Zeittafel Portugal

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Zeittafel Portugal

Inhaltsverzeichnis

Vor Christus

Viriato-Denkmal in Viseu
  • 139 v. Chr.: Viriatus wird von seinen eigenen Leuten im Auftrag der R√∂mer bei Viseu ermordet. Damit erringen die R√∂mer in der Auseinandersetzung mit den Lusitanen wieder die Oberhand.
Ruinen von Numantia
  • 133 v. Chr. Ende des Spanischen Krieges mit dem Fall von Numantia.
  • ab 60 v. Chr.: Caesar bricht den letzten Widerstand der keltiberischen St√§mme gegen Rom.
  • 27 v. Chr.: Verwaltungsreform des Kaisers Augustus (* 63 v. Chr.; ‚Ć 14 n. Chr.; reg. 30 v. Chr. bis 14 n. Chr.): Die iberische Halbinsel wird in drei Provinzen eingeteilt: Betica, Hispania Citerior und Lusitania. Letztere umfasste im Wesentlichen das Gebiet des heutigen Portugals.
    R√∂mischer Tempel in √Čvora
    Lusitania wurde in drei Bezirke (‚Äěconventus‚Äú) eingeteilt: Pacensis (Hauptstadt: Pax Iulia, das heutige Beja), Scallabitanus (Hauptstadt: Scallabis, das heutige Santar√©m) und Emeritensis (Hauptstadt: Emerita, das heutige M√©rida in Spanien, das auch Provinzhauptstadt von ganz Lusitanien war).

1‚Äď1000

Karte der römischen Provinz Lusitanien
  • 280: Verwaltungsreform des Diokletian: Hispania Citerior wird in die Provinzen Hispania Cartaginense und Callaecia bzw. Gallaecia geteilt. Die Provinz Callaecia umfasst das Gebiet n√∂rdlich des Douro im heutigen Portugal und das nordspanischen Galicien.
  • ab 409: Barbareneinfall w√§hrend der V√∂lkerwanderungszeit zerst√∂rt die r√∂mische Provinz. Alanen, Vandalen und Sueben fallen nach Portugal ein.
  • 410: Sueben bekennen sich mehrheitlich zum arianischen Christentum.
  • 416: Beginn der Einwanderung der Westgoten
  • um 430: Die Sueben gr√ľnden auf dem Gebiet von Gallaecia ihr Reich, Hauptstadt wird Bracara Augusta, das heutige Braga. Auch die anderen germanischen V√∂lker gr√ľnden eigene Staaten. Da die Vandalen und Alanen jedoch schnell von den Westgoten besiegt werden, hat nur deren Reich und das Reich der Sueben bestand.
  • um 550: die Sueben werden unter K√∂nig Karriarich zum Katholizismus bekehrt.
  • 585: der Westgotenk√∂nig Leovigild siegt √ľber den letzten Suebenk√∂nig Andeca. Das Reich der Sueben wird zerst√∂rt und dem Westgotenreich eingegliedert, dieses ist damit das einzige germanische Reich auf iberischem Boden.
  • 587: Der Westgotenk√∂nig Rekkared I. tritt in Braga vom arianischen zum katholischen Christentum √ľber.
Das Almoraviden-Reich
  • 711: Beginn der arabischen (maurischen) Invasion. Der letzte Westgotenk√∂nig Roderich wird von Tariq ibn Ziyad besiegt und f√§llt in der Schlacht im s√ľdlichen Andalusien. Auch Portugal f√§llt nach nur wenigen Jahren bis in die H√∂he von Braga unter islamische Herrschaft. Schlacht am R√≠o Barbate. Portugal wird Teil des Kalifats von C√≥rdoba.
  • 9. Jahrhundert: Beginn der Reconquista, der R√ľckeroberung Portugals durch christliche Heere, ausgehend von Asturien und Le√≥n.

König Alfons III., der Große von Asturien verlegt die Hauptstadt nach León und erobert im Jahre

  • 866 Coimbra und dann
  • 868 den alten R√∂merhafen Portus Cale (das heutige Porto), von dem das Land seinen Namen erh√§lt.
Porto

