Bill Clinton

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Bill Clinton
Bill Clinton (1993)
Unterschrift von Bill Clinton

William Jefferson ‚ÄěBill‚Äú Clinton (* 19. August 1946 in Hope, Arkansas als William Jefferson Blythe III.) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei und war von 1993 bis 2001 der 42. Pr√§sident der Vereinigten Staaten.

Er war der Nachfolger von George H. W. Bush und Vorgänger von George W. Bush. Er ist Baptist und seit 1975 mit Hillary Clinton verheiratet, mit der er die gemeinsame Tochter Chelsea hat.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit

William Jefferson Blythe (Clinton) 1950

Sein Vater William Jefferson Blythe Jr. (1918‚Äď1946) war Gesch√§ftsreisender und starb drei Monate vor Bills Geburt bei einem Verkehrsunfall. Sein Ur-Ur-Ur-Ur-Gro√üvater soll Ahnenforschern zufolge Charles I. gewesen sein, der 1847 in einem Dorf an der schottisch-englischen Grenze zum K√∂nig der Yetholm-Zigeuner gekr√∂nt worden war.[1] Seine Mutter Virginia Dell Cassidy (1923‚Äď1994) erlernte in New Orleans einen Pflegeberuf und lie√ü ihren Sohn bei den Gro√üeltern Eldridge und Edith Cassidy zur√ľck, die in Hope eine Gemischtwarenhandlung betrieben und ein Wohnhaus ihr Eigen nannten. 1950 kehrte Bills Mutter aus New Orleans zur√ľck und heiratete kurz darauf Roger Clinton, der gemeinsam mit seinem Bruder in Hot Springs ein Autohaus f√ľhrte. Die Familie zog noch im gleichen Jahr nach Hot Springs um. Mit 14 Jahren nahm Clinton den Namen seines Stiefvaters an, den er selbst als Spieler und Alkoholiker bezeichnete und dem er √ľberdies unterstellte, regelm√§√üig seine Mutter und gelegentlich auch seinen Bruder misshandelt zu haben.[2]

Ausbildung

Clinton machte 1968 mit 22 Jahren einen College-Abschluss an der Georgetown University in international affairs als Wirtschaftswissenschaftler. W√§hrend des Studiums arbeitete er halbtags f√ľr einen demokratischen Abgeordneten aus seinem Heimatstaat Arkansas. Er bewarb sich anschlie√üend f√ľr ein Rhodes-Stipendium, gewann den Wettbewerb und ging f√ľr zwei Jahre an die University of Oxford nach England. Von dort aus bereiste er Deutschland und Russland.

Im Jahr 1973 machte er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Yale University, wo er auch seine sp√§tere Frau Hillary Clinton kennenlernte. Auch w√§hrend seiner Studien in Yale war er politisch aktiv und betrieb in Massachusetts Wahlkampf zugunsten demokratischer Politiker. Nach dem Abschluss als Juris Doctor (J.D.) trat er eine Stelle als Jura-Dozent an der Universit√§t von Fayetteville an. Nach nur drei Monaten an seiner ersten Arbeitsstelle begann er seinen Wahlkampf f√ľr das Amt des Generalstaatsanwaltes von Arkansas. Clinton begann damit seine Karriere in der Politik, f√ľr die er sich schon als Jugendlicher sehr interessiert hatte.

Militärdienst und Vietnamkrieg

Politische Gegner haben ihm oft vorgeworfen, dass er mit seinem Studium in England seine Einberufung zum Kriegsdienst in Vietnam umgangen habe. In seiner Autobiografie beschreibt er allerdings, dass auch er ‚Äď wie alle Studenten im Ausland ‚Äď ein Aufgebot zum Wehrdienst zugestellt erhielt. Zun√§chst durften die Studenten das Semester fertigstudieren, sp√§ter wurde die Regel dahingehend ge√§ndert, dass sie das Studienjahr abschlie√üen durften. Clinton beschreibt in seiner Autobiografie immer wieder die Gewissensbisse, die er hatte: Einerseits war er aktiver Gegner des Vietnamkriegs, anderseits spricht er davon, dass er ‚Äď wie einige seiner Schulkollegen ‚Äď auch seinen Dienst leisten wollte. Clinton schloss sich nach seiner R√ľckkehr aus England dem Reserve Officer Training Corps (ROTC) an. Die Ausbildung dauerte mehrere Jahre, und die ROTC-Auszubildenden mussten erst nach Abschluss ihrer Offiziersausbildung den Dienst antreten. Damit konnte er den Antritt seines Wehrdienstes um mehrere Jahre hinausz√∂gern. In der Zwischenzeit nahm der Bedarf an Soldaten f√ľr Vietnam ab. Clinton l√§sst in seiner Autobiografie offen, was mit seinem Aufgebot geschah und ob es annulliert wurde.

