Zweite Polnische Republik

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Zweite Polnische Republik
Polnische Republik
Flagge Polens Wappen 1919‚Äď1927
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Regentschaftsk√∂nigreich Polen ‚ÜĒ Volksrepublik Polen
Amtssprache Polnisch
Hauptstadt Warschau
Staatsform Republik
Staatsoberhaupt Marschall J√≥zef PiŇāsudski (kommissarisch) (1918‚Äď1922)
Präsident Gabriel Narutowicz (1922)
Pr√§sident StanisŇāaw Wojciechowski (1922‚Äď1926)
Marschall J√≥zef PiŇāsudski (1926)
Pr√§sident Ignacy MoŇõcicki (1926‚Äď1939)
Regierungschef Ministerpräsidenten der Zweiten Republik
Fläche 388.634 km² (1931)
Existenzzeitraum 1918‚Äď1939 (im Exil bis 1945)
W√§hrung Polnische Mark (bis 1924) ZŇāoty
Nationalhymne Mazurek DńÖbrowskiego
Lage der Zweiten Republik Polen in Europa
Polen im März 1919

Die Zweite Polnische Republik (polnisch II. Rzeczpospolita) bezeichnet die Geschichte Polens von 1918 bis 1945 in der Zwischenkriegszeit und w√§hrend des Zweiten Weltkriegs. Formell begann die Zweite Polnische Republik am 11. November 1918 auf dem Gebiet von Kongre√üpolen beziehungsweise des K√∂nigreichs Polen.

Inhaltsverzeichnis

Konsolidierung des Staates

Marschall J√≥zef PiŇāsudski, der Marschall der Zweiten Polnischen Republik in der Zwischenkriegszeit

Anfang des Jahres 1918 verlangten die Mittelm√§chte in Brest-Litowsk von Sowjetrussland die ‚ÄěUnabh√§ngigkeit‚Äú f√ľr Polen, dabei wurden Polens Grenzen von Deutschland und √Ėsterreich-Ungarn noch enger als bei der ersten polnischen Teilung von 1772 gezogen. Nachdem die Mittelm√§chte den Krieg im Herbst 1918 verloren hatten und Russland im Chaos des B√ľrgerkriegs versank, erlangten die Polen, auch durch die politische Unterst√ľtzung der Westm√§chte, ihre volle staatliche Souver√§nit√§t zur√ľck. Am 7. Oktober 1918 proklamierte der Regentschaftsrat in Warschau einen unabh√§ngigen polnischen Staat und √ľbernahm f√ľnf Tage sp√§ter die Befehlsgewalt √ľber die Armee. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde Polen 1919 eine international anerkannte und unabh√§ngige Republik.

Bereits im November 1918 hatte der aus der Magdeburger Haft entlassene J√≥zef PiŇāsudski in Warschau als ‚ÄěVorl√§ufiges Staatsoberhaupt‚Äú die Macht √ľbernommen. Er berief einen Verfassunggebenden Sejm ein, der eine demokratische Verfassung ausarbeiten und verabschieden sollte. Die ersten Jahre der Unabh√§ngigkeit vergingen mit dem inneren Aufbau des Staates. Die bestehenden staatlichen Strukturen, welche die drei verschiedenen Teilungsm√§chte hinterlassen hatten, mussten vereinheitlicht, teilweise aber auch v√∂llig neu geschaffen werden. Au√üerdem war das Land weitgehend im Ersten Weltkrieg verw√ľstet worden, wie auch seine Grenzen in weiten Teilen nicht festgelegt waren. Zudem hatte das Land nach 1918 mehrere bewaffnete Konflikte auszufechten, darunter von 1919 bis 1921 den Krieg gegen Sowjetrussland. Das Staatsgebiet wurde in 16 Woiwodschaften und die ihnen gleichgestellte Hauptstadt Warschau gegliedert. Die Woiwodschaftsgrenzen √ľberschritten zun√§chst die einstigen deutschen, √∂sterreich-ungarischen und russischen Grenzen nur selten, am 1. April 1938 gab es aber einige Gebietsumgliederungen.

