Warschauer Pakt

ÔĽŅ
Warschauer Pakt
Flagge der Warschauer Vertrages
Gr√ľndung 14. Mai 1955
Auflösung 1. Juli 1991
Mitgliedstaaten Albanien 1946Albanien Albanien bis 13. September 1968
SowjetunionUdSSR UdSSR
Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik bis 24. September 1990[1]
Polen VolksrepubliPolen Polen
Rum√§nien 1965Rum√§nien Rum√§nien
TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei
Ungarn 1957Ungarn Ungarn
Hauptquartier Moskau und Lemberg, UdSSR
Die acht Mitgliedstaaten des Warschauer Vertrages

Der Warschauer Pakt ‚Äď eine im Westen gebr√§uchliche Bezeichnung, im offiziellen Sprachgebrauch der Teilnehmerstaaten Warschauer Vertragsorganisation genannt ‚Äď war ein von 1955 bis 1991 bestehender milit√§rischer Beistandspakt des Ostblocks unter der F√ľhrung der Sowjetunion. Er wurde mit dem Warschauer Vertrag gegr√ľndet und bildete im Kalten Krieg das Gegenst√ľck zum von den USA gef√ľhrten NATO-B√ľndnis. Wirtschaftlich waren die Ostblockstaaten bereits seit 1949 im Rat f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe zusammengeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Gr√ľndungskonferenz

Er√∂ffnung der ‚ÄěKonferenz europ√§ischer L√§nder zur Gew√§hrleistung des Friedens und der Sicherheit Europas‚Äú zur Vorbereitung des Warschauer Vertrages 1955
Der Ministerpräsident und stellvertretender Staatsratsvorsitzender der DDR, Otto Grotewohl, bei der Vertragsunterzeichnung in Warschau

Der Warschauer Pakt war ein Ergebnis der seit 1947 zunehmenden Spannungen zwischen den Alliierten des Zweiten Weltkrieges. Im Westen wurde die Expansion der Sowjetunion und die Bildung von Satellitenstaaten als massive Bedrohung f√ľr die westlichen Demokratien empfunden, die man durch die Gr√ľndung der NATO im April 1949 einzud√§mmen versuchte. Die Staaten des sozialistischen Lagers in Europa standen seit dem Einmarsch sowjetischer Besatzungstruppen 1944/1945 unter dem Einfluss der UdSSR.

Die Mitglieder des Br√ľsseler Paktes und Italien unterzeichneten mit der Bundesrepublik Deutschland am 23. Oktober 1954 die Pariser Vertr√§ge, die das Besatzungsstatut in Westdeutschland beendeten und zur Gr√ľndung des kollektiven milit√§rischen Beistandspakts der Westeurop√§ische Union (WEU) f√ľhrten. Die Westalliierten unterstrichen den Alleinvertretungsanspruch der Bundesregierung f√ľr Deutschland und traten zugleich f√ľr die Wiederbewaffnung Westdeutschlands ein; die Sowjetunion wollte den geplanten Beitritt der Bundesrepublik zur NATO verhindern. Nach mehreren diplomatischen Noten und Erkl√§rungen reagierte sie mit einer Sicherheitskonferenz in Moskau, die vom 29. November bis 2. Dezember 1954 tagte und an der neben der sowjetischen Delegation Regierungsvertreter aus Albanien, Bulgarien, der DDR, Polen, Rum√§nien, der Tschechoslowakei und Ungarn teilnahmen. Zum Abschluss der Konferenz wurde die Moskauer Erkl√§rung (auch: Moskauer Deklaration) verabschiedet. Darin warnten die Unterzeichner vor einer Ratifizierung der Pariser Vertr√§ge und gaben bekannt, ein eigenes Milit√§rb√ľndnis gr√ľnden zu wollen. Entsprechende Absichtserkl√§rungen zur gemeinsamen Organisation der Streitkr√§fte sollten folgen.

