Bayerischer Wald

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Bayerischer Wald
Mittelgebirgslandschaft des Bayerischen Waldes mit teilweise abgestorbenem Wald

Der Bayerische Wald (auch Bayrischer Wald, Bayerwald oder Böhmerwald) ist ein etwa 100 km langes Mittelgebirge an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien. Der größte Teil davon liegt im Regierungsbezirk Niederbayern sowie in Tschechien. Der Nordteil gehört zur Oberpfalz, im Osten reicht der Bayerwald bis zur Grenze Oberösterreichs.

Geologisch und geomorphologisch gehört er zum Böhmerwald - dem höchsten Rumpfgebirge des Böhmischen Massivs - und wird von diesem namentlich seit etwa 1830 unterschieden, als das Gebiet nach Einverleibung der Hochstifte Regensburg und Passau durchgehend bayerisch geworden war.

Entlang der tschechischen Grenze wurde das Gebirge zu einem Nationalpark gewidmet, dessen dichter Bewuchs sich langsam zu einem bodenst√§ndigen Urwald entwickelt. Das Schutzgebiet weist mehrere Informationszentren und ein Netz von Wanderwegen auf und setzt sich jenseits der Grenze im gr√∂√üeren Nationalpark B√∂hmerwald (҆umava) fort.

Inhaltsverzeichnis

√úbersicht

Der Bayerische Wald bildet zusammen mit dem sich nordwestlich, jenseits der Cham-Further Senke anschlie√üenden Oberpf√§lzer Wald (siehe auch Oberpf√§lzisch-Bayerischer Wald) sowie dem s√ľdlich von Passau und jenseits der Donau gelegenen Neuburger Wald das gr√∂√üte zusammenh√§ngende Waldgebiet Bayerns und dieses zusammen mit dem B√∂hmerwald (tschechisch ҆umava) und dem Sauwald (s√ľd√∂stliche Fortsetzung nach Ober√∂sterreich) eines der gr√∂√üten Europas.

Der Bayerische Wald wird haupts√§chlich vom Regen und der Ilz zur Donau entw√§ssert, ein kleiner Teil in Grenzn√§he zu Tschechien wird √ľber die Moldau zur Elbe entw√§ssert.

Die h√∂chsten Berge des Bayerischen Waldes sind der Gro√üe Arber mit 1.456 m und der Gro√üe Rachel (1.453 m). Im Ostteil des Gebirges entstand 1970 Deutschlands erster Nationalpark, der Nationalpark Bayerischer Wald. Er wurde 1997 erweitert und bildet zusammen mit Tschechiens Nationalpark ҆umava eines der gr√∂√üten Schutzgebiete Europas.

In √§lteren kartografischen und lexikalischen Werken umfasst der Begriff ‚ÄěBayerischer Wald‚Äú nur die Gebirgsregion des Vorderen Waldes zwischen Donau und Regen, der seine h√∂chste Erhebung im Ein√∂driegel hat. Der Hintere Wald (zwischen Regen und b√∂hmischer Grenze) mit den Bergen Arber, Rachel, Lusen u. a. galt fr√ľher als Teil des B√∂hmerwaldes. Der Sprachgebrauch der deutsch-bayerischen Beh√∂rden, der Fremdenverkehr, aber auch der fr√ľhere Eiserne Vorhang trugen dazu bei, dass der Begriff ‚ÄěBayerischer Wald‚Äú zunehmend auf die gesamte Mittelgebirgsregion diesseits der Grenze zwischen Bayern und B√∂hmen ausgedehnt wurde. Infolge der politischen Entwicklungen nach 1989, zuletzt mit dem Beitritt Tschechiens zum Schengenraum, ist aber der Trend erkennbar, das Mittelgebirge an der deutsch-tschechischen Grenze gerade auch in touristischer Hinsicht wieder als eine Einheit aufzufassen.

Zwischen vorderem und hinterem bayerischen Wald erstreckt sich ein breiteres und niedrigeres Zwischengebiet mit den Städten (im Westen) Viechtach, Regen und Zwiesel, sowie (nach Osten) Grafenau, Freyung, Waldkirchen, sowie (in Oberösterreich) Schlägl.

