Beatus Facundus

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Beatus Facundus
Die Frau auf dem scharlachroten Tier. Facundus-Beatus, f. 225v

Beatus-Apokalypsen, auch Beatus-Handschriften oder kurz Beatus genannt, sind illuminierte Handschriften mit einem dem Beatus von Liébana zugeschriebenen Apokalypsen-Kommentar. Die meisten Beatus-Handschriften entstanden zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert in Nordspanien.

26 illuminierte Handschriften[1] sowie einige reine Texthandschriften sind ganz oder teilweise erhalten. Die umfangreichen, gro√üformatigen Codices mit ihren zahlreichen farbenpr√§chtigen Miniaturen (ein vollst√§ndiger Beatus enth√§lt √ľber 100) z√§hlen zu den bedeutendsten Meisterwerken der spanischen Buchmalerei.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Verwendung

Die vier apokalyptischen Reiter aus dem Facundus-Beatus (f. 135). Dem Teufel wurden nachträglich die Augen ausgekratzt.

Die älteren erhaltenen Beatus-Codices stammen durchwegs aus Nordspanien, vor allem aus dem Königreich León. Hersteller wie Auftraggeber waren fast ausschließlich in Klöstern zu finden.

In der Liturgie fand die Beatus-Apokalypse keine Verwendung, sie diente vor allem der privaten Andacht und Erbauung von Mönchen. Von dem profunden Eindruck auf die gläubigen Leser zeugen die zerkratzten Augen und Gesichter des Teufels oder der Hure Babylon, die in manchen Handschriften zu finden sind.

Einige der pr√§chtigen Codices d√ľrften wohl auch als Prestigeobjekte und Statussymbole gedient haben und wurden wenig gelesen: Sie zeigen wenig Gebrauchsspuren (Glossen, Randnotizen) und sind hervorragend erhalten.

Inhalt

Die Beatus-Handschriften enthalten mit leichten Variationen die folgende Sammlung von Texten:

  • Genealogische Tafeln;
  • Vorwort (Praefatio) mit einer Widmung an Etherius von Osma;
  • Zwei Prologe, die dem heiligen Hieronymus zugeschrieben werden;
  • Die Interpretatio, ein Kurzkommentar zu ausgew√§hlten Abschnitten der Apokalypse;
  • Den Hauptteil, den in zw√∂lf B√ľcher eingeteilten Commentarius in Apocalypsin;
  • Das Explicit, in dem die Bestandteile eines Buches (Codex) aufgez√§hlt werden (nach Isidor von Sevilla, Etymologiae VI 13, 1-2; 14, 6);
  • Die Traktate De adfinitates et gradibus und De agnatis et cognatis mit Definitionen von Verwandtschaftsverh√§ltnissen (Etymologiae IX 5-6)
  • Den Commentarius des Hieronymus zum Buch Daniel.

Wie es gerade zu dieser Zusammenstellung von Texten gekommen ist, deren Zusammenhang nicht immer einleuchtet, ist unbekannt.

Der Apokalypsen-Kommentar des Beatus von Liébana

Die Zuschreibung des anonym √ľberlieferten Kommentars an Beatus von Li√©bana ist unbestritten: Sie ergibt sich aus der Widmung an den Beatus-Sch√ľler Etherius und aus der stilistischen und inhaltlichen N√§he zur Streitschrift Adversus Elipandum.

Im Vorwort nennt Beatus seine Quellen: Hieronymus, Augustinus, Ambrosius, Fulgentius, Gregor, Tyconius, Iren√§us, Apringius von Beja und Isidor. Der eigene Beitrag des Beatus ist gering, sein Werk ist im Wesentlichen eine Kompilation aus Werken der genannten Autoren. Der √ľberwiegende Teil ‚Äď ann√§hernd die H√§lfte ‚Äď stammt aus dem Apokalypsen-Kommentar des Tyconius, eines Donatisten, der im 4. Jahrhundert in Nordafrika lebte.

Die Einteilung in zw√∂lf B√ľcher stammt wahrscheinlich schon von Tyconius. Der Text der Apokalypse wird in 66 Abschnitte, storiae genannt, eingeteilt. Nach jeder storia folgt eine explanatio, die mit den Worten incipit explanatio suprascriptae storiae eingeleitet wird und Vers f√ľr Vers den Offenbarungstext kommentiert. Das weitschweifige Werk umfasst in einer modernen Druckausgabe mehr als 500 Seiten[2]. Als Entstehungszeit wird das Ende des 8. Jahrhunderts angenommen (um 786)[3].

Das Lamm auf dem Berg Zion, Morgan-Beatus

Stil

In den isolierten nordspanischen K√∂nigreichen haben sich Kunstformen entwickelt, die sich von den √ľbrigen europ√§ischen Kunststilen deutlich abheben, auch wenn sich verschiedene Einfl√ľsse nachweisen lassen: Teilweise gehen diese bis auf die Antike zur√ľck; aus dem benachbarten Frankenreich und vor allem aus dem arabischen Raum wurden Anregungen √ľbernommen, letztere wohl durch mozarabische Fl√ľchtlinge vermittelt.

Charakteristisch sind die mangelnde Naturtreue und extreme Stilisierung: Berge sind beispielsweise als einfache geometrische Figuren dargestellt, oft nur simple, mit dem Zirkel gezeichnete Halbkreise. Jede R√§umlichkeit fehlt, die Darstellungen sind rein zweidimensional. Dem steht eine reiche Ornamentik gegen√ľber, bemerkenswert ist vor allem das kunstvolle Flechtwerk. Die Farben sind meist kr√§ftig und leuchtend.