Um die DDR in das B√ľndnis aufnehmen zu k√∂nnen, wurde der Kriegszustand formell zum 21. Januar 1955 beendet. Mit der Ratifizierung der Pariser Vertr√§ge in den Mitgliedsstaaten traten diese am 5. Mai 1955 in Kraft. Daraufhin wurde im polnischen Staatsratsgeb√§ude in Warschau zum Abschluss der zweiten ‚ÄěKonferenz europ√§ischer L√§nder zur Gew√§hrleistung des Friedens und der Sicherheit Europas‚Äú vom 11. bis 14. Mai 1955 durch Albanien, Bulgarien, die DDR[A 1], die VR Polen, Rum√§nien, Ungarn, die Sowjetunion und die Tschechoslowakei der Vertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand (kurz Warschauer Vertrag) durch die Ministerpr√§sidenten unterzeichnet; er bestand aus einer Pr√§ambel und elf Artikeln. F√ľr die Volksrepublik China nahm Verteidigungsminister Peng Dehuai als Beobachter an der Konferenz teil.[2] Durch die Gr√ľndung des Milit√§rb√ľndnisses sicherte sich die Sowjetunion ihren Hegemonialanspruch in Osteuropa. Nach der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch alle Unterzeichnerstaaten bei der Regierung der Volksrepublik Polen trat der Warschauer Vertrag am 4. Juni 1955 in Kraft.[3]

Bezeichnung

Briefmarkenausgabe zum 20. Jahrestag des Warschauer Vertrages (DDR 1975)

Der Organisation lag der multilaterale Vertrag von 1955 zugrunde und das Milit√§rb√ľndnis hie√ü im Sprachgebrauch der DDR Warschauer Vertragsorganisation (WVO) oder im Westen meist Warschauer Pakt.

Die offizielle Bezeichnung in den Sprachen der Mitgliedstaaten war:

  • Albanisch: Pakti i miq√ęsis√ę, bashkpunimit dhe i ndihm√ęs s√ę p√ęrbashk√ęt, kurz Pakti i Varshav√ęs
  • Bulgarisch: –Ē–ĺ–≥–ĺ–≤–ĺ—Ä –∑–į –ī—Ä—É–∂–Ī–į, —Ā—ä—ā—Ä—É–ī–Ĺ–ł—á–Ķ—Ā—ā–≤–ĺ –ł –≤–∑–į–ł–ľ–ĺ–Ņ–ĺ–ľ–ĺ—Č, kurz –í–į—Ä—ą–į–≤—Ā–ļ–ł –ī–ĺ–≥–ĺ–≤–ĺ—Ä
  • Deutsch: Vertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand, kurz Warschauer Vertrag
  • Polnisch: UkŇāad o PrzyjaŇļni, Wsp√≥Ňāpracy i Pomocy Wzajemnej, kurz UkŇāad Warszawski
  • Rum√§nisch: Tratatul de prietenie, cooperare »ôi asisten»õńÉ mutualńÉ, kurz Tratatul de la Var»ôovia bzw. Pactul de la Var»ôovia
  • Russisch: –Ē–ĺ–≥–ĺ–≤–ĺ—Ä –ĺ –ī—Ä—É–∂–Ī–Ķ, —Ā–ĺ—ā—Ä—É–ī–Ĺ–ł—á–Ķ—Ā—ā–≤–Ķ –ł –≤–∑–į–ł–ľ–Ĺ–ĺ–Ļ –Ņ–ĺ–ľ–ĺ—Č–ł, kurz –í–į—Ä—ą–į–≤—Ā–ļ–ł–Ļ –ī–ĺ–≥–ĺ–≤–ĺ—Ä
  • Slowakisch: Zmluva o priateńĺstve, spolupr√°ci a vz√°jomnej pomoci, kurz VarŇ°avsk√° zmluva
  • Tschechisch: Smlouva o pŇô√°telstv√≠, spolupr√°ci a vz√°jemn√© pomoci, kurz VarŇ°avsk√° smlouva
  • Ungarisch: Bar√°ts√°gi, egy√ľttmŇĪk√∂d√©si √©s k√∂lcs√∂n√∂s seg√≠ts√©gny√ļjt√°si szerzŇĎd√©s, kurz Vars√≥i SzerzŇĎd√©s