Politische Karriere in Arkansas

1974 bewarb sich Clinton um einen Sitz im Repr√§sentantenhaus. Die Art seines Wahlkampfes und die knappe Niederlage (Clinton erhielt 48 %, der Amtsinhaber John Paul Hammerschmidt 52 % der Stimmen) in dem traditionell republikanischen Wahlbezirk brachte ihm in der Presse die Bezeichnung "Boy Wonder" (Wunderknabe) ein. Im Jahr 1976 wurde Bill Clinton Justizminister (Attorney General) von Arkansas. Zwei Jahre sp√§ter wurde er zum neuen Gouverneur von Arkansas gew√§hlt. Nach dem Ende seiner ersten Amtszeit wurde er nicht direkt wiedergew√§hlt. Er unterlag in den Wahlen des Jahres 1980 dem Republikaner Frank D. White. In seiner ersten Amtszeit f√∂rderte er den Ausbau der Stra√üen in Arkansas. Die Geh√§lter der Lehrer wurden erh√∂ht und die mittelst√§ndischen Betriebe gef√∂rdert. Allerdings litt der Bundesstaat in seiner Amtszeit unter einer wirtschaftlichen Depression und einigen Naturkatastrophen. Ein Grund f√ľr seine Abwahl im Jahr 1980 war die Erh√∂hung der Kraftfahrzeugsteuer, die ihm viele Landsleute ver√ľbelten. Nach seiner Niederlage im Jahr 1980 wurde er Mitglied einer Anwaltsfirma in Little Rock. Im Jahr 1982 trat er erneut als Kandidat bei der Gouverneurswahl an, die er auch gewann. Nach seinen erfolgreichen Wiederwahlen blieb er bis zum 12. Dezember 1992 im Amt. In den Jahren zwischen 1983 und 1992 f√ľhrte er eine Schulreform in Arkansas durch. Das wirtschaftliche Wachstum wurde weiterhin gef√∂rdert, und neue ethische Standards wurden festgelegt. Eine Verfassungs√§nderung in Arkansas verl√§ngerte 1986 die Amtszeiten der Gouverneure von zwei auf vier Jahre. Bill Clinton war Mitglied zahlreicher Gouverneursvereinigungen und anderer l√§nder√ľbergreifender Kommissionen. Im Dezember 1992 trat er von seinem Amt zur√ľck, um sich auf sein Amt als Pr√§sident vorzubereiten. Im November dieses Jahres hatte er die Pr√§sidentschaftswahl gewonnen. Nach Orval Faubus ist Clinton der Gouverneur von Arkansas mit der zweitl√§ngsten Amtszeit.

Präsidentschaft

Wahlkampf

Clinton mit seinem Vize Al Gore

1988 war Clinton erstmals als m√∂glicher Pr√§sidentschaftskandidat im Gespr√§ch, nachdem die beiden vermeintlich chancenreichsten demokratischen Bewerber Mario Cuomo und Gary Hart nicht antraten bzw. fr√ľh ‚Äď wegen eines Sexskandals ‚Äď aufgeben mussten. Clinton entschied sich zwar nach einer l√§ngeren √úberlegungsphase gegen eine Kandidatur, hielt aber am Demokratischen Parteitag eine Unterst√ľtzungsrede f√ľr den nominierten Kandidaten Michael Dukakis, die jedoch nach Meinung vieler Delegierter zu lange ausfiel und teilweise mit ‚ÄěAufh√∂ren!‚Äú-Rufen quittiert wurde. Clinton sah sich in der Folge bissigen Zeitungskommentaren und dem Spott diverser Late-Night-Showmaster ausgesetzt. Er lie√ü sich daraufhin in einige Shows einladen und brachte dort durch die Art seines Auftretens (unter anderem pr√§sentierte er sich als Saxophonspieler) das Publikum auf seine Seite, wodurch der drohende Imageschaden in einen Popularit√§tsgewinn und eine Steigerung seines Bekanntheitsgrades verwandelt werden konnte.

