Wikingerzeit

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Wikingerzeit
Chronik (kleine Auswahl)
793 WikingerĂŒberfall auf das Kloster von Lindisfarne
795 Beginn der ÜberfĂ€lle auf Irland (Inishmurray)
799 Beginn der ÜberfĂ€lle auf das Reich der Franken
830 erneute WikingerĂŒberfĂ€lle auf England
840 erste Wikinger-Winterlager im Reich der Franken
844 WikingerĂŒberfall auf Spanien
856/57 PlĂŒnderung von Paris
866 Das große Heer der Wikinger landet in Ostanglien.
878 In England entsteht das Danelag.
911 GrĂŒndung der Normandie durch Rollo
Das erste Danegeld wird erhoben.
914 Wikinger erobern die Bretagne.
980 erneute Angriffe auf England
1066 Ende der Wikingerzeit (Schlacht bei Hastings)

Wikingerzeit ist ein Begriff der Geschichtswissenschaft. Er wird in Nordeuropa verwendet, soweit es von den Wikingern bevölkert oder betroffen war.

Die Wikingerzeit im skandinavischen Raum wird von verschiedenen Forschern unterschiedlich bestimmt. Als frĂŒhester Anfangszeitpunkt wird der Kriegszug des DĂ€nen Chlochilaicus zwischen 516 und 522 n. Chr. genannt. In der Regel wird aber erst der Überfall auf Lindisfarne 793 als Beginn der Wikingerzeit gesehen. Das Ende wird auf 1066 datiert, obgleich das StrandrĂ€uberunwesen bereits frĂŒher zurĂŒckgegangen war.

Die Wikingerzeit war durch ein großrĂ€umiges Netzwerk von Freundschaften, also persönlichen, durch rituellen Austausch von Geschenken begrĂŒndeten Verbindungen mit gegenseitigen Verpflichtungen einerseits und die Bindung des Einzelnen an die Sippe mit ausgeprĂ€gtem Ahnenkult und dessen Konfrontation mit dem Christentum andererseits geprĂ€gt. Diese Konfrontation wurde durch allmĂ€hlichen Wandel von kleinen Herrschaften zu stĂ€rker werdenden Zentralgewalten vorbereitet. Der Fortschritt im Schiffsbau und die damit verbundene MobilitĂ€t sowohl im Krieg als auch beim Handel fĂŒhrte zu Reichtum und kultureller BlĂŒte.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzungen

Der Begriff der „Wikingerzeit“ wurde von dem dĂ€nischen ArchĂ€ologen Jens Jacob Asmussen Worsaae (1821–1885) geprĂ€gt.[1] Die Definition ist im Wesentlichen durch die Ereignisgeschichte bestimmt. Die Forschungsliteratur rechnet den Kriegszug des DĂ€nen Chlochilaicus zwischen 516 und 522 zu den WikingerzĂŒgen und lĂ€sst mit diesem Kriegszug die Wikingerzeit beginnen. FĂŒr andere PhĂ€nomene der menschlichen Gesellschaft, wie Wirtschaft und Kunst, sind solche Grenzziehungen indes unbrauchbar, da hier die ÜbergĂ€nge fließend sind. Die Kulturgeschichte benötigt andere Kategorien.

Die besondere Wahrnehmung der Wikinger als kĂ€mpferische Seefahrer fĂŒhrte dazu, dass man die Wikingerzeit 793 mit dem Überfall auf Lindisfarne beginnen und 1066 mit der Schlacht bei Hastings enden lĂ€sst. Aber die Wikingerzeit ging mit dem Nachlassen der WikingerzĂŒge schon viel frĂŒher dem Ende zu. Sven Estridsson (1020–1074) begann als Wikinger auf RaubzĂŒgen. SpĂ€ter rĂŒhmte ihn Adam von Bremen wegen seiner Bildung. Bei KriegszĂŒgen sind diejenigen ZĂŒge, die auf privater Initiative zur eigenen Bereicherung gefĂŒhrt wurden, von denen zu unterscheiden, die ein politisches Ziel hatten und daher von Herrschern oder von deren Konkurrenten gefĂŒhrt wurden. Ihnen ist gemeinsam, dass sich der Krieg durch PlĂŒnderungen finanzierte. Mit dem Jahr 1066 hörten diese Kriege keineswegs auf. Magnus BerrfĂžtt fĂŒhrte noch zwischen 1098 und 1103 Kriege gegen die Orkneys, die Insel Man und Irland, bei denen PlĂŒnderung den Krieg zu finanzieren hatte und nach Möglichkeit einen Überschuss erbringen sollte. Sveinn Ásleifarson, eine Figur am Ende der Orkneyinga saga, fiel 1172 bei einem Wikingerzug gegen Dublin. Das letzte Mal soll von Wikingern die Rede gewesen sein, als die Birkebeiner 1209 als Wikinger nach Schottland gezogen seien.[2] Aber es handelte sich nur noch um kleinere Einzelunternehmen, die das gesellschaftliche LebensgefĂŒhl nicht mehr beherrscht haben. RaubzĂŒge fĂŒhrten da schon lange nicht mehr zu Ruhm und Ehre.

In der skandinavischen Geschichtsschreibung folgt auf die Wikingerzeit das „Christliche Mittelalter“. Ihr voraus geht in Schweden die Vendelzeit. Diejenigen Autoren, die neben der kriegerischen Existenz auch den Handel und das Kunsthandwerk dem Wikingerbegriff zuordnen, sehen weniger enge Grenzen und verlegen die AnfĂ€nge bereits in die erste HĂ€lfte des 8. Jahrhunderts und das Ende auf die Zeit nach 1100.[3] Damit wird aber das prĂ€gende Charakteristikum der zeitgenössischen Wahrnehmung, die sich im Wikingerbegriff bis in die Gegenwart erhalten hat, verschleiert, und der Begriff verliert seine Brauchbarkeit. Die Wikingerzeit lief im Wesentlichen mit der karolingischen Zeit Kontinentaleuropas parallel. Allgemein wird die Wikingerzeit zwischen 800 und 1060 angesetzt.

Manche Autoren wenden den Begriff Wikingerzeit auch auf die Geschichte der Rus an. Dies hĂ€ngt damit zusammen, dass viele kulturelle Entwicklungen in der Wikingerzeit schwerpunktmĂ€ĂŸig im Ostseeraum stattfanden.[4]

Die Quellenlage

Ein Problem fĂŒr die Schilderung der Wikingerzeit stellt die Quellenlage dar. WĂ€hrend eine Behandlung der Wikingerzeit den Anspruch erhebt, die VerhĂ€ltnisse dieser Zeit in ganz Skandinavien zu schildern, sind die Quellen rĂ€umlich sehr ungleich verteilt. Die VerhĂ€ltnisse in Island und Norwegen sind recht gut dokumentiert, wĂ€hrend aus DĂ€nemark und Schweden aus dieser Zeit kaum ergiebige Nachrichten vorliegen. Es ist daher unzulĂ€ssig, die Aussagen der Quellen aus einem Gebiet fĂŒr reprĂ€sentativ fĂŒr Skandinavien zu halten. Das gilt insbesondere fĂŒr das Brauchtum oder fĂŒr die Stellung der Frau. Die sozialen VerhĂ€ltnisse können in DĂ€nemark und Schweden anders gewesen sein als in Norwegen oder Island.

Ein weiteres Problem stellt die moderne Quellenkritik dar, die die GlaubwĂŒrdigkeit der Quellen in Frage stellt. Das fĂŒhrt zu einer gewissen Beliebigkeit der Darstellung.[5] Hier wird davon ausgegangen, dass die erzĂ€hlenden Quellen ihre Handlung, mag sie historisch sein oder nicht, in die realen LebensumstĂ€nde eingebettet haben. Dabei ist allerdings zu prĂŒfen, ob es sich um die LebensumstĂ€nde zur Zeit der geschilderten Ereignisse oder zur Zeit des Verfassers handelt. Besondere Skepsis verdienen Zahlenangaben aus der Zeit, von denen die Verfasser nur mĂŒndliche Überlieferungen haben konnten. Das gilt zum Beispiel fĂŒr die FlottenstĂ€rken bei der Schlacht bei HjĂžrungavĂ„g 986 die vermutlich ĂŒbertrieben sind.[6] Auch die zeitgenössischen frĂ€nkischen Annalen haben die Anzahl der Schiffe oft ĂŒbertrieben, wie im entsprechenden Abschnitt des Artikels Wikinger gezeigt wird. Trotzdem kann die Grundstruktur des Schlachtenverlaufs als glaubhaft gelten.

Die Menschen

Man sieht bei dem Mann oben rechts und unten links deutlich den geschorenen Hinterkopf und bei dem Mann in der Mitte die langen Haare ĂŒber der Stirn.

Die GrĂ€ber zeigen, dass das Durchschnittsalter der MĂ€nner bei 41 Jahren lag, das der Frauen bei 51 Jahren. Die Skelette zeugen von harter körperlicher Arbeit. Es sind deutliche Spuren von Arthrose, besonders bei Frauen zu finden. Die Frauenskelette zeigen eine durchschnittliche KörpergrĂ¶ĂŸe von ungefĂ€hr 161 cm, die der MĂ€nnerskelette von ungefĂ€hr 174 cm (die Durchschnitte schwanken von Gegend zu Gegend). Aber es gab auch sehr große Menschen, bis zu 185 cm.[7] Die grĂ¶ĂŸeren Menschen stammen nach den Grabbeigaben offenbar aus den höheren Gesellschaftsschichten.

In Kristianstad in Schonen wurde ein GrĂ€berfeld mit 128 Individuen erforscht. Das GrĂ€berfeld wird in die spĂ€te Wikingerzeit datiert. Von den 128 Toten waren 79 im ersten Lebensjahr gestorben. Nur 10 % wurden 60 Jahre alt oder Ă€lter. Die meisten Kinder und mindestens ein FĂŒnftel der Erwachsenen litten unter Eisenmangel. Viele hatten sehr schlechte ZĂ€hne. Die ĂŒber 60-JĂ€hrigen hatten in der Regel nur noch ein Drittel ihrer ZĂ€hne. Bei vielen Skeletten konnten Arm- und BeinbrĂŒche sowie ausgekugelte Arme festgestellt werden. Hinzu kamen Gelenk- und Skelettkrankheiten. Arthrose war die meistverbreitete Krankheit. Dies[7] gilt besonders fĂŒr die Kniegelenke der Ă€lteren Frauen. Die an der Außenseite des GrĂ€berfeldes Begrabenen hatten offenbar Lepra.[8] Diese Feststellungen entsprechen nicht dem Bild der mutigen und unternehmungslustigen Wikinger. Die Ă€lteste christliche GrabstĂ€tte, die in Lund erforscht wurde, zeigt insbesondere, dass die Lepra eine weit verbreitete Krankheit war. Es wurde ein Fall von Tuberkulose identifiziert.[9]

Die Trachten scheinen stark variiert zu haben. Neben der traditionellen Frauenkleidung, die mit bronzenen Schnallen und Spangen an der Schulter zusammengehalten wurde, zeigen sich besonders in den GrĂ€bern im heutigen DĂ€nemark und im westlichen Teil von Schonen auch westeuropĂ€ische Kleidungsmoden ohne Metallspangen, aber dafĂŒr mit Stoffen, in die Silber- oder GoldfĂ€den eingewoben wurden, wie sie von frĂ€nkischen und byzantinischen Stoffen bekannt sind. Es wurden verschiedene Arten von Perlenketten getragen. Bronzene Armreife waren im Westen unbekannt, aber in ÖsterlĂ€n ĂŒblich.[10] Generell war man nach den Darstellungen und den Pflegeutensilien in den GrĂ€bern sehr gepflegt. Ibrahim ibn Jaqub berichtete von seiner Reise nach Haithabu um 965, dass MĂ€nner und Frauen Augenschminke benutzt hĂ€tten, und ein englischer Autor berichtete, dass die NordmĂ€nner am Samstag badeten, ihr Haar pflegten und gut gekleidet waren, um Erfolg bei den englischen Damen zu haben. Der Nacken war geschoren und das Stirnhaar lang.[11] Das galt sicher nicht fĂŒr die Landlosen und Knechte. Da kommt die RĂ­gsĂŸula in ihrer drastischen Schilderung schon nĂ€her an die Wirklichkeit:

Hann nam at vaxa
ok vel dafna;
var ĂŸar ĂĄ höndum
hrokkit skinn,
kropnir knĂșar,
fingr digrir,
fĂșlligt andlit,
lotr hryggr,
langir hĂŠlar.
[...]
Þar kom at garði
gengilbeina,
aurr var ĂĄ iljum,
armr sĂłlbrunninn,
niĂ°rbjĂșgt er nef,
nefndisk Þír.[12]

Es begann zu wachsen
und wohl zu gedeihen.
Rauh an den HĂ€nden
war dem Rangen das Fell,
die Gelenke knotig,
die Finger feist,
fratzig das Antlitz,
der RĂŒcken krumm,
vorragend die Hacken.
[...]
Da kam auf den Hof
die Krummbeinige,
SchwĂ€ren am Hohlfuß
die Arme sonnenverbrannt,
gedrĂŒckt die Nase
Thyr, die Dirne.[13]

Die archÀologischen Befunde in York zeigen, dass die VerhÀltnisse sehr unhygienisch waren, indem das Brauchwasser vom Abwasser nicht hinreichend getrennt war.

Aber man muss der Versuchung widerstehen, Quellenaussagen aus einer Gegend zu verallgemeinern, oder Quellen aus verschiedenen Gegenden gegeneinander auszuspielen und damit ihre GlaubwĂŒrdigkeit in Frage zu stellen. Wenn Ibn Fadlan von einem niedrigen Hygienestandard der Rus an der Wolga schreibt, kann dies nicht mit dem Hinweis auf die anspruchsvolle Kosmetik in Haithabu in Zweifel gezogen werden.[14]

FĂŒr die Jagd hatte man offenbar SpĂŒrhunde.[15]

Zu Beginn der Wikingerzeit rekrutierten sich die Krieger aus den Bauern. Aber bald bildeten sich Berufskrieger aus. Dass auch in der SpÀtzeit die Bauern Kriegsdienste leisteten, belegt ein Stein aus Uppland, auf dem ein Krieger gelobt wird, er sei der beste Bauer in HÄkons Gefolgschaft gewesen:

„Gunni ok Kári reistu stein eptir ... Hann var bónda beztr í róði Hákonar.“

„Gunni und KĂĄri setzten den Stein nach ... Er war der beste Bauer im Aufgebot HĂ„kons.“

– U 16

„róð“ wird im Upplandsgesetz[16] so beschrieben: „Und nun bietet der König die Gefolgschaft und das Bauernheer auf, er verlangt die Ruder- und Kriegermannschaft und die AusrĂŒstung.“ Da aber gab es bereits eine stehende Kriegertruppe.

Die LebensumstÀnde

Die Skandinavier bewohnten in England und Irland fast ausschließlich abgeschlossene Territorien bzw. Ortschaften. Einzelgehöfte sind unbekannt. Anders sieht es in Schottland und auf den Inseln aus (Hebriden, Orkneys, Shetlands und der Isle of Man) aus, wo viele Einzelgehöfte festgestellt wurden.[17] In geschlossenen Ortschaften waren die hygienischen VerhĂ€ltnisse schlecht. Zwischen den Trinkwasserbrunnen und den FĂ€kalgruben war der Abstand hĂ€ufig nicht groß. FĂŒr die WohnstĂ€tten gilt darĂŒber hinaus, dass der Boden aus gestampftem Lehm bestand, der mit Stroh bestreut war. Die LebensumstĂ€nde waren daher der Gesundheit nicht förderlich. Die ArchĂ€ologie hat an den Skeletten und Exkrementen eine ganze Reihe von Krankheiten festgestellt:

Lebenseinstellung

Die Lebenseinstellung dĂŒrfte, wie zu allen Zeiten, nicht einheitlich gewesen sein. Neben der Auffassung, dass das Leben vorherbestimmt sei und auch magische KrĂ€fte darauf einwirkten, gab es auch Menschen, die areligiöse und diesseitsbetonende Realisten waren, jedem Übersinnlichen abhold. Als Quellen stehen fast nur die Sagas zur VerfĂŒgung, so dass diese Aussagen zunĂ€chst nur fĂŒr Norwegen und Island gelten.

Die Quellen geben vorwiegend die erste Gruppe wieder, da in den Sagas die Vorherbestimmtheit in dem ErzĂ€hlduktus die Spannung erhöht. Bei dieser Gruppe spielte auch der Zusammenhang des Individuums mit den Ahnen eine besondere Rolle. Diese oder ihre Folgegeister kĂŒmmerten sich auch um ihre lebenden Nachkommen, zum Beispiel durch warnende Traumbilder. Groa, eine Zauberin in der VatnsdƓla saga, wollte Thorstein durch Zauber fĂŒr sich gewinnen und lud viele und darunter auch ihn, zu einem Gastmahl ein.

„Og hina ĂŸriĂ°ju nĂłtt ĂĄĂ°ur Þorsteinn skyldi heiman rĂ­Ă°a dreymdi hann aĂ° kona sĂș er fylgt hafĂ°i ĂŸeim frĂŠndum kom aĂ° honum og baĂ° hann hvergi fara. Hann kvaĂ°st heitiĂ° hafa. HĂșn mĂŠlti: „ÞaĂ° lĂ­st mĂ©r Ăłvarlegra og ĂŸĂș munt og illt af hljĂłta.“ Og svo fĂłr ĂŸrjĂĄr nĂŠtur aĂ° hĂșn kom og ĂĄvĂ­taĂ°i hann og kvaĂ° honum eigi hlĂœĂ°a mundu og tĂłk ĂĄ augum hans. ÞaĂ° var siĂ°venja ĂŸeirra ĂŸegar Þorsteinn skyldi nokkur heiman fara aĂ° allir komu ĂŸann dag til Hofs er rĂ­Ă°a skyldu. Komu ĂŸeir Jökull og Þórir, MĂĄr og ĂŸeir menn aĂ°rir er fara skyldu. Þorsteinn baĂ° ĂŸĂĄ heim fara. Hann kvaĂ°st vera sjĂșkur. Þeir gera svo. Þann aftan ĂŸĂĄ er sĂłl var undir gengin sĂĄ sauĂ°amaĂ°ur GrĂł aĂ° hĂșn gekk Ășt og gekk andsĂŠlis um hĂșs sĂ­n og mĂŠlti: „Erfitt mun verĂ°a aĂ° standa Ă­ mĂłt giftu Ingimundarsona.“ HĂșn horfĂ°i upp Ă­ fjalliĂ° og veifĂ°i giska eĂ°a dĂșki ĂŸeim er hĂșn hafĂ°i knĂœtt Ă­ gull mikiĂ° er hĂșn ĂĄtti og mĂŠlti: „Fari nĂș hvaĂ° sem bĂșiĂ° er.“ SĂ­Ă°an gekk hĂșn inn og lauk aftur hurĂ°u. Þá hljĂłp aurskriĂ°a ĂĄ bĂŠinn og dĂłu allir menn. Og er ĂŸetta spurĂ°ist ĂŸĂĄ rĂĄku ĂŸeir brĂŠĂ°ur ĂĄ burt Þóreyju systur hennar Ășr sveit. Þar ĂŸĂłtti reimt jafnan sĂ­Ă°an er byggĂ° GrĂł hafĂ°i veriĂ° og vildu menn ĂŸar eigi bĂșa frĂĄ ĂŸvĂ­ upp.“

„Drei NĂ€chte, bevor er von Hause reiten sollte, trĂ€umte Thorstein, dass die Frau, die seine Ahnen begleitet hatte, zu ihm komme und ihn bitte, ja nicht zu reiten. „Das scheint mir unklug, und es wird dir auch UnglĂŒck bringen.“ Und so ging es drei NĂ€chte, dass sie kam und ihm Vorhaltungen machte und sagte, es werde ihm nicht taugen, und sie berĂŒhrte seine Augen. Es war Sitte der Seetaler, wenn Thorstein einen Ausritt vorhatte, dass alle an diesem Tage nach Tempel kamen, die mit ihm reiten wollten. Sie kamen, Jökul und Thorir, Mar und die anderen MĂ€nner, die reisen wollten. Thorstein bat sie, nach Hause zu reiten, er sei krank. Sie taten es. Diesen Abend, als die Sonne untergegangen war, sah ein Schafhirt Groa, wie sie aus dem Gehöft trat und entgegen dem Sonnenlauf um ihr Gehöft schritt und sprach: „Schwer ist es, dem GlĂŒck der Ingimundssöhne zu widerstehen.“ Sie blickte hinauf nach dem Gebirge und schwang einen Beutel oder ein Tuch, in das sie viel Gold, ihr Eigentum, geknotet hatte, und sagte. „Es komme, was kommen muss.“ Darauf ging sie hinein und schloss die TĂŒr hinter sich. Da ging ein Steinschlag aufs Gehöft nieder, und alle Menschen fanden den Tod.[19]“

– VatnsdƓla saga Kap 36.

Überhaupt spielen Vorahnungen eine große Rolle. Sie wurden offensichtlich vom Verfasser und den Lesern als real vorkommend erachtet. Ein Teil von ihnen ist allerdings nur eine literarische Umschreibung einer EinschĂ€tzung aller bekannten Faktoren, aus der sich die Entwicklung des Geschehens ableiten ließ. Ein weiterer Zug ist der hĂ€ufig geschilderte Fatalismus, der sich bis in die Christenzeit hielt. So wird im Bericht ĂŒber die Schlacht bei Fimreite erzĂ€hlt, dass König Sverre sein Schiff verlassen hatte und zu seiner Flotte gerudert war, um ihr neue Befehle zu geben. Dann heißt es:

„Der König ruderte wieder zu seinem Schiff zurĂŒck. Da fuhr ein Pfeil in den Steven des Bootes ĂŒber des Königs Haupt und gleich darauf ein zweiter auf das Deck vor die Knie des Königs. Der König saß ruhig da, ohne davon Aufhebens zu machen, und sein Begleiter sagte: ‚Ein schlimmer Schuss das, Herr!‘ Der König antwortete: ‚Es kommt doch ganz, wie Gott es will!‘“

– Übersetzung Felix Niedner.

Soziale Strukturen

Soziale Schichtung

U 209: Þorstein machte dieses nach Ærinmund, seinem Sohn; er kaufte diesen Hof und erwarb Reichtum ostwĂ€rts in GarĂ°arrĂ­ki.

Die nach 1000 feststellbare Aristokratie [20] ist archĂ€ologisch durch Großhöfe fassbar, die viele GebĂ€ude umfassten. Ihre Legitimationsgrundlage lag in ihrem Reichtum und der sich daran anschließenden Freigebigkeit gegenĂŒber ihrem Gefolge. Solche Großhöfe wurden in UppĂ„kra (heute in der Gemeinde Staffanstorp) wenige Kilometer sĂŒdwestlich von Lund, in TissĂž im westlichen SjĂ€lland, in Lejre bei Roskilde und in Borg auf den Lofoten erforscht. Nach den Funden (Waagen und Gewichte sowie arabische MĂŒnzen) stammte der Reichtum zum grĂ¶ĂŸten Teil aus dem Handel. Das Gefolge der Aristokraten war eine Kriegertruppe, „hirð“ genannt. Die grĂ¶ĂŸte Truppe hatte der König, und es spricht einiges dafĂŒr, dass diese Kerntruppe bei Knut dem Großen identisch ist mit dem in seinem Zusammenhang oft genannten „Thingslið“ in England.[21] Die frĂŒheste ErwĂ€hnung findet sich auf einem Runenstein aus Uppland aus der Zeit zwischen 1020 und 1060.[22] Diese Kriegertruppe ĂŒbte im Machtbereich des Herrn so etwas wie die Polizeigewalt aus und diente bei lokalen Auseinandersetzungen zur Durchsetzung eigener AnsprĂŒche; denn es gab ansonsten kein staatliches Gewaltmonopol.

Die GrĂ€ber zeigen in ihren Beigaben auch eine klare Schichtung der Gesellschaft: fĂŒhrende Persönlichkeiten, eine breite Mittelschicht, die je nach Vermögen mehr oder weniger kostbare Grabbeigaben hatte und Sklaven ohne Grabbeigaben.[23]

In dieser Zeit gehörte es sich in manchen Kreisen, dass ein Mann ins Ausland fuhr, entweder durch Raub oder durch Handel ReichtĂŒmer erwarb und erst reich und ruhmbedeckt heimkehrte, um die dort herkömmliche Lebensweise aufzunehmen. Der „heimskr maĂ°r“, der also zu Hause geblieben war, war gleichbedeutend mit „Dummkopf“.[24] Aber das bedeutet nicht, dass jeder JĂŒngling der Oberschicht auf Wikingfahrt ging. Nur sind sie Hauptpersonen der entsprechenden Berichte.

Die Haupttrennlinie innerhalb der Gesellschaft war die Linie zwischen den Freien und Unfreien. Innerhalb der Gruppe der Freien gab es Unterschiede, die vom Besitz und der Familie bestimmt waren. Die einzige wirklich alle Freien umfassende Eigenschaft war die Mannheiligkeit. Sie wirkte sich in der Mannbuße aus, die fĂŒr Totschlag, Verletzung des Körpers oder der Ehre zu zahlen war und zwar an ihn oder, wenn er getötet war, an seine Familie. Eine solche Buße stand dem Unfreien nicht zu, allenfalls ein Schadensersatz an den Herrn. Bei der freien Frau kam noch die Buße fĂŒr sexuelle Übergriffe hinzu.

Nach EinfĂŒhrung des Königtums durch Harald HĂ„rfagre in Norwegen entstand eine Klassengesellschaft, die aus König, HĂ€uptlingen, Bauern und Sklaven bestand und als gottgegeben betrachtet wurde.[25]

Der König

Ein König leitete - wie andere Könige auch - seine Legitimation aus seiner Abstammung von Göttern her. Bei Harald HĂ„rfage war es die Abstammung von den Ynglingen, die sich auf den Gott Freyr zurĂŒckfĂŒhrten, wie Tjodolf von Hvin in der Ynglingatal darstellt, bei den Ladejarlen war es Odin, wie Eyvindr SkĂĄldaspillir in HĂĄleigjatal darlegt. Da er einem göttlichen Geschlecht entstammte, war an ihn auch das Wohlergehen des Volkes, das allgemeine GlĂŒck geknĂŒpft. Sein Voranschreiten in der Schlacht sollte zeigen, dass die Götter mit ihm waren. Ein Geschenk des Königs hatte nicht nur materiellen Wert, sondern gewĂ€hrte auch Teilhabe am Königsheil. Man geht davon aus, dass ursprĂŒnglich alle HĂ€uptlinge ihr Geschlecht auf Götter zurĂŒckghefĂŒhrt haben. Mit zunehmender Machtkonzentration in Norwegen auf zwei Familien, das HĂ„rfagreĂŠtt und die Ladejarle, sind die ĂŒbrigen „desakralisiert“ worden.[26] Die nach mehrfachem Scheitern endgĂŒltige EinfĂŒhrung des Christentums fĂŒhrte zu einer grundlegenden VerĂ€nderung der Legitimation. Die Abstammung von einem heidnischen Gott konnte nicht aufrechterhalten werden. Die neue Grundlage wurde durch die Sakralisierung von Olav dem Heiligen als MĂ€rtyrer geschaffen, auf den sich anschließend alle Könige zurĂŒckfĂŒhrten, wenn auch die tatsĂ€chliche Abstammung bei vielen mehr als zweifelhaft ist.[27]

Der König ĂŒbte Oberherrschaft ĂŒber alle Teile des nicht genau abgrenzbaren Landes aus, deren Inhalt aber nur vage bestimmbar ist. Abgaben, Verköstigung beim Besuch und Heerfolge im Krieg dĂŒrften die wesentlichen Inhalte darstellen. Er herrschte nicht ĂŒber ein Gebiet, sondern ĂŒber Menschen. So bezeichnet TorbjĂžrn Hornklove ihn als „drĂłttin norĂ°manna“ (König der NordmĂ€nner). Aber er wurde auch als EigentĂŒmer des Landes angesehen. Die stereotype Rechtsfolge hartnĂ€ckigen Gesetzesverstoßes war die Landesverweisung, die zum Beispiel im Gulathingslov so zum Ausdruck gebracht wurde:

„En ef hann vill ĂŸat eigi. ĂŸa scal hann fara or landeign konongs vĂĄrs.“

„Und will er das nicht, so soll er fahren aus dem Landeigentum unseres Königs.“

– Gulathingslov § 23

Als Gegenleistung fĂŒr die Abgaben hatte er fĂŒr die Außenverteidigung seines Machtbereichs zu sorgen. Siehe dazu Die innere Entwicklung Norwegens zur Wikingerzeit.

Der norwegische König hatte damals noch nicht die Regierungsgewalt wie spĂ€ter. Er hatte weder die Gesetzgebung noch die Rechtsprechung inne und war im Wesentlichen auf die lokalen GrĂ¶ĂŸen angewiesen. Das Heer folgte nur bedingt. Deutlich wird dies in der Auseinandersetzung zwischen König Olav und Knut dem Großen im Herbst 1027. Der König redete den schwedischen Bundesgenossen und ihrem König Önund auf einer Beratungsversammlung (hĂșsĂŸing – Hausthing) zu, im Herbst auf den Schiffen zu bleiben und abzuwarten, bis die Krieger Knuts nach Hause abgezogen seien und gegen seine geschwĂ€chte Flotte zu ziehen. Nicht der König, sondern die anwesenden FĂŒhrer antworteten:

„Þá tĂłku SvĂ­ar aĂ°tala, segja aĂ° ĂŸaĂ° var ekki rĂĄĂ° aĂ° bĂ­Ă°a ĂŸar vetrar og frera ‚Þótt NorĂ°menn eggi ĂŸess. Vita ĂŸeir Ăłgerla hver Ă­slög kunna hĂ©r aĂ° verĂ°a og frĂœs haf allt oftlega ĂĄ vetrum. Viljum vĂ©r fara heim og vera hĂ©r ekki lengur.‘ GerĂ°u ĂŸĂĄ SvĂ­ar kurr mikinn og mĂŠlti hver Ă­ orĂ°astaĂ° annars. Var ĂŸaĂ° afrĂĄĂ°iĂ° aĂ° Önundur konungur fer ĂŸĂĄ Ă­ brott meĂ° allt sitt liĂ° 
“

„Sie sagten, es sei nicht geraten, den Winter und den Frost abzuwarten, auch wenn die Norweger dazu auffordern. ‚Sie wissen eben nicht, wie hier das Eis liegen kann und wie hier das Meer im Winter so hĂ€ufig ganz zufriert. Wir wollen heim und nicht lĂ€nger hier liegen.‘ Die Schweden murrten laut, und alle sprachen in dem gleichen Sinne untereinander. Man beschloss schließlich, König Önund solle mit seinem ganzen Heere heimziehen.“

– Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap. 154.

In Norwegen herrschte anfangs ein Erbkönigtum, das alle Söhne gleichermaßen zum Königtum berechtigte, nach dem Ende der BĂŒrgerkriegsperiode ein eingeschrĂ€nktes Wahlkönigtum. Aber schon unter dem Erbkönigtum bedurfte der König der Akklamation durch ein Thing bei dem aber nur MĂ€nner aus einer königlichen Familie zur Wahl standen. Bei der Akklamation Olavs des Heiligen (995–1030) zum König versprach dieser „die Wahrung ihrer alten Landesgesetze sowie den Schutz gegen auslĂ€ndische Heere und Herren.“[28] DafĂŒr hatte er Anspruch auf Bewirtung, wohin er mit seinen Mannen kam.