Vertragsbestimmungen und -partner

Medaille des Warschauer Paktes: ‚ÄěUnion des Friedens und des Sozialismus‚Äú

Bestimmungen

Der Wortlaut des zugrundeliegenden Vertrags √§hnelt in weiten Teilen dem des Nordatlantikvertrages. Die Mitgliedstaaten des Warschauer Vertrages versicherten einander ihren Willen zur Friedenssicherung und zur gegenseitigen milit√§rischen Hilfeleistung im Falle eines Angriffs auf einen oder mehrere der Teilnehmerstaaten (Artikel 4). Ein gemeinsames Kommando der nationalen Streitkr√§fte sollte die Effektivit√§t des B√ľndnisses sichern (Art. 5). Man hatte sich unverz√ľglich zu beraten, wenn ein Angriff vorhersehbar war (Art. 3). F√ľr den Fall des Abschlusses eines kollektiven Sicherheitspaktes f√ľr ganz Europa sollte der Vertrag seine G√ľltigkeit verlieren (Art. 11).

Die Interpretation dieser Bestimmungen unterschied sich jedoch grundlegend von denen des Nordatlantikvertrages. So unterstanden zum einen die Truppen des Warschauer Pakts fast vollständig dem Vereinten Oberkommando, welches wiederum vollständig dem Kommando des sowjetischen Generalstabes unterstand. Zum anderen wurden die Bestimmungen auch nach innen restriktiv interpretiert und mit Hilfe dieses Vertrages die sowjetische Kontrolle der Vertragsstaaten auch mit militärischen Mitteln durchgesetzt.

Im Gegensatz zum Nordatlantikvertrag, welcher in Artikel 2 auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit festschrieb, war der Warschauer Vertrag ein reines Milit√§rb√ľndnis. Die zivilwirtschaftliche Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten wurde im schon 1949 gegr√ľndeten Rat f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) koordiniert.

Zielsetzungen

Der Warschauer Pakt diente als St√ľtzpfeiler der offiziellen Politik der Sowjetunion durch die B√ľndnispartner. Die Stationierung sowjetischer Truppen in fast allen Mitgliedstaaten und das Vereinte Oberkommando unter sowjetischer Kontrolle sorgten daf√ľr, dass die Herrschaft der jeweiligen kommunistischen Partei und die Treue gegen√ľber der Sowjetunion nicht in Frage gestellt werden konnten.

In F√§llen, bei denen einzelne Teilnehmerstaaten den von Moskau vorgegebenen Kurs verlassen wollten, wurde dies als Angriff von au√üen auf das sozialistische Staatensystem ausgelegt und mit einer milit√§rischen Intervention geahndet: Beispielsweise in Ungarn (Ungarischer Volksaufstand, 1956) und in der ńĆSSR (Prager Fr√ľhling, 1968) schlugen Truppen des Warschauer Pakts nationale Aufst√§nde nieder. Bereits vor der Unterzeichnung des Vertrags war der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR von der Sowjetarmee niedergeschlagen worden. Theoretisch und ideologisch untermauert wurde ein solches Vorgehen nach 1968 durch die Breschnew-Doktrin.

Mitgliedstaaten

Die NATO und der Warschauer Pakt im Kalten Krieg

Geschichte

Medaille 30 Jahre der Freundschaft und Zusammenarbeit im Warschauer Vertrag

Bilaterale Vertr√§ge √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand

Mit den bilateralen B√ľndnisvertr√§gen wurde die Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfeleistung unterzeichnet, um alle gewaltsamen milit√§rischen Handlungen, die sich gegen die territoriale Integrit√§t und Souver√§nit√§t einer Vertragspartei richteten, zu verhindern. Den ersten dieser Freundschaftsvertr√§ge hatte die Sowjetunion schon w√§hrend des Krieges am 12. Dezember 1943 mit der tschechoslowakischen Exilregierung abgeschlossen, der am 27. November 1963 f√ľr die Tschechoslowakei verl√§ngert wurde. Von 1943 bis 1949 gab es bereits 23 bilaterale Vertr√§ge √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand (VFZ) der ersten Generation in Osteuropa. Neben diesem Vertragssystem der gegenseitigen Vertr√§ge bestanden ab 1956/57 auch Truppenstationierungsabkommen der Sowjetunion mit der DDR (12. M√§rz 1957), Polen (17. Dezember 1956), Rum√§nien (15. April 1957) und Ungarn (27. Mai 1957) mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Aber bereits der Vertrag √ľber die Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion vom 20. September 1950 zur Grenzregelung enthielt eine Vereinbarung zur Stationierung von sowjetischen Truppen in der DDR.