Auch eine eigene Schriftform hat sich im Norden Spaniens ausgebildet, die westgotische Minuskel, in der alle älteren Beatus-Codices geschrieben sind.

Beatus von Urgell: Das Tier, das aus der Erde heraufsteigt (f. 138v). Darunter der Text der explanatio in westgotischer Minuskel.

Ikonographie

Vermutlich war der Apokalypsenkommentar des Beatus von Anfang an als illustriertes Werk angelegt. Das Bildprogramm erfuhr im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Ergänzungen und Erweiterungen, hat sich jedoch nicht wesentlich geändert. Aufgrund ikonographischer, stilistischer und textueller Merkmale wurden von mehreren Autoren Einteilungen und Stemmata der Beatus-Codices vorgeschlagen, unter anderem von Wilhelm Neuß[4], Henry A. Sanders[5], Peter K. Klein[6] und John Williams[7]. Die Ergebnisse unterscheiden sich in einigen Details, allen gemeinsam ist jedoch die Einteilung in zwei Familien, wobei die Familie II sich durch eine reichere Bebilderung mit mehr und größeren Miniaturen auszeichnet. Innerhalb der Familie II werden noch die Zweige IIa und IIb unterschieden.

Bilder zur Einleitung

Bei den Illustrationen vor der eigentlichen Beatus-Apokalypse unterscheiden sich die Handschriften am stärksten, etliche Bilder kommen nur in einer einzigen Handschrift vor. Folgende Miniaturen sind mehreren Codices gemeinsam:

Labyrinth aus dem Fanlo-Beatus mit der Inschrift Pantio abba librum
  • Labyrinth: Buchstaben-Labyrinthe finden sich in zahlreichen spanischen Handschriften des Hochmittelalters, nicht nur in Beatus-Codices. K√§stchen mit Buchstaben sind zu einem ‚Äď meist rechteckigen und reich verzierten ‚Äď Teppich angeordnet. In den h√§ufig wiederholten Buchstaben ist eine kurze Botschaft verborgen, etwa der Herstellungsort, der Schreiber oder Auftraggeber (z.¬†B. S(an)c(t)i Micaeli lib(er), ‚ÄěBuch des hl. Michael‚Äú im Morgan-Beatus).
  • Maiestas Domini, Alpha und Omega
  • Anbetung des Lammes und des Kreuzes
  • Evangelisten-Zyklus: Dieser Zyklus von acht Miniaturen kommt nur in der Familie¬†II vor. In einem hufeisenf√∂rmigen Bogen befinden sich jeweils zwei Figuren, auf der linken Seite der Evangelist mit einem Zeugen, auf der rechten Seite zwei Engel, die das Evangelium pr√§sentieren. Dar√ľber sind die Evangelistensymbole dargestellt. F√ľr diesen Zyklus lassen sich verschiedene Vorbilder nachweisen, die bis ins Fr√ľhchristentum oder sogar in die Antike zur√ľckreichen (Portr√§t des Dichters mit seiner Muse). Die Motivation f√ľr die Aufnahme des Evangelisten-Zyklus in einen Apokalypsen-Kommentar ist unbekannt.
  • Genealogische Tafeln: Diese finden sich nur in den Beatus der Familie¬†II. Auf insgesamt sieben Doppelseiten wird der Stammbaum Christi dargestellt. Die Namen stehen in kreisf√∂rmigen Medaillons, weitere Texte sind von Rechtecken, Kreisen und vor allem hufeisenf√∂rmigen B√∂gen umrahmt. Mehrere kleine Miniaturen illustrieren die Genealogie:
    • Adam und Eva
    • Noach (Noe filus Lamech): Die Abbildung zeigt das Brandopfer des Noach (Gen 8 20) und markiert den Beginn des zweiten Weltalters (incipit secunda aetas mundi)
    • Opferung Isaaks (Gen 22 EU)
    • Weltkarte: Diese einfache isidorianische Weltkarte (siehe unten) illustriert die Aufteilung der Welt auf die drei S√∂hne Noachs.
    • Maria mit dem Kind
  • Der seltene Vogel und die Schlange: Der Kampf des Vogels mit der Schlange, den jener mit dem Schnabel allein nicht gewinnen kann und durch einen Schlag mit dem Schwanz den Sieg erringt, wird christologisch gedeutet.
Die vierte Posaune, Escorial-Beatus (f. 94v)

Bilder zur Johannes-Apokalypse

Der Gro√üteil der Miniaturen illustriert die Apokalypse selbst. Die Miniaturen folgen sehr buchstabengetreu dem Text, beispielsweise werden Sonne und Mond in drei ann√§hernd gleich gro√üe Sektoren eingeteilt, um die Verfinsterung eines Drittels zu illustrieren (Offb 8,12 EU). Es findet sich aber auch manche Nachl√§ssigkeit, die Symbolzahlen (sieben H√§upter, zehn H√∂rner, 24 √Ąlteste usw.) sind nicht immer korrekt wiedergegeben.

Die dargestellten Personen, Gegenst√§nde und Szenen sind fast immer beschriftet, beispielsweise Iohannes, angelus (Engel), lapis (M√ľhlstein, Offb 18,21-24 EU), ubi Iohannes librum accepit (hier nimmt Johannes das Buch entgegen, Offb 10,8-10 EU) usw.