Der Tourismus hat im Bayerischen Wald einen hohen Stellenwert. Zwischen Natur, Wandern und Forstkultur gibt es auch mehrere Skigebiete. Ferner ist der Bayerische Wald bekannt f√ľr seine Glasbl√§serkunst im Raum Zwiesel sowie in den Geowissenschaften durch die Fundamentalstation Wettzell bei Bad K√∂tzting.

Die Einheimischen bezeichnen den Bayerischen Wald schlicht als ‚ÄěWoid‚Äú und nennen sich selbst ‚ÄěWaidler‚Äú.

Geologische Struktur

Der Oberpfälzisch-Bayerische Wald (D63) und seine Nachbarlandschaften

Der Bayerische Wald stellt den S√ľdwestrand der B√∂hmischen Masse dar und findet seine zun√§chst nordwestliche, dann nord√∂stliche Fortsetzung durch Oberpf√§lzer Wald, Fichtelgebirge, Erzgebirge und Sudeten. Geologisch nicht unterschieden ist er vom B√∂hmerwald jenseits der tschechischen Grenze und dem Sauwald auf √∂sterreichischer Seite. Naturr√§umlich wird er mit dem Oberpf√§lzer Wald zur Haupteinheitengruppe Oberpf√§lzisch-Bayerischer Wald zusammengefasst.

Der Fluss Regen

Der Einfachheit halber wird von einer Unterscheidung zwischen B√∂hmerwald (urspr√ľnglich der Innere Bayerische Wald) und Bayerischer Wald abgesehen und stattdessen die orts√ľbliche Bezeichnung Bayerischer Wald f√ľr den gesamten Bereich des auf deutscher Seite gelegenen Mittelgebirgsraums angewandt, da im Sprachgebrauch der bayerischen Bev√∂lkerung mittlerweile der Begriff B√∂hmerwald eher mit den in Tschechien liegenden Gebieten gleichgesetzt wird. Es wird lediglich zwischen dem Vorderen und Hinteren Bayerischen Wald unterschieden, wobei als Grenzlinie zwischen ihnen das Lineament des Bayerischen Pfahls anzusehen ist. In Nord-S√ľd-Richtung wird zwischen dem oberen und unteren Wald unterschieden.

Beim Bayerischen Wald handelt sich um die Wurzelzone eines altpal√§ozoischen Gebirges, dessen Ausgangsgesteine als sp√§tproterozoisch bis silurisch eingestuft werden. Nach mehreren Phasen der Deformation und Metamorphose verwandelten sich die zumeist sediment√§ren, zum Teil aber auch plutonischen und vulkanischen Ausgangsgesteine im Laufe der Jahrmillionen in die heute anstehenden Gneise. Vor allem im Karbon und Fr√ľhperm wurden die Gneise von m√§chtigen Granitk√∂rpern durchdrungen. Eine Sonderstellung haben lediglich im Norden das aus Glimmerschiefern aufgebaute K√ľnische Gebirge und das Gabbro-Amphibolit-Massiv um Eschlkam und Neukirchen beim Heiligen Blut mit dem Hohen Bogen als s√ľdlichstem Ausl√§ufer.

Eine wichtige Linie, die den Bayerischen Wald in zwei Teile teilt, stellt die ca. 150 km lange St√∂rung des Pfahles dar. Urspr√ľnglich als gro√ür√§umige Verwerfung im Oberdevon bis Oberkarbon angelegt, wurde er im ausgehenden Pal√§ozoikum und im Fr√ľhmesozoikum bruchtektonisch als Fiederspaltensystem reaktiviert, das durch das Eindringen hydrothermaler L√∂sungen mit Quarz verf√ľllt wurde. Auf weiten Strecken ragt diese Quarzmauer aufgrund der Festigkeit des Gesteins bis zu ca. 30 m √ľber die Umgebung heraus. N√∂rdlich des Pfahles findet man in der Hauptsache Gneise, s√ľdlich davon eher Granite und Migmatite.

Zwischen Regensburg und Passau f√§llt ein deutlicher H√∂henunterschied zwischen den nord√∂stlichen Vorwaldbergen und der s√ľdwestlich gelegenen Donauebene (‚ÄěG√§uboden‚Äú) auf. Diese Trennlinie zwischen dem Terti√§rh√ľgelland und dem Bayerischen Wald wird durch den Donaurandbruch verursacht, eine geologische St√∂rung zwischen dem abgesunkenen und unter terti√§ren bzw. quart√§ren √úberlagerungen des Molassebeckens gelegenen kristallinem Grundgebirge und dem nordwestlich dieser Linie noch sichtbaren Teil, der dem Bayerischen Wald zugeh√∂rt.