Der König hatte eine eigene Mannschaft um sich, die spĂ€ter „hirð“ genannt wurde. Er musste Vorbild im Kampfe und in der LebensfĂŒhrung sein, wenn er anerkannt werden wollte. Dabei ging es weniger um seinen Titel, den er auf Grund seiner Zugehörigkeit zu einem mĂ€chtigen Geschlecht trug, als vielmehr um die Motivation, die er seiner Mannschaft einflĂ¶ĂŸen konnte. So konnte Erik Blutaxt nicht schnell genug eine Flotte gegen seinen Rivalen HĂ„kon den Guten aufstellen, „weil manche der Vornehmen ihn verließen und sich zu HĂ„kon begaben.“[29] Auch die Erikssöhne mussten mit ihrer Mutter Gunnhild Norwegen verlassen, als Jarl HĂ„kon nach Norwegen kam. „Sie riefen ein Heer zusammen, aber es folgte ihnen nur wenig Volk.“[30] Die besten Beispiele frĂŒher Ideale geben die Skaldengedichte, die in der Heimskringla zitiert sind, da sie die Ă€ltesten Zeugnisse sind, oft unmittelbar nach den geschilderten Ereignissen gedichtet und weiter tradiert.

Úti vill jól drekka
ef skal einn rĂĄĂ°a
fylkir hinn framlyndi
og Freys leik heyja,
ungr leiddist eldvelli
og inni aĂ° sitja,
varma dyngju
eĂ°a vöttu dĂșns fulla.

Außen Jul wird trinken
Wenn er's entscheidet,
der fehdefrohe FĂŒhrer:
Freys Spiel dort treibt er.
Jung Herdglut hasst er
- nie hockt er drinnen -
und Frauenstuben, warme,
und Futter von Daunenhandschuhen.[31]

Im Laufe der Zeit erstarkte das Königtum. Maßgeblich waren dabei auslĂ€ndische Vorbilder und EinflĂŒsse. Nicht nur, dass Harald hĂ„rfagri seinen Sohn HĂĄkon nach England an den Hof AĂ°alsteins schickte und dieser dort aufwuchs, auch spĂ€ter sammelten die kĂŒnftigen Könige ihre Erfahrungen im Ausland, so dass Snorri dem Vater Olavs des Heiligen an Olav den Satz in den Mund legt: „Jetzt bist du nun außerdem in Schlachten bewĂ€hrt und hast dich selbst nach dem Muster auslĂ€ndischer Herrscher gebildet.“[32]

Die HĂ€uptlinge

In der Wikingerzeit existierten um die 20 große und Dutzende kleine HĂ€uptlingsherrschaften. Wenn man annimmt, dass um 800 ungefĂ€hr 100.000 Menschen in Norwegen wohnten, so geht daraus hervor, dass die Herrschaftsbereiche in dieser Zeit normalerweise sehr klein gewesen sein mĂŒssen.[33] Die Macht der HĂ€uptlinge beruhte auf ihrem Netzwerk, das aus mehr oder weniger abhĂ€ngigen Bauern bestand. Diese hatten den HĂ€uptling bei seinen Unternehmungen zu unterstĂŒtzen, und der HĂ€uptling hatte ihnen Schutz zu gewĂ€hren und ihr Auskommen zu sichern. Das VerhĂ€ltnis kann als VerhĂ€ltnis zwischen Patron und Klient beschrieben werden. Hinzu kam der HirĂ°, eine Gruppe von Berufskriegern um den HĂ€uptling. Beides setzte eine solide ökonomische Grundlage voraus, die durch kriegerische Unternehmungen geschaffen werden musste. Das bedeutete stĂ€ndige Expansion der Machtbereiche durch Siege ĂŒber andere HĂ€uptlinge. Daher war die Gesellschaft in der vorköniglichen Zeit instabil. Hinzu kamen die Konflikte, die sich aus dem Erbrecht ergaben. Denn alle ehelichen und unehelichen Söhne waren in der Nachfolge gleichberechtigt.[34] HĂ€uptlinge hatten, da sie ihr Geschlecht ursprĂŒnglich auf Götter zurĂŒckfĂŒhrte hatten, auch priesterliche Funktionen. In Island wurden sie „Goden“ genannt.

Die Bauern

Die Bauern waren der Kern der Gesellschaft Norwegens von der Vorkönigszeit bis ins 19. Jahrhundert. Sie fĂŒhrten einen Bauernhof und hatten klare Pflichten: der Schutz der auf dem Hof lebenden Personen und die Teilnahme an der Thingversammlung. Unter den Bauern gab es große ökonomische Unterschiede. Einige besaßen große GĂŒter, die sie teilweise verpachteten oder auch durch Sklaven bewirtschaften ließen. Anders als die Sklaven hatten aber alle Bauern „Ehre“. An der Spitze standen die so genannten „Haulde“, eine Bauernaristokratie. Im Østlandet hatte die Bezeichnung noch den ursprĂŒnglichen Sinn des landbesitzenden Bauern, im Vestlandet zeigen Frostathingslov und Gulathingslov, dass es sich um Odalsbauern handelte. Um den Odalsstatus zu erlangen, musste eine Familie zwischen vier und sechs Generationen auf dem gleichen Grundbesitz wohnen. Im Landslov wurde die Zeit auf 60 Jahre reduziert. Wie groß der Anteil dieser Bauern war, ist nicht bekannt. In der Kriegergesellschaft war die Ehre das höchste Gut, und so kam es zur Steigerung der Ehre hĂ€ufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Diese EhrenkĂ€mpfe konnten aber nur zwischen Personen des gleichen Status ausgetragen werden. Sie dienten der sozialen Differenzierung innerhalb der gleichen Gruppe. Es war undenkbar, dass ein HĂ€uptling einen Bauern herausforderte, denn mit der Herausforderung an ein Mitglied einer tieferen sozialen Schicht konnte keine Ehre gewonnen werden.[35]

Der Einzelhof mit seinem dazugehörigen Grund und Boden und die Außenbezirke (Inn- und Utmark) war die wirtschaftliche Grundeinheit, auf dem die Gesamtgesellschaft aufgebaut war. Das spiegelt sich auch in der zeitgenössischen Mythologie wider: In Asgard hatte jeder Gott seine eigene Halle. In Midgard hatten die Menschen ihre Höfe und in Utgard saßen die Trolle und bösen MĂ€chte. In diesem Weltbild haben Inn- und Utmark Modell gestanden.[35] Die Einzelhöfe produzierten ihren Bedarf so weit als möglich selbst. Aber die unterschiedlichen Ressourcen erzwangen eine gewisse Spezialisierung: Fischfang und Eisengewinnung konnten zum Tausch gegen andere wichtige GĂŒter eingesetzt werden.[33]

Daneben gab es auch kleine Siedlungen. Sie waren sowohl eine soziale Einheit als auch eine Produktionsgemeinschaft. Die Siedlung besaß Äcker. Jeder Bauer hatte seine Felder in den verschiedenen Gemarkungen ohne Grenzmauern gegenĂŒber dem Nachbarn. Die Bauern pflĂŒgten, sĂ€hten und ernteten gemeinsam. Dazu kamen Wiesen und Wald als Allmende. Das Ganze gehörte einem oder mehreren Grundherren.

Die Sklaven

Neben diesen beschriebenen Personengruppen gab es noch die Knechte/Sklaven. Sie hatten keine Zugehörigkeit zu Familien. Sie hatten keine Rechte. Ihre Herkunft spielte keine gesellschaftliche Rolle. Sie waren Eigentum des Herrn. Über sie gibt es Nachrichten erst in den spĂ€teren altnorwegischen Gesetzen. Aber diese lassen gewisse RĂŒckschlĂŒsse auf die vorangegangenen VerhĂ€ltnisse zu. Welche ökonomische Bedeutung die Sklaven zur damaligen Zeit hatten, gehört zu den unbeantworteten Fragen der norwegischen Geschichtsforschung. Zwar berichten englische und irische Quellen ĂŒber Menschenraub. So wird fĂŒr das Jahr 871 berichtet, dass Skandinavier aus Dublin eine große Zahl von englischen MĂ€nnern und Pikten versklavten.[36] Aber daraus ist nicht zu entnehmen, dass davon eine grĂ¶ĂŸere Anzahl nach Norwegen kam, da viele ins Ausland verkauft worden sein können. Außerdem gibt es keine Anhaltspunkte fĂŒr die Zahl, um die es sich handelte. ArchĂ€ologisch ist der Sachverhalt kaum fassbar. Oft wurden die Gefangenen nicht verkauft, sondern gegen Lösegeld wieder freigelassen. Wurde das Lösegeld nicht gezahlt, töteten die Wikinger sie oft. Von Jarl Erling Skjalgsson wird berichtet, dass er stĂ€ndig 30 Knechte um sich gehabt habe. Diese durften auch fĂŒr sich selbst wirtschaften und konnten sich so innerhalb von zwei bis drei Jahren freikaufen. Mit der Ablösesumme kaufte der Jarl neue Knechte.[37] Hier ist schon christlicher Einfluss spĂŒrbar. Boyer meint, dass die Sklaverei der Wikingerzeit in Skandinavien nicht mit der Sklaverei im antiken Rom vergleichbar sei. Er meint, die Ideale der Wikinger hĂ€tten einer solch menschenverachtenden Haltung entgegengestanden.[38] Diese Ideale treten aber in einem bereits christlich kontaminierten literarischen Umfeld entgegen, das außerdem bereits von kontinentalen Idealen beeinflusst ist. FĂŒr die vorchristliche Gesellschaft ist ein auf die Gattung „Mensch“ bezogenes Ideal nicht greifbar. Vielmehr beschrĂ€nkten sich alle zu ermittelnden ethischen Normen unmittelbar auf Sippe und Gefolgschaft.

Besondere FunktionstrÀger

Über besondere FunktionstrĂ€ger der vorchristlichen Gesellschaft ist sehr wenig bekannt.

  • Ein FunktionstrĂ€ger war sicherlich der „Priester“, der aus etymologischen GrĂŒnden der Bezeichnung „Gode“ zugeordnet wird.[39] In Norwegen nahmen diese Funktion die HĂ€uptlinge wahr. In Island wurden sie Goden genannt. Es gab hĂ€usliche, regionale und ĂŒberregionale Opferfeste. (siehe Artikel Nordgermanische Religion und Julfest). Steinsland geht davon aus, dass die religiösen Rituale auf den Einzelhöfen von Frauen geleitet wurden und nur die regionalen und ĂŒberregionalen Feste der mĂ€nnlichen Leitung vorbehalten waren.[40]
  • AnfĂ€nglich leitete auch ein Gode die Thingversammlung. Nach islĂ€ndischen Quellen trug er einen heiligen goldenen Armreif am Oberarm. Auf diesen Armreif wurden die Eide abgelegt. Auf dem Thing trat auch ein Gesetzessprecher auf, der die Gesetze auswendig vorzutragen hatte.
  • Weitere FunktionstrĂ€ger bildeten sich am königlichen Hof, im Heer und in der Flotte aus. Sie rekrutierten sich in aller Regel aus der Bauernaristokratie.

Der Familienverband

Die Gesellschaft der norwegischen Nordmannen war wesentlich von Ă€ußeren, insbesondere frĂ€nkischen EinflĂŒssen geprĂ€gt. Gleichzeitig mit der Ausdehnung ihres Einflussbereiches nach außen begann auch die innere Kolonisierung. Erst als die Bedingungen eine weitere Ausbreitung im Inneren nicht mehr zuließen, verlagerte sich das Schwergewicht auf die Ausbreitung ins Ausland, die mit den Wikingern in Verbindung gebracht wird. Man kann archĂ€ologisch eine stetige Zunahme der bebauten Gemarkungen seit der Zeitenwende mit einem vorĂŒbergehenden Einbruch im 6. Jahrhundert konstatieren. Die neuen Gemarkungsnamen vor der Wikingerzeit, die alle mit einem Personennamen beginnen, lassen den Schluss zu, dass der Ackerbau in dieser Zeit von einzelnen Kleinfamilien betrieben wurde. Gleichwohl war die Gesellschaft vor der Wikingerzeit von FamilienverbĂ€nden geprĂ€gt, da es ĂŒber der Großfamilie keine höhere Instanz gab. In der Wikingerzeit allerdings sorgte die höhere MobilitĂ€t fĂŒr eine Neuorientierung, da in der Fremde die eigene Großfamilie in KonfliktfĂ€llen nur bedingt und sehr begrenzt UnterstĂŒtzung gewĂ€hren konnte. Hier trat immer mehr die Gruppe, zu der eine Person gehörte, in den Vordergrund.

Gleichwohl ist der Begriff des „Familienverbandes“, dem eine Person zugehörte, zu dieser Zeit von Bedeutung. Damit ein Geschlecht in allen Dingen zusammenhielt, muss es fĂŒr alle Mitglieder ein gemeinsames GruppengefĂŒhl gegeben haben. Das ist nur in einem starken Patriarchat oder Matriarchat möglich. In der Wikingerzeit ist auf Grund der patrilinearen Ausformung der Personenverbindungen von einem Patriarchat auszugehen, wo der FamilienĂ€lteste ĂŒber Söhne, Ehefrau, unverheiratete Töchter und Schwiegertöchter bestimmte. Dies war vorher aber anders. Wenn vor der Wikingerzeit eine Frau heiratete, blieb sie Angehörige ihres eigenen Familienverbandes, und fĂŒr die Kinder war der mĂŒtterliche Familienverband genauso wichtig wie der vĂ€terliche. Das beinhaltete, dass zum Beispiel zwei Kernfamilien von zwei BrĂŒdern niemals die gleiche Sicht ĂŒber ihre nĂ€chsten Verwandten hatten, abgesehen von dem seltenen Fall, dass zwei BrĂŒder mit zwei Schwestern verheiratet waren. Diese Gesellschaft bestand also nicht aus getrennten Geschlechtern nebeneinander, sondern aus Kleinfamilien als Knoten in einem großen Netz mit Verbindungen kreuz und quer ĂŒber das Gebiet und ergab ein unsymmetrisches Muster. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man von einem Streit zwischen Gruppen hört, die miteinander verwandt waren. Hier wird der Begriff „Stamm“ vermieden, weil dieser zu viele verschiedene PhĂ€nomene umfasst, als dass er in diesem Zusammenhang sinnvoll angewendet werden könnte.

Die Freundschaft

Von mindestens gleichgroßer Bedeutung war die Institution der Freundschaft. Dabei handelt es sich um politische Allianzen gegenseitiger UnterstĂŒtzung vor der endgĂŒltigen Durchsetzung der Königsmacht. Sie tritt daher am deutlichsten und effektivsten in der islĂ€ndischen Freistaatszeit in Erscheinung. Im Gegensatz zum Familienverband, in den man hineingeboren wurde und an dem man nichts Ă€ndern konnte, war der Freundschaftsverband ein soziales Konstrukt, das auf die jeweiligen politischen VerhĂ€ltnisse ausgerichtet werden konnte. So wurden soziale Netzwerke zur Machtausweitung und Machtsicherung gebildet. Solche Freundschaften wurden daher nur in oder mit der Oberschicht gebildet. Von Freundschaften der Bauern untereinander erfĂ€hrt man nichts. Sie waren in regionale Bezirke („hreppar“) zusammengefasst, innerhalb deren die Pflicht zum gegenseitigen Beistand bereits vorgegeben war.[41] Dagegen wurden Freundschaften zwischen Bauern und HĂ€uptlingen (Goden) geknĂŒpft. Sie waren mit gegenseitigen Pflichten der LoyalitĂ€t und UnterstĂŒtzung und seitens des Goden mit der Pflicht zum Schutz verbunden. Freundschaften wurden durch gegenseitige Geschenke begrĂŒndet, wozu auch gehörte, dass der Bauer dem Goden eine seiner Töchter als Nebenfrau ĂŒberließ, die dadurch eine bessere Stellung bekam, als wenn er sie mit einem anderen Bauern verheiratet hĂ€tte. Zu Beginn der Besiedlungszeit gab es wesentlich mehr Goden als zum Ende der Freistaatszeit, und es kam vor, dass Bauern Freundschaften mit zwei Goden knĂŒpften („beggja vinir“). Dadurch ĂŒberschnitten sich die sozialen Netzwerke, und diese Bauern waren im Konflikt zwischen ihren Goden die geeigneten Vermittler. Als die Zahl der Goden abnahm, kam es seltener zu solchen DoppelloyalitĂ€ten, was mangels geeigneter Vermittler zu den blutigen Auseinandersetzungen der Sturlungenzeit fĂŒhrte.[42]

Die AbhĂ€ngigkeit der Freundschaft von der Gabe fĂŒhrte in Norwegen praktisch zur KĂ€uflichkeit der Bundesgenossenschaft. Knut der Große machte Olav Haraldsson (dem Heiligen) die Bundesgenossen dadurch abspenstig, dass er ihnen durch Gesandte große Geschenke ĂŒbermitteln ließ. Königsmacht und HĂ€uptlingsmacht standen einerseits in Konkurrenz zueinander, andererseits waren sie aufeinander angewiesen. So kam es insbesondere in der BĂŒrgerkriegszeit zu hĂ€ufig wechselnden LoyalitĂ€tsverhĂ€ltnissen, je nachdem, wo die HĂ€uptlinge ihren grĂ¶ĂŸten Vorteil zur Ausweitung ihrer Machtposition sahen. Das Ă€nderte sich erst, als der König im SpĂ€tmittelalter seine Legitimation von Gott ableitete. Damit wandelte sich auch die Funktion des Geschenkes von der BegrĂŒndung einer Freundschaft mit LoyalitĂ€tsverpflichtung, die ja schon auf Grund der Stellung des Königs als Stellvertreter Gottes vorgegeben war, zur Bestechung.[43] Man kann dies an der Rechtsentwicklung verfolgen:

„Þat er upphaf laga narra at ver scolom luta austr ac biĂ°ia til hins helga Crist ars og friĂ°ar. oc ĂŸess at vĂ©r halldem lande varo bygĂ°u. oc lĂĄnar drotne varom heilum. se hann vinr varr. en ver hans. en gud se allra vorra vinr.“

„Das ist das Erste in unserem Gesetz, dass wir uns nach Osten verbeugen und zum Heiligen Christ beten um Wohlstand und Frieden und darum, dass wir unser Land weiter bewohnen können, und das Heil unseres Herrn. Er soll unser Freund sein und wir die seinigen Freunde und Gott der Freund von uns allen.“

– Gulathingslov § 1.

Dieser Paragraf wurde im Landslov von 1274 gestrichen. Der König war nicht mehr auf die Freundschaft der Bauern zur Sicherung der LoyalitÀt angewiesen.

Nach der Christianisierung wurden Freundschaften zu Heiligen und zu Gott nach Ă€hnlichen Regeln begrĂŒndet. Man stiftete ihnen Kirchen mit dazugehörigem Land und erwartete von ihnen UnterstĂŒtzung in Konflikten. Die Heiligen wurden GuĂ°svinir (Gottesfreunde) genannt. Bischof GuĂ°mundur Arason bat, als er seine Frau sterben sah, diese, seinen Gruß an eine Reihe von Heiligen, unter anderen Maria, dem Erzengel Michael und Olav dem Heiligen zu ĂŒbermitteln, aber ganz besonders seinem Freund (vini mĂ­num) Ambrosius.[44] Im 13. Jahrhundert Ă€nderte sich allerdings das GottesverhĂ€ltnis. Aus dem helfenden Gott, mit dem man mit Geschenken verhandeln konnte, wurde ein strafender Gott, der die Einhaltung seiner Gebote unabhĂ€ngig vom Rang und von Gaben streng ĂŒberwachte.[45]

Die Frauen

Die Frauen waren den MĂ€nnern nicht gleichgestellt. Allerdings konnten sie, wenn es erforderlich war, auch Funktionen von MĂ€nnern ĂŒbernehmen, zum Beispiel als unverheiratete Frau einen Hof grĂŒnden und leiten. Die sozialen Normen hinderten sie daran nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Gehöften aus dieser Zeit, die Frauennamen tragen. In Island ist dieser Fall noch hĂ€ufiger. Auch viele Erinnerungssteine weisen in ihren Runen-Inschriften auf leitende Frauenpersönlichkeiten hin. Etwa 20 % dieser Erinnerungssteine zeigen einen solchen Sachverhalt, mehr also, als die Hofnamen hergeben, was nicht ĂŒberrascht, da die Neuerrichtung eines Hofes fĂŒr eine Frau eine ungewöhnlich harte Aufgabe war. Aber mehr Frauen gerieten nach dem Tode ihres Mannes in die FĂŒhrungsposition. Witwen hatten in dieser Gesellschaft die am meisten selbstĂ€ndige Position.[46] Eine Witwe konnte auch ihren Sohn beerben, wenn dieser ohne eigene Erben starb. Nach ihrem Tod ging das Erbe an ihre Verwandten. Die Grabfunde bestĂ€tigen diese Stellung der Frau. Es wurden 264 GrĂ€berfunde aus der Merowinger- und Wikingerzeit gemacht. Davon waren 68 so gut erhalten, dass man das Geschlecht der Toten bestimmen konnte. 19, also 28 %, sind FrauengrĂ€ber. Die reich ausgestatteten davon zeigen, dass die Frauen zur Oberschicht gehörten. Sie gehörten zu den Ă€ltesten und grĂ¶ĂŸten Höfen. Es zeigt sich, dass die Frauen nicht deutlich benachteiligt waren, wenn sie auch nicht Waffen tragen und am Thing teilnehmen durften.

Die Zauberer und Zauberinnen

„Das Zauberzeichen ÆirzhjĂĄlmur. Es soll aus Blei gefertigt und auf die Stirn gedrĂŒckt werden, wenn man seinen Feind erwartet, dass es ihn treffe. Und du wirst ihn ĂŒberwinden.“[47]

Vor und wĂ€hrend der Christianisierung gab es Menschen, die magische Praktiken ausĂŒbten. Die MĂ€nner hießen SeiĂ°menn, die Frauen nannte man Völva oder SpĂĄkona (Seherin). Die Frauen waren betagt und unverheiratet oder verwitwet, was ihnen eine große gesellschaftliche UnabhĂ€ngigkeit sicherte. Sie genossen sehr hohes Ansehen, wie in der Saga von Erich dem Roten geschildert wird (Der Passus ist bei Völva wiedergegeben). Dem gegenĂŒber waren die SeiĂ°menn in der Regel nicht geachtet. Soweit sie, wie in den Sagas hin und wieder geschildert, magische Praktiken im Kampf anwendeten, galt dies als unmĂ€nnlich und eines echten Kriegers nicht wĂŒrdig. Sie scheinen auch als homosexuell gegolten zu haben (nĂ€heres siehe bei Magie). Der Zauber bezog sich in der Regel auf die HerbeifĂŒhrung schweren Unwetters oder die Herstellung von Kleidung, die kein Schwert durchdringen konnte. Wie die Praktiken vollzogen wurden, wird so gut wie nie geschildert. Eine der ganz seltenen Schilderungen betrifft den Versuch einer zauberkundigen Frau, ihren missratenen Sohn dadurch vor Verfolgung zu schĂŒtzen, dass sie seine Gegner in Wahnsinn verfallen lassen wollte.

„Og er ĂŸeir brĂŠĂ°ur komu aĂ° mĂŠlti Högni: ‚HvaĂ° fjanda fer hĂ©r aĂ° oss er eg veit eigi hvaĂ° er?‘ Þorsteinn svarar: ‚Þar fer LjĂłt kerling og hefir breytilega um bĂșist.‘ HĂșn hafĂ°i rekiĂ° fötin fram yfir höfuĂ° sĂ©r og fĂłr öfug og rĂ©tti höfuĂ°iĂ° aftur milli fĂłtanna. Ófagurlegt var hennar augnabragĂ° hversu hĂșn gat ĂŸeim tröllslega skotiĂ°. Þorsteinn mĂŠlti til Jökuls: ‚Dreptu nĂș Hrolleif, ĂŸess hefir ĂŸĂș lengi fĂșs veriĂ°.‘ Jökull svarar: ‚Þess er eg nĂș albĂșinn.‘ HjĂł hann ĂŸĂĄ af honum höfuĂ°iĂ° og baĂ° hann aldrei ĂŸrĂ­fast. ‚JĂĄ, jĂĄ,‘ sagĂ°i LjĂłt, ‚nĂș lagĂ°i allnĂŠr aĂ° eg mundi vel geta hefnt Hrolleifs sonar mĂ­ns og eruĂ° ĂŸĂ©r Ingimundarsynir giftumenn miklir.‘ Þorsteinn svarar: ‚HvaĂ° er nĂș helst til marks um ĂŸaĂ°?‘ HĂșn kvaĂ°st hafa ĂŠtlaĂ° aĂ° snĂșa ĂŸar um landslagi öllu ‚en ĂŸĂ©r ĂŠrĂ°ust allir og yrĂ°uĂ° aĂ° gjalti eftir ĂĄ vegum Ăști meĂ° villidĂœrum og svo mundi og gengiĂ° hafa ef ĂŸĂ©r hefĂ°uĂ° mig eigi fyrr sĂ©Ă° en eg yĂ°ur.‘“

„Und als die BrĂŒder herbeikamen, sprach Högni:‚ Was fĂŒr ein Teufel kommt dort auf uns zu? Ich weiß nicht, was es ist.‘ Thorstein erwiderte: ‚Da kommt Ljot, das alte Weib, und hat sich sonderbar geputzt.‘ Sie hatte sich die Kleider vorn ĂŒber den Kopf geworfen und ging rĂŒckwĂ€rts und streckte den Kopf zwischen den Beinen nach hinten. GrĂ€ulich war der Blick ihrer Augen, wie sie ihn wie die Trolle zu schießen wussten. Thorstein rief Jökul zu: ‚Jetzt schlag Hrolleif tot. Du hast lange darauf gebrannt.‘ Jökul antwortete: ‚Dazu bin ich gern bereit‘, und hieb ihm den Kopf ab und wĂŒnschte ihn zum Teufel. ‚Ja, ja,‘ sagte Ljot, ‚nun war es nahe daran, dass ich meinen Sohn Hrolleif hĂ€tte rĂ€chen können. Aber die Ingimundssöhne sind gewaltige GlĂŒcksmĂ€nner.‘ Thorstein antwortete: ‚Warum meinst du das?‘ Sie sagte, sie habe das ganze Land umstĂŒrzen wollen, ‚und ihr wĂ€ret toll geworden und verrĂŒckt draußen bei den wilden Tieren geblieben. Und so wĂ€re es auch gekommen, wenn ihr mich nicht eher gesehen hĂ€ttet, als ich euch.‘“

– VatnsdƓla saga Kap. 26.

Eine gewisse Ausnahme bildeten die Samen (in den Sagas „Finnen“ genannt), da sie sich außerhalb der skandinavischen Gesellschaft befanden. Sie waren vor allem zukunftskundig. Allerdings war die Grenze zum Zauberzwang fließend. So sagt eine finnische Seherin den ZiehbrĂŒdern Ingimund und Grim voraus, dass sie Norwegen verlassen und nach Island ziehen wĂŒrden. Diese fassen dies als Befehl auf und verabschieden sich vom norwegischen König. Dieser entlĂ€sst sie mit den Worten, es sei schwer, gegen Zauberworte zu handeln.[48]

Ein Schwerpunkt der Zauberei hielt sich noch bis in die Neuzeit in Nordwestisland. Es waren MĂ€nner, die an der untersten Grenze des Existenzminimums dahinvegetierten und versuchten, durch allerlei magische Praktiken ihre VerhĂ€ltnisse zu bessern oder zumindest weitere SchicksalsschlĂ€ge abzuhalten. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um Amulettzauber, also um magische Zeichen, die an TĂŒren anzubringen oder unter Schwellen zu vergraben waren, oder die man bei sich trug.

Die Wikinger

→ Hauptartikel: Wikinger

Es gab die norwegischen und schwedischen Wikinger der aristokratischen Oberschicht, die in einem bestimmten frĂŒhen Lebensabschnitt auf Raubfahrt in die Ferne fuhren und dabei möglicherweise sogar einen bestimmten Ehrenkodex beachteten, den sie aus der Heimat mitnahmen, zum Beispiel dass man einen Raub öffentlich bekannt machte und sich nicht heimlich davonstahl. Von diesen sozialen Gruppen unterschieden sich die Wikinger, die das Frankenreich und England heimsuchten, radikal. Es handelte sich um reine RaubzusammenschlĂŒsse ohne besondere Bindung an die Heimat. WĂ€hrend sie am Anfang des 9. Jahrhunderts offenbar nach ihren RaubzĂŒgen in die Heimat zurĂŒckkehrten, hörte dies im Laufe des 9. Jahrhunderts auf. Dass sie im zu plĂŒndernden Gebiet befestigte Lager errichteten, in die sie sich bei Gefahr zurĂŒckzogen oder auch ĂŒberwinterten, wird oft mit der spĂ€teren Landnahme verwechselt oder in Verbindung gebracht. Herrschaft ĂŒber Land war aber nie das Ziel der rĂ€uberischen Nordmannen.[49] Ihre damals schon unvorstellbare Grausamkeit und Zerstörungswut machte sie zu einer sozialen Gruppe, die bei den allmĂ€hlich wachsenden Zentralisierungstendenzen in den HeimatlĂ€ndern nicht mehr integrierbar war. Ihr AnhĂ€ufen von Silber und SchĂ€tzen hatte keinerlei Funktion. Was sie benötigten, raubten sie. FĂŒr die SchĂ€tze gab es keine Verwendung. In einer irischen Quelle wird ĂŒber die Eroberung der Wikingerfestung Dublin berichtet, dass man dort ungeheure SchĂ€tze gefunden habe.[50]

Soziale Regeln

Beziehungen zwischen den Geschlechtern

Das tĂ€gliche Leben wurde von einer Vielzahl ungeschriebener Regeln bestimmt. Dazu gehörte insbesondere die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern. Diese spiegelt sich in einer fast schablonenhaften Zusammensetzung der Grabbeigaben wider. Bei manchen GegenstĂ€nden wird vermutet, dass sie von vornherein nur als Grabbeigabe gefertigt wurden. Die Frauen wurden in Festtagskleidern, mit Schmuck, HaushaltsgegenstĂ€nden und GerĂ€ten zur Textilherstellung beerdigt. Bei den MĂ€nnern wurden Waffen und GegenstĂ€nde, die mit Kampf, Pferden und Jagd zu tun hatten, beigegeben. Aber diese schablonenhaften Grabbeigaben lassen daran zweifeln, dass die Personen in ihrem Leben auch tatsĂ€chlich mit ihnen umgegangen sind. Man geht davon aus, dass nicht alle MĂ€nner, die mit Waffen beerdigt wurden, diese zu Lebzeiten auch benutzt haben.[51] Und nicht alle Frauen, denen ein Spinnrocken mitgegeben wurde, haben auch im Leben Wolle versponnen. Von manchen ist bekannt, dass sie nach außen initiativ wurden und sogar die Errichtung von Gedenksteinen in Auftrag gaben. In manchen FrauengrĂ€bern wurden auch Waage und Gewichte gefunden, was auf Teilnahme am Handel hinweist.[52] Eine kritische Sicht auf die traditionelle Rollenverteilung bieten die NjĂĄls saga und die LaxdƓla saga, die zwar erst spĂ€t niedergeschrieben wurden, aber auf wesentlich Ă€lteren Überlieferungen beruhen. In beiden Berichten ĂŒber Familienfehden sind es die MĂ€nner, die Handlung der Geschichte vorwĂ€rtstreiben. Eine genauere LektĂŒre zeigt aber, dass sie nur Marionetten in den HĂ€nden der Frauen sind. Sie sind es, die durch ihren Rachedurst die jeweiligen MĂ€nner zur Fehde aufstacheln, ohne selbst an einer Auseinandersetzung teilzunehmen.

