Bordeaux

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Bordeaux
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Bordeaux
Wappen von Bordeaux
Bordeaux (Frankreich)
Bordeaux
Wahlspruch
Lilia sola regunt lunam undas castra leonem
(Latein: Lilien allein beherrschen den Mond, die Wellen, die Festung und den Löwen)
Region Aquitanien
DĂ©partement Gironde
Arrondissement Bordeaux
Kanton Hauptort von 8 Kantonen
Koordinaten 44° 50â€Č N, 0° 35â€Č W44.837777777778-0.5794444444444510Koordinaten: 44° 50â€Č N, 0° 35â€Č W
Höhe 10 m (1–42 m)
FlĂ€che 49,36 kmÂČ
Einwohner 235.891 (1. Jan. 2008)
Bevölkerungsdichte 4.779 Einw./kmÂČ
Postleitzahl 33000-33300, 33800
INSEE-Code
Bordeaux an der Gironde

Bordeaux [bɔʀˈdo] (okzitan.: BordĂšu) ist UniversitĂ€tsstadt und politisches, wirtschaftliches und geistiges Zentrum des französischen SĂŒdwestens.

Ihre 235.891 Einwohner (Stand 1. Januar 2008) nennen sich Bordelais. BerĂŒhmtheit hat die Stadt insbesondere durch den Bordeauxwein und ihre KĂŒche erlangt, aber auch durch ihr bauliches und kulturelles Erbe. Bordeaux ist Sitz der PrĂ€fektur des DĂ©partements Gironde und Hauptstadt der Region Aquitanien, ferner Sitz eines Erzbischofs und eines deutschen Konsulats.

Die PrĂ€fektur verwaltet auch das Arrondissement Bordeaux, das aus 33 Kantonen besteht. Gemeinsam mit 26 umliegenden Kommunen bildet Bordeaux die CommunautĂ© Urbaine de Bordeaux (CUB), einen Kommunalverband mit etwa 660.000 Einwohnern. Dieser Verband ist wiederum Teil der Agglomeration, die den weiteren Einzugsbereich mit insgesamt 51 Kommunen umfasst und so auf 754.000 Einwohner kommt. Die aire urbaine, vergleichbar mit einer Metropolregion, zĂ€hlt sogar 925.000 Einwohner (alle Angaben basieren auf der letzten ZĂ€hlung 1999). Bordeaux ist die grĂ¶ĂŸte Stadt im DĂ©partement Gironde und der Region Aquitanien und die neuntgrĂ¶ĂŸte Stadt Frankreichs. Die Agglomeration rangiert in Frankreich an sechster Stelle.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Bordeaux liegt im SĂŒdwesten Frankreichs, etwa 45 Kilometer vom Atlantik entfernt, an der Garonne, die sich in einem weiten Bogen durch die Stadt zieht. Diese Form einer Mondsichel verhalf der Stadt zum Namen „Port de la lune“ (Hafen des Mondes). Einige Kilometer flussabwĂ€rts vereinigt sich die Garonne mit der Dordogne zum ĂŒber 70 Kilometer langen MĂŒndungstrichter Gironde. Bis in das Stadtgebiet hinein sind daher die GezeitenkrĂ€fte zu beobachten: Bei Flut drĂŒckt das einströmende Meerwasser den Fluss zurĂŒck und hebt den Pegel um etwa einen Meter. Die entstehenden Strömungen sorgen fĂŒr Strudel und ein unruhiges OberflĂ€chenwasser. Bisweilen kann sich auch eine regelrechte Welle dutzende Kilometer flussaufwĂ€rts bewegen: Dieses PhĂ€nomen wird in Bordeaux „mascaret“ (dt.: Springflut) genannt.

Geologie

Das linke Ufer der Garonne, auf dem sich der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil des Stadtgebietes befindet, besteht aus weiten, sumpfigen Ebenen, aus denen niedrige Anhöhen („croupes“) ragen. Diese bestehen aus Geschiebesedimenten und weisen zum grĂ¶ĂŸten Teil Kies und Schotter als Untergrund auf. Die Böden sind mager, aufgrund der WasserdurchlĂ€ssigkeit und der FĂ€higkeit, WĂ€rme zu speichern, fĂŒr den Weinbau jedoch hervorragend geeignet. Die Stadt Bordeaux liegt zwischen dem flussabwĂ€rts gelegenen MĂ©doc und dem sich flussaufwĂ€rts ziehenden Gebiet der Graves, die geomorphologisch sehr Ă€hnlich sind. BerĂŒhmte WeingĂŒter sind bis in das stark verstĂ€dterte Ballungsgebiet hinein keine Seltenheit.

Das rechte Ufer geht fast unmittelbar in ein bis zu 90 Meter hohes Kalkplateau ĂŒber, so dass dort eine markante Steilstufe besteht. Das Plateau beheimatet in etwa 20 Kilometern Entfernung weltberĂŒhmte Weinbaugebiete wie Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac, in denen einige der teuersten Weine der Welt kultiviert werden.

Klima

Bordeaux liegt am SĂŒdrand der gemĂ€ĂŸigten Klimazone. Die sehr milden Winter und die langen, warmen Sommer lassen bereits subtropisch-mediterranen Einfluss spĂŒren. Niederschlag ist zu allen Jahreszeiten hĂ€ufig; mit einer Niederschlagsmenge von 891 mm/Jahr werden fĂŒr französische VerhĂ€ltnisse relativ hohe Mengen erreicht. Diese fallen hauptsĂ€chlich im Winterhalbjahr, im Sommer eher in Form von WĂ€rmegewittern. Die höchste jemals in Frankreich gemessene Niederschlagsmenge innerhalb einer halben Stunde wurde im Juli 1883 aus Bordeaux gemeldet. Enorme SchĂ€den verursachte auch ein „Doppelgewitter“ im Jahre 1982, als am 31. Mai innerhalb einer Stunde das komplette Monatssoll abregnete und drei Tage spĂ€ter in 50 Minuten nochmals ein halbes.

Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 12,8 Â°C mit einem durchschnittlichen Minimum von 5,9 Â°C im Januar und einem Maximum von 20,2 Â°C im Juli. Die nach hinten verschobenen Temperaturmaxima liegen im ozeanischen Klima begrĂŒndet. Trotz des ausgeglichenen Temperaturgangs können bei entsprechenden Wetterlagen extreme Temperaturen auftreten: WĂ€hrend der Hitzewelle 2003 erreichten die Höchstwerte an zwölf aufeinander folgenden Tagen mindestens 35 Â°C, davon an einem Tag 41 Â°C.

Die Stadt hat eine hohe Sonneneinstrahlung vorzuweisen. Mit etwa 2.000 Sonnenstunden pro Jahr ĂŒbertrifft Bordeaux die meisten französischen Regionen mit Ausnahme des Mittelmeerraumes und einzelner KĂŒstengebiete am Atlantik.

Die Mikroklimate von Bordeaux und Umgebung sind mitentscheidend fĂŒr die hervorragenden Weinbaubedingungen: Die Stadt und die umliegenden Anbaugebiete sind durch einen breiten Streifen Pinienwaldes (ForĂȘt des Landes) vor den Seewinden geschĂŒtzt. Zudem sorgt die Gironde fĂŒr einen temperaturausgleichenden Effekt, da dieses GewĂ€sser wie eine gigantische Batterie tagsĂŒber gespeicherte WĂ€rme nachts abgibt und außerdem breitflĂ€chig die Sonneneinstrahlung in das Umland reflektiert.

Bordeaux
Klimadiagramm (ErklÀrung)
J F M A M J J A S O N D
 
 
92
 
10
3
 
 
83
 
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3
 
 
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13
 
 
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94
 
19
10
 
 
107
 
13
6
 
 
107
 
11
4
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Bordeaux
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 10,0 11,7 14,5 16,5 20,5 23,5 26,4 26,6 23,7 18,8 13,4 10,7 Ø 18
Min. Temperatur (°C) 2,8 3,4 4,6 6,6 10,3 13,0 15,1 15,2 12,5 9,5 5,5 3,8 Ø 8,5
Niederschlag (mm) 92,0 82,6 70,0 80,0 83,8 63,8 54,5 59,5 90,3 94,0 106,8 106,7 ÎŁ 984
Regentage (d) 12,5 11,3 11,2 12,0 11,5 8,9 7,0 7,8 9,6 11,3 12,5 12,6 ÎŁ 128,2
T
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m
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u
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10,0
2,8
11,7
3,4
14,5
4,6
16,5
6,6
20,5
10,3
23,5
13,0
26,4
15,1
26,6
15,2
23,7
12,5
18,8
9,5
13,4
5,5
10,7
3,8
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92,0 82,6 70,0 80,0 83,8 63,8 54,5 59,5 90,3 94,0 106,8 106,7
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: WMO

Stadtviertel

Stadtviertel von Bordeaux
Stadtstruktur von Bordeaux. Dunkelrot: Altstadt; Hellrot: Innerhalb des Boulevards; Orange: Äußere Stadtteile
Elegante MietshÀuser im Viertel HÎtel de Ville. Im Hintergrund das Nordportal der Kathedrale
Der PavĂ© des Chartrons, ehemaliger Sitz vieler WeinhĂ€ndler und großbĂŒrgerlich geprĂ€gtes Wohnquartier
Das in den Siebziger Jahren neu errichtete Stadtviertel MĂ©riadeck

Bordeaux ist formal in acht stĂ€dtische Arrondissements aufgeteilt. Die Arrondissements 1–6 liegen auf dem linken Garonne-Ufer und sind von Norden nach SĂŒden durchnummeriert, das siebte bezeichnet das rechte Garonne-Ufer und das achte den eingemeindeten Stadtteil CaudĂ©ran. Da hierbei historisch Gewachsenes zumeist nicht berĂŒcksichtigt wurde, hat dies dazu gefĂŒhrt, dass sich die Bewohner nicht – wie zum Beispiel in Paris – mit ihren Arrondissements identifizieren. Stattdessen ist es ĂŒblich, den Wohnsitz nach Vierteln beziehungsweise Stadtteilen zu benennen. Üblicherweise geben diese auch einen gewissen Aufschluss ĂŒber den Lebensstandard.

