Bessarabien

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Bessarabien
Wappen Bessarabiens als Russisches Gouvernement
Bessarabien in Europa
Bessarabien 1940

Bessarabien (rum√§nisch Basarabia, ukrainisch –Ď–Ķ—Ā—Ā–į—Ä–į–Ī—Ė—Ź, russisch –Ď–Ķ—Ā—Ā–į—Ä–į–Ī–ł—Ź) ist eine historische Landschaft in S√ľdosteuropa, begrenzt vom Schwarzen Meer im S√ľden sowie den Fl√ľssen Pruth im Westen und Dnister im Osten. Das fr√ľhere Bessarabien deckt sich heute weitgehend mit dem westlich des Dnister liegenden Teil Moldawiens, nur der S√ľden (Budschak) sowie der √§u√üerste Norden (um Hotin) geh√∂ren zur Ukraine. Jahrhundertelang war das Land Pufferregion zwischen den Gro√üm√§chten √Ėsterreich, Russland und dem Osmanischen Reich. Die Gebietsbezeichnung entstand erst 1812, als das F√ľrstentum Moldau die Herrschaft an Russland abtrat. Danach war der mehrheitlich von Rum√§nen bewohnte Landstrich bis 1917 als Gouvernement Bessarabien Teil des Kaiserreichs. 1918 war Bessarabien kurzfristig unabh√§ngig, ehe es in der Zwischenkriegszeit zur √∂stlichen Provinz Rum√§niens wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg ein Landesteil der Sowjetunion war.

Inhaltsverzeichnis

Name

Die Bezeichnung ‚ÄěBessarabien‚Äú (rum√§nisch Basarabia, gagausisch Basarabiya) leitet sich vom walachischen F√ľrstengeschlecht Basarab ab, das dort im 13. und 14. Jahrhundert herrschte, und hat nichts mit Arabien zu tun. Urspr√ľnglich galt nur das s√ľdliche Drittel des Landes als Terra Bassarabum (lat.). Mit der russischen √úbernahme von 1812 dehnte Russland die Bezeichnung ‚ÄěBessarabien‚Äú auf das gesamte Gebiet zwischen den Fl√ľssen Pruth und Dnister aus.

Wappen

Wappen Bessarabiens
Bessarabischer Landwirt mit einem Ochsen ähnlich dem Wappentier (1940)

Das Wappen Bessarabiens ist der Auerochse, der oben von einem f√ľnfzackigen Stern, links (heraldisch: rechts) von einer Rose und rechts (heraldisch: links) von einem Halbmond umgeben ist. Die Wappendarstellung (Zeichnung links) entstammt dem Dokument, in dem die nationale Vollversammlung Bessarabiens (Sfatul »öńÉrii) am 9. April 1918 den Anschluss des Gebietes an Rum√§nien f√ľr ewige Zeiten erkl√§rte.

Der Auerochse ist das Symbol des F√ľrstentums Moldau, zu dem Bessarabien bis zu seiner Abtrennung 1812 geh√∂rte.

Land und Landwirtschaft

Geografie

Rinderherde mit Hirte in der Steppe des Budschak (1940)

Bessarabien war ein Landstrich am Schwarzen Meer zwischen den Fl√ľssen Pruth im Westen und Dnister im Osten und im √úbergang von den Karpaten zur osteurop√§ischen Steppe. Die Fl√§che betrug bei einer Ausdehnung von ca. 450 km √ó 100 km rund 45.000 km¬≤. Das s√ľdliche Drittel (Budschak), sowie der nordwestliche Zipfel um die Stadt Chotyn geh√∂ren heute zur Ukraine (im Osten der Oblast Tscherniwzi). Der Rest der n√∂rdlichen zwei Drittel und der zentrale Teil sind heute Teil Moldawiens und machen den Hauptteil des Staatsgebietes aus.

Bessarabien l√§sst sich landschaftlich in drei Zonen unterteilen. Nordbessarabien ist als Karpatenausl√§ufer eine leicht bewaldete Hochebene von etwa 400 m √ľber dem Meeresspiegel. Dieser Landesteil ist mit Eichen- und Buchenw√§ldern bedeckt und von tiefen Schluchten durchschnitten. Mittelbessarabien, ebenfalls von W√§ldern bedeckt (wovon es auch den Namen Codrii, also ‚ÄěW√§lder‚Äú tr√§gt) und geht ab Tighina allm√§hlich in das steppen√§hnliche Gebiet des Budschak in S√ľdbessarabien √ľber, ein flachwelliges H√ľgelland mit einer baumfreien Landschaft etwa 100 m √ľber dem Meeresspiegel. Unter mannshohem Steppengras liegt fruchtbarer Schwarzerdeboden. Alle Fl√ľsse flie√üen bei geringem Gef√§lle in s√ľd√∂stliche Richtung und m√ľnden ins Schwarze Meer. Im Sommer fallen die kleinen Steppenfl√ľsse fast trocken.

Klima

Das Klima des Gebietes ist kontinental, mit trockenhei√üen Sommern und kalten Wintern. Im S√ľden herrscht ein trockenes Steppenklima mit geringen durchschnittlichen Niederschlagsmengen (300 mm), was in regenarmen Jahren ohne k√ľnstliche Bew√§sserung zu Missernten in der Landwirtschaft f√ľhrt. Gleichzeitig kann es bei Wolkenbr√ľchen zu schwerwiegenden √úberschwemmungen kommen, wenn die kleinen Fl√ľsse √ľberlaufen. Im waldreicheren Norden sind 600 mm j√§hrlicher Niederschlag √ľblich.

Landwirtschaft

Bäuerinnen bei der Ernte, 1941
Viehtränke an einem Steppenbrunnen, 2005

Bessarabiens Reichtum war die humusreiche, fruchtbare Schwarzerde mit einer M√§chtigkeit von bis zu 1,5 m, die einen ertragreichen Anbau von Wein, Weizen, Hirse, Mais und Obst erm√∂glichte. Als reines Agrarland exportierte Bessarabien vor allem Wein, Fr√ľchte (Melonen und K√ľrbisse), Gem√ľse, Tabak, Getreide und Wolle, die aus der weit verbreiteten Schafzucht stammte, vor allem des feinwolligen Karakulschafes (das Lammfell ist als ‚ÄěBessaraber‚Äú im Rauchwarenhandel bekannt). Auch heute noch sind die landwirtschaftlichen Produkte von hoher Bedeutung. Diese machen z. B. f√ľr Moldawien im Jahr 2000 etwa 40 % des Bruttoinlandsproduktes und zwei Drittel aller Exporte aus.

