Zunft

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Zunft
Bildtafel von Zunftwappen: Schuster, Fischer, Schlachter, Tuchmacher, Weber, Maler, MĂŒller, Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Schneider, BĂ€cker, Sattler, Schmiede, KĂŒrschner, Gerber

Als ZĂŒnfte – von althochdeutsch zumft „zu ziemen“ â€“ bezeichnet man stĂ€ndische Körperschaften von Handwerkern, wie sie seit dem Mittelalter zur Wahrung gemeinsamer Interessen entstanden und bis ins 19. Jahrhundert existierten, in gewissen Regionen (beispielsweise in der Schweiz) bis heute.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Seit dem Mittelalter und bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde der Zusammenschluss von Handwerkermeistern neben dem heute gĂ€ngigen Begriff Zunft auch als Gilde, Gaffel, Amt (norddeutsch), Einung, Innung (sĂ€chsisch) oder Zeche bezeichnet. Heute benennt die wissenschaftssprachliche Übereinkunft in Deutschland den Zusammenschluss von Handwerkermeistern als Zunft und den Zusammenschluss von Kaufleuten seit dem Mittelalter und der frĂŒhen Neuzeit als Gilde, wohingegen in England mit guild beides bezeichnet wird.

Geschichte

VorlĂ€ufer stĂ€dtischer ZĂŒnfte gibt es seit der römischen Kaiserzeit; sie dienten vor allem der steuerlichen Erfassung ihrer Mitglieder, die daraufhin oft auf das Land auswichen.[1] Der Lateinische Ausdruck fĂŒr diese Vereinigungen war collegium, beispielsweise der Handwerker, Kaufleute, Schiffsbesitzer, BĂ€cker, usw. [2]

Die AnfĂ€nge des Zunftwesens in Mittel-, West- und Nordwesteuropa sind im Hochmittelalter zu finden, als zahlreiche neue StĂ€dte gegrĂŒndet wurden (StadtgrĂŒndungsphase) und die Handwerkszweige in den StĂ€dten sich stark spezialisierten.

Urkundlich als erste Zunft ist die der Weber in Mainz bekannt (Urkunde aus dem Jahr 1099). Allerdings gilt diese Urkunde als FÀlschung, da sie nachweislich auf Mitte des 13. Jahrhunderts datiert werden kann. Als tatsÀchlich Àlteste, urkundlich belegte Zunft gilt die der Kölner Bettdeckenweber aus dem Jahr 1149.

In den meisten deutschen StĂ€dten lag die Macht anfĂ€nglich nur in den HĂ€nden des stĂ€dtischen Adels und der Ministerialen der Klöster, Bischöfe und Hochadligen. SpĂ€ter konnten sich auch die Fernkaufleute gewisse Rechte und politischen Einfluss erkĂ€mpfen. Die Vereinigung von Handwerkern zu ZĂŒnften, das heißt ihre Organisation innerhalb der Stadt, war wĂ€hrend dieser Zeit oft stark eingeschrĂ€nkt oder gar verboten. Ein Zusammenschluss einer Gruppe von Menschen oder eine „Verschwörung“, wie man es zeitgenössisch nannte, bedeutete in einer mittelalterlichen Stadt fast immer politische Einflussnahme. Die GrĂŒndung der ZĂŒnfte war in manchen StĂ€dten mit einer so genannten „Zunftrevolution“ oder einem politischen Umschwung verbunden. In bestimmten StĂ€dten im Heiligen Römischen Reich gelang es den in ZĂŒnften organisierten Handwerkern sogar, die politische Macht ganz oder teilweise zu erobern. In den Freien ReichsstĂ€dten galten zeitweise Zunftverfassungen, die den ZĂŒnften eine Dominanz im Rat garantierten, was jedoch nicht mit einer Demokratie im modernen Sinne gleichgesetzt werden kann.

Allerdings wurde den ZunftbĂŒrgern hĂ€ufig von vornherein weitgehende Autonomie zuerkannt, um die NeugrĂŒndung von StĂ€dten fĂŒr HĂ€ndler und Handwerker attraktiv zu gestalten (z.B. Freiburg im Breisgau im Jahre 1120).