Vieux Bordeaux (Altstadt)

Der historische Kern von Bordeaux ist das Gebiet innerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Seit 2007 steht Bordeaux, Port de la Lune unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Es wird durch die ringförmige Struktur der Cours und dem Garonne-Ufer begrenzt und von zwei Hauptachsen geteilt:

Von Norden nach SĂŒden verlĂ€uft die ĂŒber einen Kilometer lange, heute vollstĂ€ndig zur FußgĂ€ngerzone gestaltete Rue Sainte-Catherine vom Place du Grand ThĂ©Ăątre bis zur Place de la Victoire, wo die alten GebĂ€ude der UniversitĂ€t stehen. Hier und westlich davon liegt das GeschĂ€ftsviertel von Bordeaux mit Handels- und Dienstleistungsschwerpunkt, östlich bis zur Garonne ĂŒberwiegt â€“ teils sehr alte â€“ Wohnbebauung.

Die Ost-West-Achse wird durch den Pont de Pierre gebildet, die einzige BrĂŒckenquerung innerhalb des historischen Zentrums. Ihre FortfĂŒhrung bildet der Cours Victor Hugo. Nördlich ĂŒberwiegen Wohn- und GeschĂ€ftslagen gehobenen bis sehr hohen Standards, sĂŒdlich einfache Lagen.

Im Nordwestteil (Viertel: Quinconces, HĂŽtel de Ville) finden sich feine Restaurants und CafĂ©s, reprĂ€sentative Niederlassungen von Banken und Finanzdienstleistern, Kinos und Einzelhandel fĂŒr den gehobenen bzw. Luxusbedarf. Hier liegt das schon zu Zeiten der Intendanten so genannte Triangle d’or (Goldenes Dreieck), ein fast gleichseitiges Dreieck, das aus drei Alleen gebildet wird und als Schaufenster des feinen Bordeaux gilt. Im Nordostteil (Viertel: Saint-Pierre, Saint-Eloi) befinden sich Restaurants, Hotels und Kneipenviertel. Der ursprĂŒnglich alternative Charme weicht langsam einem gewissen Chic. Der SĂŒdwestteil (Viertel: Victoire) ist stark studentisch geprĂ€gt, aber auch bevorzugter Wohnort der Mittelschicht. Im SĂŒdosten (Viertel: Capucins, Saint-Michel, Sainte-Croix) ĂŒberwiegen einkommensschwache Bevölkerungsschichten (Alte, Arbeiter, Arbeitslose, Immigranten).

Die ehemaligen Faubourgs (VorstÀdte)

Der WohngĂŒrtel zwischen Cours und Boulevard ist aus ehemaligen VorstĂ€dten außerhalb der Stadtmauer entstanden und ist mit Ausnahmen Ă€hnlich aufgebaut: Im Norden ĂŒberwiegen bevorzugte, im SĂŒden einfache Lagen.

Entlang der Garonne liegen im Norden die Viertel Chartrons und Grand Parc, Ersteres der Sitz vieler WeinhĂ€ndler und bĂŒrgerlich geprĂ€gt, Letzteres eine Großsiedlung fĂŒr einkommensschwache Schichten.

Der Nordwesten rund um das Palais Gallien beherbergt das Viertel Saint-Seurin, eine gehobene Wohnlage und Sitz vieler Konsulate.

Im Westen ragt das neue Einkaufs- und Verwaltungszentrum MĂ©riadeck empor, das einzige innerstĂ€dtische Hochhausensemble. FĂŒr dessen Errichtung wurden großflĂ€chig einfache Viertel abgerissen, deren Zustand als marode und unhygienisch angesehen wurde. Obwohl zwischen den Handels- und VerwaltungsflĂ€chen hochwertige Wohnbebauung geplant war, ist es nicht zu einer verstĂ€rkten Ansiedlung der Oberschicht gekommen; die Bauten haben im Gegenteil bereits eine leichte Patina angesetzt. Die großzĂŒgige verkehrstechnische Erschließung fĂŒhrte aber zur Ansiedlung einiger Hotels höheren Standards. Rund um MĂ©riadeck ist die ursprĂŒngliche Bebauung fĂŒr die untere bis mittlere Mittelschicht erhalten geblieben, die zumeist aus ein- bis zweigeschossigen HĂ€userzeilen mit kleinen GĂ€rten besteht. Diese so genannten Echoppes sind bei der Bevölkerung heutzutage Ă€ußerst beliebt.

St. GenĂšs im SĂŒdwesten ist großbĂŒrgerlich geprĂ€gt, wĂ€hrend der SĂŒden (Bahnhofsquartier) bis heute Wohngegend der Armen ist. Industrie und Gewerbe, Bahnlinien und wenig ansprechende Infrastruktur wie die zentralen Schlachthöfe prĂ€gen das Bild.

Das rechte Ufer der Garonne ist nach Jahrzehnten der VernachlĂ€ssigung ins Blickfeld der Stadtplaner gerĂŒckt. Abstelle der industriell und durch die Eisenbahn geprĂ€gten Viertel Bastide und Benauge wird direkt gegenĂŒber der Altstadtfassade ein vollstĂ€ndig neuer Wohnbezirk fĂŒr die urbane Oberschicht gebaut. Dies geschieht vor allem in La Bastide auf dem sĂŒdlichen Areals des ehemaligen Eisen- und GĂŒterbahngelĂ€ndes und der daran angrenzenden Gewerbegebiete. Den Anfang machten hierzu der Umbau des alten Bahnhofes Gare d'OrlĂ©ans zu einem Multiplex-Kino und die Eröffnung des neuen Botanischen Gartens (Jardin Botanique Bordeaux Bastide)im Jahr 2003.

Jenseits des Boulevards liegt im Norden das Viertel Lac ohne nennenswerte Wohnbebauung, sowie Bacalan, traditionelles Revier der Hafenarbeiter und heute stark von Arbeitslosigkeit geprĂ€gt. Im Westen befindet sich CaudĂ©ran, ein 1964 eingemeindeter Vorort mit lockerer Bebauung und einigen reprĂ€sentativen Villen. Hier ist der Parc Bordelais gelegen, die grĂ¶ĂŸte öffentliche GrĂŒnflĂ€che der Stadt. Im SĂŒdwesten schließt sich Saint-Augustin an, ein Viertel der mittleren bis oberen Mittelschicht; hier sind das Stadion und das Zentralkrankenhaus untergebracht.

Agglomeration

Die Communauté Urbaine de Bordeaux (CUB). Rot: Bordeaux; Orange: Mitgliedskommunen

Wie in fast allen französischen BallungsrĂ€umen ist die Kernstadt Bordeaux von einem GĂŒrtel eigenstĂ€ndiger Kommunen umgeben, die mit ihr untrennbar zusammen gewachsen, aber nicht eingemeindet worden sind. WĂ€hrend Bordeaux im 20. Jahrhundert insgesamt an Einwohnern eingebĂŒĂŸt hat, sind diese Vororte teilweise auf das zehnfache ihrer ursprĂŒnglichen Bevölkerung gewachsen. Die flĂ€chenmĂ€ĂŸige Ausdehnung der Agglomeration ist insbesondere auf dem linken Garonne-Ufer bemerkenswert: Seit Jahrzehnten frisst sich die Stadt förmlich in den umgebenden Pinienwald hinein, immer wieder einen GĂŒrtel aktuell bevorzugter Randwohnlagen vor sich herschiebend. Zum FlĂ€chenverbrauch trĂ€gt auch die fast durchweg niedrige Bebauung bei.

Der hochverdichtete Teil des Ballungsraumes liegt etwa innerhalb des Autobahnrings. Die Schnittpunkte zwischen dem ringförmigen Boulevard und den Ausfallstraßen sind die so genannten BarriĂšres. Diese bilden keineswegs deutliche Grenzen zwischen Bordeaux und der Vorstadt, sondern sind im Gegenteil auf Grund ihrer Verkehrslage zu kleinen Nebenzentren der Innenstadt geworden, deren eine HĂ€lfte in Bordeaux liegt, die andere teils schon in den Nachbarkommunen, die außerdem ĂŒber jeweils eigene Stadtzentren verfĂŒgen. Diese Orte weisen BevölkerungsstĂ€rken zwischen 10.000 und 70.000 Einwohnern auf.

Außerhalb dieser StĂ€dte bzw. jenseits des Autobahnrings wird die Bebauung locker, die Einwohnerdichte geringer und das Durchschnittseinkommen höher. Einige Großeinrichtungen (Flughafen, Industrieansiedlungen) unterbrechen das gleichförmige Bild. Die in diesem Ă€ußeren GĂŒrtel gelegenen Kommunen verzeichnen zwischen 5.000 und 25.000 Einwohner. Auf der gegenĂŒber liegenden Seite der Garonne ist auf Grund des geringeren Platzangebotes der Übergang unvermittelt: WĂ€hrend nahe der Stadtgrenze in Lormont und Cenon Hochhausbebauung im grĂ¶ĂŸeren Stil herrscht, beginnt unmittelbar östlich davon bereits der lĂ€ndliche Raum.