1991 beschloss Clinton, 1992 selbst f√ľr die Pr√§sidentschaft zu kandidieren, und lag bald sowohl in den Meinungsumfragen als auch nach H√∂he der gesammelten Wahlkampfspenden klar an der Spitze des demokratischen Kandidatenfeldes, als sein Wahlkampf kurz vor der ersten Vorwahl in New Hampshire in eine ernste Krise geriet. Ursache daf√ľr waren Enth√ľllungen √ľber ein angebliches Verh√§ltnis zu einer Nachtklubs√§ngerin sowie Vorw√ľrfe, er habe als Student illegale Drogen konsumiert und sich w√§hrend des Vietnamkrieges vor der Einberufung zum Milit√§r gedr√ľckt. Clinton reagierte auf die Anschuldigungen in einem landesweit ausgestrahlten TV-Interview, in dem er, mit Gattin Hillary an seiner Seite, ‚ÄěProbleme in der Ehe‚Äú zugab, die konkrete Aff√§re jedoch bestritt. Auch den Konsum von Marihuana r√§umte er ein, betonte jedoch, ‚Äěnicht inhaliert‚Äú zu haben. Die Nichteinberufung zum Milit√§r f√ľhrte er auf Gl√ľck bei der Auslosung der Stellungspflichtigen und sein Studium zur√ľck. Obwohl f√ľr die Presse damit bei weitem nicht alle Fragen gekl√§rt waren und er von Journalisten vielfach als ‚ÄěSlick Willie‚Äú (aalglatter Willie) bezeichnet wurde, gelang es ihm, bei der Vorwahl in New Hampshire einen respektablen zweiten Platz zu belegen, wodurch seine Kandidatur gerettet war und er sich noch am Wahlabend zum ‚ÄěComeback Kid‚Äú erkl√§ren konnte. In der Folge entschied er alle wichtigen Vorwahlen f√ľr sich und sicherte sich so schon lange vor dem demokratischen Parteitag die Nominierung.

W√§hrend des eigentlichen Pr√§sidentschaftswahlkampfes im Herbst lag er nicht zuletzt wegen seiner erfolgreichen Ankn√ľpfung an den historischen Mythos des fr√ľheren Pr√§sidenten John F. Kennedy, mit dem er anfangs oft verglichen wurde, von Beginn an mit deutlichem Vorsprung in F√ľhrung. Clinton f√ľhrte den Wahlkampf unter dem Motto ‚ÄěPutting people first‚Äú und w√§hlte das Lied Don't stop (thinking about tomorrow) von der Gruppe Fleetwood Mac zu seiner Wahlkampfhymne. Der Text des Liedes unterstrich f√ľr ihn sein Anliegen, Br√ľcken zwischen den Menschen und ins n√§chste Jahrtausend zu bauen. Ebenfalls zu Clintons Wahlsieg beigetragen hatte Bushs gebrochenes Wahlversprechen read my lips: no new taxes.

Bei den Pr√§sidentschaftswahlen vom 3. November 1992 gewann Clinton mit 43 % vor dem amtierenden Pr√§sidenten George Bush (38 %) und dem unabh√§ngigen Kandidaten Ross Perot (19 %). Er zog daraufhin am 20. Januar 1993 als 42. Pr√§sident der Vereinigten Staaten von Amerika ins Wei√üe Haus ein.

Als Vizepräsident wurde Al Gore, zuvor US-Senator aus Tennessee, vereidigt.

Siehe auch: Kabinett Clinton

Erste Amtszeit

Clintons Pr√§sidentschaft fiel mitten in die Zeit der ‚Äěgoldenen 90er‚Äú, der Jahre zwischen dem Fall der Mauer und dem 11. September 2001. Sie zeichnete sich durch einen weltweiten Aufschwung in den Bereichen Frieden, Demokratie und √Ėkonomie aus. Deshalb wandte sich Clinton mehr innenpolitischen Fragen zu und betrieb eine eher zur√ľckhaltende Au√üenpolitik.

Innenpolitik

Defizit des US-Bundeshaushalts zwischen 1971 und 2001 in Milliarden Dollar. Zwischen 1998 und 2001 konnten Haushalts√ľbersch√ľsse erzielt werden.