Die Exportprodukte transportierten die Landwirte zum Schwarzmeerhafen Odessa (Ukraine). Nach dem Anschluss an Rum√§nien (1918) ging jedoch der Absatz √ľber das dann sowjetische Odessa verloren und auch der Verkauf in die Sowjetunion litt stark. Ein kleiner Ausgleich daf√ľr war in den 1930er Jahren der Absatz von √Ėlfr√ľchten und Sojabohnen zu festen Preisen ins Deutsche Reich. Bei der Nutztierhaltung waren Rinder weiter verbreitet als Pferde. Die bessarabischen Landwirte setzten beim Bestellen ihrer Ackerfl√§chen vor allem Ochsen als Zugtiere ein, die bessarabiendeutschen aber nur Pferde.

Eine gewerbliche, industrielle Produktion gab es infolge der Armut an Energiequellen nur f√ľr den lokalen Bedarf, wobei es sich haupts√§chlich um landwirtschaftliches Ger√§t handelte. Bodensch√§tze des Landes waren Salpeter und Marmor. Eine Gewinnung von Meersalz gab es in lagunenartigen Limanen des Schwarzen Meeres.

Verkehr

Vom 13. bis zum 14. Jahrhundert wetteiferten die Republik Genua und die Republik Venedig um die Vormacht im Handel am Schwarzen Meer. Ein wesentliches Ziel war der Import von Nahrungsmittel von dort nach Oberitalien, aber die Route durchs Schwarze Meer war bis zur Eroberung der Krim durch das Osmanische Reich im Jahr 1475 auch der westliche Abschnitt der Seidenstra√üe. Es entstanden Handelsposten an der Schwarzmeerk√ľste, wie beispielsweise die Festung in Bilhorod-Dnistrowskyj mit dem Namen Mauro Castro, und an den Str√∂men. So unterhielten die Genuesen einen unbefestigten Handelsposten tief im Landesinneren in Tighina am Dnister. Auch in den sp√§teren Jahrhunderten, als Bender zum F√ľrstentum Moldau geh√∂rte, behielt die Stadt ihre Rolle f√ľr den Schwarzmeerhandel.

Das Stra√üennetz im Land war stets unterentwickelt und behinderte die wirtschaftliche Entwicklung. 1930 gab es 800 Kilometer befestigte Stra√üen und 7000 km Naturwege, die nur bei trockenem Wetter befahrbar waren. Die erste Eisenbahnverbindung verband 1871 die Landeshauptstadt Kischinjow mit dem russischen Reich. Als Bessarabien 1918 von Russland nach Rum√§nien wechselte, wurde das 1300 km lange Gesamteisenbahnnetz von der russischen Breitspur auf die mitteleurop√§ische Normalspur umgestellt. Dieser Schritt wurde mit der Eingliederung in die Sowjetunion r√ľckg√§ngig gemacht. Der Schiffsverkehr lag gr√∂√ütenteils darnieder, obwohl das Land von den Gew√§ssern Pruth, Dnister und Donau umgeben war sowie Anteil am Schwarzen Meer hatte. Den auf 200 km schiffbaren Pruth befuhren 1920 26 Frachtk√§hne. Der Schiffsverkehr auf dem 700 km schiffbaren Dnister war nach 1918 wegen der Grenzlage zwischen Rum√§nien und der Sowjetunion lahmgelegt.

Siedlungen und Städte

Typisches Straßenbild in einer dörflichen Siedlung, hier Wessela Dolyna

Au√üer der bessarabischen Hauptstadt Kischinau, russisch Kischinjow, gab es keine bedeutenden St√§dte. Kischinjow am Rande des russischen Imperiums genoss jedoch in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung durch Russland keinen guten Ruf im Kaiserreich, sondern galt als Strafversetzungslager f√ľr Unzufriedene und Aufm√ľpfige. Der junge russische Nationaldichter Alexander Puschkin war von 1820 bis 1823 als √úbersetzer nach Kischinjow verbannt worden und schrieb √ľber die Stadt:

Oh Kischinjow, oh dunkle Stadt!
Verfluchte Stadt Kischinjow, die Zunge wird nicht m√ľde, dich zu beschimpfen.

Ab 1834 entstand in Kischinjow durch einen gro√üz√ľgigen Stadtentwicklungsplan ein imperiales Stadtbild mit breiten und langen Stra√üen. Dennoch war Bessarabien ein Agrargebiet mit einer mehrheitlich auf dem Lande lebenden Bev√∂lkerung. Die gr√∂√üeren Orte wiesen als Marktgemeinden nur halbst√§dtischen Charakter auf. Die Kolonistend√∂rfer (siehe Foto oben) waren jeweils als Stra√üendorf angelegt und mehrere Kilometer lang. Im Gefolge jahrhundertelanger osmanischer Herrschaft gelangte der Typ der orientalischen Basarstadt ins Land. Viele Orte hatten deshalb gro√üangelegte Marktfl√§chen. Einige Ortsnamen im S√ľden deuten auf die fr√ľhere osmanische Herrschaft und tatarische Besiedlung hin, z. B. Akkerman (t√ľrk. f√ľr wei√üe Festung), Bender (t√ľrk. f√ľr das Tor, heute Tighina), Tatarbunar, Ismail, Tuzla, Kubey, Manuk-Bey.

Orte mit städtischem Charakter waren 1937 (mit Einwohnerzahl):

Die √ľbrigen gr√∂√üeren Orte wie Orhei, Chilia, Comrat, Tuzla, Cahul, Leova, Bolgrad und V√Ęlcov, waren nur Marktflecken mit bis zu 15.000 Einwohnern.

