Biologie

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Biologie

Biologie (altgr. ő≤őĮőŅŌā b√≠os ‚ÄöLeben‚Äė und őĽŌĆő≥őŅŌā l√≥gos ‚ÄöLehre‚Äė) ist jene naturwissenschaftliche Disziplin, die sich mit allgemeinen Gesetzm√§√üigkeiten des Lebendigen, aber auch mit den speziellen Besonderheiten der Lebewesen, ihrer Organisation und Entwicklung sowie ihren vielf√§ltigen Strukturen und Prozessen befasst.

Die Biologie ist sehr umfassend und l√§sst sich in viele Fachgebiete unterteilen. Zu den auf Allgemeinheit ausgerichteten Teilgebieten der Biologie geh√∂ren insbesondere die allgemeine Zoologie, allgemeine Botanik, aber auch Physiologie, Biochemie, Biophysik, √Ėkologie und Theoretische Biologie. In neuerer Zeit haben sich infolge der flie√üenden √úberg√§nge in andere Wissenschaftsbereiche (z. B. Medizin und Psychologie) sowie des interdisziplin√§ren Charakters der Forschung auch die Begriffe Biowissenschaften, Life Sciences oder Lebenswissenschaften etabliert.

Die Betrachtungsebenen der Biologen reichen von Molek√ľlstrukturen √ľber Organellen, Zellen, Zellverb√§nden, Geweben und Organen zu komplexen Organismen. In gr√∂√üeren Zusammenh√§ngen wird das Verhalten einzelner Organismen sowie ihr Zusammenspiel mit anderen und ihrer Umwelt untersucht.

Die Ausbildung von Biologen erfolgt an den Universitäten im Rahmen eines Biologiestudiums.

Dickkopffliege auf einer Bl√ľte

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

√úberlegungen zum Leben gab es bereits um 600 v. Chr. bei Thales von Milet. Er glaubte, dass das Leben aus dem Wasser komme. Von der Antike bis ins Mittelalter beruhte die Biologie haupts√§chlich auf Beobachtungen der Natur. In die Interpretation flossen h√§ufig Dinge wie die Kraft der Elemente oder verschiedene spirituelle Ans√§tze ein, so auch der religi√∂se Sch√∂pfungsmythos der biblischen Genesis. Hierbei wird ein sorgf√§ltig geformter Klumpen Lehm (adam) mit dem ‚Äěg√∂ttlichen Odem‚Äú behaucht ‚Äď und also wurde er eine lebendige Seele. (N√§heres zu der damit verbundenen Problematik siehe Leben.)

Erst mit Beginn der wissenschaftlichen Revolution begann man sich vom √úbernat√ľrlichen zu l√∂sen und beschrieb Beobachtungen. Im 16. und 17. Jahrhundert erweiterte sich das Wissen √ľber die Anatomie durch die Wiederaufnahme von Sektionen und neue Erfindungen, wie das Mikroskop. Die Entwicklung der Chemie brachte auch in der Biologie Fortschritte. Experimente, die zur Entdeckung von molekularen Lebensvorg√§ngen wie der Fermentation und der Fotosynthese f√ľhrten, wurden m√∂glich. Im 19. Jahrhundert wurden die Grundsteine f√ľr zwei gro√üe neue Wissenschaftszweige der Naturforschung gelegt: Gregor Mendels Arbeiten an Pflanzenkreuzungen begr√ľndeten die Vererbungslehre und sp√§tere Genetik und Werke von Jean-Baptiste de Lamarck, Charles Darwin und Alfred Russel Wallace beschrieben die Evolutionstheorie.

Der Begriff Biologie selbst, im modernen Sinne verwendet, scheint mehrfach unabh√§ngig voneinander eingef√ľhrt worden zu sein. Gottfried Reinhold Treviranus (Biologie oder Philosophie der lebenden Natur, 1802) und Jean-Baptiste Lamarck (Hydrog√©ologie, 1802) verwendeten und definierten ihn erstmals. Das Wort selbst wurde schon 1797 von Theodor Gustav August Roose im Vorwort seiner Schrift Grundz√ľge der Lehre von der Lebenskraft verwendet und taucht im Titel des dritten Bands von Michael Christoph Hanows Philosophiae naturalis sive physicae dogmaticae: Geologia, biologia, phytologia generalis et dendrologia von 1766 auf. Zu den Ersten, die den Begriff der Biologie in einem umfassenden Sinn pr√§gten, geh√∂rte der deutsche Anatom und Physiologe Karl Friedrich Burdach.