Als die Sowjetunion mit der DDR am 12. Juni 1964 einen Vertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand schloss, der die volle Einbeziehung der DDR in das bilaterale B√ľndnissystem vorsah, wurden in der Zeit von 1964 bis 1972 insgesamt 20 B√ľndnisvertr√§ge der zweiten Generation unterzeichnet:[4]

Mitgliedsstaat Bulgarien DDR Polen Rumänien Tschechoslowakei UdSSR Ungarn
Bulgarien 7. September 1967 6. April 1967 19. November 1970 24. April 1968 12. Mai 1967 10. Juli 1969
DDR 7. September 1967 15. März 1967 12. Mai 1972 17. März 1967 12. Juni 1964 18. Mai 1967
Polen 6. April 1967 15. März 1967 12. November 1970 1. März 1967 1. März 1967 16. Mai 1968
Rumänien 19. November 1970 12. Mai 1972 12. November 1970 16. August 1968 7. Juli 1970 24. Februar 1972
Tschechoslowakei 24. April 1968 17. März 1967 1. März 1967 16. August 1968 6. Mai 1967 14. Juni 1968
UdSSR 12. Mai 1967 12. Juni 1964 1. März 1967 7. Juli 1970 6. Mai 1967 7. September 1967
Ungarn 10. Juli 1969 18. Mai 1967 16. Mai 1968 24. Februar 1972 14. Juni 1968 7. September 1967

Die Hegemonie der Sowjetunion wurde durch die bilateralen B√ľndnisvertr√§ge noch verst√§rkt, da diese eine unmittelbare Beistandsverpflichtung bei einem bewaffneten Angriff vorsahen, die auch in den meisten Vertr√§gen sich nicht nur auf Europa beschr√§nkte.

In der dritten Generation der Vertr√§ge √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand erfolgte nach der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki der Konferenz √ľber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) im August 1975 die Einbeziehung der Breschnew-Doktrin und der √∂konomischen Integration. Zudem wurde die Laufzeit der Vertr√§ge auf 25 Jahre festgelegt. Die DDR unterzeichnete am 7. Oktober 1975 mit der Sowjetunion diesen neuen Vertrag sowie sp√§ter weitere mit Ungarn (24. M√§rz 1977), Polen (29. Mai 1977), Bulgarien (14. September 1977) und der Tschechoslowakei (3. Oktober 1977).

Ungarischer Volksaufstand

‚Üí Hauptartikel: Ungarischer Volksaufstand

Truppenstärke der NATO-Mitgliedstaaten (inkl. Kontingente aus den USA und Kanada) und der Staaten des Warschauer Paktes in Europa 1959
Truppenstärke der NATO-Mitgliedstaaten (mit Kontingenten aus den USA und Kanada) und der Staaten des Warschauer Paktes in Europa 1973

Durch den Reformkurs der ungarischen Regierung unter Imre Nagy und während des Volksaufstandes vom 23. Oktober bis zum 4. November 1956 proklamierte Nagy am 1. November 1956 die Neutralität Ungarns und den Austritt aus dem Warschauer Pakt. Drei Tage später intervenierte die Sowjetarmee und setzte Panzerverbände zur Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn ein. Bei den Kämpfen, die in Budapest bis zum 15. November dauerten, kamen etwa 20.000 Menschen ums Leben.

Intervention in der Tschechoslowakei und Austritt Albaniens

‚Üí Hauptartikel: Prager Fr√ľhling

Nach dem Einmarsch der Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ńĆSSR) im August 1968, an dem sich Soldaten aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien beteiligten und 98 Tschechen und Slowaken ums Leben kamen sowie etwa 50 Soldaten der Interventionstruppen, trat Albanien am 13. September 1968 unter Bruch der Vertragsbestimmungen formell aus dem B√ľndnis aus. Die Mitgliedschaft ruhte bereits seit dem 1. Februar 1962, als 1961 die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion abgebrochen wurden. Nach dem Austritt aus dem Milit√§rb√ľndnis wurde Albanien zunehmend durch die Volksrepublik China gest√ľtzt.