HĂ€ufigere GesprĂ€che mit der gleichen unverheirateten Frau ließen eine baldige Brautwerbung erwarten. War sie bereits verlobt, fĂŒhrte dies zum Konflikt mit dem Verlobten. Eine rituelle Besitzergreifung wurde darin gesehen, dass ein Mann seinen Kopf in den Schoß eines MĂ€dchens legte. Thord hatte Orm gedroht, falls er nicht die Besuche bei Sigrid, die einem anderen versprochen war, unterließe.

„Þenna morgun hefir Ormur njĂłsn af aĂ° ÞórĂ°ur mun brĂĄtt sigla. Hann lĂŠtur taka sĂ©r hest. ... SĂ­Ă°an tĂłk hann vopn sĂ­n. Hann reiĂ° Ășt til Óss og ĂŸangaĂ° Ă­ hvamminn sem SigrĂ­Ă°ur var. Hann stĂ© af hestinum og batt hann. SĂ­Ă°an leggur hann af sĂ©r vopnin og gengur til hennar SigrĂ­Ă°ar og setur hana niĂ°ur og leggur höfuĂ° Ă­ knĂ© henni og leggur hennar hendur Ă­ höfuĂ° sĂ©r. HĂșn spurĂ°i hvĂ­ hann gerĂ°i slĂ­kt â€žĂŸvĂ­ aĂ° ĂŸetta er ĂĄ mĂłti mĂ­num vilja. EĂ°a manstu eigi ĂĄlyktarorĂ° bróður mĂ­ns? Og mun hann ĂŸaĂ° efna. SjĂĄ ĂŸĂș svo fyrir ĂŸĂ­num hluta.“ Hann segir: „Ekki hirĂ°i eg um grĂœlur yĂ°rar.““

„An diesem Morgen hörte Orm, dass Thord gleich abfahren wolle. Er ließ sich ein Pferd geben. ... Dann nahm er seine Waffen. Er ritt nach Os hinaus in das Tal, wo Sigrid war. Er stieg vom Pferd und band es an. Dann legte er die Waffen ab und ging an sie heran, setzte Sigrid nieder, legte seinen Kopf in den Schoß und ihre HĂ€nde auf seinen Kopf. Sie fragte, warum er das tue, – ‚es geschieht gegen meinen Willen; und denkst du nicht an das letzte Wort meines Bruders? Er wird es halten. Tu, was dir recht scheint.‘ Er antwortete: ‚Ich kĂŒmmere mich nicht um eure Schreckgespenster.‘“

– Þórðar saga hreðud Kap. 5 (Die Geschichte von Thord und seinem Ziehsohn Kap. 11. Übersetzung von W. H. Vogt und Franz Fischer.)

Thord erfÀhrt davon, reitet sofort hin und erschlÀgt Orm an Ort und Stelle.

Regeln im Umgang miteinander

Der Umgang miteinander war durch ungeschriebene Regeln bestimmt. Das wichtigste Kapital in der Gesellschaft war die Ehre und das Ansehen. Das betraf nicht nur das Verhalten auf dem Thing, sondern sogar die Art und Weise der BegrĂŒĂŸung am WohngebĂ€ude. Der Besucher hatte den Hausherrn zu rufen, und der Hausherr hatte aus dem Haus herauszutreten. Es galt als grobe Unhöflichkeit und Missachtung des Hofbesitzers, ĂŒber dessen Land zu reiten, ohne diesen aufzusuchen.

Auch die Sitzordnung in der Halle war genau geregelt. Der Hausherr saß auf einem Hochsitz, also einem Sitz mit hoher Lehne, an einer LĂ€ngswand des Hauses. Der Ehrenplatz des vornehmsten Gastes war auf einem Hochsitz ihm gegenĂŒber. Die Frauen saßen an den Schmalseiten. ArchĂ€ologische Befunde deuten darauf hin, dass der Hochsitz auch in einer Ecke stehen konnte. Diese Ecke war nach den Bodenfunden (zum Beispiel in Borg auf den Lofoten) offenbar fĂŒr rituelle Opfer bestimmt, also eine Art „Herrgottsecke“. Da wird vermutet, dass der HĂ€uptling, der dem Ritual vorstand, auch dort seinen Hochsitz hatte.

Regeln galten sogar fĂŒr das Liegen vor Anker. Die Missachtung solcher Regeln konnte tödliche Folgen haben: Þorleif der Kluge befehligte ein Schiff, auf dem sich auch Erich, der Sohn Jarl HĂ„kons befand. Erich legte grĂ¶ĂŸten Wert darauf, dass dieses Schiff neben dem des Jarls lag.

„En er ĂŸeir kĂłmu suĂ°r ĂĄ MƓri, ĂŸĂĄ kom ĂŸar Skopti, mĂĄgr hans, meĂ° langskip vel skipat. En er ĂŸeir rĂła at flotanum, ĂŸĂĄ kallar Skopti, at Þorleifr skyldi rĂœma höfnina fyrir honum ok leggja or lĂŠginu. EirĂ­kr svarar skjĂłtt, baĂ° Skopta leggja Ă­ annat lĂŠgi. Þá heyrĂ°i HĂĄkon jarl, at EirĂ­kr, son hans, ĂŸĂłttist nĂș svĂĄ rĂ­kr, at hann vill eigi vĂŠgja fyrir Skopta; kallar jarl ĂŸegar, baĂ° ĂŸĂĄ leggja or lĂŠginu, segir at ĂŸeim mun annarr verĂ°a verri, segir at ĂŸeir mundu vera barĂ°ir. En er Þorleifr heyrĂ°i ĂŸetta, hĂ©t hann ĂĄ menn sĂ­na ok baĂ° leggja skipit or tengslum, ok var svĂĄ gert. LagĂ°i ĂŸĂĄ Skopti Ă­ lĂŠgi ĂŸat, er hann var vanr at hafa nĂŠst skipi jarls.“

„Als sie nun nach Möre kamen, erschien dort der Schwager des Jarls Skopti mit einem wohlbemannten Schiff. Als er mit den Seinen zur Flotte ruderte, rief er dem Þorleif zu, er solle den Hafen vor ihm rĂ€umen und den Ankerplatz verlassen. Erich antwortete ihm sofort, Skopti möge sich einen anderen Ankerplatz wĂ€hlen. Als Jarl HĂ„kon hörte, dass sich sein Sohn so mĂ€chtig vorkam, dass er Skopti nicht weichen wollte, da rief er sofort hinĂŒber, man solle diesem den Ankerplatz freigeben. Er drohte, sonst könne es ihnen leichter noch schlimmer gehen, es werde vielleicht noch Hiebe setzen. Als Þorleif dies hörte, wies er seine Leute an, die Ankertaue zu lösen, was auch geschah. Skopti ging nun auf den Ankerplatz nĂ€chst dem Jarlsschiff, wie er es gewohnt war.“

– Heimskringla. Ólafs saga Tryggvasonar. Kap 20.

Erich vergaß ihm das nicht und tötete spĂ€ter Skopti.

Der schwerste Schimpf, die man jemandem antun konnte, war die Errichtung einer Schandstange. Egill Skallagrimsson errichtete sie gegen König Erik Blutaxt:

„Hann tĂłk Ă­ hönd sĂ©r heslistöng og gekk ĂĄ bergsnös nokkura, ĂŸĂĄ er vissi til lands inn; ĂŸĂĄ tĂłk hann hrosshöfuĂ° og setti upp ĂĄ stöngina. SĂ­Ă°an veitti hann formĂĄla og mĂŠlti svo: „HĂ©r set eg upp nĂ­Ă°stöng, og snĂœ eg ĂŸessu nĂ­Ă°i ĂĄ hönd EirĂ­ki konungi og Gunnhildi drottningu“ – hann sneri hrosshöfĂ°inu inn ĂĄ land – „snĂœ eg ĂŸessu nĂ­Ă°i ĂĄ landvĂŠttir ĂŸĂŠr, er land ĂŸetta byggja, svo aĂ° allar fari ĂŸĂŠr villar vega, engi hendi nĂ© hitti sitt inni, fyrr en ĂŸĂŠr reka EirĂ­k konung og Gunnhildi Ășr landi.“ SĂ­Ă°an skĂœtur hann stönginni niĂ°ur Ă­ bjargrifu og lĂ©t ĂŸar standa; hann sneri og höfĂ°inu inn ĂĄ land, en hann reist rĂșnar ĂĄ stönginni, og segja ĂŸĂŠr formĂĄla ĂŸenna allan.“

„Er nahm eine Haselstange in die Hand und ging auf eine Felsenspitze, die weit ins Land hineinschaute. Er nahm einen Pferdekopf und steckte ihn oben auf die Stange. Dann tat er den Fehdespruch und sagte: ‚Hier stelle ich die Schandstange auf und wende diese Beschimpfung gegen König Erich und die Königin Gunnhild.‘ Er richtete den Pferdekopf nach dem Inneren des Landes zu. ’Auch wende ich‘, fuhr er fort‚ diese Beschimpfung gegen die Landesgeister, die in diesem Lande wohnen, dass sie alle in der Irre fahren sollen und nirgends eine RuhestĂ€tte finden noch erhalten, ehe sie nicht König Erich und Gunnhild aus dem Lande vertrieben haben.‘[53]“

– Egils saga Kap. 58 (Kap. 57 in der deutschen Ausgabe)

Mit der Errichtung der Schandstange war nicht immer ein Fluch verbunden. Aber die Runen, die die Information beinhalteten, und der Pferdekopf waren unverzichtbar.

Das Gastrecht bewahrte den Gast vor Angriffen des Gastgebers. Nachdem Skallagrim Björn aus Norwegen kommend aufgenommen hatte, erfuhr er, dass Björn die Schwester seines Freundes gegen dessen Willen geheiratet hatte und stellte ihn zur Rede. Björn gibt dies zu und schließt mit dem Satz:

„Mun nĂș vera ĂĄ ĂŸĂ­nu valdi, hver minn hlutur skal verĂ°a, en góðs vĂŠnti eg af, ĂŸvĂ­ aĂ° eg er heimamaĂ°ur ĂŸinn.“

„Ich bin jetzt in deiner Gewalt, wie mein Schicksal auch ausfallen mag. Aber Gutes hoffe ich doch von dir, da ich jetzt dein Hausgenosse bin.“

– Egils saga Kap. 34, ĂŒbersetzt von Felix Niedner.

Geschenke

Zur Kultur gehörte auch das Schwergewicht der persönlichen Beziehung, die durch Austausch von Geschenken zum Ausdruck kam. Die Auswechslung von Geschenken war ein zentraler Bestandteil der sozialen Kommunikation. So heißt es in der HavamĂĄl:

39. Fannk-a ek mildan mann
eða svå matar góðan,
at vĂŠri-t ĂŸiggja ĂŸegit,
eða síns féar
svågi [glöggvan],
at leiĂ° sĂ© laun, ef ĂŸĂŠgi.

...

41. VĂĄpnum ok vĂĄĂ°um
skulu vinir gleĂ°jask;
ĂŸat er ĂĄ sjĂĄlfum sĂœnst;
viĂ°urgefendr ok endrgefendr
erusk lengst vinir,
ef ĂŸat bĂ­Ă°r at verĂ°a vel.

42. Vin sĂ­num
skal maĂ°r vinr vera
ok gjalda gjöf við gjöf;
hlĂĄtr viĂ° hlĂĄtri
skyli hölðar taka
en lausung viĂ° lygi.

...

44. Veiztu, ef ĂŸĂș vin ĂĄtt,
ĂŸann er ĂŸĂș vel trĂșir,
ok vilt ĂŸĂș af hĂĄnum gĂłtt geta,
geĂ°i skaltu viĂ° ĂŸann blanda
ok gjöfum skipta,
fara at finna oft.

45. Ef ĂŸĂș ĂĄtt annan,
ĂŸanns ĂŸĂș illa trĂșir,
vildu af hĂĄnum ĂŸĂł gĂłtt geta,
fagrt skaltu viĂ° ĂŸann mĂŠla
en flĂĄtt hyggja
ok gjalda lausung viĂ° lygi.

46. ÞaĂ° er enn of ĂŸann
er ĂŸĂș illa trĂșir
ok ĂŸĂ©r er grunr at hans geĂ°i:
hlĂŠja skaltu viĂ° ĂŸeim
ok um hug mĂŠla;
glík skulu gjöld gjöfum.

...

48. Mildir, frĂŠknir
menn bazt lifa,
sjaldan sĂșt ala;
en Ăłsnjallr maĂ°r
uggir hotvetna,
sĂœtir ĂŠ glöggr viĂ° gjöfum.

...

145. Betra er ĂłbeĂ°it
en sé ofblótit,
ey sér til gildis gjöf;
betra er Ăłsent
en sé ofsóit.
Svá Þundr of reist
fyr ĂŸjóða rök,
ĂŸar hann upp of reis,
er hann aftr of kom..[54]

Nie fand ich so milden
und kostfreien Mann,
Der nicht gerne Gabe empfing,
Mit seinem Gute
so freigebig keinen,
Dem Lohn wÀr leid gewesen.

...

Freunde sollen
mit Waffen und GewÀndern sich erfreun,
Den schönsten, die sie besitzen:
Gab und Gegengabe
begrĂŒndet Freundschaft,
Wenn sonst nichts entgegen steht.

Der Freund soll dem Freunde
Freundschaft bewÀhren
Und Gabe gelten mit Gabe.
Hohn mit Hohn
soll der Held erwidern,
Und Losheit mit LĂŒge.

...

Weißt du den Freund,
dem du wohl vertraust
Und erhoffst du Holdes von ihm,
So tausche Gesinnung
und Geschenke mit ihm,
Und suche manchmal sein Haus heim.

Weißt du den Mann,
dem du wenig vertraust
Und erhoffst doch Holdes von ihm,
Sei fromm in Worten
und falsch im Denken
Und zahle Losheit mit LĂŒge.

Weißt du dir wen,
dem du wenig vertraust,
Weil dich sein Sinn verdĂ€chtig dĂŒnkt,
Den magst du anlachen,
und an dich halten:
Die Vergeltung gleiche der Gabe.

...

Der milde, mutige Mann
ist am glĂŒcklichsten,
Den selten Sorge beschleicht;
Doch der Verzagte
zittert vor allem
Und kargt verkĂŒmmernd mit Gaben.

...

Besser nicht gebeten,
als zu viel geboten:
Die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet,
als zu viel getilgt;
So ritzt es Thundr
zur Richtschnur den Völkern.
Dahin entwich er,
von wannen er ausging.

Eine besondere Auszeichnung war es, vom König einen Goldreif geschenkt zu bekommen. Er wurde am Arm getragen. Die Gabe von Geschenken war strengen Regeln unterworfen, deren Verletzung eine schwere Beleidigung sein konnte. Es kam also darauf an, das richtige Geschenk zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person zu geben. So durfte der Rangniedrigere dem Ranghöheren keine Waffen schenken, sondern nur umgekehrt. Auch musste der Austausch von Geschenken bei Personen ungleichen Standes vom Ranghöheren ausgehen, da der Austausch von Geschenken ein Ritual zur BegrĂŒndung einer Freundschaft mit gegenseitigen Verpflichtungen war, die der niedriger Gestellte nicht dem höher Gestellten aufdrĂ€ngen durfte. Eine Ausnahme bildete das Geschenk an den König. Aber dafĂŒr waren nur bestimmte Geschenke erlaubt („konungsgjöf“). Das waren zum Beispiel wertvolle Segel, Pferde und Falken. Aber auch BĂ€ren werden genannt.[55] Geschenke waren immer auf Gegenseitigkeit bezogen. Als Thord von Thorir einen Mantel fĂŒr seine Frau kaufen wollte, wurde dieser ihm geschenkt, gleichwohl wurde eine Gegenleistung erwartet.

„Þórir kveĂ°st kenna ÞórĂ° og hans foreldra ‚og vil eg eigi meta viĂ° ĂŸig heldur vil eg aĂ° ĂŸĂș ĂŸiggir skikkjuna.‘ ÞórĂ°ur ĂŸakkaĂ°i honum ‚og vil eg ĂŸetta ĂŸiggja og lĂĄt hĂ©r liggja meĂ°an eg geng eftir verĂ°inu.‘“

„Thorir sagte, er kenne ihn und seine Eltern, – ‚und ich möchte dir keinen Preis machen, sondern bitte dich, den Mantel von mir anzunehmen.‘ Thord dankte ihm dafĂŒr. – ‚ich will das annehmen. Ich möchte den Mantel hier liegen lassen, bis ich gehe und mir Geld hole.‘“

– Þórðar saga hreðud Kap. 4 (Die Geschichte von Tord und seinem Ziehsohn Kap. 9.)

Heilige StÀtten

Ein weiteres ungeschriebenes aber unbedingt zu beachtendes Gesetz war es, dass heilige StÀtten nicht mit Waffen betreten werden durften. So verschaffte sich Ingimundur das Schwert Sippenknauf, indem er seinen Besitzer beim Betreten des Tempels durch ein GesprÀch ablenkte, so dass er mit der Waffe hineinging.

„Ingimundur snerist viĂ° honum og mĂŠlti: ‚Eigi er ĂŸaĂ° siĂ°ur aĂ° bera vopn Ă­ hofiĂ° og muntu verĂ°a fyrir goĂ°a reiĂ°i og er slĂ­kt ĂłfĂŠrt nema bĂŠtur komi fram.‘“

„Ingimund wandte sich nach ihm um und rief: ‚Es ist nicht Sitte, Waffen in den Tempel zu bringen, und du setzt dich dem Götterzorn aus, und der ist unertrĂ€glich, wenn nicht Buße gezahlt wird.‘“

– VatnsdƓla saga Kap. 17. Übersetzung W.H. Vogt und Frank Fischer.

Wikinger

Auch bei den rĂ€uberischen Wikingern musste es soziale Regeln geben, ĂŒber die es aber nicht viele Informationen gibt. Aber die verschiedenen Verhandlungen zwischen gegnerischen VerbĂ€nden machen es erforderlich, dass es Zeichen fĂŒr UnterhĂ€ndler und freies Geleit gab. Es kam ja zu WaffenstillstĂ€nden. Man hĂ€ngte am Lager ein Schild in der Höhe auf und öffnete die Tore, was zeigte, dass keine kriegerischen Aktionen zu erwarten waren.[56] Auch wie das Raubgut aufgeteilt wurde, ist nicht ĂŒberliefert. Es scheint aber ungleich verteilt worden zu sein, da es am Ende der Wikingerzeit Wikinger gab, die zu arm waren, sich Land in England von ihren Stammesgenossen zu kaufen und daher nach Frankreich zurĂŒckkehrten, wo sie sich Rollo anschlossen.

Zeitrechnung

Die Zeitrechnung folgte dem damals allgemein ĂŒblichen Muster, nach den Jahren des jeweiligen Herrschers zu zĂ€hlen. Ein ubiquitĂ€t einheitliches Zeitsystem gab es noch nicht. So endete ein Brief wie folgt:

„
 ĂŸettabref uar gortt ok gefuet a Marti Marcellini ok Petri. A fimtanda are rikis virĂ°Ă°ulegs herra Æiriks Magnus enns korunnaĂ°Ă°a Noreks konungs.“

„Dieser Brief wurde ausgestellt am 2. Juni, als König Erik Magnusson im 15. Jahr seiner Regierungszeit war.“

– Diplomatarium Norvegicum I, 82

Die erste Besiedlung Islands datiert die Landnåmabók anhand der Regierungszeit des Papstes Hadrians II. Die Zeitrechnung ab christi Geburt kam erst nach der Christianisierung. Sie war zunÀchst auch nur ein ideologisches Instrument. Die kirchliche und die weltliche Zeitrechnung existierten eine Zeitlang nebeneinander:

„
 et cancellarii [secundo kalendas] Decembris indiccione .iija. incarnacionis dominice anno .mo co liiijo. pontificatus vero domini Anastasii pape .iiij. anno .ijo.[57]“

„30 November, 3. Indiktion, 1154 nach der Geburt unseres Herrn, 2. Jahr des Pontifikats unseres Papstes Anastasius IV.“

– Diplomatarium Norvegicum VIII Nr. 1.

In Island wurde bis 1319 in der Regel nach den Regierungsjahren der norwegischen Könige oder der Ladejarle gerechnet, ganz selten auch nach den Zeiten großer islĂ€ndischer HĂ€uptlinge. FĂŒr Orkney, die FĂ€röer und Grönland wird das Gleiche angenommen.[58]

Handel

Lage des ehemaligen Haithabu
Ausgrabung in Birka
Runenstein Århus IV
St. Clemens Dane Church, die als wikingerzeitliche Kaufmannskirche gilt

Eine Voraussetzung fĂŒr die Unternehmungen der Skandinavier in der Wikingerzeit war die Weiterentwicklung der Schiffe. Es gibt in den Quellen viele Bezeichnungen fĂŒr verschiedene Schiffstypen, die nicht alle den archĂ€ologischen Funden zugeordnet werden konnten. FĂŒr weite Überseefahrten standen jedenfalls das Langschiff und die Knorr zur VerfĂŒgung. Auf den Schiffen waren neben dem SchiffsfĂŒhrer, dem Koch, der Rudermannschaft (siehe unten zu den Kriegsschiffen) auch oft Passagiere (farĂŸegar), manchmal auch ein Lotse (leiĂ°sögumaĂ°r) und ein Dolmetscher (tulkr) an Bord. Meist war der EigentĂŒmer eines Handelsschiffes auch gleichzeitig SchiffsfĂŒhrer. Andernfalls hatte er einen Beauftragten (lestreki).[59] Die Schiffe, die nach Island fuhren, konnten auch mehrere SchiffsfĂŒhrer haben. Handelsschiffe hatten vier Mannschaftsabteilungen, die jeweils einem Vormann (reiĂ°umaĂ°r) unterstanden.

Im Jahr 845 betraute angeblich Emir Abd ar-Rahman II. einen seiner erfahrensten Diplomaten, Yahya ibn Hakam al-Bakri, genannt Al-Ghazal mit der Aufgabe, an den Hof des Königs der Madjus (wie die Mauren die NordmÀnner nannten) zu reisen, um sie von einem erneuten Angriff auf al-Andalus abzubringen. Auch ist bei den Normannen sogar eine umayyadische Gesandtschaft bezeugt, wobei es wohl um Verhandlungen betreffs des Pelz- und Sklavenhandels ging. Die HistorizitÀt und die normannischen Verhandlungspartner sind allerdings umstritten.

Bei den archĂ€ologischen Funden lĂ€sst sich kaum zwischen Beute, Geschenk und Handelsware unterscheiden. Am ehesten ist dies auf einem Handelsplatz möglich. Ein solcher wurde in Norwegen ausgegraben. Es handelt sich um den von Ottar erwĂ€hnten Ort Sciringsheal, in der spĂ€teren norrönen Literatur SkĂ­ringssalr, heute Kaupang in Vestfold. Die Siedlung entstand um 800 und wurde bis 930 / 950 benutzt. Sie war nicht ganzjĂ€hrig bewohnt, aber es hielten sich dort norwegische und auslĂ€ndische HĂ€ndler auf, wie die GrĂ€ber zeigen. Das Fundmaterial weist eine weit reichende Verbindung mit großen Teilen Europas auf. Es wurden arabische, frĂ€nkische und englische MĂŒnzen und eine aus Haithabu gefunden. Außerdem kamen Keramik aus dem Rheingebiet und Schmuck von den britischen Inseln. Wie weit sich die Fahrten einzelner erstreckten, geht aus einer kurzen Notiz auf einem Wetzstein hervor, der in Gotland gefunden wurde: Ormila, Ulfar: Griechenland, Jerusalem, Island, Serkland (= arabische/sarazenische Welt).[60]

Schon vor der Wikingerzeit sind Handelsfahrten der Friesen nach DĂ€nemark und dem Kattegat bekannt. Aber der richtige Aufschwung kam mit der Verbindung zwischen EidermĂŒndung und der Schlei, einer Verbindung zwischen Nord- und Ostsee und der GrĂŒndung von Haithabu durch den König Göttrik. Nun wurden grĂ¶ĂŸere HandelsrĂ€ume erschlossen: Keramik, GlĂ€ser, MĂŒhlsteine, kirchliche GerĂ€te, Schmuck und Wein aus dem Rheingebiet, Tuche aus Friesland, Schmuck aus England, Schwerter aus dem Frankenreich. Von den Arabern wurden Schmuck, Ringe, Schalen, Schnallen und BeschlĂ€ge, Seide, wahrscheinlich auch GewĂŒrze, Wein und SĂŒdfrĂŒchte und offenbar viele SilbermĂŒnzen beschafft. Der Handel mit Byzanz brachte Brokat und Seide nach Norden. Die skandinavischen Kaufleute brachten Pelze, Sklaven, anfangs ĂŒber Westeuropa und das Mittelmeer, ĂŒber Russland zusammen mit Wachs und Honig in den Orient. Der enge Zusammenhang zwischen Handel und Raub ist am Sklavenhandel abzulesen, dessen Ware in der Regel aus Nordosteuropa kam. Außerdem sind Eisenbarren aus Norwegen, SmĂ„land und dem nördlichen Mittelschweden als Ausfuhrware bekannt. Von der sĂŒdlichen OstseekĂŒste kamen Bernstein, vom Weißen Meer WalrosszĂ€hne und -hĂ€ute nach SĂŒden. Bei den Ausgrabungen in Haithabu wurden dort hergestellte SchmuckgegenstĂ€nde fĂŒr die Ausfuhr gefunden.[61] Der Fernhandel war also ein ausgesprochener Luxuswarenhandel fĂŒr begĂŒterte Kreise. An ihn schloss sich der Nahhandel um die Handelszentren an, wie man an den kostbaren Funden um Birka herum sieht. So konnte Adam von Bremen berichten, dass ganz Schweden voll von fremden Waren sei.[62] FĂŒr einen Umschlag von arabischen Waren nach Haithabu und Westeuropa gibt es keine Zeugnisse. Haithabu hatte kein so reiches Hinterland wie Birka und blĂŒhte durch den Transithandel am BerĂŒhrungspunkt zweier Verkehrsgebiete, der Nordsee und der Ostsee.

Die FernhĂ€ndler im Osten waren in der Regel Leute aus dem Gebiet am MĂ€larsee und GotlĂ€nder. Ob und in welchem Umfang diese HĂ€ndler im Westen, wo die Friesen dominierten, Handel trieben, lĂ€sst sich nicht feststellen. Auch von ihren Schiffen weiß man fast nichts, nur ihre Bezeichnungen (snekkja, karfi, skĂșta, knörr, bĂșza und byrĂ°ingr). Man weiß aber, dass sie Segel hatten und ein seitliches Ruder. Möglicherweise lassen die GrĂ€berschiffe einen RĂŒckschluss auf das karfi zu, das hĂ€ufigste im Osthandel verwendete Schiff, wie auch der aus dem Griechischen entlehnte Begriff ÎșÎŹÏÎ±ÎČÎżÏ‚ (kĂĄrabos) zeigt. Es waren jedenfalls kleinere und wendige Schiffe, wie sie auch fĂŒr die Raubfahrten verwendet wurden. Aufgrund ihrer begrenzten LadekapazitĂ€t konnten sie mit dem Massenwarenhandel der spĂ€teren Koggen nicht Schritt halten.

Ein einheitliches das gesamte Handelsnetz umspannendes Handelsrecht gab es noch nicht. Man musste sich vorher ĂŒber das anzuwendende Recht einigen. Manchmal hatte sich am Handelsort bereits ein Gewohnheitsrecht herausgebildet, an das man sich hielt.[63] Auch die Gesellschaftsformen, die bei den WarĂ€gern in Rus weiter fortgeschritten waren, hatten in Schweden keine Entsprechung. Dort kam es allenfalls zu einem fĂ©lag, einer Beute- und Handelsgemeinschaft, die eine gemeinsame Verteidigung, einen gemeinsamen Gewinn, ein gemeinsames Risiko und eine Teilhabe am Schiff beinhaltete. Den wikingerzeitlichen Runensteinen lĂ€sst sich allerdings nur entnehmen, dass das fĂ©lag zunĂ€chst nur fĂŒr die Kriegsfahrten Bedeutung hatte. Erst die nachwikingerzeitlichen Inschriften weiten den Ausdruck auf den Handel aus. Einen beruflichen Handelsstand gab es offenbar noch nicht. Die ErwĂ€hnung einer Handelsgilde in Sigtuna bezieht sich offenbar auf den Friesenhandel, und diese scheint dessen Niedergang nicht ĂŒberlebt zu haben. Die Kaufmannsgilden, deren Zweck der gegenseitige Schutz und die Ersatz- und Hilfeleistung im Schadensfalle war, waren aber im wikingerzeitlichen Friesenhandel weit verbreitet. Aus dem Westen drang spĂ€ter diese Form der Handelsorganisation in den Ostseeraum vor und erreichte Erfolge, die der frĂŒhere Bauern-Kaufmann nicht hatte erzielen können.

„FelagaR“ waren MĂ€nner, die Teile ihres beweglichen Vermögens zu einem gemeinsamen Kapital zusammenlegten, das einem gemeinsamen Unternehmen diente. Gewinn und Risiko trugen sie gemeinsam. Zur Zeit der zweiten Eroberung Englands durch Svend TveskĂŠg und Knut den Großen setzte sich die kriegerische Bedeutung in deren Gefolgschaft durch. Auf dem Runenstein Århus IV werden die Teilnehmer an der Königsschlacht als „fĂ©laga“ bezeichnet,[64] des gleichen die Mitstreiter bei Toki Gormssons Kampf[65] und auf dem Stein von GĂ„rdstĂ„nga 2.[66] Der historische Hintergrund der Errichtungszeit und die Lage der Steine weit von den Handelszentren Haithabu und Ripen machen es wahrscheinlich, dass auch die ĂŒbrigen Steine, auf denen das Wort „felagi“ vorkommt, ohne dass das Unternehmen benannt ist, zu den KriegszĂŒgen zu rechnen ist.[67] SpĂ€ter entwickelt sich „felagi“ zu Ruderbankgenossen, Gefolgsleute und Freunde.[68] Im HĂĄvamĂĄl wurde das Wort schließlich zu einer reinen Freundschaft vergeistigt.[69] Auf dem Runenstein von Sigtuna wird ein Partner eines Mitglieds der Friesengilde als „felagi“ bezeichnet,[70] sodass hier nur die Handelspartnerschaft in Frage kommt. Die Tatsache, dass mit dem Aufkommen der Hanse der Ausdruck „fĂ©lagi“ im Gegensatz zu DĂ€nemark und Island nicht ĂŒberlebt hat, spricht ebenfalls dafĂŒr, dass er in Schweden vorwiegend Handelsgesellschaften bezeichnete.[71]

Im 10. Jahrhundert ließ die Silberproduktion im Kalifat nach. Seine Stelle nahm allmĂ€hlich das sĂ€chsische Silber ein. Bis 930 hatten die MĂŒnzfunde Gotlands und Russlands etwa sie gleiche Zusammensetzung mit vielen arabischen NeuprĂ€gungen. Danach ließ der Nachschub an neugeprĂ€gten MĂŒnzen nach, und der Anteil an alten MĂŒnzen nahm immer mehr zu. Nach den MĂŒnzfunden der arabischen MĂŒnzen nach Westen muss dieser Nachschub etwa um 930, der von Russland nach Gotland etwa um 970 geendet haben. Diese LĂŒcke wurde nun aus dem Silber aus dem Harz gefĂŒllt, dessen MĂŒnzen in der Folgezeit sowohl in großer Zahl nach Gotland kamen, als auch in Nordwestrussland gefunden wurden. Dieser Handel, der hĂ€ufig von nichtskandinavischen Kaufleuten vorgenommen wurde, schwĂ€chte allmĂ€hlich die Bedeutung Birkas und begĂŒnstigte Wollin.[72] Im 10. Jahrhundert fĂŒhrten politische VerĂ€nderungen an der Wolga dazu, dass der Wolgaweg unpassierbar wurde. An seine Stelle trat der Weg ĂŒber den Dnjepr. Gleichzeitig wuchs der Handel von SĂŒdschweden und Gotland nach SĂŒdfinnland und dem Baltikum. Im 11. Jahrhundert wurden Schwerter, Speerspitzen, Schnallen und BeschlĂ€ge fĂŒr das Pferdegeschirr Hauptausfuhrartikel. Viele Runeninschriften zeugen von der Rolle der Gotlandfahrten. Der Höhepunkt des Handels mit dem Oder- und Weichselland fĂ€llt ins 10. und an den Anfang des 11. Jahrhunderts.[73]

Birka lag nun abseits der vorherrschenden Handelswege und wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts auch wegen dauernder ÜberfĂ€lle schließlich aufgegeben.[73] Auch Sigtuna konnte nicht zu besonderer Bedeutung wie Birka in der Vergangenheit gelangen, wenn auch eine auf einem Runenstein bezeugte Friesengilde vom Fortbestehen des Ost-West-Handels zeugt. Der Schwerpunkt lag auf Gotland.

