Bergpark Wilhelmshöhe

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Bergpark Wilhelmshöhe
Karte des Bergparks Wilhelmshöhe um 1810

Der Bergpark Wilhelmsh√∂he, der sich im Stadtgebiet der nordhessischen Gro√üstadt Kassel im Habichtswald befindet, ist der gr√∂√üte Bergpark in Europa und ein Landschaftspark von Weltgeltung. Georg Dehio, Nestor der modernen Denkmalpflege, sagt √ľber den Park: ‚Äě‚Ķ vielleicht das Grandioseste, was irgendwo der Barock in Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat.‚Äú.

International bekannt ist der Park insbesondere durch die Kasseler Wasserspiele, den Herkules, das Schloss Wilhelmsh√∂he und die L√∂wenburg. Ab 1696 begann der Bau der Parkanlage, deren Erweiterung sich √ľber einen Zeitraum von etwa 150 Jahren hinzog. Bauherren waren die Landgrafen und Kurf√ľrsten von Hessen-Kassel.

Gegenwärtig gibt es Bestrebungen des Landes Hessen, den Bergpark in die Liste des UNESCO-Welterbes aufnehmen zu lassen.[1] Seit 2009 gehört der Park zum European Garden Heritage Network.

Inhaltsverzeichnis

√úberblick

Der Bergpark Wilhelmshöhe ist einmalig in der Geschichte der europäischen Gartenkunst: Italienische Gärten des Barock waren auch an Berghängen, in Terrassenform, angelegt, umfassten jedoch nie ein so großes Areal, und französische Barockparks erstreckten sich lediglich in der Ebene. Die heutige Form des Bergparks Wilhelmshöhe, besonders im unteren Bereich, ist jedoch kein Barockgarten, sondern folgt den Ideen des Englischen Landschaftsgartens.

Bekannt ist der Bergpark Wilhelmsh√∂he heute insbesondere aufgrund der Wasserspiele, die sich im Park vom Herkules √ľber die Kaskaden in Richtung Osten bzw. Schloss Wilhelmsh√∂he ergie√üen, und durch die aufwendig gestaltete Gartenkunst. Der Schlosspark ist ein Abbild der europ√§ischen Kunst- und Kulturgeschichte durch mehrere Epochen.

Geographie

Der Bergpark Wilhelmsh√∂he erstreckt sich √ľber eine Fl√§che von 2,4 km¬≤, was der Fl√§che von etwa 350 Fu√üballpl√§tzen entspricht. Die Gr√∂√üenangaben reichen teils bis zu 3,0 km¬≤. Er erstreckt sich in Bad Wilhelmsh√∂he, dem westlichsten Stadtteil von Kassel, in West-Ost-Richtung vom √∂stlichsten Bergkamm des Habichtswalds, zu dem der Karlsberg (526,2 m √ľ. NN) mit dem Herkules in 523 Meter H√∂he geh√∂rt, bis an den Westrand des bebauten Kasseler Stadtgebiets, wo sich das Schloss Wilhelmsh√∂he (285 m √ľ. NN) befindet.

Der Bergpark Wilhelmshöhe ist einer der östlichsten Bestandteile des Naturparks Habichtswald.

Geschichte und Bauphasen

Herkules

Am Ort des heutigen Bergparks befand sich im 17. Jahrhundert ein bewaldeter Hang des Habichtswaldes, mehr als f√ľnf Kilometer westlich - und damit weit au√üerhalb - der damaligen Kasseler Stadtgrenze. An der Stelle des jetzigen Schlosses Wilhelmsh√∂he war im Jahr 1143 von Mainz aus das Kloster Wei√üenstein der Augustiner-Chorherren gegr√ľndet worden. Es bestand ab 1193 als Frauenkloster und wurde nach der Reformation in Hessen (um 1517/1518) aufgel√∂st. Die verbliebenen Geb√§ude nutzte Landgraf Philipp I. als Jagdsitz. 1606 bis 1610 erbaute Landgraf Moritz von Hessen-Kassel dort ein Jagdschloss, das weiterhin den Namen Wei√üenstein trug.

Baubeginn

Der Bergpark entstand ab 1696 in barocker Form unter Landgraf Karl, als mit den Bauarbeiten des Kleinen Herkules (auch Alter Winterkasten genannt) begonnen wurde. Dessen Bauort, an dem noch einige Mauer- und Fundamentreste vorhanden sind, war der H√ľttenberg (555 m √ľ. NN). Man beschloss aber, diesen Berg, der sich etwa 400 Meter s√ľd-s√ľd√∂stlich des heutigen Herkules befindet, als Blickpunkt der Parkanlage und damit als Bauort aufzugeben, so dass die Arbeiten eingestellt wurden.

Bis weit in das 19. Jahrhundert wurde die Parkanlage nach den jeweils aktuellen Vorstellungen fortentwickelt. Dabei waren insbesondere zwei Bauphasen wichtig, die den Park heute prägen:

Der barocke Karlsberg ab 1700

Das Schloss Wei√üenstein in einer Darstellung von Johann Heinrich M√ľntz, 1786

Im Jahr 1701 wurde mit dem Bau des hochgelegenen Herkules und der vorgelagerten Kaskaden begonnen. Landgraf Karl und sein italienischer Architekt Giovanni Francesco Guerniero schufen eine Wasserachse nach dem feudalen Zeitgeschmack des Barock, die am 3. Juni 1714, dem ersten Sonntag des Monats, erstmals mit Wasserspielen √∂ffentlich pr√§sentiert wurde. Die Gesamtl√§nge dieser Anlage betr√§gt zwischen der Vexierwassergrotte, die sich unterhalb des Oktogons befindet, und dem Neptunbecken, das am untersten Ende der 250 Meter langen Kaskaden errichtet wurde, ungef√§hr 320 Meter. Urspr√ľngliche Planungen, dieses Bauwerk bis hinunter zum Schloss weiterzuf√ľhren, wurden nicht umgesetzt, und der untere Bereich, also Dreiviertel des Hanges des Karlsbergs, wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts zun√§chst nur geringf√ľgig umgestaltet.