Innenpolitisch waren Clintons vorrangigste Ziele w√§hrend seiner Amtszeit die Einf√ľhrung einer allgemeinen Krankenversicherung zur Beseitigung der Probleme im Gesundheitssystem, die Bek√§mpfung von Drogenmissbrauch, Waffengewalt und Armut in den USA. Als Angeh√∂riger der Woodstock-Generation setzte sich Clinton f√ľr eine Demokratisierung in sozialen und kulturellen Fragen ein, etwa durch sein Engagement gegen AIDS, den Rassenhass und bei der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften.

Vor allem aber hatte sich Clinton der Aufgabe verschrieben, die von seinen Amtsvorg√§ngern Ronald Reagan und George Bush hinterlassene h√∂chste Staatsverschuldung in der Geschichte der USA, sowie j√§hrliche Haushaltsdefizite von √ľber 200 Milliarden US-Dollar abzubauen. Dies gelang mit Verabschiedung des Omnibus Budget Reconciliation Act of 1993, mit dem unter anderem der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer von 31% auf 39,6% erh√∂ht wurde.

1996 f√ľhrte Clinton eine Sozialhilfereform durch, die eine deutliche Reduzierung von Geld- und Sachleistungen f√ľr die Betroffenen bedeuten konnte, sofern sie nicht bereit sind, durch Eigenbem√ľhungen sich eine neue Anstellung zu suchen.

Am 28. Oktober 1998 unterzeichnete Bill Clinton das am 8. Oktober durch den US-Senat verabschiedete Digital Millennium Copyright Act.

Außenpolitik

Boris Jelzin verfolgt Clintons Spiel auf dem Saxophon

Im Nahostkonflikt versuchte Clinton, zwischen Jassir Arafat und Ehud Barak zu vermitteln. Am 26. Oktober 1994 unterzeichnete er mit König Hussein von Jordanien und dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin den israelisch-jordanischen Friedensvertrag.

Zudem bem√ľhte Clinton sich um die Auss√∂hnung der USA mit der Volksrepublik China, die Demokratisierung Russlands und die Beseitigung der politischen Folgen des Kalten Krieges. Insbesondere die Beziehungen der USA zu Deutschland, das er oft bereiste und zu dem er auch privat gute Kontakte hat, intensivierte er.

Beim UNO-gef√ľhrten Einsatz in Somalia zog Clinton seine Truppen ab, als in westlichen Medien Bilder von geschundenen und get√∂teten US-Soldaten auftauchten. Der Terroristenf√ľhrer Osama bin Laden behauptete sp√§ter, dieses Verhalten Clintons sei f√ľr ihn ein Schl√ľsselerlebnis gewesen, das ihn gelehrt habe, auf welchem Weg man westliche Gesellschaften besiegen k√∂nne.

Als Pr√§sident einer der f√ľhrenden M√§chte der Welt vers√§umte Clinton es 1994, energisch gegen den V√∂lkermord in Ruanda einzuschreiten. 2005 √§u√üerte Clinton: ‚ÄěWas habe ich falsch gemacht? Dass wir nicht in Ruanda einmarschiert sind. Das ist damals innerhalb von 90 Tagen geschehen, dieser V√∂lkermord. Ich wei√ü, dass ich nur ganz schwer die Zustimmung des Kongresses erhalten h√§tte. Aber ich h√§tte es versuchen sollen. Ich h√§tte Leben retten k√∂nnen. Das war ganz sicher das schwerste Vers√§umnis meines Lebens. Ich werde das nie √ľberwinden.‚Äú

Zweite Amtszeit

Bestätigung im Amt

Die Pr√§sidentschaftswahl 1996 gewann Clinton mit 49 % der Stimmen klar gegen seinen republikanischen Herausforderer Bob Dole (41 %) sowie den unabh√§ngigen Kandidaten Ross Perot (8 %) und wurde somit im Amt best√§tigt.

Lewinsky-Affäre

Clinton am Tag seiner zweiten Inauguration gemeinsam mit seiner Tochter Chelsea und seiner Frau Hillary Clinton
→ Hauptartikel: Lewinsky-Affäre

Die zweite Amtszeit wurde von einer Aff√§re mit der Praktikantin Monica Lewinsky √ľberschattet. In der Folge wurde ein Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton eingeleitet, das jedoch scheiterte. Auf Druck von Medien und √Ėffentlichkeit machte der Pr√§sident schlie√ülich ein Halbgest√§ndnis, demzufolge er nur Oralsex mit Lewinsky hatte.

