Zeit der Zigeuner

Filmdaten
Deutscher Titel: Die Zeit der Zigeuner (Time of the Gypsies)
Originaltitel: Dom za vešanje
Produktionsland: Jugoslawien
Erscheinungsjahr: 1988
Originalsprache: Romanes
Stab
Regie: Emir Kusturica
Drehbuch: Emir Kusturica, Gordan Mihic
Musik: Goran Bregović
Kamera: Vilko Filac
Schnitt: Andrija Zafranović
Besetzung
  • Davor Dujmović - Perhan
  • Bora Todorović - Ahmed
  • Ljubica Adzović - Chaditza (Großmutter)
  • Husnija Hasimović - Merdžan (Onkel)
  • Sinolicka Trpkova - Azra (Freundin)
  • Zabit Memedov - Zabit (Nachbar)
  • Elvira Sali - Danira (Schwester)
  • Suada Karisik - Dzamila
  • Sedrije Halim - Ruza, Mutter von Azra

Die Zeit der Zigeuner (Serbisch: Дом за вешање, Dom za vešanje - "Haus zum Erhängen") ist ein im Jahre 1988 gedrehter jugoslawischer Film des Regisseurs Emir Kusturica. Fast alle Dialoge des Films sind in Romanes. Zeit der Zigeuner erzählt die Geschichte eines jungen Zigeuners namens Perhan, der magische Kräfte besitzt und unfreiwillig ins kriminelle Milieu gerät. Der Teenager entwickelt sich während des Filmes vom Kind zum Mann. Der Film gilt als einer der besten Kusturicas. Die Filmmusik, die auf balkanischen Weisen basiert, wurde von Goran Bregović geschrieben.

Handlung

Da seine Mutter schon tot ist, lebt Perhan gemeinsam mit seiner gehbehinderten Schwester Danira und seinem unbeherrschten Onkel Merdžan bei seiner geliebten Großmutter Chaditza. Er möchte Azra heiraten, was ihre Mutter aber nicht erlaubt, da Perhan ein uneheliches Kind eines slowenischen Soldaten und arm ist. Die beiden kommen sich während des großen Festes am Fluss näher und versprechen sich einander. Ahmed der "Mann mit dem Geld", kommt mit seinen Brüdern ins Dorf auf Besuch. Merdžan verliert sogar seine Kleidung beim Kartenspiel mit den Besuchern, macht Schulden und kehrt aufgebracht nach Hause zurück. Er braucht Geld, das ihm von seiner Mutter verwehrt wird, woraufhin er das Holzhaus, in dem sie leben, inmitten eines heftigen Sturmes zerstört.

Tags darauf hat Ahmeds kleiner Sohn Atembeschwerden und wird von Chaditza, die sich aufs Heilen versteht, wieder gesund gemacht. Ahmed will sie belohnen, doch sie trifft mit ihm eine Abmachung: Danira, die Schwester Perhans, muss am Bein operiert werden und Ahmed verspricht, sie in Ljubljana in ein Krankenhaus zu bringen. Nachdem Perhan nicht bei seiner Schwester bleiben kann, entschließt er sich, Ahmed nach Italien, nach Mailand, zu begleiten, wo Ahmed und seine Brüder von Zuhälterei leben. Perhan versucht zuerst auf ehrliche Weise Geld zu verdienen, nachdem ihn die Zuhälter deshalb erniedrigen, beginnt er zu stehlen und in Hauser einzusteigen. Einen kleinen Teil der Beute behält er jedes Mal für sich.

Ahmed wird von seinen Brüdern reingelegt, sie verschwinden mit einigen seiner Prostituierten und Bettler; weil er in Perhan einen vertrauenswürdigen Vertreter seiner Interessen sieht, setzt er ihn als neues Oberhaupt ein. Nach einiger Zeit wird der inzwischen recht wohlhabende Perhan nach Hause geschickt, um "Nachschub" an Bettlern zu holen. Zuhause angekommen, findet er Azra schwanger, die er eigentlich heiraten wollte. Sie behauptet, es sei sein Kind, Perhan glaubt ihr aber nicht und vermutet sie sei von seinem Bruder bei einer Vergewaltigung schwanger geworden. Trotz der beständigen Versicherung Azras das Kind sei von ihm, verheiraten sie sich unter der Bedingung, das Neugeborene gleich nach der Geburt wegzugeben. Perhan stellt beim Besuch des Dorfes fest, das kein Haus für ihn gebaut wird, wie Ahmed es ihm versprochen hatte und auch Danira nicht operiert wurde, sondern sie gezwungen worden war, in Italien betteln zu gehen. Azra stirbt allein bei der Geburt ihres Kindes. Der Junge wird von Ahmed in seine Bettlerbande aufgenommen.

Nachdem Perhan vier Jahre gesucht hatte, findet er seine Schwester Danira in Rom. Sie bringt ihn zu Perhan junior, der Perhan sehr gleicht, deshalb erkennt er, dass es sich wirklich um seinen eigenen Sohn handelt. Er bringt Danira und seinen Sohn zum Bahnhof, kehrt aber zur Hochzeit Ahmeds, die eben stattfindet, zurück, um sich zu rächen. Mit seinen telekinetischen Fähigkeiten tötet er Ahmed, sticht seine Brüder nieder, wird am Ende jedoch von Ahmeds Braut erschossen. Während der Totenwache stiehlt der kleine Perhan die Münzen, die man auf seines Vaters Augen gelegt hatte.

Auszeichnungen

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1989 wurde Emir Kusturica als bester Regisseur prämiert, der Film war auch für die Palme d'Or nominiert. Bei den Guldbagge-Awards in Schweden 1991, gewann der Film den Preis für den besten ausländischen Film. Zeit der Zigeuner war auch als bester ausländischer Film bei den César 1990 in Frankreich nominiert.

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