An den am Ende des 10. Jahrhunderts erneut einsetzenden Raubfahrten von DĂ€nemark nach England waren viele Schweden beteiligt. In Ostschweden wurde ein großer Teil des Danegeldes gefunden. In Haithabu hörte das Exporthandwerk um 1000 allmĂ€hlich auf. Nur der dĂ€nische Englandhandel nahm gegen Ende der Wikingerzeit in der Zeit Knuts des Großen zu. Zeugnis davon ist die St. Clemens Dane Church in London, die als Kaufmannskirche jener Zeit gilt.[74] Der Handel Schwedens mit Byzanz hörte in der zweiten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts auf und wurde in geringerem Umfang durch den Handel mit Nowgorod ersetzt. Auch der beliebte Raubhandel ging im Zuge der Konsolidierung Russlands und der StĂ€mme im Baltikum zurĂŒck. Erst im 12. Jahrhundert wuchs der gotlĂ€ndische Handel nach Russland wieder, und die GotlĂ€nder bauten ihre Stellung in Nowgorod wieder aus. Gotland konnte gleichzeitig die weiter im Westen gelegene Handelslinie vom Niederrhein ĂŒber Dortmund und Soest nach Schleswig und anderen dĂ€nischen StĂ€dten nutzen. Dadurch wurde der friesische Ostseehandel praktisch abgelöst.

Der innerskandinavische Handel spielte sich dagegen in kleinerem Rahmen ab. Er folgte den schiffbaren GewĂ€ssern und den HöhenzĂŒgen (Ă„sar). Die Verteilung der Runensteine in VĂ€stmanland, Norduppland und GĂ€strikland kennzeichnet diese uralten Reiserouten. Die lĂ€ngste dĂŒrfte die von TrĂžndelag zum MĂ€larsee gewesen sein. Es wurden Eisenbarren aus Dalarna gefunden, die bis nach Birka und weiter nach Gotland transportiert worden waren.[75] Der Verkehr fand besonders im Winter statt, wenn die GewĂ€sser zugefroren waren.

Der Handel mit christlichen Kaufleuten war daran gebunden, dass die skandinavischen Kaufleute entweder bereits Christen waren, was nach den Runenstein-Inschriften weithin der Fall war, oder wenigstens das Kreuzzeichen auf die Stirn, das Primsigning, erhalten hatten.

„Konungur baĂ° ÞórĂłlf og ĂŸĂĄ brĂŠĂ°ur, aĂ° ĂŸeir skyldu lĂĄta prĂ­msignast, ĂŸvĂ­ aĂ° ĂŸaĂ° var ĂŸĂĄ mikill siĂ°ur, bĂŠĂ°i meĂ° kaupmönnum og ĂŸeim mönnum, er ĂĄ mĂĄla gengu meĂ° kristnum mönnum, ĂŸvĂ­ aĂ° ĂŸeir menn, er prĂ­msignaĂ°ir voru, höfĂ°u allt samneyti viĂ° kristna menn og svo heiĂ°na, en höfĂ°u ĂŸaĂ° aĂ° ĂĄtrĂșnaĂ°i, er ĂŸeim var skapfelldast.“

„Der König bat Þorolf und seine BrĂŒder, die Primsigning anzunehmen, denn das war damals bei den Kaufleuten und denen, die bei Christen Dienst taten, allgemeine Übung. Die MĂ€nner, die das Kreuzzeichen trugen, hatten freien Verkehr mit Christen wie Heiden und bekannten sich zu dem Glauben, der ihnen gefiel.“

– Egils saga Kap. 50. Übersetzung nach Felix Niedner.

AktivitÀten

Unternehmungen der Skandinavier im 8. bis 10. Jahrhundert
Die Ausbreitung der Skandinavier in der Wikingerzeit

Der Erfolg der Nordmannen beruhte auf ihren Schiffen. Es gab jedenfalls in Norwegen keine reinen Landkriege wie auf dem Kontinent. Alle Kriege waren mit Schiffen verknĂŒpft, auch wenn die Schlachten an Land gefĂŒhrt wurden. Entweder war eine Partei mit Schiffen gekommen, oder die unterlegene Partei flĂŒchtete auf Schiffen oder die Schlacht wurde dadurch entschieden, dass die feindliche Flotte erobert wurde, wie bei dem Sieg Sverres ĂŒber König Magnus 1180 bei Ilevollen (Trondheim). Ein König ohne Schiffe war in Norwegen ein machtloser Mann.[76] Diese waren nicht nur Transportmittel, sondern Teil der Kultur, wie die SchiffsgrĂ€ber zeigen. Der Gesamtkomplex Schiff, Schiffbau, SchiffsausrĂŒstung, Nautik und Schifffahrtswege auf der Nordsee wird in den Artikeln Wikingerschiff, Wikingerschiffbau und Geschichte des Wikingerschiffbaus behandelt.

Der Grund fĂŒr ihre Expansion ist Thema einer umfangreichen Forschungsliteratur. Im Wesentlichen werden folgende Thesen vertreten:[77]

  • Die politisch-sozialgeschichtliche These: Die WikingerraubzĂŒge sind danach auf das herrschende Gefolgschaftswesen zurĂŒckzufĂŒhren. Der Gefolgschaftsherr hatte die Verpflichtung, seine Gefolgschaft mit GĂŒtern zu belohnen.[78] Dies habe zu den ausgedehnten RaubzĂŒgen gefĂŒhrt. Einige Forscher fĂŒgten noch das Moment des Sozialprestiges bei Freunden und MĂ€dchen an.[79] Weiterhin wird die skandinavische Erbfolgeregelung angefĂŒhrt, nach welcher nur ein Sohn den Besitz erbte, was die anderen Söhne in die Ferne zu RaubzĂŒgen getrieben habe.[80] Die in diesem Zusammenhang nur noch in populĂ€rwissenschaftlichen Werken vertreten These, die Zentralisation des Landes unter einen König, in Norwegen Harald hĂ„rfagre, habe einige Adlige außer Landes getrieben, wird heute nicht weiter verfolgt, da die WikingerzĂŒge 80 Jahre vor dieser Entwicklung eingesetzt haben.[81]
  • Die psychologische These: Nach deren Vertretern soll neben den sozialen und politischen Ursachen vor allem eine gemeinsame seelische Struktur, die Ruhmbegierde, Kampfeslust und Gewinnsucht beinhaltet habe, den NormannenzĂŒgen zu Grunde gelegen haben.[82] JĂžrger Bukdahl fand in der zeitgenössischen Dichtung Elemente der Loslösung von alten zerfallenden Lebensformen und einen entsprechenden Triumph des Individualismus.[83]
  • Die pĂ€dagogische These: Hier werden die NormannenzĂŒge als Lebensschule betrachtet, die den Fernfahrern Kenntnisse ĂŒber fremde LĂ€nder bringt und Kenntnisse ĂŒber Kirchen- und Staatsorganisation vermittelt. Wenn auch Vertreter anderer Thesen diesen Effekt nennen, so wird die Ausbildung hier zum Programm. Auch habe es sich um eine Kriegsschule fĂŒr den jungen normannischen Adel gehandelt. Diese Thesen[84] werden heute nicht mehr vertreten.
  • Die These der Umweltbedingungen: Diese These fĂŒhrt die PlĂŒnderungs- und EroberungszĂŒge auf die materiellen LebensverhĂ€ltnisse und Umweltbedingungen zurĂŒck. Dazu gehört die Verursachung durch Überbevölkerung. Sie findet sich schon bei Dudo von Saint-Quentin, der die Überbevölkerung auf Vielweiberei zurĂŒckgefĂŒhrt hatte, so dass die jungen MĂ€nner das Land hĂ€tten verlassen mĂŒssen.[85] Sie wurde im 19. Jahrhundert wieder vertreten.[86] Zu diesen Thesen gesellen sich weitere Überlegungen zur Ursache der Überbevölkerung, die in den schlechten BodenverhĂ€ltnissen gesehen werden.[87] ArchĂ€ologie und Biologie bestĂ€tigen diese Auffassungen aber nicht, und die zeitgenössischen Quellen zeigen keine verarmte Bauernschaft.
  • Die Drei-Phasen-Theorie: Zwar sehen alle Autoren, dass die reinen PlĂŒnderungsfahrten nach und nach in regulĂ€re EroberungszĂŒge mĂŒnden. In der Drei-Phasen-Theorie wird aber nicht nur zwischen PlĂŒnderungsphase, Übergang zur Landeroberung und anschließende Besiedelung unterschieden, sondern diesen Phasen werden auch unterschiedliche Motive zu Grunde gelegt. Vor der ersten Phase habe man anlĂ€sslich des Handels die ReichtĂŒmer Europas kennen gelernt und holte sich diese schließlich ohne Bezahlung. Mit dem erworbenen Reichtum habe man eine materielle Basis fĂŒr die spĂ€tere Besiedlung erworben, die aber andere GrĂŒnde gehabt habe. So seien aus Freibeuter Eroberer geworden.[88]
  • Theorie der Komplexen Darstellung: Sie wurde im Wesentlichen von Fritz Askeberg: Norden och Kontinenter i Gammal Tid. Studier i Forngermansk Kulturhistorie. Uppsala 1944 entwickelt. Auf ihn geht die heute verbreitete Unterscheidung zwischen privatem Raubzug und staatlich organisierten Operationen und schließlich den Kolonialisierungsunternehmungen zurĂŒck.[89]
  • Völkerwanderungsthese: Viele Autoren stellen einen Zusammenhang zwischen der Völkerwanderung zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert und den NormannenzĂŒgen im 8. und 9. Jahrhundert her. So wird von einer „Völkerwanderung zur See“ gesprochen.[90]
  • These von Herausforderung und Antwort: Danach sollen die normannischen AktivitĂ€ten eine Antwort auf die Herausforderung des christlichen Westens und SĂŒdens gewesen sein oder umgekehrt. Diese These vertrat bereits David Hume. Die Herausforderung habe in der Niederwerfung der Sachsen durch Karl den Großen bestanden.[91] Diese These der Verbitterung der Skandinavier ĂŒber die Sachsenkriege wurde auch spĂ€ter immer wieder angefĂŒhrt. Auch Leopold von Ranke hĂ€ngt dem Gedanken an eine Herausforderung an. Die christlich-frĂ€nkische SchwĂ€che nach dem Tode Karls des Großen habe die Normannen ermuntert, den Kampf gegen das westliche Europa aufzunehmen, und das zurĂŒckgedrĂ€ngte Heidentum habe noch einmal alle KrĂ€fte gebĂŒndelt.[92] Zettel sieht darin zu Recht einen Atem des Kreuzzugsgedankens, der den Wikingern sicher fremd war.

An diesen AnsÀtzen wird kritisiert, die Wikinger als eine mehr oder weniger homogene Gruppe zu betrachten. In der Egils saga dichtet Egill noch nicht zwölf Jahre alt nach einer entsprechenden Zusage seiner Mutter:

Þat mélti mín móðir,
at mér skyldi kaupa
fley ok fagrar ĂĄrar
fara ĂĄ brott meĂ° vĂ­kingum,
standa upp Ă­ stafni,
stĂœra dĂœrum knerri,
halda svĂĄ til hafnar,
höggva mann ok annan.

Meine Mutter sagte
Mir gebĂŒhre ein Kriegsschiff
Bald mit rĂŒstigen MĂ€nnern,
Raub zu holen als Wikinger.
Stehen mĂŒsst ich am Steven,
Steuern kĂŒhn den Meerkiel:
Heldengleich im Hafen
Hieb ich auf die MĂ€nner.[93]

Das war die traditionelle HochschĂ€tzung der großen Fahrt. Das, was sich Egill Skallagrimsson als 12-JĂ€hriger unter einem Wikinger vorstellte, nĂ€mlich ein ruhmreicher Held, und was er auch spĂ€ter selbst verkörperte, unterscheidet sich fundamental von den sinnlos brennenden und mordenden Horden, die im 9. Jahrhundert das Frankenreich heimsuchten.[94]

Es wird heute auch stark bezweifelt, dass Harald HĂ„rfagre entscheidend zur Auswanderung beigetragen habe. Denn diese hatte offensichtlich bereits lange vor dem Gipfel seiner Macht eingesetzt. Er musste sich bald gegen die Wikinger aus den atlantischen Inseln verteidigen, die bereits seit lĂ€ngerer Zeit in Orkney und in der irischen See saßen. Im ĂŒbrigen wird in den Sagas des 12. und 13. Jahrhunderts die Stellung eines Königs im 9. Jahrhundert ĂŒberschĂ€tzt, wenn dort der Eindruck erweckt wird, die Herrschaft Harald HĂ„rfagres habe so schwer auf den Einwohnern gelastet, dass sie die Auswanderung vorgezogen hĂ€tten. Die TodesumstĂ€nde Olavs des Heiligen zeigen, dass die Macht nur begrenzt und punktuell zu schweren Eingriffen fĂŒhrte, wie dies aber schon immer bei den Jarlen gewesen war. Im Unterschied zu England verlief die Besiedlung Islands nicht in Form einer Invasion, die von Aristokraten angefĂŒhrt wurde, sondern ganz allmĂ€hlich. Wer die Form des Freistaates in Island fĂŒr eine bewusste antimonarchische Entscheidung hĂ€lt, mĂŒsste auch angeben, welche Funktion ein König in Island zur Landnahmezeit hĂ€tte haben sollen. Eine gezielte Abwehr von Feinden unter einheitlichem Oberbefehl war nicht erforderlich, und die Funktion der Rechtsprechung und Gesetzgebung wuchs dem König erst viel spĂ€ter zu. Hinzukommt, dass es selbstverstĂ€ndlich zur höchsten Ehre eines islĂ€ndischen Mannes aus den HĂ€uptlingsfamilien gehörte, sich am Hofe des norwegischen Königs aufzuhalten und zu seinem Gefolge zu gehören. Auch war die Wirtschaftskraft des Landes zur Landnahmezeit zu gering, um sich einen König mit Gefolge und Truppe leisten zu können. Dass Island also keinen König hatte, lĂ€sst sich nicht auf eine antizentralistische Einstellung der Siedler zurĂŒckfĂŒhren.

Abgesehen davon traten die gleichen blutrĂŒnstigen RaubzĂŒge, wie die von den Wikingern, im 11. und 12. Jahrhundert in der Ostsee auf, wo sie von Ranen, Abodriten, Liutizen und Pomoranen ausgefĂŒhrt wurden. Dort versagen aber diese ErklĂ€rungsmodelle.

Die Vielzahl der Thesen weist auf ein prinzipielles Defizit in der Datengrundlage hin. Es gibt keine sichere SchĂ€tzung der Zahl der Einwohner und der wehrfĂ€higen MĂ€nner Skandinaviens fĂŒr diesen Zeitraum. Es gibt keine sichere SchĂ€tzung darĂŒber, wie viele MĂ€nner auf WikingerraubzĂŒge gingen, so dass deren Anteil an der Gesamtzahl der Bevölkerung oder auch nur der wehrfĂ€higen MĂ€nner im Dunkeln bleibt. Zur gleichen Zeit werden in den skandinavischen LĂ€ndern die Konflikte im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Zentralisierungsprozess ausgetragen. In Norwegen dĂŒrften sich die meisten wehrfĂ€higen MĂ€nner hier engagiert haben. Das Gleiche gilt fĂŒr DĂ€nemark unter Horik I., Horik II. und Gorm dem Alten. So ergibt sich ein Bild, als ob jeder Adelssohn auf Wikingfahrt gegangen sei und auch immer ausreichend willige Mitstreiter gefunden habe. Die nicht unerheblichen Bußen, die das Frostathingslov gegen diejenigen festsetzt, die dem königlichen Aufgebot nicht folgen,[95] lĂ€sst darauf schließen, dass ein Kriegszug nicht bei jedermann auf Begeisterung stieß. Das muss umso mehr fĂŒr RaubzĂŒge auf rein privater Initiative gelten. Insbesondere zeigen Rimberts AusfĂŒhrungen, dass sich jedenfalls im schwedischen Raum eine klare Trennung zwischen HĂ€ndlern und Wikingern herausbildete. Er schildert die HĂ€ndler als frĂŒh bekehrte Christen und die Wikinger als konservativ im Heidentum verharrende Krieger.[96] Auch hier ist der jeweilige Bevölkerungsanteil nicht bekannt. Auch bei den Auswanderungen fehlen verlĂ€ssliche Daten. Sie zogen sich ĂŒber mehrere Jahrhunderte hin, so dass die Besiedlung Englands, Irlands und Islands auf viele Generationen aufgeteilt ebenfalls keine RĂŒckschlĂŒsse auf die Bevölkerungsanteile zulassen. Neben einem Druck der VerhĂ€ltnisse in der Heimat können auch die Aussichten auf eine lukrativere Wirtschaft in den neuen Gebieten eine lockende Perspektive gewesen sein. Das liegt insbesondere bei der Besiedlung Islands nahe, wenn man die weiten Herrschafts- und Wirtschaftsbereiche der ersten Siedler mit den relativ engen rĂ€umlichen VerhĂ€ltnissen in der norwegischen Fjordlandschaft vergleicht.

MentalitĂ€t und Außenwahrnehmung

Wenn immer wieder behauptet wird, dass sich die PlĂŒnderungszĂŒge der Wikinger im Rahmen des damals ĂŒblichen gehalten hĂ€tten, ist doch erklĂ€rungsbedĂŒrftig, warum den WikingerzĂŒgen von den Zeitgenossen eine solche ĂŒberragende Aufmerksamkeit des Schreckens beigemessen wurde. Denn dies spricht dafĂŒr, dass sich die WikingerĂŒberfĂ€lle eben nicht im Rahmen des ĂŒblichen bewegten. Eine Ursache dafĂŒr dĂŒrfte die zivilisatorische Ungleichzeitigkeit des historisch Gleichzeitigen sein.

Die Parallelen auf dem Kontinent sind im Wesentlichen im 6. Jahrhundert zu finden. Die Taufe Chlodwigs I. um 500 hat ja an den tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnissen noch nichts geĂ€ndert. Das Christentum wurde im Wesentlichen kultisch verstanden und verdrĂ€ngte keineswegs die ĂŒberkommenen Verhaltensweisen und sozialen Regeln.[97] Im 6. und 7. Jahrhundert konnte man keine Mannschaft zur Erreichung ausschließlich politischer Zwecke aufbieten; es war immer ein Beuteanreiz erforderlich.[98] Als Beispiel fĂŒr die Bedeutung der Beute mag hier die Schlussauseinandersetzung zwischen König Guntram I. und Gundowald, einem angeblichen Sohn Chlotars I. dienen. Die Schilderung des im 6. Jahrhundert lebenden Bischofs und Geschichtsschreibers Gregor von Tours hebt die Lust auf Beute besonders hervor.[99] Man brach von Poitiers auf, und es schlossen sich Leute von Tours dem Heer an. Die Krieger von Tours raubten aber diese aus und töteten viele, so dass sie nach Tours umkehren mussten. Die Beutegier ĂŒberwog schon da die Möglichkeit einer geordneten KriegsfĂŒhrung. Im Zuge der weiteren Verfolgung Gundowalds wurde auch die Kirche des heiligen Vincentius geplĂŒndert.[100] Dann kam man nach Comminges, wo sich Gundowald verschanzt hatte. Auch die Belagerung der Stadt ist auf beiden Seiten von Beutegier bestimmt. Eine geordnete Angriffs- oder Verteidigungsstrategie ist nicht erkennbar. Soldaten, die sich plĂŒndernd zu weit vom Lager entfernten, wurden von den Bauern erschlagen. Gundowald verlor, weil seine AnhĂ€ngerschaft abbröckelte, nicht weil Gunthram ĂŒberlegen war. Nach dem Tode Gundowalds wurde die Stadt und natĂŒrlich auch die Kirche geplĂŒndert. Die Streitigkeiten innerhalb der merowingischen Dynastie wurden von Gewalt gegen Kirchen, Klöstern, Priestern und Nonnen begleitet,[101] so bei dem missglĂŒckten Kriegszug, den Gunthram gegen Septimanien befahl.[102] Dies entsprach schon lange nicht mehr der Erlebniswelt der Kriege zu Zeiten Karls des Großen. Gregor von Tours legt die spĂ€tere Auffassung König Gunthram in einer Rede an die geschlagenen HeerfĂŒhrer in den Mund,[103] und diese verteidigen sich mit der rĂ€uberischen Undiszipliniertheit der Truppen.[104] Schon die Erfolge Karl Martells werden auf eine höhere Disziplinierung der Truppen zurĂŒckgefĂŒhrt, wenn auch nach dem Sieg die PlĂŒnderung und VerwĂŒstung einsetzte. Die kontinentalen Zeitgenossen der Wikinger trafen also auf Verhaltensmuster, die im eigenen Reich bereits lange Vergangenheit waren. Und in dieser Vergangenheit hatten diese Verhaltensmuster am Ende der spĂ€trömischen Zivilisation und am Beginn der Christianisierung noch einen wesentlich geringeren kulturellen Aufmerksamkeitswert als im 9. Jahrhundert, wo eine solche Verhaltensweise auf im Großen und Ganzen geregelte politische Aktionen der KriegsfĂŒhrung traf. Im 6. und 7. Jahrhundert kannte man es noch nicht anders. Die PlĂŒnderung diente noch lange vor allen dem Unterhalt der MĂ€nner. So sagt Olav der Heilige:

„Svo er sem yĂ°ur er kunnigt aĂ° eg em kominn hingaĂ° til lands og veriĂ° ĂĄĂ°ur langa hrĂ­Ă° utanlands. Hefi eg og mĂ­nir menn haft ĂŸaĂ° einu alla ĂŸessa stund til framflutningar oss er vĂ©r höfum sĂłtt Ă­ hernaĂ°i og Ă­ mörgum stöðum orĂ°iĂ° til aĂ° hĂŠtta bĂŠĂ°i lĂ­fi og sĂĄlu. Hefir margur maĂ°ur fyrir oss, sĂĄ er saklaus hefir veriĂ°, orĂ°iĂ° aĂ° lĂĄta feiĂ° en sumir lĂ­fiĂ° meĂ°.“

„So steht es, wie ihr wisst, dass ich ins Land hierher gekommen bin, nachdem ich vorher lange Zeit im Ausland geweilt habe. Die ganze Zeit hatten ich und meine MĂ€nner zum Unterhalt nur das, was wir uns auf unseren KriegszĂŒgen gewonnen hatten. An gar manchen Orten haben wir dafĂŒr Leib und Leben aufs Spiel setzen mĂŒssen. Viele MĂ€nner, ob sie noch so schuldlos waren, verloren durch uns ihre Habe, ja einige dazu ihr Leben.“

– Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap. 35.

Die SchlusssÀtze verraten bereits christliches Gedankengut, aber dass sich die Gefolgschaft aus dem Raub ernÀhrte, ist wohl nicht zu bezweifeln.

Die einheitliche Bezeichnung „Wikinger“ steht nicht fĂŒr eine friedliche Binnenbeziehung untereinander. Des Öfteren wird von KĂ€mpfen von Wikingern gegen Wikinger berichtet. Schon Snorri berichtet ĂŒber Olaf den Heiligen in jugendlichem Alter, als er gerade seine erste Wikingerfahrt nach Schweden unternahm:

„ÞaĂ° haust barĂ°ist Ólafur viĂ° SĂłtasker hina fyrstu orustu. ÞaĂ° er Ă­ SvĂ­askerjum. Þar barĂ°ist hann viĂ° vĂ­kinga og er sĂĄ SĂłti nefndur er fyrir ĂŸeim rĂ©Ă°.“

„In diesem Herbst focht König Olav seine erste Schlacht an der Sotis-SchĂ€re, die im schwedischen SkĂ„gĂ„rd liegt. Dort stritt er mit Wikingern, deren AnfĂŒhrer Soti hieß.“

– Ólafs saga helga Kap. 6

Allgemeine Herkunftsbezeichnungen

In den kontinentalen und angelsĂ€chsischen Quellen werden nur selten geografische Angaben zur Herkunft der Wikinger gemacht. Teilweise finden sich allgemeine Bemerkungen, sie seien ĂŒber den Ozean oder aus dem barbarischen Norden gekommen.[105] Hrabanus Maurus schreibt ĂŒber die Suevi als Teil der germanischen Völker, sie seien „in fine Septentrionis“ aus dem hohen Norden gekommen.[106] Alkuin bezieht sich auf Jer 1,14 EU und schreibt: „Ab aquilone inardescunt mala 
“ (Aus dem Norden entzĂŒndet sich das Unheil).[107] Auch sonst ist nur ein allgemeiner Hinweis auf den Norden als Ausgangspunkt der WikingerĂŒberfĂ€lle genannt.[108]

Schweden, Norwegen

Runenstein U 258

Die Runensteine aus dem östlichen NordjĂŒtland legen den Schluss nahe, dass im 10. Jahrhundert dieses Gebiet schwerpunktmĂ€ĂŸig Ausgangspunkt fĂŒr Fahrten nach Schweden und Gotland war.[109] Der bereits zitierte Runenstein DR 216 in Lolland erwĂ€hnt den Tod auf einem Wikingzug nach Schweden.[110] Schonen scheint als richtiges SeerĂ€ubernest gegolten zu haben. Denn der Skalde GuĂŸorm Sindri dichtet ĂŒber die KĂ€mpfe HĂ„kons des Guten in DĂ€nemark:

Selund nĂĄĂ°i ĂŸĂĄ sĂ­Ă°an
sĂłknheggr und sik leggja
vals ok Vinda frelsi
viĂ° SkĂĄneyjar sĂ­Ă°u.[111]

Seeland, da ersiegte
sich Streiters Baum, weiter
KĂŒsten Schonens, Schlupf, kostbarer
kecker Wenden-Recken.[53]

Die „Wenden-Recken“ sind nach dem folgenden Kontext Wikinger.

Auch Gotland selbst scheint Ziel von Wikingerangriffen gewesen zu sein. Denn ein Stein auf Lolland, der eines in Schonen Gefallenen gedenkt, hat die Abbildung eines Wikingerschiffes.[112] Man fuhr wohl auch von Uppland nach Norwegen.[113] Man fuhr von Norwegen aus auch nach Grönland.[114]

Einzelunternehmen von Schweden und DĂ€nen

Die WarÀgergarde in der Chronik des Johannes Skylitzes (12. Jahrhundert)

Zwischen 845 und 849 berichtet Rimbert in seiner Vita Anskarii, der vertriebene Schwedenkönig Anund habe dĂ€nische Wikinger nach Birka gefĂŒhrt.

„Per idem fere temporis accidit, ut etiam quidam rex Suenonum nomine Anoundus, ejectus regno suo, apud Danos exul fuerit. Qui fines regni quondam sui denuo repetere cupiens, coepit ab ipsis auxilium quaerere, spondens, quod, si se sequerentur, multa eis possent donaria provenire. Proponebat enim eis vicum memoratum Birca, quod ibi multi essent negotiatores divites et abundantia totius boni atque pecunia thesaurorum multa. Ad illum itaque vicum se eos promittebat ducturum, ubi sine sui exercitus damno multo suae necessitatis fruerentur commodo. Illi ergo promissis muneribus delectati et thesaurorum adquisitione avidi, in auxilium eius expeditorum ad pugnam hominum viginti et unam naves impleverunt et cum eo destinaverunt. Ipse vero de suis naves habebat undecim. Exeuntes ergo de Danis, ad vicum insperate venerunt memoratum. Et forte tunc rex ipsorum longius inde aberat, et principes ac populi multitudo congregari non poterant. Tantum supradictus Herigarius, praefectus ipsius loci, cum eis, qui ibi manebant negotiatioribus et populis praesens aderat. In magna ergo angustia positi, ad civitatem, quae iuxta erat, confugerunt. 
 Sed quia civitas ipsa non multum firma est, et ipsi ad resistendum pauci, miserunt ad eos legatos, dextram ad foedus postulantes. Quibus rex praefatus mandavit, ut pro redemptione ipsius vici centum libras argenti absolverent, sicque pacem haberent. Quod illi, ut petebatur, statim miserunt, et a rege iam dicto susceptum est. Porro Dani graviter huiuscemodi ferentes conventionem, quia non secuti disposuerant actum fuisset, coeperunt velle super eos subito erruere et locum ipsum funditus depraedari atque incendere, dicentes, unumquemlibet negotiatiorem plus ibi habere, quam sibi oblatum fuisset, et nullo modo se tantam calumniam suffere posse.“

„Etwa zur gleichen Zeit lebte der aus seinem Reiche vertriebene Schwedenkönig Anund landflĂŒchtig bei den DĂ€nen. Er erbat zur RĂŒckgewinnung seiner einstigen Herrschaft dĂ€nische Hilfe und versprach, fĂŒr ihre Gefolgschaft sollten sie reichen Gewinn haben. Er schilderten ihnen den Handelswik Birka; da gebe es viele vermögende HĂ€ndler, Überfluss an Waren aller Art und viel Geld und SchĂ€tze. Er versprach, zu diesem Wik wolle er sie hinfĂŒhren; sie wĂŒrden dort ohne Schaden fĂŒr ihr Heer viel Brauchbares fĂŒr sich erbeuten. Voller Gier nach dem Erwerb dieser ReichtĂŒmer freuten sich die DĂ€nen der zugesicherten Geschenke, bemannten zu seiner Hilfe 21 Schiffe und fuhren mit ihm aus. Er selbst besaß 11 eigene Schiffe. So verließen sie DĂ€nemark und erschienen unerwartet vor Birka, dessen König gerade in der Fremde weilte; weder Vornehme noch die Volksmenge konnten aufgeboten werden. Hergeir, der Vorsteher des Wik, verfĂŒgte nur ĂŒber die ansĂ€ssigen HĂ€ndler und Einwohner. Die aber flohen voller Entsetzen in die benachbarte Burg. 
 Nun war aber die Burg nicht sehr fest und die Zahl der Verteidiger klein; deshalb schickten sie mit der Bitte um Handschlag und Vergleich UnterhĂ€ndler zu den Angreifern. Der König bestimmte, nach Erlegung einer Loskaufsumme von 100 Pfund Silber fĂŒr ihren Wik sollten sie ihren Frieden haben. Sofort ĂŒbersandten sie ihm das verlangte Geld, und der König nahm es entgegen. Doch die DĂ€nen waren unzufrieden mit dem ihrer Vereinbarung widersprechenden Vertrage; sie planten daher einen plötzlichen Überfall, eine grĂŒndliche PlĂŒnderung und EinĂ€scherung des Ortes; jeder einzelne HĂ€ndler dort besitze mehr, als man ihnen geboten habe, behaupteten sie; so ließen sie sich nicht hintergehen!“

– Rimberti Vita Anskarii = Rimbert – Ansgars Leben. Übersetzt von Werner Trillmich. Kap. 19.

