APT-E

APT-P 370 004 1980 in Euston

Die britischen Advanced Passenger Trains waren Personenzüge der British Rail (BR), die mit dem Ziel hoher Reisegeschwindigkeiten entwickelt wurden. Dabei sind zwei Unterarten zu unterscheiden: Zum einen existiert der APT-E (E für Experimental), welcher mit Gasturbine betrieben wurde und zum anderen der APT-P (P für Prototype), welcher elektrisch angetrieben wurde.

Inhaltsverzeichnis

Grundgedanke der APT-Züge

Die Grundidee hinter den APT-Zügen war es, ohne hohe Kosten für Neubaustrecken deutliche Zeitgewinne zu erreichen. Das formulierte Zeitziel lag bei etwa 50%, dafür mussten die Züge über eine Neigetechnik verfügen, die es ihnen erlaubte, schneller durch die Kurven zu fahren, außerdem wurden stark verbesserte Bremssysteme benötigt, um die alten Strecken ohne große Anpassungen mit nun höherem Tempo zu durchfahren und dennoch rechtzeitig zum Stillstand zu kommen.

APT-E

Etwa zeitgleich mit der Entwicklung des High Speed Train HST125 fiel bei British Rail der Entschluss, einen noch deutlich moderneren Zug zu entwickeln und viele neue Techniken in einem Zug zu bündeln. So verfügte der APT-E über Neigetechnik (bis zu 9°), Wagenkästen aus Aluminium, Jakobs-Drehgestelle und Gasturbinen. Der APT-E besteht aus 2 Motorwagen und 2 Mittelwagen. 1972 konnte der Zug seine ersten Probefahrten unternehmen und stellte im selben Jahr mit 152,3 Meilen/Stunde (~245 km/h) einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf. Aber schon 1976 zogen die BR diesen Testzug von den Strecken ab, für eine Verwendung im echten Personenzugdienst war der Zug ohnehin nicht geeignet, da die zwei Mittelwagen und damit die Kapazität in keinem Verhältnis zu den Antriebswagen standen. Der äußerliche wieder aufgearbeitete Zug kann im Nationalen Eisenbahnmuseum in Shildon betrachtet werden, dort steht auch ein Motorwagen des APT-P ausgestellt.

APT-P

Der APT-P war eine elektrische Weiterentwicklung, begünstigt wurde seine Konzeption durch die hohen Ölpreise und den enormen Durst der Gasturbinen. Als Linienstrecke wurde die Destination London-Glasgow ausgesucht. Der Linienbetrieb sollte 1977 mit vier vierzehnteiligen Zügen aufgenommen werden (2 Steuerwagen, 10 Sitzwagen und 2 Motorwagen). Besonderheit der APT-P ist die Reihung der Züge, es handelt sich eigentlich um zwei ständig miteinander verbundene Einheiten mit mittig liegenden Antriebswagen, von denen jeder APT-P zwei hatte. Es gab zwar eine Durchgangsmöglichkeit durch die Motorwagen, diese war jedoch für Fahrgäste verboten und so hatte jeder Zugteil den gleichen Anteil an Plätzen der 1. und 2. Klasse sowie ein eigenes Restaurant. Außerdem wurde bedeutend mehr Personal benötigt. Erst eine Weiterentwicklung, die zwar geplant war, aber nie gebaut wurde, sollte Triebköpfe an den Zugenden haben und somit wirtschaftlicher sein. Nötig war der Schritt mit den zusammengehängten Motorwagen, weil auf Grund der schlechten, weil schlaffen Oberleitung, nur ein Stromabnehmer anliegen durfte. Ein Triebkopf wäre jedoch zu schwach gewesen die steigungsreiche Strecke mit hohen Tempo und 13 Wagen zu bewältigen. Die geplante Inbetriebnahme war nicht zu halten gewesen; erst Ende des Jahres 1979 stand ein Zug für Testfahrt zur Verfügung. Der dritte Zug stand im Frühjahr 1980 bereit. Der offizielle Linienbetrieb sollte zunächst im Mai, dann im Oktober 1980 beginnen; nachdem die Züge aber noch unter Kinderkrankheiten litten, zog sich die Inbetriebnahme bis zum 7. Dezember 1981 hin, der erste kommerzielle Zug fuhr um 7:00 Uhr in Glasgow los und konnte nicht vollends überzeugen, so trat unter anderem Übelkeit bei einigen Passagieren auf. Der Zug erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 244 km/h und benötigte etwa 4¼ Stunden für die Strecke. Die Probleme gingen weiter, am zweiten Betriebstag richtete die Neigetechnik 6 Wagen des Zuges ruckartig aus der Neigung auf, was zu zerstörtem Geschirr im Restaurant des betroffenen Zugteiles führte, dann blockierten außerdem am dritten Betriebstag die Bremsen. Bereits am 9. Dezember 1981 fand die letzte Fahrt eines APT-P mit Passagieren statt, als ein Zug wegen starken Schneefalls in Crewe seine Fahrt unterbrechen musste. Vermarktet wurden die APT-Züge offiziell als "InterCityAPT", was an einem der beiden Motorwagen auch groß angeschrieben war, der zweite Motorwagen wurde an gleicher Stelle mit dem Logo der British Rail versehen. Der vierte bestellte Zug wurde nie gebaut, die restlichen drei Züge unternahmen noch bis in den Sommer 1986 Versuchsfahrten für neue Komponenten, eine Rückkehr in den Plandienst war nicht mehr vorgesehen.