Die Illustrationen befinden sich √ľblicherweise zwischen storia und explanatio. In den Codices der Familie II sind die meisten ganzseitig und gerahmt. Auch kleinere Formate kommen vor, vor allem bei den Zyklen (sieben Sendschreiben, sieben Posaunen, sieben Schalen); manche Miniaturen sind doppelseitig. Charakteristisch f√ľr die Familie II sind auch die monochromen horizontalen Streifen, die den Hintergrund bilden.

Der Altar und die Seelen der Verstorbenen. Beatus von Urgell, f 106
Die Anbetung des Tieres und des Drachen. Escorial-Beatus f 108v
Aus dem Maul des Tieres, des Drachen und des falschen Propheten kommen unreine Geister gleich Fröschen hervor. Beatus von Osma, f. 139
Das Lamm besiegt das Tier, den Drachen und den falschen Propheten. Facundus-Beatus f. 230v

Nachfolgend werden vollständig alle storiae aufgelistet, die in den Beatus-Handschriften illustriert sind:

1. Buch:

  • Die Offenbarung Gottes an Johannes (Offb 1,1-6 EU)
  • Der Herr erscheint in den Wolken (Offb 1,7-8 EU)
  • Vision des √Ąltesten mit den sieben Leuchtern (Offb 1,10-20 EU)

2. Buch:

  • Sendschreiben an die sieben Gemeinden (Offb 2 EU,3 EU): Zyklus von sieben √§hnlichen, meist kleineren Miniaturen

3. Buch:

  • Vision Gottes auf dem Thron; die vierundzwanzig √Ąltesten und das gl√§serne Meer (Offb 4,1-6 EU)
  • Vision des Lamms, der vier Wesen und der vierundzwanzig √Ąltesten (Offb 5 EU)

4. Buch:

  • Die vier apokalyptischen Reiter (Offb 6,1-8 EU)
  • Der Altar und die Seelen der Verstorbenen (Offb 6,9-11 EU)
  • Die √Ėffnung des sechsten Siegels (Offb 6,12-17 EU)
  • Die Engel der vier Winde (Offb 7,1-8 EU)
  • Die Anbetung des Lammes und die 144.000 Versiegelten (Offb 7,9-12 EU) (meist doppelseitig)
  • Die √Ėffnung des siebenten Siegels (Offb 8,1-6 EU)

5. Buch:

  • Die ersten f√ľnf Posaunen (Offb 8,7 EU‚Äď9,6 EU): Zyklus von f√ľnf kleineren Miniaturen
  • Die Heuschrecken und der Engel des Abgrunds (Offb 9,7-12 EU)
  • Die sechste Posaune (Offb 9,13-16 EU)
  • Die Vision von den Reitern (Offb 9,17-21 EU)
  • Der starke Engel; Johannes verschlingt das Buch und misst den Tempel (Offb 10,1 EU‚Äď11,2 EU (Johannes und das Meer befinden sich au√üerhalb des Rahmens, sodass die Miniatur gr√∂√üer als eine Seite ist)
  • Die beiden Zeugen (Offb 11,3-8 EU)
  • Der Antichrist t√∂tet die beiden Zeugen (Offb 11,7-10 EU)
  • Auferstehung der beiden Zeugen; Erdbeben (Offb 11,11-13 EU)
  • Die siebente Posaune (Offb 11,15 EU)

6. Buch:

  • Der ge√∂ffnete Tempel und das Tier aus dem Abgrund (Offb 11,19 EU)
  • Die mit der Sonne bekleidete Frau und der Drache (Offb 12 EU) (doppelseitig)
  • Die Anbetung des Tieres und des Drachen (Offb 13,1-8 EU)
  • Das Tier, das aus der Erde heraufsteigt (Offb 13,11-18 EU)
  • Das Lamm auf dem Berg Zion (Offb 14,1-5 EU)

7. Buch:

  • Der Engel mit dem ewigen Evangelium und der Fall Babylons (Offb 14,6-8 EU)
  • Ernte und Weinlese; die Kelter des Zornes Gottes (Offb 14,14-20 EU)
  • Die sieben Engel mit den sieben Plagen und das Lamm (Offb 15,1-4 EU)
  • Die sieben Engel mit den sieben Schalen und der Tempel (Offb 15,5-8 EU)

8. Buch:

  • Die sieben Engel mit den sieben Schalen (Offb 16,1 EU)
  • Die ersten sechs Engel gie√üen ihre Schalen aus (Offb 16,2-12 EU): Zyklus von sechs kleineren Miniaturen
  • Aus dem Maul des Tieres, des Drachen und des falschen Propheten kommen unreine Geister gleich Fr√∂schen hervor (Offb 16,13-14 EU)
  • Der siebente Engel gie√üt seine Schale aus (Offb 16,17-21 EU)

9. Buch:

  • Die gro√üe Hure und die K√∂nige der Erde (Offb 17,1-2 EU)
  • Die Frau auf dem scharlachroten Tier (Offb 17,3-13 EU)
  • Das Lamm besiegt das Tier, den Drachen und den falschen Propheten (Offb 17,14-18 EU)

10. Buch:

  • Der Fall Babylons; die Klage der K√∂nige und Kaufleute (Offb 18,1-20 EU) (ungerahmt, eineinhalb Seiten)
  • Ein Engel wirft den M√ľhlstein ins Meer (Offb 18,21 EU)
  • Erscheinung Gottes; Botschaft an Johannes (Offb 19,1-10 EU)

