Zweiter Golfkrieg

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Zweiter Golfkrieg
Zweiter Golfkrieg
Gulf War Photobox.jpg
Datum 2. August 1990‚Äď5. M√§rz 1991
Ort Irak und Kuwait
Casus Belli irakische Invasion in Kuwait
Ausgang Irak annulliert Annexion Kuwaits
Konfliktparteien
Irak 1963Irak Irak KuwaitKuwait Kuwait
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien
Vereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Vereinigtes K√∂nigreich
weitere Alliierte
Befehlshaber
Saddam Hussein -/-

Der Begriff Zweiter Golfkrieg (englisch (First) Gulf War oder Gulf War I, arabisch ‚ÄŹō≠ōĪō® ōßŔĄōģŔĄŔäō¨ ōßŔĄōęōßŔÜŔäō©‚Äé) bezeichnet einen Krieg im Nahen Osten, der im Wesentlichen in zwei Phasen ablief. Ausl√∂ser des Krieges war der Einmarsch des Irak in Kuwait, der am 2. August 1990 begann. Die Vereinigten Staaten bereiteten daraufhin politisch und milit√§risch einen Gegenschlag vor, der im Fr√ľhjahr 1991 im Rahmen eines B√ľndnisses den Krieg beendete.

In Bezug auf die verwendeten R√ľstungsg√ľter und den Mobilisierungsgrad der Kriegsparteien war der Zweite Golfkrieg der schwerste Krieg seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, auch im Vergleich zum Koreakrieg. Dar√ľber hinaus zeichnete sich der Krieg durch die ungew√∂hnlich asymmetrische Verteilung der Kriegsopfer, die einseitige Verf√ľgung des Kriegsendes und den hohen Grad an mittelbaren Umweltsch√§den aus.[1]

Besonderheiten wies der Zweite Golfkrieg auch f√ľr die Verh√§ltnisse des zeitgen√∂ssischen Nahen Ostens auf, da dies den ersten Konflikt darstellte, in dem arabische Staaten gegeneinander aktiv Krieg f√ľhrten. Des Weiteren waren die drei nichtarabischen Staaten der Region ‚Äď Israel, der Iran und die T√ľrkei ‚Äď unmittelbar von den Ereignissen innerarabischer Politik betroffen und unmittelbar an ihnen beteiligt. Drittens stellte der Zweite Golfkrieg den ersten milit√§rischen Gro√üeinsatz der Vereinigten Staaten, von zwei eingeschr√§nkten Operationen im Libanon (1958 und 1982‚Äď1984) abgesehen, im Nahen Osten dar.[2]

F√ľr das Ereignis und den Ablauf des Zweiten Golfkrieges war das Ende des Kalten Krieges als eine sicherheitspolitische Konvention und als Epoche der Weltgeschichte von unmittelbarer Bedeutung. Der Krieg selbst hatte √ľber die Kriegssch√§den hinaus Auswirkungen auf die zahlreichen Aspekte der internationalen und der irakischen Politik, vor allem auf die Kriegsf√ľhrung und die politische Rolle der Medien in den beteiligten westlichen Staaten. Der Kabelsender CNN etablierte sich so durch seine anhaltende Berichterstattung aus dem Krisengebiet als international bekanntes Massenmedium.

Die Namensgebung des Krieges unterliegt sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprache einer uneinheitlichen Handhabe, die der irakischen Beteiligung an mehreren Kriegen am Persischen Golf geschuldet ist. In der hier verwendeten Terminologie war der Erste Golfkrieg der Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988; jedoch ist diese Namensgebung nicht einheitlich. Insbesondere im englischen Sprachraum wird der Iran-Irak-Krieg meist nicht in die Z√§hlung einbezogen und dieser Krieg daher First Gulf War genannt; folglich wird die Invasion des Irak von 2003 als Second Gulf War bezeichnet. Den Vereinigten Staaten gelang es, intern und in Europa die Decknamen ihres zweistufigen milit√§rischen Gegenschlages zu popularisieren. W√§hrend die Operation Desert Shield (‚ÄěUnternehmen W√ľstenschild‚Äú) Saudi-Arabien vor irakischen Repressalien gegen seine B√ľndnisbeteiligung abzuschirmen gedachte, bezeichnete Operation Desert Storm (‚ÄěUnternehmen W√ľstensturm‚Äú) die Offensive gegen den Irak selbst.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Vor dem Ersten Weltkrieg geh√∂rte Kuwait zur Provinz Basra, einer Verwaltungseinheit innerhalb des Osmanischen Reiches, die territorial allerdings nicht mit dem Gebiet der heutigen s√ľdirakischen Provinz Basra identisch ist. Zum Irak selbst geh√∂rte Kuwait nie. Der Irak bestritt von jeher die Legitimit√§t der kuwaitischen Unabh√§ngigkeit. Bis 1990 wurden aber keine expliziten Ma√ünahmen ergriffen, um den faktischen Status eines unabh√§ngigen Kuwaits in Frage zu stellen. Allerdings war die Grenze zwischen dem Irak und Kuwait nie eindeutig genug festgelegt worden, weshalb seit der Gr√ľndung Kuwaits permanent Grenzstreitigkeiten schwelten.

Nach dem Iran-Irak-Krieg war der Irak bei einigen arabischen L√§ndern hoch verschuldet, unter anderem durch einen kuwaitischen Kredit in H√∂he von 80 Milliarden US-Dollar. Der Irak hoffte, durch eine Senkung der √Ėlf√∂rderquote eine Steigerung des √Ėlpreises zu erzielen, um seine Schulden zu begleichen. Gleichzeitig erh√∂hte Kuwait seine Quote und senkte die Preise in Erwartung einer Gelegenheit, die Grenzstreitigkeiten zu seinen Gunsten zu l√∂sen.

Zus√§tzlich behauptete der Irak, Kuwait h√§tte aus dem Iran-Irak-Krieg Vorteile f√ľr √Ėlbohrungen und den Bau milit√§rischer Posten auf irakischem Boden nahe Kuwait gezogen, wohingegen der irakische Staat durch seine Pufferwirkung gegen√ľber dem Iran der gemeinsamen arabischen Sache einen Dienst erwiesen h√§tte. Daraus leitete der Irak die Forderung ab, Kuwait und Saudi-Arabien m√ľssten seine Kriegsschulden annullieren oder zumindest dar√ľber verhandeln.

W√§hrend des ersten Golfkrieges hatte sich der Irak guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu Europa (speziell Frankreich und Deutschland) erfreut: Der Westen gew√§hrte dem Irak insbesondere milit√§risch massive Unterst√ľtzung ‚Äď trotz (oder m√∂glicherweise wegen) des sowjetischen Einflusses, aber vor allem aus Angst vor einer Ausweitung der islamischen Revolution im Iran auf die Arabische Halbinsel. Obwohl die Sowjetunion und China zu den Hauptwaffenlieferanten des Iraks z√§hlten, konnte das Land auch auf Unterst√ľtzung beispielsweise aus Frankreich zur√ľckgreifen, das unter anderem Flugzeuge vom Typ Mirage sowie Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Exocet lieferte. Daneben unterst√ľtzten andere westliche Staaten das Land mit kritischer Technologie wie Chemie- und Atomanlagen; die USA belieferten den Irak mit Aufkl√§rungsdaten √ľber iranische Stellungen und mit kritischer Biotechnologie.

Hauptunterst√ľtzer (in der Reihenfolge des Wertes der Lieferungen) waren nach einer Aufstellung des Stockholmer SIPRI-Institutes Russland/Sowjetunion, Frankreich und China. Zudem haben die damalige Tschechoslowakei, Polen, Brasilien, √Ągypten, D√§nemark, die USA, √Ėsterreich (Noricum-Skandal) und viele andere Staaten (darunter auch die Bundesrepublik und die DDR) Waffen an den Irak geliefert.

Zerstörter IFA W50 der irakischen Armee aus DDR-Produktion

Vor allem die arabischen Nachbarstaaten leisteten massiv √∂konomische Hilfe, was die Grundlage f√ľr die sp√§tere Verschuldung des Iraks bildete. Nach dem Krieg gab es Bestrebungen innerhalb des US-Kongresses den Irak wegen der Verletzungen der Menschenrechte diplomatisch und √∂konomisch zu isolieren. Von diesen Bestrebungen distanzierten sich hochrangige US-Senatoren wie Robert Dole, der dem irakischen Pr√§sidenten Saddam Hussein erkl√§rte, der ‚ÄěKongress repr√§sentiere nicht US-Pr√§sident George Bush Senior oder die Regierung‚Äú und dass Bush sein Veto gegen jede m√∂gliche Bestrebung hinsichtlich Sanktionen gegen den Irak einlegen w√ľrde (nach der irakischen Abschrift der Sitzung in Sifry).

Am 17. Juli 1990 warf der Irak dem Nachbarland Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, weit mehr als die im Rahmen der OPEC vereinbarte Menge an Erd√∂l zu f√∂rdern und damit die Preise zu dr√ľcken. Dadurch seien dem Irak Verluste im Wert von 14 Milliarden US-Dollar entstanden. Au√üerdem bezichtigte der Irak Kuwait, im √Ėlfeld Rumailah entlang der gemeinsamen Grenze aus ‚Äěirakischen‚Äú √Ėlfeldern gef√∂rdert zu haben.