1000‚Äď1300

  • um 1000: Innerhalb Le√≥ns bilden sich in den von den Mauren zur√ľckeroberten Gebiete die Grafschaften Kastilien und Portugal, die ein zunehmendes Eigenleben f√ľhren. Alfons VI. von Le√≥n versucht durch die Annahme des Kaisertitels seine Oberhoheit √ľber die beiden Grafschaften zu demonstrieren.
  • 1064: Endg√ľltige R√ľckeroberung der Stadt Coimbra im Auftrag von K√∂nig Ferdinand I., dem Gro√üen von Kastilien und Le√≥n von den Mauren. In Coimbra wird unter Leitung der Benediktiner die erste Schule auf dem Gebiet des sp√§teren K√∂nigreiches Portugal eingerichtet.
  • 1068: Graf Raymond von Armous, ein j√ľngerer Sohn des Herzogs Wilhelm I. von Burgund begibt sich nach Portugal. Dies ist das erste Auftreten der Burgunder, einer Seitenlinie der Kapetinger im Lande. Raymond heiratet Urraca, Erbtochter des leonesischen Kaisers und wird 1093 Graf von Galicien, des n√∂rdlich an Portugal angrenzenden Gebiets.
Heinrich von Burgund
Theresia von Kastillen
  • 1071: In der N√§he von Braga f√§llt Graf Nuno Mendes in der Schlacht von Pedroso gegen den K√∂nig von Galicien, Garcia, was die Bestrebungen des portugiesischen Adels nach Unabh√§ngigkeit vorerst verhindert.
  • 1080: Auf einem Konzil in Burgos setzen sich die kirchlichen Kr√§fte durch, die in allen christlichen Reichen auf der iberischen Halbinsel den altspanischen, mozarabischen Ritus durch den p√§pstlichen r√∂mischen Ritus ersetzen wollen. Dessen Durchsetzung dauert jedoch bis in die ersten Jahrzehnte des 12. Jahrhunderts.
  • 1093: Heinrich von Burgund, ein Neffe Raimonds und j√ľngerer Sohn Herzog Heinrich von Burgund, heiratet Theresia von Kastilien, eine nichteheliche Tochter von Alfons VI. von Le√≥n. Er erh√§lt 1095 die Grafschaften Portucale und Coimbra. Er begr√ľndet die Herrschaft des Hauses Burgund auf einem Teilgebiet des sp√§teren K√∂nigreiches Portugal, die bis 1383 andauert.
  • 1104: Gr√ľndung des Erzbistum Braga durch Heinrich von Burgund. Die Bist√ľmer Porto, Lamego, Viseu und Coimbra folgen und die Stadt Guimar√£es, die sich stolz die "Wiege Portugals" nennt, wird seine bevorzugte Residenz.
  • 1109 Nach dem Tod von Alfonso VI. von Le√≥n und Kastilien l√∂st sich Portugal aus der Lehensabh√§ngigkeit.
  • 1114: Tod Heinrich von Burgunds. F√ľr seinen minderj√§hrigen Sohn Alfons I. (*1110; ‚Ć 1185; reg. als K√∂nig 1139 - 1185) √ľbernimmt zun√§chst seine Witwe Theresia von Kastilien die Regentschaft. Sie nimmt 1117 den Titel einer K√∂nigin von Portugal an, was von leonesischer Seite aber nicht anerkannt wird, und muss sich schlie√ülich wieder der Oberhoheit ihrer Halbschwester Urraca von Le√≥n beugen, die dort nach dem Tode Alfons VI. die Macht √ľbernommen hatte.
  • 1127: Alfons VII. von Kastilien, ein Sohn der Urraca, besiegt Theresia von Kastilien; diese ist dadurch entscheidend geschw√§cht.
Alfons I.
  • 1128: Alfons I. besiegt seine Mutter in der Schlacht von S√£o Mamede. Theresia von Kastilien wird entmachtet, Alfons I. beginnt selbst√§ndig zu regieren.
  • 1128: Der Templerorden begr√ľndet seine erste Niederlassung in Portugal auf der Schenkung der am Mondego gelegenen Burg von Soure durch D. Theresia, die den Templern auch "alle Gebiete zwischen Coimbra und Leiria, die sich noch in der Hand der Ungl√§ubigen befinden" √ľbertr√§gt. Im folgenden Jahr best√§tigt Alfons I. den Templern die Schenkung des Castelo de Soure.
  • 1135: Alfons I. verweigert Alfons VII. von Le√≥n den Lehnseid.
  • 1139: Alfons I. siegt √ľber die Mauren in der Schlacht von Ourique. Er nimmt danach den K√∂nigstitel an und begr√ľndet so die Selbst√§ndigkeit Portugals von Kastilien-Le√≥n.
  • 1143: Vertrag von Zamora: Kastilien-Le√≥n muss die Unabh√§ngigkeit Portugals anerkennen.
  • 1179: Papst Alexander III. erkennt mit der Bulle ‚ÄěManifestis probatum‚Äú, der ‚ÄěGeburtsurkunde Portugals‚Äú, die portugiesische Unabh√§ngigkeit an. Portugal ist damit heute der √§lteste Nationalstaat Europas.
  • 1147: Alfons I. erobert Lissabon und Santar√©m von den Mauren.
  • 1162: Alfons I. gr√ľndet den Ritterorden von Avis.
Kreuz des Ritterordens von Avis
Sancho I.
  • 1185: Sancho I. besteigt den Thron (regiert bis 1211).
  • 1195: Die katholische Kirche verh√§ngt das Interdikt √ľber Portugal. Es beginnt ein fast zweihundert Jahre andauernder Konflikt zwischen Kirche und portugiesischem K√∂nigtum.
  • 1211‚Äď1223: Alfons II. ruft die erste Cortes ein und schafft das erste zusammenh√§ngende portugiesische Gesetzeswerk. Er kann die Ortschaften Set√ļbal und Alc√°cer do Sal von den Mauren zur√ľckerobern. Der Konflikt mit der Kirche versch√§rft sich, Alfons stirbt im Kirchenbann.
  • 1223‚Äď1248: Sancho II.
  • 1226: Niederlage der Portugiesen gegen die Mauren in der Schlacht bei Elves.
  • 1239: Sieg der Portugiesen √ľber die Mauren in der Schlacht bei Aimonte. Die √∂stliche Algarve und das Alentejo fallen an die Portugiesen.
Sancho II.
Alfons III.
  • 1245: H√∂hepunkt im Kampf zwischen K√∂nigtum und Kirche. Papst Innozenz IV. setzt Sancho II. de facto ab und ernennt seinen Bruder Alfons III. zum Verwalter des K√∂nigreiches. Es beginnt ein B√ľrgerkrieg zwischen den beiden Br√ľdern, der erst durch den Tod von Sancho II. endet.
  • 1248‚Äď1279: Alfons III.
  • 1250/1251: Abschluss der portugiesischen Reconquista mit der Eroberung der Algarve durch Alfons III.
  • 1254: Alfons III. war auch der erste portugiesische K√∂nig, der zu den Cortes in Leiria Vertreter des Volkes (homens-bons dos conselhos) hinzuzog. Diese boni homines ("rechtschaffene M√§nner") waren nichtadlige, aber angesehene Landbesitzer aus verschiedenen Amtsbezirken des Reiches. Ihre Einladung in die cortes war ein geschickter Schachzug des K√∂nigs, um die Steuereink√ľnfte zu erh√∂hen.
  • 1256: Der K√∂nig verlegt die Hauptstadt des Landes nach Lissabon.
Lissabon
Papst Johannes XXI.
Dionysius
  • 1276: Mit Johannes XXI. besteigt der bis heute einzige Portugiese den Heiligen Stuhl.
  • 1279‚Äď1325: K√∂nig Dionysius. B√ľrgerkrieg in Portugal zwischen Dionysius und seinem j√ľngeren Bruder Alfons, gleichzeitig Krieg mit Kastilien, wechselseitiger Einmarsch der Kastilier in Portugal und der Portugiesen in Kastilien.
  • 1289: Durch einen Kompromiss zwischen Dionysius und Papst Nikolaus IV. wird der seit Jahrhunderten schwelende Konflikt zwischen K√∂nigshaus und Kirche entsch√§rft.
  • 1294: Mit dem ersten Handelsvertrag mit England beginnt eine lange Reihe von B√ľndnissen zwischen den beiden L√§ndern.
  • 1297: Vertrag von Alca√Īices. Friedensschluss zwischen Dionysius und Ferdinand IV. von Kastilien. Die Grenze zwischen beiden L√§ndern wird endg√ľltig festgesetzt, sie entspricht im Wesentlichen der noch heute g√ľltigen Grenze zwischen Portugal und Spanien.