In Pfullendorf fanden jĂ€hrlich Wahlen statt. Diese Verfassung hatte Modellcharakter fĂŒr viele StĂ€dte und galt in Pfullendorf von 1383 bis 1803. Auch ZĂŒrich hatte bis 1798 eine „Zunftverfassung“. Im SpĂ€tmittelalter und der FrĂŒhen Neuzeit verschwanden jedoch die meisten Zunftrepubliken unter dem Druck der LandesfĂŒrsten wieder und der politische Einfluss der ZĂŒnfte wurde eingeschrĂ€nkt oder ganz auf das Wirtschaftsrecht reduziert. Gegen die Macht der Meister innerhalb der ZĂŒnfte bildeten die Gesellen ab dem SpĂ€tmittelalter eigene Gesellenvereinigungen.

Die nicht in ZĂŒnften organisierten Handwerker gehörten mancherorts zur sogenannten Meinheit. Sie hatten dann, im Gegensatz zu ungebundenen Gesellen, Knechten und Tagelöhnern jedoch hĂ€ufig das BĂŒrgerrecht.

Das Leben des einzelnen Gruppenmitgliedes wurde von der Zunft entscheidend bestimmt. Nur in dieser Einbindung konnte der Zunfthandwerker seiner Arbeit nachgehen. Die Gemeinschaft der Amtsmeister regelte die Arbeit und BetriebsfĂŒhrung des Einzelnen, die QualitĂ€t seiner Produkte, kontrollierte seine sittliche LebensfĂŒhrung, sicherte ihn in individuellen NotfĂ€llen und betete fĂŒr das Seelenheil ihrer verstorbenen Mitglieder.

Das Ende der ZĂŒnfte

Die Entwicklung des Handwerks vom Ende des Mittelalters bis zum 19. Jahrhundert wird durchweg als anhaltender Niedergang beschrieben unter den mit EinfĂŒhrung der Gewerbefreiheit ein befreiender Schlussstrich gezogen wurde. An Ausartungen des Brauchtums und ĂŒberholten sozialen Strukturen ist diese Beurteilung oft verdeutlicht worden. In der neueren Forschung[3] hat man auch die wirtschaftlichen HintergrĂŒnde dieses Abstiegs durchleuchtet. Von konjunkturellen Schwankungen abgesehen, sanken die Realeinkommen der Handwerker erheblich. Ursachen waren die Trennung von Produktion und Handel (Verlagssystem), großbetriebliche Produktionsformen (Manufaktur und Massenproduktion), die Konkurrenz neuer und zum Teil importierter Warenarten und die weitrĂ€umige Verflechtung des Marktes durch neue Straßen und Verkehrsmittel.

Ob das Ende der ZĂŒnfte als eine Geschichte des Niedergangs zu begreifen ist oder doch auch Elemente der protoindustriellen Neuorientierung enthielt, ist noch Gegenstand der wissenschaftlichen Kontroverse[4].

Der Zunftzwang und damit die wirtschaftliche Macht der ZĂŒnfte wurden nach der französischen Revolution in den von Napoleon dominierten Gebieten auch im deutschsprachigen Raum stark eingeschrĂ€nkt oder ganz aufgehoben. Nach den Befreiungskriegen wohl stellenweise wiederhergestellt riss die Diskussion um die Gewerbefreiheit nun nicht mehr ab und spĂ€testens 1871 ist diese im Deutschen Reich ĂŒberall eingefĂŒhrt.

In der Schweiz verloren die ZĂŒnft mit der Helvetischen Revolution 1798 vorĂŒbergehend ihre Macht, die sie aber teilweise mit der Mediation 1803 wieder zurĂŒckerlangten. In den meisten Stadtkantonen wurden die Vorrechte der ZĂŒnfte um 1830 mit der erzwungenen politischen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Land- mit der Stadtbevölkerung beseititgt, in Basel jedoch erst in den 1870er-Jahren.