Der reife Landschaftspark ab 1785

Blick zum Schloss Wilhelmshöhe, gemalt von Johann Erdmann Hummel um 1800

Unter Landgraf Wilhelm IX. (sp√§ter Kurf√ľrst Wilhelm I. von Hessen-Kassel) begann nach dessen Regierungsantritt im Jahr 1785 eine gro√üe Umbau- und Erweiterungsphase in dem Bereich zwischen den Kaskaden und dem Schloss. Gleichzeitig wurde Schloss Wei√üenstein ab 1786 abgerissen und als Schloss Wilhelmsh√∂he nach den klassizistischen Entw√ľrfen von Simon Louis du Ry neu gebaut. In der Gartengestaltung hatten sich die Ideale inzwischen von ‚Äěfranz√∂sischer Strenge‚Äú zu ‚Äěenglischer Nat√ľrlichkeit‚Äú verlagert: statt gerader barocker Achsen spielten √ľberraschende Wegef√ľhrung und Aussichtspunkte die neue Hauptrolle. Im Rahmen der Umgestaltungs- und Erweiterungsma√ünahmen ab 1785 entstanden die Bauten von Heinrich Christoph Jussow, die das Gel√§nde bis heute pr√§gen. Von Jussow, dem Gartenarchitekten des Landgrafen, stammt mit der als K√ľnstliche Ruine erbauten L√∂wenburg (1793 bis 1800) eines der wichtigsten Geb√§ude im Bergpark. Er entwickelte den Schlossteich (1785 bis 1791), auch Lac genannt, und erweiterte die Wasserspiele durch Bauwerke wie den Font√§nenteich (1789/1790) und die Teufelsbr√ľcke mit dem H√∂llenteich (1792/93). Jussow entwarf auch den faszinierenden Aqu√§dukt (1788 bis 1792), das architektonische Zitat einer verfallenen r√∂mischen Wasserleitung, von deren H√∂he das Wasser in ein 34 Meter tiefer gelegenes Tal st√ľrzt. Eine wichtige Rolle als Gestalter von Park und Wasserspielen hatte auch der ‚ÄěBrunneninspektor‚Äú Karl Steinh√∂fer (1747‚Äď1829), auf ihn geht der heutige Steinh√∂fer Wasserfall (fr√ľher Waldwasserfall, 1793) und der Neue Wasserfall zur√ľck. Hofg√§rtner dieser Jahre war Daniel August Schwarzkopf, er dr√ľckte die Ziele der Parkneugestaltung so aus:

‚ÄěFast die allermeisten Spazier-G√§nge haben ihre Absicht und f√ľhren nach einem gewissen Gegenstand hin, welche allemal die M√ľhe des Spazier-Ganges belohnen. Ein Kenner und Freund der Natur wird in der Anlage selbst Pl√§tze finden, welche ihren besonderen Reiz und Sch√∂nheit zu jeder Tageszeit haben. Man findet angenehme Pl√§tze vor dem Morgen und vor dem hei√üen Mittag, die vor dem Abend sind fast noch die schlechtesten, weil durch die Einfassung durch hohe Geb√ľrge gegen Westen die Wirkung der untergehenden Sonne nicht recht empfunden werden kann. Alle Spazier-G√§nge sind guth und feste gemacht, mit Sand und Grant belegt, werden guth unterhalten und die Reinlichkeit sehr strenge beobachted, ja sogar die Chauseen werden wie ‚ÄěGarten Wege‚Äú unterhalten‚Äú. (zitiert n. Lit.: Heidelbach, 1909)

1806 bis 1866

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

1806 erreichten die europ√§ischen Umw√§lzungen den Bergpark Wilhelmsh√∂he: Die Truppen Napoleons standen vor Kassel und vertrieben Kurf√ľrst Wilhelm I. Napoleons j√ľngster Bruder, J√©r√īme Bonaparte, regierte von Schloss und Bergpark aus das neugeschaffene K√∂nigreich Westphalen. Die napoleonischen Jahre wurden von einigen Kasselern als Besatzung, von vielen jedoch als Befreiung empfunden. Von den Chronisten der Wilhelmsh√∂he ‚Äď jetzt in Napoleonsh√∂he umbenannt ‚Äď wird diese Episode als Zeit zahlreicher √∂ffentlicher Festivit√§ten beschrieben und von J√©r√īme der Beiname K√∂nig Lustik √ľberliefert. Bauma√ünahmen dieser Jahre waren die Erweiterung des Schlosses - die bisherigen drei Einzelfl√ľgel wurden durch Zwischenbauten verbunden - sowie der Neubau eines Hoftheaters, des sp√§teren Ballhauses, unmittelbar neben dem Schloss.

Im Jahr 1813, nach der Niederlage Napoleons, kehrte der gefl√ľchtete Kurf√ľrst Wilhelm I. zur√ľck nach Kassel und in den Bergpark. Sein Nachfolger Wilhelm II., lie√ü 1826 mit dem Neuen Wasserfall das letzte gro√üe Bauwerk der Wasserspiele anlegen. Der auf ihn folgende Friedrich Wilhelm I. sympathisierte im Preu√üisch-√Ėsterreichischen Krieg von 1866 mit √Ėsterreich. Da nutzten auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zum preu√üischen Hof nichts mehr: Nach dem milit√§rischen Sieg Preu√üens wurde er inhaftiert, und die Jahrhunderte w√§hrende Geschichte des Herrscherhauses von Hessen-Kassel, der Bauherren des Bergparks, war abgeschlossen.