Mit der Weiterentwicklung der Untersuchungsmethoden drang die Biologie in immer kleinere Dimensionen vor. Im 20. Jahrhundert kamen die Teilgebiete Physiologie und Molekularbiologie zur Entfaltung. Grundlegende Strukturen wie die DNA, Enzyme, Membransysteme und die gesamte Maschinerie der Zelle können seitdem auf atomarer Ebene sichtbar gemacht und in ihrer Funktion genauer untersucht werden. Zugleich gewann die Bewertung von Datenerhebungen mit Hilfe statistischer Methoden immer größere Bedeutung und verdrängte die zunehmend als bloß anekdotisch empfundene Beschreibung von Einzelphänomenen. Als Zweig der Theoretischen Biologie begann sich seit den 1920er Jahren zudem, eine mathematische Biologie zu etablieren.

Ebenfalls seit dem Ende des 20. Jahrhunderts entwickeln sich aus der Biologie neue angewandte Disziplinen: Beispielsweise erg√§nzt die Gentechnik unter anderem die klassischen Methoden der Tier- und Pflanzenzucht und er√∂ffnet zus√§tzliche M√∂glichkeiten, die Umwelt den menschlichen Bed√ľrfnissen anzupassen.

Die praktische Biologie und Medizin geh√∂rten zu den Disziplinen, in denen im Deutschen Reich noch Ende des 19. Jahrhunderts im Vergleich mit anderen Disziplinen am vehementesten Gegenwehr gegen die Zulassung von Frauen ge√ľbt wurde. So versuchten unter anderem E. Huschke, C. Vogt, P. J. M√∂bius und T. a.L. a.W. von Bischoff die geistige Inferiorit√§t von Frauen nachzuweisen, um deren Zulassung zum Studium zu verhindern.[1][2] Hingegen waren die beschreibenden biologischen Naturwissenschaften (aber auch andere beschreibende Naturwissenschaften wie Physik und Mathematik) weiter. Hier zeigten sich die noch ausschlie√ülich m√§nnlichen Lehrenden in einer Studie A. Kirchhoffs (1897) zumeist offen f√ľr die Zulassung von Frauen zum Studium.[3][4] Mittlerweile ist der Anteil von Frauen und M√§nnern, die das Studium der Biologie beginnen gleich; auch in prestigetr√§chtigeren und gut bezahlten Positionen nimmt langsam der Anteil von Frauen in der Biologie zu (bei Professuren liegt er derzeit bei knapp 15 %).[5]

Besondere Fortschritte der Biologie

Titelblatt von Robert Hookes 1665 erschienenem Hauptwerk Micrographia, das zahlreiche mit Hilfe eines Mikroskops angefertigte Zeichnungen enthält.
Charles Darwin

Einteilung der Fachgebiete

Fachsystematik der Biologie

Die Biologie als Wissenschaft l√§sst sich durch die Vielzahl von Lebewesen, Untersuchungstechniken und Fragestellungen nach verschiedenen Kriterien in Teilbereiche untergliedern: Zum einen kann die Fachrichtung nach den jeweils betrachteten Organismengruppen (Pflanzen in der Botanik, Bakterien in der Mikrobiologie) eingeteilt werden. Andererseits kann sie auch anhand der bearbeiteten mikro- und makroskopischen Hierarchie-Ebenen (Molek√ľlstrukturen in der Molekularbiologie, Zellen in der Zellbiologie) geordnet werden.

Die verschiedenen Systeme √ľberschneiden sich jedoch, da beispielsweise die Genetik viele Organismengruppen betrachtet und in der Zoologie sowohl die molekulare Ebene der Tiere als auch ihr Verhalten untereinander erforscht wird. Die Abbildung zeigt in kompakter Form eine Ordnung, die beide Systeme miteinander verbindet.