Flora und Fauna

Das Stadtgebiet ist auf fast 90% der FlĂ€che derart verdichtet, dass kein Platz fĂŒr natĂŒrliche LebensrĂ€ume bleibt. Hier beschrĂ€nkt sich die Vegetation auf Parks, GrĂŒnstreifen und leeren Baugrund. Auch die Tierwelt existiert nur insoweit, wie sie sich an fast geschlossen ĂŒberbaute FlĂ€chen anpassen kann. Bordeaux hat insbesondere ein massives Problem mit seiner Rattenpopulation, das die Stadtverwaltung seit Jahren durch eine verbesserte MĂŒllentsorgung und stĂ€rkere Kontrolle der gastronomischen Einrichtungen bekĂ€mpft.

Naturnaher Raum findet sich im Ă€ußersten Norden des Stadtgebiets und vereinzelt an den Ufergestaden der Garonne gegenĂŒber der Altstadt. Insbesondere im Norden, der als Naherholungsgebiet ausgewiesen wurde, sind einige FlĂ€chen bewusst nicht bewirtschaftet worden, so dass hier noch eine Flora und Fauna existiert, wie sie entlang der Gironde typisch ist: Eine Reihe von Zugvögeln hat hier ihre RastplĂ€tze, in den Gehölzen finden sich einige Arten von Niederwild und an sumpfigen Stellen sind auch Bewohner von Feuchtgebieten (Amphibien etc.) zu finden.

Ein eigenes Biotop bilden die RebflĂ€chen, die im Stadtgebiet von Bordeaux allerdings verschwunden sind. In einigen angrenzenden StĂ€dten wie Pessac oder Villenave-d’Ornon dagegen wird Wein kultiviert. Hier haben RebhĂŒhner und Kaninchen sowie deren Fressfeinde (Greifvögel etc.) ihre LebensrĂ€ume. Relativ ungestört ist der aquatische Lebensraum. In der Garonne existiert eine Vielzahl von Organismen, die sich an die VerhĂ€ltnisse in Brackwasserreservoiren angepasst haben (siehe hierzu Gironde). In den kĂŒnstlich geschaffenen Seen leben vornehmlich Zier- bzw. Angelfische.

Geschichte

Siehe hierzu auch den Hauptartikel Geschichte der Stadt Bordeaux.

Die Geschichte von Bordeaux erstreckt sich ĂŒber einen Zeitraum von annĂ€hernd 2300 Jahren. Sie ist von Kelten, Römern, Franken und dem englisch-französischen Gegensatz geprĂ€gt, seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehört Bordeaux ununterbrochen zu Frankreich. Im Laufe der Jahrhunderte erreichte die Stadt drei ökonomische BlĂŒtezeiten, die vor allem auf die strategische Lage, die Handels- und Verkehrsverbindungen zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Antike

Die Stadt geht auf eine keltische Siedlung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. zurĂŒck, die unter den Römern Burdigala getauft und zur Hauptstadt der Provinz Aquitania erhoben wurde. In dieser Zeit erlebte Bordeaux seine erste BlĂŒte, die mehrere hundert Jahre andauerte; sowohl der schon damals praktizierte Weinbau als auch die gĂŒnstige Lage als Seehafen waren Ursache dafĂŒr. Da das unmittelbare Umland sumpfig (aquitanisch burd "Sumpf") und von Malaria verseucht war und daher fĂŒr eine Besiedlung eher ungeeignet erschien, ist Bordeaux ein Musterbeispiel fĂŒr eine StadtgrĂŒndung aus rein strategischen ErwĂ€gungen. Die Via Aquitania verband Bordeaux ĂŒber Toulouse mit Narbonne, die Ă€ltere Via Agrippa verband die Stadt mit Lyon und dort mit den Zentren Augusta Treverorum, Colonia Claudia Ara Agrippinensium und Massilia.

Das Stadtbild des antiken Burdigala muss beeindruckend gewesen sein; Reiseberichte römischer Schriftsteller beschrieben es als eine reiche, prĂ€chtige Stadt. Noch wĂ€hrend des Niedergangs von Westrom konnte die Stadt einen gewissen Lebensstandard innerhalb ihrer Befestigungen wahren, bevor eine Reihe von PlĂŒnderungen und VerwĂŒstungen im Gefolge der Völkerwanderung dem Wohlstand ein Ende setzten.

Mittelalter

Im 5. Jahrhundert wurde Bordeaux durch die Westgoten, kurz darauf durch die Franken eingenommen. 732 verwĂŒstete Abd ar-Rahman wĂ€hrend seines Feldzugs die Stadt. Nach der Niederlage der Araber bei Poitiers wurden diese hinter die PyrenĂ€en zurĂŒckgedrĂ€ngt, jedoch fielen im 9. Jahrhundert die Normannen ein und plĂŒnderten die Stadt erneut. Erst danach begann sich Bordeaux zu erholen. Ein Wendepunkt trat ein, als Eleonore von Aquitanien durch die Heirat mit Henri PlantagenĂȘt den französischen SĂŒdwesten zu englischem Lehen machte. Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert blieb Bordeaux unter der Herrschaft der Könige von England und erlebte eine zweite wirtschaftliche BlĂŒte. Die Stadt wurde mit einer neuen Stadtmauer versehen und die romanische Kirche durch einen gotischen Bau, die Kathedrale Saint-AndrĂ©, ersetzt. Bordeaux war Sitz eines Erzbischofs und Hauptstadt des FĂŒrstentums Guyenne (englische Adaptation des französischen Namens Aquitaine).

Im Vergleich zu anderen französischen Provinzen war der Lebensstandard in Bordeaux und Umgebung hoch: Die Lebensmittelversorgung war ausreichend und die Stadt profitierte von einem Handelsnetz, ĂŒber das der heimische Wein exportiert und englische Fertigwaren importiert werden konnten. WĂ€hrend des HundertjĂ€hrigen Krieges konnten sich die EnglĂ€nder in Bordeaux halten, erst nach der Schlacht bei Castillon mussten sie die Guyenne endgĂŒltig rĂ€umen. Am 19. Oktober 1453 zogen die Truppen Karls VII. in die Stadt ein.[1] Die RĂŒckkehr nach Frankreich wurde von den BĂŒrgern, viele von ihnen mĂ€chtige und reiche Kaufleute, keineswegs begrĂŒĂŸt, da hierdurch die alten AbsatzmĂ€rkte in England wegfielen. Auch der König sicherte sich ab, indem er zwei große Festungen bauen ließ: Im Norden das ChĂąteau de la Trompette, im Westen das ChĂąteau du HĂą. Diese waren vor allem Verteidigungsbauten, aber die GeschĂŒtze konnten im Falle von AufstĂ€nden auch gegen die Bevölkerung gerichtet werden. Im Jahre 1441 wurde die UniversitĂ€t Bordeaux gegrĂŒndet. Erst 1494 wurde ein Parlament eingerichtet, das dem BĂŒrgertum eine beschrĂ€nkte Selbstverwaltung ermöglichte und ein ZugestĂ€ndnis des französischen Königshauses an die Bordelais darstellte.

Neuzeit

Vom Absolutismus bis zum 20. Jahrhundert

Die Stadt nach einem Plan von 1840 mit Blick nach Westen. Die Bebauung hat sich bereits weit ĂŒber die mittelalterlichen Grenzen (rot markiert) ausgedehnt: Bevorzugte Wohngegend ist das Viertel um den neu angelegten Jardin Public.
Stadtansicht von Bordeaux nach einem kolorierten Stich um 1850. Vorne rechts sind die Terrassen der Place des Quinconces erkennbar.

Nach einem zwischenzeitlichen Niedergang erlebte Bordeaux seine dritte BlĂŒtezeit im 18. Jahrhundert durch den florierenden atlantischen Seehandel, insbesondere mit den Antillen. Zu dieser Zeit wurden einige fĂ€hige Intendanten in die Stadt entsandt, die ihr ein völlig neues Gesicht verliehen. Vor allem der Marquis de Tourny leistete hier Bedeutendes: Die alten Stadtmauern wurden abgerissen und durch breite Prachtstraßen ersetzt, die sogenannten Cours. Entlang dieser Cours entstanden einige der beeindruckendsten PrivathĂ€user, die noch heute teilweise wie PalĂ€ste erscheinen. Die prĂ€chtigen GebĂ€ude am Rande der Hafenquais stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Das im klassizistischen Stil errichtete Grand ThĂ©Ăątre empfing die begehrtesten Ensembles von ganz Frankreich. Ein Meisterwerk merkantiler Baukunst ist das Palais de la Bourse, der Sitz der Börse. Diese Umgestaltung von Bordeaux im Sinne des aufgeklĂ€rten Absolutismus beeindruckte den jungen Georges-EugĂšne Haussmann und dĂŒrfte zum Teil vorbildhaft fĂŒr die Umgestaltung von Paris unter NapolĂ©on III. geworden sein.

Zur Zeit der Französischen Revolution wurde Bordeaux Hauptstadt des DĂ©partements Gironde. In der Nationalversammlung stellten die Abgeordneten, die Girondins genannt wurden, eine bedeutende Gruppe, die zunĂ€chst erheblichen Einfluss hatte und maßgeblich an der ErklĂ€rung der Menschen- und BĂŒrgerrechte und der neuen Verfassung mitwirkte. Diese Girondisten waren politisch den Liberalen zuzuordnen. Sie verloren mit der Terrorherrschaft der Jakobiner um Robespierre 1793/94 allerdings ihren Einfluss und wurden verfolgt. (Ein Jahrhundert spĂ€ter wurde ihnen auf der Place des Quinconces das Monument aux Girondins gewidmet). Auch die wirtschaftliche Situation in Bordeaux verschlechterte sich wieder.