11. Buch:

  • Der Reiter Treu und Wahrhaftig (Offb 19,11-16 EU)
  • Der Engel in der Sonne und die V√∂gel (Offb 19,17-18 EU)
  • Die T√∂tung des Tieres und des falschen Propheten (Offb 19,19-21 EU)
  • Ein Engel fesselt den Drachen f√ľr tausend Jahre (Offb 20,1-3 EU)
  • Die Seelen der Gerechten vor Gott (Offb 20,4-6 EU)
  • Die Herrschaft Satans (Offb 20,7-8 EU)
  • Das Tier, der Teufel und der falsche Prophet werden in den See von brennendem Schwefel geworfen (Offb 20,9-10 EU)

12. Buch:

  • Das j√ľngste Gericht (Offb 20,11-16 EU) (doppelseitig)
  • Das himmlische Jerusalem (Offb 21 EU) (ungerahmt)
  • Das Wasser des Lebens und die B√§ume des Lebens (Offb 22,1-5 EU)
  • Der Engel weist die Anbetung Johannes' zur√ľck (Offb 22,6-10 EU)

Bilder zum Kommentar des Beatus

Nur wenige Miniaturen illustrieren die explanationes des Beatus:

Weltkarte aus dem Beatus von Saint-Sever
Arche Noah. Beatus von Urgell f. 82v
  • Weltkarte: Im Anschluss an die Vision von den sieben Leuchtern folgt der umfangreiche Prolog des zweiten Buches (De ecclesia et synagoga), in dem ein Einschub von den zw√∂lf Aposteln und den L√§ndern und Weltteilen handelt, die diese missionierten. Im Gegensatz zu der in manchen Codices vorhandenen kleinen Skizze der Weltkarte in der Genealogie f√ľllt diese Miniatur zwei Seiten. Die vom Ozean umflossene Erde ist oval, von ann√§hernd kreisf√∂rmig (Beatus von Turin) bis nahezu rechteckig (Silos-Beatus, Beatus von Girona). Der Osten (oriens) ist oben und enth√§lt eine Darstellung des irdischen Paradieses mit dem S√ľndenfall. Rechts befindet sich das Rote Meer, das auch in roter Farbe gemalt ist; s√ľdlich (rechts) davon liegt die terra incognita, die manchmal mit Fabelwesen wie Skiapoden bev√∂lkert ist (z.¬†B. Beatus von Burgo de Osma). Links unten liegt Europa, n√∂rdlich des stilisierten Mittelmeers; rechts von diesem liegt Afrika. Diese Form der Weltkarte geht auf Isidor zur√ľck und beruht wahrscheinlich auf √§lteren Vorbildern.
  • Die vier Tiere Daniels: Ein Abschnitt des Prologs De ecclesia et synagoga handelt vom Tier (de bestia) und zitiert den Kommentar des Hieronymus zum Buch Daniel, in dem die Vision des Propheten von den vier Tieren (Dan 7,3-8 EU) gedeutet wird.
  • Die Statue mit goldenem Haupt und t√∂nernen F√ľ√üen: Unmittelbar anschlie√üend wird der Traum Nebukadnezzars gedeutet (Dan 2,31-49 EU).
  • Die Frau auf dem Tier: Dasselbe Motiv kommt im 9. Buch bei der entsprechenden storia (Offb 17,3-13 EU) noch einmal vor.
  • Die Arche Noah (Gen 6 EU): Sie illustriert die explanatio zu den sieben Sendschreiben, in der die Frage er√∂rtert wird: Qualiter una ecclesia sit cum septem dicantur apertissime per arca Noe declaratur ‚Äď Wie es nur eine Kirche gibt, obwohl von sieben die Rede ist, wird am deutlichsten durch die Arche Noah erkl√§rt. Der Text beruht auf dem Traktat De arca Noe des Gregor von Elvira. Die Arche ist vier- oder f√ľnfst√∂ckig dargestellt; in den unteren Geschossen befinden sich die Tiere, darunter manchmal auch Fabelwesen wie Einh√∂rner. Im obersten Geschoss steht Noach und h√§lt die Taube mit dem Olivenzweig. Neben ihm befinden sich seine Frau, seine drei S√∂hne und drei Schwiegert√∂chter. Ein Rabe pickt an einem Ertrunkenen.
  • Die Palme der Gerechten: Die Vision der 144.000 Versiegelten (Sie standen in wei√üen Gew√§ndern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den H√§nden Offb 7,9 EU) ist Anlass zu einer l√§ngeren Abschweifung √ľber die Palme als Symbol des Gerechten (nach Gregor dem Gro√üen, Moralia in Iob 6, 49).
  • Die F√ľchsin und der Hahn: Die explanatio zum Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, vergleicht die Ketzer mit F√ľchsen, die H√ľhner rauben. Diese kleine Miniatur ist nur in der Familie II zu finden.
Das Gastmahl des Belschazzar im Beatus von Urgell (f. 219)

Bilder zum Buch Daniel

Die Illustrationen zum Buch Daniel sind in allen Handschriften, auch in jenen der Familie II, ungerahmt.