Am 17. M√§rz 1921 nahm der Sejm die neue Verfassung Polens an.Diese sah zwei parlamentarische Kammern vor, dabei sollte der Sejm mit 444 Abgeordneten die eigentliche Macht aus√ľben, der Senat als Kontrollinstanz mit Einspruchsrecht fungieren.[1] Der katholischen Kirche war zwar eine Vorrangstellung einger√§umt worden, sie war aber keine Staatsreligion. 1923 legte PiŇāsudski, auf Grund pers√∂nlicher Ver√§rgerung, seine milit√§rischen √Ąmter nieder, war aber weiterhin in engem Kontakt mit Milit√§r und Politik.[1]

Die Jahre bis 1926 waren innenpolitisch somit von mehreren aufeinanderfolgenden parlamentarischen Regierungen dominiert, 1925 gab es 92 registrierte Parteien, im sejm sa√üen 32.[1] Zum ersten offiziellen Pr√§sidenten Polens wurde 1922 Gabriel Narutowicz, ein Vertreter der gem√§√üigten Linken, gew√§hlt. Narutowicz wurde jedoch wenige Tage nach seiner Amtseinf√ľhrung von einem nationalistischen Fanatiker ermordet. Zu seinem Nachfolger w√§hlte das Parlament den gem√§√üigten Sozialisten StanisŇāaw Wojciechowski. Da die Mehrheitsverh√§ltnisse im polnischen Parlament, dem Sejm, sehr instabil waren, wechselten sich die Regierungen h√§ufig ab und waren teilweise sehr schwach.

Polen entwickelte ab 1921 gute Beziehungen zu Gro√übritannien und Frankreich, die an Polen als strategischem B√ľndnispartner interessiert waren und den Bau eines neuen Hafens in Gdingen finanzierten. Aus dem Fischerdorf mit 1.000 Einwohnern wurde in wenigen Jahren ein Gro√ü- und Milit√§rhafen mit √ľber 100.000 Einwohnern. Die Konkurrenz mit dem Danziger Hafen und die Errichtung eines polnischen Munitionslagers auf der Westerplatte gegen den Willen der Danziger Regierung f√ľhrte zu Spannungen mit der Freien Stadt Danzig. Der Zugang zu Ostpreu√üen vom restlichen Deutschen Reich war per verplombtem Korridorzug von Konitz bis Dirschau durch das polnische Gebiet auf der Ostbahn oder per Schiff, durch den Seedienst Ostpreu√üen m√∂glich.

Wirtschaft

Am 15. Januar 1920 wurde die Polnische Mark eingef√ľhrt, zuvor gab es sechs g√ľltige W√§hrungen im Staat.[2] Anfang der 1920er Jahre lebten drei Viertel der Bev√∂lkerung von der Landwirtschaft wobei hier viele kleine H√∂fe das Bild dominierten. Ein Drittel der Landwirtschaftsunternehmen bewirtschafteten weniger als zwei Hektar (insgesamt 3,5 % des Ackerbodens), ein weiteres Drittel weniger als f√ľnf Hektar (14,8 %) nur 0,9 Prozent der Unternehmen besa√üen mehr als 50 Hektar (47,3 % des Bodens). Die bedeutendsten Landbesitzer waren die Familien Zamoyski, mit 191.000 Hektar, und RadziwiŇāŇā, 177.000 Hektar.[2] Die Industrie war w√§hrend der Teilung auf die Bed√ľrfnisse der Teilungsm√§chte ausgerichtet und wenig exportorientiert. Zudem war sie nur mangelhaft mit Kapital ausgestattet. Etwa 40 Prozent der Industrie wurde von Kartellen beherrscht.[3] Der Staat war √ľber die Bank Polski und durch Staatsmonopole ein wichtiger Faktor der Wirtschaft. Etwa 30 Prozent der Staatseinnahmen wurden in Staatsunternehmen generiert.[3]

Bevölkerung

Die Zweite Polnische Republik nach Volksgruppen
Polen, Sprachenkarte 1937 in polnischer Darstellung
Die Verteilung der relativen polnischen Bevölkerungsmehrheit in Ostmitteleuropa im Jahre 1921 in einer zeitgenössischen polnischen Darstellung.