Clinton kl√§rte die Aff√§re nach anf√§nglichem Leugnen auf und kritisierte sp√§ter die Heuchelei in Gesellschaft und Politik. Hierbei bekam er internationale Unterst√ľtzung, etwa durch Auftritte Nelson Mandelas oder K√∂nig Hussein I. im US-Fernsehen.

Clinton war der zweite Pr√§sident der USA (nach Andrew Johnson 1868), gegen den ein Amtsenthebungsverfahren gef√ľhrt wurde. Richard Nixon war einem solchen durch seinen R√ľcktritt zuvorgekommen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung wurde das Verfahren nicht wegen der Lewinsky-Aff√§re selbst angestrengt, sondern wegen Falschaussage unter Eid sowie Justizbehinderung im Zusammenhang mit der Lewinsky-Aff√§re.

Außenpolitik

Bill Clinton 1995 im britischen Parlament
Bill Clinton-Statue in PriŇ°tina

In der zweiten Amtszeit lag ein gro√üer Schwerpunkt Clintons auf der internationalen Politik. So war er bem√ľht, das Verh√§ltnis zwischen Vietnam und den USA zu normalisieren. Auch wurde unter Clinton das Kyoto-Protokoll unterschrieben, welches durch die sp√§tere Bush-Regierung dann wieder abgelehnt wurde. Im Wesentlichen hat die Clinton-Regierung ihre Au√üenpolitik an wirtschaftlichen Gegebenheiten ausgerichtet: jede au√üenpolitische Entscheidung musste diesen Abw√§gungen standhalten, bevor sie durch den Senat ratifiziert wurde. Aus diesem Grund kam es in der √Ąra Clinton zu keinen wesentlichen Ver√§nderungen in der Au√üenpolitik der USA.

Im Nahostkonflikt versuchte Clinton weiterhin, zwischen Jassir Arafat und Ehud Barak zu vermitteln. Dabei erreichte er in den Camp-David-Gespr√§chen im Sommer 2000 fast eine Einigung, die Folgeverhandlungen in Taba scheiterten jedoch. Clinton zeigte sich sichtlich betroffen und entt√§uscht. Er konnte nicht verhindern, dass im Nahen Osten im September 2000 wegen der Entf√ľhrung und Lynchung von zwei israelischen Soldaten und des Besuchs des Tempelbergs durch Ariel Scharon, der dann sp√§ter israelischer Ministerpr√§sident wurde, die zweite Intifada begann.

Nach dem misslungenen Einsatz in Somalia 1993 war die Devise der Clinton-Regierung ‚ÄěNo Dead‚Äú: unter keinen Umst√§nden sollte es amerikanische Tote geben. Kriege wurden deswegen vor allem mit Bombern gef√ľhrt und die amerikanischen Truppen bei den folgenden UNO-Friedensmissionen verhielten sich eher passiv.

1999 war Clinton ma√ügeblich verantwortlich f√ľr den NATO-Krieg gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (heute Serbien), bei dem ihm Kritiker Menschenrechtsverbrechen wie den Einsatz von Streubomben gegen serbische Zivilisten und auf Krankenh√§user vorwerfen.

Nachdem das irakische Regime unter Saddam Hussein die UN-Waffeninspekteure im Herbst 1998 entgegen der UN-Resolution 1551 aus dem Jahr 1991 (Pflicht des Irak, die Waffeninspekteure im Land zu akzeptieren und zu unterst√ľtzen) des Landes verwiesen haben, hat die Regierung Clinton im Dezember 1998 milit√§rische Anlagen und vermutete Stellen zum Bau von Massenvernichtungswaffen bombardieren lassen. Clinton √§u√üerte die Auffassung, dass bez√ľglich des Irak grunds√§tzliche Entscheidungen zu treffen seien, √ľberlie√ü dies aber ausdr√ľcklich seinem Nachfolger im Amt, weil er kurz vor dem Ende seiner Amtszeit keine so weit reichenden Entscheidungen mehr treffen wollte.