Moderne Nachfolger der ZĂŒnfte sind die Handwerkerinnungen. Mancherorts bestehen ZĂŒnfte noch als Handwerkervereinigungen oder als folkloristische oder gesellschaftliche Vereine, wie in ZĂŒrich. In den verschiedenen deutschen Gebieten wurden durch die EinfĂŒhrung der Gewerbefreiheit im Laufe des 19. Jahrhunderts die ZĂŒnfte abgeschafft.

Regionale Besonderheiten

Aachen und Köln

In Aachen und Köln wirkten ZĂŒnfte in den als „Gaffeln“ bezeichneten Corporationen, wie es in Köln im Verbundbrief von 1396 und in Aachen im Aachener Gaffelbrief von 1450 verfassungsgemĂ€ĂŸ festgeschrieben wurde.

Bern

In Bern sind die Gesellschaften und ZĂŒnfte bis heute Körperschaften des öffentlichen Rechts.

ZĂŒrich

In einigen StĂ€dten hat sich der Umzug einer Zunft oder von Zunftvereinigungen in der Form von Stadtfesten erhalten. In ZĂŒrich besteht mit dem SechselĂ€uten der bekannteste jĂ€hrliche Umzug der ZĂŒnfte, die hier den Status privatrechtlicher Vereine haben.

Recht und Brauch im alten Handwerk

Das Zunftrecht galt in StĂ€dten, außerhalb dieser war das Handwerk zunftfrei oder unzĂŒnftig. Im Gegensatz zu den ZusammenschlĂŒssen der Großkaufleute waren ZĂŒnfte immer institutionell beschrĂ€nkt auf das jeweilige Einzelhandwerk - auch das ein Grund fĂŒr ihre weitgehende politische Ohnmacht. Außerhalb der ZĂŒnfte durfte der Zunftberuf nicht ausgeĂŒbt werden. Die Zunft umfasste alle AusĂŒbenden. Mitunter waren mehrere Ă€hnliche Berufe in einer Zunft zusammengefasst, um eine in der Stadt wirksame Macht zu erreichen.

Die ZĂŒnfte kontrollierten in den StĂ€dten die Anzahl der Handwerker und Gesellen und legten ihre Regeln schriftlich in obrigkeitlich genehmigten Zunftordnungen fest. Damit wurden die Regeln der jeweiligen Handwerksberufe aufgestellt und ĂŒberwacht, beispielsweise Ausbildungsregeln, Arbeitszeiten, ProduktqualitĂ€t und Preise. Dadurch sicherten sie, dass nicht zu viel Konkurrenz innerhalb einer Stadt entstand. Nach innen hatten die ZĂŒnfte das Recht der Selbstverwaltung, so regelten die Meister ihre Geldangelegenheiten eigenstĂ€ndig, wĂ€hlten ihre Vorsteher ("Älteste", Altmeister und Jungmeister) selbst, hatten teilweise auch die Gesellenkasse in Verwahr, konnten Strafen verhĂ€ngen und Bußgelder eintreiben, besaßen also gewisse gewerbepolizeiliche Befugnisse. Neben der wirtschaftlichen Funktion nahmen die ZĂŒnfte auch religiöse, soziale, kulturelle und militĂ€rische Aufgaben wahr. Bei schwerer Krankheit und Tod erhielten die Meisterfamilien eine UnterstĂŒtzung aus der Amtslade.

Die Gesellen (wie auch die Meisterfrauen) hatten kein Mitspracherecht. Sie und die Lehrlinge gehörten gleichwohl als Mitglieder minderen Rechts zur Zunft. Dies entsprach der Vorstellung fĂŒr das Ganze Haus mit dem Meister als Hausvater.

