Weck, Worscht un Woi

Weck, Worscht un Woi
Im Freien mitunter auch die Worscht direkt von der Hand in den Mund statt auf den Weck

Weck, Worscht un Woi (Brötchen, Wurst und Wein), im vertrauten Gespräch oftmals verkürzt mit WWW bezeichnet, ist eine in den Weinbaugebieten Pfalz, Rheinhessen, Hessische Bergstraße und Rheingau weit verbreitete Mahlzeit, bei der die Wurst fast immer kalt genossen wird. Der Dialektausdruck entstammt den rheinfränkischen Mundarten und wird in den aufgeführten Regionen aussprachegleich verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile und Anlässe

Mit dem Weck ist meist ein sogenannter Paarweck (Doppel-Brötchen) gemeint, in der Pfalz mitunter auch der Weinknorzen, ein kräftiges Brötchen aus fein gemahlenem Roggenmehl. Auf den Weck kommt die Worscht (Wurst, hier Fleischwurst). Dazu wird der Woi (Wein) der jeweiligen Anbauregion getrunken.

Wurst und Brötchen werden normalerweise ohne Besteck direkt von der Hand in den Mund gegessen. Üblich sind einzig ein Messer zum Entfernen der Pelle und Schneiden der Wurst sowie ein Korkenzieher zum Öffnen der Weinflasche.

Das Gericht ist eine traditionelle Zwischenmahlzeit bei der Weinlese oder sonstigen Arbeiten im Weinberg. Wegen seiner Einfachheit und guten Transportfähigkeit zählt es auch unterwegs, z. B. in der Fastnachtszeit, zu den beliebten Mahlzeiten.

Brauchtum und Symbolik

Kirchweih und Fastnacht

Feldzeichen der Mainzer Fastnacht
Der Mönch im Fastnachtsbrunnen hält in seiner Rechten eine Tafel mit den drei W
Platzreservierung beim Rosenmontagszug in Mainz

An den Kerwebäumen gehören Weck, Worscht un Woi in Form von aufgehängten Brötchen, Wurstringen und Weinflaschen zu den gebräuchlichen Insignien der jeweiligen Festlichkeiten.

Die Fußtruppe der Weck-, Worscht- un Woi-Träger stellt eine traditionelle Zugnummer auf dem Mainzer Rosenmontagszug dar. Hierzu wurde aus den Einzelbestandteilen eine Art Feldzeichen ähnlich den Feldzeichen der Römerzeit kreiert.

Weck, Worscht un Woi sind in der Mainzer Saalfastnacht, neben dem Karnevalorden des jeweiligen Vereines, die einzige Entlohnung für den geleisteten Beitrag.

Das Synonym WWW befindet sich auf dem 1967 eingeweihten Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz an unterschiedlichen Stellen im Brunnen.

In der Mainzer Schillerstraße gegenüber dem Proviant-Magazin und dem Schoppenstecher-Standbild hat sich eine Fastnachtsvereinigung mit einem in den Boden eingelassenen Stein einen Platz für den Rosenmontagszug „reserviert“. Die gereimte Inschrift umgibt das zentrale Relief eines Till Eulenspiegel über einem Brezelwappen und lautet:

„Lasst uns nur den Platz hier frei
beim Rosenmontagszug.
An Fassenacht sind wir dabei
mit Flaschen und mit Krug
und wolln mit Weck u. Worscht und Woi
fidel und richtig närrisch soi.
Ergo bibamus.[1] Die Woi-Nase. K94[2]

Fastnachtsvereinigung Die Woi-Nase, 1994

Fernsehen

Das SWR Fernsehen lässt in der Fastnachtszeit unter dem Titel Weck, Worscht un Woi vergangene Fastnachtsveranstaltungen (Rosenmontagsumzüge und Sitzungen) Revue passieren.

Literaturwissenschaft

Der Begriff „Weck, Worscht un Woi“ wird im übertragenen Sinne in der Literaturwissenschaft verwendet, um eine bestimmte Art von (anspruchsloser) Mundartliteratur zu charakterisieren. Gemeint ist eine Mundartliteratur, die keine größeren geistigen Anforderungen stellt und sich sozusagen mit der bloßen körperlichen Sättigung zufrieden gibt (Näheres siehe z. B. Pfälzische Dialekte).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Die lateinische Aufforderung Ergo bibamus – drum lasst uns trinken entstammt dem Studentenlied Gaudeamus igitur.
  2. Die Abkürzung K94 bedeutet die närrische Kampagne der Fastnachtssaison 1994.

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