Im Folgenden wird ein √úberblick √ľber die verschiedenen Hierarchie-Ebenen und die zugeh√∂rigen Gegenst√§nde der Biologie gegeben. In seiner Einteilung orientiert er sich an der Abbildung. Beispielhaft sind Fachgebiete aufgef√ľhrt, die vornehmlich die jeweilige Ebene betrachten.

Botanik

‚Üí Hauptartikel: Botanik

Die Botanik ging aus der Heilpflanzenkunde hervor und beschäftigt sich vor allem mit dem Bau, der Stammesgeschichte, der Verbreitung und dem Stoffwechsel der Pflanzen.

Zoologie

‚Üí Hauptartikel: Zoologie

Die Zoologie beschäftigt sich vor allem mit dem Bau, der Stammesgeschichte, der Verbreitung und den Lebensäußerungen der Tiere.

Molekularbiologie

Molek√ľlstruktur einer DNA-Doppelhelix
‚Üí Hauptartikel: Molekularbiologie

Die grundlegende Stufe der Hierarchie bildet die Molekularbiologie. Sie ist jene biologische Teildisziplin, die sich mit Molek√ľlen in lebenden Systemen besch√§ftigt. Zu den biologisch wichtigen Molek√ľlklassen geh√∂ren Nukleins√§uren, Proteine, Kohlenhydrate und Lipide.

Die Nukleins√§uren DNA und RNA sind als Speicher der Erbinformation ein wichtiges Objekt der Forschung. Es werden die verschiedenen Gene und ihre Regulation entschl√ľsselt sowie die darin codierten Proteine untersucht. Eine weitere gro√üe Bedeutung kommt den Proteinen zu. Sie sind zum Beispiel in Form von Enzymen als biologische Katalysatoren f√ľr beinahe alle stoffumsetzenden Reaktionen in Lebewesen verantwortlich. Neben den aufgef√ľhrten Gruppen gibt es noch viele weitere, wie Alkaloide, Terpene und Steroide. Allen gemeinsam ist ein Grundger√ľst aus Kohlenstoff, Wasserstoff und oft auch Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel. Auch Metalle spielen in sehr geringen Mengen in manchen Biomolek√ľlen (z. B. Chlorophyll oder H√§moglobin) eine Rolle.

Biologische Disziplinen, die sich auf dieser Ebene beschäftigen, sind:

Mikrobiologie

‚Üí Hauptartikel: Mikrobiologie

Sie ist die Wissenschaft und Lehre von den Mikroorganismen, also von den Lebewesen, die als Individuen nicht mit blo√üem Auge erkannt werden k√∂nnen: Bakterien und andere Einzeller, bestimmte Pilze, ein- und wenigzellige Algen (‚ÄěMikroalgen‚Äú) und Viren.

Zellbiologie (Zytologie)

‚Üí Hauptartikel: Zellbiologie

Zellen sind grundlegende strukturelle und funktionelle Einheiten von Lebewesen. Man unterscheidet zwischen prokaryotischen Zellen, die keinen Zellkern besitzen und wenig untergliedert sind, und eukaryotischen Zellen, deren Erbinformation sich in einem Zellkern befindet und die verschiedene Zellorganellen enthalten. Zellorganellen sind durch einfache oder doppelte Membranen abgegrenzte Reaktionsräume innerhalb einer Zelle. Sie ermöglichen den gleichzeitigen Ablauf verschiedener, auch entgegengesetzter chemischer Reaktionen. Einen großen Teil der belebten Welt stellen Organismen, die nur aus einer Zelle bestehen, die Einzeller. Sie können dabei aus einer prokaryotischen Zelle bestehen (die Bakterien), oder aus einer eukaryotischen (wie manche Pilze).

In mehrzelligen Organismen schließen sich viele Zellen gleicher Bauart und mit gleicher Funktion zu Geweben zusammen. Mehrere Gewebe mit Funktionen, die ineinandergreifen, bilden ein Organ.