Recht markant ist der H√∂henunterschied zwischen der 300‚Äď350 m hoch gelegenen Donauebene und den h√∂chsten Gipfeln des Vorwaldes, zum Beispiel dem Ein√∂driegel mit 1.121 m, also immerhin 800 m H√∂henunterschied auf nur wenigen Kilometern Horizontalentfernung. Aufgrund der Hebung des Bayerischen Waldes, von der auch der Neuburger Wald und der Sauwald betroffen war, kam es zu einem antezedenten Einschneiden der Fl√ľsse Inn und Donau in diesen Bereich des kristallinen Grundgebirges und somit zur Ausbildung einer engen Talzone ab Pleinting donauabw√§rts ins √Ėsterreichische und s√ľdlich von Passau, wo sich der Inn ein tief eingeschnittenes Bett geschaffen hat.

Panorama des Regens

Eiszeitliche Formen

Blick vom Gipfel des Lusen auf den Aufstieg ‚ÄěSommerweg‚Äú im (S√ľd-)Westen

W√§hrend der Vordere Bayerische Wald in den Gipfelregionen nur wenig √ľber 1.000 m erreicht (beispielsweise Brotjacklriegel 1.016 m, Ein√∂driegel 1.121 m, Breitenauriegel 1.114 m, Vogelsang 1.022 m, Hirschenstein 1.095 m und Pr√∂ller 1.048 m), liegen die Gipfelregionen im Hinteren Bayerischen Wald h√§ufig √ľber 1.300 bis 1.400 m (Pl√∂ckenstein 1.378 m, Dreisesselberg 1.333 m, Lusen 1.371 m, Rachel 1.453 m, Kaitersberg 1.132 m, Gro√üer Falkenstein 1.315 m, Gro√üer Osser 1.293 m, Zwercheck 1.333 m, Gro√üer Arber 1.456 m).

Insbesondere diese Regionen des Hinteren Bayerischen Waldes waren w√§hrend der Eiszeiten von Schnee- und Eisfeldern bedeckt, die auch ihre Spuren hinterlassen haben. Hier waren auf den ausgedehnten Hochfl√§chen eher ausgedehnte Verfirnungen als lange Gletscherzungen anzutreffen. Die M√§chtigkeit des Gletschereises auf 1.050 m H√∂he lag bei etwa 125 m. Dort, wo sich die Gletscher einen Weg ins Tal bahnten, trifft man noch heute auf glazial bedingte Formen, wie Kare, Karoide und Karseen (Gro√üer Arbersee, Kleiner Arbersee, Rachelsee) sowie Mor√§nenw√§lle.

Rachelsee

Das Gletscherende lag zum Beispiel in der N√§he des gro√üen Arbersees auf ca. 850 m H√∂he, das Zungenende des n√∂rdlich ausgerichteten Gletschers hinab zum kleinen Arbersees bei ca. 830 m H√∂he. Demnach gab es einen betr√§chtlichen H√∂henunterschied von √ľber 600 m von den Gipfelregionen bis zu den Endmor√§nen. Weitere Gletscherzungen flossen vom Gro√üen Rachel herab. Auch hier gibt es Kare und Karoide, die auf die eiszeitliche Vergletscherung schlie√üen lassen.