1866 bis 1918

Das Kaiserpaar beim Ausritt im Bergpark 1906
Mitglieder des ‚ÄěGro√üen Hauptquartiers‚Äú im November 1918 vor der Schlosswache

Kassel wurde preu√üische Provinzhauptstadt und der Ausbau des Bergparks Wilhelmsh√∂he damit endg√ľltig beendet. Das Schloss Wilhelmsh√∂he wurde 1870 kurzzeitig zum Staatsgef√§ngnis des neuen Deutschen Reiches: Der im Deutsch-Franz√∂sischen Krieg unterlegene Kaiser Napoleon III. war als Gefangener im Schloss Wilhelmsh√∂he.

Ab 1899 nutzte der deutsche Kaiser Wilhelm II. Schloss Wilhelmsh√∂he als j√§hrliche Sommerresidenz. Schloss und Park bildeten damit in den folgenden Jahren wieder einen Handlungsort der europ√§ischen Politik. 1918, nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, organisierte und leitete Paul von Hindenburg von einem Nebengeb√§ude des Schlosses den R√ľckzug und die Demobilisierung der deutschen Truppen und damit letztendlich auch das Ende der Monarchie in Deutschland.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert erfolgten keine zeitgen√∂ssischen Ausbauten oder Erweiterungen der eigentlichen Parkanlage. Es fanden ausschlie√ülich konservatorische Ma√ünahmen statt, welche die vorhandene Substanz des 18. und 19. Jahrhunderts bewahren sollten. Zus√§tzlich kam es zu Infrastrukturbauten in Form von Stra√üen und Parkpl√§tzen die eine problematische Beeintr√§chtigung des Bergparks darstellen. So f√ľhren heute teils mehr als sechs Meter breite, asphaltierte Nebenstra√üen durch die Kernbereiche des Parks, die sich kaum mit Schwarzkopfs ‚ÄěGarten Wegen‚Äú (s. o.) vereinbaren lassen.

In den Jahren 1923 bis 1927 fuhren bekannte Rennfahrer wie Caracciola, Jörns, Kappler oder Rosenberger im Bergpark Autorennen um den Bergpreis von Kassel. 1951-1954 belebten Motorradrennen diese Tradition kurzzeitig wieder.

Heute

Momentan werden seitens der Landesregierung von Hessen Umbaupl√§ne f√ľr die Museen in Kassel vorangetrieben, um deren Besucherattraktivit√§t zu steigern. Davon ist zum Teil auch der Bergpark betroffen, wobei unter anderem die seit 1986 bestehende Bewerbung zum Weltkulturerbe gef√∂rdert werden soll.

Die Antragspapiere, die die Wilhelmsh√∂he und die Herkules-Statue zum machen sollen, wurden am 31. August 2011 von Kulturministerin Eva K√ľhne-H√∂rmann unterschrieben. Bis zum 1. Februar 2012 muss der Eintrag mehrere √Ąmter passieren und in Paris eingereicht werden, damit die UNESCO im Sommer 2013 √ľber den Antrag entscheiden kann.[2]

Der Park

Blick von S√ľden auf den Lac; im Hintergrund Schloss Wilhelmsh√∂he

Landschaftsbild

Die Gr√∂√üe des Bergparks, die komplexe Topografie, das ausgedehnte Wegenetz und der Einfluss von Wetter und Jahreszeiten f√ľhren dazu, dass sich selbst langj√§hrigen Parkbesuchern bei jedem Aufenthalt neue Eindr√ľcke und Ausblicke bieten k√∂nnen. Die aufwendig gestaltete Landschaft des Parks besteht aus vielen aufgelockerten Gr√ľnfl√§chen und Waldabschnitten, die flie√üend in den Baumbestand des umgebenden Habichtswalds √ľbergehen. Vor allem im oberen, westlichen Bereich ist der Park nicht klar abgegrenzt.

Infrastruktur

Die Infrastruktur des Parks umfasst haupts√§chlich Spazier- und Wanderwege. Neben den bereits erw√§hnten Nebenstra√üen, die durch den Bergpark f√ľhren, kann als Teil der barocken Gesamtkonzeption Bergpark-Wilhelmsh√∂he auch die Wilhelmsh√∂her Allee betrachtet werden. Sie wurde als rund 4,5 Kilometer lange, v√∂llig gerade verlaufende Ost-West-Achse vom damaligen Stadtrand Kassels zum Schloss Wilhelmsh√∂he und damit auch in Ausrichtung zum Bergpark und Herkules angelegt. Ein weiterer Teil dieser Konzeption ist die Rasenallee, die direkt aus dem Park in Richtung Norden zum Schloss Wilhelmsthal in der Gemeinde Calden f√ľhrt.

Topographie

Blick auf die zentrale Parkachse. Im Hintergrund ist Kassel zu erkennen

Zwischen dem Herkules (523 m Standorth√∂he; auf dem mit 526,2 m √ľ. NN noch etwas h√∂heren Gipfel des Karlsbergs), der an der h√∂chsten Stelle der Sichtachse Schloss Wilhelmsh√∂he-Herkules errichtet wurde, und dem Schloss Wilhelmsh√∂he (Standorth√∂he 285 m √ľ. NN), das im unteren Parkteil steht, besteht ein H√∂henunterschied von 238 Metern. Bis hinunter zum westlichen Ende der Wilhelmsh√∂her Allee Ecke Mulangstra√üe (231 m √ľ. NN), wo der Bergpark etwa beginnt, sind es sogar 292 Meter H√∂henunterschied.

Der H√ľttenberg (555 m √ľ. NN), auf dem sich Mauer- und Fundamentreste des Kleinen Herkules (auch Alter Winterkasten genannt) befinden, stellt die h√∂chste Stelle des Bergkamms dar; dessen zweith√∂chste Stelle ist der Berg Elfbuchen (551,30 m), der sich auch innerhalb des Habichtswalds aber wohl etwas au√üerhalb des Bergparks direkt auf der waldreichen Grenze zum Stadtteil Harleshausen befindet.