US-Botschafterin April Glaspie beim Treffen mit Saddam Hussein

Am 23. Juli 1990 erschien im Spiegel ein Artikel mit der √úberschrift Greift Bagdad Kuweit an?, welcher die Milit√§rman√∂ver zutreffend deutete.[3] Am 31. Juli 1990 scheiterten die Verhandlungen zwischen dem Irak und Kuwait. Daraufhin lie√ü der Irak Streitkr√§fte im Umfang von 100.000 Soldaten an den Grenzen Kuwaits aufmarschieren und bestellte die amerikanische Botschafterin April Glaspie zu einem Treffen bei Pr√§sident Saddam Hussein ein. W√§hrend des Treffens umriss Hussein seine Vorw√ľrfe gegen Kuwait, wobei er versicherte, nicht vor einer neuen Verhandlungsrunde in Kuwait einzudringen (siehe auch [4]). Obgleich April Glaspie Besorgnis √ľber den Truppenaufmarsch √§u√üerte, deutete Hussein ihre Aussage, dass die USA ‚Äěkeine Meinung zu innerarabischen Streitigkeiten wie Ihre Unstimmigkeiten bez√ľglich der Grenze mit Kuwait‚Äú h√§tten, als Zustimmung f√ľr sein weiteres Vorgehen. Um diesen Punkt hervorzuheben, sagte sie auch bei dem Treffen, der damalige Au√üenminister der USA ‚ÄěJames Baker hat unsere amtlichen Sprecher beauftragt, diese Anweisung zu betonen‚Äú.[5] Das Au√üenministerium der Vereinigten Staaten gab gegen√ľber dem Irak die Information heraus, dass die USA keine spezifischen Verteidigungs- oder Sicherheitsabkommen mit Kuwait h√§tten (‚Äěno special defense or security commitments to Kuwait.‚Äú)[6]

Die Besetzung Kuwaits h√§tte f√ľr den Irak einen erheblichen Gewinn an K√ľste bedeutet. Trotz seiner Gr√∂√üe von √ľber 430.000 km¬≤ hat der Irak nur 58 km K√ľstenlinie, befindet sich damit sowohl strategisch als auch wirtschaftlich gegen√ľber anderen Golfanrainern deutlich im Nachteil. Das sehr viel kleinere Kuwait z. B. hat bei nur 17.800 km¬≤ Fl√§che 499 km K√ľstenlinie. Durch die endg√ľltige Annexion Kuwaits h√§tte sich also die K√ľstenlinie beinah verzehnfacht. Dazu w√§ren auch neue H√§fen gekommen.

Kriegsverlauf

Die irakische Invasion in Kuwait

Stationierte irakische Truppenverbände in Kuwait, September 1990
Britischer Soldat während der Operation Desert Shield
USS Dwight D. Eisenhower

Am 2. August 1990 drangen ungef√§hr 100.000 irakische Soldaten in Kuwait mit Panzertruppen und Infanterie ein und eroberten strategische Positionen im Land, einschlie√ülich des Palastes des Emirs. Der Scheich Jaber Al Ahmad Al Sabah floh mit seiner Familie nach Saudi-Arabien. Soldaten pl√ľnderten medizinische Versorgungseinrichtungen und bem√§chtigten sich der Medien. Tausende westlicher Touristen behielt der Irak als Geiseln zur√ľck und versuchte sp√§ter, sie als Verhandlungsmasse einzusetzen. Der Irak stellte zun√§chst eine ‚Äěbefreite‚Äú kuwaitische Marionettenregierung unter Alaa Hussein Ali auf ‚Äď die er aber schnell aufl√∂ste ‚Äď und erkl√§rte sp√§ter Teile von Kuwait zur verl√§ngerten irakischen Provinz Basra sowie den Rest zur 19. irakischen Provinz. Durch die Invasion erbeutete der Irak Gold im Wert von 614 Millionen Euro. Das Gold wurde Kuwait nach dem Krieg am 6. August 1991 zur√ľckgegeben.

Innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Invasion verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 660, welche die Invasion verurteilte und einen R√ľckzug der irakischen Truppen verlangte. Am 6. August verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 661 und verh√§ngte Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. 13 Mitglieder stimmten f√ľr die UN-Resolution. Kuba und Jemen enthielten sich der Stimme. Durch das Wirtschafts- und Finanzembargo kam der irakische Roh√∂lexport zum Erliegen.

US-Pr√§sident George H. W. Bush k√ľndigte am 8. August 1990 umgehend den Beginn einer ‚Äěinsgesamt defensiven‚Äú Milit√§raktion an, um den Irak am Eindringen nach Saudi-Arabien zu hindern ‚Äď die Operation ‚ÄěW√ľstenschild‚Äú (‚ÄěDesert Shield‚Äú). Das amerikanische Verteidigungsministerium verf√ľgte zu dem Zeitpunkt √ľber Satellitenfotos von gr√∂√üeren Truppenkonzentrationen in Kuwait entlang der Saudischen Grenze.

Die US Navy entsandte zwei Einheiten, die Flugzeugträger USS Eisenhower und USS Independence, in die Region, wo sie ab 8. August bereit waren. Die Militärkonzentration wurde fortgesetzt und erreichte schließlich eine Stärke von 500.000 Mann.

Die Vereinigten Staaten unter Federf√ľhrung des US-Au√üenministers James Baker bildeten ein vereinigtes Milit√§rb√ľndnis gegen den Irak. Es bestand aus Soldaten aus 34 L√§ndern: Afghanistan, Argentinien, Australien, Bahrain, Bangladesch, Kanada, die Tschechoslowakei, D√§nemark, √Ągypten, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Honduras, Italien, Katar, Kuwait, Marokko, die Niederlande, Niger, Norwegen, Oman, Pakistan, Polen, Portugal, Saudi-Arabien, Senegal, S√ľdkorea, Spanien, Syrien, die T√ľrkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte K√∂nigreich und die Vereinigten Staaten selbst. Die US-Truppen stellten 74 Prozent von 660.000 Soldaten auf dem Kriegsschauplatz. Einige wenige der B√ľndniskr√§fte willigten nur z√∂gernd ein; einige andere meinten, der Krieg sei eine innerarabische Angelegenheit; andere bef√ľrchteten eine Erh√∂hung des amerikanischen Einflusses in Kuwait. Deutschland und Japan leisteten erhebliche finanzielle Beitr√§ge und lieferten milit√§risches Material.

Zusammensetzung der Koalitionsstreitkräfte

Am 9. August 1990 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 662, die die Annexion Kuwaits durch den Irak als ‚Äěnull und nichtig‚Äú erkl√§rte und forderte die Wiederherstellung der Souver√§nit√§t, Unabh√§ngigkeit und territorialen Integrit√§t Kuwaits.

Am 10. August 1990 fand in Kairo ein Sondergipfel der Arabischen Liga (ohne Tunesien) statt. Die Mitgliedsstaaten verurteilten den irakischen Truppeneinmarsch in Kuwait mit 12 gegen 3 Stimmen (Irak, Libyen und die PLO), bei 5 Enthaltungen (Algerien, Jemen, Jordanien, Mauretanien und Sudan). Die Arabische Liga beschloss eine Friedenstruppe zum Schutz Saudi-Arabiens sowie der √ľbrigen Golf-Anrainerstaaten. Hauptlast trugen dabei die Staaten √Ągypten, Marokko und Syrien.

Am 12. August 1990 unterbreitete Saddam Hussein ein R√ľckzugsangebot, das den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait mit dem Abzug von Truppen aus anderen illegal besetzten arabischen L√§ndern wie Syrien aus dem Libanon und Israel aus den 1967 besetzten Gebieten verband.[8]

Am 16. August 1990 wies die irakische Regierung 4500 Briten und 2500 US-Amerikaner in Hotels ein. Sie sollten als ‚Äělebende Schutzschilde‚Äú gegen einen m√∂glichen Angriff der multinationalen Friedenstruppe in strategisch wichtige Einrichtungen verlegt werden. Am 18. August 1990 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 664, die die Forderung an den Irak beinhaltete, alle festgehaltenen ausl√§ndischen B√ľrger im Irak ausreisen zu lassen.

Am 23. August 1990 lieferte ein fr√ľherer hoher US-Beamter ein weiteres irakisches Angebot.[9] Den Dokumenten zufolge bot der Irak den R√ľckzug aus Kuwait und den Abzug aller ausl√§ndischen B√ľrger im Tausch gegen die Lockerung von Sanktionen, den garantierten Zugang zum Persischen Golf und die volle Kontrolle √ľber das Rumailah-√Ėlfeld (ungef√§hr 2 Meilen in kuwaitisches Gebiet reichend) an. Weiterhin wurden die Aufnahme von Verhandlungen zwischen Irak und USA √ľber ein f√ľr beide Seiten akzeptables √Ėlabkommen, die nationalen Sicherheitsinteressen beider L√§nder, die Stabilit√§t der Golf-Region sowie ein Plan zur Erleichterung der √∂konomischen und finanziellen Probleme des Irak gefordert. Das Angebot wurde von einem Nahost-Experten der Bush-Regierung als ernsthaft und verhandelbar bezeichnet.