Polen z√§hlte Anfang der 1920er Jahre 27 Millionen Staatsb√ľrger (Anfang der 1930er Jahre waren es bereits 32 Millionen). Ein Drittel der Staatsangeh√∂rigen geh√∂rte nationalen Minderheiten an. Die (umstrittene) Volksz√§hlung von 1921 ergab folgende ethnische Gruppen in Polen:

  • 19 Millionen (69,2 %) Polen,
  • 3,8 Millionen Ukrainer (14,3 %) (wahrscheinlich lag ihre eigentliche Zahl bei 5 bis 7 Millionen),
  • 1,06 Millionen Wei√ürussen (3,9 %) in Nordostpolen,
  • 1,06 Millionen Deutsche (3,9 %) in ganz Polen beheimatet,
  • 2,1 Millionen Juden (7,8 %) vor allem in Ostpolen.

Somit war Polen de facto ein multinationaler Staat. Im offiziellen Sprachgebrauch Warschaus wurde jedoch der polnische Charakter der Republik betont. Dies f√ľhrte zu erheblichen Konflikten mit den nationalen Minderheiten. So verf√ľgten die Ukrainer und die Wei√ürussen √ľber keine Anstalten der h√∂heren Bildung. Auch den Oberschlesiern sprachen staatliche Stellen ihr regionales Sonderbewusstsein ab.

Konflikte mit den Nachbarn

Der Zerfall der Vielv√∂lkermonarchien in Zentral-, S√ľd- und Osteuropa hinterlie√ü ein machtpolitisches Vakuum, das zur Entstehung bzw. Wiederentstehung von elf Nationalstaaten, darunter Polen, f√ľhrte. Diese Entwicklung verlief nicht immer friedlich, sodass es zu einer Reihe milit√§rischer Auseinandersetzungen um die Neugestaltung der Grenzen kam.

Im Fall der Zweiten Republik Polen waren das folgende Konflikte:

Die Folgen: Polen war mit fast jedem Nachbarland in Konflikte verwickelt. Im Osten hat Polen seine Grenzen dabei um ca. 300 km auf Kosten Russlands und Litauens verschoben. Nur mit Rumänien und Lettland unterhielt Warschau spannungsfreie Beziehungen.

Die Republik war zun√§chst eine parlamentarische Demokratie, wurde jedoch nach dem Maiputsch J√≥zef PiŇāsudskis im Mai 1926 in ein von diesem autorit√§r gef√ľhrtes Sanacja-Regime mit lediglich demokratischer Fassade umgewandelt. Als faktisches Enddatum gilt meist der 1. September 1939, der Beginn des deutschen √úberfalls auf Polen.

Mit Mińôdzymorze wurde zudem von PiŇāsudski das Konzept eines von Ostsee bis Schwarzem Meer reichenden slawisch-baltischen Bundesstaates unter polnischer F√ľhrung vorgeschlagen, das von den anderen Nationen abgelehnt wurde.

Die neu erworbenen Gebiete im Osten wurden in der, im geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vom 24. August 1939 gemachten Interessengebietsaufteilung Stalins Interessensphäre zugeordnet, der die Rote Armee am 17. September dort einmarschieren ließ. Nach dem Krieg behielt Stalin die Gebiete und schlug Polen die deutschen Ostgebieten als Entschädigung zu, wobei die Westalliierten zustimmten. Somit fand gegen den Willen der betroffenen polnischen, sowie auch deutschen Bevölkerung eine komplette Neuordnung der Grenzen, mit einer daraus resultierenden Westverschiebung Polens statt.