Der genannte H√∂henunterschied ist f√ľr den Parkbesucher unmittelbar erlebbar: Am Herkules ist es meist etwas k√ľhler und oft auch windiger, als am tiefer und gesch√ľtzter liegendem Schloss. Die Topografie bildet sich aber auch in der Vegetation ab: Oben, am Karlsberg wirkt die Bepflanzung karg, beinahe eint√∂nig, Nadelb√§ume √ľberwiegen. Nach unten hin nimmt die Zahl der Baumarten zu, bis die Vegetation am Schlossteich (Lac), der nochmals etwas tiefer als das Schloss liegt, vielf√§ltig und fast tropisch wirkt.

Flora

Den Schwerpunkt der Bepflanzung im Bergpark Wilhelmsh√∂he bilden weniger Blumen als vielmehr Geh√∂lze, also Str√§ucher und vor allem B√§ume. Fast schon eine Ausnahme bildet die Rosensammlung auf der im Lac gelegenen Roseninsel. Die Insel wurde 1795 vollendet und die dort gez√ľchtete Perle vom Weissenstein von 1795 gilt als erste Rosenz√ľchtung Deutschlands.

Fontänenreservoir (auch Großes Reservoir)

Die dominierende Rolle der B√§ume und Str√§ucher geht bereits auf das sp√§te 18. Jahrhundert zur√ľck, als der Park nach dem Vorbild des englischen Landschaftsparks umgestaltet wurde. Viele verschiedene Baumarten aus unterschiedlichen Herkunftsl√§ndern zu pflanzen und damit auch zu sammeln, war eine Zeiterscheinung, die dem aufkommenden naturkundlichen Interesse entsprang. 1777 wurden bereits 329 Arten gez√§hlt, davon 128 aus Nordamerika. Ein Verzeichnis von 1785 f√ľhrt dann schon 431 Arten an. Die ersten Geh√∂lze aus fremden Kontinenten stammten √ľberwiegend von der nordamerikanischen Westk√ľste, zu Beginn des 19. Jahrhunderts vermehrt auch von der amerikanischen Pazifikk√ľste und ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus Asien. Bis heute pr√§gt der vielf√§ltige Baumbestand aus allen Erdteilen den Park, auch wenn das meiste davon Neuanpflanzungen sind. Etwa 500 unterschiedliche Geh√∂lze des Bergparks sind nummeriert und in einem dendrologischen F√ľhrer erfasst (siehe Lit.: Hoffmann und Mielke, 1994).

Wasserspiele

Ein wichtiges Element im Bergpark Wilhelmsh√∂he ist das Wasser. Man begegnet ihm in Form von gefassten Wasserbecken oder scheinbar nat√ľrlichen Seen (also k√ľnstlich angelegte Teiche), als Bachlauf und als Wasserfall. Besonders in der Hauptachse des Parks (Herkules-Schloss) ist Wasser immer pr√§sent, sichtbar und oft auch sprudelnd und gurgelnd h√∂rbar. Siehe auch: Wasserf√§lle in Deutschland

Wasserspiele - Aquädukt

St√§ndig flie√üt das Wasser den Berghang hinab, am Schloss vorbei, Richtung Schlossteich (Lac). Bauherren und Architekten lie√üen daf√ľr sorgen, dass sich auf Wunsch ‚Äď f√ľr die Wasserspiele ‚Äď neben dem normalerweise hinabpl√§tschernden Wasser auch gewaltige Mengen den Hang hinunter ergie√üen k√∂nnen. Daf√ľr wird auf den H√∂hen des Habichtswalds √ľber ein Grabensystem Regen- bzw. Oberfl√§chenwasser in Speicherbecken gesammelt; dazu z√§hlt unter anderen das Sichelbachbecken (auch Sichelbachteich genannt), das sich mit 6300 Quadratmeter Fl√§che, sieben Meter Tiefe und 40.000 Kubikmeter Fassungsverm√∂gen beim Vorwerk Sichelbach 1065 Meter (Luftlinie) westlich des Herkules‚Ä≤ befindet. Dieses Wasser, das durch unterirdische Stollen zum Herkules geleitet wird, passiert auf seinem Weg den Berg hinunter, in einer komplexen Choreografie eine Reihe von einzig und allein zu diesem Zweck errichteten Bauwerken. Von diesen ist der ‚ÄěNeue Wasserfall‚Äú nach Besch√§digungen im Zweiten Weltkrieg nicht wieder in den Ablauf eingebunden worden.

Diese Wasserspiele wurden im Zug der Errichtung des Herkules ab 1701 und der Erweiterungen ab 1785 √ľber ein detailreich ausgekl√ľgeltes System angelegt. Es ergie√üen sich dabei √ľber Kaskaden, Kan√§le und andere Bauwerke im Laufe von ungef√§hr einer Stunde etwa 1200 Kubikmeter Wasser durch den Bergpark bis hinunter zum Schloss Wilhelmsh√∂he. Die Wasserspiele basieren noch immer auf der jahrhundertealten Technik, funktionieren ausschlie√ülich mit dem nat√ľrlichen Gef√§lle und kommen daher v√∂llig ohne Pumpen aus. Es existieren zwei unterschiedliche Wasserwege, die manuell bedient, beziehungsweise ge√∂ffnet werden, wozu sechs bis sieben Personen notwendig sind. An den einzelnen Orten ben√∂tigt das Wasser etwa zehn Minuten, um diese komplett zu passieren. Der Ablauf ist so konzipiert, dass die Besucher das Wasser und seinen Lauf von oben bis nach unten begleiten und alle einzelnen Stationen betrachten k√∂nnen.