WĂ€hrend der napoleonischen Kriege wurden gewaltige Kontingente in Richtung Spanien verlegt, die unter anderem Bordeaux passierten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass 1811 die erste feste BrĂŒcke ĂŒber die Garonne gebaut wurde, der Pont de Pierre (wörtlich: SteinbrĂŒcke; einige Jahre zuvor war bereits ein VorgĂ€ngerbau aus Holz errichtet worden). Die Bedenken der lokalen WĂŒrdentrĂ€ger, die technischen Herausforderung angesichts der starken Strömung und der unberechenbaren Fluten zu meistern, soll Napoleon zu dem Satz Impossible n’est pas français! (wörtlich: unmöglich ist nicht französisch) veranlasst haben.

In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten erheblich: Es entstanden zwischen den Cours und der neuen Stadtgrenze (dem heutigen Boulevard, der teils bis heute Stadtgrenze geblieben ist) neue VorstĂ€dte, die sich auf dem linken Garonneufer ringförmig um den mittelalterlichen Kern ausbreiteten. Im Nordwesten und SĂŒdwesten lagen die Viertel des gehobenen BĂŒrgertums, dazwischen die einfachen Wohngegenden fĂŒr Arbeiter und KleinbĂŒrgertum. Das rechte Ufer der Garonne entwickelte sich im Vergleich nur langsam. WĂ€hrend der aufkommenden Industrialisierung siedelten sich hier und in der Hafengegend die meisten Großbetriebe an. Bordeaux begann mit seinen NachbarstĂ€dten zusammenzuwachsen.

Seit dem 20. Jahrhundert

1870/71 sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg zog sich die französische Regierung vor den heranrĂŒckenden deutschen Truppen aus Paris nach Bordeaux zurĂŒck. Zwischen dem 1. Juli 1940 und dem 27. August 1944 war Bordeaux von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt, die hier einen wichtigen U-Boothafen errichteten. Trotz dieser Tatsache und der exponierten Lage nahe der AtlantikkĂŒste, die von den Deutschen zum „Atlantikwall“ ausgebaut und in ihrer ganzen LĂ€nge mit Bunkern befestigt wurde, blieb Bordeaux nahezu unbeschĂ€digt.

WĂ€hrend dieser Zeit war die Stadt, so wie der ganze französische SĂŒdwesten, eine Hochburg der RĂ©sistance. Am 21. Oktober 1941 wurde der Kriegsverwaltungsrat Hans Gottfried Reimers durch einen WiderstandskĂ€mpfer, Pierre RebiĂšre, ermordet. Am Tag zuvor wurde in Nantes auf den Feldkommandanten Karl Hotz ein Attentat verĂŒbt. Deshalb wurden in Nantes am 22. Oktober 1941 48 Geiseln und in Bordeaux am 24. Oktober 1941 50 Gefangene von der deutschen Besatzungsmacht erschossen.

Die Resistance versuchte Maurice Papon, der mit den Nationalsozialisten kollaborierende SekretĂ€r des PrĂ€fekten der Gironde, Sabatier, mit grausamen Mitteln zu unterdrĂŒcken. FĂŒr seine WillkĂŒrherrschaft und seine Mitverantwortung am Holocaust – er war fĂŒr die Deportation der Bordelaiser Juden verantwortlich – wurde ihm erst 1997 als einem der letzten Vertreter der Kollaboration der Prozess in Bordeaux gemacht. Jacques Chaban-Delmas, eine der wichtigsten Figuren des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, wurde nach dem Krieg zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt und behielt das Amt fast fĂŒnfzig Jahre lang.

In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts machte Bordeaux einen tief greifenden Strukturwandel durch. Der Seehafen, bis dahin direkt in der Stadt gelegen, wurde aufgegeben und durch ein Terminal nahe Le Verdon an der GirondemĂŒndung ersetzt, das die nötige Wassertiefe und KapazitĂ€t besitzt, Containerschiffe abzufertigen. Die Öltanker bedienen eine neu errichtete Großraffinerie in Pauillac, etwa 50 km entfernt. Nach den Mai-Unruhen 1968 wurde die UniversitĂ€t Bordeaux in einen neuen Campus im Vorort Talence ausgelagert, um die Studenten auf rĂ€umlicher Distanz zu halten. Im Norden entstanden auf bisher brach liegendem GelĂ€nde ein MessegelĂ€nde, Hotels und Einkaufszentren. Eine Verwaltungsstadt wurde in der NĂ€he des Stadtzentrums errichtet, fĂŒr die ein ganzes Viertel dem Erdboden gleich gemacht wurde. Zudem wurde ein Autobahnring gebaut, um der zunehmenden Verkehrsprobleme Herr zu werden. In den 1970er Jahren siedelten sich unter anderem Ford, IBM, Siemens und AĂ©rospatiale in neu ausgewiesenen Gebieten am Stadtrand und in den Nachbargemeinden an.

Nicht jede dieser brachialen Maßnahmen wurde dem Aufwand gerecht, aber der Niedergang der Wirtschaft konnte gestoppt werden. Möglich wurde dies auch durch den Zusammenschluss von Bordeaux und seinen Nachbargemeinden zur CommunautĂ© Urbaine de Bordeaux (CUB), einem kommunalen Verbund, der interkommunale Aufgaben wie Strukturpolitik, Nahverkehr, Ver- und Entsorgung regelt.

WĂ€hrend der neunziger Jahre wurde sich Bordeaux seines historischen Erbes vollends bewusst. Die Altstadt, die fast vollstĂ€ndig das historische Erscheinungsbild behalten hat, wurde zunehmend verkehrsberuhigt und die Wohnlagen aufgewertet. Historische GebĂ€ude wurden saniert, die Front zur Garonne restauriert und Neubauten wie die CitĂ© Mondiale du Vin behutsam ins Stadtbild eingefĂŒgt. 1994 wurde ein groß angelegtes Projekt zur Stadtsanierung vorgestellt, das zum Hauptziel hat, die Stadt wieder mit der Garonne zu vereinigen: Alte Lagerhallen wurden abgerissen, Radwege und Promenaden gebaut und die Industriebrachen der rechten Garonneseite mit neuer, hochwertiger Bebauung versehen. Im Jahr 2004 wurde die Straßenbahn, die seit den 1960er Jahre durch Busse ersetzt worden war, wieder mit drei neuen Linien eingeweiht. Die BemĂŒhungen um die Bewahrung und schonende Modernisierung des alten Kerns wurden 2007 mit der Aufnahme großer Teile der Altstadt (1810 Hektar) in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes belohnt.

Bevölkerung

SelbstverstÀndnis

Das Selbstbild der Bordelais ist ausgesprochen regional geprĂ€gt: Als traditionsreiche Stadt mit langer geistig und politisch eigenstĂ€ndiger Tradition ist man hier stolz auf seine Herkunft und die besondere LebensqualitĂ€t. Durch die enorme Ausstrahlungskraft der Stadt in ihr großflĂ€chiges, relativ dĂŒnn besiedeltes Umland ist die regionale Bedeutung nie bestritten worden. In Bordeaux finden sich daher viele AnhĂ€nger einer betont föderalen Einstellung, die der Hauptstadt Paris und deren Einwohnern mit einer gewissen Skepsis gegenĂŒberstehen. Eine RivalitĂ€t besteht zudem mit Marseille, der anderen großen sĂŒdfranzösischen Hafenstadt, die sich aber heutzutage zumeist nur bei Fußballderbys bemerkbar macht. Traditionell freundschaftliche Beziehungen pflegt Bordeaux mit Toulouse und Lyon.

Sprache

Unmittelbar in der NĂ€he von Bordeaux verlĂ€uft die Sprachgrenze zwischen der Langue d’oĂŻl und der Langue d’oc, die hier eine weite Ausbuchtung nach SĂŒden erfĂ€hrt. Die Langue d’oil ist im Laufe des Mittelalters bis nach Blaye vorgedrungen, das nur 30 Kilometer von Bordeaux entfernt liegt. Zugleich teilt sich das okzitanische Gebiet ab der Gironde fĂ€cherartig in verschiedene Dialekte auf: UrsprĂŒnglich wurde in Bordeaux im Alltag ein okzitanischer Dialekt gascognischer PrĂ€gung gesprochen, wĂ€hrend die rechte Seite der Garonne bereits unter Einfluss der auvergnatischen, ab Libourne dann der limousinischen Variante stand. Mit der Durchsetzung des Standardfranzösischen als Alltagssprache ab dem 19. Jahrhundert, spĂ€testens seit dem Ersten Weltkrieg, wurden diese Dialekte, die so genannten Patois, zurĂŒckgedrĂ€ngt. In Bordeaux verschwand das Patois besonders frĂŒh: Dies liegt an der urbanen Struktur begrĂŒndet, wurde aber sicherlich durch den Umstand verstĂ€rkt, dass selbst innerhalb des Stadtgebiets verschiedene, untereinander schwer verstĂ€ndliche Patois gesprochen wurden. Bereits vor 1970 war das Okzitanische endgĂŒltig aus dem Alltag verschwunden. ZurĂŒck bleibt in heutiger Zeit ein typischer, „sĂŒdwestlicher“ Akzent. Dieser verzichtet auf die Nasalaussprache oder deutet sie nur an. Zudem werden die Vokale oft heller und kĂŒrzer als im Standardfranzösischen ausgesprochen, wodurch sich das Sprachtempo betrĂ€chtlich erhöhen kann.