Deutschland

Mit Deutschland gab es zwischen 1919 und 1921 K√§mpfe vor allem um den Besitz Oberschlesiens. Die Abstimmung am 20. M√§rz 1921 ergab eine Mehrheit von fast 60 % f√ľr den Verbleib bei Deutschland. Allerdings zeigten sich dabei erhebliche regionale Unterschiede, so dass in einigen Gebieten das pro-polnische Votum √ľberwog. Polnische Freisch√§rler begannen daraufhin am 3. Mai 1921, unterst√ľtzt von franz√∂sischen Besatzungstruppen ‚Äď Italiener und Briten stellten sich auf die deutsche Seite ‚Äď, einen bewaffneten Aufstand, um den Anschluss des √∂stlichen Teils Oberschlesiens an Polen gewaltsam durchzusetzen. Die Alliierten wollten zun√§chst nur den Landkreis Ple√ü an Polen anschlie√üen. Das Deutsche Reich konnte aufgrund der Beschr√§nkungen durch den Versailler Vertrag und aufgrund der Intervention der anglo-franz√∂sischen Sieger nicht gegen die Freisch√§rler vorgehen, trotzdem kam es zu einigen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Polen. Mit Billigung der deutschen Regierung versuchten Freikorps gewaltsam den Anschluss an Polen zu verhindern. Am 23. Mai 1921 gelang den deutschen Freikorps des ‚ÄěSelbstschutzes Oberschlesien‚Äú die Erst√ľrmung des St. Annabergs, der st√§rksten Befestigung der Polen, wodurch eine Stabilisierung der Lage eintrat. Am 20. Oktober 1921 beschloss der Oberste Rat der Alliierten, nach einer Empfehlung des V√∂lkerbundes, das ostoberschlesische Industrierevier an Polen zu √ľbertragen, dem es als Autonome Woiwodschaft Schlesien angeschlossen wurde. Beim Deutschen Reich verblieb der zwar fl√§chen- und bev√∂lkerungsm√§√üig gr√∂√üere Teil des Abstimmungsgebiets ‚Äď Industriest√§dte wie Beuthen OS, Gleiwitz oder Hindenburg OS blieben weiter deutsch.

Die Provinzen des K√∂nigreichs Preu√üen, Westpreu√üen und Posen, die durch die Teilungen Polens an Preu√üen gekommen waren, wurden aus der Weimarer Republik herausgel√∂st und ohne Plebiszite der neuen Republik einverleibt. Polen bekam dadurch einen Zugang zur Ostsee bei Gdingen. Einen Teil der Gebiete hatte polnisches Milit√§r im Gro√üpolnischen Aufstand bereits zuvor milit√§risch besetzt. Die alte Hansestadt Danzig, auf deren Erwerb Polen gehofft hatte wurde durch die Alliierten zur Freien Stadt Danzig erkl√§rt und verblieb mit Nutzungsrechten Polens am Danziger Hafen au√üerhalb der Grenzen des neuen polnischen Staates unter der Aufsicht des V√∂lkerbundes. Aufgrund des nicht gegl√ľckten Erwerbs und der ablehnenden Haltung der deutschen Bev√∂lkerung Danzigs begann Polen wenige Kilometer entfernt auf polnischem Gebiet in Gdingen (Gdynia) mit dem Bau eines neuen Hafens, der sich rasch zur Konkurrenz f√ľr Danzig entwickelte. F√ľr weitere Gebiete sah der Versailler Vertrag Volksabstimmungen √ľber die Staatszugeh√∂rigkeit vor. In Masuren (Regierungsbezirk Allenstein) und im Bezirk Marienwerder (ehemals Westpreu√üen) fanden unter alliierter Aufsicht Volksabstimmungen statt, in denen sich die gro√üe Mehrheit der Bev√∂lkerung (98 % bzw. 92 %) f√ľr den Verbleib bei Ostpreu√üen und Deutschland entschied.

Im Osten

Die Restauration Polens, Gebietsveränderungen zwischen 1918 und 1922

Die polnischen territorialen Bestrebungen stie√üen auch im Osten auf erheblichen Widerstand. Gebietsanspr√ľche √ľberschnitten sich vor allem mit den Ukrainern und den Litauern. Eine Woche nach der polnischen Unabh√§ngigkeitserkl√§rung riefen auch die Ukrainer in Lemberg ihre Unabh√§ngigkeit aus, was den Polnisch-Ukrainischen Krieg um das ehemalige habsburgische K√∂nigreich Galizien und Lodomerien ausl√∂ste. Besonders heftige K√§mpfe wurden um Lemberg gef√ľhrt, das polnische Freiwilligenverb√§nde und regul√§re Armeeteile am 21. November einnahmen. Der Krieg dauerte milit√§risch jedoch bis in den M√§rz 1919 an und wurde erst durch ein Abkommen zwischen Polen und der Volksrepublik Ukraine unter Symon Petljura am 21. April 1920 offiziell beendet.