Dieses Zitat zeigt zum einen den Gegensatz zwischen Wikingern und reinen HĂ€ndlern, die entsetzt flĂŒchten, zum anderen, dass sich die PlĂŒnderungszĂŒge durchaus auch gegen Skandinavier richten konnten, und zum dritten bestĂ€tigt es die oben geschilderte Beobachtung, dass die AnfĂŒhrer solcher ZĂŒge nur eine eingeschrĂ€nkte Disziplinargewalt ĂŒber ihre Truppe hatten.

Nach der Zahl der Gedenksteine kamen die meisten Auslandsfahrer aus DĂ€nemark, Södermanland und Gotland. Weit abgeschlagen sind Östergötland, VĂ€stmanland, Uppland, GĂ€strikland, Öland und Bornholm. DafĂŒr ist der Anteil der runensteinritzenden Oberschicht an den eindeutigen Zeugnissen fĂŒr den Raubhandel in VĂ€stmanland und SmĂ„land signifikant höher.[115] In DĂ€nemark kann man fĂŒr die Zeit Sven TveskĂŠgs ein deutliches Überwiegen junger Krieger feststellen. Dabei stammen aus DĂ€nemark offenbar die eher erfahrenen SchiffsfĂŒhrerpersönlichkeiten, wĂ€hrend sich aus VĂ€stergötland und SmĂ„land junge beutegierige und abenteuerlustige Mannschaften aufmachten. In Schweden gingen die Impulse zu den Auslandsfahrten offenbar von Södermanland aus. Auch Yngvar, dessen gescheiterter Zug auf den Yngvarsteinen bezeugt ist, kam von dort. In Uppland ĂŒberwiegen die eindeutigen Kauffahrersteine, auf denen auch „fĂ©lagi“ als Handelsgesellschaften zu finden sind. Sie gelten VĂ€tern, EhemĂ€nnern, BrĂŒdern, Handelspartnern und Gildemitgliedern, aber keinen Söhnen oder sonstwie als jung zu klassifizierenden Leuten.[116]

Hinzu kommt, dass auf Grund der sich im 11. Jahrhundert ausbreitenden Bekehrung WikingerzĂŒge auf christliche Gebiete allmĂ€hlich auch in der Heimat nicht mehr gebilligt wurden. Fast alle identifizierbaren Fernhandelsfahrer in DĂ€nemark und Schweden im 11. Jahrhundert waren Christen. Das bedeutet nicht unbedingt eine BlĂŒte skandinavischen Handels fĂŒr diese Gegend am Ende Wikingerzeit. Diese BlĂŒte lag eher im 9. und 10. Jahrhundert, als durch Raub und Tribute, wenn auch nicht in dem Umfang wie im Westwiking, und der Sklavenjagd unter den westfinnischen und slawischen StĂ€mmen genĂŒgend Handelsware zur VerfĂŒgung stand.[117]

Im 11. Jahrhundert setzte die BlĂŒte eher in Norwegen ein. In Schweden fĂŒhrte der politische Wandel im Ostseeraum dazu, dass jungen Leuten mit Abenteuerlust nur noch die WarĂ€gergarde byzantinischer Kaiser, teilweise auch noch der KĂŒstenraub[118] und spĂ€ter vereinzelte KreuzzĂŒge offenstanden. In Schweden wurde der Handel zu bald von der Hanse ĂŒberflĂŒgelt. Gotland wurde von dem Wandel noch am wenigsten betroffen.

Mit dem Fortschreiten der Runensteinsitte von SĂŒden nach Norden und dem Übergang von der Wikingerzeit zum christlichen Mittelalter nimmt auch der Anteil der verheirateten Auslandsfahrer zu. Da die rĂ€uberischen AktivitĂ€ten nach den Nachrufen (runische Inschriften auf Kenotaphen) eher von den jĂŒngeren und Unverheirateten ausgingen, beziehungsweise darauf schließen lassen, kann man davon ausgehen, dass die spĂ€teren Auslandsfahrer sich ĂŒberwiegend mit dem reinen Handel befassten.[119]

Nordmannen in England, Schottland und Irland

Chronik der skandinavischen Periode in England (Auswahl)
793 WikingerĂŒberfall auf das Kloster von Lindisfarne
794 ÜberfĂ€lle auf Orte in Schottland
795 Irische Annalen erwĂ€hnen Überfall auf Rathlin Island
866 Nordmannen erobern York
871 König Æthelred schlĂ€gt zusammen mit seinem Bruder Alfred eine skandinavische Invasionsarmee in der Schlacht von Ashdown, nachdem er in der Schlacht von Reading unterlegen gewesen war.
876 Skandinavier beginnen sich in England dauerhaft anzusiedeln.
886 König Alfred der Große zieht eine formelle Grenze zwischen seinem Reich und dem des skandinavischen Königs Guthrum, die spĂ€ter Danelag genannt wird.
950 Wikinger aus Irland, der Isle of Man und den Hebriden plĂŒndern die Klöster in Wales.
954 Erich Blutaxt, der letzte skandinavische König in York, wird vertrieben.
994 Erfolglose Belagerung Londons durch König Sven Gabelbart und Olav Tryggvason und systematische PlĂŒnderung SĂŒdost-Englands.
1013 Sven Gabelbart fĂ€hrt mit seinem Sohn Knut den Humber und Trent aufwĂ€rts und wird als König im Danelag anerkannt. König Æthelred der Unberatene von Wessex muss fliehen.
1014 Knut wird nach dem Tod seines Vaters AnfĂŒhrer der DĂ€nen und nach dem Tode König Æthelreds und dessen Sohnes Edmund Eisenseite 1016 König von England.
1042 Æthelreds anderer Sohn Eduard der Bekenner wird englischer König.
1066 Ende der Wikingerzeit (Schlacht bei Hastings)

Der Kontakt zu den britischen Inseln hatte bereits im Jahrhundert vor der Wikingerzeit eingesetzt. Dort werden in den Quellen gewisse auslĂ€ndische HĂ€ndler als „Frisian“ bezeichnet. Dabei handelte es sich nach Auffassung einiger Forscher um Skandinavier,[120] nach anderen aber tatsĂ€chlich um Friesen.[121] ArchĂ€ologische Belege sind gering. Ende des 8. Jahrhunderts beginnen die ÜberfĂ€lle der Wikinger auf englische Orte. Darunter ist der Überfall auf Lindisfarne, der in der AngelsĂ€chsischen Chronik unter dem Jahr 793 erwĂ€hnt wird, von besonderer Bedeutung, da er als erster Überfall auf ein Kloster besonderes Aufsehen erregte. Weitere Angriffe folgten rasch: 794 Kloster Wearmouth in Sunderland, 795 Iona, die Inseln Rathlin und Skye, 798 die Hebriden und Ulster. In der Regierungszeit des Königs Beorhtric soll es auch zu ÜberfĂ€llen auf Wessex gekommen sein. Es wird fĂŒr möglich gehalten, dass die Wikinger von den nördlichen Inseln kamen. Ein Grab mit Waffen aus der Zeit vor 750 wurde auf der Insel Arran der Hebriden gefunden. Dass bevorzugt Klöster geplĂŒndert wurden, traf die Christenheit wie ein Schock.

Um 830 scheinen die plötzlichen EinzelĂŒberfĂ€lle auf englische Gebiete aufgehört zu haben, weil sich die SeerĂ€uber offenbar anderen Gestaden zuwandten. In Irland plĂŒnderten sie wohl bis in die 840er Jahre, bis sie dort dauerhafte Basen errichteten. Möglicherweise besiedelten sie zur gleichen Zeit, die Orkneys und die Shetlandinseln, wenn man der unsicheren Datierung skandinavischer heidnischer GrĂ€ber folgen darf, die allgemein in die Mitte des 9. bis ins frĂŒhe 10. Jahrhundert datiert werden.

In den 830er Jahren begannen die grĂ¶ĂŸeren Angriffe auf England, die eher als Invasionen gelten können. Bis 850 konnten sie abgewehrt werden. Dann ĂŒberwinterte erstmalig eine heidnische Truppe in Thanet (Kent). Die Anwesenheit von Frauen und Kindern werden als Hinweis auf Besiedlungsabsichten gedeutet.[122] Frauen gehörten aber zur Beute, so dass es unwahrscheinlich ist, dass es sich um Skandinavierinnen handelte.

Seitdem ĂŒberwinterten die Nordmannen des Öfteren in verschiedenen Gegenden. 866 ĂŒberwinterten sie in East Anglia, und die erfolgreichen Angriffe dĂ€nischer Nordmannen setzten sich bis 878 fort, als Alfred der Große sie besiegte und sich deren König Guthrum taufen ließ. Die meisten skandinavischen GrĂ€ber Englands stammen aus der zweiten HĂ€lfte des 9. Jahrhunderts, im Nordwesten aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts. In den frĂŒhesten liegen offenbar MĂ€nner, die wĂ€hrend der Überwinterung gestorben sind. Aber es gibt dort kaum archĂ€ologische Belege fĂŒr skandinavische PlĂŒnderungszĂŒge.[123] Seit dieser Zeit gab es in England bis in die erste HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts viele skandinavische Herrscher, meist DĂ€nen. Der Status dieser Herrscher, ob sie Könige waren oder nicht, ist oft unsicher. Die skandinavische Vorherrschaft dauerte zunĂ€chst bis 954, als Erik Blutaxt aus York vertrieben wurde. Hier ist bemerkenswert, dass zwar im Hinblick auf die Skandinavier in der AngelsĂ€chsischen Chronik noch lange von „here“ gesprochen wird,[124] was auf das Fortbestehen von Kampfgefolgschaften hindeutet, aber Erik Blutaxt von den „Northumbriern“ vertrieben wird, ohne dass zwischen Skandinaviern und Einheimischen unterschieden wird,[125] was bereits einen gewissen Verschmelzungsprozess anzeigt. Das zeigt auch die gemeinsame Bemannung der Festung Nottingham mit EnglĂ€ndern und DĂ€nen („mid Engliscum mannum ge mid Deniscum“).[126]

Auch in Schottland finden sich skandinavische GrĂ€ber aus dem spĂ€ten 9. und frĂŒhen 10. Jahrhundert. Vereinzelte Ă€ltere GrĂ€ber könnten solche von getöteten PlĂŒnderern sein. Der Beginn der Besiedlung durch Skandinavier im Norden und Westen Schottlands wird auf die Mitte des 9. Jahrhunderts, die Besiedlung der Insel Man eher auf das Ende des 9. Jahrhunderts datiert.[127] In Irland scheinen die FlachgrĂ€ber von Kilmainham mit der Befestigung Dublins 841 in Zusammenhang zu stehen.

Drei Runensteine aus dem RedvĂ€gs hĂ€rad zwischen SmĂ„land und VĂ€stergötland bezeugen Fahrten von dort nach England fĂŒr das 10. Jahrhundert.[128] Auch aus Schonen und Södermanland fuhr man auf Wiking nach England.[129]

Die große skandinavische Invasion nach England erfolgte 865 und setzte sich ĂŒber mehrere Jahrzehnte fort. 866 entstand das nordmannische Königreich Jorvik. Von den vielen englischen Kleinreichen blieb nur Wessex mit König Alfred dem Großen im SĂŒden ĂŒbrig. 878 entstand aus den ab 793 eroberten Gebieten das Danelag als eigenes skandinavisches Reich, das spĂ€testens 884 auch von den nichtskandinavischen Herrschaftsgebieten anerkannt wurde. Ab 900 begannen die Könige von Wessex langsam Gebiete in ihrer Nachbarschaft zurĂŒckzuerobern. 937 wurde diese RĂŒckeroberung durch König Æthelstan fast vollendet. 954 fiel aber das letzte Reich der Nordmannen York unter seinem letzten König Erik Blutaxt,[130] der vorher erst norwegischer König, danach aber selbst Wikinger geworden war.

Die ÜberfĂ€lle fĂŒhrten zur Erhebung des Danegeldes. 991 schlug offenbar Erzbischof Sigeric erstmals vor, Danegeld in Höhe von 10.000 Pfund Silber zur Abwendung der PlĂŒnderungen zu zahlen. Dieser Vorgang zeigt, dass es zu einem Nebeneinander zwischen Herrschaftsausweitung und Beutezug kam, also die Aussicht auf Beute das Mittel war, mit dem der König seine KĂ€mpfer motivieren musste. Tapfere KĂ€mpfer bekamen ihren Anteil. Ehrenvoll war es, Anteil am Danegeld zu erhalten, denn es wird besonders erwĂ€hnt.[131] 994 nahmen die PlĂŒnderungen unter Olav Tryggvason zu, die mit einer Zahlung von 16.000 Pfund Silber beendet werden konnten. 1002 wurden 24.000 Pfund gezahlt. Die Forderungen steigerten sich bis 1011 auf 48.000 Pfund. Die letzte Zahlung 1018 betrug 78.000 Pfund plus 10.500 aus London.[132] Da war Knut der Große schon zwei Jahre Herrscher ĂŒber England und die Danegeldzahlungen unter ihm wurden eingestellt, aber spĂ€ter als Abgabe („heregeld“) wieder aufgenommen. Offenbar bezahlte er mit dem letzten Betrag seine kĂ€mpfende Truppe. Dieser Vorgang zeigt, dass der HeerfĂŒhrer offenbar bereits eine grĂ¶ĂŸere AutoritĂ€t gewonnen hatte, so dass er den kĂ€mpfenden Impuls seiner Krieger zu bĂ€ndigen in der Lage war.

Dass unter Knut Leute aus Schonen nach England fuhren, ergibt sich aus einem Runenstein in Schonen, der einem Gefolgsmann Knuts gewidmet ist.[133] Auch andere archĂ€ologische Funde deuten auf Krieger aus Schonen im Heer Sven Gabelbarts und Knuts des Großen. Unter den KĂ€mpfern um Knut waren auch Norweger.[134] Aus christlicher Zeit gibt es ebenfalls Belege fĂŒr EnglandzĂŒge aus Schweden. Man fuhr zum Beispiel aus SmĂ„land, VĂ€stergötland und Östergötland nach England.[135] Gleichwohl spielen bereits unter Sven Gabelbart und Knut dem Großen staatspolitische Ziele eine vorherrschende Rolle, und die PlĂŒnderungen auf eigene Faust treten zurĂŒck.

Ein Stein aus Transjö aus der Zeit nach 1050 wird mit den Versuchen aus der Zeit nach 1050, England wiederzugewinnen, in Verbindung gebracht.[136]

Harold Harefoot hatte eine skandinavische Truppe, die mit dem heregeld unterhalten wurde. Eduard der Bekenner löste dieses Heer auf und schaffte den Tribut ab. In diesem Heer dienten wohl auch Leute aus SmÄland.[137]

Gut erforscht sind die Silber-Depot-Funde. Sie wurden vor dem Beginn und in der Erwartung der Wikingerangriffe vergraben: Trewhiddle (etwa 868) und Beeston Tor (etwa 875), Pentney (spĂ€tes 9. Jahrhundert) und der Schatz auf der St. Ninian-Insel (2. HĂ€lfte des 8. Jahrhunderts).[138] Von anderer Art sind die weitverbreiteten und den Wikingern zugeschriebenen Horte, die sich durch einen hohen Anteil von Hacksiber, Ringgeld und gekennzeichneten Barren neben den MĂŒnzen auszeichnen. Als bedeutender frĂŒher Wikinger-Schatz in England gilt auch der Schatz von Croydon (etwa 872). Er enthĂ€lt 240 MĂŒnzen von angelsĂ€chsischer und karolingischer Art und arabischen (Kufic) Ursprungs sowie Hacksilber von sĂŒdskandinavischer Herkunft. Die Kennzeichnungen auf den Barren zeigen ein Nebeneinander von MĂŒnzwĂ€hrung und BarrenwĂ€hrung an. Dieses Nebeneinander hielt auch nach der PrĂ€gung eigener MĂŒnzen in East-Anglia und North-Humbria an. Als grĂ¶ĂŸter MĂŒnzhort der Wikingerwelt gilt der Schatz von Cuerdale, Lancashire (etwa 905). Er wiegt um 40 kg. Auch er belegt die parallelen WĂ€hrungssysteme. Um 990 und danach sorgte das Danegeld fĂŒr einen großen Abfluss an Silber. Der Ă€lteste Hort in Schottland ist der am Storr rock, Isle of Skye (Innere Hebriden) (935/940). Aber die Hauptmenge wurde zwischen 950 und 1070 vergraben. In Irland dagegen wurde viel Silber in die Wirtschaft eingeschleust, wie die reichen Silberfunde (etwa 130 aus der Zeit zwischen dem spĂ€ten 9. bis ins 12. Jahrhundert) bezeugen.[139] 997 wurden in Dublin sogar MĂŒnzen geschlagen. Der bemerkenswerteste Fund ist der Schatz von Hare Island am Lough Ree (5 kg), der grĂ¶ĂŸte bekannte Goldfund aus der Wikingerwelt. Anfang des 11. Jahrhunderts finden sich auf Schonen Runensteine, die auf Englandfahrten hinweisen.[140]

Die RaubĂŒberfĂ€lle in Irland bezogen sich zunĂ€chst hauptsĂ€chlich auf Klöster und Kirchen. Nach der archĂ€ologisch ermittelten Verbreitung der FundgegenstĂ€nde aus Irland waren daran fast ausschließlich Norweger beteiligt.[141] Die Skandinavier wurden „Gaill“ (Heiden) genannt, die Norweger „Finn-gaill“ (weiße Heiden), die DĂ€nen „Dubh-gaill“ (Schwarze Heiden). Den Angriffen waren die Besetzung der Orkneys und der Hebriden vorausgegangen. 803 flohen die Mönche von Iona vor den wikingischen Angriffen und grĂŒndeten in Kells (Irland) ein neues Kloster. Im Zeitraum bis 823 wurde die gesamte irische KĂŒste von Wikingern heimgesucht. Auf die innenpolitischen VerhĂ€ltnisse Irlands hatte dies aber noch keinen Einfluss. Die ersten ÜberwinterungsstĂŒtzpunkte wurden errichtet. Dann kam es zu der Mischform, dass rĂ€uberische Wikinger sich niederließen, ihr Wikingerdasein vorĂŒbergebend aufgaben, StĂ€dte grĂŒndeten oder befestigten, und von da aus wieder neue RaubzĂŒge unternahmen. Dabei handelte es sich aber bald nicht mehr um RaubzĂŒge als Selbstzweck, sondern schon um regulĂ€re KriegszĂŒge von Aristokraten skandinavischer Abkunft zur Gewinnung von Land und Herrschaft. Ein typisches Beispiel ist Thorgest, der 839 versuchte, ein eigenes Königreich zu grĂŒnden. → Geschichte Irlands (800–1536).

Kontinentales Mitteleuropa

Lage des Danewerks

Der erste Kriegszug, von dem in den Quellen berichtet wird, ist der des DĂ€nen Chochilaichus (Gregor von Tours schreibt ihn Chlochilaichus[142]) († zwischen 516 und 522), von dem auf Grund der Zeit des Überfalls vermutet wird, dass es sich um den Hygelac im Beowulf handelt. Aber die Quellen ĂŒber dieses Ereignis sind zu dĂŒrftig, als dass man es als Vorboten der spĂ€teren WikingerzĂŒge bezeichnen dĂŒrfte. Man kennt die ZusammenhĂ€nge und HintergrĂŒnde nicht. Sie taugen allenfalls als ein Zeugnis, dass die Interessen dieser Nordmannen dieser Gegend sich auf die sĂŒdlichen Gebiete JĂŒtlands und der Nordsee erstreckten, die von Plinius als ingvĂ€onisch bezeichnet wurden. Ob sich der Ausdruck „DĂ€ne“ bei Gregor auf JĂŒtland bezog, ist ebenso zweifelhaft. Denn nach Alfred dem Großen hatte sein GewĂ€hrsmann Ottar die DĂ€nen um 890 in Schonen und den ostdĂ€nischen Inseln lokalisiert. Sollte Chlochilaichus Hygelac sein, so war dieser nach dem Beowulf aus dem Stamm der Geaten, die ebenfalls irgendwo östlich vom heutigen DĂ€nemark lokalisiert werden. Andererseits wĂ€re es erstaunlich, wenn Krieger aus dem Bereich der Ostsee Anfang des 6. Jahrhunderts mit Schiffen in Friesland eingefallen wĂ€ren.

Dann ist es in den Quellen 200 Jahre still und friedlich. Als die WikingerzĂŒge begannen, hatte sich die historische Situation völlig verĂ€ndert. Der Handel war zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig aufgestiegen, so dass Ortschaften entstanden waren, in denen sich betrĂ€chtliches Kapital angesammelt hatte: Dorestad, Ribe, Hedeby, Skuldevig, Wollin und Truso. Diesen Orten standen in England Hamwic, Fordwich, London, Ipswich und York zur Seite. Diese Konzentration von Kapital entwickelte sich zu einem lohnenden Ziel fĂŒr PlĂŒnderungen und dĂŒrfte zu deren raschem Anwachsen in der Wikingerzeit gefĂŒhrt haben.[143] Dem karolingischen Reich mit seinen Expansionsdrang auf der einen Seite stand in JĂŒtland ein Gemeinwesen, das auf Grund der inzwischen wachsenden Zentralisierung zu grĂ¶ĂŸeren Operationen in der Lage war, gegenĂŒber, wenn man auch von einem Staat noch nicht wird sprechen dĂŒrfen.

Dieses Gemeinwesen hatte immerhin offenbar bereits auswÀrtige Interessengebiete abgesteckt. Einhard berichtet von König Godofridus, dass er Friesland und Sachsen als seine Provinzen angesehen habe.[144]

So kann man die Auseinandersetzungen und die kriegerischen Ereignisse in diesem Zusammenhang, die bis 885 wĂ€hrten und in deren Verlauf die karolingischen KĂŒstenbefestigungen auf der einen Seite und das Danewerk auf der anderen Seite entstanden, nicht alle den WikingerzĂŒgen zuordnen.[145] In diesen Zusammenhang gehören nun auch eine Reihe von RaubzĂŒgen unter FĂŒhrung jĂŒtischer Aristokraten an frĂ€nkischen NordseekĂŒsten, fĂŒr die diese Kaperer dem jĂŒtischen König Tribut angeblich als eine Art LizenzgebĂŒhr zahlten.

„Ipsi vero pyratae, quos illi Wichingos appellant, nostri Ascomannos, regi Danico tributum solvunt, ut liceat eis predam exercere a barbaris, qui etwa hoc mare plurimi abundant.“

„Diese Piraten, die bei ihnen Wikinger, bei uns aber EschenmĂ€nner heißen, leisten aber dem DĂ€nenkönig Tribut, damit sie BeutezĂŒge gegen die Barbaren unternehmen dĂŒrfen; sie leben zahlreich an den KĂŒsten dieses Meeres.“

– Adam von Bremen IV, 6.

Dabei setzt Adam bereits eine zentrale Herrschergewalt des Königs voraus, die eine solche Erlaubnis erforderlich gemacht hĂ€tte. Nach den oben gemachten AusfĂŒhrungen ĂŒber die Stellung des Königs in der skandinavischen Gesellschaft dĂŒrften die RaubzĂŒge kaum von einer Gestattung des Königs abhĂ€ngig gewesen sein. Vielmehr erhielt er als der MĂ€chtigste im Land einen Beuteanteil.[146] Aber hierbei handelte es sich um punktuelle Angriffe. Angesichts der Geschlossenheit der Verteidigung unter Karl dem Großen kam es nicht zu großen organisierten PlĂŒnderungszĂŒgen. Notker der Stammler sah im Tod Kaiser Karls die entscheidende ZĂ€sur zu den großen RaubzĂŒgen. So legte er Karl dem Großen, als Normannen kurz an die KĂŒste gekommen, aber sogleich wieder geflohen waren, die SĂ€tze in den Mund:

„Scitis, inquit, o fidelis mei, quid tantopere ploraverim? Non hoc, ait, timeo quod isti nugae et nihil mihi aliquid nocere Praevaleant, sed nimirum contristor, quod me vivente ausi sunt litus istud attingere, et maximo dolore torqueor, quia praevideo, quanta mala posteris meis et eorum sunt facturi subiectis.“

„Wisst ihr meine Getreuen, warum ich so sehr geweint habe? Nicht das fĂŒrchte ich, dass diese Nichtse und Nullen mir etwas schaden könnten, sondern ich bin sehr betrĂŒbt darĂŒber, dass sie es zu meinen Lebzeiten gewagt haben, diese KĂŒste zu betreten, und es quĂ€lt mich ein großer Schmerz, weil ich voraussehe, welche Leiden sie ĂŒber meine Nachfahren und deren Untertanen bringen werden.“

– Notkeri Gesta Karoli II, 14.[147]

In den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts kam es im Frankenreich zu Zwistigkeiten, die 843 zur Dreiteilung des Reiches fĂŒhrten, 888 aber zu einer völligen Auflösung.[148] Das musste zur SchwĂ€chung der Verteidigung an der Kanal- und NordseekĂŒste fĂŒhren. Die Grabbeigaben im Westen von Schonen weisen aus, dass man von dort vorwiegend das Frankenreich heimsuchte. DafĂŒr spricht auch, dass statt der ĂŒblichen Brandbestattung die kontinentale Bestattung in GrĂ€bern vorherrschte.[149] Aber auch in DĂ€nemark lĂ€hmten Thronfolgekriege das Entstehen einer Zentralmacht, so dass die FĂŒhrer dieser HeerzĂŒge eine weitgehende SelbstĂ€ndigkeit in ihren Operationen behielten. Nach 830 nahmen die ÜberfĂ€lle deutlich zu. Sie betrafen sogar die vom eigenen König als Herrschaftsbereich angesehenen Gebiete. In den 30er Jahren wurde Dorestad mehrmals geplĂŒndert. 841 fuhr eine Wikingerflotte erstmals die Seine hinauf und plĂŒnderte Rouen. 845 fuhr eine Wikingerflotte die Elbe hinauf und plĂŒnderte Hamburg. Hier war angeblich sogar König Horik der Alte selbst beteiligt. Am 28. MĂ€rz 845 wurde Paris angegriffen, und die Stadt musste sich fĂŒr 7.000 Pfund Silber freikaufen. Dieses leicht verdiente Geld scheint die plĂŒndernden Wikinger geradezu angezogen zu haben. Denn in Folgezeit tauchten die Wikinger auf allen schiffbaren FlĂŒssen des Frankenreiches auf und plĂŒnderten Klöster und Kirchen, wobei nicht nur jĂŒtische, sondern offenbar auch Schiffe aus dem ĂŒbrigen Skandinavien beteiligt waren.[150] Mönch Ermentarius von Noirmoutier schildert die Verheerung durch die Wikinger:

„augescit numerus navium, crescit innumerabilis numerus nortmannorum; fiunt passim christianorum strages depraedationes, vastationes, incensiones, sicuti, quamdiu saeculum stabit, manifestis patebit indiciis. Capiuntur quascumque adeunt civitates, nemine resistente; capitur Budegalensium, Petrocorium, Santonum, Lemovicensium, Egolisma atque Tolosa civitas; Andecavensium, Turonensium, perinde et Aurelianensium civiates pessumdantur. 
 Deinde post aliquantulos annos innumerabilis pene multitudo navium Nortmannorum ingreditur Sequanam fluvium. Nihil enim illis in partibus minus grassatur malum. Invadunt Rotomagensium civitatem populantur incendunt; Parisiorum deinde, Belvacensium, atque Melduorum capiunt civitates necnon Melidunensium devastant castellum; capitur Carnotis; Ebroicas populantur atque Baiocas reliquasque undique secus civitates invadunt.“

„Die Zahl ihrer Schiffe steigt. Die unzĂ€hlbare Zahl der Nordmannen wĂ€chst an. Allenthalben geschehen Massaker an Christen, PlĂŒnderungen, VerwĂŒstungen und Brandschatzungen, wie es, solange das SĂ€culum andauert, mit handgreiflichen Beweisen vor Augen stehen wird. Zu welchen StĂ€dten sie auch kommen, sie werden erobert, niemand widersteht. Bordeaux, PĂ©rigeux, Saintes, Limoges, AngoulĂȘme und Toulouse werden eingenommen; auf gleiche Weise werden Angers, Tours und OrlĂ©ans zu Grunde gerichtet. ... Wenige Jahre spĂ€ter fĂ€hrt eine fast unzĂ€hlbare Menge von Schiffen der Nordmannen in die Seine ein. Kein geringeres Übel greift in diesen Gegenden um sich. Sie dringen in Rouen ein, plĂŒndern es und Ă€schern es ein; darauf nehmen sie Paris, Beauvais und Meaux ein, und zerstören sogar Meluns starke Festung, Chartres wird eingenommen, sie plĂŒndern Evreux und Bayeux, und sie ziehen ebenso gegen jedwede andere Stadt.“

– Ex miraculis S. Filiberti auctore Ermentario ed. O. Holder Egger. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptorum Tomi XV Pars 1. Supplementa Tomorum I-XII Pars III Vitae aliaeque historiae minores. Kap. 25. Hannover 1887. S. 302 zum Jahr 841.

Im 9. Jahrhundert siedelten viele Nordmannen in der Normandie und in Flandern. Wie umfangreich diese Besiedlung war, ist nicht sicher auszumachen. Auf jeden Fall zeugen geografische Namen wie „Normandie“ und Ortsnamen auf -bec, -dalle, -hogue, -torp und -tot auf diese Besiedlung. 911 ĂŒberließ Karl der EinfĂ€ltige im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte die gesamte Normandie dem WikingerfĂŒhrer Rollo. So wurde er Lehnsmann des Königs. Seine Aufgabe war es, die KĂŒste vor weiteren WikingereinfĂ€llen zu schĂŒtzen. Nach einigen Generationen gingen die Skandinavier in der örtlichen Bevölkerung auf.

881 kam es zu einem Beutezug rheinaufwĂ€rts bis nach Trier. Es gab viele andere BeutezĂŒge, von denen fast das gesamte Francien, Flandern, Brabant, das nördliche Lothringen und der Bessin betroffen waren.

Auch das allgemeine Ansehen, das der westfrĂ€nkische König Ludwig dadurch errang, dass er am 3. August 881 ein Wikingerheer besiegte, worauf ihm unmittelbar danach das Ludwigslied gewidmet wurde, zeigt, wie groß die Gefahr eingeschĂ€tzt wurde.