Bevölkerung

Ethnische Gruppen in Bessarabien 1930
Ethnische Gruppen in Moldawien(Mai 1995) auf dem Gebiet des fr√ľheren Bessarabien

Bei der rum√§nischen Volksz√§hlung von 1930 hatte Bessarabien ca. 2,8 Millionen Einwohner. Die Bev√∂lkerung bestand aus:

Wie von der Obrigkeit vorgegeben, bewohnten die Volksgruppen anfangs im 19. Jahrhundert jeweils eigene D√∂rfer. Unter den deutschen Kolonisten gab es urspr√ľnglich sogar eine Trennung in evangelisch-lutherische und katholische Siedlungen. Im 20. Jahrhundert bestand die reine landsmannschaftliche Einheit in den D√∂rfern nicht mehr. Das Verh√§ltnis der verschiedenen Ethnien untereinander war ein friedliches Nachbarschaftsverh√§ltnis, wobei jedoch Mischehen aufgrund der unterschiedlichen Sprach- und Religionszugeh√∂rigkeiten eher selten waren.

J√ľdische Bev√∂lkerung

Katharina die Gro√üe hatte 1791 fast alle russischen Juden gezwungen, in westliche Provinzen umzusiedeln, und so die ‚ÄěSchtetl‚Äú geschaffen. Ihre Politik wurde von den sp√§teren Zaren im Wesentlichen fortgesetzt, wodurch Bessarabien nach der russischen √úbernahme von 1812 Bestandteil des Ansiedlungsrayons wurde. Allerdings galt bis 1835 ein Autonomiestatus, so dass dort die normalen russischen gesetzlichen Diskriminierungen nicht g√ľltig waren (wie das Verbot von Landkauf[1]). Eine weitere Gruppe von Zuz√ľglern waren Juden aus Deutschland und Polen, die meist Jiddisch sprachen. Infolgedessen gab es in den gr√∂√üeren Orten bald einen Anteil von nahezu 40 % j√ľdischer Bev√∂lkerung.

In den folgenden Jahrzehnten wurden die gesetzlichen Beg√ľnstigungen nach und nach geringer. Dennoch gab es bis zur vollst√§ndigen Abschaffung der Diskriminierung nach der Oktoberrevolution von 1917 einige Vorteile, die auf die g√ľnstige Lage am Rande des russischen Reichs zur√ľckzuf√ľhren sind.

Farbige Lithografie aus dem Jahr 1904 zur Situation der Juden im Russischen Reich

Nach der Ermordung des reformorientierten Zaren Alexander II. im Jahre 1881 f√ľhrte Zar Alexander III. mit den Maigesetzen die alten Beschr√§nkungen wieder ein. Bis auf Bessarabien, wo die Mehrheitsbev√∂lkerung eine Minderheit in Russland war, gab es nun im gesamten russischen S√ľden Judenpogrome. Schlie√ülich erfolgte am 6. April 1903 auch in Kischinjow ein Pogrom, bei dem 47 Menschen starben und der vom Herausgeber der einzigen Zeitung Bessarabez (–Ď–Ķ—Ā—Ā–į—Ä–į–Ī–Ķ—Ü—ä) bewusst gesch√ľrt worden war und Anzeichen einer organisierten Tat aufwies.[2] Die Reaktion auf eine Dokumentation dieses Vorfalls in der Weltpresse war heftig, selbst innerhalb Russlands. So wurde dem Zaren im Juli 1905 eine US-amerikanische Petition √ľbergeben, die allerdings keine Wirkung auf seine Politik hatte. Unter dem Eindruck des Ereignisses schrieb Chaim Nachman Bialik mehrere Gedichte, darunter das 1904 entstandene ber√ľhmte Gedicht Be-Ir ha-Haregah (‚ÄěIn der Stadt des Schlachtens‚Äú). Im Jahre 1905 gab es ein weiteres Pogrom mit 19 Toten. W√§hrend des Zweiten Weltkrieges wurden unter deutsch-rum√§nischer Besatzung zuerst Massaker unter der j√ľdischen Bev√∂lkerung ver√ľbt; sp√§ter die √úberlebenden in Todesm√§rschen in das rum√§nisch okkupierte Transnistria deportiert und so zu gro√üen Teilen vernichtet.

Siehe auch: Geschichte der Juden in Russland

Bulgarische Bevölkerung

Einzelne bulgarische Familien kamen schon Ende des 18. Jahrhunderts als Emigranten nach S√ľdbessarabien, in den Budschak, um Schutz vor den √úbergriffen des Paschas Osman Pazvantońülu zu finden. Gr√∂√üere Gruppen wanderten nach der russischen √úbernahme von 1812 ein und lie√üen sich im Westen bei der Stadt Bolgrad und auf den von den Tataren verlassenen Gebieten im S√ľden nieder. 1819 erhielten die 24.000 im Land lebenden Bulgaren eine Selbstverwaltung und den Kolonistenstatus.

Die an der s√ľdwestlichen Grenze Bessarabiens angrenzende Dobrudscha war zwischen Bulgarien und Rum√§nien umstritten, da sowohl Bulgaren als auch Rum√§nen dort lebten, und Rum√§nien einen Zugang zum Schwarzen Meer wollte. Die bessarabischen Bulgaren waren von diesem Konflikt, aber auch von der Unabh√§ngigkeitsbewegung Bulgariens von den Osmanen, seit dem Bulgarischen Aprilaufstand 1876, erfasst. W√§hrend des Aufstandes kaperte Christo Botew, ein in Bessarabien lebender Bulgare, ein Dampfschiff auf der Donau und griff mit 200 anderen Exil-Bulgaren in die K√§mpfe gegen die Osmanen ein. Des Weiteren erkl√§rte im April 1877 Zar Alexander II. dem Osmanischen Reich den Krieg mit dem Ziel, ‚Äědie Bulgaren und andere Balkanv√∂lker zu befreien‚Äú, was letztendlich die Unabh√§ngigkeit Rum√§niens zur Folge hatte.

