Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1954

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Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1954
Berliner Sonderbriefmarke zur Wahl in Berlin
Theodor Heuss

Bei der Wahl des deutschen Bundespr√§sidenten 1954 wurde Bundespr√§sident Theodor Heuss durch die Bundesversammlung mit dem h√∂chsten Ergebnis, das je ein Kandidat erhielt (871 von 987 abgegebenen Stimmen = 85,6 %), im ersten Wahlgang im Amt wiedergew√§hlt. In der Bundesversammlung verf√ľgten CDU/CSU mit 431 und FDP mit 112 Sitzen √ľber insgesamt 543 Sitze und damit √ľber eine deutliche absolute Mehrheit. Angesichts dessen verzichtete die SPD mit ihren 347 Sitzen auf einen eigenen Wahlvorschlag, um stattdessen Heuss zu unterst√ľtzen, der sich in den f√ľnf Jahren seiner ersten Amtszeit allgemein Respekt verschafft hatte.

Einziger Gegenkandidat war Alfred Weber, den die KPD ohne seine Einwilligung vorschlug und der ihren zwölf Sitzen entsprechend zwölf Stimmen erhielt. Prof. Weber teilte später mit, dass er die KPD in der Bundesversammlung weder aufgefordert noch ermächtigt habe, ihn vorzuschlagen, und dass er sich entschieden gegen diesen Missbrauch seines Namens verwahre.

Sechs weitere Personen erhielten je eine Stimme. Die Bekanntgabe ihrer Namen wurde von der Bundesversammlung mit Heiterkeit aufgenommen. Als jedoch der Name des damals noch in Haft befindlichen Kriegsverbrechers Karl Dönitz fiel, ertönten Pfui-Rufe.

Nach diesen Vorg√§ngen wurde f√ľr die n√§chste Bundespr√§sidentenwahl durch das Gesetz √ľber die Wahl des Bundespr√§sidenten durch die Bundesversammlung vom 25. April 1959 eine Beschr√§nkung der Wahl auf zugelassene Wahlvorschl√§ge eingef√ľhrt, denen die schriftliche Zustimmungserkl√§rung des Vorgeschlagenen beizuf√ľgen ist.

Der KPD-Abgeordnete Max Reimann sorgte f√ľr einen Eklat, als er unter Versto√ü gegen Artikel 54 Grundgesetz (‚ÄěDer Bundespr√§sident wird ohne Aussprache von der Bundesversammlung gew√§hlt‚Äú) das Wort ergriff und die Wahl von Heuss als ‚Äěein Ungl√ľck f√ľr das deutsche Volk‚Äú bezeichnete. Bundestagspr√§sident Hermann Ehlers erteilte zwei Ordnungsrufe.

Beim Gottesdienst, der im Rahmen der Bundesversammlung in der Ostpreußenhalle auf dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm stattfand, predigte der katholische Theologe Johannes Pinsk.

W√§hrend die erste Wahl des deutschen Bundespr√§sidenten 1949 in Bonn stattgefunden hatte, trat die Bundesversammlung seit 1954 in Berlin zusammen. Nach dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 in Ost-Berlin und der DDR hielt man es f√ľr angebracht, im Hinblick auf die Berlin-Frage Bindungen zwischen Berlin (West) und dem Bund zu betonen und zu vertiefen. Dagegen wurden damals weder von den Westm√§chten, noch von der Sowjetunion Bedenken oder Einw√§nde erhoben. Diese protestierte erstmals 1959: Die Wahl des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland in der nicht zu ihr geh√∂renden Stadt Berlin versto√üe gegen deren Vierm√§chtestatus. Nach dem Vierm√§chteabkommen √ľber Berlin 1971/72 tagte die Bundesversammlung bis zur Wiedervereinigung Deutschlands wieder in Bonn, und zwar in der Beethovenhalle.

Seit der Bundesversammlung von 1954 wählten auch die Mitglieder der Bundesversammlung aus Berlin, die 1949 noch nicht stimmberechtigt gewesen waren, den Bundespräsidenten mit. Hingegen hatten die Berliner Abgeordneten im Deutschen Bundestag, die bis zur Wiedervereinigung auch nicht direkt gewählt, sondern vom Berliner Abgeordnetenhaus in den Bundestag entsandt wurden, kein Stimmrecht.

Berlin, 17. Juli 1954 ‚Äď Gesamtstimmenzahl: 1018 ‚Äď absolute Mehrheit: 510
Wahlgang Kandidat Stimmenzahl  % Partei
1. Wahlgang Theodor Heuss 871 85,6 % FDP
Alfred Weber 12 1,2 % von der KPD vorgeschlagen
Konrad Adenauer 1 0,1 % CDU
Karl D√∂nitz 1 0,1 %
Louis Ferdinand Prinz von Preu√üen 1 0,1 %
Marie-Elisabeth L√ľders 1 0,1 % FDP
Ernst-August von Hannover 1 0,1 %
Franz-Josef Wuermeling 1 0,1 % CDU
Damit war Theodor Heuss wieder zum Bundespräsidenten gewählt.

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