Klima

Die alte Volksweisheit "Dreiviertel Jahr Winter, viertel Jahr kalt" schert das Klima im Bayerischen Wald allzu sehr √ľber einen Kamm. Sie stammt aus einer Zeit, in der vorwiegend landwirtschaftliche Interessen das Denken der Menschen pr√§gten. In Wirklichkeit ist das Klima der Region sehr vielschichtig und h√§ngt stark von der H√∂henlage ab, die immerhin von 300 m bis √ľber 1400 m reicht. Es gibt im Bayerischen Wald Schneeh√∂hen von bis zu 3 Metern. Auf der anderen Seite befindet sich √∂stlich von Regensburg das kleinste Weinbaugebiet Bayerns. Weiterer Einflussfaktor ist die vorherrschende Gro√üwetterlage. Der Bayerische Wald liegt im √úbergangsbereich zwischen mitteleurop√§ischem und kontinentalem Klima. √úberwiegt der kontinentale Typ bedeutet das im Winter kalte und trockene Lagen mit Minustemperaturen bis unter - 30 ¬įC. Die Sommer sind dann trocken und warm mit gelegentlichen Gewittern an den Hauptk√§mmen. Bei √ľberwiegend atlantischem Einfluss dominieren im Winter Tiefdruckwetterlagen, die an den nach S√ľdwesten gerichteten H√§ngen oft enorme Neuschneemengen im Gep√§ck haben. Im Sommer ist es m√§√üig warm mit vielen Gewitterschauern. Allgemein ist zu sagen, dass der kontinentale Einfluss von West nach Ost zunimmt. Der B√∂hmerwald im Osten ist trockener und k√§lter, der Bayerische Wald weist h√∂here Niederschl√§ge und insgesamt h√∂here Temperaturen auf.

Niederschläge

An den R√§ndern des Bayerischen Waldes bis zu den Gipfellagen steigen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen aufgrund des Steigungsregens und vermehrter Gewitterneigung in den Sommermonaten rasch an und erreichen in den H√∂henlagen 1300‚Äď1400 mm im Jahr. Im h√∂her gelegenen Hinteren Bayerischen Wald sind die Niederschl√§ge mit etwa 1500‚Äď1600 mm noch h√∂her anzusetzen als im Vorderen.

Allgemein jedoch sind die hier gemessenen Niederschlagswerte aufgrund der √∂stlicheren, kontinentaleren Lage des Bayerischen Waldes niedriger als beispielsweise in den vergleichbaren Regionen der Vogesen und des Schwarzwaldes. Wegen der Leelage des Regentales werden dort nur zwischen 800 mm und 900 mm erreicht. An den S√ľdwestseite des Vorderen Bayerischen Waldes sind es zwischen 1000 mm und 1200 mm. Ein weiterer Grund ist die Streichrichtung des Gebirges, die nur selten zu echtem Steigungsniederschlag mit im 90¬į-Winkel dazu verlaufenden Windrichtungen f√ľhrt.

Blick auf den Dreisesselgebirgszug von S√ľden

Temperaturen

Die Luft im gesamten Gebiet ist au√üergew√∂hnlich trocken; Werte um 35 % relativer Luftfeuchte treten h√§ufig auf.

Die Jahresmitteltemperaturen liegen in den Gipfellagen zwischen 3 ¬įC und 4 ¬įC, in den Tallagen zwischen 6,5 ¬įC und 8 ¬įC. Eine Besonderheit sind regionale Kaltluftseen in windgesch√ľtzten Tallagen. Nicht selten treten dort auch im Fr√ľhsommer noch Nachtfr√∂ste auf. Regelm√§√üig l√§sst sich dieser Effekt an der Meteomedia-Wetterstation Klingenbrunn-Bahnhof in der Gemeinde Spiegelau und an der Station Haidm√ľhle beobachten. Typisch f√ľr das kontinentale Klima ist auch die hohe Anzahl an Sommertagen mit Temperaturen √ľber 25 ¬įC. In den Tallagen werden im langj√§hrigen Durchschnitt zwischen 35 und 45 solcher Sommertage verzeichnet.

Der Bayerische Wald ist f√ľr seinen Schneereichtum bekannt. Dies gilt speziell f√ľr die mittleren Lagen √ľber 700 m und die h√∂heren Lagen √ľber 1000 m. In den Kammlagen des (Vorderen) Bayerischen Waldes h√§lt sich die Schneedecke bis zu 120 Tage und im B√∂hmerwald bis zu 180 Tage. In schneereichen Wintern kann dort die Schneeh√∂he √ľber 250 cm betragen. In den Tallagen unter 600 m und speziell im Regental werden hingegen nur 60 (Raum Viechtach) bis 100 Tage (Raum Zwiesel) mit einer Schneedecke verzeichnet. Auch die Schneeh√∂hen erreichen dort selten mehr als 30 cm.