Deutsche Bevölkerung

‚Üí Hauptartikel: Bessarabiendeutsche
Bessarabiendeutsche M√§nner mit rum√§nischen Fellm√ľtzen

Deutsche Auswanderer, die der Zar 1813 als Kolonisten ins Land rief, lebten in Bessarabien zwischen 1814 und 1940. Sie lebten als selbstst√§ndige Landwirte auf eigener Scholle. In 125-j√§hriger Siedlungszeit hatten sie die urspr√ľngliche Zahl von 24 Mutterkolonien auf √ľber 150 bessarabiendeutsche Siedlungen erweitert. Die Zahl von etwa 9.000 eingewanderten Personen hatte sich auf 93.000 Personen mehr als verzehnfacht. Die anf√§nglich gew√§hrten Privilegien, darunter die Selbstverwaltung durch das F√ľrsorgekomitee mit Sitz in Odessa, wurden um 1870 mit der Aufhebung des Kolonistenstatus zur√ľckgenommen. Vor allem wegen der Einf√ľhrung des Milit√§rdienstes wanderten in der Folge viele Kolonisten nach Nord- und S√ľdamerika (mit Schwerpunkten in Nord- und S√ľd-Dakota, Kanada, Argentinien, Brasilien) aus. Im Herbst 1940 verlie√üen die Bessarabiendeutschen nahezu vollst√§ndig das Land. Vorausgegangen war die Besetzung Bessarabiens durch die Rote Armee im Juni 1940 als Folge des Hitler-Stalin-Paktes von 1939. Da die Besetzer unverz√ľglich damit begannen, das Sowjet-System einzuf√ľhren, schlossen sich nahezu alle Angeh√∂rigen der Volksgruppe als Volksdeutsche der vom Deutschen Reich durchgef√ľhrten Umsiedlung an. Darunter waren auch die Eltern des sp√§teren deutschen Bundespr√§sidenten Horst K√∂hler. Organisator der Umsiedlung unter der Devise Heim ins Reich war das Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle. Nach einem bis zu zweij√§hrigen Aufenthalt in Lagern erhielten die Umsiedler ab 1941/42 Bauernh√∂fe im besetzten Polen, deren polnische Besitzer von deutschem Milit√§r vertrieben wurden. Als 1944 die Rote Armee anr√ľckte, flohen die Bessarabiendeutschen nach Westen.

Gagausische Bevölkerung

Heute leben im s√ľdlichen Moldawien auf dem Boden des fr√ľheren Bessarabien etwa 175.000 christlich-orthodoxe Gagausen in der autonomen Republik Gagausien mit der Hauptstadt Comrat. Die Vorfahren der Gagausen waren wahrscheinlich Kumanen, der westliche Teil der Kyptschaken, die im Osten der Balkanhalbinsel lebten. Im 13. Jahrhundert wurden diese vor√ľbergehend katholisch (siehe auch: Codex Cumanicus). Kurz danach gingen die Kumanen n√∂rdlich der Donau in den Rum√§nen auf. Zwischen 1812 und 1845 wanderten gagausische Nomaden aus der Dobrudscha und dem heutigen Osten Bulgariens in den Budschak, in Ortschaften wie Avdarma, Comrat, Congaz, Tomai und Cismichioi und teilweise weiter auf die Krim. Im Jahr 1906 gr√ľndeten die Gagausen eine eigene Republik, die allerdings nur wenige Tage Bestand hatte.

Kulturdenkmäler

In Bessarabien finden sich einige bedeutende Kulturdenkm√§ler, obwohl das Land √ľber Jahrhunderte Durchzugsgebiet vieler V√∂lkerschaften war und infolge kleinb√§uerlicher Landwirtschaft kaum wirtschaftliche Ressourcen besa√ü.

Festung Akkerman

Bauhistorisch bedeutend ist die an der Dnister-M√ľndung zum Schwarzen Meer gelegene mittelalterliche Festung in Akkerman (t√ľrk. f√ľr wei√üe Stadt), heute Bilhorod-Dnistrowskyj in der Ukraine, in rum√§nischer Zeit Cetatea Alba (rum√§n. f√ľr wei√üe Burg). Weitere Befestigungen errichteten die F√ľrsten der Moldau gegen Tatareneinf√§lle am Dnister in Chotyn, Soroca, Orhei und Tighina sowie gegen die T√ľrken in Kilija an der Donau.

Arch√§ologisch erw√§hnenswert sind die in S√ľdbessarabien vorkommenden Kurgane. In den bis zu 30 m hoch aufgesch√ľtteten Grabh√ľgeln bestattete das Reitervolk der Skythen ihre Anf√ľhrer zusammen mit einigen reich geschm√ľckten Pferden. Von den beiden 120 km langen und den R√∂mern zugeschriebenen Trajanw√§llen (Unterer und Oberer) sind noch heute stellenweise f√ľnf Meter hohe W√§lle vorhanden. Bedeutende H√∂hlenkirchen und -kl√∂ster entstanden zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert und sind an den Ufern der Fl√ľsse Dnister und RńÉut in Fels gehauen. In einem etwa 100 m hohen Fels in »öipova (Rajon Rezina) sind 19 H√∂hlen miteinander verbunden und bilden ein Ensemble aus Eremitenzellen, Glockenturm und einer Kirche. In Saharna (Rajon Rezina) finden sich auf einem Felsen Bebauungsspuren, die bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. reichen. Weitere historische Bauten sind Ruinen in Orheiul Vechi (Rajon Orhei) aus der tatarischen Zeit im 14. Jahrhundert, die mit der Goldenen Horde in Verbindung gebracht werden. Man nimmt an, dass hier die westlichste tatarische Hauptstadt Sheihr-ali-Jedid war.