  • Frontispiz: Babylon von Schlangen umgeben
  • Die Belagerung Jerusalems (Dan 1 EU)
  • Der Traum Nebukadnezzars und die Statue mit den t√∂nernen F√ľ√üen (Dan 2,24-36 EU)
  • Die Anbetung des goldenen Standbilds und die jungen M√§nner im Feuerofen (Dan 3 EU)
  • Das Gastmahl des Belschazzar (Dan 5 EU)
  • Daniel in der L√∂wengrube (Dan 6 EU)
  • Vision des Hochbetagten und der vier Tiere aus dem Meer (Dan 7 EU)
  • Die Burg Susa, der Zweikampf zwischen Widder und Ziegenbock (Dan 8,1-10 EU)
  • Gabriel erkl√§rt die Vision des Daniel (Dan 8,15 EU)
  • Daniel und der Engel am Ufer des Tigris (Dan 10,4-6 EU)

Beatus-Handschriften bis 1100

Die älteren Beatus-Handschriften stammen durchwegs aus den christlichen Königreichen in Nordspanien und sind in westgotischer Minuskel geschrieben, einzige Ausnahme ist der Beatus von Saint-Sever.

In der Literatur hat sich keine einheitliche Nomenklatur durchgesetzt. So werden Beatus-Handschriften nach ihrem Schreiber oder Illuminator, nach dem Auftraggeber, dem Entstehungs- oder dem Aufbewahrungsort benannt. Von Neuß wurde ein System von Siglen vorgeschlagen, die im Folgenden in eckigen Klammern angegeben werden.

√Ąltestes erhaltenes Beatus-Fragment

Einzelblatt aus Silos [Fc]

Das √§lteste erhaltene Fragment einer Beatus-Handschrift wird heute als Fragment 4 im Kloster Santo Domingo de Silos aufbewahrt, wohin es im 18. Jahrhundert aus Cirue√Īa kam[8]. Der urspr√ľngliche Herkunftsort ist unbekannt. Das Fragment wird auf das Ende des 9.¬†Jahrhunderts datiert. Die kleinformatige Miniatur von bescheidener handwerklicher Qualit√§t zeigt den Altar und die Seelen der Verstorbenen (Offb 6,9-11 EU).

Handschriften der Familie I

  • Beatus von Madrid [A1] (Spanische Nationalbibliothek Vitr. 14-1), Mitte des 10. Jahrhunderts.
  • Beatus von San Mill√°n de la Cogolla [A2] (Madrid, Real Academia de la Historia, Cod. 33). Der Codex stammt aus dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts und blieb unvollendet. Er wurde im 12. Jahrhundert erg√§nzt.
  • Escorial-Beatus [E] (El Escorial, Biblioteca del Monasterio San Lorenzo el Real, Cod. & II. 5). Die Handschrift entstand um das Jahr 1000 in San Mill√°n de la Cogolla.
  • Beatus von Burgo de Osma [O] (Archiv der Kathedrale von Burgo de Osma, Cod. 1). Der Codex wurde 1086 in Sahag√ļn geschrieben.
Die Auferstehung der beiden Zeugen und das Erdbeben. Morgan-Beatus f. 154v

Morgan-Beatus [M]

Der Codex, MS 644 der Pierpont Morgan Library in New York, ist nach seinem Aufbewahrungsort benannt. In einem umfangreichen Kolophon auf f. 293 nennt der Schreiber seinen Namen in einem Wortspiel (Maius quippe pusillus ‚Äď Maius, der Kleine), den Ort (cenobii summi Dei nuntii Micaelis arcangeli ‚Äď das Kloster San Miguel de Escalada bei Le√≥n), seinen Auftraggeber, den Abt Victor, und die Jahreszahl (duo gemina ter terna centiese ter dena bina = 2 √ó 2 + 3 √ó 300 + 3 √ó 10 √ó 2 = 964). Nachdem die damals in Spanien √ľbliche Zeitrechnung von der heute verwendeten um 38 Jahre abweicht, w√ľrde das eine Entstehungszeit von 926 bedeuten. In der heutigen Forschung wird ein so fr√ľhes Datum aus stilistischen Gr√ľnden nahezu ausgeschlossen. Allgemein wird eine Entstehung um die Mitte des 10. Jahrhunderts angenommen, wobei verschiedene Interpretationen der Datumsangabe des Maius vorgeschlagen wurden.

Im Kolophon des Beatus von Tábara [T] (Madrid, Archivo Histórico Nacional, Cod. 1097B) erwähnt dessen Schreiber Emeterius den Tod seines Lehrers Magius im Jahr 968. Es gilt als sicher, dass dieser Magius mit Maius identisch ist.

Der Morgan-Beatus ist der √§lteste erhaltene Codex der Familie II (Zweig IIa). Es ist m√∂glich, dass die Neuerungen der Familie II auf Maius selbst zur√ľckzuf√ľhren sind.

Beatus von Valladolid [V]

Nach seinem mutma√ülichen Entstehungsort, dem Kloster von Valcavado in der N√§he von Salda√Īa in der Provinz Palencia wird dieser Codex auch ‚ÄěBeatus von Valcavado‚Äú genannt. Er wird heute in der Bibliothek der Universit√§t Valladolid aufbewahrt (MS 433) und geh√∂rt der Familie IIa an. Eine Inschrift auf f.¬†3v berichtet, dass die Handschrift am 8. Juni 970 begonnen und am 8. September 970 vollendet wurde. Mit der Arbeit wurde der M√∂nch Obeco vom Abt Sempronius betraut.

Die beiden Zeugen. Beatus von Girona (f. 164)

Beatus von Girona [G]

Dieser Beatus-Codex stammt aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts und wird heute im Archiv der Kathedrale von Girona aufbewahrt (Archivo Capitular de Girona ms. 7 olim 41). Er gehört der Familie IIb an, weist aber eine Reihe von Besonderheiten auf.