1300‚Äď1500

Christusritter-Burg in Tomar
  • 1312: Auf Betreiben des franz√∂sischen K√∂nigs Philipp IV., des Sch√∂nen und Papst Clemens V. wird der Templerorden aufgel√∂st. Anders als anderswo in Europa kommt es in Portugal nicht zur Verfolgung der Templer. Hier wird
  • 1319 von K√∂nig Dionysius der Christusorden gegr√ľndet, durch den die Templer als nationaler portugiesischer Orden praktisch fortgesetzt werden.
Alfons IV.
Die Hinrichtung der Inês de Castro
  • 1340: Alfons IV. (reg. 1325‚Äď1357) besiegt gemeinsam mit einem kastilischen Heer die Mauren in der (Schlacht am Salado). Damit sind die maurischen Versuche in Portugal wieder Fu√ü zu fassen endg√ľltig vereitelt.
  • 1355 Auf Befehl Alfons IV. wird die Geliebte seines Sohnes Peter I., In√™s de Castro, als Hochverr√§terin verurteilt und hingerichtet. Es beginnt ein B√ľrgerkrieg zwischen Vater und Sohn, der erst
  • 1357 mit dem Tode Alfons IV. und der Thronbesteigung Peter I. endet.
  • 1383: Mit dem Tode Ferdinand I. endet die Herrschaft der Burgunder. Revolution von 1383, mit Johann I. √ľbernimmt das Haus Avis die Macht (bis 1580), nachdem die kastilischen Anspr√ľche auf den Thron
Die Schlacht von Aljubarrota
Johann I.
  • 1385 durch den portugiesischer Sieg in der Schlacht von Aljubarrota zur√ľckgewiesen werden k√∂nnen.
  • Johann I. (reg. bis 1433). In seiner Regierungszeit erfolgt der Beginn des Aufbaus des sp√§teren portugiesischen Kolonialreichs.
  • 1386 Vertrag von Windsor, erster Vertrag in einer langen Reihe von Wirtschafts- und B√ľndnisvertr√§gen mit England.
Heinrich der Seefahrer
König Eduard von Portugal
Sklavenmarkt in Lagos
Alfons V.
  • 1445: In Arguim in Afrika wird ein portugiesischer Handelsposten er√∂ffnet, Portugal steigt in den Handel mit afrikanischen Sklaven ein.
  • 1447: Entdeckung Kap Verdes, das dem Christusorden zur Besiedlung √ľbergeben wurde.
  • 1449: Schlacht von Alfarrobeira. Der inzwischen vollj√§hrige K√∂nig Alfons V. schl√§gt seinen Onkel Peter von Coimbra und beginnt selbst√§ndig zu regieren.
  • 1455: Mit der p√§pstlichen Bulle Romanus Pontifex erhalten K√∂nig Alfons V. und Heinrich der Seefahrer das Handelsmonopol f√ľr die neue L√§ndereien in Afrika und Asien.
  • 1471: Die Portugiesen erobern Tanger.
  • 1476‚Äď1477: Portugal wird in die kastilischen Thronstreitigkeiten verwickelt, verliert gegen Kastilien in der Schlacht von Toro und muss
  • 1479 im Frieden von Alc√°√ßovas auf alle Anspr√ľche auf den kastilischen Thron verzichten.
  • 1481‚Äď1495: K√∂nig Johann II. setzt mit gro√üer H√§rte die Macht der Krone gegen Adel und Kirche durch.
Fort S√£o Jorge da Mina (Elmina, Ghana)
Emanuel der Gl√ľckliche
Vasco da Gama
Das Hieronymus-Kloster in Lissabon, ein Hauptwerk der Manuelinik

1500‚Äď1800

Pedro √Ālvares Cabral
Afonso de Albuquerque
Kirche in Velha Goa, Indien
Ferdinand Magellan
Salvador da Bahia in Brasilien
Lu√≠s de Cam√Ķes
Sebastian I.
Philipp II. (I.) von Spanien und Portugal
  • 1580‚Äď1640 Personalunion Portugals mit Spanien
  • 1580: Nach dem Aussterben der Dynastie der Avis versucht Ant√≥nio von Crato die Krone zu √ľbernehmen, kann jedoch nicht verhindern, dass Portugal vom spanischen K√∂nig Philipp II. und seinen Nachfolgern in Personalunion regiert wird. Die portugiesische Rechts- und Verwaltungsordnung bleibt weitgehend bestehen, die Autonomie des Landes wird jedoch zusehends eingeschr√§nkt.
  • 1622: Portugal verliert Hormuz an die Briten.
  • 1630: Die Holl√§nder vertreiben die Portugiesen aus Nordostbrasilien (Pernambuco).
  • 1637: Portugal verliert das westafrikanische Handelsfort Elmina an die Holl√§nder.
  • 1640: Durch einen Aufstand wird in Lissabon die spanische Statthalterin gest√ľrzt. Ende der Personalunion mit Spanien. Der Herzog von Braganza wird als Johann IV. zum K√∂nig gew√§hlt. Somit Ende der spanischen Herrschaft und Beginn der Herrschaft des Hauses Braganza, das bis 1853 in Portugal herrschen sollte.
  • 1640 und 1652: Verteidigungsvertr√§ge mit den Briten gegen die Spanier.
  • 1659‚Äď1668: Die Spanier versuchen im Restaurationskrieg ihre Herrschaft √ľber Portugal zur√ľckzugewinnen, m√ľssen aber im Frieden von Lissabon die portugiesische Unabh√§ngigkeit anerkennen.
  • 1667: Peter II. setzt seinen behinderten Bruder Alfons VI. ab.
  • 1669: die Cortes treten zum letzten Mal zusammen, ab jetzt wird Portugal absolutistisch regiert.
  • 1702‚Äď1713: Spanischer Erbfolgekrieg, Portugal k√§mpft auf Seiten Englands und der Niederlande.
  • 1703: Der Methuenvertrag bindet Portugal wirtschaftlich an England.
  • 1706: stirbt der portugiesische K√∂nig Peter II.; Johann V. folgt ihm auf den Thron.
  • 1717: wird die Academia Portuguesa gegr√ľndet. Briten und Niederl√§nder dringen in das portugiesische Kolonialreich in Asien und Afrika vor. Gleichzeitig gewinnt Brasilien f√ľr Portugal an Bedeutung, da das Land durch die Gold- und Diamantlieferungen aus der Kolonie seine negative Handelsbilanz mit Gro√übritannien ausgleichen kann.
  • ab 1750: Mit dem Tod von Johann V. und der Thronfolge Joseph I. kommt Sebasti√£o Jos√© Carvalho e Melo, der sp√§tere Markgraf von Pombal, als eine Art ‚ÄěMinisterpr√§sident‚Äú an die Macht. Pombal wird in der Historiographie unterschiedlich beurteilt, da er einerseits eine Reihe von ambitionierten Reformvorhaben vor allem in Bildung und Wirtschaft initiierte, andererseits aber eine gro√üe Machtf√ľlle in seiner Hand vereinte und mit diktatorischen Ma√ünahmen jede Opposition erstickte.
  • 1755: Ein Erdbeben zerst√∂rt die Stadt Lissabon. Pombal organisiert den Wiederaufbau.
  • 1777: K√∂nig Joseph I. stirbt, seine Nachfolgerin Maria I. entl√§sst Pombal.
  • 1792: K√∂nigin Maria wird wegen Wahnsinns entm√ľndigt, ihr Sohn Johann VI. regiert seitdem als Prinzregent das Land.
  • 1793: Portugal beteiligt sich an der europ√§ischen Koalition gegen Napoleon.