Verbleib der Züge

APT-P-Zug in Crewe im Oktober 2006
  • APT-E: der äußerlich aufgearbeitete Zug ist zu besichtigen im Eisenbahnmuseum von Shildon.
  • APT-P: ein Motorwagen (in desolatem Zustand) ist ebenfalls in Shildon zu sehen. Im Museum von Crewe ist ein fast kompletter Zug zu sehen, Besonderheit ist die Demonstrationsmöglichkeit der Neigetechnik. Ein kompletter Zug wurde von der British Rail der Privatsammlung von Pete Waterman überlassen.

Quellen

  • Lokomotivhandbuch
  • Broschüre des APT-P

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • APT — or Apt may refer to: Places * Apt, Vaucluse, a commune of the Vaucluse département of France * Arrondissement of Apt, an arrondissement in the Vaucluse département of France Organizations * Apt Records, a subsidiary record label of ABC Paramount… …   Wikipedia

  • Apt — ([a^]pt), a. [F. apte, L. aptus, fr. obsolete apere to fasten, to join, to fit, akin to apisci to reach, attain: cf. Gr. ? to fasten, Skr. [=a]pta fit, fr. [=a]p to reach attain.] 1. Fit or fitted; suited; suitable; appropriate. [1913 Webster]… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • apt — apt·i·an; apt·ly; apt·ness; co·apt; in·apt; per·i·apt; un·apt; apt; in·apt·ly; in·apt·ness; un·apt·ly; un·apt·ness; …   English syllables

  • APT — steht für: Advanced Packaging Tool, Paket Management Software für verschiedene Linux Distributionen Advanced Passenger Train, Hochgeschwindigkeitsprototypenzüge mit Neigetechnik der British Rail Advanced Persistent Threat, “fortgeschrittene,… …   Deutsch Wikipedia

  • APT — es un acrónimo para Advanced Packaging Tool, un sistema de gestión de paquetes creado por el proyecto Debian. APT simplifica en gran medida la instalación y eliminación de programas en los sistemas Linux. No existe un programa apt en sí mismo;… …   Enciclopedia Universal

  • apt — APT, Ă, apţi, te, adj. Care este potrivit, capabil, bun pentru..., sau să... – Din fr. apte, lat. aptus. Trimis de romac, 14.06.2007. Sursa: DEX 98  Apt ≠ inapt, neapt Trimis de siveco, 03.08.2004. Sursa: Antonime  APT adj. bun, capabil,… …   Dicționar Român

  • apt — [ æpt ] adjective * 1. ) something that is apt, especially a name, description, or comment, is very appropriate: an apt comparison It seemed apt that the winning goal was scored by the captain. 2. ) good at learning: an apt pupil be apt to do… …   Usage of the words and phrases in modern English

  • apt´ly — apt «apt», adjective. 1. fitted by nature; likely (to): »A careless person is apt to make mistakes. SYNONYM(S): inclined, liable, prone. 2. right for the occasion; suitable; fitting; …   Useful english dictionary

  • apt — [æpt] adj [Date: 1300 1400; : Latin; Origin: , past participle of apere to fasten ] 1.) be apt to do sth to have a natural tendency to do something ▪ Some of the staff are apt to arrive late on Mondays. 2.) exactly right for a particular… …   Dictionary of contemporary English

  • apt — 1 happy, felicitous, appropriate, fitting, *fit, suitable, meet, proper Analogous words: apposite, pertinent, *relevant, apropos: pat, timely, opportune (see SEASONABLE): telling, convincing, compelling (see VALID): right, nice, precise, exact… …   New Dictionary of Synonyms


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.