„Kuning uuas eruirrit, Thaz richi al girrit, Uuas erbolgan Krist: Leidhor, thes ingald iz! Thoh erbarmedes got, Uuisser alla thia not, Hiez her Hluduigan Tharot sar ritan: „Hluduig, kuning min, Hilph minan liutin!Heigun sa Northman Harto biduuungan“.....“

„Voll Zorn war da der heilige Christus. Wehe, das Reich mußte dafĂŒr bĂŒĂŸen! Doch Gott war [auch] voll Erbarmen, er kannte ja ganz die gefĂ€hrliche Lage, und so gebot er Ludwig, ohne Zögern dorthin zu reiten: „Ludwig, mein König, hilf du meinen Leuten! Die Normannen haben sie so sehr bedrĂ€ngt“.“

– Ludwigslied

Um 1050 gab es KĂ€mpfe des byzantinischen Reiches im Mittelmeer. In diese dĂŒrften auch Schweden aus Södermanland und Uppland verwickelt gewesen sein.[151]

Spanien und Mittelmeer

Bereits in den 840er Jahren begannen sich die RaubzĂŒge an der französischen und spanischen KĂŒste nach SĂŒden auszuweiten. Ihr AnfĂŒhrer war Björn JĂĄrnsiĂ°a, ein dĂ€nischer SchiffsfĂŒhrer. Zeitweise besetzten sie Sevilla. Sie wurden jedoch 844 von Abd ar-Rahman II. in der Ebene von Tablada bei Sevilla vernichtend geschlagen. Einige isolierte Gruppen flĂŒchteten in die SĂŒmpfe am Ufer des Guadalquivir, ergaben sich und traten zum Islam ĂŒber. Sie ließen sich im Umland von Sevilla nieder. Sie wurden Bauern und gingen nach einigen Generationen in der örtlichen Bevölkerung auf.[152]

Siehe Hauptartikel WikingerraubzĂŒge ins Mittelmeer.

In den Jahren 859/860 fuhren die ersten Kontingente durch die Meerenge bei Gibraltar[153] und attackierten die nordafrikanische KĂŒste. Von dort aus plĂŒnderten sie auf den Balearen und zogen an die sĂŒdfranzösische KĂŒste. Im FrĂŒhjahr 860 zogen sie die Rhone hinauf. Ihr weiterer Weg ist nicht sicher. Jedenfalls verließen sie 862 das Mittelmeer wieder und kamen an die Loire zurĂŒck. Es blieb der einzige Beutezug ins Mittelmeer.

Östliche Ostsee, Baltikum, Russland bis Konstantinopel

Ein Ingvar-Stein

→ Rus

ArchĂ€ologische Funde belegen, dass zum Ende des 5. Jahrhunderts eine Expansion aus Gotland nach dem Ostbaltikum stattgefunden hat. WĂ€hrend die Einwohner aus dem Westen Schonens fĂŒr ihre KriegszĂŒge vorwiegend nach Westen orientierten, zogen die Bewohner aus dem Gebiet am MĂ€larsee, aus Gotland, Öland und entlang der heutigen OstkĂŒste Schwedens hauptsĂ€chlich nach Osten bis zum Kaspischen Meer. Sie suchten Kontakt zu arabischen Kaufleuten und grĂŒndeten HandelsplĂ€tze in Nowgorod, Staraja Ladoga und Kiew.[154]

Im 7. und 8. Jahrhundert gab es bedeutende Kolonien in GrobiƆa (West-Lettland), Suaslaukas in der NĂ€he von Liepāja in Westlettland, bei Apuole in Nordwestlitauen und in der Gegend um Elbląg (Truso).[155] Das bestĂ€tigt auch Rimbert in seiner Vita Anskarii.[156] Alle schriftlichen Quellen Skandinaviens stimmen darin ĂŒberein, dass im 7. Jahrhundert Schweden unter Ivar vidfamne sich zum Baltikum aufmachten.[157] Diese Machtausdehnung dauerte bis ungefĂ€hr 800. Da wurden die Svear aus Kurland vertrieben, wahrscheinlich, weil sich ihr Interesse mehr nach Westen ans Kurische Haff und die MemelmĂŒndung verlagert hatte, wo man Wiskiauten (etwa 800 – 1000) ausgegraben hat.[158] Auch sind schwedische Siedlungen memelaufwĂ€rts bekannt.[159] Aber um 850 begann eine neue Expansionswelle. Die RĂŒckeroberung Kurlands und des Ostbaltikums wurde in Angriff genommen. Der erste Vorstoß wurde allerdings 855 von DĂ€nen vorgenommen, die aber von den Einwohnern besiegt wurden. Dann folgte König Olov, und dieser zerstörte und brandschatzte GrobiƆa, anschließend unterwarf er ganz Kurland.[160]

Diese Siedlungen waren nach den Funden reine Handelskolonien. Um diese Zeit drangen Skandinavier aus Schweden bis nach Kiew vor und grĂŒndeten das Reich der Rus. Diese Expansion unterscheidet sich durch die trotz kriegerischer Episoden doch prinzipielle Ausrichtung auf die Handelspolitik stark von der Westexpansion der NordmĂ€nner im Nordseegebiet.

Aber man fuhr auch aus Norwegen ins Reich der Rus, wie ein Stein aus Oppland zeigt.[161]

Ein Stein aus Frugarden in VĂ€stergötland berichtet von einer Wikingfahrt nach Estland. Er wird als „missionszeitlich“, also nach 1000 eingestuft.[162] Aus dieser Gegend scheinen auch Mitglieder der WarĂ€gergarde am byzantinischen Hof zu stammen.[163] Zwei Runensteine verweisen auf das nordöstliche Estland, das Virland hieß.[164] Auch Livland wurde angefahren,[165] sogar Finnland ist erwĂ€hnt.[166]

Die islĂ€ndische Yngvars saga vĂ­Ă°förla berichtet von einer gescheiterten Heerfahrt Yngvars. Sie ist die am besten durch Runensteine belegte Saga. Sie ist auch fĂŒr die Datierung dieser Runensteine wichtig, weil sie eine Jahreszahl in christlicher Zeitrechnung angibt: Yngvar starb nach 5-jĂ€hriger Reise 1041 in Russland. 1042 kam die Nachricht von seinem Tode mit dem einzigen Schiff, das von den 30 ausgelaufenen Schiffen heimkehrte. Die Runensteine, die auf diese Fahrt Bezug nehmen, nennt man daher „Yngvar-Steine“.

Die Fahrt aus Schweden nach Byzanz bezeugt ein Runenstein aus VĂ€stergötland aus der ersten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts.[167] Auch aus SmĂ„land stammten Byzanzfahrer.[168] Aber auch aus NordjĂŒtland ist die Ostfahrt belegt,[169] ebenso aus Östergötland,[170] Södermanland,[171]

Aus der zweiten HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts sind keine kriegerischen Ostfahrten von Schweden aus ĂŒberliefert.[172]

Kampfesweise

Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die Kampfesweisen im gesamten skandinavischen, englischen und irischen Raum in der Wikingerzeit in etwa gleich waren, so dass die Berichte aus den Quellen einigermaßen reprĂ€sentativ sind. Auch ĂŒber die Zeitachse dĂŒrften keine großen VerĂ€nderungen eingetreten sein. Die Quellen sind im Wesentlichen die Sagas und die Heimskringla Snorri Sturlusons. Beide Quellen sind erst nach der Wikingerzeit verschriftlicht worden, teilweise Jahrhunderte nach den Ereignissen. Deshalb sind durchaus Zweifel an den Schilderungen ĂŒber den Ablauf von Ereignissen angebracht. Gleichwohl können einige Informationen als glaubwĂŒrdig bezeichnet werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um generelle AblĂ€ufe von Kampfhandlungen, insbesondere, wenn die knappe Darstellung voraussetzt, dass die damaligen Leser das ĂŒbrige aus ihrer eigenen Erfahrungswelt ergĂ€nzen konnten. Weiterhin können als glaubwĂŒrdig Informationen aus den in den Quellen zitierten Skaldenstrophen eingestuft werden, da diese in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit den Ereignissen verfasst und ziemlich unverĂ€ndert tradiert worden sind.

Die HirĂ°

Die hirĂ° war zunĂ€chst eine Mannschaft, die dem König als Gefolge unmittelbar zugeordnet war. AllmĂ€hlich entwickelte sich daraus eine Elitetruppe. Sie wurde eine kleine Gruppe mit besonderen FĂ€higkeiten im Kampf, die vom konungr (König) und bedeutenden jarlar unterhalten wurde. Wahrscheinlich werden EliteverbĂ€nde existiert haben, um den jeweiligen AnfĂŒhrer des Gesamtheeres oder der Kleingruppen im Gefecht zu schĂŒtzen (s.o.). Ihre FĂ€higkeiten waren mit der hirth konungar der spĂ€teren Wikingerzeit aber wahrscheinlich nicht zu vergleichen. Diese waren professionelle Soldaten in einem stehenden Heer.

Berserkir

Ganz selten werden in den Quellen auch die „Berserkir“ erwĂ€hnt. Sie werden Ă€ußerst unterschiedlich geschildert. In den frĂŒhen Quellen werden sie als ElitekĂ€mpfer geschildert. Bei Saxo Grammaticus verfallen sie zeitweise in eine Art Wahnsinn und Blutrausch.

→ siehe auch: Berserker

Sie sollen in einer groß angelegten Schlacht zum Tragen gekommen sein. Sie sollen ein von der Hauptarmee getrenntes Korps gebildet haben und fĂŒr ihre Tapferkeit und KampfstĂ€rke bekannt gewesen sein. Bei der Schiffsbesatzung werden sie als vorderste KĂ€mpfer am Steven genannt. Den berserkischen Standpunkt gibt das Ingeldlied bei Saxo Grammaticus wieder: Das GelĂŒbde, Haar und Bart nicht zu pflegen. Nicht einmal im Frieden lassen sie sich zu milderer Tracht herbei... Keiner hat Haus oder Hof oder sonst ein GeschĂ€ft. Wohin sie kommen, werden sie bewirtet, Verschwender des fremden, VerĂ€chter des eigenen Gutes. Ihre misstrauische Grundhaltung kommt in der HĂĄvamĂĄl zum Ausdruck:

Tveir ro eins herjar,
tunga er höfuðs bani;
er mér í heðin hvern
handar vĂŠni.[173]

Zwei zwingen einen
die Zunge tötet das Haupt
hinter jeder HĂŒlle
hab der Hand ich Acht.

Also: lass dich nicht mit zweien ein, rede nicht viel und sei misstrauisch – das Schwert sitzt locker. Oder:

Veit-a hinn
er vettki veit,
margr verĂ°r af aurum api;
maĂ°ur er auĂ°igr,
annar ĂłauĂ°igr,
skyli-t ĂŸann vĂ­tka vĂĄar.

Nicht weiß der Mann,
der wenig weiß:
Oft macht Gold zum Affen.
Der eine ist reich
der andere ist arm.
Verachte das UnglĂŒck nicht.[174]

Aus den Quellen wird nicht deutlich, wie die Berserker kĂ€mpften, ob mit nacktem Oberkörper oder mit Wolfsfell. Möglicherweise kam beides vor. Þorbjörn Hornklofi dichtete:

GrenjuĂ°u berserkir,
guĂ°r var ĂĄ sinnum,
emjuĂ°u ĂșlfhĂ©Ă°nar
ok Ă­sarn glumdu.

Da brĂŒllten die Berserker
Los brach die Fehde
Wolfspelze wild heulend
Wurfspeere schwenkten.[175]

Aus der Stelle lĂ€sst sich nicht entnehmen, ob die „Berserkir“ mit den „Wolfspelzen“ identisch sind, oder ob es sich um zwei Gruppen handelt. Der oft zitierte Tacitusbericht ĂŒber die chattischen BĂ€renhĂ€uter liegt weit vor dieser Zeit und auch so fernab, dass es fraglich ist, ob sie als Beleg fĂŒr die Berserker in Anspruch genommen werden können. Über Verbindungslinien gibt es keine Quellen, und die totemistische Verwendung von TierhĂ€uten bei KĂ€mpfen ist ein weltweites PhĂ€nomen. Weder die frĂ€nkischen noch die angelsĂ€chsischen Quellen erwĂ€hnen bei den WikingereinfĂ€llen die Berserker. In den islĂ€ndischen Quellen handelt es sich lediglich um unverwundbare MĂ€nner mit besonderen KrĂ€ften.

„Þessu nĂŠst kom Ășt annaĂ° skip og voru ĂŸar ĂĄ berserkir tveir og hĂ©t Haukur hvortveggi. Þeir urĂ°u ĂłvinsĂŠlir af mönnum ĂŸvĂ­ aĂ° ĂŸeir buĂ°u mönnum nauĂ°ung til kvenna eĂ°a fjĂĄr ella buĂ°u ĂŸeir hĂłlmgöngu. Þeir grenjuĂ°u sem hundar og bitu Ă­ skjaldarrendur og óðu eld brennanda berum fĂłtum.“

„Gleich darauf kam ein zweites Schiff heraus, und auf ihm waren zwei Berserker, und alle beide hießen Hauk. Sie wurden den Leuten verhasst, denn sie forderten ihnen mit Gewalt Weiber oder Geld ab, sonst boten sie Holmgang. Sie heulten wie Hunde, bissen in die SchildrĂ€nder und schritten barfuß durch brennendes Feuer.“

– VatnsdƓla saga Kap. 46.

Von besonderen EinsÀtzen in einer Schlacht wird nicht berichtet.

Bewaffnung

Seit Beginn der Eisenzeit war Raseneisenerz [rauĂ°i) das einzige Material zur Herstellung von Eisenwaffen. Das Ergebnis der Eisengewinnung war damals Schmiedeeisen, das nur durch langwierige Bearbeitung gehĂ€rtet werden konnte.[176] Die HĂ€rtung wurde auch durch Kohle, besonders Tierkohle, bewirkt, die mit dem GlĂŒhenden Eisen in Verbindung gebracht wurde. Dies schimmert in den mythischen ErzĂ€hlungen von der Herstellung besonderer Schwerter durch.[177]

Neben den Grabbeigaben sind auch die Gesetze eine zuverlĂ€ssige Quelle fĂŒr die Bewaffnung. Dabei ist davon auszugehen, dass sie die Mindestbewaffnung nicht vollstĂ€ndig aufzĂ€hlten, sondern sich aus der aufgezĂ€hlten Bewaffnung fĂŒr den Zeitgenossen das ĂŒbrige sich ergab.

Je nach Stand war die Bewaffnung unterschiedlich. Aber nach dem Gulathingslov § 309 sollte jeder Mann eine Breitaxt oder ein Schwert. einen Schild und einen Speer haben und fĂŒr jeden Ruderplatz einen Bogen mit zwölf Pfeilen stellen.

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch die HirĂ°skrĂĄ, das Gefolgschaftsrecht aus dem 13. Jahrhundert. Die Mitglieder der Gefolgschaft sollten in Friedenszeiten ein Schwert, einen Buckler, einen Speer und eine Eisenhaube tragen, in Kriegszeiten aber die volle RĂŒstung, die zusĂ€tzlich einen Panzerrock oder eine BrĂŒnne erforderte. Die HirĂ°skrĂĄ beruft sich dabei auf frĂŒhere Gesetze, nach denen die QualitĂ€t der Bewaffnung standesabhĂ€ngig war.

Die Waffen waren zur frĂŒhen Wikingerzeit Zeichen des freien Mannes. Er trug sie regelmĂ€ĂŸig außerhalb des Hauses. Schon Tacitus stellte fest: „Nihil neque publicae neque privatae rei nisi armatae agunt“. Und in Vers 37 der HavamĂĄl heißt es:

VĂĄpnum sĂ­num
skal-a maĂ°r velli ĂĄ
feti ganga framar,
ĂŸvĂ­ at ĂłvĂ­st er at vita,
nĂŠr verĂ°r ĂĄ vegum Ăști
geirs of ĂŸĂ¶rf guma.

Von seinen Waffen weiche niemand
Einen Schritt im freien Feld:
Niemand weiß unterwegs, wie bald
Er seines Speers bedarf.[13]

Die Waffen waren in alter Zeit auf den Kampf zu Fuß ausgerichtet. Vor dem Kampf stiegen die Reiter ab. In DĂ€nemark wurde schon Anfang des 12. Jahrhunderts auch zu Pferde gekĂ€mpft. Erst spĂ€ter wurde die Reiterei zur vornehmsten Waffengattung, wenn sie auch in Norwegen und Island wohl nicht zum Einsatz kam.[178]

AnfĂ€nglich wurden auch auf Thingversammlungen Waffen getragen. Die Zustimmung zu BeschlĂŒssen wurde durch Schlagen der Schwerter auf die Schilde oder Hochheben der Schwerter oder Äxte bekundet (vĂĄpnatak).[179] SpĂ€ter wurde diese Art der Zustimmung durch Handerheben ersetzt und der vĂĄpnatak bezeichnete nur noch das Ende der Thingversammlung. Das Landrecht des Königs Magnus HĂ„konsson verbot in seinen Bestimmungen ĂŒber die Thingfahrt in I, 5, 1 das Waffentragen auf der Thingversammlung.

FĂŒr die Bewaffnung im Einzelnen siehe Waffen (Wikingerzeit).

Schiffe

Siehe Hauptartikel Wikingerschiff, Wikingerschiffbau, Langschiff und Knorr

Der Kampf zu Wasser

FrĂŒhe Darstellung von Seekriegern. Die roten Schilde deuten auf DĂ€nen hin.

Man kĂ€mpfte nicht gern zu Wasser. Nahkampf war kaum möglich, und man konnte nur wenige MĂ€nner gleichzeitig kĂ€mpfen lassen. Denn man kĂ€mpfte hauptsĂ€chlich Steven gegen Steven und ging selten lĂ€ngsseits, da dies das Rudern nicht erlaubt hĂ€tte. Wenn man in UfernĂ€he war, zog man den Landkampf vor. So wird von der Sognschlacht berichtet, dass die Kontrahenten Jarl HĂ„kon und König RĂžgnfeld mit ihren Flotten nach Sogn fuhren, dort aber an Land gingen und sich auf abgestecktem Kampffeld eine regulĂ€re Schlacht lieferten.[180] Die Schiffe dienten vor allem als Fluchtmöglichkeit nach verlorener Schlacht. Außerdem wird von keiner Seeschlacht berichtet, die auf offener See ausgetragen worden wĂ€re. Vielmehr fanden alle in ruhigem Fahrwasser, also hinter SchĂ€ren oder im Fjord statt. Die Anzahl der Schiffe in einer Flotte wird nur in den Zeiten, die nur aus mĂŒndlicher Überlieferung bekannt sind, sehr hoch angegeben: 180 Schiffe auf beiden Seiten bei der Schlacht gegen die Jomsvikinger. Wo Augenzeugenberichte der Schilderung zu Grunde liegen, ist die Zahl immer unter 50, durchschnittlich bei 30 Schiffen.

Man kĂ€mpfte niemals unter Segel, sondern legte vorher den Mast um.[181] Es war nun damals Sitte, wenn man eine Seeschlacht liefern wollte, die Schiffe zusammenzubinden und vom Schanzdeck am Vordersteven aus zu kĂ€mpfen.[182] Da die Seitenwand ĂŒber dem Schiffsboden nicht sehr hoch war, entstand dadurch eine große zusammenhĂ€ngende KampfflĂ€che, die ein rasches Verschieben der kĂ€mpfenden Mannschaft entlang der Kampffront ermöglichte. Manövriert wurde durch Rudern auf der Außenseite der Außenschiffe. Die taktische Hauptaufgabe, die Schiffe in die gĂŒnstigste Position zu bringen, fiel daher dem Steuermann zu. Daher war es Aufgabe der obersten FĂŒhrung (König oder Sysselmann), die geeigneten Leute fĂŒr diese Aufgabe zu bestimmen. Die Bedeutung des Steuermannes geht auch daraus hervor, dass diese bei den Hauptschiffen einer Schlacht hĂ€ufig genannt werden.

Über die Auseinandersetzung zwischen Jarl HĂ„kon und RagnfrĂžd heißt es: „Sie stritten von den Stevenschanzen, wie man damals tat.“ Þorbjörn Hornklofi dichtete zu einer solchen Seeschlacht: „... BrĂŒnnens Vögel flogen / viel in Sköguls Spiele...“[183] „BrĂŒnnens Vögel“ ist die Kenning fĂŒr „Pfeile“, „Skögul“ eine ValkĂŒre und „Sköguls Spiele“ sind die Schlacht. In der Seeschlacht waren Steine, Pfeile und Speere die wichtigsten Waffen. Genaueres erfĂ€hrt man im Zusammenhang mit der Schlacht Jarl HĂ„kons mit den Jomswikingern. Er verfĂŒgte angeblich ĂŒber 180 Schiffe.[184]

„skipa ĂŸĂĄ hvĂĄrirtveggju sĂ­nu liĂ°i til atlögu. Var Ă­ miĂ°ju liĂ°i merki Sigvalda jarls; ĂŸar Ă­ mĂłt skipaĂ°i HĂĄkon jarl til atlögu; hafĂ°i Sigvaldi jarl 20 skip, en HĂĄkon jarl 60 skipa. Í liĂ°i HĂĄkonar jarls vĂĄru ĂŸessir höfĂ°ingjar: Þórir hjörtr af HĂĄlogalandi, annarr StyrkĂĄrr af Gimsum. Í annan fylkingararm var BĂși digri ok SigurĂ°r, bróðir hans, meĂ° 20 skipum. Þar lagĂ°i Ă­ mĂłti EirĂ­kr jarl HĂĄkonarson 60 skipa ok, meĂ° honum ĂŸessir höfĂ°ingjar: GuĂ°brandr hvĂ­ti af Upplöndum, ok Þorkell leira, vĂ­kverskr maĂ°r. Í annan fylkingararm lagĂ°i fram Vagn Ákason meĂ° 20 skipum; en ĂŸar Ă­ mĂłt Sveinn HĂĄkonarson, ok meĂ° honum Skeggi af Yrjum af Upphaugi ok Rögnvaldr or ÆrvĂ­k af StaĂ°i, meĂ° 60 skipa.“

„Beide Teile ordneten ihr Heer zum Angriff. In der Mitte der Schiffsaufstellung der Jomsburger war das Banner des Jarls Sigvald. Dorthin richtete Jarl HĂ„kon seinen Angriff. Sigvald hatte 20 Schiffe, aber HĂ„kon 60. In dem Heer Jarl HĂ„kons waren AnfĂŒhrer Þorir Hirsch von Helgeland und Styrkar von Gjemse. Auf dem einen FlĂŒgel der Seekrieger von Jomsburg standen Bui der Starke und sein Bruder Sigurd mit 20 Schiffen. Denen hatte Jarl Erich HĂ„konsson 60 Schiffe gegenĂŒbergestellt, und die Befehlshaber unter ihm waren Gudbrand der Weiße aus dem Oberland und Þorkel Leira, ein Mann aus Vik. Auf dem anderen FlĂŒgel der Feinde hatte sich Vagn Akisson mit 20 Schiffen aufgestellt, ihm gegenĂŒber aber Svein HĂ„konsson und mit ihm Skeggi aus Ophaug auf Örlandet und Rögnvald aus Ervik auf Stadt mit 60 Schiffen.[185]“

– Heimskringla. Ólafs saga Tryggvasonar. Kap. 43.

Die Flotten waren also in drei selbstÀndige VerbÀnde aufgeteilt. Es folgt eine detaillierte Schilderung des Kampfverlaufs:

„JĂłmsvĂ­kingar höfĂ°u skip stƓrri ok borĂ°meiri, en hvĂĄrirtveggju sĂłttu hit djarfasta. Vagn Ákason lagĂ°i svĂĄ hart fram at skipi Sveins HĂĄkonarsonar, at Sveinn lĂ©t ĂĄ hömlu sĂ­ga undan ok hĂ©lt viĂ° flĂłtta. Þá lagĂ°i ĂŸannug til EirĂ­kr jarl, ok fram Ă­ fylking mĂłti Vagni. Þá lĂ©t Vagn undan sĂ­ga, ok lĂĄgu skipin sem Ă­ fyrstu höfĂ°u legit. Þá rĂ©Ă° EirĂ­kr aptr til liĂ°s sĂ­ns, ok höfĂ°u ĂŸĂĄ hans menn undan hamlat, en BĂși hafĂ°i ĂŸĂĄ höggvit tengslin ok ĂŠtlaĂ°i at reka flĂłttann. Þá lagĂ°i EirĂ­kr jarl sĂ­byrt viĂ° skip BĂșa, ok varĂ° ĂŸĂĄ höggorrosta hin snarpasta, ok lögĂ°u ĂŸĂĄ tvau eĂ°a ĂŸrjĂș EirĂ­ks skip at BĂșa skipi einu. Þá gerĂ°i illviĂ°ri ok Ă©l svĂĄ mikit, at haglkornit eitt vĂĄ eyri. Þá hjĂł Sigvaldi tengslin ok sneri undan skipi sĂ­nu ok vildi flĂœja. 
 Sigvaldi jarl reri Ă­ brott meĂ° hĂĄlfan fjĂłrĂ°a tog skipa, en eptir lĂĄ hĂĄlfr ĂŸriĂ°i togr. 
 Í ĂŸessarri atsĂłkn gĂ©ngu upp EirĂ­ks menn ĂĄ skip BĂșa, ok aptr at liptingunni at BĂșa. Þá hjĂł Þorsteinn miĂ°langr til BĂșa um ĂŸvert nefit ok Ă­ sundr nefbjörgina; varĂ° ĂŸat allmikit sĂĄr. BĂși hjĂł til Þorsteins utan ĂĄ sĂ­Ă°una, svĂĄ at Ă­ sundr tĂłk manninn Ă­ miĂ°ju.“

„Die Seekrieger (Jomswikinger) hatten grĂ¶ĂŸere Schiffe, und deren Bordwand war höher, doch wurde auf beiden Seiten höchst tapfer angegriffen. Vagn Askisson stieß so gewaltig vor auf das Schiff Svein HĂ„konssons, dass dieser rĂŒckwĂ€rts rudern ließ und beinahe floh. Da stĂŒrmte Jarl Erich dorthin und vor in die Schlachtreihe auf Vagn. Vagn ließ jetzt zurĂŒckrudern, und seine Schiffe lagen wieder, wo sie zuerst gestanden hatten. Nun kehrte Erich zu seiner Schlachtreihe zurĂŒck, wo seine Leute inzwischen zurĂŒckgegangen waren, da Bui die Verbindungstaue durchhauen hatte und dabei war, sie völlig in die Flucht zu treiben. Da legte sich Jarl Erich an die LĂ€ngsseite von Buis Schiff, und nun entbrannte ein höchst erbitterter Nahkampf mit Hiebwaffen, und zwei oder drei Schiffe Erichs das eine Buis an. Jetzt brach plötzlich ein böses Wetter los und ein Hagelsturm, dass jedes Korn eine Unze wog. Nun hieb Sigvaldi die Verbindungsseile durch und wollte fliehen. 
 Sigvaldi ruderte nun fort mit 35 Schiffen, und nur 25 blieben noch zurĂŒck. 
 Bei diesem Ansturm stiegen die Mannen Erichs auf das erhöhte Hinterdeck, wo Bui stand. Da traf Þorsteinn Mittlang Bui gerade auf die Nase, und er zerschlug ihm das Nasenbein. Das setzte eine gewaltige Wunde, aber Bui hieb den Þorsteinn in die Seite, so dass der Mann in der Mitte des Leibes auseinander gehauen wurde.[186]“

– Heimskringla. Ólafs saga Tryggvasonar. Kap. 44, 45.

Drachenschiff, wie man es sich um 1900 vorstellte. Aus dem „Nordisk Familjebok“

Die Schilderung der Seeschlacht bei Svolder zeigt weitere Details: Die Schiffe ruderten erst, nachdem sie zusammengebunden waren, gegen den Feind. Auf besonderen Befehl des Königs und gegen die Warnung des BannertrĂ€gers am Steven wurde der „Lange Wurm“ um das Maß seiner ÜberlĂ€nge nach vorn geschoben, so dass sein Heck auf gleicher Linie mit den Nachbarschiffen lag. Das bedeutet, dass der Bug der Nachbarschiffe an die Bordwand gebunden wurde. Daraus ergibt sich, dass in der Regel die Steven von Schiffen ungleicher LĂ€nge gleichauf lagen. Die Schiffe wurden in der Regel zu viert oder zu fĂŒnft eng aneinandergebunden. Die Mannschaft auf dem Schanzdeck des „Langen Wurms“ zog das gegenĂŒberliegende Schiff mit Enterhaken heran. Das heißt, dass ohne eine solche Maßnahme die gegenĂŒberliegenden Schiffe sich nicht berĂŒhrten. Man kĂ€mpfte also mit Pfeil und Bogen und mit Speeren. Erst als sie herangezogen waren, kĂ€mpfte man auch mit Hiebwaffen. Man ging aber nicht auf das gegnerische Schiff. Das tat man nur, wenn man lĂ€ngsseits an das feindliche Schiff ging. Das war eine parallele Kampfweise, die in der Schlacht bei Svolder Jarl Erich mit seinem Schiff „Eisenbart“ anwendete. Diese Kampfweise wird auch von Olaf Haraldsson bei seiner ersten Kriegsfahrt gegen Wikinger in der Ostsee berichtet: „Olaf hatte viel geringere Mannschaft aber grĂ¶ĂŸere Schiffe. Er legte seine Schiffe zwischen einige Seeklippen, so dass es den Wikingern unmöglich war, sich zum Angriff daneben zu legen. Dann aber warf er mit seinen Leuten Enterhaken auf die zunĂ€chstliegenden Schiffe der Feinde, zog sie zu sich heran und sĂ€uberte sie von der Mannschaft.“ Dieser Ausdruck „sĂ€ubern“ wird in der Regel verwendet, wenn ein Schiff lĂ€ngsseits gelegt wird und man mit der Handwaffe auf das gegnerische Schiff springt. Die Klippen verhinderten, dass sich wikingische Schiffe gleichzeitig an beide Seiten legen konnten. Einen weiteren sehr detaillierten Augenzeugenbericht einer Seeschlacht gibt es von der Schlacht bei Fimreite. Dort spielt der Einsatz von Steinen eine wichtige Rolle.

Wie beim Landkampf trug man auch ein Banner auf dem Schiff des Königs, das man ihm auch vorantrug, wenn er ein anderes Schiff enterte. Auch dabei spielte die Selbstdarstellung des Königs eine Rolle: Die Fahnenstange Olavs des Heiligen in der Schlacht bei Nesjar war vergoldet, wie der Augenzeuge Sigvat berichtet.[187]

Der Kampf zu Lande

Wenn es eine Auseinandersetzung mit einzelnen Bonden kam, insbesondere bei Racheunternehmungen, so war die ĂŒbliche Taktik, in der Nacht zu seinem Hof zu gehen, diesen zu umstellen und anzuzĂŒnden, so dass alle darin verbrannten.