Am 25. August 1990 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat mit der Resolution 665 bei 2 Enthaltungen (Kuba und Jemen) die Durchsetzung der Sanktionen gegen den Irak unter Anwendung von auf die Schifffahrt begrenzten Blockaden. Damit erm√§chtigte der UN-Sicherheitsrat die Koalitionsstreitkr√§fte, im Rahmen der ‚ÄěOperation Desert Shield‚Äú Ma√ünahmen zur Durchsetzung des Embargos zu treffen. Ende August waren dazu 70 Kriegsschiffe aus 11 Staaten im Einsatz.

Am 28. August 1990 erklärte die irakische Regierung offiziell Kuwait zur 19. Provinz des Irak. Allen im Irak festgehaltenen ausländischen Frauen und Kindern wurde zudem die Ausreise gestattet.

Am 5. September 1990 rief der irakische Pr√§sident Saddam Hussein zum ‚ÄěHeiligen Krieg‚Äú gegen die Pr√§senz der USA am Persischen Golf und zum Sturz des saudi-arabischen K√∂nigs Fahd bin Abdul Aziz Al Saud auf.

Am 13. September 1990 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Resolution 666, die aus humanit√§ren Gr√ľnden begrenzte Lebensmitteltransporte in den Irak unter internationaler Kontrolle vorsah.

Am 14. September 1990 drangen irakische Soldaten in die westlichen Botschaften in Kuwait City ein. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte in der Resolution 667 die Übergriffe auf die diplomatischen Vertretungen und verlangte abermals die Freilassung aller ausländischen Staatsangehörigen. Frankreich gab am selben Tag bekannt, rund 5000 Soldaten mit Panzern, Hubschraubern und etwa 30 Kampfflugzeugen vom Typ Mirage nach Saudi-Arabien zu verlegen.

Am 25. September 1990 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 670, die das Embargo auch auf den Luftverkehr ausweitete.

Am 3. Oktober 1990 verurteilten in Kairo die Au√üenminister der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) die irakische Besetzung Kuwaits und forderten den sofortigen R√ľckzug der Truppen und die Wiederherstellung des Status quo ante.

Der saudi-arabische K√∂nig Fahd und US-Au√üenminister James Baker verst√§ndigten sich am 6. November 1990 darauf, dass die USA die Befehlsgewalt √ľber die Truppen Saudi-Arabiens im Falle eines Krieges gegen den Irak √ľbernehmen.

Am 7. November 1990 erreichte der deutsche Bundeskanzler a. D. und SPD-Ehrenvorsitzende Willy Brandt die Freilassung von 174 ausländischen Geiseln im Irak.

Am 29. November 1990 verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 678 und stellte darin dem Irak ein Ultimatum f√ľr einen R√ľckzug bis zum 15. Januar 1991, wobei er ‚Äěalle notwendigen Mittel, die Resolution 660 zu unterst√ľtzen und durchzuf√ľhren‚Äú, f√ľr rechtens erkl√§rte.

Am 6. Dezember 1990 ordnete Saddam Hussein die Freilassung von etwa 3.000 noch festgehaltenen westlichen Geiseln im Irak an. US-Pr√§sident George Bush begr√ľ√üte diesen Schritt, erkl√§rte jedoch, dass dies nichts an der Entschlossenheit der USA √§ndere, die Besetzung Kuwaits r√ľckg√§ngig zu machen.

Am 24. Dezember 1990 drohte der irakische Präsident Saddam Hussein, dass Israel das erste Ziel eines Angriffs sein werde, sollten die Koalitionsstreitkäfte angreifen.

Am 26. Dezember 1990 entsandte die Sowjetunion zwei Emiss√§re nach Bagdad, um die R√ľckkehr der 1.700 noch im Irak befindlichen Fachleute und Beamten vor Ablauf des Ultimatums zu erm√∂glichen.

Am 2. Januar 1991 beschloss der Nordatlantikrat der NATO auf Bitten der T√ľrkei die Entsendung von Teilen der Luftkomponente der Allied Command Europe Mobile Force (AMF) von mehr als 40 Kampfflugzeugen aus Belgien, Deutschland (darunter 18 Alpha Jet) und Italien in die T√ľrkei.

Am 2. Januar 1991 wurde von US-Offiziellen ein weiteres R√ľckzugsangebot offengelegt, das Ende Dezember 1990 vom Irak unterbreitet wurde. Der Vorschlag bot den R√ľckzug aus Kuwait, wenn die USA im Gegenzug bereit w√§ren, auf einen Angriff w√§hrend des R√ľckzuges zu verzichten, ausl√§ndische Truppen die Region verlassen w√ľrden, ein Abkommen √ľber das Pal√§stina-Problem getroffen w√ľrde und Nuklearwaffen aus der Region verbannt w√ľrden. Ungenannte US-Offizielle beschrieben das Angebot als ‚Äěinteressant‚Äú, da es auf Grenzverhandlungen verzichtete und das irakische Interesse an einer Beilegung des Konfliktes auf Verhandlungsbasis zeigte. Das Angebot wurde sofort von der US-Regierung abgelehnt, weil es Bedingungen f√ľr den R√ľckzug enthielt.[10]

Verschiedene Friedensvertr√§ge wurden erwogen, aber keiner geschlossen. Die Vereinigten Staaten beharrten darauf, dass die einzige annehmbare Friedensbedingung der volle bedingungslose R√ľckzug des Iraks aus Kuwait sei. Der Irak beharrte darauf, dass der R√ľckzug aus Kuwait mit einem gleichzeitigen R√ľckzug der syrischen Truppen aus Libanon und der israelischen Truppen aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen, den Golanh√∂hen und dem S√ľdlibanon verbunden werden m√ľsse.

Am 12. Januar 1991 beschloss der Kongress der USA, den Irak unter Anwendung milit√§rischer Gewalt aus Kuwait zu vertreiben. Mit 250 zu 183 Stimmen im Repr√§sentantenhaus und 52 zu 47 Stimmen im Senat stimmten die Volksvertreter f√ľr einen Milit√§reinsatz zur Verwirklichung der UN-Resolution 678.

Am 14. Januar 1991 stimmten die 250 Abgeordneten des irakischen ‚ÄěKommandorates der Revolution‚Äú per Akklamation f√ľr einen Krieg.

Luftkrieg

Irakische Scud-B-Raketen, Aufnahme 1989

Am 17. Januar 1991, 03:00 Uhr Lokalzeit (= 16. Januar, 19:00 Uhr EST), einen Tag nach dem in der Resolution 678 genannten Stichtag vom 15. Januar, l√∂ste das B√ľndnis einen massiven Luftkrieg aus; dies war der Beginn der Operation Desert Storm (Operation W√ľstensturm). Die Koalitionsstreitkr√§fte flogen in den ersten 20 Stunden mit √ľber 750 Kampfflugzeugen und Bombern rund 1300 Angriffe auf Ziele im Irak. Dabei setzten sie pr√§zisionsgelenkte Munition, Streubomben, Daisy Cutters (‚ÄěG√§nsebl√ľmchenm√§her‚Äú) und Marschflugk√∂rper ein. In der ersten Kriegsnacht verlor der Irak s√§mtliche Leitzentren seiner Luftstreitkr√§fte sowie alle Radaranlagen und einen Gro√üteil seiner Flugabwehrraketenstellungen. Gro√üe Teile der irakischen Kampfflugzeuge wurden noch am Boden zerst√∂rt. Eine MiG-25PD der irakischen Luftstreitkr√§fte erzielte den einzigen Luftsieg des Irak gegen die US Navy, als ihr der Abschuss einer F/A-18C gelang.

Die US-Alliierten gaben zum Zeitpunkt der vorl√§ufigen Waffenruhe die eigenen Verluste sp√§ter mit insgesamt 23 (anderen Angaben zufolge 30) abgeschossenen und abgest√ľrzten Maschinen an, die irakische Seite verk√ľndete etwa 300.

Am folgenden Tag, dem 18. Januar, wurden vom Irak aus erstmals acht Scud-Raketen auf Israel abgefeuert. Im Verlauf des Krieges wurden 40 Scuds auf Israel und 46 auf Saudi-Arabien abgefeuert, denen zwei Israelis und 28 US-Soldaten in einer Kaserne in Saudi-Arabien zum Opfer fielen.

Abgeschossene irakische Scud-Rakete 1991

Am 19. Januar 1991 entsandten die USA Flugabwehrraketen vom Typ MIM-104 Patriot nach Israel. Israel konnte auch durch eine Desinformationskampagne weitere Sch√§den vermeiden: in den √∂ffentlich zug√§nglichen Medien wurden Standorte von Einschl√§gen gemeldet, die deutlich weiter westlich als die wahren Einschl√§ge lagen. Irakische Milit√§rs nahmen daher an, ihre Raketen seien zu weit geflogen, und justierten weitere Raketen auf eine k√ľrzere Flugstrecke, so dass diese au√üerhalb des israelischen Staatsgebietes einschlugen. Eine √§hnliche Vorgehensweise hatte schon im Zweiten Weltkrieg dazu beigetragen, die Sch√§den durch V1- und V2-Raketen im Londoner Stadtgebiet zu verringern.

