ÖK 500

Die topografische Karte (auch topographische Karte) ist eine groß- bis mittelmaßstäbige Karte, in der die geographischen Objekte, die sichtbaren Gegenstände und Sachverhalte der Erdoberfläche, insbesondere die Geländeformen, entsprechend dem Maßstab lagerichtig und vollständig durch ein System kartografischer Zeichen wiedergegeben werden.

Topografische Karte

Wegen ihrer grundlegenden Bedeutung für die Wirtschaft, Verwaltung und Verteidigung eines Landes gehören die Herausgabe, Laufendhaltung und Führung eines flächendeckenden Systems topografischer Karten zu den öffentlichen Aufgaben (amtliche topografische Karten). Topografische Karten werden aber auch – meistens für begrenzte Gebiete – von der Verlagskartografie herausgegeben.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Karteninhalt

Eine topografische Karte besteht in der Regel aus dem Kartenfeld, dem Kartenrahmen und dem Kartenrand.

  • Der im Kartenfeld durch Signaturen wiedergegebene und durch Schriftzusätze erläuterte Karteninhalt ist in der Regel in der Kartenlegende oder in einer Zeichenvorschrift (Musterblatt) gegliedert zusammengestellt. Er umfasst mindestens die Siedlungen und das Verkehrsnetz, das Gewässernetz, die Bodenbedeckung, die Geländeformen sowie die Verwaltungsgrenzen. Viele topografische Objekte, wie Gemeinden, Gewässer, Berge und Landschaften, sind mit ihren geografischen Namen versehen.
  • Der Kartenrahmen begrenzt den je nach Abbildungsart quadratischen, rechteckigen oder trapezförmigen Blattschnitt der topografischen Karte. Er enthält insbesondere die Bezifferungen des der Karte zugrunde liegenden Koordinatensystems.
  • Der Kartenrand trägt in der Regel oben die Bezeichnung des Kartenwerks und den Namen des Kartenblattes. Seitlich und unten sind der Kartenmaßstab und eine Maßstabsleiste sowie zahlreiche weitere Angaben, häufig auch ein Auszug aus der Zeichenerklärung, untergebracht.

Zweck, Anwendungsgebiete

Da topografische Karten, vor allem im großen Maßstabsbereich, die Erscheinungsformen der Erdoberfläche mit hoher Genauigkeit und Vollständigkeit wiedergeben können, eignen sie sich besonders für die Dokumentation wissenschaftlicher Erhebungen, für die Darstellung geothematischer Erkenntnisse, für die Planung von Verkehrswegen, Leitungen und Trassen, für die Verwaltung von Flächen, Gebieten und Regionen und nicht zuletzt für die Orientierung im Gelände. So sind topografische Karten naturgemäß die ideale Grundlage für ihre weitere Ausstattung zu Wander-, Radwander-, Freizeit-und Naturparkkarten sowie zur Ableitung thematischer Karten.

Von den amtlichen topografischen Karten sind in der Vergangenheit alle weiteren topografischen, geografischen und thematischen Karten der öffentlichen Verwaltung und der privaten Landkartenverlage durch Übernahme der Inhalte, neue kartografische Gestaltung und meistens auch Verkleinerung des Maßstabs abgeleitet worden.

Amtliche topografische Karten werden auf gesetzlicher Grundlage aus Steuermitteln hergestellt und dienen vor allem der öffentlichen Daseinsvorsorge und Sicherheit sowie der Landesverteidigung. So stellt z. B. das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr seinen Kartenbedarf weitgehend aus den amtlichen topografischen Landeskartenwerken sicher. Die geologischen Dienste der Länder geben auf der Grundlage der Landeskartenwerke geologische, hydrogeologische und Bodenkarten heraus.

Quellen, Herstellung

Topografische Karten der Verlagskartografie

Von privaten Landkartenverlagen herausgegebene topografische Karten werden in aller Regel aus amtlichen topografischen Karten geeigneter Maßstäbe durch Umarbeitung einmal abgeleitet und dann auf eigenen Originalzeichenträgern weitergeführt. Selten führen private Verlage großräumige Vermessungen zur Erhebung von topografischen Objekten durch. Wohl aber arbeiten sie z. B. mit Behörden, Naturparkträgern und Wandervereinen zusammen, um von dort geeignete Informationen zum Inhalt ihrer Karten und zu deren Aktualisierung zu erhalten.