1800‚Äď1850

  • 1801: Von Napoleon ermuntert f√§llt Spanien in Portugal ein (Orangen-Krieg). Im Frieden von Badajoz muss Portugal die Stadt Olivenza (port. Oliven√ßa) an Spanien abtreten.
  • 1807: Besetzung Portugals durch franz√∂sische Truppen. Die K√∂nigsfamilie flieht nach Brasilien. Rio de Janeiro wird neuer Regierungssitz.
  • 1808: Landung eines britischen Expeditionsheers unter der F√ľhrung von Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington. Die Briten und die Reste der portugiesischen Armee siegen in den Schlachten von Roli√ßa und Vimeiro, die Franzosen m√ľssen sich aus Portugal zur√ľckziehen.
  • 1809: Die zweite franz√∂sische Invasion endet mit dem britisch-portugiesischen Sieg in der Schlacht von Talavera de la Reina (27./28. Juli).
  • 1810: Dritte franz√∂sische Invasion, nach der franz√∂sischen Niederlage
  • 1811: In der Schlacht von Sabugal (3. April) m√ľssen sich die Franzosen endg√ľltig zur√ľckziehen. Portugal ist befreit, die k√∂nigliche Familie verbleibt jedoch in Brasilien, der britische Befehlshaber William Carr Beresford regiert als Milit√§rdiktator.
  • 1815: Brasilien erreicht den Status eines K√∂nigreichs und damit die rechtliche Gleichstellung mit dem portugiesischen Mutterland.
  • 1816: Tod K√∂nig Maria I., Prinzregent Johann wird in Rio de Janeiro zum neuen K√∂nig gekr√∂nt (Johann VI.)
  • 1817: Aufstand liberaler und freimaurerischer Kr√§fte in Portugal gegen die Milit√§rdiktatur Beresfords, dieser geht mit gro√üer H√§rte gegen die Aufst√§ndischen vor.
  • 1820 Beginn der Liberalen Revolution mit einem Aufstand in Porto. Aufstand gegen die Milit√§rdiktatur Beresfords, f√ľr die Einf√ľhrung einer konstitutionellen Monarchie mit liberaler Verfassung nach spanischem Vorbild und f√ľr die R√ľckkehr des K√∂nigs, der als konstitutioneller Monarch herrschen soll.
  • 1821: Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung (Cortes), diese fordert den K√∂nig zur R√ľckkehr aus Brasilien auf, Johann VI. folgt schlie√ülich dieser Aufforderung und l√§sst Kronprinz Peter (der sp√§tere Peter IV.) als Regenten in Brasilien zur√ľck. Die Cortes in Lissabon verabschiedet die erste portugiesische Verfassung.
  • 1822 (7. September): Brasilien erkl√§rt seine Unabh√§ngigkeit von Portugal. Kronprinz Peter besteigt als Peter I. als erster Kaiser den brasilianischen Thron.
  • 1824: Aufstand der K√∂nigin Charlotte Johanna und des Prinzen Michael gegen K√∂nig Johann VI. und die liberale Verfassung. Der K√∂nig kann sich durchsetzen, zwingt die K√∂nigin und seinen Sohn ins Exil, widerruft allerdings die liberale Verfassung.
  • 1826: Tod des K√∂nigs Johann VI. Sein Sohn, der rechtm√§√üige Thronerbe, kann die Nachfolge nicht antreten, da er als Kaiser Peter I. in Brasilien regiert. Er dankte deshalb zugunsten seiner Tochter Maria da Gl√≥ria ab, verkn√ľpfte mit dem Verzicht aber zwei Bedingungen: 1. Sein Bruder Miguel sollte sp√§ter Maria da Gl√≥ria (Maria II.) heiraten. 2. Portugal erh√§lt eine oktroyierte Verfassung (die Carta Constitucional), die er von Rio de Janeiro aus diktiert. Die Carta Constitucional von 1826 sollte sich als die stabilste portugiesische Verfassung des 19. Jahrhunderts herausstellen - trotz √Ąnderungen und tempor√§rer Au√üerkraftsetzungen blieb sie letztlich bis 1910 bestehen.
  • 1828: Michael entthront seine Nichte Maria und ruft sich selbst als Michael I. zum K√∂nig aus. Er regiert als letzter K√∂nig absolutistisch.
  • 1831: Peter I. dankt als Kaiser von Brasilien ab, nimmt den Titel eines Herzogs von Braganza an und geht nach Europa, um den Kampf gegen seinen Bruder Michael aufzunehmen.
  • 1831‚Äď1834: Miguelistenkrieg zwischen Peter und den Liberalen einerseits, Michael und den Absolutisten andererseits. Mit Hilfe der liberalen Gener√§le Saldanha und Terceira gelingt es Peter seinen Bruder zu besiegen, dieser muss erneut ins Exil gehen. Nach dem Tod Peters wird Maria II. f√ľr vollj√§hrig erkl√§rt und beginnt eigenst√§ndig zu regieren.
  • 1834‚Äď1836: Regierung der Cartisten. Die Verwaltung und Justiz wird nach napoleonischem Vorbild neu organisiert, die Handelsmonopole der gro√üen Korporationen werden abgeschafft. Die religi√∂sen Orden werden aufgel√∂st, Kircheneigentum wird nationalisiert.
  • 1836: Septemberrevolution: Terceira, der letzte cartistische Ministerpr√§sident wird gest√ľrzt, die Setembristen kommen an die Macht.
  • 1836‚Äď1842: Setembristische Regierungen (Manuel da Silva Passos, Markgraf von S√° da Bandeira). Verschiedene Aufst√§nde der Cartisten gegen die setembristische Regierung schlagen fehl (Belenzada, Aufstand der Marsch√§lle).
  • 1838: Eine neue setembristische, extrem demokratische Verfassung tritt in Kraft.
  • 1842‚Äď1846: Konservative (Cartistische) Diktatur unter Ant√≥nio Bernardo da Costa Cabral, Markgraf von Tomar. Die Carta Constitucional wird als Verfassung wieder eingef√ľhrt.
  • 1846: Aufstand von Maria da Fonte, Sturz von Costa Cabral.
  • 1846‚Äď1849: Cartistische Regierung unter dem Herzog von Saldanha.
  • 1846‚Äď1847: B√ľrgerkrieg zwischen Cartisten und Setembristen, die eine provisorische Regierung in Porto bilden. Erst dank britischem und spanischem Eingreifen kann Saldanha den Krieg gewinnen.
  • 1849‚Äď1851: Zweite Regierung Costa Cabrals