Einigen irakischen Piloten gelang am 27. Januar 1991 mit insgesamt 144 MiG-23 und MiG-29 die Flucht in den Iran. Der Iran setzte UN-Generalsekret√§r Javier P√©rez de Cu√©llar am 28. Januar davon in Kenntnis und informierte auch dar√ľber, dass den Piloten bis zur Einstellung der Kampfhandlungen die Verwendung der Kampfflugzeuge nicht gestattet wird. Am 6. Februar scho√ü eine US-amerikanische F-15C (Captain Thomas Dietz) der 36th Tactical Fighter Wing mit AIM-9 Sidewinder-Lenkwaffen zwei irakische MiG-21 ab.

Schnellauftankpunkt der 101. US-Luftlandedivision im Norden Saudi-Arabiens

Ab dem 7. Februar operierten auch Spezialeinheiten, unter anderem das 1st U.S. SOF und der britische Special Air Service (SAS), hinter den feindlichen Linien bis zur syrischen Grenze, um entsprechende Scud-Abschusssysteme ausfindig zu machen und zu zerst√∂ren oder als Ziel f√ľr Luftschl√§ge zu markieren. Nahe der Stadt Al-Qa'im versuchten die irakischen Einheiten beispielsweise, ihre mobilen Abschusssysteme in einer Phosphatmine zu tarnen.[11]

Die milit√§rische Luft√ľberlegenheit der Koalition konnte schnell etabliert werden; die Luftstreitkr√§fte flogen umfangreiche Angriffe, ohne auf wesentlichen Widerstand zu sto√üen. Der Luftkrieg richtete sich auf milit√§rische Ziele wie die irakische Republikanische Garde in Kuwait, Luftverteidigungssysteme, Scud-Raketensysteme, Milit√§rflugzeuge und Flugpl√§tze, Spionagesysteme und die Marine. Zugleich zielte er auf Anlagen, die sowohl dem Milit√§r als auch den Zivilisten n√ľtzlich sein k√∂nnten: Elektrizit√§tsanlagen, Nachrichtentechnik, Hafeneinrichtungen, √Ėlraffinerien und -pipelines, Eisenbahnen und Br√ľcken. Die Energieversorgung des industrialisierten Landes wurde zerst√∂rt. Am Ende des Krieges lag die Elektrizit√§tsproduktion bei vier Prozent des Vorkriegsniveaus, Monate sp√§ter bei 20 bis 25 Prozent.

Des Weiteren wurde die Trinkwasserversorgung weitflächig gezielt zerstört, was insbesondere die Zivilbevölkerung schwer leiden ließ. Bomben zerstörten die Steuerungssysteme aller großen Staudämme, der meisten Pumpstationen und zahlreiche Kläranlagen. Das Abwasser floss direkt in den Tigris, von dem die Zivilbevölkerung Trinkwasser entnehmen musste, woraus die Verbreitung epidemischer Krankheiten resultierte.

In den meisten F√§llen vermieden die Verb√ľndeten, rein zivile Ziele anzugreifen. Jedoch starben alleine √ľber 300 Zivilisten durch Bombentreffer w√§hrend eines Luftangriffs auf einen Luftschutzbunker am 13. Februar 1991 in Bagdad. Die US-Regierung erkl√§rte, dass der Bunker ein legitimes milit√§risches Ziel gewesen sei, und bedauerte den Verlust von Menschenleben.

Der Irak richtete seine Raketenangriffe auf Milit√§rbasen des B√ľndnisses in Saudi-Arabien und auf Israel in der Hoffnung, Israel direkt in die Kriegshandlungen zu ziehen und somit die anderen arabischen Staaten zum Verlassen des B√ľndnisses zu bewegen. Diese Strategie scheiterte. Israel nahm die Koalition nicht in Anspruch und die arabischen Staaten blieben im B√ľndnis, ausgenommen Jordanien, das offiziell g√§nzlich neutral blieb.

Zwei zerstörte irakische Bunker

Die irakische Luftwaffe erwies sich als g√§nzlich unf√§hig, effektiv in die Kampfhandlungen am Boden oder in der Luft einzugreifen. Dies war unter anderem eine direkte Folge der fr√ľhen und intensiven Bombardierung ihrer Flugpl√§tze durch die Alliierten. Zwar waren viele Flugzeuge in widerstandsf√§higen Sheltern untergebracht, diese wurden aber durch bunkerbrechende Bomben (zumeist vom Typ BLU-109) effektiv ausgeschaltet. Dar√ľber hinaus wurden auch die Start- und Landebahnen sowie die Rollbahnen und Vorfelder der Flugpl√§tze angegriffen, so dass die noch intakten Maschinen nicht abheben konnten und leichte Ziele f√ľr weitere Angriffe darstellten. Die verbleibenden Kampfflugzeuge, die starten konnten und sich den Alliierten entgegenstellten, sahen sich mit einem zahlenm√§√üig und technisch √ľberlegenen Feind konfrontiert. F√ľr die Sicherung der Luft√ľberlegenheit waren prim√§r die F-15C Eagle der US Air Force zust√§ndig. Diese fassten viele Ziele entweder mit ihrem eigenen weitreichendem Radar auf oder wurden von den E-3 AWACS-Maschinen instruiert und auf Abfangkurs gebracht. W√§hrend des Krieges schossen die F-15 so 28 irakische Kampfflugzeuge und 3 Hubschrauber ab,[12] ohne dabei Verluste zu erleiden. Weitere f√ľnf Absch√ľsse gingen auf das Konto anderer Muster (F/A-18, F-14 und A-10).[13] Die irakische Luftwaffe verlor haupts√§chlich Flugzeuge vom Typ Mirage F1 (8), MiG-23 (6), MiG-25 (3), MiG-29 (4) und Suchoi Su-22 (3).[13] Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die Mehrzahl der Gefechte auf gro√üe Distanz (Beyond Visual Range) mit weitreichenden Lenkwaffen ausgetragen. Die F-15 setzten hierbei erfolgreich die AIM-7 Sparrow ein,[13] welche im Vietnamkrieg noch sehr ineffizient war. Dies ist haupts√§chlich auf Verbesserungen an der Waffe, neue Radarger√§te, ausgereifte Systeme zur Freund-Feind-Erkennung und verbessertes Training der Piloten zur√ľckzuf√ľhren. Bei den seltenen Luftk√§mpfen auf kurze Distanz kam die AIM-9 zum Einsatz.[13] Der irakischen Luftwaffe gelang w√§hrend des gesamten Krieges nur zwei Absch√ľsse: Der Pilot Zuhair Dawood konnte am 17. Januar mit seiner MiG-25PDS die F/A-18 von Scott Speicher ca. 150 Kilometer westlich von Bagdad abfangen und mit einer R-40RD-Lenkwaffe abschie√üen. Der Zweite Abschuss gelang zwei Tage sp√§ter durch den Piloten Jameel Sayhood. Er konnte einen britischen Aufkl√§rer vom Typ Tornado GR.1A mit seiner MiG-29 und einer R-60MK auf kurze Distanz vernichten.[14] Dar√ľber hinaus konnten andere Piloten in der MiG-29 und -23 noch drei F-111 und eine B-52 besch√§digen.[14] Diese Erfolge reichten allerdings bei weitem nicht aus, um die Operationen der Alliierten ernsthaft zu gef√§hrden.

Der Irak verf√ľgte zu Kriegsbeginn √ľber ein voll integriertes, computergest√ľtztes Luftverteidigungssystem, welches aus Frankreich beschafft worden war und den Namen ‚ÄěKari‚Äú trug.[15] Es verband die Zentrale in Bagdad mit vier Sektor-Einsatzzentralen, welche wiederum mit 17 Abfangzentralen vernetzt waren. Insgesamt arbeiteten in diesem System rund 500 Radarger√§te. Die folgende Tabelle gibt Aufschluss √ľber die Anzahl und die Standorte einiger irakischer SAM-Batterien vor Kriegsbeginn:[15]

Ein (ehemals) irakisches SA-6 Startgerät
Standort SA-2 Guideline SA-3 Goa SA-6 Gainful SA-8 Gecko Roland 2 Gesamt
Bagdad 10 16 8 15 9 58
Mosul/Kirkuk 1 12 0 1 2 16
Basra 2 0 6 0 6 15
Flugplätze
H-2 und H-3
1 0 6 0 6 13
Tahil/Jalibah 1 0 0 0 2 3
Insgesamt
einsatzbereit
15 28 22 16 24