Wichtige Entscheidungen waren von Zustimmung oder Wohlwollen der Obrigkeit abhĂ€ngig. Um eine Kontrolle zu gewĂ€hrleisten, war in jeder Zunft die Morgensprache als ein regelmĂ€ĂŸiger Versammlungstermin eingerichtet, die nicht ohne Anwesenheit eines Ratsvertreters stattfand. Jede Zunft hatte einen festen Ort fĂŒr diese ZusammenkĂŒnfte. Altem Herkommen entsprach es, sich in einer bestimmten Kirche zu versammeln, andere hatten das Privileg im Rathaus zusammen zukommen und vermögendere Korporationen besaßen ein eigenes Zunfthaus, das auch fĂŒr Festlichkeiten der Mitglieder diente. Ärmere ZĂŒnfte trafen sich im Gasthaus, in der Gesellenherberge oder im Haus eines Meisters. Zur Tagesordnung gehörten Rechnungslegung, Meldungen zum MeisterstĂŒck, Freisprechungen von Lehrjungen. Klagen unter den Mitgliedern nahmen breiten Raum ein und waren möglichst hier zu schlichten, bevor die öffentliche Gerichtsbarkeit in Anspruch genommen wurde. Die Morgensprache fand bei geöffneter Lade statt. In dieser meist anspruchsvoll gestalteten Truhe waren die Urkunden, Gelder, Siegelstempel, und SilbergefĂ€ĂŸe (Willkomme) der Zunft aufbewahrt und konnten von allen gesehen werden. Schon vor dem Ende der ZĂŒnfte wurden die Morgensprachen dort abgeschafft wo Gewerbekammern eingerichtet wurden.

Im SpĂ€tmittelalter grĂŒndeten ZĂŒnfte auch Singschulen, an denen der Meistergesang gepflegt wurde.

Auch die Gesellen hielten regelmĂ€ĂŸige Versammlungen (mancherorts ‚Krugtage‘ genannt) ab. Die ritualisierten Trinksitten ahmten die zeremoniellen GebrĂ€uche bei der Morgensprache der Meister nach. Auch die Gesellen besaßen oft eine Lade, die Ă€hnlich wichtig genommen wurde wie die der Meister und daher wurde oft die Gesellenkorporation selbst auch kurz als „Gesellenlade“ bezeichnet. Das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl einer Gesellenlade war ungleich stĂ€rker als das der Gesamtheit der Gesellen einer Stadt. Wo die Gesellen kĂ€mpferisch wurden, geschah dies nicht in einem modernen, politischen Sinne, der etwa auf soziale Verbesserungen abgezielt hĂ€tte, sondern hatte die Wahrung ĂŒberkommener Rechte, BrĂ€uche und Ehrbegriffe zum Ziel. Dennoch sahen Meister und Obrigkeit in den Gesellenunruhen des 18. und 19. Jahrhunderts eine so große Bedrohung, dass viele Gesellenladen aufgehoben wurden.

LebenslÀufe und soziale Strukturen

Lehrlinge

Wer als Lehrling aufgenommen werden wollte, kam in der Regel aus einer BĂŒrgerfamilie. Zu den Voraussetzungen fĂŒr den Eintritt in die Zunft gehörte durchweg und ausdrĂŒcklich die ehrbare Geburt. Auch durften seine Eltern nicht aus unehrbaren Berufen stammen, als solche galten, regional unterschiedlich, zum Beispiel Abdecker, Gerber, Henker, MĂŒller oder SchĂ€fer[5] Die Lehrzeit dauerte 3-6 Jahre. Die Zahl der Lehrlinge war in den einzelnen Gewerken unterschiedlich. Goldschmiede beschĂ€ftigten durchschnittlich nur einen Lehrling oder Gesellen, im Textilgewerbe waren es sehr viel mehr. Die Lehrlinge waren weitgehend rechtlos und vom Meister abhĂ€ngig. In ZĂŒnften mit großem HilfskrĂ€ftebedarf bezogen sie einen (geringen) Lohn, in den meisten Berufen mussten sie bzw. ihre VĂ€ter ein Lehrgeld bezahlen. FĂŒr sie gab es keine Organisationsform und keine Interessenvertretung. Daher besitzen wir auch keine auf diese Gruppe bezogenen materiellen HandwerksaltertĂŒmer, wie sie von Meistern und Gesellen ĂŒberliefert wurden. Das GesellenstĂŒck als Abschluss der Lehrzeit ist wohl erst um 1800 aufgekommen.