Eine besondere, digitale Form der topografischen Karte stellen die von der privaten Verlagskartografie hergestellten Autonavigationssysteme dar. Die darin enthaltenen für die Navigation und Veranschaulichung notwendigen topografischen und kartografischen Daten wurden ursprünglich aus amtlichen topografischen Karten digitalisiert oder aus dem Amtlichen Topografisch-Kartografischen Informationssystem ATKIS unter Lizenz entnommen. Die modernen Navigationssysteme beruhen inzwischen weitgehend auch auf eigene topografische, verkehrstechnische und sachbezogene Erkundungen der Unternehmen.

Amtliche topografische Karten

Amtliche topografische Karten werden als Kartenwerke geführt und beruhen auf den Ergebnissen einer exakten Landesvermessung, die hauptsächlich im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Staats wegen durchgeführt wurde. Dabei entstanden die topografischen Karten durch Erkundung und Zeichnung im Gelände mit Hilfe von Messtisch und Kippregel. Noch heute ist bei vielen Menschen der damalige Ausdruck Messtischblatt im Gebrauch, um die Topografische Karte 1:25 000, nicht selten eine topografische Karte überhaupt, zu bezeichnen.

Die Messtischblätter, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gar nicht, später mit Aufkommen von Eisenbahnbau und Industrialisierung einfarbig veröffentlicht wurden, waren die kartografische Grundlage für die Ableitung zunächst der „Generalstabskarte“ 1:100 000 und später weiterer Kartenwerke.

Im Laufe ihrer Entwicklung wurden die topografischen Landeskartenwerke anfangs durch örtliche Erkundung mit dem Messtischverfahren, dann durch tachymetrische Aufnahmen und schließlich heute durch die analoge oder digitale stereoskopische Auswertung von Luftbildern aktualisiert. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Verursachern topografischer Veränderungen der Landschaft, z. B. beim Siedlungs-, Straßen- und Eisenbahnbau, beim Braunkohletagebau und bei Verwaltungsgebietsänderungen, versuchen die Landesvermessungsbehörden die amtlichen topografischen Karten möglichst aktuell zu halten.

Amtliche topografische Karten in Deutschland

Zusammenarbeit von Bund und Ländern: Die amtlichen topografischen Karten haben in Deutschland eine mehr als zweihundertjährige Geschichte. Ihre Herstellung und Herausgabe gehört heute in die verfassungsrechtliche Zuständigkeit der Länder, die Landesvermessungsbehörden eingerichtet haben und in der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) freiwillig zusammenarbeiten, um die deutschlandweite Einheitlichkeit der Karten weitgehend zu gewährleisten.

Landeskartenwerke: Die amtlichen topografischen Karten werden in Deutschland als topografische Landeskartenwerke in den Maßstäben 1:5 000 bis 1:1 Mio. geführt. Mit dem Bund haben die Länder Verwaltungsabkommen geschlossen, nach denen die Kartenwerke bis 1:100 000 bei den Landesvermessungsbehörden, diejenigen ab 1:200 000 durch den Bund bearbeitet werden, der hiermit das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) beauftragt hat. Bis etwa 1990 wurden die Landeskartenwerke ausschließlich in analoger, gedruckter Form herausgegeben. Seit 1990 werden sie als Digitale Topografische Karten (DTK) im Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystem ATKIS geführt, aus dem – zum Teil nur bei Bedarf – gedruckte Kartenauflagen abgeleitet werden.

Folgende amtliche topografische Karten werden zurzeit in Deutschland geführt und von den Landesvermessungsbehörden bzw. vom BKG herausgegeben:

  • Digitale Topografische Karte 1:10 000 (DTK10)
  • Digitale Topografische Karte 1:25 000 (DTK25)
  • Digitale Topografische Karte 1:50 000 (DTK50)
  • Digitale Topografische Karte 1:100 000 (DTK100)
  • Digitale Topografische Karte 1:200 000 (DTK200)
  • Digitale Topografische Karte 1:250 000 (DTK250)
  • Digitale Topografische Karte 1:500 000 (DTK500)
  • Digitale Topografische Karte 1:1 Mio (DTK1000)

In einigen Ländern wurde zusätzlich die aus der Liegenschaftskarte abgeleitete und topografisch ergänzte Deutsche Grundkarte 1:5 000 (DGK5) geführt. Topografische Karten in diesem Maßstabsbereich werden heute aus dem Amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem ALKIS abgeleitet.