Biologische Disziplinen, vornehmlich auf dieser Ebene (Beispiele):

Entwicklungsbiologie

‚Üí Hauptartikel: Entwicklungsbiologie

Jedes Lebewesen ist Resultat einer Entwicklung. Nach Ernst Haeckel lässt sich diese Entwicklung auf zwei zeitlich unterschiedlichen Ebenen betrachten:
‚Äď Durch die Evolution kann sich die Form von Organismen im Laufe der Generationen weiterentwickeln (Phylogenese)
‚Äď Die Ontogenese ist die Individualentwicklung eines einzelnen Organismus von seiner Zeugung √ľber seine verschiedenen Lebensstadien bis hin zum Tod. Die Entwicklungsbiologie untersucht diesen Verlauf.

Physiologie

‚Üí Hauptartikel: Physiologie

Die Physiologie befasst sich mit den physikalischen, biochemischen und informationsverarbeitenden Funktionen der Lebewesen. Physiologisch geforscht und ausgebildet wird sowohl in den akademischen Fachrichtungen Biologie und Medizin als auch in der Psychologie.

Genetik (Vererbungslehre)

‚Üí Hauptartikel: Genetik

Teilgebiete:

Verhaltensbiologie

‚Üí Hauptartikel: Verhaltensbiologie und Ethologie

Die Verhaltensbiologie erforscht das Verhalten der Tiere und des Menschen. Sie beschreibt das Verhalten, stellt Vergleiche zwischen Individuen und Arten an und versucht, das Entstehen bestimmter Verhaltensweisen im Verlauf der Stammesgeschichte zu erkl√§ren, also den ‚ÄěNutzen‚Äú f√ľr das Individuum.

√Ėkologie

‚Üí Hauptartikel: √Ėkologie

Das Fachgebiet √Ėkologie setzt sich mit den Wechselwirkungen zwischen den Organismen und den abiotischen und biotischen Faktoren ihres Lebensraumes auf verschiedenen Organisationsebenen auseinander.

  • Individuen: Die Aut√∂kologie betrachtet vor allem Auswirkungen der abiotischen Faktoren wie Licht, Temperatur, Wasserversorgung oder jahreszeitlichen Wandel auf das Individuum. Biologische Disziplinen, die diese Ebene ebenfalls betrachten, sind beispielsweise die Anthropologie, Zoologie, Botanik und Verhaltensbiologie.
  • Populationen (Dem√∂kologie):
Bienen auf ihrer Wabe

Eine Population ist eine Fortpflanzungsgemeinschaft innerhalb einer Art in einem zeitlich und räumlich begrenzten Gebiet. Die Populationsökologie betrachtet vor allem die Dynamik der Populationen eines Lebensraumes auf Grund der Veränderungen der Geburten- und Sterberate, durch Veränderungen im Nahrungsangebot oder abiotischer Umweltfaktoren. Diese Ebene wird auch von der Verhaltensbiologie und der Soziobiologie untersucht.

Im Zusammenhang mit der Beschreibung und Untersuchung sozialer Verbände wie Herden oder Rudel können auch die auf den Menschen angewandten Gesellschaftswissenschaften gesehen werden.

  • Bioz√∂nosen (Syn√∂kologie): Sie stellen Gemeinschaften von Organismen dar. Pflanzen, Tiere, Pilze, Einzeller und Bakterien sind in einem √Ėkosystem meist voneinander abh√§ngig und beeinflussen sich gegenseitig. Sie sind Teil von Stoffkreisl√§ufen in ihrem Lebensraum bis hin zu den globalen Stoffkreisl√§ufen wie dem Kohlenstoffzyklus.

Die Lebewesen k√∂nnen sich positiv (z. B. Symbiose), negativ (z. B. Fressfeinde, Parasitismus) oder einfach gar nicht beeinflussen.

Lebensgemeinschaft (Bioz√∂nose) und Lebensraum (Biotop) bilden zusammen ein √Ėkosystem.

Biologische Disziplinen, die sich mit √Ėkosystemen besch√§ftigen (Beispiele):

Da die Evolution der Organismen zu einer Anpassung an eine bestimmte Umwelt f√ľhren kann, besteht ein intensiver Austausch zwischen beiden Fachdisziplinen, was insbesondere in der Disziplin der Evolutions√∂kologie zum Ausdruck kommt.