„Eitthvert kveld gekk HĂĄrekur til skips meĂ° hĂșskarlaliĂ° sitt og hafĂ°i nĂŠr ĂĄtta tigum manna. Reru ĂŸeir um nĂłttina og komu er morgnaĂ°i til bĂŠjar Grankels, slĂłgu ĂŸar hring um hĂșs, veittu ĂŸar sĂ­Ă°an atgöngu, lögĂ°u sĂ­Ă°an eld Ă­ hĂșs. Brann ĂŸar Grankell inni og menn meĂ° honum en sumir voru Ăști drepnir.“

„Eines Abends ging Harek mit der Schar seiner Knechte an Bord des Schiffes, und er hatte fast 80 Mann um sich. Sie ruderten die Nacht hindurch, und in der MorgenfrĂŒhe kamen sie zu Grankels Wohnsitz und schlossen einen Kreis um sein Gehöft. Dann machten sie dort einen Angriff und legten Feuer an das Haus. In diesem mussten nun Grankel und seine Hausgenossen verbrennen, einige aber wurden noch draußen erschlagen.“

– Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap 169.

Im Kriege stellte man sich in Schlachtformation auf. So heißt es in der Geschichte von Halfdan dem Schwarzen, dass er, als das feindliche Heer anrĂŒckte, seine MĂ€nner in Schlachtordnung aufstellte, ohne dass diese genauer beschrieben wird.[188] Das Gleiche wird ĂŒber die Auseinandersetzung zwischen Erich Blutaxt und seinen BrĂŒdern Olafs und SigrĂžd in TĂ°nsberg gesagt: „Als er nun nach TĂžnsberg kam, da gingen Olav und SigrĂžd mit ihrem Heer auf einen HĂŒgel im Osten der Stadt und stellten dort ihr Heer in Schlachtordnung auf.“[189] Das Ritual wird bei der Schlacht bei FredĂžberg zwischen Hakon dem Guten und den Erichssöhnen erwĂ€hnt. Diese waren mit Schiffen von DĂ€nemark gekommen. „König HĂ„kon sandte Botschaft an sie und forderte sie auf, an Land zu gehen, indem er sagen ließ, er habe fĂŒr sie ein Kampffeld zu Rastakalf mit Haselzweigen abgesteckt.“[190] Überhaupt ist dies eine der wenigen Schlachtenschilderungen mit Einzelheiten. Die Erichssöhne waren zahlenmĂ€ĂŸig ĂŒberlegen. HĂ„kon lĂ€sst sein Heer daher in Linie aufstellen, damit sie nicht umfasst werden könnten. Das war offenbar sonst nicht ĂŒblich. Dann wird von einer Kriegslist berichtet: Man nahm zehn Krieger mit 10 Bannern und ließ diese um den Feind herum hinter einen HĂŒgel gehen. Dort gingen sie hinauf und wurden, da man nur die Banner sah, von dem feindlichen Heer fĂŒr eine große Kriegerschar gehalten, so dass sie vor der vermeintlichen Übermacht flohen.

Man kannte im Krieg verschiedene Formationen, die man im Kampf zweier grĂ¶ĂŸerer Kampfgruppen anwenden konnte. So gab es zum einen die Formierung einer geschlossenen Phalanx oder einem Schildwall bei der die Lanze zum Einsatz kam. Hierbei befand sich die Hauptstreitmacht in der Mitte und an den beiden FlĂŒgeln befanden sich kleinere Gruppen um den Feind zu umgreifen. Der Tod des AnfĂŒhrers hĂ€tte eine Schlacht sofort beendet, weshalb man diesen durch eine „Schildburg“ schĂŒtzten musste, hinter der er mit seinem Banner Bezugspunkt des Heeres war und die Aktionen koordinierte. Eine bekannte Formation war der „Eberkopf“, eine Keilformation, hinter der eine tief gestaffelte quadratische Formation aufgestellt war und bei den Römer „caput porci“ hieß. Nach Saxo Grammaticus zeigte Odin dem dĂ€nischen Helden Harald die Kunst, ein Heer zur Schlacht aufzustellen:

Eberkeilformation nach Saxo Grammaticus, wie sie sich Stephanus Johannis Stephanius vorgestellt hat

„Cujus eventum Haraldo oraculis explorare cupienti, senex principué magnitudinis, sed orbus oculo obvius extitit, qui hispido etiam amiculo circumactus Othinum se dici, bellorumque usu callere testatus, utilissimum ei centuriandi in acie exercitus documentum porrexit. Jussit igitur ut terrestribus bellum copiis editurus, universam aciem in tres turmas divideret, mediam vero viginti virorum numero reliquis poorectiorem extenderet; qum etiam in coni sive pyramidis acunen digerens, alarum recessus utrinque secus discretis ambagibus obliquaret. Cujuslibet vero turmé seriem hac ratione contexeret, ut a duobus frons inchoans, consequentibus locis unitatis duntaxat incrementa reciperet: & quidem in secunda linea tres, in tertia quatuor, eodemque modo posterius ordinandos, habita congressione statueret: sicque consequentes gradus idem proportionis tenor instrueret, donec coniunctionis extremitas alas équaret: cornu vero quodlibet denis ab eo ordinibus formaretur. Post has item turmas instructam iaculis iuventutem admittat; a cuius tergo grandévorum cohortem adhibeat, qué labantes sociorum vires veterana quadam virtute firmaret. Deinde funditorum alas gnarus locorum supputator annecteret, qui post sodalium agmina consistentes eminus hostem tormentis incesserent. Post quos cujuslibet étatis aut ordinis homines absque conditionis éstimatione passim ascisceret Céterum postremam aciem ternis, ad instar primé, cornibus interstinctam similique graduum prportione digestam explicaret, cuius tergum superiori conjunctum agmini, ipsum aversé frontis obstaculo tueretur.“

„Harald wollte nun das Orakel befragen, wie der Krieg ausgehen wĂŒrde. Aber auf dem Wege begegnete ihm ein alter Mann, kampfstark, aber einĂ€ugig und mit einem struppigen Mantel, der sich Odin nannte. Er kannte sich in der Kriegskunst gut aus und gab ihm einige besonders nĂŒtzliche RatschlĂ€ge, wie er sein Heer zur Schlacht aufstellen sollte. Wenn er eine Landschlacht schlagen sollte, empfahl er ihm, seine gesamte Schlachtordnung in drei Teile aufzuteilen, jede von ihnen in einer Anzahl von 20, aber die mittlere solle er in einer spitzen Formation 20 Mann weiter nach vorn als die anderen aufstellen, wie ein Keil oder eine Pyramide, so dass die Frontlinien nach hinten auf jeder Seite in einer Kurve schrĂ€g abfallen. Jede dieser Abteilungen solle er so in dieser Kampfposition aufstellen, dass zwei Mann an der Spitze stehen, und von da jede Reihe um einen Mann wĂ€chst, also im nĂ€chsten Glied drei, im dritten vier und so weiter die nĂ€chsten Linien. Die folgenden Reihen solle er im gleichen Maße anwachsen lassen, bis sie auf gleicher Höhe mit den mit den Ă€ußeren Einheiten auf gleicher Höhe seien. Jede Spitze solle aus je zehn Reihen bestehen. Hinter diesen Abteilungen solle er junge MĂ€nner mit Wurfspeeren aufstellen und hinter diesen alte Krieger, die mit ihrem alten erfahrenen Mannesmut ihre Kameraden unterstĂŒtzen, wenn ihre KrĂ€fte nachlassen. Dahinter sollen Reihen von Schleuderern stehen, die von ihrer Position und hinter ihren Kameraden den Feind mit Geschossen bombardieren können. Dahinter solle er MĂ€nner jeden Alters und Ranges ohne Ansehen des Standes aufstellen. Endlich solle er die hinteren Truppen in drei Spitzen wie die vorderen Einheiten in entsprechender Position aufstellen. Aber sie sollten den vorderen Einheiten den RĂŒcken zuwenden und sie nach hinten decken, indem sie ihre Front in entgegengesetzte Richtung wenden. (siehe auch die Übersetzung von Paul Herrmann“

– Stephanus Johannis Stephanius: Saxonis grammatici Historié Danicé libros XVI. Sorþ 1645. S. 138 f. = VII, 10, 6.

Der Einsatz dieser Schlachtordnung wird nirgends explizit erwÀhnt.[191] Da sie aber bereits den Römern bekannt war, wird sie wohl auch eingesetzt worden sein. Man war aber flexibel und bildete je nach Erfordernis auch andere Schlachtordnungen. König Harald wÀhlte vor der Schlacht von Stamford Bridge wegen der zu erwartenden Panzerreiter folgende Aufstellung:

„SĂ­Ă°an fylkti Haraldur konungur liĂ°i sĂ­nu, lĂ©t fylkingina langa ok ekki ĂŸykkva. Þá beygĂ°i hann armana aftur ĂĄ bak svo aĂ° saman tĂłku. Var ĂŸaĂ° ĂŸĂĄ vĂ­Ă°ur hringur og ĂŸykkur og jafn öllum megin utan, skjöldur viĂ° skjöld og svo fyrir ofan, en konungssveitin var fyrir innan hringinn og ĂŸar merki. Var ĂŸvĂ­ svo fylkt aĂ° konungur vissi aĂ° riddarar voru vanir aĂ° rĂ­Ă°a ĂĄ riĂ°lum og ĂŸegar aftur. NĂș segir konungur aĂ° hans sveit og jarls sveit skal ĂŸar fram ganga sem mest ĂŸarf ‚en bogmenn vorir skulu og ĂŸar vera meĂ° oss en ĂŸeir er fremstir standa skulu setja spjĂłtshalana sĂ­na Ă­ jörĂ°ina en setha oddana fyrir brjĂłst riddurum ef ĂŸeir rĂ­Ă°a aĂ° oss en ĂŸeir er nĂŠstir standa setji ĂŸeir sĂ­na spjĂłtsodda fyrir brjĂłst hestum ĂŸeirra‘.“

„Darauf stellte König Harald sein Heer in Schlachtordnung auf. Er machte die Schlachtreihe lang, aber nicht dicht. Dann bog er die beiden FlĂŒgel rĂŒckwĂ€rts, so dass sie aneinander stießen. Die bildeten so einen weiten Kreis dicht und gleichmĂ€ĂŸig rings herum nach außen, Schild bei Schild stehend, und ebenso auch weiter einwĂ€rts. Die Königsschar aber stand außerhalb des Ringes. Dort war das Banner, und da stand auserlesenes Volk. An einer anderen Stelle stand Jarl Tosti mit seiner Schar. Bei ihm war das zweite Banner. Der König hatte diese Schlachtordnung gewĂ€hlt, weil er wusste, dass die Ritter in Gruppen heranzurĂŒcken und wieder zurĂŒckzugehen pflegten. Nun befahl der König, seine Abteilung und die des Jarls sollten dort vorgehen, wo es am nötigsten wĂ€re, die BogenschĂŒtzen aber sollen uns auch begleiten. Die aber weiter vorn stehen, sollen ihre Speerenden in den Boden stoßen und den Rittern den Speer auf die Brust setzen, wenn sie wider uns anreiten, die allervordersten aber sollen ihre Speerspitzen wider die Brust der Pferde richten.‘[53]“

– Haralds saga Sigurjarsonar Kap. 89.

Über den Beginn einer Schlacht erfĂ€hrt man fĂŒr den norwegischen Bereich: Als nun die Schlachtreihen zusammentrafen, gab es eine erbitterte und mörderische Schlacht. Als die MĂ€nner aber die Speere verschossen hatten, da schwang man Schwerter.[192] Die Schlacht wurde also mit den Kriegsrufen, PfeilschĂŒssen und SpeerwĂŒrfen eingeleitet.[193] WĂ€hrend des gesamten Kampfes wurde mit Pfeilen geschossen und wurden Speere geworfen. Wie im Kapitel Bewaffnung zitiert, fielen sogar am Ende des Kampfes „Pfeile und Speere wie Schneeflocken“. Und der Skalde Erich Schalenklang spricht von einem „Pfeilgewitter“ und vom „Ger-Regen“.[194] Etwas genauer beschreibt die Schilderung der Schlacht bei Stiklestad das Vorgehen: „Die zuvorderst standen, hieben mit den Schwertern, die zunĂ€chst hinter ihnen stießen mit den Speeren, aber alle die, die noch weiter zurĂŒck waren, schleuderten Spieße, schossen Pfeile, oder sie warfen mit Steinen und HandĂ€xten oder mit anderen Wurfwaffen.“[193]

Gleichwohl wird des Öfteren geschildert, dass die KĂ€mpfer ihre RĂŒstung unmittelbar vor dem Nahkampf abwarfen. Das Gedicht von Eyvind skĂĄldaspillir ĂŒber den Kampf HĂĄkons des Guten mit den Erichssöhnen wurde schon zitiert. Im Text heißt es weiter: „König HĂ„kon (der Gute) aber kĂ€mpfte mit solchen Mut, dass er ohne Helm und BrĂŒnne dem Heer weit voraus war.“[195]

In den GrĂ€bern von Reitern fanden sich auch Zaumzeug, Sporen und SteigbĂŒgel. Sie waren aber offenbar nur den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten.[196] In den GrĂ€bern Berittener aus der jĂŒngeren Wikingerzeit sind auch Lanzen als Stoßwaffe gefunden worden.[197] In den skandinavischen Quellen wird aber vom Einsatz von Reitern auf ihrer Seite in einem Kampf nichts berichtet, wohl aber bei den Feinden und in den angelsĂ€chsischen und frĂ€nkischen Quellen (siehe dazu den Artikel Wikinger). Die Reiter dienten bei den Norwegern der AufklĂ€rung und dem schnellen Transport von Personen. Pferde wurden auf den PlĂŒnderungsfahrten aus PlatzgrĂŒnden nicht mitgefĂŒhrt, sondern vor Ort rekrutiert.

Bildung und Kunst

Über den Alphabetisierungsgrad in der frĂŒhen Wikingerzeit weiß man wenig. Aber aus dem 12. Jahrhundert ist ein Gedicht des Jarls Rögnvaldr Kali auf den Orkneys ĂŒberliefert:

Tafl emk Ç«rr at efla,
Ă­ĂŸrĂłttir kank nĂ­u,
tĂœnik trauĂ°la rĂșnum,
tĂ­Ă° er bĂłk ok smĂ­Ă°ir,
skrĂ­Ă°a kank ĂĄ skĂ­Ă°um,
skĂœtk ok rƓk, svĂĄt nĂœtir;
hvĂĄrtveggja kank hyggja :
harpslǫ́tt ok bragĂŸÇ«Ìttu.[198]

Neun KĂŒnste sind mir vertraut:
Brettspiele beherrsche ich gut,
Bei den Runen irre ich mich selten
Lesen kann ich, Eisen und Holz bearbeiten,
Über das Land mit Skiern gleiten,
Den Bogen spannen, rudern nach Herzenslust,
Meinen Geist in beiden KĂŒnsten ĂŒben
Den Lai dichten und die Harfe spielen.[199]

Wenn er sich dessen rĂŒhmt, wird nicht alles Allgemeingut gewesen sein, und daraus lassen sich kaum RĂŒckschlĂŒsse auf die Allgemeinbildung im 9. Jahrhundert ziehen. Gleichwohl scheint man schon sehr frĂŒh große Freude an der Sprache gehabt zu haben. Immerhin tauchen die Runen zwar schon um 200 auf, werden aber nicht fĂŒr Literatur verwendet. Aber im 11. Jahrhundert wird man von einer weiteren Verbreitung der LesefĂ€higkeit ausgehen dĂŒrfen. Wie Menschen verschiedener Regionen miteinander sprachen, ist nicht bekannt. Es spricht einiges dafĂŒr, dass das NorrĂžn so etwas wie eine lingua franca des ganzen Bereichs war. Das DĂ€nische und das Englische waren damals nicht besonders verschieden, und nach der Einwanderung der DĂ€nen entstand bald eine Mischsprache. Auf den Orkneys und den Shetlands wurde die örtliche Sprache vollstĂ€ndig durch die skandinavische ersetzt, und es entwickelte sich ein Dialekt „Norn“, der sich lange hielt.[200] Harald HĂ„rfagre sandte seinen Sohn Maguns zur Erziehung an den Hof Alfreds des Großen. Er wird sich dort verstĂ€ndigt haben können. Der Skalde Egil SkallagrĂ­msson dichtet vor König Æthelstan von Wessex. Auch dieser muss das Gedicht verstanden haben, denn er beschenkt ihn dafĂŒr mit zwei Kisten voll Silber.[201] Der Skalde Gunnlaugr ormstunga Illugason stand vor König Olof Skötkonung von Schweden in einem Dichterwettstreit. Man darf davon ausgehen, dass der König die Gedichte verstand. In der Völsunga saga heißt es:

„Reginn hĂ©t fĂłstri SigurĂ°ar og var HreiĂ°marsson. Hann kenndi honum Ă­ĂŸrĂłttir, tafl og rĂșnar og tungur margar aĂ° mĂŠla, sem ĂŸĂĄ var tĂ­tt konungasonum, og marga hluti aĂ°ra.“

„Regin hieß der Ziehvater Sigurds und war der Sohn Hreidmars. Er lehrte ihn Kenntnisse, Brettspiel und Runen und in mancherlei Sprachen zu reden, wie es damals geziemend war fĂŒr Königssöhne, und mancherlei andere Dinge.“

– Völsunga saga Kap. 13

Es kam zu Heiraten zwischen Norwegern und Iren in der Oberschicht. Die weitrĂ€umigen Vernetzungen zwischen den Familien verschiedenster LĂ€nder lassen darauf schließen, dass sie neben ihrer Heimatsprache auch das NorrĂžn beherrschten. Auf der anderen Seite gehörte auf Handelsfahrten oft ein Dolmetscher zur Schiffsbesatzung. Das Schwedische und das Slawische hatten demgegenĂŒber keinerlei Verwandtschaft, so dass eine Mischsprache nicht entstehen konnte. Vielmehr eigneten sich die WarĂ€ger die slawische Sprache mit schwedischen Lehnwörtern an.

Ornamentik

→ Hauptartikel Germanischer Tierstil

Die Ornamentik der Wikingerzeit stand in einer in ganz Nordwest-Europa fortlaufenden kĂŒnstlerischen Tradition. Die Hauptmotive waren zoomorph und wurden verwendet, um Objekte des tĂ€glichen Gebrauchs, besonders Schmuck und Waffen, zu verzieren. Vom Ende des 7. Jahrhunderts an wurden auslĂ€ndische EinflĂŒsse in der skandinavischer Kunst schnell und oft fast nicht wieder zu erkennen unter einer eigenstĂ€ndigen einheimischen Kunst verarbeitet. Diese zoomorphen Ornamente werden unter der Bezeichnung Germanischer Tierstil zusammengefasst.

Literatur

→ Hauptartikel Skalde und Altnordische Literatur

Die bekanntesten Werke der skandinavischen Dichtkunst sind die Skaldendichtung und Sagastoffe, die zwar erst lange nach der Wikingerzeit niedergeschrieben worden sind, die aber in ihren wesentlichen Elementen auf mĂŒndliche und auch rudimentĂ€r schriftliche Überlieferung aus der Wikingerzeit zurĂŒckgehen. Ihre Niederschrift erfolgte spĂ€ter meist in Island, aber auch an norwegischen Machtzentren. Woher die ungewöhnlich plötzliche BlĂŒte der Literatur gekommen ist, gehört zu den RĂ€tseln der skandinavischen Literaturgeschichte. Dass die Tradition von DĂ€nemark mit den Angeln nach England und von dort nach Island gekommen sei, wĂ€re angesichts des Beowulf eine Möglichkeit. Im frĂ€nkischen und angelsĂ€chsischen Bereich kam die Annalistik (AngelsĂ€chsische Chronik), die es bereits seit einiger Zeit in Irland gab, zu neuer BlĂŒte und fand auch auf Island rege Verbreitung. Wenn in der Überlieferung fast ausschließlich von islĂ€ndischen Skalden die Rede ist, kann dies auch auf die selektive Überlieferung zurĂŒckzufĂŒhren sein.

Christianisierung

Ansgars Kreuz in Birka

Ansgar und Rimbert hatten bereits im 9. Jahrhundert ihre MissionstĂ€tigkeit in den wichtigsten Knotenpunkten der Handelsrouten Haithabu, Ripen und Birka begonnen. Dies war in der Zeit, in der die WikingerzĂŒge noch anschwollen, worauf auch Adam von Bremen die fehlende KontinuitĂ€t der Mission nach diesen Missionaren zurĂŒckfĂŒhrte.[202] Die schwedische Wikingerherrschaft an der Schlei scheint sich als Riegel ausgewirkt zu haben. Denn erst nach dem Sieg Heinrich I. ĂŒber die Schweden an der Schlei machte sich wieder ein Missionar, Erzbischof Unni, auf, der 936 in Birka getötet wurde. Auf der anderen Seite kamen die Skandinavier auf ihren Fernfahrten bereits vielerorts mit dem Christentum in BerĂŒhrung, was zu einer Relativierung der eigenen Glaubensvorstellungen gefĂŒhrt haben muss. Im Danelag wurde der heimatliche Kult nicht wieder aufgenommen, jedenfalls zeugt kein Ortsname davon.[203] Der Beginn der endgĂŒltigen Missionierung des gesamten Nordens kann auf das zweite Drittel des 10. Jahrhunderts angesetzt werden. FĂŒr DĂ€nemark war die Taufe Harald Blauzahns der entscheidende Wendepunkt. Davon zeugt nicht nur der Jellingstein, sondern auch die Umgestaltung des Heiligtums König Gorms, einem großen Bautastein-Dreieck mit einem Runenstein in der Mitte und Königin Thyres GrabhĂŒgel als Abschluss, in einen Kirchhof. Eine ganze Reihe von Missionsbischöfen, zu denen auch der dĂ€nische Adlige Odinkar der Ältere gehörte, bemĂŒhte sich mit unterschiedlichem Erfolg um die Christianisierung. Er soll auch in Schonen und auf den Inseln gewirkt haben.[204] In Schweden wurde Sigtuna christliches Zentrum Svealands. Die Verbindung christlich gewordener WarĂ€ger in der Rus mit ihrer alten Heimat, fĂŒr die die Ehe der Tochter Olof Skötkonungs Ingegerd mit dem GroßfĂŒrsten Jaroslav I. ein Zeugnis ist, fĂŒhrte zum Einfluss des ostkirchlich geprĂ€gten Christentums in Schweden.[205] Die Runensteinsitte in der Mitte des 11. Jahrhunderts war dort ziemlich frĂŒh christlich geprĂ€gt. Dagegen tragen in DĂ€nemark zur Zeit Svens und Knuts die Steine nur zu einem fĂŒnftel christliche Merkmale. Die gleichzeitigen Steine VĂ€stergötlands sind dagegen bereits zu einem Drittel christlich, bei dem wenig jĂŒngeren Material Östergötlands sind sie es bereits zur HĂ€lfte bis fast zwei Drittel. Auch SmĂ„lands Steine dieser Zeit sind schon fast zu zwei Dritteln christlich.[206]

Die Mannestugenden blieben davon unberĂŒhrt. Sie werden mit gleichen Worten auf heidnischen und christlichen Runensteinen gepriesen: Freigiebig, tĂŒchtig, guter Hausherr (oder Bauer), ohne Falsch, wortmild, weise in seiner Rede (wohl auf der Thingversammlung), geschickt und wendig. Sogar die Rachbegierde ĂŒberlebte auf den Runensteinen die Christianisierung.[207]

Die EinfĂŒhrung des Christentums fĂŒhrte ĂŒber den reinen Glaubenswechsel hinaus zu einer tiefgreifenden VerĂ€nderung der politischen Landschaft. Das Königtum erstarkte zu einer göttlich legitimierten Zentralmacht. Ihm wuchsen die neuen Aufgaben der Gesetzgebung und der Rechtsprechung zu. Gleichzeitig entstand neben dem König eine neue Macht, die von Rom gesteuert wurde, was zu harten Kompetenzstreitigkeiten fĂŒhren musste. Die Konsolidierung des Königtums ging auch einher mit der SchwĂ€chung der örtlichen HĂ€uptlinge. Da die HĂ€uptlingsmacht noch nach heidnischem Muster ihre Legitimation von der Sippe und den Ahnen herleitete, wurde zwar nicht die heidnische Mythologie, wohl aber die heidnische Kultpraxis rigoros unterdrĂŒckt. König Olav (der Heilige) unterdrĂŒckte die Opferfeste in MĂ€ren blutig.