Der mit dem Versailler Vertrag ins Leben gerufene V√∂lkerbund sah die Ziehung einer Grenzlinie aufgrund der im Dezember 1919 vorgelegten Empfehlungen einer Kommission unter Leitung des britischen Au√üenministers Curzon vor, durch die mehrheitlich polnischsprachige Gebiete um Wilna in Litauen und Lemberg in Galizien dem polnischen Staat verloren gehen w√ľrden. Die weitergehenden Pl√§ne PiŇāsudskis zielten zudem auf die Wiedererrichtung einer Republik unter polnischer F√ľhrung in der Tradition der 1795 untergegangen Adelsrepublik, zu der auch mehrheitlich von Ukrainern und Wei√ürussen bewohnte Gebiete geh√∂ren sollten. Polnische Truppen besetzten daher 1919 den √∂stlichen Teil Litauens um Wilna, das seine Unabh√§ngigkeit gerade gegen Russland durchgesetzt hatte, ebenso vor√ľbergehend Kiew in der Ukraine, was aufgrund der √úberschneidung mit den territorialen Anspr√ľchen Sowjetrusslands zum Polnisch-Sowjetischen Krieg f√ľhrte.

Sowjetisch-Polnischer Krieg

Der Polnisch-Sowjetische Krieg, Frontverlauf im Juni 1920
‚Üí Hauptartikel: Polnisch-Sowjetischer Krieg

Zun√§chst drangen die polnischen Truppen unter General Rydz-ŇömigŇāy mit Unterst√ľtzung durch nationalukrainische Kr√§fte bis nach Kiew vor. Der schnelle Erfolg war durch das Ausweichen der sowjetischen Truppen beg√ľnstigt, die nach der Eroberung Kiews durch die Polen eine Gegenoffensive starteten. Die sowjetischen Einheiten unter General Tuchatschewski drangen bis Warschau vor, w√§hrend General Budjonny Lemberg belagerte. Durch ein waghalsiges Zangenman√∂ver gelang der polnischen Armee unter PiŇāsudskis Kommando der Durchbruch und eine nahezu vollst√§ndige Vernichtung der sowjetischen Einheiten: W√§hrend die polnischen Einheiten versuchten, die Armee von General Tuchatschewski bei Radzymin nord√∂stlich von Warschau aufzuhalten, startete PiŇāsudski vom Fluss Wieprz in der Woiwodschaft Lublin eine Gro√üoffensive in Richtung Norden. Der √úberraschungseffekt war so gro√ü, dass die letzten sich zur√ľckziehenden Einheiten der Roten Armee √ľber deutsches Gebiet ‚Äď Ostpreu√üen ‚Äď fl√ľchten mussten.

1921 wurde in der lettischen Hauptstadt Riga ein Friedensvertrag zwischen den Kriegsparteien geschlossen und der Aufbau des Landes im Inneren in Angriff genommen. PiŇāsudski verfehlte zwar sein Ziel, die Staatsgrenze von 1772 wiederherzustellen, es gelang ihm jedoch, die polnische Staatsgrenze etwa 200 km √∂stlich der geschlossenen polnischen Sprachgrenze mit relativer Bev√∂lkerungsmehrheit, der Curzon-Linie, zu ziehen. Im √∂stlichen Teil Polens betrug der polnische Bev√∂lkerungsanteil 1919 etwa 25 %, 1938 nach der Amtszeit PiŇāsudskis bezeichneten sich 38 % als polnisch. Den √ľbrigen Anteil bildeten jeweils verschiedene Nationalit√§ten. Die Bev√∂lkerungsmehrheit bezeichnete sich als ukrainisch, wei√ürussisch oder j√ľdisch. Mehrheitlich polnisch ‚Äď mit einem hohen Anteil Juden ‚Äď waren zum Beispiel Wilna und Lemberg.