Evolutionsbiologie und Systematik

‚Üí Hauptartikel: Evolution, biologische Systematik und Taxonomie

Die Phylogenese beschreibt die Entwicklung einer Art im Verlauf von Generationen. Hier betrachtet die Evolutionsbiologie die langfristige Anpassung an Umweltbedingungen und die Aufspaltung in neue Arten.

Auf der Grundlage der phylogenetischen Entwicklung ordnet die biologische Taxonomie alle Lebewesen in ein Schema ein. Die Gesamtheit aller Organismen wird in drei Gruppen, die Domänen, unterteilt, welche wiederum weiter untergliedert werden:

Phylogenetischer Baum, der die Einteilung der Lebewesen in die drei Domänen zeigt

Mit der Klassifizierung der Tiere in diesem System beschäftigt sich die Spezielle Zoologie, mit der Einteilung der Pflanzen die Spezielle Botanik, mit der Einteilung der Archaeen, Bakterien und Pilze die Mikrobiologie.

Als h√§ufige Darstellung wird ein phylogenetischer Baum gezeichnet. Die Verbindungslinien zwischen den einzelnen Gruppen stellen dabei die evolution√§re Verwandtschaft dar. Je k√ľrzer der Weg zwischen zwei Arten in einem solchen Baum, desto enger sind sie miteinander verwandt. Als Ma√ü f√ľr die Verwandtschaft wird h√§ufig die Sequenz eines weitverbreiteten Gens herangezogen.

Als in gewissem Sinne eine Synthese von √Ėkologie, Evolutionsbiologie und Systematik hat sich seit Ende der 1980er Jahren die Biodiversit√§tsforschung etabliert, die auch den Br√ľckenschlag zu Schutzbestrebungen f√ľr die biologische Vielfalt und zu politischen Abkommen √ľber Schutz und Nachhaltigkeit bildet.

Theoretische Biologie

‚Üí Hauptartikel: Theoretische Biologie

Die Theoretische Biologie befasst sich mit mathematisch formulierbaren Grundprinzipien biologischer Systeme auf allen Organisationsstufen.

Arbeitsmethoden der Biologie

Die Biologie nutzt viele allgemein gebr√§uchliche wissenschaftliche Methoden, wie strukturiertes Beobachten, Dokumentation (Notizen, Fotos, Filme), Hypothesenbildung, mathematische Modellierung und Abstraktion. Notwendiger Pr√ľfstein der formulierten Hypothesen und Theorien sind stets Experimente. Bei der Formulierung von allgemeinen Prinzipien in der Biologie und der Kn√ľpfung von Zusammenh√§ngen st√ľtzt man sich sowohl auf empirische Daten als auch auf mathematische S√§tze. Je mehr Versuche mit verschiedenen Ansatzpunkten auf das gleiche Ergebnis hinweisen, desto eher wird es als g√ľltig anerkannt. Diese pragmatische Sicht ist allerdings umstritten; insbesondere Karl Popper hat sich gegen sie gestellt. Aus seiner Sicht k√∂nnen Theorien durch Experimente oder Beobachtungen und selbst durch erfolglose Versuche, eine Theorie zu widerlegen, nicht untermauert, sondern nur untergraben werden (siehe Unterdeterminierung von Theorien durch Evidenz).

Einsichten in die wichtigsten Strukturen und Funktionen der Lebewesen sind mit Hilfe von Nachbarwissenschaften m√∂glich. Die Physik beispielsweise liefert eine Vielzahl Untersuchungsmethoden. Einfache optische Ger√§te wie das Lichtmikroskop erm√∂glichen das Beobachten von kleineren Strukturen wie Zellen und Zellorganellen. Das brachte neues Verst√§ndnis √ľber den Aufbau von Organismen und mit der Zellbiologie er√∂ffnete sich ein neues Forschungsfeld. Mittlerweile geh√∂rt eine Palette hochaufl√∂sender bildgebender Verfahren, wie Fluoreszenzmikroskopie oder Elektronenmikroskopie, zum Standard.