Siehe auch

Bezeichnung der Runensteine in den Fußnoten

Fußnoten

  1. ↑ De Danskes Kultur i Vikingetiden (Die dĂ€nische Kultur in der Wikingerzeit) (1873)
  2. ↑ Askeberg S. 129.
  3. ↑ Kaufhold, Roesdahl.
  4. ↑ Brather S. 81.
  5. ↑ Als extremes Beispiel kann RĂ©gis Boyer: Die Piraten des Nordens. Leben und Sterben als Wikinger. (2001) gelten. Nachdem er alle Quellengattungen als unglaubwĂŒrdig verworfen hat, schreibt er ĂŒber 350 Seiten ĂŒber die Wikinger, erwartungsgemĂ€ĂŸ durchweg ohne Quellenangabe.
  6. ↑ Brþgger S. 273.
  7. ↑ a b Roesdahl S. 38.
  8. ↑ Svanberg S. 28 ff.
  9. ↑ Svanberg S. 32.
  10. ↑ Svanberg S. 38. f.
  11. ↑ Roesdahl S. 40.
  12. ↑ RĂ­gsĂŸula Strophen 8, 10. (auf Heimskringla.no)
  13. ↑ a b Übersetzung von Simrock.
  14. ↑ So aber Böldl S. 699.
  15. ↑ Sie werden in der Ólafs saga helga Kap. 141 im Zuge der Verfolgung geflĂŒchteter MĂ€nner erwĂ€hnt.
  16. ↑ Upplandslagen von 1296, kununx balker X § 66: Nu biuïŹ‚er konongr liïŹ‚ ok leïŹ‚ung ut. biuz ut roïŹ‚ ok rĂŠt. ... „lifl“ = liĂ° = Königsgefolge. „leïŹ‚ung“ = leĂ°ung = Bauernheer. „roïŹ‚â€œ = róð = Ruder- und Kriegermannschaft. „rĂŠt“ = reĂŸ = SchiffsausrĂŒstung. Man kann davon ausgehen, dass der Begriff „róð“ bereits 200 Jahre frĂŒher diese Bedeutung hatte.
  17. ↑ Wilson S. 62
  18. ↑ Informationstafel im Wikingermuseum in York
  19. ↑ Übersetzung von W. H. Vogt und Franz Fischer.
  20. ↑ Eine regionale Herrschaft - etwa die in Gudme belegte - muss bereits viel frĂŒher bestanden haben, da ansonsten der erste Bau des Danewerks nicht erklĂ€rt werden kann
  21. ↑ Svanberg S. 70.
  22. ↑ Runeinnskrifter fra Uppland (U) 668: StĂŠrkar und HjörvarĂ° ließen diesen Stein errichten nach ihrem Vater GĂŠiri, der westwĂ€rts im TingliĂ° war. Gott helfe seiner Seele. Danach ein Kreuz.
  23. ↑ Svanenberg S. 62 f.
  24. ↑ „‚SvĂĄ er mĂ©r farit,‘ kvaĂ° karl, ‚sem ĂŸeim, er ekki eigu undir sĂ©r, ok verĂ°r heitum heimskr maĂ°r feginn.‘“ („Mir geht es wie denen“, sagte der Mann, „die nichts zu verlieren haben. Auch freut sich ĂŒber Versprechungen nur der Dummkopf.“) Þorsteins ĂŸĂĄttr stangarhöggs (Die ErzĂ€hlung von Thorstein Stangenhieb) Kap. 5.
  25. ↑ Sigurðsson 2008 S. 19.
  26. ↑ Sigurðsson 2008 S. 30.
  27. ↑ Sigurðsson 2008 S. 31.
  28. ↑ Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap. 37.
  29. ↑ Heimskringla. Hákonar saga góða. Kap. 3.
  30. ↑ Heimskringla. Ólafs saga Tryggvasonar. Kap. 16.
  31. ↑ Þorbjörn Hornklofi in Heimskringla, Haralds saga hĂĄrfagra. Kap. 16.
  32. ↑ Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap. 35.
  33. ↑ a b Sigurðsson 2008 S. 22.
  34. ↑ Sigurðsson 2008 S. 24.
  35. ↑ a b Sigurðsson 2008 S. 21.
  36. ↑ Schautafel im Wikingermuseum in York.
  37. ↑ Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap 23.
  38. ↑ RĂ©gis Boyer: Die Piraten des Nordens. Leben und Sterben als Wikinger. Stuttgart 1997. S. 62. Boyer sagt nicht, woher er die Ideale der vorchristlichen Skandinavier kennt, da er als AnhĂ€nger der so genannten „radikalen Quellenkritik“ so gut wie alle Quellen verwirft.
  39. ↑ Steinsland/Sþrensen S. 71.
  40. ↑ Steinsland/Sþrensen S. 71 f., 79
  41. ↑ Sigurðsson (2007) S. 90.
  42. ↑ Sigurðsson (2007) S. 86.
  43. ↑ Sigurðsson (2007) S. 95.
  44. ↑ Sigurðsson (2007) S. 93.
  45. ↑ Sigurðsson (2007) S. 94.
  46. ↑ Sigurðsson (2007) S. 91.
  47. ↑ Aus dem Manuskript eines islĂ€ndischen Zauberbuches.
  48. ↑ VatnsdƓla saga Kap. 12.
  49. ↑ Zettel S. 213 ff.
  50. ↑ Zitat bei Zettel S. 215.
  51. ↑ Svanberg S. 33.
  52. ↑ Svanberg S. 34.
  53. ↑ a b c Übersetzung von Felix Niedner.
  54. ↑ Havamál. Übersetzung von Simrock.
  55. ↑ Sigurðsson (2007) S. 83.
  56. ↑ Annales fuldenses fĂŒr 882
  57. ↑ Es handelt sich um den Schluss des BestĂ€tigungsschreibens des Papstes fĂŒr die Errichtung des Erzbistums Nidaros.
  58. ↑ Sigurðsson 2008 S. 32.
  59. ↑ Falk (1912) S. 5.
  60. ↑ Ruprecht S. 165.
  61. ↑ Jankuhn S. 25 ff.
  62. ↑ Adam von Bremen, Buch 4 Kap 21.
  63. ↑ Ruprecht S. 31.
  64. ↑ DR 66: Gunnulfr ok Eygautr/AuĂ°gautr ok Áslakr ok HrĂłlfr reistu stein ĂŸenna eptir FĂșl, fĂ©laga sinn, er varĂ° ... dauĂ°r, ĂŸĂĄ konungar bĂŽrĂ°usk. Gunnulf und Eygaut, Asgaut und Áslek und Rolf setzten diesen Stein nach FĂșl, ihrem fĂ©lagi, er wurde ... getötet, als die Könige kĂ€mpften.
  65. ↑ DR 279: Saxi setti stein ĂŸenna eptir ÁsbjĂŽrn, sinn fĂ©laga, TĂł[f]a/TĂł[k]a son. SĂĄ flĂł eigi at UppsĂŽlum, en vĂĄ meĂ° hann vĂĄpn hafĂ°i. (Saxi setzte diesen Stein nach Ásbjörn, seinem fĂ©lagi, Tofi Tokis Sohn. Er floh nicht bei Uppsala, solange er Waffen hatte.)
  66. ↑ DR 330: ...„usti“ ok Gunnarr ... steina ĂŸessa eptir ... [ok] ...bjĂŽrn, fĂ©laga sĂ­n[a]. Þeir drengjar vĂĄru v[Ă­Ă°a] [Ăłn]eisir Ă­ vĂ­kingu. (...usti und Gunnar setzten diese Steine nach ... und ...björn, ihren fĂ©lagi. Die drengir waren (weit umher) furchtlos auf Wiking.)
  67. ↑ Ruprecht S. 70.
  68. ↑ Anonymous Þulur, 13. Manna heiti, 7 — Þul Manna 7III: InnhĂœsingar, / aldaĂŸoptar, / sessi ok mĂĄli, / serlar og fylgĂ°ir, / ĂŸĂĄ eru fĂ©lagar / ok frĂŠndr saman, / vinr, einkili, / verĂ°ung, halir. (Leute unter einem Dach, alte Freunde, der Ruderbankgenossen und GesprĂ€chspartner, Kampfgenossen und Gefolgsleute, das sind „fĂ©lagar“, und Verwandte zusammen, Freund, Schiffsgenosse, die Hofgesellschaft, MĂ€nner).
  69. ↑ HĂĄvamĂĄl Strophe 52: Mikit eitt / skal-a manni gefa; / oft kaupir sĂ©r Ă­ litlu lof, / meĂ° halfum hleif / ok meĂ° höllu keri / fĂ©kk ek mĂ©r fĂ©laga. (Die Gabe muss nicht immer groß sein. Oft erwirbt man mit wenigem Lob. Ein halbes Brot, einen Schluck im Becher gewann mir wohl die fĂ©laga.)
  70. ↑ U 391: FrĂ­sa gi[ldar] ... ĂŸessar eptir Albóð, fĂ©laga Slóða. Kristr hinn helgi hjalpi ĂŽnd hans. ÞorbjĂŽrn risti. (Die Friesengilde ... dies nach Albóð, Slóðis fĂ©lagi. Der heilige Christ helfe seiner Seele. Þorbjörn ritzte.)
  71. ↑ Ruprecht S. 72.
  72. ↑ Ruprecht S. 32.
  73. ↑ a b Ruprecht S. 33.
  74. ↑ A. Bugge zitiert in Ruprecht S. 34.
  75. ↑ Ruprecht S. 36.
  76. ↑ Brþgger S. 206.
  77. ↑ Nach Zettel S. 14-25.
  78. ↑ P. A. Munch: Det Norske Folks Historie. Kristiania 1851. Otto Lauffer: Die Entwicklungsstufen der germanischen Kultur. Umwelt und Volksbrauch in Altgermanischer Zeit. In: Hermann Nollau: Germanische Wiedererstehung. Heidelberg 1926. Andreas Heusler: Altgermanische Sittenlehre und Lebensweise. In: Hermann Nollau. a. a. O.
  79. ↑ J.M. Strinnholm: Staatsverfassung und Sitten der alten Skandinavier. Hamburg 1839. George Macauly Trevelyan: Geschichte Englands. MĂŒnchen 1947. G. AuthĂ©n-Blom im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Stichwort: Adel – Norwegen.
  80. ↑ M. Depping: Histoire des Ă©xpeditions maritimes des Normandes et de leur Ă©tablissement en France au Xe siĂšcle. Paris 1844.
  81. ↑ Heinrich Mitteis: Der Staat des hohen Mittelalters. Grundlinien einer vergleichenden Verfassungsgeschichte des Lehnszeitalters. Weimar 1962 S. 96 dĂŒrfte der letzte Vertreter in der Wissenschaft gewesen sein.
  82. ↑ Umfangreiche Nachweise aus der Literatur sind bei Zettel S. 14-16 aufgelistet.
  83. ↑ Jþrger Bukdahl: Danish Heroic Legends. In: Buckdahl u. a. (Hrg.): Scandinavia Past and Present. From the Viking to the Absolute Monarch. Arnkrone 1959.
  84. ↑ Einzelnachweise bei Zettel S. 18. Als Beispiel sei herausgegriffen August Nitschke: Beobachtungen zur normannischen Erziehung im 11. Jahrhundert. In: Archiv fĂŒr Kulturgeschichte XLIII Heft 3 (1961).
  85. ↑ Dudo von Saint-Quentin: De moribus et actis primorum Normanniae ducum libri tres. In: Migne patrologia latina 141. Sp. 610–738.
  86. ↑ Ernst Moritz Arndt: Nebenstunden. Leipzig 1826, S. 26 ff. Johannes Steenstrup: Normannerne. Bd. 1. Kopenhagen 1876, S. 258 ff. Weitere Literatur bei Zettel S. 19.
  87. ↑ Walther Vogel: Die Normannen und das FrĂ€nkische Reich bis zur GrĂŒndung der Normandie (799-911). Heidelberg 1906. Weitere Nachweise bei Zettel S. 20.
  88. ↑ Marc Bloch: La societĂ© FĂłdale. Paris 1949. Holger Arbmann: The Vikings. London 1962. Ulrich Noack: Nordische FrĂŒhgeschichte und Wikingerzeit. MĂŒnchen-Berlin 1941. Felix Genzmer: Germanische Seefahrt und Seegeltung. MĂŒnchen 1944. Weitere bei Zettel S. 21 f.
  89. ↑ Weitere Autoren bei Zettel S. 22-23.
  90. ↑ J.A. Warsaae: Die Vorgeschichte des Nordens nach gleichzeitigen DenkmĂ€lern. Hamburg 1878. Weitere Autoren bei Zettel S. 23-24.
  91. ↑ David Hume: The History of England from the Invasion of Julius Caesar to the Revolution in 1688. Bd. I. Basel 1789.
  92. ↑ Leopold von Ranke: Weltgeschichte Bd. VI. Leipzig 1885 S. 11 und Französische Geschichte vornehmlich des 16. und 17. Jahrhunderts. Bd. I Leipzig 1876.
  93. ↑ Egils saga Kap. 40
  94. ↑ Zettel warnt S. 221 ausdrĂŒcklich und mit vollem Recht vor einem pauschalen und undifferenzierten Wikingerbegriff.
  95. ↑ Frostathingslov VII, 8, 9.
  96. ↑ Zettel S. 102.
  97. ↑ Scheibelreiter S. 160.
  98. ↑ Scheibelreiter S. 340.
  99. ↑ Gregor von Tours VII, 28.
  100. ↑ Gregor von Tours VII, 35.
  101. ↑ Scheibelreiter S. 348.
  102. ↑ Gregor von Tours VIII, 30.
  103. ↑ „Qualiter nos hoc tempore victuriam obtenere possumus, quia ea quae patres nostri secuti sunt costodimus? Illi vero aeclesias aedificantes in Deum spem omnem ponentes, martyres honorantes, sacerdotes venerantes, victurias obtinuerung gentesque adversas, divino opitulante adiutorio in ense et parma saepius subdiderunt. Nos vero non solum Deum non metuemus, verum etiam sacra eius vastamus, ministros interficimus, ipsa quoque sanctorum pignera in ridiculo discerpimus ac vastamus.“ (Wie können wir Menschen dieser Zeit den Sieg gewinnen, wenn wir nicht bewahren, was unsere VĂ€ter beobachtet haben? Sie bauten Kirchen, setzten alle ihre Hoffnung auf Gott, verehrten die MĂ€rtyrer und ehrten die Priester.; so gewannen sie Siege und unterwarfen oft feindliche Völker dank Gottes Beistand mit Schwert und Schild. Wir aber fĂŒrchten nicht nur Gott nicht, sondern verheeren auch seine HeiligtĂŒmer, töten seine Diener, plĂŒndern und zerstören sogar zu Hohn und Spott die Reliquien der Heiligen.)
  104. ↑ „Sed quia omnia, quae gloria vestra profert, recta veraque esse consentur, quid faciemus, quod populus omnes in vitio est dilapsus omnique homine agere quae sund iniqua delctat? Nullus regem metuit, nullus ducem, nullus comitem reveritur; et si fortassis alicui ista displicent et ea pro longaevitate vitae vestrae emendare conatur, statim seditio in populo, statim tumultus exoritur.. Et in tantum unusquisque contra seniorem saeva intentione crassatur, ut vix credat evadere, si tardius silire nequiverit.“ (Aber wenn wir auch alles, was du, ruhmreicher Herr, sagst, fĂŒr wahr und richtig halten, was sollen wir machen, wenn doch das ganze Volk verderbt ist und jeder seine Lust daran hat, zu tun, was unrecht ist? Niemand scheut den König, niemand den Herzog, niemand den Grafen; und wenn dies vielleicht einem von uns missfĂ€llt und er es um deines Wohls und langen Lebens willen zu bessern sucht, sogleich entsteht im Volke Aufruhr und Empörung.)
  105. ↑ Zettel S. 59.
  106. ↑ Hrabanus Maurus: De rerum naturis seu de universo. Jean-Paul Migne (PL 111) Sp. 442.
  107. ↑ Alkuin: Briefe. In: Monumenta Germaniae Historica. Epistolae IV. Nr. 19 S. 43.
  108. ↑ Zettel S. 60.
  109. ↑ Ruprecht S. 50.
  110. ↑ Auch DR 334 in Schonen berichtet von einem Zug nach Norden, wobei offen bleibt, ob es sich um Schweden oder Norwegen handelt: Faðir ließ diese Runen meißeln nach Assur, seinem Bruder, der im Norden auf Wiking den Tod fand.
  111. ↑ Heimskringla. Saga Hákonar góða. Kap. 8.
  112. ↑ DR 29: ... setzte diesen Stein nach ..., seinem Bruder. Er fand den Tod auf Gotland. Thor weihe diese Runen.
  113. ↑ U 258: Gunnar und Sassur ließen diesen Stein errichten nach GĂŠirbjörn, ihrem Vater, dem Sohn Vittkarls in SvalunĂŠs(?). Ihn erschlugen Norweger auf dem Knorr Asbjörns.
  114. ↑ N 102 aus Ringerike in Buskerud: Hinaus und weit und ohne TrockentĂŒcher und Essen kommt man in Vinlands Eis in die Einöde. Das Übel verdrĂ€ngt das GlĂŒck, wenn man frĂŒh stirbt. Eine andere Übersetzung bringt: ...kommt man in kaltwindiges Eis in Ostgrönland. Das Wort „óbygd“ bezeichne Ostgrönland.
  115. ↑ Ruprecht S. 85 f.
  116. ↑ Ruprecht S. 88.
  117. ↑ Ruprecht S. 90.
  118. ↑ Dass KĂŒstenraub noch bis 1100 ein Problem war, geht aus der EirĂ­ksdrĂĄpa MarkĂșs Skeggjasons ĂŒber Erik Ejegod (1095–1103) hervor: Str. 6: „vĂ­king hepti konungr fĂ­kjum“ (Den Wiking unterband der König drastisch) und Str. 22: „hilmir lauk viĂ° hernaĂ° olman / hauĂ°r Eydana skjaldborg rauĂ°ri“ (Der Herrscher riegelte gegen wilde PlĂŒnderung das Land der InseldĂ€nen mit roter Schildburg ab).
  119. ↑ Ruprecht. 86.
  120. ↑ Wilson RGA S. 59.
  121. ↑ Lebecq, RGA Stichwort „Friesenhandel“ Bd. 10 S. 69-80
  122. ↑ Askeberg S. 7.
  123. ↑ Wilson S. 60.
  124. ↑ The Angelsaxon Chronicle zu den Jahren 920 und 921.
  125. ↑ The Angelsaxon Chronicle zu den Jahren 894 und 906.
  126. ↑ The Angelsaxon Chronicle zum Jahre 918.
  127. ↑ Wilson S. 60 f.
  128. ↑ VG 20: NN errichtete den Stein nach Gormar, seinem Sohn. Er wurde erschlagen in England. und VG 61: Tola setzte diesen Stein nach Geir, ihrem Sohn, einem sehr achtbaren drengr, der den Tod fand auf den westlichen Fahrten beim Wiking. Man hĂ€lt sie fĂŒr Ă€lter als Kunts Unternehmungen.
  129. ↑ Svanberg S. 22; DR 266: Nafni errichtete diesen Stein nach seinem Bruder Toki. Er fand im Westen den Tod. Sö 166 (wohl aus den 990er Jahren): GrjutgarĂ°, ÆinriĂ°i, die Söhne, machten dies nach ihrem kĂŒhnen Vater. GuĂ°ver war westwĂ€rts in England, erhielt Anteil am DĂ€nentribut und griff in Sachsen mannhaft Burgen an.
  130. ↑ Krag S. 18.
  131. ↑ U 343/344 (ein Paarstein): Karsi und ... ließen diesen Stein errichten nach Ulf, ihrem Vater. Gott helfe seinem Geiste und die Mutter Gottes. Aber Ulf hat in England dreimal Danegeld erhalten. Das war der erste, den Tosti erhob, dann der von Þorkétil, dann der von Knut. Das Danegeld von Tosti wird der ersten Zahlung von 911 zugerechnet. Zur Deutung der Namen siehe unter Danegeld.
  132. ↑ Wilson S. 64.
  133. ↑ DR 345: Sigref ließ diesen Stein errichten nach Forkunn, dem Vater von Knuts Mann Asulf. Gott helfe seinem Geist. und DR 337: Svéin und Þorgot machten diese kumbl nach Manni und Svéni. Gott helfe ihrer Seele gut. Aber sie liegen in London.
  134. ↑ Stein N 184 aus Evje (Aust-Agder) aus der Zeit kurz nach 1015: Arnstein errichtete diesen Stein nach Bjór, seinem Sohn. Er fiel im Heer (líð), als Knut England angriff.
  135. ↑ SM 29: U.. errichtete den Stein nach Þorgeir, seinem Vater. Er endete in England. Nach dem Kreuz auf dem Stein war er Christ. VG 187 zeigt durch ein Kreuz, dass auch hier schon Christen gemeint sind: GĂŠiri setzte diesen Stein nach GuĂ°i, seinem Bruder. Er kam in England ums Leben. ÖG 59: ...björn und Asbjörn errichteten diesen Stein nach Vigfast, ihrem Vater. Er fand den Tod in England, HĂŠlgas Sohn.
  136. ↑ SM 5: Gaut setzte diesen Stein nach Kétil, seinem Sohn. Er war unter den Menschen am wenigsten ein Schuft. Er verlor in England sein Leben. Und ÖG 111: Véring errichtete den Stein nach Thjélfi, seinem Bruder, dem dréngr. Der war mit Knut.
  137. ↑ Der bereits erwĂ€hnte Stein SM 42 mit einem Kreuz.
  138. ↑ Wilson RGA Bd. 26 143.
  139. ↑ Sheehan
  140. ↑ Ruprecht S. 51.
  141. ↑ Richter S. 93.
  142. ↑ Gregor von Tours III, 3.
  143. ↑ Sawyer (2000) S. 17.
  144. ↑ Einhardi vita Karoli Kap. 14: „Frisiam quoque atque Saxoniam haud aliter atque suas provincias aestimabat.“ (Auch Friesland und Sachsen sah er nicht anders, als sein Provinzen an.)
  145. ↑ Askeberg S. 6.
  146. ↑ In der „Ólafs saga helga“ Kap. 131 wird ein Streit zwischen Fahrtgenossen auf einem Wikingerzug ĂŒber die Verteilung der Beute geschildert. Es ging um ein wertvolles Halsband, das Karli dem Götzenbild JĂłmali abgenommen hatte und das nun der AnfĂŒhrer des Gesamtunternehmens fĂŒr sich beanspruchte. Da sagte Karli: „König Olav gehört die HĂ€lfte der ganzen Beute, die ich auf dieser Fahrt gewinne. Ich habe ihm nun das Halsband zugedacht.“
  147. ↑ Hans F. Haefele (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 12: Notker der Stammler, Taten Kaiser Karls des Großen (Notkeri Balbuli Gesta Karoli Magni imperatoris) Berlin 1959, S. 77–78 (Monumenta Germaniae Historica; Digitalisat)
  148. ↑ „Nach dem Tode des Kaisers [Karl der Dicke] lösen sich die Reiche, die seinem Gebot gehorcht hatten, da sie eines gesetzmĂ€ĂŸigen Erben entbehrten, aus ihrem Verbande in Teile auf ... ein jedes schickt sich an, sich einen König aus dem Inneren zu erwĂ€hlen.“ (Regino von PrĂŒm, „Chronica“ zu 888.) „Viele kleine Könige in Europa oder im Reiche Karls stiegen empor. Berengar machte sich zum König in Italien, Rudolf aber beschloss, Oberburgund fĂŒr sich nach der Art eines Königs zu behalten; Ludwig, Bosos Sohn, und Wido nahmen sich vor, das belgische Gallien und die Provence wie Könige zu haben; Odo nahm das Land bis zur Loire und die aquitanische Provinz fĂŒr sich in Anspruch. Hiernach wollte Ramnulf als König gelten.“ (Annales Fuldenses zum Jahre 888) nach Hageneier S. 80.
  149. ↑ Svanberg S. 22.
  150. ↑ Auf einem silbernen Halsring aus Troms im Tromsö-Museum steht die Inschrift N 540: Wir fuhren gegen Frieslands MĂ€nner und teilten die Beute.
  151. ↑ Sö 65: Inga errichtete diesen Stein nach Oleif, ihrem Erben. Er pflĂŒgte ostwĂ€rts mit dem Steven und starb im Land der Langobarden. Und Upplands Runeinnskrifter (U) 141: GuĂ°laug ließ die Steine errichten nach Holmi, ihrem Sohn. Er starb im Langobardenland.
  152. ↑ Ronart S. 30.
  153. ↑ Claus Krag S. 17.
  154. ↑ Svanberg S. 22 f.
  155. ↑ Askeberg S. 10.
  156. ↑ Vita Anskarii Kap. 30.
  157. ↑ Nerman S. 18 f.
  158. ↑ Nermann S. 92, 103.
  159. ↑ Nerman S. 113.
  160. ↑ Nerman S. 110.
  161. ↑ N 62 (2. HĂ€lfte des 11. Jahrhunderts): Engli errichtete diesen Stein nach Þórald, seinem Sohn, der in Vitaholm (in der NĂ€he von Kiew), zwischen Vitaholm und GarĂ°a den Tod fand.
  162. ↑ VG 181: Kofi errichtete diesen Stein nach Olaf, seinem Sohn, einem sehr achtbaren „Drengr“. Er wurde in Estland erschlagen. Hvirðr meißelte den Stein.
  163. ↑ So interpretiert Ruprecht S. 133 den Stein VG 184: Gulli errichtete diesen Stein nach den BrĂŒdern seiner Frau, Æsbjörn und Joli, sehr achtbaren Drengir. Sie fanden den Tod in der Kriegerschar im Osten.
  164. ↑ U 356: RagnfriĂ° ließ diesen Stein errichten nach Björn, ihrem und KĂŠtilmunds Sohn. Gott helfe seinem Geiste und die Mutter Gottes. Er fiel in Virland. Und Asmund ritzte. Und U 533: SigruĂ° ließ den Stein errichten nach Anund, ihrem Sohn. Er wurde in Virland erschlagen.
  165. ↑ SÖ 39: Hermoð ließ meißeln nach Bergvið, seinem Bruder. Er ertrank in Livland.
  166. ↑ U 582: Björn und IgulfrieĂ° errichteten diesen Stein nach Otrygg, ihrem Sohn. Er wurde in Finnland erschlagen.
  167. ↑ VG 178: Agmund errichtete diesen Stein nach Æsbjörn, seinem Verwandten und NN nach ihrem Mann. Und er war Kolbens Sohn. Er fand den Tod in Griechenland. Abbildung hier
  168. ↑ SM 46 aus der Zeit um 1050: ...machte dieses kumbl (Monument) nach Svéin, seinem Sohn. Der endete im Osten in Griechenland.
  169. ↑ DR 108: Tosti, der Schmied Aswiðs, errichtete diesen Stein nach seinem Bruder Tofi, der im Osten den Tod fand.
  170. ↑ Ög 81 (Anfang des 11. Jahrhunderts): ÞorgerĂ° errichtete diesen Stein nach Assur, ihrem Onkel. Er kam ostwĂ€rts in Griechenland um. Auf der RĂŒckseite heißt es weiter: FĂŒnf Söhne bekam Gulli, ein guter Mann. Bei Fyris fiel Asmund, ein furchtloser KĂ€mpfer. Assur endete im Osten bei den Griechen, auf Bornholm ward Halvdan erschlagen, Kari bei ... und tot ist BoĂŻ.
  171. ↑ Sö 148: ÞjuĂ°ulf, BoĂŻ, die errichteten diesen Stein nach Farulf, ihrem Vater. Er fand sein Ende in GarĂ°arĂ­ki. Und der bereits erwĂ€hnte Stein Sö 171
  172. ↑ Ruprecht S.27.
  173. ↑ Hávamál Vers 73
  174. ↑ Vers 75. Genzmer S. 144; Gutenbrunner S. 85
  175. ↑ Heimskringla. Haralds saga hins hĂĄrfagra Kap. 18 ĂŒber die Schlacht am Hafrsfjord.
  176. ↑ Falk (1914) zitiert auf S. 2 Sternberg, Die Angriffswaffen im altfranzösischen Epos. Marburg 1886. S. 15: „Ein Waffenschmied verbringt 12 Jahre mit der LĂ€uterung des Stahls von drei Schwertern.“
  177. ↑ In der ÞiĂ°reks saga zerfeilt Velent eine Klinge, mischt die SpĂ€ne mit Mehl und fĂŒttert damit sein GeflĂŒgel. Danach glĂŒht er den Kot des GeflĂŒgels und schmiedet ein herrliches Schwert. Auch die oft geschilderte HĂ€rtung der Schwerter durch Eintauchen in Blut oder animalisches Gift ist wohl darauf zurĂŒckzufĂŒhren, so bei Beowulfs Schwert Hunting. (Falk 1914 S. 3)
  178. ↑ Falk 1914 S. 8. Königsspiegel Kap. 38. und Rudolf Meissners Übersetzung (1944) Fn 176.
  179. ↑ In Frostathingslov V, 7 wird das Erheben der Waffen in der Thingversammlung als Zeichen der Zustimmung genannt. So auch Tacitus: Germania, 11 und GrĂĄgĂĄs im Nachtrag ĂŒber das Recht der IslĂ€nder in Norwegen.
  180. ↑ Heimskringla. Ólafs saga Tryggvasonar. Kap. 18 und öfter.
  181. ↑ Brþgger S. 270.
  182. ↑ Heimskringla. Haralds saga hárfagra. Kap. 11 und die Ólafs saga Tryggvasonar. Kap. 103.
  183. ↑ Heimskringla. Haralds saga hárfagra. Kap. 11.
  184. ↑ BrĂžgger S. 273 hĂ€lt die Zahlen fĂŒr Dichtung.
  185. ↑ Geschichte von Olav Tryggvason Kap. 40.
  186. ↑ Geschichte von Olav Tryggvason Kap. 41.
  187. ↑ Heimskringla. Die Geschichte von König Olav dem Heiligen Kap. 50.
  188. ↑ Heimskringla, Hálfdanar saga svarta. Kap. 4.
  189. ↑ Heimskringla. Haralds saga hárfagra. Kap. 43.
  190. ↑ Heimskringla. Hákonar saga góða. Kap. 24.
  191. ↑ Möglicherweise handelte es sich bei der Bravoll-Schlacht, von der Saxo Grammaticus in seinen Gesta Danorum 8. Buch Kap. 4 ErlĂ€uterungen zu den ersten neun BĂŒchern der DĂ€nischen Geschichte des Saxo Grammaticus, 8. Buch Kap. 4 berichtet, um eine solche Formation: „At Bruno, Haraldi loco aciem statuere iussus, cuneo frontem molitur, Hetham vero in dextero latere locat, Haconem laevo praeficit, Wisnam aquiliferam facit.“ (Auf der andern Seite erhielt Bruno den Auftrag, an Haralds statt die Schlachtordnung aufzustellen; er bildete das Vordertreffen zu einem Keile, stellte die Hetha auf die rechte Seite, den Hako als Befehlshaber auf die linke, die Wisna machte er zur BannertrĂ€gerin.Deutsche Übersetzung)
  192. ↑ Heimskringla. Hákonar saga góða. Kap. 30.
  193. ↑ a b Heimskringla. Ólafs saga helga. Kap. 226.
  194. ↑ Heimskringla. Haralds saga gráfeldar. Kap. 6.
  195. ↑ Heimskringla. Hákonar saga góða. Kap. 6.
  196. ↑ Svanberg S. 36 f.
  197. ↑ Capelle S. 41.
  198. ↑ Rǫgnvaldr jarl, Lausarvisur 1
  199. ↑ Übersetzung von Boyer S. 271.
  200. ↑ Roesdahl S. 25.
  201. ↑ Egils saga Kap 55.
  202. ↑ Adam von Bremen I, 60.
  203. ↑ Ruprecht S. 93.
  204. ↑ Adam von Bremen II, 26.
  205. ↑ Ruprecht S. 95. Dass in Skandinavien auch von der Ostkirche missioniert wurde, findet seinen Niederschlag zum Beispiel in der GrĂĄgĂĄs Islands, wo die Amtshandlungen orthodoxer und armenischer Geistlicher thematisiert werden. Auch Kirchenbauten byzantinischer PrĂ€gung in Sigtuna (St. Olov) und in Visby (St. Lars und die Heilig-Geist-Kirche um 1220) legen dafĂŒr Zeugnis ab.
  206. ↑ Ruprecht 95.
  207. ↑ U 1028: ÁsbjĂŽrn ok ... [l]andi(?). GuĂ° sviki ĂŸĂĄ, er hann sviku. (Ásbjörn und ... Gott verrate den, der ihn verraten hat.), Ă€hnlich SM 92. Bei der Kirche von Sjonhem (Gotland) steht ein Stein mit dem Text in Übersetzung: „Rodvisl und RodĂ€lv errichteten die Steine nach ihren drei Söhnen, diesen nach Rodfos. Ihn ermordeten heimtĂŒckisch die Wallachen (RumĂ€nen) bei einer Auslandsfahrt. Gott helfe der Seele des Rodfos. Der Gott verderbe diejenigen, die Rodfos verdarben.

Quellen

  • Den ĂŠldre Gulathings-Lov. In: Norges gamle love indtil 1387. Bd. 1. Christiania 1846. S. 3-118. Übersetzung: Das Recht des Gulathings. Übs. von Rudolf Meißner. Germanenrechte Bd. 6. Weimar 1935.
  • Hirdskraa. In: Norges gamle Love indtil 1387. Bd. 2 Christiania 1848. S. 387–450. Übersetzung: Das norwegische Gefolgschaftsrecht. Übs. von Rudolf Meißner. Germanenrechte Bd. 5. Weimar 1938.
  • Edda: Olafur Briem: Eddu kvĂŠĂ°i. SkĂĄlholt o.J. (1968) fĂŒr die islĂ€ndischen Zitate. Felix Genzmer: Edda. Bd. 2: Götterdichtung und Spruchdichtung. DĂŒsseldorf 1963.
  • Notker der Stammler: Notkeri Gesta Karoli (Notker Taten Karls). In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil, (Freiherr-vom-Stein-GedĂ€chtnisausgabe, Band 7), Darmstadt 1975.
  • Regino von PrĂŒm: Reginonis chronica (Regino-Chronik). In: Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil, (Freiherr-vom-Stein-GedĂ€chtnisausgabe, Band 7), Darmstadt 1975.
  • Snorri Sturluson: Heimskringla. (Hrg. BergljĂłt S. KristjĂĄnsdĂłttir unter anderem). ReykjavĂ­k 1991. ISBN 9979-3-0309-3 (fĂŒr die islĂ€ndischen Zitate). Deutsch: Snorris Königsbuch. DĂŒsseldorf/Köln 1965. Bd. 1-3.

Literatur

  • Sebastian Brather: Wikingerzeit. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 34. Berlin 2007. S. 79-81
  • A.W. BrĂžgger und Haakon Shetelig: Vikingeskipene. Deres forgjengere og etterfĂžlgere. (Wikingerschiffe. Deren VorlĂ€ufer und Nachfolger). Oslo 1950
  • Torsten Capelle: Die Wikinger. Kultur und Kunstgeschichte. Darmstadt 1986
  • Hjalmar Falk: Altnordisches Seewesen. Sonderdruck aus Wörter und Sachen Bd. 4. Heidelberg 1912
  • Hjalmar Falk: „Altnordische Waffenkunde“- In: Videnskabsselskapets Skrifter II. Kristiania 1914. Nr. 6.
  • H. Fichtenau: Lebensordnungen des 10. Jahrhunderts. Studien ĂŒber Denkart und Existenz im einstigen Karolingerreich. MĂŒnchen 1994
  • FĂŒnf Geschichten aus dem westlichen Nordland. Übs. W.H. Vogt und Frank Fischer. Thule. Altnordische Dichtung und Prosa Bd. 10. DĂŒsseldorf, Köln 1964
  • Siegfried Gutenbrunner: Versteckte Eddagedichte. In: Edda, Skalden, Saga. Festschrift zum 70. Geburtstag von Felix Genzmer. Heidelberg 1952
  • Lars Hageneier in Johannes Laudage, Lards Hageneier, Zvonne Leiverkus: Die Zeit der Karolinger. Darmstadt 2006. ISBN 3-89678-556-7
  • Herbert Jankuhn: Haithabu und Danewerk. NeumĂŒnster 1982 ISBN 3-529-01602-0 (hier zitiert nach der Ausgabe von 1950)
  • JĂłn ViĂ°ar SigurĂ°sson: De vennlige Islendingene og den uvennlige kongen. (Die freundschaftlichen IslĂ€nder und der nicht freundschaftliche König) In: VĂ€nner, patroner och klienter i Norden 900–1800. ReykjavĂ­k 2007. S. 81–100.
  • JĂłn ViĂ°ar SigurĂ°sson: Det norrĂžne Samfunnet. Vikingen, Kongen, Erkebiskopen og Bonden. Oslo 2008.
  • M. Kaufhold: Europas Norden im Mittelalter. Die Integration Skandinaviens in das christliche Europa (9.-13. Jh.). Darmstadt 2001
  • Claus Krag:Vikingtid og Rikssamling 800-1130.(Wikingerzeit und Reichseinigung 800–1130) Aschehougs Norges Historie Bd. 2. Oslo 1995
  • Emil Ploss: Siegfried – Sigurd, der DrachenkĂ€mpfer. Köln 1966
  • Else Roesdahl: Vikingernes Verden. Gyldendal 1993. 4. Auflage (Englisch: The Vikings. London 1992)
  • Arndt Ruprecht: Die ausgehende Wikingerzeit im Lichte der Runeninschriften. Göttingen 1958
  • Stephan und Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. ZĂŒrich/MĂŒnchen 1972
  • Peter Sawyer: Das Zeitalter der Wikinger und die Vorgeschichte. In: Peter Sawyer (Hrsg.): Die Wikinger. Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. Stuttgart 2000
  • Georg Scheibelreiter: Die barbarische Gesellschaft. Darmstadt 1999
  • Gro Steinsland / Preben Meulengracht SĂžrensen: Mennesker og makter i Vikingens verden. (Menschen und MĂ€chte in der Welt der Wikinger) Universitetsforlaget A/S 1994
  • Fredrik Svanberg: Vikingatiden in SkĂ„ne. (Die Wikingerzeit in Schonen) Lund 2000. ISBN 91-89442-04-0
  • David Wilson: Wikinger. § 2 Britische Inseln. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). Bd. 34. Berlin 2007. S. 59-64. (engl.)
  • Horst Zettel: Das Bild der Normannen und der NormanneneinfĂ€lle in westfrĂ€nkischen, ostfrĂ€nkischen und AngelsĂ€chsischen Quellen des 8. bis 11. Jahrhundert. MĂŒnchen 1977. ISBN 3-7705-1327-4

Weblinks

 Commons: Wikingerzeit â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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