Bevölkerungsentwicklung und -dichte

Nach einer Meldung vom 24. Januar 2005 hat das französische Institut fĂŒr Statistik INSEE die Einwohnerzahl von Bordeaux auf ca. 230.000 geschĂ€tzt. Dies Meldung bedeutet, dass sich seit der letzten ZĂ€hlung ein Bevölkerungsgewinn von ĂŒber 14.000 Einwohnern ergeben hat â€“ ein Wachstum, das den französischen Durchschnitt um mehr als das Doppelte ĂŒbertrifft. Dies ist eine spektakulĂ€re Trendumkehr, denn seit 1900 ist die Bevölkerung im Stadtgebiet fast hundert Jahre lang stetig gesunken. Waren es Anfang des 20. Jahrhunderts noch ĂŒber 260.000 Einwohner, drohte selbst nach der Eingemeindung von CaudĂ©ran in den sechziger Jahren zwischenzeitlich â€“ um 1980 â€“ der Fall unter die 200.000-Einwohner-Grenze. Ungebrochen ist das Wachstum innerhalb der Agglomeration, deren Bevölkerung bereits bei der letzten VolkszĂ€hlung 1999 754.000 Einwohner betrug. Allein die CUB erwartet bis 2010 einen Bevölkerungsanstieg um ĂŒber 100.000 Einwohner.

Jahr 1876 1896 1921 1936 1954 1968* 1982 1990 1999 2006
Einwohner 215 100 256 900 267 400 256 400 257 946 270 996 208 159 210 336 215 363 232 260
*nach Eingemeindung von Caudéran im Jahr 1964. Seit 2000 gelten vereinfachte Zensusregelungen, die auf Teilerhebungen beruhen.

Da Eingemeindungen in Frankreich eher zurĂŒckhaltend betrieben werden, hat das Stadtgebiet von Bordeaux eine gewisse Bevölkerungsobergrenze. Die Bevölkerungsdichte ist außerordentlich hoch und liegt mit weit ĂŒber 4.000 Einwohnern je kmÂČ oberhalb derjenigen vergleichbarer StĂ€dte im deutschsprachigen Raum â€“ im innenstadtnahen WohngĂŒrtel teils noch betrĂ€chtlich darĂŒber. Dagegen weist die CUB 1.200, die Agglomeration sogar nur 713 Einwohner je kmÂČ aus und hĂ€lt noch betrĂ€chtliche Reserven zur Verdichtung des Wohnraumes vor.

Bevölkerungsstruktur

Bordeaux hat eine insgesamt gĂŒnstige Bevölkerungsstruktur. Der Großraum ist seit jeher fĂŒr Zuwanderer attraktiv gewesen, da Klima, LebensumstĂ€nde und Entfaltungsmöglichkeiten gegeben waren. Insbesondere die Bildungseinrichtungen, in geringerem Maße auch die neu angesiedelten Wirtschaftszweige haben bewirkt, dass die Einwohner verglichen mit nationalen Vergleichszahlen unterdurchschnittlich alt und ĂŒberdurchschnittlich gebildet sind.

Die ethnische Zusammensetzung hat mit der Zeit einige Besonderheiten erfahren: Bordeaux galt ĂŒber Jahrhunderte als Anlaufstelle portugiesischer und spanischer Exilanten, insbesondere politischer FlĂŒchtlinge und in ihrer Heimat unter Repressalien leidender Juden. Darin liegt auch begrĂŒndet, dass sich spĂ€ter ĂŒberdurchschnittlich viele portugiesische Gastarbeiter in Bordeaux niederließen, die hier eine florierende Gemeinde aufgebaut haben. Migranten aus Nordafrika, heute ĂŒberwiegend im Besitz der französischen StaatsbĂŒrgerschaft, spielen ebenfalls eine Rolle, jedoch bei weitem keine so große wie in den Ballungszentren von Paris, Lyon oder Marseille.

Religionen

An manchen HĂ€userfassaden lĂ€sst sich der jĂŒdische Glaube ihres Erbauers erkennen

Bordeaux war traditionell ein Ort religiöser Toleranz. WĂ€hrend der Religionskriege, die in unmittelbarer NĂ€he katastrophale Folgen hatten, nahm die Stadt bereitwillig FlĂŒchtlinge auf. Dies geschah nicht völlig uneigennĂŒtzig, denn die Hugenotten trugen viel zur Wirtschaftsleistung bei. Auch gibt es seit langem eine große jĂŒdische Gemeinde. Im Unterschied zu den meisten nord- und ostfranzösischen StĂ€dten tragen auslĂ€ndische BĂŒrger dazu bei, den katholischen Bevölkerungsanteil zu stabilisieren, denn diese stammen in Bordeaux vor allem aus SĂŒdeuropa.

Da in Frankreich keine offiziellen Statistiken ĂŒber die Religionszugehörigkeit gefĂŒhrt werden, ist es auch fĂŒr Bordeaux nicht möglich, exakte Zahlen anzugeben. Legt man den französischen Bevölkerungsschnitt von etwa 82 % Katholiken zu 18 % Sonstigen (Muslime, Protestanten, Juden, andere Gemeinschaften, Konfessionslose) zugrunde, weicht Bordeaux von diesen Zahlen leicht ab. Spezielle Faktoren wie beispielsweise die in StĂ€dten allgemein ĂŒberdurchschnittliche Anzahl an Muslimen (auch französischer NationalitĂ€t), die in SĂŒdfrankreich ĂŒberdurchschnittliche Anzahl an Protestanten und die in Bordeaux ĂŒberdurchschnittlich vertretenen Vertreter jĂŒdischen Glaubens legen nahe, dass der katholische Bevölkerungsteil unter 80 % liegt.

Persönlichkeiten

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755), Staatsphilosoph der AufklÀrung und Propagandist der Gewaltenteilung

Im 4. Jahrhundert lebten der Dichter Decimius Magnus Ausonius, Verfasser des berĂŒhmten in Latein geschriebenen Mosella, und der spĂ€tere Bischof Paulinus von Nola in Bordeaux und Umgebung. Papst Klemens V. war, bevor er 1305 zum Papst gewĂ€hlt wurde, Erzbischof der Stadt. Von 1557 bis 1570 war der Philosoph Michel Eyquem de Montaigne BĂŒrgermeister von Bordeaux. Charles de Secondat, Baron de Montesquieu († 1755), in der NĂ€he geboren, hatte hier seinen Lebensmittelpunkt. Johanna von Lestonnac, OrdensgrĂŒnderin und Heilige der römisch-katholischen Kirche, war seine Nichte. Auch verbrachte der Maler Francisco de Goya in Bordeaux seine letzten Lebensjahre († 1828).

→ Siehe auch: Liste der Erzbischöfe von Bordeaux

Söhne und Töchter:

→ Hauptartikel: Liste von Söhnen und Töchtern der Stadt Bordeaux

BerĂŒhmte Persönlichkeiten aus Bordeaux sind unter anderem:

Politik

Politische Traditionen

Bordeaux ist traditionell eine Hochburg des Liberalismus französischer PrĂ€gung. Die Erfahrungen durch den bereits im Mittelalter hier weit entwickelten Freihandel haben bewirkt, dass die schon frĂŒh sehr selbstbewussten BĂŒrger ihre Interessen formulierten und sogar unter feudalen oder absolutistischen Systemen auch durchsetzten. Galt diese Einstellung vor der französischen Revolution noch als fortschrittlich, wurde sie bald darauf in Misskredit gebracht, denn mit der freiheitlichen Einstellung bourgeoiser Art war auch das bedingungslose Eintreten fĂŒr Privateigentum und das Streben nach individuellem Wohlstand verbunden.

Trotz mancher Wandlungen in der politischen Landschaft ist Bordeaux in seiner Mehrheit dieser Tradition treu geblieben: WĂ€hrend Aquitanien und hier besonders das DĂ©partement Gironde eine Hochburg der Sozialisten geblieben ist, hat sich Bordeaux selbst seit Mitte des 20. Jahrhunderts fĂŒr bĂŒrgerliche Ratsmehrheiten entschieden und seine BĂŒrgermeister immer aus den Parteien der Konservativen oder Wirtschaftsliberalen gewĂ€hlt.

BĂŒrgermeister

Michel de Montaigne, BĂŒrgermeister von Bordeaux im 16. Jahrhundert

Folgende BĂŒrgermeister standen der Stadt seit dem 20. Jahrhundert vor:

1904–1908 Alfred Daney
1908–1912 Jean Bouche
1912–1919 Charles Gruet
1919–1925 Fernand Philippart
1925–1944 Adrien Marquet
1944–1947 Fernand Audeguil
1947–1995 Jacques Chaban-Delmas (RPR)
1995–2004 Alain JuppĂ© (RPR, spĂ€ter UMP).
2004-2006 Hugues Martin UMP-UDF
ab 2006 Alain Juppé

FĂŒr eine Liste aller BĂŒrgermeister seit 1200 siehe hier. Der berĂŒhmteste BĂŒrgermeister von Bordeaux war Michel de Montaigne, Schriftsteller und wegweisender Philosoph des Humanismus im 16. Jahrhundert.

StÀdtepartnerschaften

Über die StĂ€dtepartnerschaften hinaus bestehen Kooperationsabkommen mit Sankt Petersburg (Russland) und Krakau (Polen).

Wappen

Die drei Mondsicheln als Fassadenschmuck ĂŒber einem Hauseingang.

Das Wappen ist auf die Zeit unmittelbar nach dem Ende des HundertjĂ€hrigen Krieges zurĂŒckzufĂŒhren. Die Lilien auf blauem Grund im Schildhaupt stehen fĂŒr das königliche Frankreich, der goldene Leopard auf rotem Grund symbolisiert das Herzogtum Guyenne und die Burg das Rathaus von Bordeaux, das damals in dem heute nicht mehr existierenden Stadtschloss untergebracht war (heute existiert nur noch der Turm mit der Grosse Cloche). Die Mondsichel in den Flusswellen weist auf den Namen Port de la Lune hin und unterstreicht dergestalt die Rolle der Stadt fĂŒr den Seehandel. Diese Anordnung der Symbole unterstreicht den französischen Anspruch auf Stadt und Landschaft und findet sich im Wahlspruch der Stadt wieder. Im Vollwappen ist der Spruch in einem Spruchband unterhalb des Schildes zu finden; ĂŒber dem Schild befindet sich eine Mauerkrone mit sieben Zinnen - zuweilen durch eine grĂ€fliche Krone ersetzt - und zur Linken und zur Rechten wird er von zwei Antilopen gehalten.