Als eigenst√§ndiges Fach zwischen den Wissenschaften Biologie und Chemie hat sich die Biochemie herausgebildet. Sie verbindet das Wissen um die chemischen und physikalischen Eigenschaften von den Bausteinen des Lebens mit der Wirkung auf das biologische Gesamtgef√ľge. Mit chemischen Methoden ist es m√∂glich, bei biologischer Versuchsf√ľhrung zum Beispiel Biomolek√ľle mit einem Farbstoff oder einem radioaktiven Isotop versehen. Das erm√∂glicht ihre Verfolgung durch verschiedene Zellorganellen, den Organismus oder durch eine ganze Nahrungskette.

Die Bioinformatik ist eine sehr junge Disziplin zwischen der Biologie und der Informatik. Die Bioinformatik versucht, mit Methoden der Informatik biologische Fragestellungen zu lösen. Im Gegensatz zur theoretischen Biologie, welche häufig nicht mit empirischen Daten arbeitet, um konkrete Fragen zu lösen, benutzt die Bioinformatik biologische Daten. So war eines der Großforschungsprojekte der Biologie, die Genomequenzierung, nur mit Hilfe der Bioinformatik möglich. Die Bioinformatik wird aber auch in der Strukturbiologie eingesetzt, hier existieren enge Wechselwirkungen mit der Biophysik und Biochemie. Eine der fundamentalen Fragestellungen der Biologie, die Frage nach dem Ursprung der Lebewesen (auch als phylogenetischer Baum des Lebens bezeichnet, s. Abb. oben), wird heute mit bioinformatischen Methoden bearbeitet.

Die Mathematik dient als Hauptinstrument der theoretischen Biologie der Beschreibung und Analyse allgemeinerer Zusammenh√§nge der Biologie. Beispielsweise erweist sich die Modellierung durch Systeme gew√∂hnlicher Differenzialgleichungen in vielen Bereichen der Biologie (etwa der Evolutionstheorie, √Ėkologie, Neurobiologie und Entwicklungsbiologie) als grundlegend. Fragen der Phylogenetik werden mit Methoden der diskreten Mathematik und algebraischen Geometrie bearbeitet.

Zu Zwecken der Versuchsplanung und Analyse finden Methoden der Statistik Anwendung.

Die unterschiedlichen biologischen Teildisziplinen nutzen verschiedene systematische Ansätze:

  • Mathematische Biologie: Aufstellen und Beweisen allgemeiner S√§tze der Biologie.
  • Biologische Systematik: Lebewesen charakterisieren und anhand ihrer Eigenschaften und Merkmale in ein System einordnen
  • Physiologie: Zerlegung und Beschreibung von Organismen und ihren Bestandteilen mit anschlie√üendem Vergleich mit anderen Organismen, mit dem Ziel einer Funktionserkl√§rung
  • Genetik: Katalogisieren und analysieren des Erbgutes und der Vererbung
  • Verhaltensbiologie, Soziobiologie: Das Verhalten von Individuen, von artgleichen Tieren in der Gruppe und zu anderen Tierarten beobachten und erkl√§ren
  • √Ėkologie: Beobachten einer oder mehrerer Arten in ihrem Lebensraum, ihrer Wechselbeziehung und den Auswirkungen biotischer und abiotischer Faktoren auf ihre Lebensweise
  • Nutzansatz: die Zucht und Haltung von Nutzpflanzen, Nutztiere und Nutzmikroorganismen untersuchen und durch Variation der Haltungsbedingungen optimieren