Im Kurzstreckensegment waren noch hochmobile Flugabwehrsysteme vom Typ SA-9 Gaskin, SA-13 Gopher und ZSU-23-4 Schilka (ca. 4000 St√ľck) vorhanden.[15] Dar√ľber hinaus standen eine gro√üe Menge an schultergest√ľtzten MANPADS vom Typ SA-7 Grail und SA-14 Gremlin zur Verf√ľgung, welche sich haupts√§chlich bei mobilen Verb√§nden im Feld befanden.[15]

W√§hrend des Krieges erwies sich die Luftabwehr im Vergleich zur Luftwaffe als wesentlich effektiver bei der Abwehr der Alliierten, die insgesamt 42 Flugzeuge durch Beschuss vom Boden verloren. Folgende Liste schl√ľsselt die Ereignisse genauer auf:[16]

Eine F/A-18 wurde hier durch eine SA-7-Luftabwehrrakete direkt an der linken Triebwerksd√ľse getroffen, wobei sie allerdings flugf√§hig blieb.
Verluste Beschädigt
Flak 15 19
Radar-FlaRak 9 6
IR-FlaRak 14 12
Unbekannt 3 4
Gesamt 43 31

Die weitreichenden radargelenkten Flugabwehrraketen (FlaRak) waren lediglich in den ersten Tagen des Krieges verh√§ltnism√§√üig effektiv. Ein Grund hierf√ľr waren die intensiven elektronischen Gegenma√ünahmen der Alliierten, die von den EF-111 und EA-6B mit ihren leistungsf√§higen AN/ALQ-99-St√∂rsystemen durchgef√ľhrt wurden. Au√üerdem wurde parallel eine gro√üe Zahl SEAD-Missionen geflogen, wodurch ein Gro√üteil der Radaranlagen zumeist durch AGM-88-HARM-Lenkwaffen zerst√∂rt wurde. Durch die Niederhaltung oder Zerst√∂rung der weitreichenden radargelenkten Flugabwehrraketen konnten sich die Alliierten Flugzeuge in gro√üer H√∂he (>10 km) schon bald frei bewegen.

Zur Unterst√ľtzung der Bodentruppen mittels Luftnahunterst√ľtzung mussten allerdings viele Maschinen diese sichere H√∂he verlassen und auf wenige Kilometer √ľber Grund sinken. Hierdurch gerieten sie in Reichweite der infrarotgelenkten Flugabwehrraketen. Diese besa√üen zwar keine gro√üe Reichweite, sendeten aber in den meisten F√§llen keine Radar-Emissionen aus und waren sehr mobil, so dass sie schwierig zu entdecken waren. Eine Warnung vor anfliegenden Raketen war meist nur √ľber das Sichten der Abgasspur der gestarteten Lenkwaffen m√∂glich, so dass die Piloten nur wenig Zeit zum Reagieren und Ausweichen zur Verf√ľgung hatten. √Ąhnlich verhielt es sich mit den zahlreichen Flugabwehrkanonen (Flak), die oft nur unpr√§zises Sperrfeuer abgeben konnten, welches aber hin und wieder auch zu Treffern und Absch√ľssen f√ľhrte. Aufgrund ihrer gro√üen Zahl und verdeckten Operationsweise blieben infrarotgelenkte Flugabwehrraketen und Flaks bis zum Ende des Krieges eine konstante Bedrohung f√ľr niedrig fliegende Flugzeuge. Insgesamt konnte auch die Flugabwehr die Alliierten nur begrenzt aufhalten oder st√∂ren.

Bodenkrieg

Verlauf der Invasion der Koalitionstruppen
Aufstellung britischer Panzerfahrzeuge
Zwei amerikanische Panzer vom Typ M2 Bradley
Zerst√∂rte irakische Kampfpanzer im S√ľdirak, M√§rz 1991
Zerstörte irakische Panzer und Truppentransporter, März 1991
Durch einen Luftangriff zerstörte Militär- und Zivilfahrzeuge im Februar 1991, siehe auch: Highway of Death
Von Irakern in Brand gesetzte √Ėlanlagen in Kuwait ‚Äď Foto vom 2. M√§rz 1991
Durch Luftangriffe zerst√∂rtes √Ėlvorratslager nahe der kuwaitischen Grenze, 5. M√§rz 1991.
Kuwaitische A-4KU vor einem Einsatz in Februar 1991

Am 29. Januar 1991 unternahm die irakische Armee mit Panzern eine Bodenoffensive auf die saudi-arabische Grenzstadt al-Chafdschi (Khafji), anschließend kam es zur Schlacht von Khafji.

Am 22. Februar 1991 stimmte der Irak einer durch die Sowjetunion vorgeschlagenen Waffenruhe zu. Die Vereinbarung verlangte, dass der Irak seine Truppen innerhalb von drei Wochen auf die Position vor dem Einmarsch zur√ľcknehmen solle, worauf sich eine Waffenruhe anschlie√üen w√ľrde, und verlangte weiter die √úberwachung von Waffenruhe und R√ľckzug durch den UNO-Sicherheitsrat. Die USA lehnten diese Vorschl√§ge ab, sicherten aber zu, den R√ľckzug der irakischen Truppen nicht anzugreifen, und gaben dem Irak ein Ultimatum f√ľr einen R√ľckzug aus Kuwait bis 23. Februar 1991 12:00 Uhr New Yorker Zeit (18:00 Uhr MEZ).

Am 24. Februar 1991, 04:00 Uhr Ortszeit (= 23. Februar 20:00 Uhr EST), begannen die USA ihren Bodenkrieg. Bald darauf drang ein Konvoi von Marines tief in irakisches Territorium ein und nahm Tausende von desertierten irakischen Soldaten gefangen, die geschwächt und durch den umfangreichen Luftkrieg demoralisiert waren.

Eine der Hauptbef√ľrchtungen, dass der Irak chemische Waffen einsetzen k√∂nnte, best√§tigte sich nicht. Der Vormarsch der Alliierten erfolgte viel schneller, als es die US-Gener√§le erwarteten. Am 26. Februar begannen die irakischen Truppen offiziell mit dem R√ľckzug aus Kuwait, steckten die kuwaitischen √Ėlfelder beim Verlassen in Brand und √∂ffneten die Sperrriegel an kuwaitischen √Ėlterminals, so dass sich riesige Mengen √Ėls in den persischen Golf ergossen und eine Umweltkatastrophe ausl√∂sten. Ein langer Konvoi der irakischen Truppen ‚Äď bestehend auch aus vielen irakischen Zivilisten ‚Äď zog sich entlang der Hauptverbindungsstra√üe Irak-Kuwait zur√ľck. Dieser Konvoi wurde von den Verb√ľndeten stundenlang bombardiert und die Stra√üe als ‚ÄěHighway of Death‚Äú bekannt. Die Bombardierung der auf dem R√ľckzug befindlichen Truppen und der eingeschlossenen Zivilisten wurde von zahlreichen unabh√§ngigen Beobachtern und Menschenrechtlern als Kriegsverbrechen eingestuft, unter anderem vom fr√ľheren US-Justizminister Ramsey Clark.

Hundert Stunden nach der Bodeninvasion wurde am 27. Februar Kuwait City befreit; in der darauf folgenden Nacht verk√ľndete Pr√§sident Bush am 28. Februar Waffenruhe.

Der Oberbefehlshaber der Koalitionsstreitkr√§fte General Norman Schwarzkopf erkl√§rte, dass 29 irakische Divisionen kampfunf√§hig gemacht ‚Äď etwa 3008 Kampfpanzer, 1879 der 2870 gepanzerten Fahrzeuge und 2140 der 3100 Artilleriegesch√ľtze zerst√∂rt wurden. 63.000 irakische Soldaten befanden sich in Kriegsgefangenschaft.

Der Enth√ľllungsjournalist Seymour Hersh ver√∂ffentlichte im Jahr 2000 im Magazin The New Yorker, dass eine von dem Zwei-Sterne-General Barry McCaffrey gef√ľhrte amerikanische Einheit an mehreren Massakern an irakischen Einheiten, die bereits kapituliert hatten, und an Zivilisten beteiligt war. McCaffrey wehrte sich √∂ffentlich gegen die Vorw√ľrfe, die allerdings durch eine gro√üe Zahl der von Hersh gef√ľhrten Interviews zweifelsfrei belegt sind. Hersh zeigte in seinem 32seitigen Artikel auch, dass mehrere fr√ľhere Untersuchungen des Milit√§rs zu den Vorw√ľrfen unzureichend und einseitig gef√ľhrt wurden.

Eine Friedenskonferenz fand im S√ľden des Iraks statt, auf einem kleinen Gebiet hinter der Grenze, das die Alliierten besetzt hatten. Bei der Konferenz verhandelte der Irak √ľber die Nutzung bewaffneter Hubschrauber auf der eigenen Seite der gegenw√§rtigen Grenze. Bald danach waren diese Hubschrauber und ein gro√üer Teil der irakischen Streitkr√§fte unterwegs, um einen schiitischen Aufstand im S√ľden zu bek√§mpfen.

