtschaft ist aber aktuell von vielen VerĂ€nderungen betroffen, wie Abwanderung von Industriebetrieben (Huber Tricot in Götzis, Head in Kennelbach) und steigenden Arbeitslosenzahlen. Die Arbeitslosenquote in Vorarlberg liegt aktuell (Oktober 2009) mit 7,9 Prozent 1,1 Prozentpunkte ĂŒber dem österreichweiten Durchschnitt und hat gegenĂŒber dem Vorjahr um 33 Prozent zugenommen.

Architektur

Die Architekturszene in Vorarlberg ist europaweit reputiert und hat mit der Neuen Vorarlberger Bauschule „Vorarlberg“ zu einem Label fĂŒr eine anspruchsvolle Architekturhaltung einer fruchtbaren Auseinandersetzung zwischen traditioneller Bauweise und moderner Interpretation gemacht. Die Vorarlberger Bauschule gilt als einer der wichtigsten Vorreiter der Neuen Alpenarchitektur.

FĂŒr die historische Architektur sind im Besonderen die eigenstĂ€ndigen Bauformen des WĂ€lderhauses und des Montafonerhauses relevant.

Medienlandschaft

Im Bereich der Printmedien dominiert die Tageszeitung Vorarlberger Nachrichten, die neben den beiden anderen reichweitenstarken, landesweit verbreiteten Printprodukten (Neue Vorarlberger Tageszeitung, Wochenzeitung Wann&Wo) unter dem Dach des Vorarlberger Medienhauses der Verlegerfamilie Russ erscheint. Zur herausgeberischen Linie der VN gehörten in der Vergangenheit immer wieder Kampagnen, die Vorarlberg als eigenstĂ€ndige Einheit gegenĂŒber „Restösterreich“ (insbesondere dem sozialdemokratisch dominierten Wien als historisches „Feindbild“) propagieren (Stichwort Schiffstaufe Fußach 1964).
Im Zeitungssektor kam es immer wieder zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Vorarlberger Medienhaus und anderen Verlegern, die das Vorarlberger Medienhaus in einer Art Monopolstellung sehen. Das Vorarlberger Medienhaus hĂ€lt auch Anteile am Privatsender „Antenne Vorarlberg“. Diesem Medienaufgebot kann sich in AnsĂ€tzen nur der öffentlich-rechtliche Österreichische Rundfunk entgegensetzen, mit dem tĂ€glichen regionalen TV-Nachrichtenprogrammfenster sowie dem Radiosender Radio Vorarlberg. Am 5. MĂ€rz 2007 hat die erste Analog-Abschaltung in Österreich stattgefunden und die endgĂŒltige Umstellung auf digitales TV (DVB-T) startet.

Siehe auch

 Portal:Vorarlberg – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Vorarlberg

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landesstelle fĂŒr Statistik: Bevölkerungsstatistische VerwaltungszĂ€hlung. Erhebung der Hauptwohnsitze fĂŒr das dritte Quartal 2011.
  2. ↑ Bevölkerung zu Jahresbeginn seit 2002 nach zusammengefasster Staatsangehörigkeit - Vorarlberg, Statistik Austria
  3. ↑ a b Artikel 1, Absatz 2 der Vorarlberger Landesverfassung bestimmt das Land als selbstĂ€ndigen Staat.
  4. ↑ iksms
  5. ↑ transboundarywaters
  6. ↑ Angabe laut Geoportal Bodensee
  7. ↑ Einwanderung nach Vorarlberg und Tirol, beschrieben auf der Seite "Walser in den Alpen" (walser-alps.eu).
  8. ↑ Onlineauftritt comanitas.com Daniel Witzig: Die Vorarlberger Frage. Die Vorarlberger Anschlussbewegung an die Schweiz, territorialer Verzicht und territoriale AnsprĂŒche vor dem Hintergrund der Neuregelung Europas 1918-1922 (Basler BeitrĂ€ge zur Geschichtswissenschaft 132). Basel/Stuttgart, 1974.
  9. ↑ Jörg Krummenacher: «Kanton Übrig». Wollen die Vorarlberger noch heute zur Schweiz? NZZ Online, 23. Oktober 2008, abgerufen: 7. Juli 2010
  10. ↑ Landesname Website der Vorarlberger Landesregierung, abgerufen: 7. Juli 2010
  11. ↑ Vorarlberger Landeshymne abspielen
  12. ↑ Angabe laut Website der Vorarlberger Landesregierung, abgerufen: 7. Juli 2010
  13. ↑ Hauptwohnsitze am 30. September 2008; Quelle: VierteljĂ€hrliche VerwaltungszĂ€hlung der Vorarlberger Landesregierung
  14. ↑ Bevölkerungsentwicklung der österreichischen BundeslĂ€nder laut Statistik Austria.
  15. ↑ Peter Meusburger, Die AuslĂ€nder in Liechtenstein. Eine wirtschafts- und sozialgeographische Untersuchung, Innsbruck 1970, S. 53
  16. ↑ a b Statistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und den BundeslĂ€ndern.
  17. ↑ Vorarlberg, Energie; ORF-Online vom 4. Dezember 2008, abgerufen: 7. Juli 2010
  18. ↑ Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)
  19. ↑ Im Rheintal statt im «sauberen LĂ€ndle» ins Bordell: Das faktische Prostitutionsverbot in Vorarlberg fĂŒhrt zur HĂ€ufung von Etablissements in St. Gallen, Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 29. Juli 2011, S. 12
  20. ↑ Wirtschaftskammer Vorarlberg, 2003. Zitiert nach Amt der Vorarlberger Landesregierung (Hrsg.): Verkehrskonzept Vorarlberg 2006 – Mobil im LĂ€ndle. In: Schriftenreihe Raumplanung Vorarlberg. 26, Bregenz Januar 2006, 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19 (pdf, vorarlberg.at).
  21. ↑ Amt der Vorarlberger Landesregierung, 2004. Zitiert nach Verkehrskonzept Vorarlberg 2006. 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19.
  22. ↑ Prognos AG (Hrsg.): Entwicklung des grenzĂŒberschreitenden Verkehrs im Vorarlberg. Aktualisierung der Studie zum grenzĂŒberschreitenden Straßenverkehr im Vorarlberger Rheintal aus dem Jahr 1990. Basel 2001. Zitiert nach Verkehrskonzept Vorarlberg 2006. 3.3 Wirtschaftsentwicklung, S. 19.