Nuklearpläne

Am 13. September 2008 stellten Hans R√ľhle, der ehemalige Chef des Planungsstabes im Bonner Bundesministerium der Verteidigung, und Michael R√ľhle, der Leiter des Planungsstabes in der politischen Abteilung der NATO in Br√ľssel, in einem Artikel der ‚ÄěNeuen Z√ľrcher Zeitung‚Äú Planungen f√ľr einen Ersteinsatz von Atomwaffen des Warschauer Paktes im Kriegsfall gegen die NATO in Westeuropa vor.

Laut R√ľhle waren diese Planungen √ľberraschend, da man bisher davon ausging, dass der Warschauer Pakt zuerst konventionelle Waffen einsetzen w√ľrde. Aus freigegebenen polnischen und tschechoslowakischen Dokumenten sowie aus Dokumenten der Nationalen Volksarmee (NVA) werde laut den Autoren deutlich, dass der Warschauer Pakt ab dem Jahr 1961 einen pr√§emptiven nuklearen Erstschlag gegen die NATO plante. Als Beispiel f√ľhren sie die Gro√ü√ľbung Buria von 1961 an, bei der trainiert wurde, den Schlag pr√§ventiv drei Minuten vor einem beginnenden Angriff der NATO durchzuf√ľhren. Dabei sollten 422 nukleare Gefechtsk√∂pfe auf westdeutschem Boden zur Explosion kommen.

Ab etwa 1964 plante der Warschauer Pakt einen begrenzten pr√§ventiven Nuklearkrieg mit √ľber 1000 Nuklearwaffen gegen Westeuropa. Konventionelle Truppen sollten sp√§ter Westeuropa innerhalb weniger Tage besetzen. Dabei wurden die Verstrahlung und die darauf folgende Kampfunf√§higkeit der ersten Angriffswelle der eigenen Truppen hingenommen.[5]

Erst unter Gorbatschow wurden diese Kriegspl√§ne 1986 ge√§ndert. ‚ÄěEinzig die DDR arbeitete auf alter Grundlage weiter. Noch in der √úbung ‚ÄöStabstraining 1989‚Äė plante sie die Verw√ľstung grenznaher Landstriche Schleswig-Holsteins durch 76 teilweise gro√ükalibrige Nuklearwaffen.‚Äú[5]

Vertrag √ľber Konventionelle Streitkr√§fte in Europa

Am 19. November 1990 wurde anl√§sslich des KSZE-Gipfeltreffens in Paris von den 22 Regierungschefs der Mitgliedsl√§nder der North Atlantic Treaty Organization (NATO) und des Warschauer Paktes (WP) der Vertrag √ľber Konventionelle Streitkr√§fte in Europa (KSE-Vertrag) √ľber gegenseitige R√ľstungsbeschr√§nkungen unterzeichnet. Am 17. Juli 1992 trat er vorl√§ufig, am 9. November 1992 endg√ľltig in Kraft, als der Warschauer Vertrag bereits aufgel√∂st war.

Auflösung

Am 26. April 1985 wurde der Warschauer Vertrag zuletzt um 25 Jahre verlängert und hätte sich auch um jeweils weitere zehn Jahre automatisch verlängert.

Im Zuge der von Gorbatschow in der UdSSR eingeleiteten Perestroika kamen zunehmend Zweifel an der Breschnew-Doktrin auf. Mit der sowjetischen Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde endg√ľltig klar, dass Freiheitsbestrebungen in den anderen Warschauer-Pakt-Staaten nicht mehr gewaltsam unterdr√ľckt werden konnten. Daraufhin begannen die anderen Mitgliedstaaten, auf einen Abzug der sowjetischen Truppen aus ihren L√§ndern und auf die Aufl√∂sung des Warschauer Pakts zu dr√§ngen. Obwohl die sowjetische F√ľhrung eine gleichzeitige Aufl√∂sung von NATO und Warschauer Pakt bevorzugt h√§tte, gab sie schlie√ülich nach.