Gesellen

Am Ende der Lehrzeit wurde der Lehrjunge, hĂ€ufig in der Versammlung der ganzen Zunft, „ausgeschrieben“, „losgegeben“ oder „abgedingt“. Mit diesem Ereignis waren in manchen ZĂŒnften grobe BrĂ€uche (HĂ€nseln) verbunden. Die Ableistung einer Wanderung war im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung keineswegs in allen ZĂŒnften vorgeschrieben. Wo sie gefordert wurde, war dies erst in nachmittelalterlicher Zeit eingefĂŒhrt worden. Ob ein Geselle heiraten durfte, war fĂŒr die ganze Zunft einheitlich festgelegt. Im 18. Jahrhundert verschlechterte sich die soziale Lage der Gesellen zusehends. In noch stĂ€rkerem Maß als heute war der Arbeitsmarkt von saisonalen und konjunkturellen Schwankungen abhĂ€ngig. Unruhen und Arbeitsniederlegungen nahmen zu, zielten aber selten direkt auf die Beseitigung sozialer MissstĂ€nde ab, sondern hatten hĂ€ufig Ehrensachen zum Anlass; indirekt war auch dies freilich ein Ausdruck der ungelösten sozialen Probleme. Gesellenkorporationen waren vor allem nach innen stark, ĂŒber ein dumpf empfundenes GerechtigkeitsgefĂŒhl hinaus waren sie vor dem 19. Jahrhundert nur selten in der Lage, sich politisch zu artikulieren. Das BĂŒrgerrecht erwarb der Geselle in der Regel nicht. Vielen Gesellen fehlte das nötige Kapital, um sich als Meister selbstĂ€ndig zu machen. Chancen zu sozialem Aufstieg boten sich oft nur durch Übernahme einer Werkstatt auf dem Wege der Heirat mit Tochter oder Witwe des Meisters.

Meister

Je angesehener und vermögender eine Zunft war, um so stĂ€rker war das BedĂŒrfnis der Meisterfamilien, sich nach außen abzuschließen und den Eintritt von Fremden zu behindern. Meistersöhne wurden bevorzugt, wenn sie eine Meistertochter aus dem gleichen Gewerbe heirateten („geschlossene Heiratskreise“). Man drosselte den Zugang durch Begrenzung der zugelassenen Meisterzahl oder eine Zulassungsquote pro Jahr. Gesellen, die Meister werden wollten, hatten je nach Stadt, Zunft und historischer Situation weitere Bedingungen zu erfĂŒllen.

  • Der Bewerber musste eine gewisse Zeit als Geselle am Ort gearbeitet haben.
  • In vielen aber nicht allen ZĂŒnften war eine mehrjĂ€hrige Gesellenwanderung abzuleisten.
  • Ein MeisterstĂŒck war auf eigene Kosten anzufertigen.
  • MĂ€ngel daran wurden nur zu gern bei den prĂŒfenden Meistern gefunden und waren wiederum mit einer Geldbuße zu sĂŒhnen.
  • Das BĂŒrgeraufnahmegeld war zu zahlen.
  • FĂŒr die WehrfĂ€higkeit war in manchen StĂ€dten ein eigener Brustpanzer anzuschaffen oder zu fertigen.
  • Es waren verschiedene BetrĂ€ge an die Zunft, die BegrĂ€bniskasse und an den Meister, bei dem das MeisterstĂŒck gearbeitet wurde, zu zahlen.
  • War der Versammlungsort der Zunft eine Kirche, konnten Abgaben fĂŒr Wachskerzen fĂ€llig sein.
  • Es war der Besitz eines Hauses nötig oder das nötige Geld vorzulegen.
  • Die Aufnahme war mit einem Mahl von mehreren GĂ€ngen fĂŒr alle Meister der Zunft verbunden.

Die hohen Anforderungen beim Zugang zur MeistertĂ€tigkeit waren nur teilweise mit der Sorge um einen hohen QualitĂ€tsstandard begrĂŒndbar. NatĂŒrlich ging es auch darum, die Nachfrage mit dem Leistungsangebot in Abstimmung zu bringen und die Konkurrenz gering zu halten. Durch das beherrschende Angebotsmonopol wurden die Preise kartellartig von der Zunft festgelegt.

