Wurstsuppe

Wurstbrühzubereitung bei der Hausschlachtung im Erzgebirge
abgefüllte Wurstbrühe

Wurstbrühe oder Wurstsuppe ist die Brühe, die bei der Herstellung von Brüh- und Kochwurst entsteht. Beim traditionellen Schlachtfest wurden vor den Würsten auch Fleisch und Leber im gleichen Kessel gegart, wodurch – besonders, wenn später auch noch Würste platzten – eine kräftige Brühe entstand, die die Grundlage zum Beispiel für Brotsuppe bildete.

Die wesentlich dünnere Wurstbrühe, die in Fleischereien bei der Wurstherstellung anfällt, wird normalerweise nicht verwertet, spielte aber in Notzeiten eine wichtige Rolle als Ersatz für Fleischbrühe. So war während des Zweiten Weltkriegs Wurstbrühe ohne Lebensmittelmarken erhältlich und auch in der Nachkriegszeit blieb sie begehrt. Ein typisches Rezept aus der Zeit ergänzt sie um Steckrüben, Kartoffeln, Mehl und Semmelbrösel zu einem sättigenden Eintopf. Heute ist Wurstbrühe nur noch selten bei Fleischern, die selbst Wurst herstellen, erhältlich.

In der Pfalz und in Teilen Baden-Württembergs, vor allem in der Kurpfalz, wo die Wurstsuppe Metzelsupp genannt wird, wird sie auch heute noch angeboten, wenn ländliche Gastwirtschaften ein Schlachtfest abhalten. Sie ist die Suppe, die in dem Kessel entsteht, in dem die Pfälzer Leberwurst und Blutwurst sowie die Bratwürste meist auch noch Wellfleisch gekocht werden. Früher war es üblich, dass eine Familie, die ein Schlachfest veranstaltete, alle Nachbarn mit Metzelsuppe beschenkte, die von diesen in Milchkannen abgeholt wurde. Weil fast immer eine der Blutwürste platzt (wenn nicht wird nachgeholfen) enthält die Metzelsuppe fast immer Flocken der Blutwurst. Ein alter Brauch aus der Oberpfalz ist das Wurstsuppenfahren.

Das Verschenken an Nachbarn war auch in einigen anderen Regionen Deutschlands üblich, so verschenkte man zum Beispiel auch in Schwaben Metzelsuppe, im Oldenburger Land (Niedersachsen) Fleisch- und Wurstbrühe (siehe Links bei Schlachtfest).

Sonstiges

Der Dichter Ludwig Uhland verfasste ein Metzelsuppenlied. Das Originalmanuskript des kleinen Liedes enthält von dritter Hand den Vermerk: „Gesungen bei der Metzelsupp am Seder 1824.“

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