Ablauf

Ausgangspunkt der Wasserspiele ist der Herkules, unter dem sich das Obere Wassertheater mit der Vexierwassergrotte befindet. Hufeisenf√∂rmig umschlie√üen zwei unterirdisch vom Sichelbachbecken gespeiste Wassertreppen die Grottenanlage. Wenn sich h√∂fisches Leben auf dem Karlsberg abspielte, dann hier, wo ehemals pr√§chtig ausgeschm√ľckte Grotten, spielerische Font√§nen und die nicht mehr erhaltene Wasserorgel f√ľr Kurzweil sorgten. Eine Ebene tiefer erreicht man das Untere Wassertheater mit dem Riesenkopfbecken. Der steinerne Kopf des Giganten Enkelados speit seinem Bezwinger Herkules eine zw√∂lf Meter hohe Wasserfont√§ne entgegen. Die Szene wird von zwei weiteren mythologischen Figuren flankiert, die auf ihren durch Wasserdruck angetriebenen H√∂rnern blasen.

Am Riesenkopfbecken beginnen die eigentlichen Kaskaden, die auf 250 Meter Länge und neun Meter Breite 350.000 Liter Wasser bergab zum Neptunbecken leiten. Erreichen die Wassermassen die letzte Etappe der barocken Wasserspiele, verschwindet die Statue des Meeresgottes Neptun in ihrer Grotte hinter einem Wasservorhang.

Wasserspiele - Große Fontäne
Kaskaden unterhalb des Herkules

Allgemeines

Die n√§chsten Stationen bilden der Steinh√∂fer Wasserfall und die Teufelsbr√ľcke, genauer der Wasserfall, der sich unter ihr in den H√∂llenteich ergie√üt. Darauf folgt der Sturz der Wassermassen vom Aqu√§dukt, 34 Meter tief in das sich daran anschlie√üende Tal. Den Schlusspunkt markiert die Gro√üe Font√§ne, im Font√§nenteich am Schloss Wilhelmsh√∂he, die ebenfalls nur durch nat√ľrlichen Wasserdruck von √ľber acht Bar erzeugt wird und bis zu 52 Meter H√∂he aufsteigt. Vom Herkules bis zum Font√§nenteich (ca. 290 m √ľ. NN), der sich westlich bzw. oberhalb des Schlosses befindet, hat das Wasser 225 Meter H√∂henunterschied zur√ľckgelegt.

Diesen Teich verl√§sst das Wasser am S√ľdende, von wo es s√ľdlich vorbei am Schloss in den Schlossteich (Lac; 260 m √ľ. NN) flie√üt. √úber dessen Ablauf verl√§sst das Wasser allm√§hlich den Bergpark und erreicht entlang der Wilhelmsh√∂her Allee und vor der Baunsbergstra√üe teils unterirdisch verlaufend im Ortsbezirk Wahlershausen, der zu Bad Wilhelmsh√∂he geh√∂rt, die Drusel, einen Fulda-Zufluss.

Veranstaltungstermine

Vom 1. Mai bis zum 3. Oktober finden an jedem Mittwoch, Sonntag sowie an hessischen Feiertagen die sogenannten Wasserspiele statt (urspr√ľnglich und teilweise auch heute wieder als Wasserk√ľnste bezeichnet). Beginn ist um 14.30 Uhr am Fu√ü des Herkules. Jeden ersten Samstag im Monat (Juni bis September) finden abends (Juni/Juli um 22:00 Uhr, August/September um 21:00 Uhr) die beleuchteten Wasserspiele statt, bei denen die einzelnen Orte farbig beleuchtet werden. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung zieht ‚Äď insbesondere bei gutem Wetter im Hochsommer und sonntags ‚Äď teilweise bis zu mehrere Tausend Besucher an.

Gebäude im Bergpark

Schloss Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe

Keimzelle des gesamten Bergparks ist das Schloss Wilhelmsh√∂he (285 m √ľ. NN), das auf der √∂stlichsten und untersten Stelle der Sichtachse Schloss Wilhelmsh√∂he-Herkules steht. Am Ort des fr√ľheren Klosters Wei√üenstein der Augustinerm√∂nche lie√ü Landgraf Moritz von Hessen-Kassel 1606 bis 1610 ein Jagdschloss erbauen, aus dem sich von 1786 und 1798 das Schloss Wilhelmsh√∂he entwickelte. Heutzutage enth√§lt es unter anderen die Gem√§ldegalerie Alte Meister und die Antikensammlung.

Herkules

Auf der westlichsten und h√∂chstgelegenen Stelle der Sichtachse Schloss Wilhelmsh√∂he-Herkules steht der von 1701 bis 1717 errichtete Herkules (515 m √ľ. NN). Das Bauwerk (71 Meter hoch) gilt als das Wahrzeichen von Kassel und steht - schon von weitem sichtbar - auf dem √∂stlichsten Bergkamm des Habichtswalds. Die dem Herkules vorgelagerten Kaskaden sind der Ausgangspunkt der zahlreich besuchten Kasseler Wasserspiele.

Löwenburg

Löwenburg

Im s√ľdlichen Teil des Bergparks und damit s√ľdlich der Sichtachse Schloss Wilhelmsh√∂he-Herkules steht die L√∂wenburg (350 m √ľ. NN). Sie entstand nach Entw√ľrfen von Heinrich Christoph Jussow in der Zeit von 1793 bis 1800. Die L√∂wenburg ist die Nachahmung einer mittelalterlichen englischen Ritterburg und wurde, romantisch historisierend, bewusst als verfallende Teilruine erbaut.

Weitere Gebäude

Ballhaus
  • Das Ballhaus befindet sich direkt n√∂rdlich des Schlosses Wilhelmsh√∂he. K√∂nig J√©r√īme von Westfalen, der j√ľngste Bruder Napoleons, lie√ü es von 1809 bis 1810 als Hoftheater von Leo von Klenze erbauen. Das freistehende, klassizistische Geb√§ude wurde neben dem Nordfl√ľgel des Schlosses platziert und ist ein Fr√ľhwerk des sp√§ter ber√ľhmten Architekten. Zwischen 1828 und 1830 wurde es unter Kurf√ľrst Wilhelm II. von Hessen-Cassel von Johann Conrad Bromeis in einen Ballsaal umgewandelt. Es wurde weniger vom Hof selbst als vom gegen√ľberliegenden Hotel genutzt.
Großes Gewächshaus
  • Das Gro√üe Gew√§chshaus steht unmittelbar westlich des Ballhauses. Es ist eine der ersten Stahl-Glas-Konstruktionen √ľberhaupt und wurde 1822 nach Pl√§nen von Bromeis errichtet. Bauherr war Kurf√ľrst Wilhelm II. 1887 wurde der urspr√ľnglich runde Mittelbau durch ein kubisches Palmenhaus ersetzt. Heute kann es von Oktober bis Mai besichtigt werden.

