√Ėsterreichische Niederlande

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√Ėsterreichische Niederlande

Die √Ėsterreichischen Niederlande, auch die S√ľdlichen Niederlande genannt, umfassten in etwa das Gebiet der heutigen Staaten Belgien und Luxemburg und existierten vom Ende des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahr 1714 bis zur Eroberung durch franz√∂sische Revolutionstruppen und den Anschluss an die Franz√∂sische Republik 1795.

Flagge der √Ėsterreichischen Niederlande

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

√Ėsterreichische Niederlande im Jahr 1786 (orange)

Im Einzelnen handelte es sich um

Geschichte

Nach dem Aussterben der spanischen Linie der Habsburger und dem daraus resultierenden Spanischen Erbfolgekrieg kamen die bis dahin Spanischen Niederlande an die √∂sterreichische Linie des Hauses. So entstanden 1714 die √Ėsterreichischen Niederlande. Die alliierten Gewinner des Krieges waren sich lediglich einig in der Abwehr des franz√∂sischen Expansionsdranges. F√ľr die s√ľdlichen Niederlande bedeutete dies, dass niederl√§ndische und britische Truppen stationiert wurden. Gleichzeitig blieb die Schelde f√ľr den Seehandel geschlossen, der Niedergang der Welthandelsstadt Antwerpen manifestiert. Festgelegt wurde dies im sogenannten Barrieretraktat. Die von Kaiser Karl VI. (HRR) gegr√ľndete Ostender Kompanie stand von Anfang an unter schlechten Vorzeichen.

Erster Statthalter wurde Prinz Eugen von Savoyen, der sich jedoch durch seinen Vertrauten Ercole Turinetti de Pri√© vertreten lie√ü. Dass der Prinz niemals seine Gouvernement pers√∂nlich antrat, mag ein weiterer Grund daf√ľr sein, dass die Statthalterschaft keinen R√ľckhalt in den St√§nden und der Bev√∂lkerung hatte. 1724 wurde die Schwester Kaiser Karls VI. Erzherzogin Maria-Elisabeth Generalgouverneurin, 1744 folgte Karl Alexander von Lothringen, der das erste Jahr gemeinsam mit seiner Frau Maria Anna regierte. W√§hrend des √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges wurden sie 1745-1748 von franz√∂sischen Truppen unter Marschall Hermann Moritz von Sachsen besetzt. 1780 regierte Georg F√ľrst von Starhemberg, 1781 Albert Kasimir Herzog von Sachsen-Teschen. Schon im gleichen Jahr folgte Marie Christine Erzherzogin von √Ėsterreich als Mitregentin. Nach der kurzlebigen unabh√§ngigen "Republik der Vereinigten Niederl√§ndischen Staaten" 1790 war 1793‚Äď1794 Karl Ludwig Erzherzog von √Ėsterreich letzter Statthalter.

Bis zur endg√ľltigen Eroberung durch Frankreich w√§hrend des 1. Koalitionskriegs wurde das Land durch die Statthalter von Br√ľssel aus regiert.

Tauschobjekt

Die √Ėsterreichischen Niederlande waren von den Habsburgern mehrmals als Tauschobjekt anderen M√§chten angeboten worden. Im Siebenj√§hrigen Krieg sollte Frankreich sie f√ľr seine Hilfe bei einer R√ľckgewinnung Schlesiens erhalten, Ausl√∂ser f√ľr den Bayerischen Erbfolgekrieg war ein Tauschplan mit dem Kurf√ľrsten der Pfalz (Belgien gegen Bayern), den Preu√üen jedoch verhinderte. W√§hrend der franz√∂sischen Revolutionskriege gab Preu√üen √ľbrigens nach 1793 doch noch seine Zustimmung zu den √∂sterreich-bayerischen Tauschpl√§nen, um √Ėsterreichs Zustimmung zur zwischen Russland und Preu√üen vereinbarten zweiten Polnischen Teilung zu erlangen. Das Vorhaben war jedoch nicht mehr realisierbar: √Ėsterreich hatte die Niederlande nach der Brabanter Revolution und einer ersten franz√∂sischen Besetzung zwar kurzzeitig zur√ľckerobert, verlor es jedoch schon 1794 endg√ľltig an die franz√∂sischen Revolutionsheere. Schlie√ülich musste √Ėsterreich sie 1797 mit Frankreich gegen Venetien "tauschen".

Brabanter Revolution und Vereinigte Belgische Staaten

Die Bewohner des Landes str√§ubten sich massiv gegen die zentralistischen und aufgekl√§rt-absolutistischen Reformen Kaiser Josephs II. (Josephinismus). Dieser Widerstand gipfelte 1789 in der Brabanter Revolution und 1790 in der Proklamation der Republik der Vereinigten Belgischen Staaten. Josephs Bruder und Nachfolger Leopold II. gelang es zwar, die Unruhen zu beenden, aber nicht die Gegens√§tze zu √ľberwinden, die schon damals zwischen fl√§mischsprachigen Flamen im Norden und franz√∂sischsprachigen Wallonen im S√ľden bestanden.

1792 wurden die √Ėsterreichischen Niederlande erstmals von franz√∂sischen Revolutionsheeren, nach einer √∂sterreichischen R√ľckeroberung 1793 dann 1794 erneut von Franzosen besetzt und am 1. Oktober 1795 formal Frankreich angeschlossen. 1797 trat √Ėsterreich im Frieden von Campo Formio auch formal die √Ėsterreichischen Niederlande an Frankreich ab. Der Friede von Lun√©ville best√§tigte das 1801 auch im Namen des Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation.

Bevollmächtigte Minister

Die bevollmächtigten Minister in den österreichischen Niederlanden (frz. Ministres plénipotentiaires des Pays-Bas autrichiens) waren die Stellvertreter der Generalstatthalter und die eigentlichen Leiter der Regierung.

Siehe auch

Literatur

  • Heinrich Benedikt: Als Belgien √∂sterreichisch war. Herold, Wien 1965.

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