Anwendungsbereiche der Biologie

Die Biologie ist eine naturwissenschaftliche Disziplin, die sehr viele Anwendungsbereiche hat. Durch biologische Forschung werden Erkenntnisse √ľber den Aufbau des K√∂rpers und die funktionellen Zusammenh√§nge gewonnen. Sie bilden die Grundlage, auf der die Medizin und Veterin√§rmedizin Ursachen und Auswirkungen von Krankheiten bei Mensch und Tier untersucht. Auf dem Gebiet der Pharmazie werden Medikamente, wie beispielsweise Insulin oder zahlreiche Antibiotika, aus genetisch ver√§nderten Mikroorganismen statt aus ihrer nat√ľrlichen biologischen Quelle gewonnen, weil diese Verfahren preisg√ľnstiger und um ein Vielfaches produktiver sind. F√ľr die Landwirtschaft werden Nutzpflanzen mittels Molekulargenetik mit Resistenzen gegen Sch√§dlinge versehen und unempfindlicher gegen Trockenheit und N√§hrstoffmangel gemacht. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sorgt die Biologie f√ľr eine breite Palette l√§nger haltbarer und biologisch hochwertigerer Nahrungsmittel. Einzelne Lebensmittelbestandteile stammen auch hier von genetisch ver√§nderten Mikroorganismen. So wird das Lab zur Herstellung von K√§se heute nicht mehr aus K√§lbermagen extrahiert, sondern mikrobiell erzeugt.

Weitere angrenzende Fachgebiete, die ihre eigenen Anwendungsfelder haben, sind Bionik, Bioinformatik und Biotechnologie.

Siehe auch

 Portal:Biologie ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Biologie

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Londa Schiebinger: Sch√∂ne Geister. Frauen in den Anf√§ngen der modernen Wissenschaft. Klett-Cotta, Stuttgart 1993, ISBN 3-608-91259-2.
  2. ‚ÜĎ Katrin Schmersahl: Medizin und Geschlecht. Zur Konstruktion der Kategorie Geschlecht im medizinischen Diskurs des 19. Jahrhunderts. Leske und Budrich, Opladen 1998, ISBN 3-8100-2009-5 (Sozialwissenschaftliche Studien. Heft 36).
  3. ‚ÜĎ Arthur Kirchhoff: Die Akademische Frau. Gutachten hervorragender Universit√§tsprofessoren, Frauenlehrer und Schriftsteller √ľber die Bef√§higung der Frau zum wissenschaftlichen Studium und Berufe. Steinitz, Berlin 1897.
  4. ‚ÜĎ Heinz-J√ľrgen Vo√ü: Feministische Wissenschaftskritik. Am Beispiel der Naturwissenschaft Biologie. In: Ulrike Freikamp u. a. (Hrsg.): Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik. Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02136-8 (Texte. 42), S. 233‚Äď252.
  5. ‚ÜĎ Hochschul-Informations-System GmbH (Hrsg.): Studienanf√§nger in den Wintersemestern 2003/04 und 2004/05. Wege zum Studium, Studien- und Hochschulwahl, Situation bei Studienbeginn. Heft 180, 2005.
  6. ‚ÜĎ Die Entdeckung der Viren [1]
  7. ‚ÜĎ Scobey: Polio Caused By Exogenous Virus?
  8. ‚ÜĎ Brenda Maddox: Rosalind Franklin. Die Entdeckung der DNA oder der Kampf einer Frau um wissenschaftliche Anerkennung. Campus, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-593-37192-8.
  9. ‚ÜĎ John Maynard Smith, George R. Price: The Logic of Animal Conflict. In: Nature. 246, 1973, S. 15‚Äď18, doi:10.1038/246015a0.