Der Schreiber Senior wird auf f.¬†283v genannt (Senior presbiter scripsit). Das Kolophon auf f.¬†284 nennt den Auftraggeber, den Abt Dominicus (Dominicus abba liber fieri precipit) und als Illuminatoren die Nonne En und den Presbyter Emeterius (En depintrix et Dei aiutrix frater Emeterius et presbiter - En, Malerin und Gehilfin Gottes; Emeterius, Bruder und Presbyter). Gelegentlich wird der Name der Malerin auch als Ende bezeichnet, nach der ‚Äď wohl falschen ‚Äď Abteilung Ende pintrix[9]. Das Kolophon nennt auch die Jahreszahl (era millesima XIII = 1013), was nach heutiger Zeitrechnung 975 entspricht.

Zu Beginn enth√§lt die Handschrift eine Reihe von Miniaturen, die sonst in keinem Beatus (au√üer dem Beatus von Turin) vorkommen. Auf ff.¬†3v‚Äď4r befindet sich eine doppelseitige Darstellung des Himmels in sechs konzentrischen Kreisen. Auf die genealogischen Tafeln folgt ein Zyklus von sechs ganzseitigen Miniaturen zum Leben Christi, darunter Kreuzigung und H√∂llenfahrt.

Bemerkenswert ist auch der Zyklus der sieben Sendschreiben. Die Miniaturen sind ganzseitig und ungerahmt; die Darstellungen der sechs Kirchen (das Blatt mit der Kirche von Pergamon fehlt) sind abwechslungsreich und phantasievoll.

Die Farben wirken ‚Äď im Vergleich zum kr√§ftigen Kolorit der meisten Handschriften der Familie II ‚Äď blass und ged√§mpft. Zahlreiche Miniaturen sind mit Gold und Silber geschm√ľckt.

Der Beatus von Turin [Tu] (Turin, Biblioteca Nazionale Universitaria, ms. lat. 93, sgn I.II,1), entstanden um 1100, ist eine unmittelbare Kopie des Beatus von Girona.

Beatus von Urgell [U]

Dieser Codex wird im Diözesanmuseum von La Seu d’Urgell aufbewahrt (Num. Inv. 501). Er enthält keine Hinweise auf Auftraggeber, Herstellungsort, Schreiber oder Illuminator. Er wurde vermutlich im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts im Königreich León hergestellt[10] und wird der Familie IIa zugerechnet. Er scheint bereits 1147 in einem Inventarverzeichnis der Kathedrale von La Seu d’Urgell auf.

Facundus-Beatus: Die mit der Sonne bekleidete Frau und der Drache (f. 186v)

Facundus-Beatus [J]

Der Facundus-Beatus ist eine der bekanntesten und pr√§chtigsten Beatus-Handschriften. Im Buchstaben-Labyrinth am Anfang werden die Auftraggeber genannt, K√∂nig Ferdinand I. und K√∂nigin Sancha, nach denen der Codex manchmal auch ‚ÄěBeatus des Ferdinand und der Sancha‚Äú genannt wird. Es ist der einzige Beatus, der erwiesenerma√üen nicht f√ľr ein Kloster bestimmt war. Als Herstellungsort wird ein k√∂nigliches Skriptorium in Le√≥n angenommen. Das Kolophon (f.¬†317) nennt den Schreiber Facundus (Facundus scripsit) und die Jahreszahl (bis quadragies et V post millesima, 2 √ó 40 + 5 + 1000 = 1085, nach unserer Zeitrechnung 1047).

Heute wird die Handschrift in der Spanischen Nationalbibliothek aufbewahrt (Vitr. 14-2). Sie wird zur Familie IIa gerechnet.

Umberto Eco ver√∂ffentlichte eine Monographie √ľber den Codex.[11] Er ist eine wichtige Inspirationsquelle f√ľr den Namen der Rose, in dem die Miniatur mit der mit der Sonne bekleideten Frau und dem Drachen eine bedeutende Rolle spielt.

Fanlo-Beatus [FL]

Von diesem Beatus sind nur sieben Seiten in einer Kopie aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Die Kopie wurde von Vicente Juan de Lastanosa (1607‚Äď84) mit Wasserfarben auf Papier gemalt; die Vorlage befand sich im Kloster Montearag√≥n in der Provinz Toledo. Mit anderen Papieren aus dem Besitz von Juan Francisco Andr√©s de Uztarroz (1606‚Äď53), einem mit Lastanosa befreundeten aragoesischen Historiker, wurde die Kopie 1988 von der Pierpont Morgan Library erworben, wo sie heute unter der Bezeichnung M. 1079 aufbewahrt wird.

Lastanosas Kopien sind so detailgetreu, dass zahlreiche R√ľckschl√ľsse auf das Original m√∂glich sind. Es handelte sich dabei h√∂chstwahrscheinlich um eine direkte Kopie des Escorial-Beatus [E] aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Der Schreiber Sancius (Sancho) nennt sich in einem Akrostichon (Sancius notarius presbiter mementote). Das Buchstaben-Labyrinth nennt als Auftraggeber den Abt Pantio. Dieser Pantio wird mit dem aus anderen Quellen bekannten Bancio oder Banzo identifiziert, der von 1035‚Äď70 Abt des aragonesischen Klosters San Andr√©s de Fanlo war[12].