Mai-Umsturz und Sanacja-Regime

Pr√§sident Ignacy MoŇõcicki bei der Verleihung der Marschallw√ľrde an General Edward Rydz-ŇömigŇāy
Wappen Polens 1927 bis 1939
‚Üí Hauptartikel: Maiputsch und Sanacja

J√≥zef PiŇāsudski war nach einigen Jahren unzufrieden mit der entstandenen innenpolitischen Situation. Im Mai 1926 f√ľhrte er, obwohl er in Armee und Staat keine offizielle Position bekleidete, mit der Unterst√ľtzung seiner zahlreichen Anh√§nger in der Armee, einen Staatsstreich durch und riss die Macht an sich, die er bis zu seinem Tod 1935 behielt. Allerdings bekleidete PiŇāsudski hierbei nur selten und nur f√ľr kurze Zeit offiziell bedeutende √Ąmter. Er war z. B. nie Staatspr√§sident sondern √ľberlie√ü dieses Amt seinem loyalen Gefolgsmann Ignacy MoŇõcicki. PiŇāsudski war meist nur Verteidigungsminister. Allerdings war er die allgemein anerkannte oberste Autorit√§t im Staat. Auch gab es zumindest bis zum Ende der 1920er Jahre eine mehr oder weniger funktionierende, sogar im Parlament vertretene Opposition, die allerdings konsequent an der √úbernahme der Macht gehindert wurde. Nach der Ermordung von Innenminister BronisŇāaw Pieracki im Jahre 1934 lie√ü die Regierung in der Kleinstadt Bereza Kartuska im heutigen Wei√ürussland ein Internierungslager f√ľr ukrainische Nationalisten, Kommunisten und andere prominente Regimegegner anlegen.

Das Regime, das in der Historiographie manchmal als ‚ÄěVernunftdiktatur‚Äú bezeichnet wird, nannte sich selbst Sanacja (ungef√§hr: ‚ÄěGesundung‚Äú). Eine auf die Person PiŇāsudski zugeschnittene neue Verfassung trat im April 1935 in Kraft (‚ÄěAprilverfassung‚Äú). Der Marschall verstarb jedoch einige Wochen sp√§ter. Nach PiŇāsudskis Tod entstanden zwei Machtzentren in Polen ‚Äď die Gruppe ‚ÄěSchloss‚Äú um MoŇõcicki, benannt nach der Residenz des Pr√§sidenten, dem K√∂nigsschloss in Warschau, und die Gruppe der ‚ÄěObristen‚Äú um den neuen Marschall Edward Rydz-ŇömigŇāy. Der Trend hin zu einem autorit√§ren Staat verst√§rkte sich nun weiter, die Rechte vor allem der slawischen Minderheiten (Ukrainer, Wei√ürussen) wurden massiv eingeschr√§nkt, die Juden diskriminiert. Auch die insgeheim finanziell vom Deutschen Reich unterst√ľtzte deutsche Minderheit geriet trotz der seit dem Nichtangriffsvertrag zwischen Hitler und PiŇāsudski offiziell guten deutsch-polnischen Beziehungen immer st√§rker unter die Beobachtung polnischer Geheimdienststellen, wozu auch die wachsende Begeisterung vieler der Volksdeutschen f√ľr den Nationalsozialismus beitrug.

Die au√üenpolitischen Bem√ľhungen Polens, die vor allem mit der Person von Au√üenminister J√≥zef Beck verbunden sind, waren im Einklang mit der franz√∂sischen Politik darauf ausgerichtet, einen Block kleiner und mittlerer Staaten zur Eind√§mmung sowohl Deutschlands als auch der Sowjetunion zu schaffen. Dem standen jedoch vor allem die durch die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen gegenseitigen Gebietsanspr√ľche im Wege. So war Polen, kurz bevor es selbst von Deutschland und der Sowjetunion √ľberfallen wurde, aktiv an der Zerschlagung der Tschechoslowakei beteiligt und annektierte nach dem M√ľnchener Abkommen im Oktober 1938 die mehrheitlich von Polen und Deutschen besiedelten Industriegebiete in M√§hrisch-Schlesien und kleinere Gebiete im Grenzgebiet zur Slowakei.

Siehe auch

Verweise

Literatur

Weblinks

 Commons: Second Polish Republic ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. ‚ÜĎ a b c Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, S. 286‚Äď287.
  2. ‚ÜĎ a b Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, S. 288‚Äď289.
  3. ‚ÜĎ a b Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, S. 290.

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