Als Symbol fĂŒr Bordeaux hat die Mondsichel ĂŒber die Zeit eine besondere Bedeutung erhalten. Seit einigen hundert Jahren hat sich eine grafische Form entwickelt, die drei ineinander verkreuzte Sicheln darstellt und als verkĂŒrzte Form des Wappens verwendet wird. Die Stadtverwaltung nutzt dieses Zeichen als Plakette zur Kennzeichnung stĂ€dtischen Eigentums oder stĂ€dtischer AktivitĂ€t, auch als imageförderndes Markenzeichen, Ă€hnlich wie ein Logo. Auch unter der Bevölkerung ist es sehr beliebt: Die trois croissants schmĂŒcken HĂ€userfassaden, KleidungsstĂŒcke, sind als Aufkleber etc. erhĂ€ltlich.

Wirtschaft

Die Cité Mondiale du Vin, Kongress- und Veranstaltungszentrum rund um den Wein
Die AllĂ©es de Tourny mit der Maison Internationale du Vin - Zentrum des Einzelhandels fĂŒr Luxusbedarf

Seit jeher ist die Wirtschaft von Bordeaux untrennbar mit dem Wein und dem Hafen verbunden. Auch heute spielen Handel, Verkehr und Dienstleistungen die entscheidende Rolle in der lokalen Wirtschaft. Dagegen ist Bordeaux erst spĂ€t zu einem industriellen Standort geworden und schon kurze Zeit spĂ€ter in eine Strukturkrise geraten. Nach deren BewĂ€ltigung sind dort ĂŒberwiegend Zukunftstechnologien angesiedelt worden. Trotzdem ist die Arbeitslosenquote mit 11,2 % im ANPE-(Arbeitsamts-)Bezirk und Besorgnis erregenden 19,7 % im Stadtgebiet die höchste der Region.

Dienstleistungssektor

Wein und Seehandel sind noch heute wichtige Wirtschaftsfaktoren: Zwar nimmt der Hafen nur noch die sechste Stelle in Frankreich ein, aber die unangefochtene Stellung ihres Weines in der Welt hat sich bis heute erhalten. Über Bordeaux werden jĂ€hrlich 6 Millionen Hektoliter von 14.000 Herstellern ĂŒber 400 HĂ€ndler abgewickelt, was einem Jahresumsatz von 14,5 Milliarden € entspricht.

Auch außerhalb des WeingeschĂ€fts liegt das Schwergewicht der Bordelaiser Wirtschaftsleistung im tertiĂ€ren Sektor, der fast 90 % zur Wirtschaftsleistung beisteuert: Groß- und Einzelhandel sind stark vertreten und teilweise auf den Vertrieb regionaler oder spezialisierter Produkte ausgerichtet. Aufgrund der verkehrsgĂŒnstigen Lage betreiben Land- und Seespeditionen von hier aus vielfĂ€ltige AktivitĂ€ten, wobei der GĂŒterumschlag ĂŒber die Straße mit 90 Millionen Tonnen pro Jahr das zehnfache der ĂŒber See abgewickelten Menge erreicht. Als Verwaltungszentrum der Region und des DĂ©partements verfĂŒgt die Stadt ĂŒber eine starke administrative Stellung. Hinzu kommen die UniversitĂ€t und Institute wie das Institut fĂŒr Önologie. Messen und Kongresse sind die Ursache fĂŒr die hohe Anzahl geschĂ€ftlicher Übernachtungen; private Übernachtungen sind der gewachsenen Rolle des Tourismus geschuldet. Das Bild wird abgerundet durch fast 3.200 verschiedene Dienstleistungsunternehmen.

Seit den siebziger Jahren hat sich Bordeaux als Messestandort positioniert. GrĂ¶ĂŸte Publikumsmesse ist die jĂ€hrlich im Mai stattfindende Buchmesse (Salon du Livre); Fachmessen wie die Vinexpo oder die Vinitech richten sich vornehmlich an gewerbliche Besucher.

Industrie

Die Agglomeration zĂ€hlt 88 Gewerbegebiete, die durch sechs so genannte „Technologiepole“ ergĂ€nzt werden. Bordeaux hat fĂŒnf industrielle Schwerpunkte zu strategischen Standortfaktoren erklĂ€rt: Luft- und Raumfahrt (20.000 direkte ArbeitsplĂ€tze an 30 Standorten), Elektronik, Chemie und Pharmaindustrie, Automobilbau (beispielsweise der Automobilhersteller Ford, der hier die weltweite Getriebeproduktion errichtet hat) und Baumaterial.

Bildung

Die Santé Navale, Postkartendarstellung von 1900

In Bordeaux besteht ein großes und differenziertes Bildungsangebot. Allein 70.000 Studenten verteilen sich auf die vier UniversitĂ€ten, die gemeinsam als UniversitĂ€t Bordeaux auftreten, aber formal unabhĂ€ngig voneinander sind. Neben der UniversitĂ€t zĂ€hlt die Stadt acht Ingenieurshochschulen, vier Wirtschaftshochschulen, das Institut d’études politiques de Bordeaux und fĂŒnf sonstige Hochschulen, darunter die berĂŒhmte SantĂ© Navale, die fĂŒr das Gesundheitswesen der Marine ausbildet. In Bordeaux befindet sich die École nationale de la magistrature (ENM), die französische AusbildungsstĂ€tte fĂŒr Richter und StaatsanwĂ€lte. Saint-Joseph de Tivoli gilt als eine der Ă€ltesten Schulen der Stadt.

Medien

Bordeaux ist Standort der Sud-Ouest-Mediengruppe, die neben der regionalen Tageszeitung Sud Ouest und ihrer Sonntagsausgabe auch eine Reihe von Ratgebern, Magazinen und BildbĂ€nden herausgibt. Das Verbreitungsgebiet der Tageszeitung reicht bis in die Charente, das Limousin und die PyrenĂ€en; die Auflage gehört zu den höchsten in ganz Frankreich. Traditionsreich sind in Bordeaux Buchverlage, weswegen die Stadt auch Standort einer Buchmesse ist. Zudem unterhalten die Fernseh- und Radioanstalten (z. B. France 3) RegionalbĂŒros in Bordeaux, der lokale Fernsehsender TV 7 Bordeaux hat hier ebenfalls seinen Sitz. Auch einige freie Radiosender sind dort angesiedelt.

SehenswĂŒrdigkeiten

Nordportal der Kathedrale Saint-AndrĂ© mit den 81 m hohen TĂŒrmen
Die Kirche Saint-Pierre
Die Kirche Saint-Louis bei Nacht
Das Grabmal von Jean Catherineau auf dem CimetiĂšre de la Chartreuse
Porte Cailhau
Der Place de la Bourse mit Miroir dÂŽeau und Tram
Der Pont de Pierre, zentrale BrĂŒcke aus napoleonischer Zeit

Bordeaux ist eine Stadt, die nicht durch herausragende Einzelbauten, sondern durch die grandiose, fast vollstĂ€ndig erhaltene Anlage der Stadt besticht, die ihr historisches Bild bis heute erhalten hat. Darin ist sie StĂ€dten wie Amsterdam oder Lissabon Ă€hnlich. Die Stadtanlage veranlasste Victor Hugo zu der Bemerkung, Bordeaux sei eine Mischung aus Versailles und Antwerpen, also aus palastartiger Architektur und Handelsstadt am Fluss. Insbesondere im historischen Zentrum, aber auch darĂŒber hinaus bietet sie immer wieder ĂŒberraschende EindrĂŒcke, sei es durch die spĂ€tbarocke Anordnung der Straßen und PlĂ€tze oder durch die beeindruckende Harmonie ihrer HĂ€userzeilen, durch Parks und GĂ€rten. Die „Fassade“ zur Garonne ist weltberĂŒhmt: Auf mehreren Kilometern ziehen sich hohe, schmale BĂŒrgerhĂ€user das Ufer entlang, unterbrochen durch einzelne ReprĂ€sentationsbauten. Dahinter ragen die DĂ€cher von Kirchen und alten Stadttoren empor. Das historische Ensemble gilt als das grĂ¶ĂŸte, geschlossenste und schönste von ganz Frankreich und wird als Kulisse fĂŒr unzĂ€hlige Film- und Fernsehproduktionen genutzt.