Handwerker außerhalb der ZĂŒnfte

Neben den ZĂŒnften gab es „Freie Gewerbe“ und SozietĂ€ten, die im Rang weniger geachtet waren und meist auch in geringerem Maße obrigkeitlich beaufsichtigt waren. In ihren Sitten und Einrichtungen eiferten sie gleichwohl dem Vorbild der angesehenen ZĂŒnfte nach.

Handwerker, die sich als KĂŒnstler durch besonderes Können auszeichneten oder als Unternehmer mit ihrer Wirtschaftskraft aus dem Zunftniveau herausragten, bekamen von der Obrigkeit gelegentlich den Status eines Freimeisters. Sie sind vergleichbar den Hofhandwerkern, die als BeschĂ€ftigte des Adels den stĂ€dtischen Ordnungsstrukturen entzogen waren.

ZĂŒnfte besaßen auf die Arbeiten, auf die sie privilegiert waren, ein Monopol. Allenfalls auf Messen oder JahrmĂ€rkten durften konkurrierende Produkte angeboten werden. Doch gab es allerorten eine quantitativ schwer zu fassende Schicht von Handwerkern, die in Norddeutschland so genannten Bönhasen, die außerhalb der ZĂŒnfte heimlich arbeiteten. Darunter waren Soldaten, die von ihrem Sold nicht leben konnten, Seeleute, die sich im Winter Arbeit an Land suchen mussten. Es gab darunter Gesellen, die wegen Heirat oder anderen „Verfehlungen“ aus der Zunft ausgeschlossen worden oder sonst irgendwie in ihrer Handwerkerlaufbahn gescheitert waren. Von den Zunftmeistern wurden sie angefeindet und verfolgt, als Bönhasen lĂ€cherlich gemacht und als „Pfuscher“, „Störer“ oder „StĂŒmper“ abqualifiziert. Es wurde ihnen auch mit Gewalt „das Handwerk gelegt“, indem die Zunftmeister bei ihnen eindrangen und Arbeiten samt Werkzeugen an sich nahmen. Von den Obrigkeiten wurden diese GewalttĂ€tigkeiten geduldet, doch die „kleinen Leute“ ergriffen bei diesen gelegentlich in SchlĂ€gereien ausartenden „Bönhasenjagden“ oft die Partei der billiger arbeitenden Illegalen. Ferner gehörten zur handwerklichen Unterschicht Flickschuster und Kesselflicker, die vielen HilfskrĂ€fte in den Textilgewerben und Ă€hnlich gering qualifizierte Berufen, die teils in der Zunft, teils außerhalb, teils geduldet, teils verfolgt, teils in der Stadt, teils in den VorstĂ€dten und auf dem Lande, aber immer nur am Rande des Existenzminimums ihr Auskommen fanden.

Frauen

Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern begĂŒnstigte eine Entwicklung, die im 17. Jahrhundert abgeschlossen war. Es fĂŒhrte zu einer VerdrĂ€ngung der Frau aus den HandwerkszĂŒnften oder wenigstens zur BeschrĂ€nkung fĂŒr Frauen auf wenige Berufe. [6]. Nach Etienne Boileau, PrĂ©vĂŽt von Paris, ist ĂŒberliefert, dass von etwa hundert Handwerksberufen mindestens fĂŒnf reine Frauenberufe waren, außerdem gab es einige gemischte.

„Gewerbe, in denen Frauen das Monopol hatten, waren auf der gleichen Basis organisiert wie die von MĂ€nnern betriebenen, und den Branchen, in denen MĂ€nner und Frauen gleichermaßen tĂ€tig waren, traten Frauen zu den gleichen Bedingungen bei wie MĂ€nner und waren dem gleichen Reglement unterworfen.“

– Eileen Power[7]

FĂŒr Köln findet sich ein Beleg fĂŒr eine gemischte Zunft.