Geschichte

Fr√ľhzeit und Mittelalter

Statue des F√ľrsten Neagoe Basarab in Curtea de Arge»ô in der Walachei

Das √§lteste historisch bezeugte Volk auf bessarabischem Gebiet waren die Skythen, die als nomadisierende Reiterkrieger im 6. Jahrhundert v. Chr. aus √∂stlichen Steppengebieten einwanderten. Noch in vorchristlicher Zeit gr√ľndeten Griechen (siehe auch: Tyras, antike griechische Stadt) Kolonien an der Schwarzmeerk√ľste und erw√§hnten den im zentralen Bessarabien siedelnden germanischen Stamm der Bastarnen. Hier wurden auch Daker (Geten) erw√§hnt (Tyragetae). Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. war Bessarabien Teil des Reiches Dacia. Im 1. Jahrhundert eroberte das R√∂mische Reich Teile des Landes. Ihm wird die Sicherung des Landes durch den Trajanwall zugeschrieben. In der V√∂lkerwanderungszeit zwischen dem 3. und dem 11. Jahrhundert war Bessarabien Durchzugsgebiet von Wanderv√∂lkern, darunter Goten, Hunnen, Awaren, Madjaren. Im 7. Jahrhundert lie√üen sich die Bulgaren im S√ľden Bessarabiens, im Deltaraum der Donau nieder und gr√ľndeten das Bulgarische Reich. Im 13. Jahrhundert lie√üen sich Tataren der Goldenen Horde am n√∂rdlichen Schwarzmeer nieder, doch in Bessarabien verschwanden ihre Spuren kurz danach. Mehrere Jahrhunderte davor stand Bessarabien unter der Herrschaft der Petschenegen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts geh√∂rte der s√ľdliche Landstrich der Walachei. Seit dem 14. Jahrhundert geh√∂rt das Gebiet zwischen dem Pruth und Dnestr dem F√ľrstentum Moldau. Zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert war die Moldau Einflussbereich des Osmanischen Reichs (dem Vorl√§uferstaat der T√ľrkei). Der S√ľden Bessarabiens (der Budschak) stand seit dem Ende des 15. Jahrhundert unter direkter osmanischen Herrschaft.

Im Mittelalter waren verschiedene walachische und moldauische F√ľrsten, darunter Neagoe Basarab (1512‚Äď21), Negru VodńÉ Basarab und Ladislas Basarab, hier einflussreich. Sie beherrschten im 13. und 14. Jahrhundert rund 150 Jahre lang das Gebiet. Kontakte unterhielten sie mit der Kiewer Rus, mit Ungarn und Polen.

Osmanische Zeit

R√ľckzug des Osmanischen Reiches (1683‚Äď1923) vom Balkan und den Gebieten n√∂rdlich des Schwarzen Meeres

Nachdem die Osmanen das von F√ľrst Stephan dem Gro√üen erbaute Kastell in Akkerman (siehe auch Oblast Odessa) am 14. Juli 1484 erobert hatten, begann die osmanische Zeit. Etwa ab 1511 war ganz S√ľdbessarabien von Sultan Bayezid II. erobert und wurde mit tatarischen Hirten der Nogaier-Horde bev√∂lkert. Sie nannten den S√ľdteil des Landes Budschak, was Winkel bedeutet und f√ľr die dreieckige Form des Landst√ľcks zwischen Pruth, Dnister und Schwarzem Meer steht. 1538 wurde auch Tighina (Bendery) osmanisch.

Das F√ľrstentum Moldau zu dem das sp√§tere Bessarabien geh√∂rte, war seit Beginn des 16. Jahrhunderts bis 1859 ein Vasallenstaat des Osmanischen Reichs. Getreidelieferungen nach Konstantinopel sicherten die innere Autonomie. Daf√ľr baute der Sultan keine Moscheen in dem Donauf√ľrstentum und gew√§hrte ihm Schutz vor √§u√üerer Bedrohung, wie dem russischen und habsburgischen Expansionsdrang im 18. und 19. Jahrhundert.

Siehe auch: Geschichte Rumäniens, Geschichte des Islams in der Ukraine

Russische Zeit

Bessarabien 1896 (russisch)

Konsequenz des russischen Expansionsdrangs in Richtung Konstantinopel war der 1806 begonnene 6. russische T√ľrkenkrieg. W√§hrend des Krieges siedelten um 1810 russische Truppen Teile der im Budschak nomadisierenden Turkv√∂lker auf die Krim um, ein Gro√üteil war bereits mit den Osmanen geflohen und in die Dobrudscha evakuiert worden. 1812 dr√§ngte der russische Zar Alexander I. zum Friedensschluss, um sich auf den bevorstehenden Krieg mit Napoleon zu konzentrieren. Im Frieden von Bukarest bekam Russland die √∂stliche H√§lfte des F√ľrstentum Moldau zugesprochen, die westliche blieb weiterhin im Einflussbereich des Osmanischen Reichs. Die Grenze zwischen dem Osmanischen Reich und Russland verlief ab 1812 nicht mehr am Dnister, sondern 100 km bis 125 km weiter westlich, am Pruth. Im zugesprochenen Gebiet errichtete Russland das Gouvernement Bessarabien, das kleinste des Kaiserreichs. Hauptstadt wurde das mittelbessarabische Kischinew (Chi»ôinńÉu). Generalgouverneur von Neurussland und Bessarabien wurde 1823 Michail Semjonowitsch Woronzow.

Als Russland 1812 das Land zwischen den Fl√ľssen Pruth und Dnister mit einer Fl√§che von etwa 45.000 km¬≤ √ľbernahm, dehnte es den urspr√ľnglich nur f√ľr den S√ľdteil geltenden Begriff Bessarabien auf das gesamte Gebiet aus. Das Zarenreich wollte eine neue bessarabische Identit√§t stiften, um die eigenen Machtanspr√ľche auf die darin lebenden Rum√§nen historisch abzusichern. Russland gelangte in den Besitz von f√ľnf Festungen, 17 St√§dten, 685 D√∂rfern und 482.000 Menschen. Nach der ersten russischen Volksz√§hlung von 1817 bestand die Bev√∂lkerung aus:

  • 83.848 rum√§nischen Familien (86 % der Gesamtbev√∂lkerung)
  • 6000 ruthenischen Familien (6,5 %)
  • 3826 j√ľdischen Familien (1,5 %)
  • 1200 lipowanischen Familien (1,5 %)
  • 640 griechische Familien (0,7 %)
  • 530 armenische Familien (0,6 %)
  • 241 bulgarische Familien (0,25 %)
  • 241 gagausische Familien (0,25 %)

Die russischen Machthaber gew√§hrten anfangs Autonomie und griffen nicht in das innere Gesellschaftsgef√ľge ein, erh√∂hten aber sp√§ter den Russifizierungsdruck durch Einf√ľhrung von Russisch als Amtssprache, nachdem 1828 der Autonomiestatus der Region aufgehoben wurde. Das Land war haupts√§chlich in der Hand von Gro√ügrundbesitzern, den Bojaren. Der Gro√üteil der Bev√∂lkerung waren kleine Bauern, die f√ľr den Eigenbedarf produzierten. Viele fl√ľchteten nach der Eroberung Bessarabiens westlich des Pruth-Flusses aus Angst vor der kommenden Einf√ľhrung der russischen Leibeigenschaft, die zu diesem Zeitpunkt in Bessarabien nur noch bei Roma praktiziert wurde, aber im restlichen Russland noch alle ethnischen Gruppen umfasste und sehr verbreitet war.