1851‚Äď1900

  • 1851‚Äď1856: Saldanha regiert mit diktatorischen Vollmachten
  • 1853: Tod K√∂nigin Maria II., ihr Ehemann Ferdinand II. regiert bis zur Vollj√§hrigkeit ihres Sohnes Peter als Prinzregent. Mit Maria II. endet die Herrschaft des Hauses Braganza, √ľber ihren Ehemann kommt der portugiesische Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, die letzte portugiesische Dynastie, an die Macht (bis 1910).
  • 1855 Peter V. wird vollj√§hrig und √ľbernimmt die Regierung. Er entl√§sst
  • 1856 Saldanha. Mit dem Herzog von Loul√© kommen zum ersten Mal seit Costa Cabral die Setembristen von der Macht verjagt hat, wieder die Linksliberalen an die Macht. Beginn des Rotativismus: Portugal erh√§lt ein gefestigtes Zweiparteiensystem, mit der konservativen Regenerationspartei auf der einen, der Historischen, sp√§ter der Progressive Partei auf der anderen Seiten, die sich in regelm√§√üigen Intervallen in der Regierung abl√∂sen.
  • 1861: der im Volk √§u√üerst beliebte K√∂nig Peter V. stirbt jung und unerwartet zusammen mit zwei seiner Br√ľder an einer Fieberepidemie. Im Volk kursieren Ger√ľchte, der K√∂nig sei ermordet worden, es kommt deshalb zu Aufst√§nden. Ludwig I. besteigt den Thron.
  • 1865‚Äď1868: Gro√üe Koalition aus Regenerationspartei und Historischer Partei unter Joaquim Ant√≥nio de Aguiar (sog. Governo da fus√£o).
  • 1868: Januaraufst√§nde in Lissabon, wegen Pl√§ne der Regierung aufgrund der prek√§ren Haushaltssituation die Steuern zu erh√∂hen. Fall der Regierung de Aguiar, Ende der gro√üen Koalition.
  • 1870: Saldanha kehrt aus dem Ausland zur√ľck und putscht sich an die Macht, wird aber nach einigen Monaten gest√ľrzt.
  • 1871‚Äď1877: ‚ÄěFontismus‚Äú, konserverative Regierung der Regenerationspartei unter Ant√≥nio Maria de Fontes Pereira de Melo. Die Regierung f√∂rdert besonders die Industrialisierung des Landes.
  • 1876: Gr√ľndung der ersten Republikanischen Partei.
  • 1878: Trotz starker Proteste beruft Ludwig I. Fontes Pereira de Melo erneut zum Regierungschef. Die Republikaner k√∂nnen zum ersten Mal ein Abgeordnetenmandat erringen.
  • 1889: Tod K√∂nig Ludwigs, sein Sohn Karl I. besteigt den Thron.
  • 1890: H√∂hepunkt der britisch-portugiesischen Kolonialkrise um sich widersprechende Anspr√ľche der beiden Staaten im s√ľdlichen Afrika. Im Ergebnis kann Portugal seine kolonialen Besitzungen konsolidieren, muss aber auf eine Ausweitung verzichten. Durch diese offensichtliche Schw√§che ist die Monarchie diskreditiert. Karl Marx spricht in Lissabon, es kommt zu gewaltt√§tigen √úbergriffen mit zehn Toten und √ľber 40 Verletzten bei den Wahlen, die Republikaner erhalten drei Sitze. Der K√∂nig ernennt bis 1893 √ľberparteiliche Regierungen.
  • 1891 Republikanischer Aufstand in Porto, Ausrufung der Republik. Der Aufstand wird niedergeschlagen. Staatsbankrott.
  • 1893: Mit der Ernennung von Ernesto Rodolfo Hintze Ribeiro von der Regenerationspartei endet die Zeit der √ľberparteilichen Regierungen. Es kommt bis 1906 wieder zum alten System der Rotation, zwischen Hintze Ribeiro und Jos√© Luciano de Castro von der Progressiven Partei.
  • 1899: Vertrag von Windsor, endg√ľltige Beilegung des britisch-portugiesischen Kolonialstreits. Die jeweiligen Besitzungen werden anerkannt, Portugal verzichtet auf die Ausweitung seines Kolonialreiches und r√§umt den Briten Durchmarschrechte f√ľr ihre Truppen ein.