Staffagebauten

Das architektonische Element der Staffage hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition. Doch vor allem in der Gartenkunst des Barocks erhält er eine zentrale Funktion und nimmt eine Vermittlerposition zwischen Architektur und Natur ein.

Im Bergpark Wilhelmsh√∂he befinden sich zahlreiche kleine Staffagen, denen sich keine unmittelbare Funktion zuordnen l√§sst. Sie liegen meist etwas abseits der Sichtachse Schloss Wilhelmsh√∂he-Herkules (nachfolgend Parkhauptachse genannt), an der Grenze zum ungestalteten Wald. Jede Staffage ist einzigartig, zitiert die Kunst- und Kulturgeschichte und markiert einen besonderen Aussichtspunkt in der Parklandschaft. Die heute im Park erhaltenen Staffagen stammen teilweise noch aus der Regierungszeit von Landgraf Friedrich II., wurden also in der Zeit zwischen 1760 und 1785 errichtet und in den Jahren ab 1785 in die umfangreiche ‚Äěenglische‚Äú Neugestaltung integriert.

  • Die Cestius-Pyramide wurde um 1775 s√ľdlich der Parkhauptachse und etwas oberhalb des Font√§nenteiches errichtet. Das Bauwerk besitzt eine quadratische Grundfl√§che von ca. sechs Meter Seitenl√§nge. Sie ist dem Grabmal des Caius Cestius in Rom nachempfunden. Die Pyramide kann nicht betreten werden.
  • Das Grabmal des Virgil entstand etwa zur gleichen Zeit nur etwas n√∂rdlich der Parkhauptachse. Der Bau auf quadratischem Grundriss mit ca. f√ľnf Meter Seitenl√§nge und einem aufgesetztem S√§ulenstumpf ist nach dem r√∂mischen Dichter Publius Vergilius Maro benannt und empfindet sein Grabmal bei Neapel nach.
  • Die Eremitage des Sokrates, die um 1780 entstand, ist eine Holzh√ľtte, deren Vorderfront und Traufbereich mit Baumrinde verkleidet ist. Die H√ľtte wurde im 19. Jahrhundert ersetzt. Das Bauwerk befindet sich am Waldrand s√ľd√∂stlich der Teufelsbr√ľcke, die Sichtschneise zu seinen F√ľ√üen erm√∂glicht eine weite Fernsicht. Bei diesem, dem griechischen Philosophen Sokrates gewidmeten Geb√§ude existierten bis Ende des 18. Jahrhunderts auch Pavillons, die beispielsweise an Heraklit, Archimedes und Demokrit erinnerten. Urspr√ľnglich waren die Geb√§ude zug√§nglich, und im Inneren befanden sich Wachs- oder Gipsfiguren der antiken Gelehrten.
  • Der ‚Äěr√∂mische‚Äú Merkur-Tempel, der auf den Gott Mercurius verweist, wurde von 1782 bis 1783 erbaut. Er ist ein offener Rundbau mit sechs Meter Durchmesser, bestehend aus acht S√§ulen. Sein Vorbild ist der Tempel der Venus im englischen Landschaftsgarten Stowe. Im Zweiten Weltkrieg verlor der Tempel seine Kuppel sowie die Merkurstatue.
  • Die Plutogrotte entstand zwischen 1760 und 1785 direkt in der Parkhauptachse. Namensgeber des Bauwerks ist der r√∂mische Gott Pluto. Urspr√ľnglich waren die Fenster und T√ľren bunt verglast, und im Inneren waren aus Gips mythologische Szenen des Grauens und der Unterwelt dargestellt.
  • Das ‚Äěchinesische Dorf‚Äú Mou-lang, dessen √úberreste am s√ľd√∂stlichen Rand des Bergparks auf dem Hang oberhalb des Lac stehen, nimmt eine Sonderrolle ein. Erbaut wurde das Ensemble ab 1781 unter Landgraf Friedrich II., erneuert und weiterentwickelt von Landgraf Wilhelm IX. (Kurf√ľrst Wilhelm I.). Mou-lang war einerseits eine zeitgen√∂ssische Chinoiserie, das ‚ÄěDorf‚Äú und seine ‚ÄěBewohner‚Äú dienten jedoch auch landwirtschaftlichen Zwecken.

Hinzu kamen zahlreiche im Park platzierte Skulpturen, beispielsweise aus der griechischen Mythologie, die heute nicht mehr erhalten sind. Der bunte Mix aus unterschiedlichsten Architekturstilen und Epochen wirkt auf den heutigen Betrachter keineswegs befremdlich, f√ľr die damaligen Zeitgenossen war das anders, das Sammelsurium des Landgrafen konnte durchaus als ‚Äěavantgardistisch‚Äú gelten. Die Irritation ist noch √ľber hundert Jahre sp√§ter pr√§sent, wenn Paul Heidelbach 1909 in seinem Standardwerk Die Geschichte der Wilhelmsh√∂he schreibt:

‚Äě‚Ķ Das stilwidrige eines solchen Anachronismus dr√§ngte sich um so mehr auf, als die einzelnen, ihrem Stil nach verschiedenen Epochen und V√∂lker angeh√∂renden Monumente oft zu gleicher Zeit ins Auge fielen. Dem von stilistischen Bedenken freien Lustwandler mochte gerade diese verschiedenartiger Darbietungen eine erg√∂tzliche Augenweide bedeuten, ihn, wie die Zeitgenossen sich auszudr√ľcken pflegten, ‚Äěin ein r√ľhrendes Erstaunen setzen‚Äú; der √Ąsthetiker empfand schon damals, dass dadurch im Betrachter ein Gemisch von Vorstellungen geweckt wurde, die das Auge zerstreuten und sich √ľberhaupt nicht miteinander verbinden lie√üen. Heute, wo ein Teil dieser Sch√∂pfungen l√§ngst wieder geschwunden ist, der andere durch dichtes Buschwerk gedeckt, gleichsam eine Welt f√ľr sich bildet, dr√§ngt sich der phantastisch-spielerische Charakter dieser Friedericianischen Neuanlagen weniger unangenehm auf‚Ķ‚Äú (Lit.: Heidelbach, 1909)

Im Rahmen der Umgestaltung unter seinem Nachfolger Landgraf Wilhelm IX. (Kurf√ľrst Wilhelm I.) in den Jahren ab 1785 verschwanden zahlreiche Staffagen, es kamen aber auch Neue hinzu:

  • Das Felseneck entstand 1794/1795 unterhalb der Kaskaden nach den Pl√§nen von Heinrich Christoph Jussow. Aufgeteilt in Vestib√ľl, Garderobe und Kabinett diente es als Ruhe- und Erfrischungsraum.
  • Die Halle des Sokrates wurde zwischen 1813 und 1816 von Jussow erbaut. Es ist eine halbkreisf√∂rmige S√§ulenhalle auf dem Bowlinggreen oberhalb des Schlosses.
  • Der Jussowtempel wurde 1817/1818 unmittelbar am Font√§nenteich erbaut. Der Tempel mit offenem S√§ulenumgang und geschlossenem Innenraum findet sein Vorbild ebenso im englischen Stowe. Auch dieses Bauwerk ist von Jussow. Der Jussowtempel wird auch heute noch oft als Apollotempel bezeichnet. Die Verwechslung beruht auf der Tatsache, dass der Jussowtempel kurz nach dem Abbruch eines Tempels hangaufw√§rts gebaut wurde. Dieser kleine Apollotempel genannte Holzbau stammte aus der Zeit Friedrich II..
  • Das Aufseherhaus an den Kaskaden, das 1810 am Neptunbecken unterhalb der Kaskaden erbaut wurde, spielt eine besondere Rolle. Es entstand unter der Regentschaft K√∂nig J√©r√īmes. Jussow hat sich hier deutlich von der franz√∂sischen Revolutionsarchitektur inspirieren lassen. Das Geb√§ude dient heute als Ausflugslokal.

Bergpark, Stadt und B√ľrger

Der feudale landgr√§fliche Park ist inzwischen im Besitz des Landes Hessen und f√ľr jedermann jederzeit frei zug√§nglich. Die Lage des Bergpark Wilhelmsh√∂he ‚Äď fr√ľher weit vor, heute am Rand der Stadt ‚Äď f√ľhrt jedoch dazu, dass das Gel√§nde bis heute kein st√§dtischer ‚ÄěB√ľrgerpark‚Äú ist: Die Besucher des Parks halten sich dort bewusst auf, sind extra angereist und durchqueren ihn nicht nur zuf√§llig. Nach Einbruch der Dunkelheit ist der in den Kernzonen unbeleuchtete Park (lediglich Schloss und Herkules werden angestrahlt) in der Regel menschenleer.

Der Bergpark Wilhelmsh√∂he bildet heute die Kulisse f√ľr unterschiedlichste Veranstaltungen und Aktivit√§ten: Die Bundeswehr nutzte den Park bereits f√ľr √∂ffentliche Rekrutengel√∂bnisse, K√ľnstler f√ľr Ausstellungen, wie die n√§chtlichen Licht(e)wege zwischen 2002 und 2005. Aber auch einzelne B√ľrger eignen sich das Gel√§nde ‚Äď oft inoffiziell ‚Äď an: W√§hrend einige den Park f√ľr mittelalterliche Rollenspiele benutzen, trommeln andere regelm√§√üig in den sommerlichen Vollmondn√§chten. Als traditionelle winterliche Institution gilt das Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenem Lac und das Rodeln am Schlosshang.

Anreise und Verkehr

Der Bergpark wird vom Autoverkehr soweit m√∂glich freigehalten, es gibt jedoch Parkpl√§tze an der L√∂wenburg und am Kaskadenrestaurant. Am einfachsten erreichbar ist der Park mit dem √ĖPNV. Wegen des gro√üen H√∂henunterschieds ist es sinnvoll, per Bus 22 ab Druseltal (Endstelle der Stra√üenbahn Linie 3) zum Herkules zu fahren und sich den Park bergab zu erwandern. Unterhalb des Schlosses erreicht man an der Endstelle Wilhelmsh√∂he die Stra√üenbahnlinie 1. Ab Wilhelmsh√∂he verbindet die Buslinie 23 quer durch den Park Schloss, Aqu√§dukt, Plutogrotte und L√∂wenburg miteinander (Busverkehr nur noch mittwochs und an Sonn- und Feiertagen, sonst Anruf-Sammel-Taxi).

Probleme bereiten die ehemaligen Parkwege Tulpenallee und Mulangstra√üe, die f√ľr den √∂ffentlichen Verkehr gewidmet sind, und so die Ruhe im Park nachhaltig st√∂ren. Der Pachtvertrag mit dem Ausflugslokal Kaskadenrestaurant im Aufseherhaus erlaubt √ľber die sogenannte Kommunalstra√üe Autoverkehr im Kernbereich des Parks. Die Kommunalstra√üe ist mittlerweile von der Kreisstra√üe zur Gemeindestra√üe abgestuft worden, die Umwidmung nach dem Hessischen Stra√üengesetz und damit die Einziehung ist in Vorbereitung.