Zwischen 1856 und 1878 kam der s√ľdwestliche Teil Bessarabiens (Cahul, Bolgrad und Ismail) infolge des Krimkrieges wieder zur Moldau, beziehungsweise Rum√§nien (ab 1859).

1856 lebten in Bessarabien 990.000 Menschen, darunter 736.000 Rum√§nen (74 %) und 254.000 Nichtrum√§nen (24 % der Gesamtbev√∂lkerung). Davon waren 12 % Ukrainer, 8 % Juden, 4,8 % Bulgaren und Gagausen, 2,4 % Deutsche, 1,1 % Roma und 0,6 % Russen.

1897, bei der letzten Volksz√§hlung im zaristischen Bessarabien wurden 1.935.412 Personen gez√§hlt, darunter 1.092.000 (56 %) Rum√§nen, 373.000 (18,9 %) Russen und Ukrainer und 229.000 (11,7 %) Juden. Alle andere Nationen Bessarabiens (Bulgaren, Gagausen, Deutsche, Roma, Griechen und Armenier) machten 13,4 % der Bev√∂lkerung aus.

Russifizierung

Der Russifizierungsprozess in Bessarabien war vor allem gegen die einheimische rum√§nische Mehrheitsbev√∂lkerung gerichtet. W√§hrend der russischen Herrschaft in Bessarabien verringerte sich der Anteil der Rum√§nen in 80 Jahren (von 1817 bis 1897) von 86 % der Gesamtbev√∂lkerung auf 56 %. Dieser Prozess fand auf unterschiedliche Weise statt. Zum einen wurden fremde Ethnien beworben, sich in Bessarabien niederzulassen. Andererseits wurden die Rum√§nen unterst√ľtzt, sich in anderen Regionen des Russischen Reiches niederzulassen (vor allem in Sibirien und in der Kuban-Region). Dazu kam noch eine sehr restriktive russifizierende Sprachpolitik der Regierung.

1812, bei den Verhandlungen in Bukarest, versprach Russland eine weite Autonomie f√ľr Bessarabien, in dem die Region weiterhin von den moldauischen Bojaren regiert werden sollte. Jedoch wurde diese Autonomie nach nur 16 Jahren aufgehoben und Bessarabien wurde in ein gew√∂hnliches Gouvernement umgewandelt. 1829 wurde das Benutzen der rum√§nischen Sprache in der Verwaltung verboten. Seit 1833 durften Gottesdienste nicht mehr in rum√§nischer Sprache abgehalten werden und alle rum√§nischen Kirchenb√ľcher wurden verbrannt. 1842 wurde in allen Gymnasien die rum√§nische Sprache durch die russische ersetzt. 1860 wurde der rum√§nische Unterricht sogar in den Grundschulen eingestellt.

Kolonisierung

Nach der russischen Vertreibung und Umsiedlung der Tataren um 1810 aus dem s√ľdlichen Landesteil, dem Budschak, setzte ab 1812 die russische Kolonisation mit systematischer Besiedlung ein. Die russische Krone warb in Russland, aber vor allem mittels Werber im Ausland, gezielt Kolonisten mit zugesicherten Privilegien an, wie: Landschenkung, zinsloser Kredit, Steuerfreiheit auf 10 Jahre, Selbstverwaltung, Religionsfreiheit und Freiheit vom Milit√§rdienst.

Ab 1814 wanderten insgesamt etwa 9000 deutsche Auswanderer ein, die sp√§ter die Volksgruppe der Bessarabiendeutschen bildeten. Sie gr√ľndeten insgesamt 150 deutsche Siedlungen, haupts√§chlich im Steppengebiet des Budschak (siehe auch Geschichte der Russlanddeutschen). Die russische Krone siedelte unter √§hnlichen Bedingungen neben Russen auch weitere Nationalit√§ten wie Bulgaren, Ukrainer und Schweizer an. Da in Bessarabien nicht die sonst √ľblichen Verbote f√ľr Juden in der Landwirtschaft galten, entstanden im Norden 17 D√∂rfer, wo 1858 mehr als 10.000 Menschen vom Ackerbau lebten und damit im gesamten Russland eine geduldete Ausnahme darstellten.

Neben der Urbarmachung des Landes verfolgte Russland mit der Kolonisierung auch das politische Ziel, die Mehrheit der urspr√ľnglich dort lebenden rum√§nischen Bev√∂lkerung zu ver√§ndern. Einwanderer erhielten Privilegien und das beste Land, was ans√§ssigen Rum√§nen vorenthalten blieb.

Die moldauisch-russische Grenze von 1856/1857 bis 1878

Gebietsabtretungen

Die russische Niederlage im Krimkrieg 1853‚Äď1856 f√ľhrte zum Pariser Frieden von 1856. Als Folge dessen ging ein Teil des 1812 von Russland gewonnenen s√ľdlichen Bessarabiens im Bereich der Donaum√ľndung (etwa ein Viertel der Gesamtfl√§che) mit den Kreisen Cahul, Bolgrad und Ismail wieder zur√ľck ans F√ľrstentum Moldau. Sieben europ√§ische Staaten √ľbernahmen die Schutzherrschaft √ľber dieses Gebiet, durch das Russland den strategisch wichtigen Zugang zur Donaum√ľndung verlor. Allerdings musste Rum√§nien diesen Teil Bessarabiens im Vertrag von Berlin 1878 wieder Russland abtreten.