Sakralbauten:

  • Kathedrale Saint-AndrĂ©: die Kathedrale Saint-AndrĂ© ist ein einschiffiger angevinisch romanischer Bau mit gotischen Erweiterungsbauten, mit 127 Metern LĂ€nge eine der grĂ¶ĂŸten Kathedralbauten Frankreichs. Der freistehende Turm Pey-Berland wurde im flamboyanten Stil zwischen 1440 und 1450 hinzugefĂŒgt. Er ist mit 50 m Höhe der höchste öffentliche Aussichtspunkt der Stadt (→Lage44.837661111111-0.57755555555556).
  • Basilika Saint-Michel: Auch die gotisch-flamboyante Basilika Saint-Michel verfĂŒgt ĂŒber einen freistehenden Turm, der mit 114 Metern Höhe die zwei 81 m hohen TĂŒrme der Kathedrale Saint-AndrĂ© noch ĂŒberragt und seit seiner Errichtung im 16. Jahrhundert lange Zeit das höchste Bauwerk von Bordeaux war. Hervorzuheben ist die Buntverglasung aus der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts (→Lage44.834436111111-0.56536666666668).
  • Pfarrkirche Saint-Pierre: die spĂ€tgotische Pfarrkirche inmitten der Altstadt besticht durch ein Portal mit kleinen Archivoltenfiguren (→Lage44.839777777778-0.57025833333333).
  • Sainte-Croix: romanische Kirche, im 12. Jahrhundert auf frĂŒhchristlichen VorgĂ€ngerbauten als Abteikirche errichtet, die Westfront im 19. Jahrhundert von Paul Abadie so vollstĂ€ndig renoviert, dass man fast von einem Neubau sprechen kann. Die Fassade der Kirche ist ĂŒberwiegend aus dem 12. Jahrhundert und stellt mit ihrem Figurenschmuck einen der Höhepunkte der angevinischen Romanik dar. Im Inneren befindet sich Orgel des Dom Bedos, das grĂ¶ĂŸte Werk dieses Orgelbauers des 18. Jahrhunderts. (→Lage44.831055555556-0.56094722222221).
  • Saint Louis-de-Chartrons: gotisch, die Kirche Saint-Louis ist mit ihren zwei TĂŒrmen eine der höchsten Kirchen in Bordeaux. BerĂŒhmt ist auch die Orgel von G. Wenner aus dem Jahre 1881. Nachts sind die TĂŒrme innen blau beleuchtet (→Lage44.851563888889-0.57218055555555).
  • Kirche Notre-Dame: barock, als Dominikanerkirche Ende des 17. Jahrhunderts errichtet (→Lage44.842625-0.57648888888889).
  • Sainte Marie de la Bastide: Die Kirche Sainte-Marie liegt auf der östlichen Flussseite. Sie gehört zu den höchsten Bauwerken des Ortsteiles La Bastide. Die Kuppel des Turmes sieht denen der Basilique du SacrĂ©-CƓur in Paris sehr Ă€hnlich (→Lage44.843097222222-0.5567111111111).
  • Saint-Seurin: gotisch, mit einem Skulpturenportal des 13. Jahrhunderts. Die Kirche weist in ihrer Krypta sowie in der Turmhalle Elemente galloromanischer Architektur auf (→Lage44.843238888889-0.58568333333332).
  • Synagoge von Bordeaux: Die Synagoge wurde von der damals außergewöhnlich großen jĂŒdischen Gemeinde am Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und gehört zu den grĂ¶ĂŸten und schönsten ihrer Art (→Lage44.833655-0.57388599999999).
  • SacrĂ© Coeur de Bordeaux: Die Kirche gehört mit ihren zwei TĂŒrmen ebenfalls zu den höchsten Kirchen in Bordeaux. Sie liegt am sĂŒdlichen Rand der Altstadt in der NĂ€he des Hauptbahnhofes (→Lage44.822619444444-0.56341111111112).
  • Saint-Bruno: romanisch mit aufwendig gestaltetem Chor aus Granit und Marmor, geschmĂŒckt mit mehreren Figuren (→Lage44.837797222222-0.58984166666667). Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Große Friedhof von Bordeaux, der CimetiĂšre de la Chartreuse, mit vielen Mausoleen, Grapkapellen und anderen kĂŒnstlerisch gestalteten Grabmalen. Besonders berĂŒhmt ist das Grabmal von Jean Catherineau (1802–1874): eine große, gruselig wirkende Figur eines Sensenmanns. Der berĂŒhmteste Prominente ist der Maler Francisco de Goya (→Lage44.835555555556-0.5938888888889).

Profanbauten:

  • Le Grand ThĂ©Ăątre: Das „Grand ThĂ©Ăątre“ wurde von 1773 bis 1780 von Victor Louis im Stil des Klassizismus italienischer PrĂ€gung errichtet. Am 7. April 1780 eröffnete das Theater.[2] AufgefĂŒhrt wurde das Drama Athalie von Jean Racine. Das Theater ist eines der Wahrzeichen von Bordeaux und galt nach seiner Fertigstellung als grĂ¶ĂŸtes und schönstes von ganz Frankreich, in dem die bekanntesten Ensembles ihre Vorstellungen gaben. Seit 1991 ist im Inneren die originale Einrichtung in blau, gold und Marmor wiederhergestellt (→Lage44.842622222222-0.5735861111111).
  • Palais Rohan: Das 'Palais Rohan' ist der ehemalige Sitz des Erzbischofs. Zwischen 1771 und 1784 fĂŒr den Erzbischof MĂ©riadec de Rohan erbaut, wurde es 1835 zum Rathaus umgewidmet. Die Inneneinrichtung ist zum grĂ¶ĂŸten Teil erhalten. Auf der RĂŒckseite beherbergen zwei FlĂŒgel das Kunstmuseum (→Lage44.837902777778-0.5796138888889).
  • Die Grosse Cloche oder der Porte Saint-Eloi: ist der ehemalige Rathausturm, der nach Niederlegung des HauptgebĂ€udes als Stadttor fungierte. Namensgeber ist die riesige, fast acht Tonnen schwere Glocke, die in ihrem zentralen Teil aufgehĂ€ngt ist. Flankiert wird sie von zwei 41 Meter hohen TĂŒrmen. Die Uhr wurde 1759, die Glocke 1775 angebracht. Die Grosse Cloche ist ein weiteres Wahrzeichen von Bordeaux, das sich auch im Stadtwappen wiederfindet (→Lage44.835416666667-0.5714111111111).
  • Die Porte Cailhau, ebenfalls frĂŒheres Stadttor, ist mit der Grosse Cloche eines der wenigen Zeugnisse aus mittelalterlicher Zeit. Sie wurde ab 1495 zu Ehren von Karl VIII. errichtet (→Lage44.838794444444-0.56848055555557).
  • Die Porte de Bourgogne oder Porte des SaliniĂšres ist ein weiteres ehemaliges Stadttor gegenĂŒber der BrĂŒcke Pont de Pierre, das Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde (→Lage44.836330555556-0.56622222222222). Es gibt noch drei weitere ehemalige Stadttore Ă€hnlicher Bauart:
    Porte Dijeaux (→Lage44.840666666667-0.57980555555557), Porte d'Aquitaine (→Lage44.831138888889-0.57279444444444) und Porte de la Monnaie (→Lage44.833133333333-0.56179444444444).
  • Das Palais Gallien bezeichnet keinen Palast, sondern die Überreste eines römischen Amphitheaters aus dem 3. Jahrhundert, das ein Fassungsvermögen von 15.000 Zuschauern hatte (→Lage44.847816666667-0.58288055555556).

Moderne Architektur

  • Der Neubau des Justizpalastes nach Entwurf von Richard Rogers beeindruckt durch die wie riesige Eier geformten SitzungssĂ€le, die als freistehende ovale Baukörper in eine Glasarchitektur mit gewelltem Dach gestellt sind.

Straßen, PlĂ€tze, BrĂŒcken:

  • Die Place des Quinconces ist mit einer FlĂ€che von 126.000 mÂČ einer der grĂ¶ĂŸten unbebauten PlĂ€tze Europas. Der Platz wurde 1820 nach der Schleifung der Festungsanlagen an der Stelle des ehemaligen ChĂąteau de la Trompette eingerichtet. Zur Garonne hin wurde er 1829 mit zwei 21 Meter hohen SĂ€ulen und einer Freitreppe geschmĂŒckt. Zur Stadtseite hin wird der Platz durch das Denkmal der Girondisten (Monument aux Girondins) abgeschlossen, eine von 1894 bis 1902 errichtete SĂ€ule mit zwei Springbrunnen und vielen weiteren Figuren, die zum Gedenken an die dem republikanischen Terror zum Opfer gefallenen Abgeordneten der Gironde errichtet wurde.
  • Die Place du Parlement ist ein rechteckiger Platz mit geschlossener klassizistischer Bebauung aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts und wurde als Marktplatz genutzt. Heute ist er Teil der FußgĂ€ngerzone und beherbergt zahlreiche Restaurants und CafĂ©s.
  • Die Place de la Bourse ist der herausragendste Teil der kilometerlangen Schaufront zur Garonne. Das großartige architektonische Ensemble wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Palais de la Bourse, der alten Hafenbörse ist heute ein Zollmuseum untergebracht. Der Platz entstand als Place Royale 1733-43. Dort, wo jetzt der Drei Grazien-Brunnen von 1864 steht, erhob sich ein Denkmal fĂŒr König Ludwig XV., das in der Französischen Revolution zerstört wurde. Architekt des Ensembles war Jacques Gabriel V. (1667-1742) mit seinem Sohn Jacques-Ange Gabriel (1698-1782).
  • Die Place de la Victoire ist ein kreisrunder Platz, in dessen Mitte die Porte d’Aquitaine, ein beeindruckender Triumphbogen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, errichtet wurde.
  • Der Pont de Pierre, erste BrĂŒcke der Stadt, wurde unter Napoleon erbaut. Die Legende will, dass die 17 BrĂŒckenbögen fĂŒr die 17 Buchstaben des Namens „NapolĂ©on Bonaparte“ stehen sollten.
  • Der Pont d’Aquitaine, AutobahnbrĂŒcke aus dem Jahr 1967, ist so konzipiert, dass Hochseeschiffe passieren können.
  • Die AllĂ©es de Tourny, zwischen 1743 und 1757 errichtet, sind das PrunkstĂŒck des von den Intendanten erbauten Straßensystems. UrsprĂŒnglich war die Nordseite nur eingeschossig, um das Schussfeld der Festung nicht zu behindern. Am Ende der Allee steht das HĂŽtel Meyer, erbaut 1796 fĂŒr den Hamburger Konsul Meyer. Hier weilte Friedrich Hölderlin als Hauslehrer.
  • Das Stadtviertel MĂ©riadeck, großflĂ€chiges Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum, ist eher etwas fĂŒr Liebhaber der neueren Stadtplanung.
  • Viele Straßen und PlĂ€tze sind nach SklavenhĂ€ndlern des 18. Jahrhundert benannt: Rue Pierre-Baour, Place Johnson-Guillaume, Rue David-Gradis, Place John-Lewis-Brown, Rue Pierre-Desse, Rue François-BonafĂ© und andere.[3]

Museen: Die kulturelle Infrastruktur von Bordeaux wird durch eine Reihe sehr bekannter Museen bereichert. Das grĂ¶ĂŸte von ihnen ist das MusĂ©e d’Aquitaine, eines der grĂ¶ĂŸten Regionalmuseen von Frankreich. Die reiche Sammlung zur regionalen Geschichte wird durch das Centre Jean Moulin ergĂ€nzt, das eine umfangreiche Ausstellung ĂŒber die Geschichte der RĂ©sistance bietet. Auch die Wirtschaftsgeschichte findet ihren Platz: Der SĂŒdflĂŒgel des Palais de la Bourse ist fĂŒr das Zollmuseum reserviert. Hier wird vor allem die wechselvolle Geschichte des Seehandels in Bordeaux ausgestellt.