Von seinen Kritikern wird die Au√üenpolitik Clintons als schwach und z√∂gerlich bezeichnet. Im Jugoslawien-Konflikt habe Clinton die f√ľhrende Rolle zu lange den zu einer Einigung unf√§higen Europ√§ern √ľberlassen, so dass Nationalisten vor Ort vollendete Tatsachen schaffen konnten. Im Pal√§stina-Konflikt habe Clinton zu sehr an den Friedenswillen der Pal√§stinenser geglaubt, mit der Lewinsky-Aff√§re gab er insbesondere in der islamischen Welt ein verheerendes Bild ab, gegen den V√∂lkermord in Ruanda unternahm Clinton nichts, in Somalia r√§umte er wegen der Medienberichterstattung das Feld, und die Irak-Problematik √ľberlie√ü er seinem Nachfolger.

Am 10. Dezember 2000 sprach sich Clinton in Anwesenheit von Premierminister Tony Blair und Hillary Clinton, in Nord-Irland daf√ľr aus, das Menschenrecht auf Referendumsentscheidung zu nutzen und w√§hlte daf√ľr das nach dem 2. Weltkrieg popul√§re britische Motto, mehr und mehr Probleme ‚Äěthrough ballots not by bullets‚Äú zu l√∂sen (durch Abstimmungen und nicht durch Kugeln), ‚Äěto put arms for ever beyond use.‚Äú (um die Waffen f√ľr immer zum Schweigen zu bringen). Premier Blair sprach sich sp√§ter auch f√ľr das Referendum z. B. zur EU-Verfassung aus.

Internationaler Terrorismus

In die Amtszeit Clintons fielen verst√§rkte Aktivit√§ten des Terrornetzwerkes al-Qaida. Am 26. Februar 1993 fand der erste Terroranschlag auf das World Trade Center mit Autobomben statt. Im August 1998 wurden Terroranschl√§ge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Daressalam und Nairobi ver√ľbt; dabei kamen 263 Menschen zu Tode und √ľber 5000 wurden zum Teil schwer verletzt. Hinter den Anschl√§gen wurde schon damals Osama bin Laden vermutet. Clinton gab den Befehl, bin Laden unter allen Umst√§nden auszuschalten. Der islamistische Terrorismus um bin Laden geriet also schon damals in den Fokus der amerikanischen Au√üenpolitik und nicht erst nach den Terroranschl√§gen am 11. September 2001 unter George W. Bush. So kam es 2000 auch zu einem Angriff auf das US-Milit√§rschiff USS Cole (DDG-67) durch Terroristen in der jemenitischen Hafenstadt Aden. Die Regierung Clinton verst√§rkte die Suche nach bin Laden, dessen Terror-Organisation nach Clintons Amtszeit f√ľr die Terroranschl√§ge am 11. September 2001 verantwortlich gemacht wurde. Zudem fehlten Clinton noch rechtliche M√∂glichkeiten zu einer umfassenderen Terrorbek√§mpfung, die erst seinem Nachfolger nach den Anschl√§gen gegeben wurden.

Leben nach der Präsidentschaft

Bill Clinton auf einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2009

Clinton schloss seine Pr√§sidentschaft am 20. Januar 2001 ab. Seit dem 4. Januar 2001 geh√∂rte seine Ehefrau Hillary Clinton dem US-Senat f√ľr den Bundesstaat New York an. Dort haben die beiden in Chappaqua, einem Vorort von New York City ein Haus, in Harlem befindet sich das B√ľro der Clinton-Stiftung.

Mit seiner Stiftung engagiert sich Clinton vor allem bei der Bek√§mpfung von AIDS. 2004 setzte Clinton in Verhandlungen mit Arzneimittelherstellern eine drastische Senkung der Preise f√ľr Aids-Medikamente in 122 L√§ndern durch. Clinton nahm mehrfach an der Welt-Aids-Konferenz teil. Am 15. August 2006 rief er w√§hrend der XVI. Welt-Aids-Konferenz in Toronto zu mehr Einsatz im Kampf gegen Aids auf. Die Clinton Foundation f√∂rdert au√üerdem mehrere soziale Einrichtungen, auch in Europa, wie z. B. die Stiftung MyHandicap, die sich f√ľr Behinderte engagiert. In seiner philanthropischen Haltung beruft er sich u.a. auf den Philosophen Ken Wilber.[3]