Der Einflussbereich des Alpenföhns reicht oft bis an den Donaulauf und den Bayerischen Wald heran. Besonders an klaren Herbsttagen mit starkem Föhn ist deshalb von den Bergen des Bayerischen Waldes die Kette der Alpen zu erkennen.

Geschichte

In drei L√§nder greift dieses Waldgebiet aus: Den heute tschechischen B√∂hmerwald, den Bayerwald oder Bayerischen Wald und in einen Teil des M√ľhlviertels in Ober√∂sterreich. Bevor die Geschichte dieses Waldgebiets n√§her ausgeleuchtet wird, ist vorauszuschicken, dass der Begriff ‚ÄěBayerischer Wald‚Äú erst im fr√ľhen 19. Jahrhundert gepr√§gt wurde (man nimmt an, zu touristischen Zwecken, um ein abgestecktes Gebiet begrifflich genauer eingrenzen zu k√∂nnen). Vorher gab es f√ľr diese Waldregion keine unterschiedlichen Bezeichnungen, sie war f√ľr Bewohner h√ľben wie dr√ľben der B√∂hmerwald, oder noch gebr√§uchlicher, einfach ‚Äěder Woid‚Äú.

Kelten- und Römerzeit

Als gro√ües Waldgebirge scheint er in den √§ltesten √ľberlieferten Schriftquellen auf, schon gro√üe griechische und r√∂mische Pers√∂nlichkeiten kannten diese Region. So wird dieser Teil der weiten mitteleurop√§ischen Waldgebirge von Aristoteles √ľber Caesar bis Tacitus als ‚ÄěHercynia silva‚Äú bezeichnet.

Der ber√ľhmte griechischen Geograf Ptolem√§us bezeichnet das Waldgebiet als ‚ÄěGabreta hyle‚Äú. Der Name wird keltischen Urspr√ľngen zugeschrieben und soll soviel wie ‚ÄěSteinbockwald‚Äú oder ‚ÄěGei√üenwald‚Äú bedeuten.

Tacitus schreibt in seiner ‚ÄěGermania‚Äú (88 n. Chr.), dass fr√ľher in S√ľddeutschland die Helveter und √∂stlich davon die Bojer gewohnt haben sollen, beides keltische St√§mme, und stellt fest: ‚Äěmanet adhuc Boihaemi nomen significatque loci veterem memoriam quamvis inutatis cultoribus‚Äú, √ľbersetzt: ‚Äěgeblieben ist noch jetzt der Name B√∂hmen und bewahrt so die Erinnerung an die Vergangenheit des Landes, wenn auch dessen Bewohner gewechselt haben‚Äú. Denn die Bojer waren seinerzeit schon ausgewandert und etwa um Christi Geburt siedelten germanische Splitterst√§mme in B√∂hmen, in der Hauptsache die Markomannen vom Hauptstamm der westgermanischen Sueben, von denen die Moldau wohl ihren Namen ‚ÄěWildahwa‚Äú, (Wildache oder Wildwasser, in der Mundart noch heute am Oberlauf ‚ÄěWuida‚Äú genannt) erhalten haben d√ľrfte.

Im Laufe des 6. Jahrhunderts wanderten dann auch die Markomannen zusammen mit anderen germanischen Stammesteilen aus, vermutlich nach S√ľden, wo sie uns als Baiern, als ‚ÄěBaiwari‚Äú, ‚ÄěLeute aus Baiahairna‚Äú, wieder begegnen. Ursachen und Abfolge dieser Wanderbewegung bleiben wenig aufgekl√§rt und es gibt nach wie vor verschiedene Deutungsversuche.

Die Bayern jedenfalls, die seit dem ersten Viertel des 6. Jahrhundert zwischen Enns und Lech siedeln (neuere Funde deuten auf noch fr√ľher, bis nach dem Abzug der R√∂mer hin), sind die Vorfahren der heutigen Bev√∂lkerung, aber diese ist mit Sicherheit nicht nur rein keltischen Blutes, sondern auch von haupts√§chlich germanischen und r√∂mischen Genen durchmischt. Der Historiker Benno Hubensteiner schreibt dazu augenzwinkernd: ‚ÄěSie (die Bayern) waren ein Volk der V√∂lker. Sie m√ľssen ein unverbrauchtes Bauernvolk gewesen sein, gutm√ľtig und j√§hzornig, sinnenfroh und aufwenderisch, eigensinnig und beharrend wie noch heute.‚Äú Die Lust der Bayern am Auftrumpfen, Rankeln und Raufen schreibt Hubensteiner eindeutig den typischen Eigenheiten keltischen Blutes zu. Der alte Name ‚ÄěBaiahaima‚Äú aber, also die Heimat der Bojer, blieb weiterhin im Moldauland bestehen, zun√§chst wurde daraus ‚ÄěBeheima‚Äú und schlie√ülich zu ‚ÄěB√∂heim‚Äú und B√∂hmen.