Rumänische Zwischenkriegszeit nach 1918

Die Vereinigungserklärung Bessarabiens mit Rumänien
Bessarabien als Teil Rumäniens (deutsche Karte von 1926)
Bessarabien als Teil Rumäniens (rumänische Karte von 1933)

Auch im russischen Gouvernement Bessarabien k√ľndigte sich durch Revolten Anfang des 20. Jahrhunderts ein Sturz des Zarenregimes an. Am 22. August 1905 er√∂ffnete die Polizei das Feuer auf 3000 demonstrierende Landarbeiter in der bessarabischen Hauptstadt Kischinew (Chi»ôinńÉu).

Nach Ausbruch der russischen Revolutionswirren √ľbernahm im November 1917 eine nationale Vollversammlung mit der Bezeichnung Landesrat (Sfatul »öńÉrii) mit Sitz in Kischinew die Regierung. Sie bestand aus 120 Vertretern aus Bessarabien und 10 aus Transnistrien.

Am 2. Dezember 1917 erkl√§rte der Landesrat Bessarabien als Moldauische Demokratische Republik unabh√§ngig. √Ąhnliches geschah auch in der Ukraine, am Don und auf der Krim. Die Verh√§ltnisse im Lande waren chaotisch, denn die russische Front des Ersten Weltkrieges hatte sich aufgel√∂st und Armeeeinheiten zogen auf dem Heimatweg pl√ľndernd durch Bessarabien. Des Weiteren hatten russische Truppen des Rumtscherod am 5. Januar 1918 Kischinew besetzt und so geriet Bessarabien f√ľr wenige Tage im Januar 1918 in die H√§nde der Bolschewisten. Der Landesrat rief Rum√§nien um milit√§rischen Beistand an, woraufhin rum√§nische Truppen einmarschierten.

Am 9. April 1918 (russischer Kalender: 27. M√§rz) erkl√§rte Bessarabien bei gro√üer Begeisterung der Bev√∂lkerung, unter Beibehalt einer Teilautonomie, den Anschluss an Rum√§nien f√ľr ewige Zeiten. Im November 1918 wurde die Vereinigung mit Rum√§nien vollzogen und der Sfatul »öńÉrii l√∂ste sich auf. Aus sowjetischer Sicht, die den Anschluss an Rum√§nien nicht anerkannte, handelte es sich dabei jedoch um eine inszenierte Abspaltung von Russland und eine planm√§√üige Annexion durch Rum√§nien.

Die völkerrechtliche Anerkennung Bessarabiens als Teil Rumäniens kam 1920 im Friedensvertrag von Versailles zustande. Das Gebiet wurde Rumänien zugesprochen.

Die nach 1922 entstandene Sowjetunion hatte den Verlust Bessarabiens nie anerkannt und beanspruchte das Land weiterhin. Deshalb wurde am Ostufer des Dnister 1924 die ‚ÄěMoldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik‚Äú (MASSR) gegr√ľndet.

Anfangs wurde noch die Autonomie Bessarabiens im rum√§nischen Staat respektiert, aber mit der Zeit setzte sich die zentralistische Verwaltung durch. In der Zwischenkriegszeit von 1918‚Äď1940 gab es eine wirtschaftliche Entwicklung und Rum√§nen setzte sich stark f√ľr den Ausbau der Infrastruktur in Bessarabien ein. Ein gewisser Rum√§nisierungsdruck auf Minderheiten (der den Russifizierungsdruck ersetzte) fand in Bessarabien dennoch statt. Dieser war jedoch nicht so stark wie die zuvor stattgefundene Russifizierung. Die Institutionen der Minderheiten blieben weitgehend bestehen. Probleme bereiteten die innenpolitisch schwierigen Verh√§ltnisse in Rum√§nien wie etwa der Aufstieg der ultranationalistischen, antisemitischen und faschistischen Eisernen Garde, die 1937 drittst√§rkste Partei bei den rum√§nischen Parlamentswahlen wurde.

In Bessarabien war jetzt erstmals nach 1812 f√ľr die Mehrheit der Bev√∂lkerung wieder ihre Muttersprache Amts- und Schulsprache. Auch konnten durch die Agrarreform von 1920 mit der Enteignung von Gro√ügrundbesitzern (mit mehr als 100 Hektar) viele besitzlose Bauern zu eigenem Land gelangen. Seit 1937 bestand allerdings f√ľr Juden ein Verbot, Land zu erwerben.

Sowjetische Besetzung 1940

Nach dem Ende des deutschen Westfeldzugs mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compi√®gne am 22. Juni 1940 sah die Sowjetunion den Zeitpunkt gekommen, die R√ľckgabe Bessarabiens nach 22 Jahren (aus ihrer Sicht widerrechtlicher) Zugeh√∂rigkeit zu Rum√§nien zu erreichen. Mit dem besiegten Frankreich hatte Rum√§nien seinen engsten B√ľndnispartner verloren. Am 28. Juni 1940 besetzte die sowjetische Rote Armee das Territorium Bessarabiens. Rum√§nien bekam zuvor ein 48-st√ľndiges Ultimatum zur Abtretung gestellt, dem es kampflos nachkam. Wie im Geheimen Zusatzprotokoll des Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakts von 1939 verabredet, duldete das Deutsche Reich die Besetzung. Gegen√ľber der Sowjetunion bekundete es sein Desinteresse an der Bessarabischen Frage, aber nicht am Schicksal der dort lebenden etwa 93.000 Bessarabiendeutschen. Deren Umsiedlung ins Deutsche Reich im Herbst 1940 erm√∂glichte der am 5. September 1940 geschlossene Umsiedlungsvertrag.

Am 2. August 1940 teilte die Sowjetunion Bessarabien und gr√ľndete f√ľr den gr√∂√üten Teil des Nordens und der Mitte des Landes die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik (MSSR) und schlug ihr die √∂stlich des Dnister gelegene Moldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (MASSR) zu. Der S√ľden und das Gebiet im Norden um die Stadt Chotyn (Oblast Tscherniwzi) ging an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (USSR).