Umweltpolitik und Gesundheitspolitik seines Amtsnachfolgers George W. Bush kritisierte Clinton, deutete jedoch politische Unterschiede meist nur dezent an. Den Einsatz in Afghanistan noch klar unterst√ľtzend, verhielt er sich aber gegen√ľber einem Irak-Einsatz zun√§chst zur√ľckhaltend. Am 12. Juli 2004 sagte Clinton bei Johannes B. Kerner (w√§hrend der Vorstellung seiner Memoiren in Deutschland) ‚Äď auf mehrfache Nachfragen ‚Äď dass er den Einmarsch zwar f√ľr falsch h√§lt, dass aber im Nachhinein die Amerikaner den Irak nicht wieder verlassen k√∂nnten, bevor die Situation bereinigt sei. Versuche Bushs, einen angeblichen Zusammenhang zwischen Bin Laden und Saddam Hussein darzustellen, kritisierte Clinton aber ebenfalls.

Seine Autobiografie Mein Leben (original My Life) erschien in Deutschland am 8. Juli 2004 und liefert eine pers√∂nliche, aber auch eine politische R√ľckblende. Sie zu schreiben bezeichnete Clinton als hart, aber befreiend. Das Buch wurde weltweit ein gro√üer Erfolg, Clinton erhielt ein Honorar in zweistelliger Millionenh√∂he. F√ľr seine Auftritte als Redner nahm Clinton im Jahr 2005 circa 7,5 Millionen Dollar (sechs Millionen Euro) ein. Pro Redeauftritt verdient Clinton circa 100.000 bis 350.000 Dollar.

Beim Wahlkampf 2004 unterst√ľtzte Clinton John Kerry, mit dem er auch privat befreundet ist.

Im September 2004 wurde bekannt, dass Clinton sich einer Bypass-Operation am Herzen unterziehen musste, welche er aber ohne Komplikationen √ľberstand. Der Eingriff fand unmittelbar zum republikanischen Parteitag statt, und Clinton scherzte (telefonisch) in der Talkshow Larry King, dass die Republikaner nicht die einzigen seien, die vier weitere Jahre wollten.

Im November 2004 wurde in Little Rock das William J. Clinton Presidential Center & Park er√∂ffnet. Die Kosten des von James Polshek geplanten Geb√§udes betrugen 165 Mio. Dollar, die durch Spenden finanziert wurden. Zur Er√∂ffnung zitierte US-Pr√§sident George W. Bush Mitarbeiter Clintons: ‚ÄěW√§re Clinton die ‚ÄöTitanic‚Äė, der Eisberg w√§re gesunken‚Äú.

Am 1. Februar 2005 wurde Clinton von dem damaligen UN-Generalsekret√§r Kofi Annan zum Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen f√ľr die Koordination der Hilfs- und Wiederaufbauma√ünahmen nach dem Seebeben im Indischen Ozean 2004 ernannt. F√ľr sein Engagement wurde er am 1. Dezember 2005 mit dem Bambi in der Kategorie Charity (Wohlt√§tigkeit) ausgezeichnet.

Clinton unterst√ľtzte seine Frau Hillary, ebenfalls Juristin, aktiv im Vorwahlkampf, als diese sich um die Nominierung als demokratische Kandidatin f√ľr die Pr√§sidentschaft 2008 bewarb.

Innerhalb eines unangek√ľndigten Blitzbesuches in der nordkoreanischen Hauptstadt Pj√∂ngjang am 4. August 2009 erreichte er durch ein Gespr√§ch mit Kim Jong-il die Freilassung der √ľber vier Monate inhaftierten US-amerikanischen Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee. Das Wei√üe Haus dementierte, an den Planungen der Mission beteiligt gewesen zu sein. Am 12. Februar 2010 wurde Bill Clinton in ein presbyterianisches New Yorker Krankenhaus eingeliefert. Er klagte √ľber Schmerzen in der Brust, die als Herzprobleme identifiziert werden konnten. In einer Notoperation wurden ihm zwei Stents in eine Herzkranzarterie eingesetzt. Laut Medienberichten verlief die Operation gut und Clinton befindet sich in gutem Zustand.

Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 entschuldigte Clinton sich f√ľr die Rolle, die seine Regierung bei der Zerst√∂rung eines Gro√üteils der Landwirtschaft in Haiti gespielt hatte. Die Existenz Tausender Reisbauern auf Haiti war durch subventionierten Reis aus den USA vernichtet worden und hatte das Land von Lebensmittelimporten abh√§ngig werden lassen. Clinton bedauerte, dass sein Tun ‚Äězum Verlust der F√§higkeit gef√ľhrt hat, eine Reisernte in Haiti zu erm√∂glichen und dieses Volk zu ern√§hren‚Äú.[4]

Er lebt heute aus gesundheitlichen Gr√ľnden vegan.[5]

Werke

  • Mein Leben. 2004 ISBN 3-430-11857-3, erschienen bei Econ-Verlag, Berlin, 1.472 Seiten
  • Giving: How each of us can change the world 2007 (engl. Originaltitel)
  • Back to Work: Why We Need Smart Government for a Strong Economy.[6] Knopf, 2011, ISBN 978-0307959751.

Auszeichnungen (Auszug)

Bill Clinton nach der Karlspreisverleihung 2000 in Aachen

Literatur

Weblinks

 Wikiquote: Bill Clinton ‚Äď Zitate
 Commons: Bill Clinton ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bill Clinton ‚Äď Quellen und Volltexte (Englisch)
Wikinews Wikinews: Bill Clinton ‚Äď in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Siehe:[1]
  2. ‚ÜĎ My Life, Bill Clinton, Random House, 2004, ISBN 0-375-41457-6
  3. ‚ÜĎ Planetary Problem Solver, Teil 3. Newsweek, 21. Dezember 2009.
  4. ‚ÜĎ Mark Weisbrot: Haiti: Mehr Hilfe n√∂tig. In: amerika21. Abgerufen am 8. April 2010.
  5. ‚ÜĎ [2], Video √ľber seine vegane Ern√§hrung.
  6. ‚ÜĎ Bill Clinton √ľber Obamas Vers√§umnisse. In: Tages-Anzeiger vom 7. November 2011

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  • Bill Clinton ‚ÄĒ Presidente de los Estados Unidos ‚Ķ   Wikipedia Espa√Īol

  • Bill Clinton ‚ÄĒ Clinton Clin ton 1. William Jefferson Clinton, b. 1946. The 42d president of the United States, from 1993 . Also known as {Bill Clinton}. [Prop.] [PJC] 2. Hillary Rodham Clinton, b. 1947. Attorney and wife of Bill Clinton, the 42d president of… ‚Ķ   The Collaborative International Dictionary of English

  • Bill Clinton ‚ÄĒ William Clinton redirects here. For other uses, see William Clinton (disambiguation). Bill Clinton ‚Ķ   Wikipedia

  • Bill Clinton ‚ÄĒ Pour les articles homonymes, voir Bill Clinton (homonymie). Bill Clinton Mandats ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Bill Clinton ‚ÄĒ William Jefferson Bill Clinton (born 1946), Untied States politician, 42nd president of the United States (1993 2001) ‚Ķ   English contemporary dictionary

  • Bill Clinton ‚ÄĒ ‚ě° Clinton (I) * * * ‚Ķ   Universalium

  • Bill Clinton ‚ÄĒ noun 42nd President of the United States (1946 ) ‚ÄĘ Syn: ‚ÜĎClinton, ‚ÜĎWilliam Jefferson Clinton, ‚ÜĎPresident Clinton ‚ÄĘ Instance Hypernyms: ‚ÜĎPresident of the United States, ‚ÜĎUnited States President, ‚ÜĎPresident, ‚ÜĎ ‚Ķ   Useful english dictionary

  • Bill Clinton ‚ÄĒ ‚Ķ   –í–ł–ļ–ł–Ņ–Ķ–ī–ł—Ź

  • Bill Clinton presidential campaign, 1992 ‚ÄĒ Campaign U.S. presidential election, 1992 Candidate Bill Clinton Governor of Arkansas 1979‚Äď1981, 1983‚Äď1992 ‚Ķ   Wikipedia

  • Bill Clinton Boulevard ‚ÄĒ is located in Pristina, the largest city in the province of Kosovo, Serbia. HistoryAfter the Kosovo War of 1998 1999, the Albanians in Kosovo wanted to thank the American President Bill Clinton for his help in bombing Serbia to forcefully take… ‚Ķ   Wikipedia


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