1900

  • 1901: Spaltung der Regenerationspartei. Jo√£o Franco verl√§sst mit seinen Anh√§ngern die Partei und gr√ľndet die Liberale Regenerationspartei.
  • 1907‚Äď1908: Regierung Jo√£o Fernando Pinto Franco: Nach anf√§nglichen Nachgeben gegen√ľber den Republikanern regiert Franco mit gro√üer H√§rte. Das Parlament wird entmachtet, Franco regiert mit vom K√∂nig gegengezeichneten Dekreten, Zensur der republikanischen Presse, Androhung der Verbannung prominenter Republikaner in die afrikanischen Kolonien.
  • 1908: K√∂nig Karl I. und der Thronfolger Ludwig Philipp fallen einem Attentat zum Opfer. Emanuel II. (1889‚Äď1932) besteigt, erst 18-j√§hrig, als letzter Monarch den Thron.
  • 1908: Emanuel II. entl√§sst Jo√£o Fernando Pinto Franco. Die ‚ÄěPolitik der Beruhigung‚Äú (Politica de Acalma√ß√£o) mit weitgehenden Zugest√§ndnissen an die Republikaner kann die Monarchie nicht mehr retten.
  • 1910
    • 3. Oktober: Der Psychiater und prominente Republikaner Miguel Bombarda wird von einem seiner ehem. Patienten get√∂tet. Auch wenn die Tat wahrscheinlich keinen politischen Hintergrund hat, wirkt sie als Initialz√ľndung f√ľr die republikanische Revolte (getragen von Milit√§rs), durch die am
    • 4. Oktober K√∂nig Emanuel II. zur Abdankung gezwungen wird (er geht kurze Zeit sp√§ter ins Exil nach England). Am
    • 5. Oktober wird die Republik ausgerufen. Te√≥filo Braga (1843‚Äď1924) wird √úbergangspr√§sident. Es folgt eine Phase der politischen Instabilit√§t mit h√§ufig wechselnden Pr√§sidenten und Regierungschefs.
  • 1911: Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung. Verabschiedung einer neuen republikanischen Verfassung. Manuel Jos√© de Arriaga wird erster verfassungsm√§√üiger Pr√§sident des Landes (bis 1915). Die republikanische Regierung verfolgt eine antiklerikale Politik und verk√ľndet die Trennung von Kirche und Staat. Monarchistische Aufst√§nde werden niedergeschlagen. Gr√ľndung der Universit√§ten von Lissabon und Porto. Die Republikanische Partei ger√§t unter den Einfluss von Afonso Costa, radikalisiert sich und nennt sich in Demokratische Partei um.
  • 1912: Evolutionisten und Unionisten verlassen die Demokratische Parteien. Die Republikaner haben sich damit in drei Str√∂mungen geteilt. Erneute monarchistische Aufst√§nde.
  • 1915: Putsch konservativer Offiziere gegen die Regierung V√≠tor Hugo de Azevedo Coutinho und die sie st√ľtzende Demokratische Partei des Afonso Costa, Aufl√∂sung des Parlaments (25. Januar). Am 28. Januar ernennt Pr√§sident de Arriaga den F√ľhrer der Putschisten, General Joaquim Pimenta de Castro, zum Ministerpr√§sidenten. Er bildet ein vornehmlich aus konservativen Milit√§rs bestehendes Kabinett und regiert ohne Parlament durch vom Pr√§sidenten gegengezeichnete Verordnungen (Diktatur der Schwerter). Am 14. Mai wird er durch einen Putsch von Afonso Costa nahe stehenden Offizieren gest√ľrzt, auch Pr√§sident de Arriaga muss am 26. Mai zur√ľcktreten. Te√≥filo Braga wird erneut √úbergangspr√§sident. Am 5. Oktober wird Bernardino Machado zum neuen Pr√§sidenten gew√§hlt.
  • 1916: (9. M√§rz) Portugal tritt im Ersten Weltkrieg an der Seite der Entente im Kampf gegen die Mittelm√§chte an. Gro√üe Koalition (Regierung der geheiligten Einheit ‚Äď governo da sagrada uni√£o) unter Ant√≥nio Jos√© de Almeida.
  • 1917:
    • 12. Juni: Nach gewaltt√§tigen Demonstrationen gegen die Regierung mit Toten Ausrufung des Ausnahmezustands.
    • 5. Dezember: Putsch des Sid√≥nio Pais. Aufl√∂sung des Parlaments, Suspendierung der Verfassung, Flucht von Pr√§sident Machado ins Ausland. Beginn der ‚ÄěNeuen Republik‚Äú.
  • 1918:
    • 19. Januar: Paiva Couceiro proklamiert in Porto die Wiedereinf√ľhrung der Monarchie.
    • Ende Februar: Der monarchistische Aufstand in Porto bricht zusammen.
    • April: Pais wird bei einem Referendum zum Staatsoberhaupt gew√§hlt.
    • Mai: Parlamentswahlen, die von Pais gegr√ľndete Nationalrepublikanische Partei erlangt einen √ľberw√§ltigenden Sieg
    • 14. Dezember Pais wird in Lissabon bei einem Attentat erschossen. Jo√£o do Canto e Castro wird neuer Pr√§sident.
  • 1919:
    • 11. Januar: In Santar√©m revoltieren Soldaten und Offiziere, darunter der sp√§tere Ministerpr√§sident √Ālvaro de Castro, die Pr√§sident do Canto e Castro vorwerfen, er wolle die Politik des Sid√≥nio Pais weiterf√ľhren.
    • Juni: Pr√§sident do Canto e Castro erkl√§rt seinen R√ľcktritt, kann jedoch vom Parlament zun√§chst zum Bleiben √ľberredet werden.
    • 28. Juni: Die Unterzeichnung des Versailler Vertrags beendet offiziell den ersten Weltkrieg.
    • September: Gr√ľndung des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (CGT). Gr√ľndung der Kommunistischen Partei (PCP)
    • Oktober: Erneuter R√ľcktritt von do Canto e Castro. Ant√≥nio Jos√© de Almeida wird sein Nachfolger.
  • 1921 (19. Oktober): Lissabonner Blutnacht: Bei einem Aufstand der Republikanischen Garden wird der Ministerpr√§sident und eine Reihe anderer Politiker get√∂tet.
  • 1923: Manuel Teixeira Gomes wird zum neuen Pr√§sidenten gew√§hlt.
  • 1925:
    • April: Ein Putschversuch von Sinel de Cordes scheitert,
    • 11. Dezember: Pr√§sident Teixeira Gomes gibt entnervt auf, tritt zur√ľck und verl√§sst das Land. Sein Nachfolger wird Bernardino Machado (zweite Amtszeit).
  • 1926:
    • 28. Mai: Beginn des Milit√§rputsches von General Gomes da Costa.
    • 31. Mai: R√ľcktritt von Pr√§sident Machado und Flucht ins Ausland. Hauptmann Mendes Cabe√ßadas wird von Machado zu seinem Nachfolger und Verteidiger der Republik ernannt.
    • 1. Juni: Mendes Cabe√ßadas trifft sich mit dem Putschgeneral Gomes da Costa und bildet mit diesem gemeinsam eine Regierungsjunta. Mendes Cabe√ßadas wird Chef der Junta, Gomes da Costa beh√§lt allerdings als Kriegsminister den Oberbefehl √ľber die Armee. Ant√≥nio de Oliveira Salazar wird in der Junta zum Finanzminister berufen und tritt so zum ersten Mal in die Regierung ein.
    • 6. Juni: Gomes da Costa marschiert mit seinen Truppen in Lissabon ein.
    • 17. Juni: Gomes da Costa setzt Mendes Cabe√ßadas als Chef der Junta ab und erkl√§rt sich selbst zum Staatsoberhaupt und Regierungschef.
    • 9. Juli: Gomes da Costa wird von General Ant√≥nio √ďscar de Fragoso Carmona gest√ľrzt.
  • 1932 (5. Juli): Ant√≥nio de Oliveira Salazar (1889‚Äď1970) wird Ministerpr√§sident. Er errichtet einen autorit√§r-korporativen Einparteienstaat nach faschistischem Vorbild, unterdr√ľckt jegliche Opposition, schafft es aber, die Staatsfinanzen zu sanieren und die innere Ordnung wieder herzustellen.
  • 1939‚Äď1945: Im Zweiten Weltkrieg bleibt Portugal neutral, gew√§hrt den USA und Gro√übritannien aber St√ľtzpunkte auf den Azoren.
  • 1949 (April): Portugal tritt der NATO bei.

1950

  • 1951 (11. Juni): Die Kolonien werden offiziell zu √úberseeprovinzen Portugals erkl√§rt.
  • ab 1960: Portugal sieht sich in seinen afrikanischen Kolonien zunehmend in einen verlustreichen Unabh√§ngigkeitskrieg verwickelt, der auch im portugiesischen Mutterland Unmut und Widerstand gegen die herrschende Diktatur ausl√∂st.
  • 1961 (18. Dezember): Portugal verliert seine Besitzungen in Indien (Goa, Dam√£o und Diu).
  • 1968 (26. September): Nach einem Schlaganfall Salazars √ľbernimmt Marcelo Caetano (1906‚Äď1980) das Amt des Regierungschefs und setzt die autorit√§re Politik seines Vorg√§ngers fort.