Literatur

  • Irmtraud Baier: "Ohnvergleichliches Italien". Italienreise, Italienbild und Italienrezeption um 1700 am Beispiel des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel [Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde Bd. 53], Diss. Marburg 2007, Kassel 2010, ISBN 978-3-925333-53-8.
  • Urte Stobbe: Kassel-Wilhelmsh√∂he. Ein hochadliger Lustgarten im 18. Jahrhundert [Kunstwissenschaftliche Studien Bd. 161], Diss. G√∂ttingen 2008, Berlin/M√ľnchen 2009.
  • Michael Karkosch: Zeitreise in die Jahrhundertwende, Der Kaiserpark Wilhelmsh√∂he in Kassel, in: SehensWerte, Heft 4, Besuchermagazin der Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg 2008, S. 28f.
  • Dunja Richter: Der Duft der gro√üen weiten Welt, Wilhelminische Pflanzenhausarchitektur in Kassel, in: SehensWerte, Heft 4, Besuchermagazin der Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg 2008, S. 30.
  • Michael Karkosch: Zur√ľckgelassen in der Heimat, Erdmann - Lieblingsteckel Seiner Majest√§t, in: SehensWerte, Heft 4, Besuchermagazin der Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg 2008, S. 35.
  • Siegfried Ho√ü: Kaiserliche Farbenpracht - neu entfacht!, in: SehensWerte, Heft 4, Besuchermagazin der Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg 2008, S. 42.
  • Horst Becker und Michael Karkosch: Park Wilhelmsh√∂he, Parkpflegewerk, Bad Homburg und Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1901-1.
  • Dagmar Sommer: Delineatio Montis in Nummis. Die Gedenkpr√§gungen auf den Kasseler Bergpark, in: Forman, Inken / Karkosch, Michael (Hrsg.): ‚ÄěAlles scheint Natur, so gl√ľcklich ist die Kunst versteckt‚Äú. Festschrift Bernd Modrow, M√ľnchen 2007, S. 195-204.
  • Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, ComputerWorks AG und Michael Karkosch: Kassel-Wilhelmsh√∂he, Gartendenkmalpflegerische Zielplanung mit VectorWorks Landschaft, L√∂rrach 2007.
  • Thomas Ludwig: Der Herkules in Kassel. Herkules, Oktogon und Kaskaden im Schlo√üpark Wilhelmsh√∂he [Edition der Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen Bd. 22], Regensburg 2004.
  • Agnes Tieze: Von Herkules gekr√∂nt. Die Idealprospekte Jan und Rymer van Nickelens f√ľr Landgraf Karl [Staatliche Museen Kassel. Monographische Reihe Bd. 13], Kassel 2004.
  • Bernd Modrow und Claudia Gr√∂schel: F√ľrstliches Vergn√ľgen, 400 Jahre Gartenkultur in Hessen, Verlag Schnell und Steiner, Bad Homburg und Regensburg 2002, ISBN 3-7954-1487-3.
  • Jutta Korsmeier: Wasserk√ľnste im Schlosspark Wilhelmsh√∂he, hrsg. v. d. Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg und Regensburg 2000, ISBN 3-7954-1287-0.
  • Albrecht Hoffmann / Helmuth Schneider (Hrsg.): Technik und Zauber historischer Wasserk√ľnste in Kassel. Von den Kaskaden Guernieros zu den Wasserf√§llen Steinh√∂fers, Kassel 2000.
  • Winfried Bergmeyer: Landgraf Karl von Hessen-Kassel als Bauherr. Funktionen von Architektur zwischen Vision und Wirklichkeit, Diss. Marburg 1995 [Oktogon. Studien zu Architektur und St√§dtebau Bd. 17], M√ľnster 1999.
  • Bernd Modrow: Die italienischen Einfl√ľsse auf den barocken Karlsberg bei Kassel, in: Die Gartenkunst des Barock. Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes f√ľr Denkmalpflege Bd. 103, M√ľnchen 1999, S. 58-63.
  • Christiane Lukatis/Hans Ottomeyer (Hrsg.): Herkules. Tugendheld und Herrscherideal. Das Herkules-Monument in Kassel-Wilhelmsh√∂he (anl√§sslich der gleichnamigen Ausstellung in Kassel), Eurasburg 1997.
  • Alfred Hoffmann und Herrmann Mielke: Kassel - Schlosspark Wilhelmsh√∂he - B√§ume und Str√§ucher, hrsg. v. d. Verwaltung der Staatlichen Schl√∂sser und G√§rten Hessen, Bad Homburg 1994 (3. √ľberarbeitete Aufl.).
  • Cornelia J√∂chner: Geometrie oder Landschaft. Aufl√∂sung barocker Gartengrenzen am Karlsberg in Kassel, in: Berns, J√∂rg Jochen / Ignasiak, Detlef (Hrsg.): Fr√ľhneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Th√ľringen [Jenaer Studien Bd. 1], Erlangen / Jena 1993, S. 142-166.
  • Michael Hannwacker: Carlsberg bei Kassel. Der Wei√üenstein unter Landgraf Karl, Diss. (ungedr.) Kassel 1992.
  • Marianne Bolbach: Geschichte und soziale Bedeutung des Bergparks Wilhelmsh√∂he, Kassel 1988.
  • Peter Gercke: Herakles Farnese in Kassel, in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein 22, 1982, S. 29-35.
  • Helmut Sander: Das Herkules-Bauwerk in Kassel-Wilhelmsh√∂he, Kassel 1981.
  • Paul Heidelbach: Die Geschichte der Wilhelmsh√∂he, Leipzig 1909, Nachdruck, hrsg. v. Dieter Carl, Vellmar 2005.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ [1] Internetauftritt des unterst√ľtzenden B√ľrgervereins
  2. ‚ÜĎ faz.net: Kassel: Herkules soll Weltkulturerbe werden, 31. August 2011, Zugriff am 3. September 2011
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