Beatus von Saint-Sever: Die erste Posaune ‚Äď Hagel und Feuer mit Blut vermischt (f¬†137v).

Beatus von Saint-Sever [S]

Dieser Codex wurde vermutlich um 1060 f√ľr die Abtei Saint-Sever in der Gascogne geschrieben, m√∂glicherweise wurde er dort auch hergestellt. Das Buchstaben-Labyrinth auf f.¬†1 nennt den Auftraggeber Gregorius abba[s] nobil[is], womit h√∂chstwahrscheinlich Gregorius Muntaner gemeint ist, der von 1028‚Äď72 Abt von Saint-Sever war. In einer S√§ule in den genealogischen Tafeln (f.¬†6) hat sich ein Stephanus Garsia Placidus verewigt, bei dem es sich um einen der Illuminatoren handeln k√∂nnte. Die Handschrift wird in Paris in der Biblioth√®que nationale aufbewahrt (MS lat. 8878).

Dieser Beatus-Codex ist in vieler Hinsicht bemerkenswert: Er ist der einzige Beatus vor 1100, der jenseits der Pyrenäen entstand und nicht in westgotischer, sondern in karolingischer Minuskel geschrieben ist. Er gehört der Familie I an, enthält aber auch Miniaturen, die sonst nur in der Familie II vorkommen. Stilistisch und inhaltlich gibt es beträchtliche Abweichungen von den spanischen Vorbildern. Die Darstellung von Menschen und Tieren ist wesentlich naturgetreuer. Er enthält etliche Miniaturen, die nicht zum Bildprogramm des Beatus gehören, z. B. die Darstellung zweier glatzköpfiger Männer, die einander an den Bärten ziehen, während eine Frau zusieht (f. 184).

Silos-Beatus [D]

Der Silos-Beatus ist der j√ľngste der Beatus-Codices in traditionellem Stil und westgotischer Minuskel. Wie aus mehreren Kolophonen (f.¬†275v, 276, 277v) hervorgeht, wurde der Text von den Schreibern Dominicus und Munnius im April 1091 vollendet, w√§hrend die Miniaturen vom Illuminator Petrus erst am 1. Juli 1109 vollendet wurden. Begonnen wurde das Werk unter Abt Fortunius von Santo Domingo de Silos, nach dessen Tod wurde es unter den √Ąbten Nunnus und Johannes weitergef√ľhrt.

Die Handschrift geh√∂rt der Familie IIa an. Die erste Miniatur ist eine au√üergew√∂hnliche Darstellung der H√∂lle, in der ein reicher Mann (dives) und ein unz√ľchtiges Paar von mehreren D√§monen (Atimos, Radamas, Beelzebub, Barabbas) gequ√§lt werden.

Joseph Bonaparte eignete sich die Handschrift an, als er König von Spanien war. 1840 verkaufte er sie an das British Museum, wo sie heute als Add. MS 11695 aufbewahrt wird.[13]

Spätere Beatus-Handschriften

Gegen Ende des elften Jahrhunderts kam es zu tiefgreifenden √Ąnderungen im kirchlichen und kulturellen Leben der christlichen K√∂nigreiche im Norden Spaniens. Die Spanische Liturgie wurde durch den R√∂mischen Ritus ersetzt, die westgotische Minuskel von der karolingischen verdr√§ngt, Kunst und Architektur n√§herten sich immer mehr den in Frankreich verbreiteten romanischen Formen an.

Damit war die Bl√ľtezeit der Beatus-Handschriften im eigent√ľmlich spanischen (oft ‚Äď wohl nicht ganz korrekt ‚Äď ‚Äěmozarabisch‚Äú genannten) Stil vorbei. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts wurde noch eine Reihe von Beatus-Codices in karolingischer Minuskel geschrieben. Die Miniaturen bauen meist auf dem Bildprogramm fr√ľherer Beatus-Handschriften auf, weisen aber zahlreiche Stilmerkmale der romanischen Buchmalerei auf. Wichtige dieser Codices sind:

  • Rylands-Beatus [R], auch Manchester-Beatus genannt (Manchester, John Rylands University Library Ms. 8), ca. 1175,
  • Carde√Īa-Beatus [Pc]: Die Handschrift entstand ca. 1180 und ist auf Sammlungen in Madrid (Museo Arqueol√≥gico Nacional und Colecci√≥n Francisco de Zab√°lburu y Basabe), New York (Metropolitan Museum of Art) und Girona (Museu d‚ÄôArt de Girona) verstreut.
  • Der Beatus von Lorv√£o [L] wurde 1189 im Kloster S. Mammas in Lorv√£o (Portugal) geschrieben und wird heute im Arquivo Nacional da Torre do Tombo in Lissabon aufbewahrt.
  • Der Arroyo-Beatus [Ar] wurde in der ersten H√§lfte des 13. Jahrhunderts in der Region von Burgos hergestellt, m√∂glicherweise im Kloster San Pedro de Carde√Īa. Heute befindet er sich zum Teil in Paris (Biblioth√®que nationale) und New York (Bernard H. Breslauer Collection).

Nachwirkungen

Nach 1250 scheint die Produktion von Beatus-Handschriften ganz aufzuh√∂ren. Auch die Nachwirkungen und Einfl√ľsse auf andere Kunstwerke waren gering. Beispielsweise lassen sich in den zahlreichen pr√§chtigen gotischen Apokalypsen-Kommentaren, die im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts in England hergestellt wurden, nur ganz vereinzelt ‚Äď wenn √ľberhaupt ‚Äď Einfl√ľsse der Beatus-Tradition nachweisen[14].