Blattschnitt, Koordinatensysteme:
Die amtlichen topografischen Karten sind im eigentlichen Sinne Kartenwerke, topografische Landeskartenwerke. Diese sind als Rahmenkarten so aufgebaut, dass die Kartenwerke 1:25 000, 1:50 000, 1:100 000 und 1:200 000 jeweils die gleiche Kartenfläche besitzen. Ihre Kartenblätter sind als Gradabteilungskarten nach geografischen Koordinaten beschnitten. Vier Kartenblätter des größeren Maßstabes bilden jeweils ein Kartenblatt des nächstkleineren Maßstabes.

Die amtlichen topografischen Karten weisen sowohl geografische Koordinaten als auch bis 1:200 000 die Koordinaten des Gauß-Krüger-Systems, in jüngerer Zeit auch UTM-Koordinaten aus.

Blattnummerierung, Blattbenennung:
Die gedruckten Topografischen Karten im Maßstab 1:25000 und 1:50000 tragen in Deutschland zur eindeutigen Zuordnung eine vierstellige Blattnummer und eine Benennung. Die Nummerierung folgt dabei einem tabellarischen System: Die ersten beiden Ziffern geben die Zeile an (von Nord nach Süd durchnummeriert), die letzten beiden Ziffern die Spalte (von West nach Ost durchnummeriert). Beispiel: Das Kartenblatt 6017 grenzt direkt nördlich an Kartenblatt 6117; das Kartenblatt 6018 grenzt östlich an Kartenblatt 6017, und liegt direkt diagonal nordöstlich von Kartenblatt 6117.
Die Blätter werden nach der größten Ortschaft im Kartenausschnitt benannt, z. B. „6322 Hardheim“. Liegt die Ortschaft genau auf dem Kartenrand, wird die Blattbenennung um die entsprechende Richtung ergänzt, z. B. „6323 Tauberbischofsheim (West)“ und „6324 Tauberbischofsheim (Ost)“. In Großstadträumen wie z. B. Mannheim oder Stuttgart können vier Kartenblätter nach derselben Ortschaft benannt sein.

Amtliche topografische Karten der Schweiz

Die Landeskarte der Schweiz ist das amtliche (topografische) Kartenwerk der Schweiz und wird vom Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), Wabern bei Bern, produziert und herausgegeben.

Amtliche topografische Karten Österreichs

Die Österreichische Karte (ÖK) ist das amtliche (topografische) Kartenwerk Österreichs. Sie wird in folgenden Maßstäben angeboten:

  • 1:50 000 (ÖK 50) (in Vergrößerung als 1:25 000 (ÖK 25))
  • 1:200000 (ÖK 200) und
  • 1:500 000 (ÖK 500)

In der ÖK 50 sind alle Toponyme der Datenbank GEONAM Österreich enthalten. Die ÖK wird vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV), Wien, laufend gehalten und herausgegeben.

Siehe auch

Thematische Karte, Wanderkarte, Bathymetrische Karte, Sowjetische Generalstabskarte

Literatur

  • Hans-Uli Feldmann, N. Kreiter: Zur Situation der amtlichen Kartografie in der Schweiz. In: Kartographische Nachrichten, 56. Jahrg. 2006, Heft 5, S. 243
  • Rolf Harbeck: Zur Situation der amtlichen topographischen Kartographie in Deutschland. In: Kartographische Nachrichten, 55. Jahrg. 2005, Heft 6, S. 297
  • Rudi Ogrissek (Hrsg.): Brockhaus ABC Kartenkunde. 1. Aufl., VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1983
  • Viktor Zill, B. Jüptner, R. Mittermaier: Zur Situation der amtlichen Kartographie in Österreich. In: Kartographische Nachrichten, 56. Jahrg. 2006, Heft 6, S. 291

Weblinks


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