Urspr√ľnglich "B√∂hmerwald"

Der Name B√∂hmerwald ist also uralt und auch gut tausend Jahre eher bezeugt als die slawische Bezeichnung ‚ÄěńĆechy‚Äú. Die Baiern selbst nannten den gro√üen Grenzwald im Norden ihres neuen Siedlungsgebietes urspr√ľnglich nur ‚ÄěNordwald‚Äú, was aus einer Urkunde K√∂nig Ludwigs des Deutschen aus dem Jahre 853 hervorgeht. Sp√§ter ist davon auch in der Niedernburger Schenkungsurkunde von 1010 die Rede, wo die Formulierung ‚Äěsilva quae vocatur Nortuualt‚Äú zu lesen ist. Aber allm√§hlich verschwand der Begriff vom Nordwald und wurde, ersichtlich in allen fr√ľhen Kartenwerken, als ‚ÄěBohemica silva‚Äú bezeichnet. Herauszugreifen ist da eine Deutschlandkarte aus dem Jahre 1491 von Nikolaus Cusanus, in der die Gegend von Passau und seinem n√∂rdlichen Grenzbirge verallgemeinernd ‚Äěsilva et montes Bohemia‚Äú (Wald und Berge B√∂hmens) genannt wird. Und Johannes Thurmair, genannt Aventin (1477 bis 1534), zeichnet in seiner Karte von ‚ÄěObern vnd Nidern Bairn‚Äú von 1523, der ersten Landkarte von ganz Bayern, den ‚Äěbehemisch waldt‚Äú n√∂rdlich der Donau ein, und zwar mit dem Zusatz ‚ÄěHercynie et Boiernie pars‚Äú woraus hervorgeht, dass der B√∂hmerwald in diesem Dokument nicht blo√ü ein Teil B√∂hmens ist. Dann berichtet der Kartograf Sebastian M√ľnster in der bekannten Weltbeschreibung ‚ÄěCosmographey‚Äú von 1544, dass mit dem B√∂hmerwald sogar das gesamte rautenf√∂rmige Ringgebirge gemeint ist, das das b√∂hmische Becken um Prag gleichsam einer Mauer umschlie√üt (was aber unter den heutigen Historikern nicht unumstritten ist).

Die Besiedelung des Urwaldes erfolgte von bayerischer Seite seit dem Mittelalter vor allem durch die Donaukl√∂ster, wie etwa Niederaltaich oder Metten. Diese erweiterten ihren Einflussbereich √ľber die sp√§tere Grenzlinie hinaus in den B√∂hmerwald. Der √∂stliche Teil des Bayerischen Waldes (√∂stlich von Ilz und Sagwasser) befand sich seit etwa 1010 in Passauer Besitz. Im 13. Jht. konnte sich das Hochstift Passau vom Herzogtum Baiern l√∂sen und war von da an ein weitgehend selbst√§ndiger geistlicher Staat innerhalb des Heiligen R√∂mischen Reichs. Erst in Folge der S√§kularisation in Bayern fiel das Gebiet 1805 an Bayern. Eine wichtige Lebensader des Passauer Landes war der ‚ÄěGoldene Steig‚Äú. Auf ihm wurde B√∂hmen mit Salz aus den Salinen des Ostalpenraums versorgt. Der von Passau ausgehende Saumweg entwickelte sich im 16. Jht. zum bedeutendsten Handelsweg S√ľddeutschlands. Ebenfalls von Bedeutung war im Gebiet des Bayerischen Waldes seit dem Mittelalter die Glaserzeugung. Eine Bl√ľtezeit erlebte sie im 18. und 19. Jahrhundert durch ihre Verbindung mit den Glash√ľtten im B√∂hmerwald.