Literatur

  • Isaac Asimov: Geschichte der Biologie, Fischer, Frankfurt/Main 1968.
  • √Ąnne B√§umer: Geschichte der Biologie,
    • Band 1: Biologie von der Antike bis zur Renaissance, Lang, Frankfurt am Main [u.a.] 1991, ISBN 3-631-43312-3.
    • Band 2: Zoologie der Renaissance, Renaissance der Zoologie, Lang, Frankfurt am Main [u.a.] 1991, ISBN 3-631-43313-1.
    • Band 3: 17. und 18. Jahrhundert, Lang, Frankfurt am Main [u.a.] 1996, ISBN 3-631-30317-3.
  • Nicholas F. Britton: Essential Mathematical Biology. Springer, London 2003, ISBN 1-85233-536-X.
  • Neil A. Campbell, Jane B. Reece: Biologie. 6. Auflage. Pearson Studium, M√ľnchen 2006, ISBN 3-8273-7180-5.
  • William Coleman: Biology in the Nineteenth Century: Problems of Form, Function, and Transformation. New York, Cambridge University Press 1977, ISBN 0-521-29293-X.
  • Brigitte Hoppe: Biologie, Wissenschaft von der belebten Materie von der Antike zur Neuzeit. Biologische Methodologie und Lehren von der stofflichen Zusammensetzung der Organismen, Steiner, Wiesbaden 1976.
  • Ilse Jahn (Hrsg.): Geschichte der Biologie. Theorien, Methoden, Institutionen, Kurzbiographien 3. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1023-1.
  • Ilse Jahn: Grundz√ľge der Biologiegeschichte, Fischer, Jena 1990.
  • Thomas Junker: Geschichte der Biologie. Die Wissenschaft vom Leben, Beck, M√ľnchen 2004.
  • Dieter Kl√§mbt, Horst Kreiskott, Bruno Streit: Angewandte Biologie. VCH, Weinheim 1991, ISBN 3-527-28170-3.
  • Url Lanham: Epochen der Biologie. Die Geschichte einer modernen Wissenschaft, Ehrenwirth, M√ľnchen 1972.
  • Lois N. Magner: A history of the life sciences, Dekker, New York [u.a.] 1979.
  • Ernst Mayr: Das ist Biologie. Die Wissenschaft des Lebens. Spektrum, Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-1015-0.
  • Ernst Mayr: Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt. Vielfalt, Evolution und Vererbung, Springer, Berlin 2002 (Nachdruck der Ausgabe 1984).
  • Martin Mahner, Mario Bunge: Philosophische Grundlagen der Biologie. Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-67649-X.
  • John Alexander Moore: Science as a way of knowing : the foundations of modern biology. Harvard University Press, Cambridge, Mass. [u.a.] 4. A. 1999.
  • Heinz Penzlin: Biologie auf der Suche nach ihrer Identit√§t
  • Heinz Penzlin: Die theoretischen Konzepte der Biologie in ihrer geschichtlichen Entwicklung. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. 62, Nr. 5, 2009, ISSN 0028-1050, S. 233‚Äď243.
  • William K. Purves u. a.: Biologie. 7. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2006, ISBN 3-8274-1630-2.
  • Anthony Serafini: The epic history of biology. Plenum Press, New York [u.a.] 1993.
  • Franz M. Wuketits: Eine kurze Kulturgeschichte der Biologie: Mythen, Darwinismus, Gentechnik, Primus, Darmstadt 1998.

Weblinks

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  • Biologie ‚ÄĒ (Lehre vom Leben), im weiteren Sinne der Inbegriff von Botanik und Zoologie zusammen, im engeren Sinne die Lehre von den Lebenserscheinungen im Gegensatz zu Morphologie und teilweise Physiologie. H√§ckels erstes biologisches Grundgesetz lautet:… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Biologie ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: ‚ÄĘ Die Biologie befasst sich mit dem Leben der Pflanzen und Tiere ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Biologie ‚ÄĒ (griech.), die Lehre vom Leben der Pflanzen und Tiere im allgemeinen, dann auch besonders die Lehre von ihrer gegenseitigen Bedingtheit und Abh√§ngigkeit von √§u√üern Verh√§ltnissen, aber immer in einem gewissen Gegensatze zur Morphologie, d. h. der… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Biologie ‚ÄĒ Biologńęe (grch.), Lehre vom Leben, insbes. die Wissenschaft, die sich mit den belebten (organischen) Naturk√∂rpern besch√§ftigt (Zoologie und Botanik); im engern Sinne s.v.w. Physiologie. ‚Äď Vgl. Driesch (1893), Reinke (1901), Kassowitz (Bd. 1 3,… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Biologie ‚ÄĒ Biologie, w√∂rtlich Lebenslehre, die Wissenschaft vom Leben. Der Umfang dieser Wissenschaft kann ein weiter und weitester werden gegen√ľber dem Leben √ľberhaupt, dem allgemeinen Weltleben, das alles Existirende umfa√üt und w√ľrde dann die gesammte… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon


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