Im 16. Jahrhundert zeigten einzelne Gelehrte historisches und antiquarisches Interesse an Beatus-Handschriften, so der Humanist Ambrosio de Morales (1513‚Äď91) aus C√≥rdoba[15]. Beginnend mit den Arbeiten von Neu√ü[4] und Montague Rhodes James[16] wurden die Beatus-Codices im 20. Jahrhundert sorgf√§ltig wissenschaftlich erforscht. Das gegen Ende des 20. Jahrhunderts weit verbreitete Interesse an Apokalyptik f√ľhrte auch zu einer gro√üen Popularit√§t des Beatus und zahlreichen Publikationen und Faksimile-Ausgaben.

Theophanie: Vision des Lamms, der vier Wesen und der vierundzwanzig √Ąltesten aus dem Facundus-Beatus (f.¬†117v)

Zitat

‚ÄěDie Theophanie der spanischen Apokalypse begibt sich im Nirgendwo und √ľberall. Alle Einzelerscheinungen sind vom Zentrum aus organisiert ‚Äď man darf eine solche Darstellung mit Fug und recht als Ausdruck einer theozentrischen Weltanschauung ansprechen.‚Äú

‚Äď Otto P√§cht[17]

Literatur

  • John Williams und Barbara A. Shailor: Beatus-Apokalypse der Pierpont Morgan Library. Ein Hauptwerk der spanischen Buchmalerei des 10. Jahrhunderts. Belser Verlag, Stuttgart und Z√ľrich 1991, ISBN 3-7630-1213-3
  • Mireille Mentr√©: Spanische Buchmalerei des Mittelalters. Wiesbaden 2006. ISBN 3-89500-196-1
  • Joaqu√≠n Yarza Luaces: Beato de Li√©bana. Manuscritos iluminados. Moleiro, Barcelona 1998, ISBN 84-88526-39-3 (spanisch)
  • John Williams: The Illustrated Beatus. A Corpus of Illustrations of the Commentary on the Apocalypse. Miller, London (englisch):
    • Band 1: Introduction. 1994, ISBN 0-905203-91-7
    • Band 2: The ninth and tenth centuries. 1994, ISBN 0-905203-92-5
    • Band 3: The tenth and eleventh centuries. 1998, ISBN 0-905203-93-3
    • Band 4: The eleventh and twelfth centuries. 2002, ISBN 0-905203-94-1
    • Band 5: The twelfth and thirteenth centuries. 2003, ISBN 0-905203-95-X

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Vollst√§ndige Liste in J. Williams, The Illustrated Beatus
  2. ‚ÜĎ Eugenio Romero Pose (Hrsg.): Sancti Beati a Liebana Commentarius in Apocalypsin. Scriptores Graeci et Latini Consilio Academiae Lynceorum Editi, Typis Officinae Polygraphicae, Romae 1985
  3. ‚ÜĎ Yarza Luaces: Beato de Li√©bana, S.¬†42
  4. ‚ÜĎ a b Wilhelm Neu√ü: Die Apokalypse des Johannes in der altspanischen und altchristlichen Bibel-Illustration. M√ľnster 1931
  5. ‚ÜĎ Henry A. Sanders et al.: Beati in Apocalypsin libri duodecim. Codex Gerundensis. Madrid 1975
  6. ‚ÜĎ Peter K. Klein: Der √§ltere Beatus-Codex Vitr 14-1 der Biblioteca Nacional zu Madrid. Studien zur Beatus-Illustration und der spanischen Buchmalerei des 10. Jahrhunderts. Hildesheim ‚Äď New York 1976
  7. ‚ÜĎ John Williams: The Illustrated Beatus
  8. ‚ÜĎ Yarza Luaces: Beato de Li√©bana, S. 69
  9. ‚ÜĎ Gabriel Roura i Guibas und Carlos Miranda Garc√≠a-Tejedor: Beato de Li√©bana. C√≥dice de Girona. Moleiro editor, Barcelona 2003, ISBN 84-88526-84-9 (spanisch)
  10. ‚ÜĎ J. Williams, The Illustrated Beatus, Band 3, S. 17
  11. ‚ÜĎ Umberto Eco: Beato di Li√©bana: Miniature del Beato de Fernando I y Sancha (Codice B. N. Madrid Vit. 14-2). Parma, F. M. Ricci, 1973
  12. ‚ÜĎ J. Williams: The illustrated Beatus, Band 3, S. 43
  13. ‚ÜĎ Miguel C. Vivancos und Ang√©lica Franco: Beato de Li√©bana. C√≥dice del Monasterio de Santo Domingo de Silos. Moleiro, Barcelona 2003, ISBN 84-88526-76-8 (spanisch)
  14. ‚ÜĎ So in der Darstellung des Himmlischen Jerusalem, f.¬†24v der Trinity-Apokalypse, Trinity College Library Ms. R. 16.2 (nach Yarza Luaces, Beato de Li√©bana, S. 306)
  15. ‚ÜĎ J. Williams: The Illustrated Beatus. Band 3, S. 35
  16. ‚ÜĎ M.R. James: The Apocalypse in Art. London, Oxford University Press, 1931
  17. ‚ÜĎ Otto P√§cht: Buchmalerei des Mittelalters. Prestel, M√ľnchen 1984. ISBN 3-7913-0668-5, S.¬†162

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