Am 24. September 1990 unterzeichnete Rainer Eppelmann als Minister f√ľr Abr√ľstung und Verteidigung (MfAV) der DDR und der Oberkommandierende der Vereinten Streitkr√§fte des Warschauer Pakts, der sowjetische Armeegeneral Pjotr G. Luschew, in Ost-Berlin ein Protokoll √ľber die Herausl√∂sung der Nationalen Volksarmee aus der milit√§rischen Organisation des B√ľndnisses. Nur wenige Tage sp√§ter wurde am 2. Oktober 1990 die NVA aufgel√∂st.

Die milit√§rischen Strukturen des B√ľndnisses wurden am 31. M√§rz 1991, der Warschauer Pakt hierzu selbst am 1. Juli 1991 offiziell aufgel√∂st. Die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn stationierten sowjetischen Truppen wurden abgezogen; in Deutschland blieb auf ehemaligem DDR-Gebiet dagegen bis Ende Oktober 1994 die sowjetische (ab 22. Dezember 1991 russische) Westgruppe der Truppen (WGT, vormals GSSD) stationiert.

Organisation

Tagung des Warschauer Paktes in Ost-Berlin, 1987 ‚Äď v.l.n.r.: Gustav Husak (ńĆSSR), Todor Schiwkow (VRB), Erich Honecker (DDR), Michail Gorbatschow (UdSSR), Nicolae Ceau»ôescu (SRR), Wojciech Jaruzelski (VRP) und Janos Kadar (UVR)

Politischer Beratender Ausschuss (PBA)

Die Leitung und Koordinierung des Warschauer Pakts war die Aufgabe des einmal j√§hrlich in Moskau tagenden Politischen Beratenden Ausschusses (PBA), der sich auch als ‚ÄěWP-Gipfeltreffen‚Äú darstellte, als h√∂chstes Entscheidungsgremium des B√ľndnisses. Der Generalsekret√§r des PBA war zugleich Leiter des Vereinten Sekretariats, das als Exekutivorgan angesehen wurde und unterst√ľtzt wurde durch st√§ndige Kommissionen, darunter auch eine Verbindungsstelle zum Rat f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Die Mitgliedstaaten wurden im PBA vertreten durch:

  • die Ersten bzw. Generalsekret√§re der Zentralkomitees (ZK) der sozialistischen und kommunistischen Parteien,
  • die Regierungschefs und
  • die Au√üenminister.

Der Vorsitz wechselte.

Die erste Tagung des Politischen Beratenden Ausschusses wurde vom 27. bis 28. Januar 1956 in Prag abgehalten.

Komitee der Verteidigungsminister

Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Fr√ľhlings, die auch als ein Grund f√ľr den Austritt Albaniens aus dem B√ľndnis gesehen wurde, wuchs auch der Druck auf die Sowjetunion, den Mitgliedstaaten mehr Mitspracherechte zu gew√§hren. Ab 1969 wurde hierzu das Komitee der Verteidigungsminister als Koordinierungsstelle f√ľr milit√§rische Fragen gebildet. Dem Komitee geh√∂rten ‚Äď neben den Verteidigungsministern als stellvertretende Oberbefehlshaber ‚Äď der sowjetische Oberkommandierende der Vereinten Streitkr√§fte und zugleich 1. Stellvertreter des Verteidigungsministers der Sowjetunion sowie deren Generalstabschef an.

Militärrat des Vereinten Oberkommandos

Dem Komitee angegliedert waren ein Milit√§rrat des Vereinten Oberkommandos unter der F√ľhrung des Oberbefehlshabers der Vereinten Streitkr√§fte und der stellvertretenden Verteidigungsminister, die regelm√§√üig zur Verbesserung der Einsatzf√§higkeit der Streitkr√§fte tagten und berieten, sowie ein Technisches Komitee.