Im Norden vertrauten Kurdenf√ľhrer den amerikanischen Zusicherungen, dass diese einen Volksaufstand unterst√ľtzen w√ľrden, und begannen zu k√§mpfen in der Hoffnung, einen Angriff auszul√∂sen. Als jedoch die amerikanische Unterst√ľtzung ausblieb, konnten die irakischen Gener√§le in brutaler Konsequenz die kurdischen Einheiten unbehelligt vernichten. Millionen von Kurden flohen darauf √ľber die Berge in die kurdischen Gebiete der T√ľrkei und des Irans. Daraufhin wurden auf US-Druck die sogenannten Flugverbotszonen im Norden und im S√ľden des Iraks (siehe unten) eingerichtet, um √úbergriffe aus der Luft unterbinden zu k√∂nnen. In Kuwait wurde der Emir wieder eingesetzt und die konservative Regierung ging gegen vermutete irakische Kollaborateure vor. Dies traf insbesondere Pal√§stinenser, die sich von Saddam Unterst√ľtzung im Kampf gegen Israel erhofften und daher in gro√üer Zahl mit den irakischen Truppen zusammenarbeiteten. Mehrere hunderttausend Menschen mussten das Land verlassen.

Am 1. M√§rz 1991 gab die kuwaitische staatliche √Ėlgesellschaft bekannt, dass 950 √Ėlquellen brennen oder auf andere Weise durch den Irak sabotiert wurden z. B. durch Verminung.

Am 2. M√§rz 1991 verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 686, in der die Rahmenbedingungen f√ľr einen dauerhaften Waffenstillstand festgelegt wurden.

Am 3. M√§rz fanden in der s√ľdirakischen Stadt Safwan die Waffenstillstandsvereinbarungen statt.

Am 5. M√§rz 1991 annullierte der irakische ‚ÄěKommandorat der Revolution‚Äú die Annexion Kuwaits.

Am 12. April 1991 trat der Waffenstillstand zwischen dem Irak und den Koalitionsstreitkräften in Kraft, was das offizielle Endes des Krieges bedeutet.

Am 28. Mai 1991 verk√ľndete das US-Verteidigungsministerium, dass 464.000 US-Soldaten, die an der Operation Desert Storm teilnahmen, inzwischen die Region am Persischen Golf verlassen haben. Etwa 76.000 Soldaten blieben allerdings in dem Gebiet stationiert.

Medienkrieg

Die Politik der USA hinsichtlich der Medien- und Pressefreiheit war viel restriktiver als in vorhergehenden kriegerischen Auseinandersetzungen. Die meisten Presseinformationen kamen aus den durch das Milit√§r organisierten Informationsveranstaltungen, so genannten Briefings. Nur ausgew√§hlten Journalisten wurden Vor-Ort-Besuche erlaubt beziehungsweise die Genehmigung zu Interviews mit Soldaten erteilt. Diese Gespr√§che wurden stets in Anwesenheit von geschulten Presse-Offizieren gef√ľhrt und waren abh√§ngig sowohl von der vorherigen Zustimmung durch das Milit√§r als auch von der nachtr√§glichen Zensur. Zudem wurden den Journalisten auch nur bedingt Visa f√ľr den Aufenthalt in den Kriegsgebieten erteilt. Die ausgew√§hlten Journalisten waren fortan in einem Medienpool eingespannt, der von den amerikanischen Streitkr√§ften nahezu l√ľckenlos kontrolliert wurde. Das Vorgehen sollte scheinbar sensible Informationen vor einer Entdeckung durch den Irak sch√ľtzen; in der Praxis wurde erkennbar, dass es verwendet wurde, um Informationen √ľber politische Peinlichkeiten vor einer Entdeckung durch die √Ėffentlichkeit zu sch√ľtzen. Diese Politik war massiv durch die Erfahrung des Milit√§rs mit dem Vietnamkrieg belastet, den man wegen der √∂ffentlichen Opposition innerhalb der Vereinigten Staaten verloren glaubte.

Zugleich war die Pr√§senz dieses Krieges und seiner Gleichzeitigkeit neu. Viele amerikanische Journalisten blieben w√§hrend des Krieges in der irakischen Hauptstadt Bagdad stationiert, und die Ankunft der Raketen wurde fast in voller L√§nge nahezu zeitgleich in den abendlichen Fernseh- und Rundfunknachrichten wie CNN √ľbertragen ‚Äď aufgrund abgesprochener Synchronisation mit dem Milit√§r. (Der Reporter hatte einen Tipp bekommen, zur fraglichen Zeit ‚Äědie Augen weit aufzumachen, es w√ľrde sich lohnen‚Äú.)

Zur Rechtfertigung des Krieges wurden zuvor einige sp√§ter als F√§lschung entlarvte Gr√§uelberichte in die Massenmedien lanciert. Hierbei wurde insbesondere die so genannte Brutkastenl√ľge bekannt: Den irakischen Truppen wurde vorgeworfen, in kuwaitischen Krankenh√§usern Babys aus Brutk√§sten gerissen und dadurch ermordet zu haben. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass eine New Yorker PR-Firma diese Falschinformation im Auftrag der US-Organisation Citizens for a Free Kuwait in Umlauf gebracht hatte. Die f√ľnfzehnj√§hrige Nijirah al-Sabah, die als angebliche Krankenschwester unter Tr√§nen vor dem US-Kongress von den S√§uglingsmorden berichtete, war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA.[17] Ein angeblicher Chirurg, der als Zeuge vor den Vereinten Nationen auftrat, war in Wahrheit Zahnarzt und gestand sp√§ter ein, gelogen zu haben. Dennoch entsprachen viele der Berichte √ľber irakische Kriegsverbrechen der Wahrheit, von Pl√ľnderungen zu Verhaftungen, Entf√ľhrungen und Hinrichtungen. Umgekehrt betrieb auch die irakische Regierung gezielte Desinformation. So wurden zerst√∂rte Industriekomplexe als Anlagen zur Gewinnung von Milchpulver ausgegeben.

Technologie

Patriot-Abwehrraketensystem

Pr√§zisionsgelenkte Munition (PGMs, auch Smart Bombs) wie der Lenkflugk√∂rper AGM-130 der US Air Force wurden erstmals als der Schl√ľssel dargestellt, der milit√§rische Schl√§ge mit einem Minimum an zivilen Opfern erlaubte. Bestimmte Geb√§ude im Zentrum Bagdads konnten nun bombardiert werden, w√§hrend Journalisten in ihren Hotels die Marschflugk√∂rper im Fluge beobachteten. Der Anteil der ‚Äěintelligenten‚Äú Bomben betrug jedoch nur ungef√§hr 7,4 % aller Bomben, die die Koalition einsetzte. Zudem trafen weitaus weniger dieser Bomben ihr Ziel so genau, wie es von Seiten der Milit√§rs in den √∂ffentlichen Medien dargestellt wurde. Andere Bombenangriffe wurden mit Streubomben geflogen, die kleinere Bomben (sogenannte Bomblets) aussto√üen, und Daisy Cutters, 15.000-Pfund-Bomben, mit einem Zerst√∂rungsradius von bis zu 100 Metern. Der gr√∂√üte Teil der Bombenmenge wurde wie in Vietnam in Form von Bombenteppichen durch B-52 Bomber abgeworfen und traf gro√üe Fl√§chen.

Von irakischer Seite wurden Scud-Raketen eingesetzt. Es handelt sich dabei um ballistische Kurzstreckenraketen, die in der Sowjetunion entwickelt worden waren und nicht mehr dem technologischen Stand der Zeit entsprachen. Es wurden Raketen gegen Saudi-Arabien und Israel abgefeuert. Einige forderten zahlreiche Opfer, andere verursachten geringe Sch√§den. Israel bef√ľrchtete Angriffe mit chemischen und biologischen Gefechtsk√∂pfen auf diesen Raketen, die aber nicht eingesetzt wurden. Die Bem√ľhungen der Koalition, die Scud-Abschussrampen zu beseitigen oder die Scuds im Flug mit MIM-104-Patriot-Raketen abzuschie√üen, verliefen weniger wirkungsvoll, als es die milit√§rischen F√ľhrer zu jener Zeit glauben machen wollten.

Das Globale Navigationssystem (GPS) war ein Mittel, das den Einheiten der Koalition die Navigation √ľber der W√ľste erm√∂glichte, ohne durch feindliche Truppen entdeckt zu werden. Das Warn- und Steuersystem (AWACS) und die Satellitenkommunikation erwiesen sich als ebenso wichtig beim strategischen Planen und √úberwachen des Gegners, der dem nichts entgegenzusetzen hatte.

Von Boden aus brachte die US Army in der Operation ‚ÄěSand Cancer‚Äú mobile St√∂rsender in Stellung, die gegen die Kurzwellen-Verbindungen der irakischen Armee gerichtet waren.[18]

Ergebnis

Opfer und Verluste

Die Zahl der Golfkriegsopfer ist umstritten. N√§here Angaben gibt es nur f√ľr die Opfer und Verluste der Streitkr√§fte der Alliierten.

Alliierte

Insgesamt gab es w√§hrend der Operation ‚ÄěDesert Storm‚Äú bei den Alliierten durch Kampfhandlungen 240 Tote und 776 Verwundete. Durch Unf√§lle starben au√üerdem 138 Soldaten und es gab 2.978 Verwundete vom Beginn von ‚ÄěDesert Shield‚Äú bis zum Ende der Operationen.