1970

  • 1973 (24. September): Die westafrikanische Kolonie Guinea-Bissau erkl√§rt einseitig ihre Unabh√§ngigkeit, die von Portugal jedoch erst am 10. September 1974 offiziell anerkannt wird.
  • 1974
    • 15. M√§rz: Die Regierung entl√§sst den Oberkommandierenden der Streitkr√§fte, General Francisco da Costa Gomes (1914‚Äď2001), und seinen Stellvertreter General Ant√≥nio Ribeiro de Sp√≠nola (1910‚Äď1996), der sp√§ter eine herausragende Rolle bei der Nelkenrevolution spielen sollte, da beide sich geweigert hatten, am Vortag an einer Veranstaltung zur Unterst√ľtzung der Regierung teilzunehmen.
    • 21. April: Die ‚ÄěBewegung der Hauptleute‚Äú (movimento dos capit√£es), urspr√ľnglich lediglich eine Interessenvertretung j√ľngerer Offiziere, die sich dann schnell politisierte, nennt sich in ‚ÄěBewegung der Streitkr√§fte‚Äú (Movimento das For√ßas Armadas (MFA) um, und beschlie√üt den Putsch gegen die Regierung.
    • 25. April: Nelkenrevolution: In einer weitgehend unblutigen Aktion √ľbernehmen die Streitkr√§fte die Macht. Staatspr√§sident Am√©rico Tom√°s (1894‚Äď1987; Reg. 1958‚Äď1974) und Ministerpr√§sident Marcello Caetano werden zum R√ľcktritt gezwungen und gehen ins Exil. Eine ‚ÄěNationale Rettungsfront‚Äú (Junta de Salva√ß√£o Nacional) mit Sp√≠nola an der Spitze √ľbernimmt die Macht. √Ālvaro Cunhal, Generalsekret√§r der Kommunistischen Partei Portugals (PCP) kehrt aus seinem Prager Exil nach Portugal zur√ľck.
    • 28. April: M√°rio Soares, Mitgr√ľnder und Vorsitzender der Sozialistischen Partei Portugals (PS) kehrt aus dem Exil nach Portugal zur√ľck.
    • 15. Mai: Sp√≠nola wird Staatspr√§sident und ernennt am
    • 16. Mai: Adelino da Palma Carlos (1905‚Äď1992) zum Ministerpr√§sidenten. Da Palma Carlos f√ľhrt eine gem√§√üigt sozialistische Politik und wird dabei von Staatspr√§sident Sp√≠nola unterst√ľtzt, ger√§t aber zusehends in einen Gegensatz zu radikaleren Kr√§ften innerhalb des MFA, die schlie√ülich am
    • 17. Juli seinen R√ľcktritt erreichen. Neuer Ministerpr√§sident wird Oberst Vasco dos Santos Gon√ßalves (1921‚Äď2005) der einen zunehmend radikalsozialistischen Kurs einschl√§gt (Agrarreform, Verstaatlichung der Banken usw.). Nachdem Sp√≠nola vergeblich versucht hat, gegen diesen Kurs Widerstand zu leisten, tritt er am
    • 30. September zur√ľck. Sein Nachfolger wird General Francisco da Costa Gomes. Die neue Regierung nimmt mit den verschiedenen Befreiungsbewegungen Verhandlungen auf, mit dem Ziel, die portugiesischen Kolonien in die Unabh√§ngigkeit zu entlassen. Macao wird ¬Ľchinesisches Territorium unter portugiesischer Verwaltung¬ę. Die schon 1973 einseitig proklamierte Unabh√§ngigkeit von Guinea-Bissau wird offiziell anerkannt.
  • 1975
    • 11. M√§rz: Gegen die von ihnen als Gefahr einer kommunistischen Macht√ľbernahme perzipierte Politik der Regierung putschen die Anh√§nger Sp√≠nolas. Der Putsch misslingt und Sp√≠nola muss ins spanische Exil fl√ľchten. Seine Anh√§nger werden aus der Regierung und dem MFA verdr√§ngt. Die Nationale Rettungsfront wird aufgel√∂st und durch den Revolutionsrat (Conselho da Revolu√ß√£o) ersetzt, der, mit weit reichenden Machtbefugnissen ausgestattet, sich zu einer ‚ÄěNeben- und √úberregierung‚Äú entwickelt.
    • 25. April: Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung.
    • 25. Juni: Mosambik wird in die Unabh√§ngigkeit entlassen.
    • 5. Juli: Die Kapverdischen Inseln werden in die Unabh√§ngigkeit entlassen.
    • 12. Juli: S√£o Tom√© und Pr√≠ncipe wird in die Unabh√§ngigkeit entlassen.
    • 19. September: Nach anhaltenden heftigen Machtk√§mpfen (vornehmlich zwischen Sozialisten und Kommunisten) wird Ministerpr√§sident Gon√ßalves durch eine Offiziersversammlung abgesetzt und durch den gem√§√üigteren Jos√© Baptista Pinheiro de Azevedo (1917‚Äď1983) abgel√∂st.
    • 11. November: Angola wird in die Unabh√§ngigkeit entlassen, das portugiesische Kolonialreich hat damit aufgeh√∂rt zu existieren. ‚ÄěHei√üer Sommer 1975‚Äú: Die Auseinandersetzungen zwischen gem√§√üigten und radikal sozialistischen Kr√§ften intensivieren sich, es kommt zu Stra√üenunruhen und illegale Landbesetzungen. Schlie√ülich inszeniert eine revolution√§re Soldatenbewegung unter Oberst Otelo Saraiva de Carvalho (* 1936) am
    • 20. November eine Rebellion linker Truppenteile, die von Oberst Ant√≥nio Ramalho Eanes (* 1935) niedergeschlagen wird. In der Folge wird die Armee neu strukturiert und aus der Politik herausgehalten.
    • 28. November: Osttimor erkl√§rt seine Unabh√§ngigkeit. Am folgenden Tag beginnt eine indonesische Invasion.
  • 1976
    • 2. April: Die Verfassungsgebende Versammlung verabschiedet eine neue Verfassung (Dritte Republik).
    • 25. April: Erste freie Parlamentswahlen nach der neuen Verfassung. Die Sozialisten werden st√§rkste Partei, erreichen jedoch keine Mehrheit.
    • 17. Juli: Indonesien annektiert offiziell Osttimor (Timor Leste).
    • 27. Juli: Erste freie Pr√§sidentenwahlen. General Eanes wird mit gro√üer Mehrheit gew√§hlt, sein wichtigster Gegenkandidat, Hauptmann Otelo erh√§lt nur 16,5 % der Stimmen.
    • 23. September: M√°rio Soares wird Ministerpr√§sident einer von der PS gef√ľhrten Minderheitsregierung.
    • 22. September: Portugal wird in den Europarat aufgenommen.
  • 1978: Nachdem zun√§chst die Minderheitsregierung Soares gescheitert ist (5. Dezember 1977), bricht auch eine daraufhin von Soares geschmiedete Koalition mit der CDS auseinander. Pr√§sident Eanes entl√§sst daraufhin Soares als Ministerpr√§sidenten und ernennt √ľberparteiliche Regierungen, zun√§chst unter Alfredo Nobre da Costa (1923‚Äď1996) (ab 28. August), dann unter Carlos Mota Pinto (1936‚Äď1985) (ab 22. November), schlie√ülich
  • 1979 (1. August) wird Maria de Lourdes Pintasilgo (1930‚Äď2004) erste und bisher einzige weibliche Regierungschefin Portugals. Mangels Mehrheit im Parlament war keine dieser Regierungen von langer Dauer, die Parteien einigten sich schlie√ülich auf vorgezogene Neuwahlen, die gegen Ende 1979 durchgef√ľhrt wurden und zu einem Sieg der Konservativen f√ľhrt.