Vereintes Oberkommando

Mit der Gr√ľndung des Warschauer Paktes 1955 wurde ein Beschluss zur Schaffung eines Vereinten Kommandos der Streitkr√§fte der Teilnehmerstaaten gefasst. Zum ersten Oberkommandierenden der Vereinten Streitkr√§fte wurde der Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew ernannt. Der Oberkommandierende war stets ein sowjetischer General, der zugleich die Funktion des ersten Stellvertreters des sowjetischen Verteidigungsministers aus√ľbte und somit diesem direkt unterstand. Der Stab der Vereinten Streitkr√§fte wurde von einem Stellvertreter, gleichfalls einem sowjetischen General, gef√ľhrt. Das Hauptquartier des Vereinten Oberkommandos befand sich ab 1972 in Moskau und in Teilen auch in Lemberg (Lwiw).

Die Teilnehmerstaaten waren verpflichtet, Teile ihrer nationalen Streitkr√§fte f√ľr die Vereinten Streitkr√§fte bereitzustellen. Zu Beginn des B√ľndnisses stellte die Sowjetunion mit rund 75 Prozent des Personals das gr√∂√üte Kontingent zur Verf√ľgung, da die weiteren Teilnehmerstaaten sich erst in der Phase des Aufbaus und der Modernisierung ihrer Streitkr√§fte befanden. Kontingente der DDR wurden ab den 24. Mai 1958 den Vereinten Streitkr√§ften zugeordnet, da deren Nationale Volksarmee erst am 1. M√§rz 1956 gegr√ľndet wurde und sich ebenfalls noch im Aufbau befand.

Im Frieden umfasste der Aufgabenbereich:

  • die F√ľhrung und Koordination von multinationalen Man√∂vern
  • die operative Planung und Dislozierungsentscheidungen,
  • die Organisation von Ausbildung, Ausr√ľstung und F√ľhrungskontrolle
  • die enge Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Generalstab, der die Kontrolle √ľber die komplette Luftverteidigung und Versorgung aus√ľbte.

Dem Vereinten Oberkommando unterstellt waren:

In Kriegszeiten hatte das Vereinigte Oberkommando keine operativen Aufgaben; die vollst√§ndige Befehlsgewalt √ľber alle Land-, Luft- und Seestreitkr√§fte der Mitgliedstaaten h√§tte der Generalstab der Sowjetunion √ľbernommen.

Oberkommandierender der Vereinten Streitkräfte

Name von bis
1. Marschall der Sowjetunion Iwan Konew 14. Mai 1955 1960
2. Marschall der Sowjetunion Andrei Gretschko 1960 Juli 1967
3. Marschall der Sowjetunion Iwan Jakubowski Juli 1967 30. November 1976
4. Marschall der Sowjetunion Wiktor Kulikow 1977 2. Februar 1989
5. Armeegeneral Pjotr Luschew[6][7] 2. Februar 1989 1991

Generalstabschef der Vereinten Streitkräfte

Name von bis
1. Armeegeneral Alexei Antonow 1955 16. Juni 1962
2. Armeegeneral Pawel Batow 1962 1965
3. Armeegeneral Michail Kasakow 1965 1968
4. Armeegeneral Sergei Schtemenko 1968 1976
5. Armeegeneral Anatoli Iwanowitsch Gribkow 1976 1989
6. Armeegeneral Wladimir Lobow 1989 1990