F√ľr die Tschechen, M√§hren und Slowaken galten die B√∂hmerw√§ldler als Deutsche, im Vielv√∂lkerstaat √Ėsterreich-Ungarn z√§hlte man sie ethnisch zu den Bayern, und die Bayern wiederum sahen sie (in den Grenzen der Habsburger Monarchie ja auch nicht g√§nzlich falsch) als √Ėsterreicher.

Adalbert Stifters Waldheimat ist ethnisch-historisch gesehen weder rein bayerisch, noch b√∂hmisch oder √∂sterreichisch, sie war und ist  eine  Waldregion. Wenn auch zwei Weltkriege politische und Grenz√§nderungen nach sich ziehen mussten, ist sie trotzdem als uraltes Mittelgebirge ein Ganzes geblieben, der ‚ÄěWald‚Äú eben.

Der Bayerische Wald

Erst im 19. Jahrhundert, als nach der S√§kularisation das Hochstift Regensburg und das Hochstift Passau an Bayern gefallen und damit das diesseitige Gebiet des Waldgebirges von Regensburg bis Passau durchgehend bayerisch geworden war, entstand der Begriff Bayerischer Wald, der 1829 von Johann Daniel Albrecht H√∂ck in seiner Beschreibung des Unterdonaukreises als Landschaftsname eingef√ľhrt wurde. Das ma√ügebende Buch Der bayrische Wald (B√∂hmerwald) von Bernhard Grueber und Adalbert M√ľller aus dem Jahr 1846 beinhaltete bereits die bis heute fortbestehende Begriffsunsicherheit. Dort wird zun√§chst der B√∂hmerwald als einheitliches Gebirge beschrieben, wovon √Ėsterreich den eigentlichen B√∂hmerwald und den √∂sterreichischen besitze, Bayern dagegen den oberpf√§lzischen und den bayerischen Wald. Diese Abtrennung des Bayerischen Waldes allein durch die Landesgrenze vom ‚Äěeigentlichen‚Äú B√∂hmerwald bildet seit jeher ein Problem, da es geomorphologisch keine der Landesgrenze folgende Trennlinie gibt.

Dennoch wurde seit dem Ersten Weltkrieg zunehmend auf einer Unterscheidung bestanden. Am 12. Mai 1930 kritisierte die Bayerische Waldzeitung unter der √úberschrift ‚ÄěMangelndes Geographiewissen‚Äú das Kreuzwortr√§tsel einer nicht n√§her benannten M√ľnchener Wochenzeitschrift, worin nach einem ‚ÄěBerg im B√∂hmerwald‚Äú gefragt wurde, worauf sich als Antwort das Wort ‚ÄěArber‚Äú ergab: ‚ÄěDer Verfasser dieses R√§tsels wei√ü entweder nicht, dass sich der Arber, der K√∂nig des Bay. Waldes, auf bayerischem Gebiete befindet, oder er kennt den Unterschied zwischen Bayerischer Wald und B√∂hmerwald nicht.‚Äú[1]

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff B√∂hmerwald f√ľr das diesseits der Grenze liegende Gebiet von den bayerischen Beh√∂rden konsequent vermieden. Einen wichtigen Anteil hatte dabei das von 1948 bis 1951 in Landshut beheimatete Amt f√ľr Landeskunde, dessen Einteilung im ab 1953 erschienenen Handbuch der naturr√§umlichen Gliederung Deutschlands bis heute ma√ügebliche Grundlage aller naturr√§umlichen und √§hnlichen Gliederungen ist. Am 15. November 1950 kam es zu einer offiziellen Vereinbarung, wonach die Bezeichnung B√∂hmerwald auf die au√üerhalb der deutschen Staatsgrenzen liegenden Gebirgsteile beschr√§nkt werden sollte. Innerhalb Bayerns sollte das betreffende Gebiet Hinterer Bayerischer und Hinterer Oberpf√§lzer Wald hei√üen.[2] Diese Sprachregelung hat sich besonders in Bayern durchgesetzt, w√§hrend sie aber aus geografisch-geologischen Gr√ľnden mit Vorbehalt aufgenommen wird. Besonders auf √ľberregionalen Karten wird der Begriff Bayerischer Wald meist auf das Vorgebirge (den nach anderer Auffassung Vorderen Bayerischen Wald) beschr√§nkt und so der Bayerische Wald physikalisch vom B√∂hmerwald unterschieden.