Unmittelbar nach der Besetzung kollektivierte die Sowjetunion die Landwirtschaft, l√∂ste Gro√ügrundbesitz auf, verteilte Land an landlose Bauern und gr√ľndete Sowchosen sowie Kolchosen. Gleichzeitig setzte eine Welle der Repression mit Verhaftungen gegen die rum√§nische (moldauische) Bev√∂lkerung, Deportationen von etwa 250.000 Personen und einer Ansiedlung von Russen, Ukrainern und Wei√ürussen ein. Diese Politik richtete sich gegen die vermeintlich politische Opposition, wie Gutsbesitzer, Kulaken (Gro√übauern), Gro√ükaufleute, Parteimitglieder, fr√ľhere Wei√ügardisten. Von der Verfolgung waren nur die Bessarabiendeutschen ausgenommen, die unter dem Schutz des Deutschen Reichs standen und bis November 1940 ausgesiedelt wurden.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Behelfsbr√ľckenbau der 11. Armee √ľber den Pruth zur Wiedereroberung von Bessarabien am 1. Juli 1941
Behelfsbr√ľckenbau √ľber den Pruth
Juden in einem Lager in Bessarabien, September 1941
Operation Jassy-Kischinew als sowjetischer Großangriff im August 1944 in Bessarabien
Bessarabien im Verbund der Sowjetunion

Am 22. Juni 1941 begann mit dem Unternehmen Barbarossa der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, an dem sich im S√ľdbereich der Front etwa eine Million rum√§nische Soldaten der Armata Rom√ĘnńÉ beteiligten. Beim kriegsbedingten R√ľckzug hinterlie√üen die Sowjets in Bessarabien verbrannte Erde und transportierten alle beweglichen G√ľter per Bahn nach Russland. Ende Juli 1941 stand das Land wieder unter rum√§nischer Verwaltung.

Bereits w√§hrend der milit√§rischen R√ľckeroberung begingen rum√§nische Soldaten unter Beteiligung der Bev√∂lkerung Pogrome gegen bessarabische Juden mit Tausenden von Toten. Der Hass beruhte teilweise darauf, dass man den Juden ein Paktieren mit den Sowjets vorwarf, die sie 1940 wegen Hitlers antisemitischer Vernichtungspolitik als Befreier ansahen. Einzelne Juden waren zuvor tats√§chlich als Politkommissare gegen antisowjetische Elemente in der Bev√∂lkerung vorgegangen. Gleichzeitig gab es T√∂tungsaktionen der SS-Einsatzgruppen (hier die Einsatzgruppe D) an Juden unter dem Vorwand, sie seien Spione, Saboteure oder Kommunisten. Die politische L√∂sung der Judenfrage war vom rum√§nischen Diktator Marschall Ion Antonescu jedoch eher durch Vertreibung als durch Vernichtung gewollt. Die j√ľdische Bev√∂lkerung (ca. 200.000 Personen) kam zun√§chst in Ghettos oder Auffanglager, um sie 1941/42 bei Todesm√§rschen in Lager, wie beispielsweise Bogdanowka, im rum√§nisch okkupierten Transnistria zu deportieren, das teilweise, anders als das rum√§nische Mutterland, von der SS kontrolliert wurde. Die Roma waren eine weitere bessarabische Bev√∂lkerungsgruppe, die in der Zeit des Nationalsozialismus Opfer von Verfolgung und Vernichtung, bezeichnet als Porajmos, wurde.

Nach dreij√§hriger Friedenszeit in Bessarabien war 1944 die deutsch-sowjetische Front wieder bis an die √∂stliche Landesgrenze am Dnister herangekommen. Am 20. August 1944 begann die Rote Armee mit etwa 900.000 Soldaten eine gro√ü angelegte Sommeroffensive unter der Bezeichnung Operation Jassy-Kischinew. In einer Zangenoperation √ľberrannten die Angreifer Bessarabien in f√ľnf Tagen. In Kesselschlachten bei Kischinew und Sarata wurde die nach der Schlacht von Stalingrad neu gebildete 6. deutsche Armee mit ca. 650.000 Soldaten aufgerieben. Zeitgleich mit dem erfolgreichen russischen Vorsto√ü k√ľndigte Rum√§nien das Waffenb√ľndnis mit Hitler und wechselte die Fronten. Am 23. August 1944 wurde Marschall Ion Antonescu abgesetzt und K√∂nig Michael I. wiedereingesetzt.

Nach dem sowjetischen Sieg wurde die Aufteilung Bessarabiens von 1940 wieder in Kraft gesetzt und blieb bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 bestehen. Die Moldauische SSR zerfiel danach in die Republik Moldau und die östlich des Flusses Dnister gelegene, völkerrechtlich nicht anerkannte Transnistrische Moldauische Republik, deren Territorium jedoch nie zu Bessarabien gehörte (ausgenommen die Stadt Tighina mit ihren Nachbardörfern).

Museum

Siehe auch

Literatur

  • George Cioranescu: Bessarabia ‚Äď Disputed land between east and west. Dumitru, M√ľnchen 1985, Editura Funda»õiei Culturale Rom√Ęne, Bucure»ôti 1993, ISBN 973-9155-17-0
  • Hannes Hofbauer, Viorel Roman: Bukowina, Bessarabien, Moldawien ‚Äď Vergessenes Land zwischen Westeuropa, Russland und der T√ľrkei. Promedia, Wien 1993, ISBN 3-900478-71-6
  • Ion Alexandrescu: A short history of Bessarabia and northern Bucovina. in: Romanian civilization. Romanian Cultural Foundation, Ia»ôi 1994, ISSN 1220-7365
  • Axel Hindemith: Bessarabien im 2. Weltkrieg. in: Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien. Heimatkalender. Hilfskomitee, Hannover 2004, ISBN 3-9807392-5-2
  • Ion Mardari: Micle»ôti din »öinutul Orheiului: Monografie istorisitńÉ √ģn 2001, Editura UniversitńÉ»õii din Pite»ôti, 2003, ISBN 973-690-140-8

Weblinks

 Commons: Bessarabien ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Jewish Encyclopedia von 1901 bis 1906: Bessarabie, Jewish Agriculturists: Herman Rosenthal, S. Janovsky, J. G. Lipman
  2. ‚ÜĎ Jewish Encyclopedia von 1901 bis 1906: Kishinef, Anti-Semitic Riots: Herman Rosenthal Max Rosenthal
46.83333333333329
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