Siehe auch

Literatur

  • Vojtech Mastny, Malcolm Byrne (Hrsg.): A Cardboard Castle. An Inside History of the Warsaw Pact, 1955‚Äď1991. Central European University Press, Budapest 2005, ISBN 963-7326-08-1.
  • Frank Umbach: Das rote B√ľndnis. Entwicklung und Zerfall des Warschauer Pakts, 1955‚Äď1991. Christoph Links, Berlin 2005, ISBN 3-86153-362-6.
  • Wilfried D√ľchs: Die Organisation der Warschauer-Pakt-Staaten als ‚ÄěPartieller Bundesstaat‚Äú? Univ. Diss., W√ľrzburg 1976.
  • Gottfried Zieger: Der Warschauer Pakt. Nieders√§chsische Landeszentrale f√ľr politische Bildung, Hannover 1974.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Schlussakt zum Protokoll √ľber die Herausl√∂sung der NVA aus der Milit√§rorganisation des Warschauer Vertrages; am 2. Oktober 1990 endete die fast 35-j√§hrige Existenz der NVA. N√§her dazu R√ľdiger Wenzke in: Der Warschauer Pakt. Von der Gr√ľndung bis zum Zusammenbruch 1955 bis 1991 (= Milit√§rgeschichte der DDR; Bd. 16). Im Auftrag des MGFA hrsg. von Torsten Diedrich, Winfried Heinemann und Christian F. Ostermann, Ch. Links, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-504-1, S. 109 f.
  2. ‚ÜĎ Bundesarchiv (PDF)
  3. ‚ÜĎ GBl. DDR 1955 S. 381, 392
  4. ‚ÜĎ Sicherheit und Frieden. Handbuch der milit√§rischen Verflechtungen ‚Äď Milit√§rb√ľndnisse, R√ľstungen, Strategien ‚Äď Analysen zur Sicherheitspolitik, ISBN 3-813-20266-6, S. 39 ff.
  5. ‚ÜĎ a b Hans R√ľhle, Michael R√ľhle: Der Warschaupakt plante den nuklearen √úberfall auf Westeuropa. In: Neue Z√ľrcher Zeitung-Online vom 13. September 2008, S. 9. Abgerufen am 22. August 2010.
  6. ‚ÜĎ http://www.osaarchivum.org/files/holdings/300/8/3/pdf/143-4-97.pdf
  7. ‚ÜĎ http://www.chroniknet.de/daly_de.0.html?year=1989&month=2

Anmerkungen

  1. ‚ÜĎ Erkl√§rung des Ministerpr√§sidenten der DDR, Otto Grotewohl, auf der ersten Sitzung der Warschauer Konferenz vom 11. Mai 1955 (Bundesarchiv; PDF)

Wikimedia Foundation.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Warschauer Pakt ‚ÄĒ Warschauer Vertragsorganisation; Warschauer Vertrag * * * I WaŐ£rschauer PaŐ£kt, ¬† Abk√ľrzung WP, WaŐ£rschauer Vertrags|organisation, Abk√ľrzung WVO, 1955 91 bestehendes Milit√§rb√ľndnis kommunistischer Staaten Europas unter F√ľhrung der Sowjetunion; war ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Warschauer Pakt ‚ÄĒ WaŐ£r|schau|er PaŐ£kt (fr√ľher) ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Warschauer-Pakt-Staaten ‚ÄĒ WaŐ£r|schau|er PaŐ£kt Staa|ten {{link}}K 26{{/link}} ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in der CSSR ‚ÄĒ ‚ÄěSozialismus ja ‚Äď Okkupation nein‚Äú ‚Äď bekanntes Plakat aus den Tagen der Intervention in Prag Der Prager Fr√ľhling (tschechisch: PraŇĺsk√© jaro, slowakisch: PraŇĺsk√° jar) ist die Bezeichnung f√ľr die Bem√ľhungen der tschechoslowakischen Kommunistischen… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Warschauer Vertrag ‚ÄĒ Warschauer Vertragsorganisation; Warschauer Pakt * * * I WaŐ£rschauer Vertrag, ¬† Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen, unterzeichnet am 7. 12. 1970, in Kraft getreten am 3. 6. 1972, enth√§lt die Feststellung… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Warschauer Vertragsorganisation ‚ÄĒ Warschauer Pakt; Warschauer Vertrag ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Warschauer Vertragsorganisation ‚ÄĒ Gr√ľndung 14. Mai 1955 Aufl√∂sung 1. Juli 1991 Mitgliedstaaten ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Warschauer Vertragsstaaten ‚ÄĒ Gr√ľndung 14. Mai 1955 Aufl√∂sung 1. Juli 1991 Mitgliedstaaten ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Warschauer Kniefall ‚ÄĒ Ehrenmal des j√ľdischen Ghettos Denkmal mit Plakette auf dem Warschauer Willy Brandt Platz Der Kniefall von Warschau von Willy Brandt f ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Warschauer K√∂nigsweg ‚ÄĒ Zygmunt III. Waza (K√∂nig von 1587 bis 1632), unter seiner Herrschaft wurde der K√∂nigsweg im fr√ľhbarocken Stil ausgebaut ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.