Nationalparks

Im Bereich des ‚ÄěInneren Bayerischen Waldes‚Äú liegt zwischen Lusen und dem Gro√üen Falkenstein der Nationalpark Bayerischer Wald, der erste Nationalpark Deutschlands. Er wurde 1970 vom Freistaat Bayern mit zun√§chst 130 km¬≤ gegr√ľndet und 1997 mit der Staatswaldregion zwischen Gro√üem Rachel und Gro√üem Falkenstein auf 240 km¬≤ erweitert. Der Park umfasst einige Gebiete mit dichtem ‚ÄěUrwald‚Äú (in Mitteleuropa gibt es nur zwei kleine Bereiche, die noch Urwald sind, aber nicht in Deutschland), kleinen Seen und Regenmooren (die oft Hochmoor genannt werden) und reicht von etwa 700 m √ľ. NN hinauf in die Hochlagen um 1450 m √ľ. NN.

Mit dem tschechischen Nationalpark ҆umava bildet er das gr√∂√üte zusammenh√§ngende Waldgebiet Mitteleuropas. Schonung und Klima lie√üen in 35 Jahren ungewohnte, vielf√§ltige Naturw√§lder heranwachsen, nachdem die Bergfichten-Hochw√§lder der s√ľdwestlichen H√§nge gegen Mitte des 20. Jahrhunderts von Luftverschmutzung und dem Borkenk√§fer gro√üteils vernichtet worden waren.

Daher gibt der Nationalpark als Anziehungspunkt des Tourismus zugleich Anschauung in Naturkunde, Umweltschutz und Kulturgeschichte. Dazu dienen vor allem die beiden Besucher-Informationszentren ‚ÄěHans-Eisenmann-Haus‚Äú in Neusch√∂nau und ‚ÄěHaus der Wildnis‚Äú in Ludwigsthal am Fu√üe des Gro√üen Falkensteins mit ihren weitl√§ufigen Freigehegen in denen die Besucher u. a. B√§ren, Luchse, W√∂lfe, Wildschweine, Wildpferde oder Urrinder sehen k√∂nnen.

Die Routen der ‚ÄěIgelbusse‚Äú, Wanderwege und Steige bieten ein Netz von 300 km L√§nge und dennoch Raum f√ľr 30 Wildtierarten.

Naturparks

Der Naturpark Bayerischer Wald umfasst ein Gebiet n√∂rdlich der Donau bis zum Grenzkamm nach Tschechien und wird zu einem gro√üen Teil vom Landkreis Regen bestimmt. Tr√§gerorganisation ist der ‚ÄěNaturpark Bayerischer Wald e.V.‚Äú mit Sitz in Zwiesel. Er besteht seit 1967 und ist damit einer der √§ltesten Naturparks in Bayern. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Nationalpark Bayerischer Wald. Nordwestlich schlie√üt daran der Naturpark Oberer Bayerischer Wald an.

Sehenswertes

Zu den Sehensw√ľrdigkeiten im Bayerischen Wald geh√∂ren:

Gipfel des Großen Arbers mit Gipfelkreuz und Radom

Natur

Aussichtsturm

Kultur

Berge

Zu den Bergen im Bayerischen Wald geh√∂ren alphabetisch sortiert mit H√∂he in Meter (m) √ľber Normalnull (NN):

Siehe auch

Literatur

Wissenschaftliche Werke

  • Karl-Friedrich Sinner, G√ľnter Moser: Waldwildnis grenzenlos. Nationalpark Bayerischer Wald, Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2007 (2. Aufl.), ISBN 3-935719-37-X.
  • Bernhard Grueber, Adalbert M√ľller: Der bayrische Wald (B√∂hmerwald), Regensburg 1846, Neudruck 1993, Grafenau, Morsak Verlag, ISBN 3-87553-415-8.

Literarische Werke

Nachweise

  1. ‚ÜĎ Der Bayerwald-Bote, 13. Mai 2010
  2. ‚ÜĎ Ulrich Pietrusky: Der Bayerische Wald im Fluge neu entdeckt, Grafenau 1985, S. 14.

Weblinks

 Commons: Bayerischer Wald ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Bayerischer Wald ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

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