Weblinks

 Commons: Vorarlberg â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Vorarlberg â€“ in den Nachrichten
Wiktionary Wiktionary: Vorarlberg â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Vorarlberg —   State of Austria   Flag 
   Wikipedia

  • Vorarlberg — Estado de Austria 
   Wikipedia Español

  • VORARLBERG — Le plus exigu des LĂ€nder autrichiens aprĂšs Vienne, le Vorarlberg (2 601 km2) est cependant, de loin, le plus dynamique. Sa population Ă©tait de 331 472 habitants en 1991. Le Land a su faire preuve d’un dynamisme et d’un esprit d’entreprise qui ont 
   EncyclopĂ©die Universelle

  • VORARLBERG — VORARLBERG, autonomous province in W. Austria. Jews lived in the village of Feldkirch in the early 14th century. Seven Jewish families who moved without permission, in 1343, to Bludenz, continued to remain the property of their former lord, Duke… 
   Encyclopedia of Judaism

  • Vorarlberg — (das Land »vor dem Arlberg«), österreich. Kronland, in administrativer Beziehung mit Tirol vereinigt (s. Karte »Tirol«), grenzt im N. an Bayern, im O. an Tirol, im S. an die Schweiz (GraubĂŒnden), im W. an das FĂŒrstentum Liechtenstein und die… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Vorarlberg — Vorarlberg, so v.w. Bregenz 1), s.d. u. Tyrol. Das LĂ€ndchen, welches frĂŒher den Grafen von Montfort gehörte, erhielt, nachdem es seit dem 15. Jahrh. nach u. nach in die HĂ€nde der Habsburgischen Grafen von Tyrol gekommen war, den Namen vor dem… 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Vorarlberg — Vorarlberg, kleinstes Kronland des zisleithan. Teils der Österr. Ungar. Monarchie [Karte: Österreichisch Ungarische Monarchie III], 2602 qkm, (1900) 129.237 E. [s. Beilage: ⇒ Österreichisch Ungarische Monarchie], zwischen Bodensee, Rhein und dem… 
   Kleines Konversations-Lexikon

  • Vorarlberg — Vorarlberg, Voralberg oder der Bregenzer Kreis, der nordwestlichste Theil von Tyrol mit einem FlĂ€chenraume von 74 Quadrat M. und einer Bevölkerung von 90,000 Einw., so benannt von dem Art oder Adlersberge, der es von dem Hauptlande trennt. Wie… 
   Damen Conversations Lexikon

  • Vorarlberg — Bregenzer Kreis Tyrols, 46 QM. mit 103000 E., grĂ¶ĂŸtentheils Gebirgsland (vergl. Bregenz, Arlberg, Tyrol, Alpen), mit der breiten Rheinebene, ist in die Bezirkshauptmannschaften Bregenz, Bludenz u. Feldkirch eingetheilt, grĂ€nzt an den Bodensee,… 
   Herders Conversations-Lexikon

  • Vorarlberg — 47° 14â€Č 37″ N 9° 53â€Č 38″ E / 47.2436, 9.89389 
   WikipĂ©dia en Français


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.