  • USA: 147 offiziell Gefallene und 235 ‚Äědurch Unf√§lle und andere Ursachen ums Leben‚Äú gekommene US-Amerikaner,[19] 458 Verwundete, 60 Flugzeuge (34 Absch√ľsse, 26 Verluste durch Unf√§lle), 15 Hubschrauber, 23 Panzer M1 Abrams, 20 Sch√ľtzenpanzer M2 Bradley, 1 Artilleriekanone sowie 2 Schiffe (USS Tripoli und USS Princeton) durch Minen besch√§digt.
  • Gro√übritannien: 47 Tote, 6 Verwundete, 7 Flugzeuge.[7]
  • Saudi-Arabien: 18 Tote, 20 Verwundete, 2 Flugzeuge.
  • Arabische Kontingente: 13 Tote, 43 Verwundete.
  • Frankreich: 2 Tote, 27 Verwundete.
  • Italien: 1 Flugzeug.
  • Senegal: 8 Verwundete.

Irak

Die irakischen Opferzahlen sind heftig umstritten. Manche behaupten eine niedrige Zahl von 1.500 getöteten Soldaten, manche gehen bis 200.000. Viele Wissenschaftler nehmen eine Zahl um 25.000 bis 75.000 an. Die Zahl der verwundeten Soldaten ist weitgehend unbekannt. Die US-Truppen haben 71.000 irakische Kriegsgefangene gemacht. Schätzungen, irakische zivile Todesopfer betreffend, reichen bis zu 35.000. Die irakischen Zivilverteidigungsbehörden geben heute die Zivilverluste mit 2.278 Opfern, vor allem in Bagdad, das sieben Wochen bombardiert wurde, an.[20]

Unvollständig muss die Bilanz des Kollateralschadens bleiben. Von den Alliierten wurden 320 Tonnen Geschosse aus abgereichertem Uran (Depleted Uranium, DU) verschossen, vor allem von den Bordkanonen der Apache-Hubschrauber, der A-10-Erdkampfflugzeuge und den Kanonen der M1-Kampfpanzer. Etwa 1 Tonne wurde von britischen Panzern verschossen.[21]

Urangeschosse sind sogenannte KE-Penetratoren oder Wuchtgeschosse und werden als panzerbrechende Munition eingesetzt. Uran ist aufgrund seiner hohen Dichte einerseits und aufgrund seiner selbstsch√§rfenden Wirkung w√§hrend des Durchdringens der Panzerung andererseits besonders dazu geeignet. Nach dem Durchdringen der Panzerung verwandelt sich das erhitzte Geschoss zu Teilen in ein Aerosol (Uranstaub) und entz√ľndet sich im Inneren des beschossenen Panzerfahrzeugs an der Luft. Dadurch wird die Besatzung get√∂tet, es dringen jedoch nur wenig Uranr√ľckst√§nde nach au√üen. Es kann aber auch passieren, dass die im Fahrzeuginneren befindliche Munition explodiert. Dadurch wird das Panzerfahrzeug aufgerissen (bei Panzern kann der Turm abgesprengt werden) und Uranr√ľckst√§nde gelangen in die Umwelt.

Der strahlende Anteil an Uran-235 betr√§gt im abgereicherten Uran zwar nur ca. 0,3 %, ist aber immer noch halb so hoch wie bei Natururan. Die Halbwertszeit des Uran-235 betr√§gt 700 Millionen Jahre. Dies soll m√∂glicherweise zu einer Steigerung der Krebsraten und zu Sch√§digungen im Erbgut der betroffenen Bev√∂lkerung gef√ľhrt haben. Kritiker f√ľhren darauf die stark gestiegene Zahl schwer missgebildeter Neugeborener im S√ľdirak zur√ľck. Weiterhin steht das abgereicherte Uran im Verdacht, das Golfkriegssyndrom verursacht zu haben und f√ľr die Missbildungen bei Kindern von amerikanischen Golfkriegsveteranen verantwortlich zu sein. Diese Zusammenh√§nge werden von britischer [22] und amerikanischer[23] Seite bestritten, die den Vertretern dieser These Unwissenschaftlichkeit vorwerfen. Gro√übritannien hat zu diesem Thema eine Expertenkommission, das Depleted Uranium Oversight Board eingerichtet.[24] Differenziert ist die Stellungnahme der Royal Society.[25]

Israel

Nach israelischen Angaben betrugen die Verluste unter der Bevölkerung insgesamt 74 Zivilisten. Davon starben zwei Personen direkt, vier indirekt durch Erstickung aufgrund von Gasmasken und die Restlichen durch Herzinfarkte.[26]

Kosten

Als Kosten des Krieges f√ľr die Vereinigten Staaten wurden vom Kongress etwa 61,1 Milliarden US-Dollar errechnet; 52 Milliarden von diesen Kosten wurden von verschiedenen anderen Staaten bezahlt, davon 36 Milliarden von Kuwait, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten. Deutschland beteiligte sich rein finanziell mit 17,9 Mrd. DM.[27] (auch genannt: ‚ÄěScheckbuchdiplomatie‚Äú, da sich die Bundesrepublik nicht aktiv mit ihren Soldaten am Krieg beteiligte).

Konsequenzen

Wirtschaftssanktionen

Wirtschaftssanktionen folgten dem Krieg postwendend. Dem Irak wurde zugestanden, bestimmte Produkte unter dem √Ėl-f√ľr-Lebensmittel-Programm zu importieren. Ein UNICEF-Report recherchierte 1998, dass die Sanktionen eine Zunahme von 90.000 Todesf√§llen pro Jahr (IAC), insbesondere bei Kleinkindern und Babys, zur Folge hatten.

Waffeninspektionen

Am 15. Mai 1991 begann die Internationale Atomenergie-Agentur IAEO gemäß den Bedingungen des Waffenstillstands mit der Inspektion der irakischen Anlagen zur möglichen Herstellung von Atomwaffen.

Eine Waffenuntersuchungskommission der UNO (UNSCOM) wurde am 3. Juni 1991 aufgestellt, um die Befolgung der Waffenbeschr√§nkungen durch den Irak und die Zerst√∂rung der ballistischen Flugk√∂rper zu √ľberwachen. Der Irak akzeptierte einiges und lehnte andere Waffenkontrollen zu bestimmten Anlagen ab. 1997 wies er alle US-Angeh√∂rigen des Kontrollteams aus und behauptete, dass die Vereinigten Staaten die Kontrollen als Mittel f√ľr Spionage verwendeten, was die USA sp√§ter, nach lautstarken anf√§nglichen Dementis, auch einr√§umten. Das Team kehrte w√§hrend eines noch turbulenteren Zeitabschnitts zwischen 1997 und 1999 zur√ľck und wurde durch neue Inspekteure ersetzt; die Kontrollen begannen 2002.

Vor 1997 traf das Inspektionsteam auf eine Art Beweis f√ľr das biologische Waffenprogramm an einem Standort und auf Widerst√§nde an vielen anderen Standorten. Ein Mitglied des Waffeninspektionsteams, Scott Ritter, ein US-Marine bis 1998, behauptete, dass die Vereinigten Staaten die Inspektionen blockierten, weil sie keinen ma√üstabsgerechten Vergleich mit dem Irak w√ľnschten. Er behauptete auch, dass die CIA die Waffeninspektionsteams als Tarnung f√ľr verborgene Aktivit√§ten innerhalb des Iraks verwendete.

Flugverbotszonen

Am 3. M√§rz 1991 wurde bekannt, dass schiitische Rebellen im S√ľdirak die zweitgr√∂√üte Stadt Basra erobert haben, die von irakischen Armeeeinheiten zwei Tage sp√§ter wieder zur√ľckerobert wurde. Im Norden des Landes kontrollierten kurdische Rebellen die Stadt Sulaimaniyya, sp√§ter auch kurzzeitig die Stadt Kirkuk. Vor einem massiven irakischen Milit√§reinsatz im Nordirak fl√ľchteten Tausende von Kurden in die T√ľrkei, in den Iran und nach Syrien.

Am 5. April 1991 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 688, die die Unterdr√ľckung der Kurden und anderer Minderheiten im Irak verurteilte. Am 9. April erg√§nzte der Sicherheitsrat mit der Resolution 689 die Ma√ünahme durch die Entsendung einer Beobachtertruppe an der irakisch-kuwaitischen Grenze. Die UNIKOM-Beobachtertruppe bewacht ab dem 17. April mit 1440 Soldaten aus 34 Staaten die entmilitarisierte Zone zwischen Irak und Kuwait.

Am 17. Juli 1991 kommen bei schweren Kämpfen zwischen irakischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern in Sulaimaniyya und Arbil 500 Menschen ums Leben. Erst zwei Tage zuvor waren die letzten 3000 Soldaten der Koalitionsstreitkräfte im Nordirak abgezogen worden.