„Die Goldspinnerinnen waren mit einem Teil der GoldschlĂ€ger zu einer Zunft vereinigt.“

– Edith Ennen: Gemischte Berufe in Köln[8]

Es gab allerdings ZĂŒnfte, die Frauen als Zunftmitglieder akzeptierten wie die Garnmacher, die Seidenweber und die Seidenmacher. Als Familienangehörige waren Frauen an einigen Leistungen der ZĂŒnfte beteiligt, konnten aber meist keine Vollmitgliedschaft erwerben.[9]

Viele Zunftordnungen enthielten die Vorschrift: Stirbt ein Meister,„ muß die Witwe innerhalb von ein bis zwei Jahren erneut heiraten, ansonsten verliert sie die Werkstatt ihres Mannes.“ In einigen StĂ€dten war es auch möglich, dass die Witwe im Namen des Sohnes und Nachfolgers das GeschĂ€ft bis zur MĂŒndigkeit weiterfĂŒhrte.

Juden

Juden war die Mitgliedschaft in einer Zunft seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit verwehrt. Deshalb mussten sie sich mit Handel und Geldwirtschaft den Lebensunterhalt erwerben, denn auch Landbesitz war ihnen zumeist verwehrt.

Slawen

Im slawisch-deutschen Grenzgebiet mussten die Zunftmeister ĂŒblicherweise Deutsche sein. So war ein Zuzug verhindert.

Soziologie

Die ZĂŒnfte bildeten ein soziales, ökonomisches und religiöses System zur Regelung von Rohstofflieferungen, BeschĂ€ftigungszahlen, Löhnen, Preisen, Absatzmengen bis hin zur Witwenversorgung. ZĂŒnfte umfassten mitunter mehrere Berufsgruppen. Äußeres Zeichen waren nach mittelalterlicher Tradition je nach Zunftordnung Wappen, Zunftzeichen und Zunftkleidung.

Die ZĂŒnfte schrieben ihren Mitgliedern zur Sicherung von QualitĂ€ten Produktionsmethoden vor. Dadurch wehrten sie zwar Überproduktionen ab, andererseits verhinderten sie die EinfĂŒhrung neuer, produktiverer, eventuell weniger gesundheitsgefĂ€hrdender Produktionstechniken. Sie garantierten ihren Mitgliedern ein standesgemĂ€ĂŸes, also „gerechtes“ Einkommen. Den Verbrauchern war durch Ausschalten von Preiswettbewerb ein stabiles Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis garantiert – allerdings auf hohem Preis-Niveau.

Literatur

  • Allgemeine Zunft-Ordnungen FĂŒr Samtliche, in denen HochfĂŒrstlich-Baden-Badischen Landen angesessene KĂŒnstlere, Profeßionisten und Handwerkere. Rastatt 1769 (Digitalisat)
  • Berent Schwineköper (Hrsg.): Gilden und ZĂŒnfte. KaufmĂ€nnische und Gewerbliche Genossenschaften im frĂŒhen und hohen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-6629-5 (Konstanzer Arbeitskreis fĂŒr Mittelalterliche Geschichte VortrĂ€ge und Forschungen 29).
  • Gerhard Deter: Rechtsgeschichte des westfĂ€lischen Handwerks im 18. Jahrhundert. Das Recht der Meister. Aschendorff, MĂŒnster 1990, ISBN 3-402-06792-7 (Geschichtliche Arbeiten zur westfĂ€lischen Landesforschung, Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe 8), (Zugleich: MĂŒnster, (Westfalen), Univ., Diss., 1987).
  • Evamaria Engel: Die deutsche Stadt des Mittelalters. C. H. Beck, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-406-37187-6 (Beck's historische Bibliothek).
  • Heinz-Gerhard Haupt (Hrsg.): Das Ende der ZĂŒnfte. Ein europĂ€ischer Vergleich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-35167-4 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 151), (Digitalisat).
  • Arnd Kluge: Die ZĂŒnfte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-09093-3.
  • Karl Heinrich Rau: Ueber das Zunftwesen und die Folgen seiner Aufhebung. Goeschen, Leipzig 1816 (Digitalisat).
  • Knut Schulz: Handwerk, ZĂŒnfte und Gewerbe. Mittelalter und Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-20590-5.
  • Thomas Weyrauch: Handwerkerorganisationen in der vorindustriellen Stadt. Ein interkultureller Vergleich des Handwerktums in Asien, Afrika und Europa. VVB Laufersweiler, Wettenberg 1996, ISBN 3-930954-02-8 (Edition historique).
  • Thomas Weyrauch: Craftsmen and their Associations in Asia, Africa and Europe. VVB Laufersweiler, Wettenberg 1999, ISBN 3-89687-537-X (Edition historique).
  • Rudolf Wissel: Des alten Handwerks Recht und Gewohnheit. 2. erweiterte und bearbeitete Auflage. Bd. 1–3, Colloqium-Verlag, Berlin 1971, 1974, 1981 (Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 7, ISSN 0343-0529).
  • Klaus Schwarz: Die Lage der Handwerksgesellen in Bremen wĂ€hrend des 18. Jahrhunderts. (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv Bremen 44) Bremen 1975.
  • Michael StĂŒrmer: Herbst des Alten Handwerks, Quellen zur Sozialgeschichte des 18. Jahrhunderts, MĂŒnchen 1979.
  • K. Wesoly: Der weibliche Bevölkerungsanteil 
 Frauen im zĂŒnftigen Handwerk. In: Zeitschrift fĂŒr die Geschichte des Oberrheins, 128, 1980, S. 69-117.