1980

  • 1980: Der Wahlsieger von 1979, Francisco S√° Carneiro wird neuer Ministerpr√§sident. Bei erneuten Parlamentswahlen (5. Oktober) kann S√° Carneiro seine Mehrheit ausbauen. Bei den Pr√§sidentschaftswahlen des gleichen Jahres wird General Eanes mit gro√üer Mehrheit wieder gew√§hlt. Am 4. Dezember kommt Ministerpr√§sident S√° Carneiro bei einem Flugzeugabsturz unter bis heute ungekl√§rten Umst√§nden ums Leben. Diogo Freitas do Amaral wird kurzzeitig amtierender Ministerpr√§sident.
  • 1981 (9. Januar): Francisco Pinto Balsem√£o (* 1937) wird als Nachfolger des verungl√ľckten S√° Carneiro neuer Ministerpr√§sident.
  • 1982 (12. August): Eine Verfassungsreform f√ľhrt zur Aufhebung einer Reihe von Relikten aus der Zeit der Nelkenrevolution in der Verfassung, unter anderem auch des 1974 gegr√ľndeten Revolutionsrates.
  • 1983: Nachdem die konservative Koalition zerfallen ist und Pinto Balsem√£o seine parlamentarische Mehrheit verloren hat, tritt er als Ministerpr√§sident zur√ľck. Es kommt zu Neuwahlen (25. April). Diese werden von den Sozialisten gewonnen, die zwar st√§rkste Partei werden, die Mehrheit jedoch erneut verfehlen. Nach schwierigen Verhandlungen gelingt es M√°rio Soares mit den Konservativen eine Koalition zu vereinbaren, so er wird am 9. Juni zum zweiten Mal Ministerpr√§sident.
  • 1985: Die Koalition mit den Sozialisten f√ľhrt innerhalb der konservativen Sozialdemokraten zur Zerrei√üprobe. An√≠bal Cavaco Silva (* 1939) gelingt es Pinto Balsem√£o als Parteichef zu st√ľrzen, er beendet daraufhin die Koalition mit den Sozialisten, was zum R√ľcktritt von Ministerpr√§sident Soares und zu vorgezogenen Neuwahlen (6. Oktober) f√ľhrt. Diese werden von den Konservativen gewonnen, die zwar st√§rkste Partei wurden, aber ebenfalls keine Mehrheit erlangte; Cavaco Silva wird daraufhin (am 6. November) neuer Ministerpr√§sident als F√ľhrer einer Minderheitsregierung. Oberst Otelo, einer der f√ľhrenden Pers√∂nlichkeiten der Nelkenrevolution und gegen Eanes gescheiterter Pr√§sidentschaftskandidat der Linken, wird in einem umstrittenen Prozess wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt; er verb√ľ√üt f√ľnf Jahre Gef√§ngnisstrafe, bis er schlie√ülich 1996 amnestiert wird.
  • 1986 (1. Januar): Portugal wird Mitglied der Europ√§ischen Gemeinschaft (EG). Bei den Pr√§sidentschaftswahlen kann General Eanes lt. Verfassung nicht mehr kandidieren (Beschr√§nkung auf zwei Amtszeiten), in der zweiten Runde werden die Wahlen von M√°rio Soares gewonnen, der am 9. M√§rz Nachfolger von Ramalho Eanes im Amt des Staatspr√§sidenten wird, als erster Zivilist in diesem Amt seit 60 Jahren.
  • 1987: Nachdem die Minderheitsregierung Cavaco Silva gescheitert ist, kommt es zu vorgezogenen Neuwahlen (19. Juli), bei diesen gelingt es Silva, zum ersten Mal √ľberhaupt seit Beginn der Dritten Republik, eine absolute Mehrheit der Parlamentsmandate f√ľr seine Sozialdemokraten zu erringen.

1990

  • 1991: Regul√§re Pr√§sidentschafts- (13. Januar) und Parlamentswahlen (6. Oktober), die von den beiden Amtsinhabern, Pr√§sident Soares und Ministerpr√§sident Cavaco Silva, souver√§n gewonnen werden. Letzterer kann seine absolute Mehrheit noch ausbauen.
  • 1995: Eine wirtschaftliche Rezession f√ľhrt zu steigender Unzufriedenheit der Bev√∂lkerung mit der konservativen Regierung. Bei den 1995 abgehaltenen regul√§ren Parlamentswahlen verlieren die konservativen Sozialdemokraten ihre Mehrheit (Ministerpr√§sident Cavaco Silva war nicht mehr angetreten) mit Ant√≥nio Guterres (* 1949) wird am 28. Oktober wieder ein Sozialist Regierungschef.
  • 1996 (9. M√§rz): Der Sozialist Jorge Sampaio (* 1939) wird neuer Staatspr√§sident, sein Gegenkandidat war der vormalige Ministerpr√§sident Cavaco Silva.
  • 1999 (20. Dezember): Portugal tritt seine Kolonie Macao an China ab.

2000

  • 2001: Bei Kommunalwahlen m√ľssen die Sozialisten herbe Verluste einstecken, Ministerpr√§sident Guterres l√§sst daraufhin vorgezogene Neuwahlen abhalten, diese werden am
  • 2002 (17. M√§rz) von den Sozialdemokraten gewonnen, Jos√© Manuel Dur√£o Barroso (*1956) wird neuer Ministerpr√§sident. Bereits am 1. Januar hatte die europ√§ische Gemeinschaftsw√§hrung Euro den Escudo als portugiesisches Zahlungsmittel abgel√∂st.
  • 2003: Im Irak-Krieg geh√∂rt die Regierung von Dur√£o Barroso zu den europ√§ischen Unterst√ľtzern des umstrittenen amerikanischen Angriffs auf den Irak. Portugal nimmt mit 128 Soldaten an der ‚ÄěKoalition der Willigen‚Äú teil.
  • 2004: Nachdem sich die Staats- und Regierungschefs der Europ√§ischen Union beim Europ√§ischen Rat auf Dur√£o Barroso als neuen Pr√§sidenten der Europ√§ische Kommission geeinigt haben (29. Juni), tritt dieser am 17. Juli als portugiesischer Ministerpr√§sident zur√ľck. Dur√£o Barroso ist seit dem 22. November als Nachfolger des Italieners Romano Prodi Pr√§sident der EU-Kommission, der erste Portugiese in diesem Amt. Nachfolger als portugiesischer Ministerpr√§sident wird Pedro Santana Lopes (*1956). Die kurze Amtsperiode von Santana Lopes (‚ÄěK√∂nig des Nachtlebens von Lissabon‚Äú, ‚Äěportugiesischer Berlusconi‚Äú) ist von Krisen √ľberschattet, Pr√§sident Sampaio wirft ihm √∂ffentlich ‚ÄěUnf√§higkeit‚Äú vor, Santana Lopez tritt schlie√ülich am 30. November als Ministerpr√§sident zur√ľck, bleibt jedoch bis zu den vorgezogenen Neuwahlen gesch√§ftsf√ľhrend im Amt.
  • 2005: Die vorgezogenen Neuwahlen (20. Februar) werden zum Desaster f√ľr die Konservativen (‚Äěpolitisches Erdbeben‚Äú), die unter der 30%-Marke bleiben. Die Sozialisten erringen die absolute Mehrheit. Jos√© S√≥crates (*1957) von den Sozialisten wird neuer Ministerpr√§sident, er beendet das portugiesische Engagement im Irak.
  • 2006: Bei den Pr√§sidentschaftswahlen vom 22. Januar gewinnen allerdings wieder die Konservativen, An√≠bal Cavaco Silva gelingt es bereits im ersten Wahlgang sich gegen mehrere Gegenkandidaten, darunter auch Expr√§sident M√°rio Soares, durchzusetzen, er wird so, im zweiten Anlauf, doch noch portugiesischer Pr√§sident.
  • 2009: Bei den Parlamentswahlen verliert das PS, regiert aber in einer Minderheitsregierung weiter.

2010

Siehe auch


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