Als Reaktion auf die Aufst√§nde im Norden und im S√ľden und die irakischen Gegenma√ünahmen wurden unter Verweis auf die UN-Resolution 688 Flugverbotszonen eingerichtet, um die schiitischen und kurdischen Bev√∂lkerungsteile im Nord- und S√ľdirak zu sch√ľtzen. Diese Flugverbotszonen wurden haupts√§chlich durch die USA und Gro√übritannien durch die Operationen Northern Watch und Southern Watch √ľberwacht. H√∂hepunkt dieser Eins√§tze waren die Operation Desert Strike im September 1996 und die Operation Desert Fox vom 17. bis 20. Dezember 1998.

Sonstiges

Viele heimkehrende Soldaten der Koalition berichteten √ľber Krankheiten, die ihrer Teilnahme am Golfkrieg folgten, ein Ph√§nomen, das als Golfkriegssyndrom bekannt wurde. Es gab ‚Äď wegen m√∂glicher Schadenersatzforderungen ‚Äď weit verbreitete Spekulationen und Falschmeldungen √ľber die Ursachen (und das Bestehen) dieses Syndroms.

Als verursachender Faktor des Golfkriegssyndroms kommt in erster Linie das hochtoxische abgereicherte Uran, (Depleted Uranium, DU) infrage, das wegen seiner hohen Durchschlagskraft tonnenweise im zweiten und dritten Golfkrieg verschossen worden war und gro√üe Landstriche verseucht hat. Erst in zweiter Linie k√∂nnen andere Vergiftungen eine Rolle spielen ‚Äď z. B. die √Ėlfeuer oder Anthrax-Impfstoffe. Neuere Untersuchungen, die von den US-Milit√§rs bestritten werden, deuten auf die diversen Impfungen hin, die viele Soldaten zuvor erhalten haben, und die der K√∂rper in so hoher Dichte verschiedener Immunisierungsversuche manchmal nicht vertr√§gt.

Die Unterst√ľtzung des Iraks durch die Pal√§stinenser verursachte einige Unzufriedenheit unter ihren arabischen Unterst√ľtzern und hatte den Effekt, dass die Pal√§stinenser geheime Vermittlungen mit Israel begannen, die zu den Oslo-Abkommen f√ľhrten.

Die Volksrepublik China wurde durch die Schnelligkeit des B√ľndnissieges √ľberrascht und die Leichtigkeit des Sieges der Koalition veranlasste eine √Ąnderung in der Milit√§rischen Denkweise. Es kam zu einer technologischen Modernisierung in der Volksbefreiungsarmee, die eine √§hnliche Ausr√ľstung wie die Irakische Armee benutzte.

Die anhaltenden Sanktionen des Iraks und die anhaltende milit√§rische Anwesenheit der Amerikaner in Saudi-Arabien musste als Rechtfertigung f√ľr den Terrorangriff am 11. September 2001 herhalten. Andererseits wurden der Irak und besonders Saddam Hussein auch als Ziele f√ľr den Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Terrorismus √∂ffentlich dargestellt. Dies f√ľhrte 2003 zum Irakkrieg.

Siehe auch

Literatur

  • J√∂rn B√∂hme (Zusammenstellung): Der Golfkrieg, Israel und die deutsche Friedensbewegung. Dokumentation einer Kontroverse, Frankfurt a.M.: Haag & Herchen, 2. aktualisierte u. erw. Aufl., Nov. 1991, ISSN 0175-7024 (= ‚Äěisrael & pal√§stina. Zeitschrift f√ľr Dialog‚Äú, Sondernummer, hg. vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis f√ľr Frieden im Nahen Osten e. V.)
  • Ramsey Clark, ehem. US-Justizminister, W√ľstensturm. US-Kriegsverbrechen am Golf, Verlag ganzheitliche Forschung, Vi√∂l 2003, ISBN 3-936223-30-0
  • John R. MacArthur: Die Schlacht der L√ľgen. Wie die USA den Golfkrieg verkauften. dtv, M√ľnchen, 1993, ISBN 3-423-30352-2
  • Colin Powell, Mein Weg, Piper Verlag, M√ľnchen, 1995, S. 471‚Äď568 (Taschenbuch 1997); Colin Powell war zur Zeit des Krieges als Vorsitzender der Vereinten Stabschefs milit√§rischer Berater und enger Vertrauter des damaligen Pr√§sidenten George Bush sen.
  • Bruce W. Watson, Erfahrungen des Golfkrieges (ENFORCER P√ľlz) ISBN 3-939700-38-X
  • Hartmut Zehrer (Hrsg.): Der Golfkonflikt ‚Äď Dokumentation, Analyse und Bewertung aus milit√§rischer Sicht. Mittler, Herford / Bonn 1992; ISBN 3-8132-0400-6.
  • Daniel Yergin: Der Preis. Die Jagd nach √Ėl, Geld und Macht. Frankfurt 1991, ISBN 3-10-095804-7
  • Wolfgang G√ľnter Lerch: Kein Frieden f√ľr Allahs V√∂lker. Die Kriege am Golf. Geschichte, Gestalten, Folgen. S. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-043809-4
  • Thomas Seifert, Klaus Werner: Schwarzbuch √Ėl. Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld. 2006, ISBN 3-552-06023-5

Weblinks

 Commons: Zweiter Golfkrieg ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ vgl. Halliday, Fred: The Gulf War and Its Aftermath: First Reflections, International Affairs, Vol. 67, No. 2, (April 1991), S. 223f.
  2. ‚ÜĎ vgl. Halliday, Fred: The Gulf War and Its Aftermath: First Reflections, International Affairs, Vol. 67, No. 2, (April 1991), S. 224.
  3. ‚ÜĎ Greift Bagdad Kuweit an?, Der Spiegel Ausgabe 30/1990 vom 23. Juli 1990
  4. ‚ÜĎ Cable 90BAGHDAD4237, SADDAM'S MESSAGE OF FRIENDSHIP TO PRESIDENT BUSH
  5. ‚ÜĎ As the world watched the military build up at the Kuwaiti border, Saddam called a meeting with the US ambassador April Glaspie, who told Saddam: ‚ÄěWe have no opinion on the Arab-Arab conflicts, like your border disagreement with Kuwait.‚Äú She went on to say: ‚ÄěJames Baker has directed our official spokesmen to emphasize this instruction.‚Äú ‚Äď Quelle: San Francisco Examiner, 18. November 2002
  6. ‚ÜĎ Mearsheimer,Walt: Can Saddam Be Contained? History Says Yes
  7. ‚ÜĎ a b mod.uk
  8. ‚ÜĎ (Editorial ‚ÄěThe issue is still Kuwait‚Äú, in der Financial Times (London) vom 13. August 1990, S. 12)
  9. ‚ÜĎ Knut Royce: MIDDLE EAST CRISIS: Secret Offer Iraq Sent Pullout Deal to U.S., in der New Yorker Vorortzeitung ‚ÄěNewsday‚Äú vom 29. August 1990
  10. ‚ÜĎ Knut Royce: Iraq Offers Deal to Quit Kuwait U.S. rejects it, but stays `interested' - Newsday, 3. Jan. 1991
  11. ‚ÜĎ CDISS ‚ÄěThe Great Scud Hunt: An Assessment,‚Äú n.d., accessed at http://www.cdiss.org/scudnt6.htm
  12. ‚ÜĎ http://aces.safarikovi.org/victories/doc/usaf.aerial.victory.credits-gulf.war-by.name.pdf
  13. ‚ÜĎ a b c d http://128.121.102.226/aakill.html
  14. ‚ÜĎ a b http://aces.safarikovi.org/victories/victories-iraq-gulf.war.pdf
  15. ‚ÜĎ a b c d Doug Richardson: Stealth ‚Äď Unsichtbare Flugzeuge. Stocker-Schmid AG, Dietikon-Z√ľrich 2002, ISBN 3-7276-7096-7.
  16. ‚ÜĎ http://128.121.102.226/aaloss.html
  17. ‚ÜĎ Deception on Capitol Hill. The New York Times, 15. Januar 1992. Abgerufen am 2. Januar 2010: ‚ÄěHow did the girl's testimony come about? It was arranged by the big public relations firm of Hill & Knowlton on behalf of a client, the Kuwaiti-sponsored Citizens for a Free Kuwait, which was then pressing Congress for military intervention.‚Äú
  18. ‚ÜĎ Der Spiegel, Juli 1997
  19. ‚ÜĎ Colin Powell, Mein Weg, TB:1997, S. 551 (beide Zahlen)
  20. ‚ÜĎ welt.de
  21. ‚ÜĎ mod.uk
  22. ‚ÜĎ http://www.mod.uk/DefenceInternet/AboutDefence/WhatWeDo/HealthandSafety/Depleted+Uranium/DepletedUraniumAndHealth.htm
  23. ‚ÜĎ au.af.mil
  24. ‚ÜĎ duob.org.uk
  25. ‚ÜĎ http://royalsociety.org/The-health-hazards-of-depleted-uranium-munitions-Part-1-Full-Report/
  26. ‚ÜĎ http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/History/Gulf_War.html
  27. ‚ÜĎ Stephan Bierling, Die Au√üenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, M√ľnchen 1999, S. 279.
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