Weblinks

 Commons: Zunftwappen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Zunfthaus â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Meier, Chr. (Hrsg.), Die okzidentale Stadt nach Max Weber. Zum Problem der Zugehörigkeit in Antike und Mittelalter, MĂŒnchen 1994
  2. ↑ Fachliteratur zum Thema: J.-P. Waltzig: Étude historique sur les corporations professionnelles chez les Romains I-IV, Louvain 1895-1900
  3. ↑ Wilhelm Abel: Handwerksgeschichte in neuer Sicht. Göttingen 1978. Michael StĂŒrmer: Herbst des Alten Handwerks. MĂŒnchen 1979.
  4. ↑ Heinz-Gerhard Haupt: Das Ende der ZĂŒnfte. Ein europĂ€ischer Vergleich. Göttingen 2002
  5. ↑ Die Reichshandwerksordung von 1731 hatte diese AusschlĂŒsse mit wenig Erfolg zu verhindern gesucht: „Demnach auch allbereits in der Policey-Ordnung de Anno 1548. Tit. 37. und 1577. Tit. 38. wegen gewisser Persohnen versehen / daß deren Kindern von denen Gafflen / Aembtern / GĂŒlten / Innungen / ZĂŒnfften und Handwerckern nicht ausgeschlossen werden sollen. Als hat es dabey allerdings sein vestes Bewenden / und sollen berĂŒhrte Constitutiones kĂŒnftig durchgĂ€ngig genau befolgt / nicht weniger auch derer Gericht-Fron-Thurn-Holtz- und Feld-HĂŒter / Todten-GrĂ€ber / Nacht-WĂ€chter / Bettel-Vögten / Gassen-Kehrer / Bach-Feger / SchĂ€fer und dergleichen / in Summa keine Profession, und Handthierung / dann bloß die Schinder allein / biß auf deren zweyte Generation, in so ferne allenfalls die erstere eine andere ehrliche Lebens-Arth erwĂ€hlet / und darinn mit den Ihrigen wenigst 30. Jahr lang continuiret hĂ€tten / ausgenommen / verstanden / und bey denen Handwerckeren ohne Weigerung zugelassen werden 
“ (zit. nach: Gudrun und Alexander Decker: LebensverhĂ€ltnisse im 16., 17. und 18. Jahrhundert. In: H. Hoffacker: Materialien zum historisch-politischen Unterricht. Stuttgart 1982, S. 93)
  6. ↑ Christine Werkstetter: Frauen im Augsburger Zunfthandwerk. Dissertation 1999
  7. ↑ Eileen Power: Das Leben der Frau im Mittelalter - Frauenberufe in Paris. S. 76f
  8. ↑ Edith Ennen: Frauen im Mittelalter. S. 160
  9. ↑ LexMA. Bd. IV., Sp. 865

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