Die Kunst nimmt in den Museen von Bordeaux einen herausragenden Platz ein. Eine große Kunstsammlung vor allem klassischer GemĂ€lde befindet sich in der Galerie des Beaux-Arts und im MusĂ©e des Beaux-Arts, das in den rĂŒckwĂ€rtigen SeitenflĂŒgeln des Rathauses eingerichtet wurde. In unmittelbarer NĂ€he befindet sich das MusĂ©e des Arts DĂ©coratifs. Hier ist in einem Stadtpalast des 18. Jahrhunderts eine große und berĂŒhmte Sammlung zur Kunst der Einrichtung und Innenarchitektur untergebracht.

Moderne Kunst findet sich im CAPC, einer Kunststiftung, die in den alten ZollgebÀuden des Stadthafens residiert. Im EntrepÎt Lainé, einer alten Warenlagerhalle, werden vor allem Wanderausstellungen gezeigt.

Kulinarisches

Bordeauxwein

Bordeaux ist berĂŒhmt fĂŒr seine abwechslungsreiche, exquisite KĂŒche. Die NĂ€he zum Meer, die umgebenden Weinberge und das von Polykulturen geprĂ€gte Hinterland bieten eine Vielzahl unterschiedlicher lokaler SpezialitĂ€ten. Es fallen viele Gerichte Ă  la Bordelaise auf: Diese werden mit â€“ in der Regel rotem â€“ Bordeauxwein, oft auch mit Schalotten angerichtet, deren Verwendung in der KĂŒche des französischen SĂŒdwestens Zwiebeln oder Knoblauch weitgehend verdrĂ€ngt hat.

Fisch, Austern und MeeresfrĂŒchte beziehen die MĂ€rkte insbesondere vom nahe gelegenen Arcachon, einem Zentrum der Austernzucht, und aus der Gironde. Üblicherweise wird zu Austern Weißbrot und Butter gereicht, aber auch gegrilltes Schweinehack, das einen geschmacklichen Kontrapunkt setzt. Das FrĂŒhjahr ist die Hauptsaison fĂŒr Alsen, grĂ€tenreichen aber wohlschmeckenden Fischen mit weißem Fleisch, die hauptsĂ€chlich in der Gironde gefangen werden. Besonders begehrt (und entsprechend teuer) ist Lamproie Ă  la Bordelaise, nĂ€mlich Neunauge, ein schlangenförmiger Fisch, dessen rotes Blut zusammen mit Rotwein zu einer aufwĂ€ndigen Sauce verarbeitet wird. Die Verbundenheit mit Portugal hat dazu gefĂŒhrt, dass auch Stockfisch in Bordeaux sehr beliebt ist. Die Brandade de Morue ist ein kalt oder lauwarm servierter Salat aus gekochten Kartoffeln und StockfischwĂŒrfeln, mit einer Vinaigrette angemacht und manchmal mit Gurke oder Schalotte verfeinert.

In Bordeaux wird dem „roten Fleisch“, insbesondere dem Rindfleisch, der Vorzug vor allen anderen Fleischsorten gegeben. Auch hier existieren viele Varianten mit Rotweinsaucen, besonders bekannt ist EntrecĂŽte Ă  la Bordelaise, das ZwischenrippenstĂŒck, mit reichlich Schalotten bedeckt. Wie im PĂ©rigord ist auch Confit, eingelegte StĂŒcke von Gans oder Ente, ein Grundbestandteil der KĂŒche. Stopfleber oder Pastete wird außer aus dem PĂ©rigord auch aus den Landes bezogen. Bemerkenswert ist, dass das Bordelais als nahezu einzige Region Frankreichs nie einen eigenen KĂ€se hervorgebracht hat. Neben den Erzeugnissen benachbarter Regionen bevorzugen die Bordelais traditionell HollĂ€nder KĂ€se, der bereits vor Hunderten Jahren in die Stadt eingefĂŒhrt wurde.

Canelés in der Auslage eines SpezialgeschÀfts

Eine echte Bordelaiser SpezialitĂ€t sind die CanelĂ©s. Dies sind kleine Kuchen, die in einer charakteristischen, gugelhupfartigen Form gebacken werden und nicht höher als 10 cm sind. Ein gelungener CanelĂ© trĂ€gt eine karamellisierte Kruste, die je nach Backzeit von goldgelb bis dunkelbraun reichen kann. Das Innere ist dagegen weich, luftig und cremig-klebrig. Rum und Vanille sorgen fĂŒr den unverwechselbaren Geschmack. CanelĂ©s mĂŒssen tagesfrisch gegessen werden, weswegen sie nicht nur teuer sind, sondern auch nicht exportiert werden können. Es existieren nur sehr wenige renommierte Anbieter. CanelĂ©s sollen ohne Eiweiß ausschließlich aus Eigelb gebacken werden, da das Eiweiß im Weinkeller fĂŒr den Rotwein benötigt wird: es wird zum KlĂ€ren des Rotweines schaumig geschlagen, auf die OberflĂ€che des Weines gegeben und sinkt als Vorhang im Wein herab, wobei das Eiweiß auf seinem Weg herab alle TrĂŒbstoffe des Weines bindet. Das Eigelb hingegen bleibt beim Aufschlagen der Eier ĂŒberzĂ€hlig und wird zum Backen von CanelĂ©s verwendet. Somit sind CanelĂ©s eigentlich eine Verlegenheitslösung, um nicht zu viel Eigelb dem Abfall zu ĂŒberantworten, bzw. eine Art der Resteverwertung.

Sport

Sportliches AushĂ€ngeschild sind die Girondins de Bordeaux, die bereits sechsmal französischer Fußballmeister waren, aber auch ĂŒber eine Handballmannschaft verfĂŒgen. Im französischen SĂŒdwesten ist neben Fußball Rugby Union weit verbreitet und Ă€ußerst populĂ€r. Die lokalen Vereine sind Stade Bordelais und CA Bordeaux-BĂšgles Gironde; sie stellen eine gemeinsame Profimannschaft namens Union Bordeaux BĂšgles.

Ein besonders inniges VerhĂ€ltnis pflegt die Stadt zum Radsport: Bordeaux ist regelmĂ€ĂŸig Etappenstadt der Tour de France und gilt neben der Ankunft auf der Pariser Champs-ElysĂ©es als prestigetrĂ€chtigste Ankunft fĂŒr Sprinter. Lange Zeit existierte außerdem das Eintagesrennen Bordeaux-Paris, in dem die ca. 600 Straßenkilometer zwischen den beiden StĂ€dten innerhalb eines Tages bezwungen werden mussten. Es galt daher als das hĂ€rteste Radrennen der Welt. Dies war auch ein Grund dafĂŒr, dass es Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.

Bordeaux ist ebenfalls geprĂ€gt durch die an der AtlantikkĂŒste regelmĂ€ĂŸig ausgerichteten Surfturniere: Die Wellen an der CĂŽte d’Argent gelten als weltweit eines der idealen Ziele fĂŒr Wellenreiter; im nahen Lacanau finden jĂ€hrlich Wettbewerbe unter großer Beachtung der Öffentlichkeit statt. Auch nutzen Surfer den Mascaret, eine Gezeitenwelle in der Gironde die sich unter gĂŒnstigen Bedingungen bis in die Stadt fortsetzt. Insbesondere um die Tag-und-Nacht-Gleiche schieben sich durch die speziellen FlutverhĂ€ltnisse bis zu drei Meter hohe Wellen in den MĂŒndungstrichter, die ausgiebig von Wellenreitern genutzt werden.

Bordeaux ist einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2016. Zurzeit gibt es in Bordeaux das Stade Chaban-Delmas. Da sich das Stadion aber nicht weiter ausbauen lĂ€sst, ohne den Art-DĂ©co-Stil zu zerstören, soll im Bordeauxer Stadtviertel Lac ein neues Stadion fĂŒr 42.000 Zuschauer gebaut werden.

Verkehr

Bordeaux ist seit jeher eine sehr verkehrsgĂŒnstig gelegene Stadt. Bereits zur Römerzeit kreuzten sich hier die Reichsstraßen und der Hafen gehörte zu den grĂ¶ĂŸeren seiner Epoche. Im Mittelalter verlief eine der Hauptrouten des Jakobswegs durch Bordeaux. Auch das napoleonische Straßensystem hatte in der Stadt einen seiner Knotenpunkte.

Straße:

Der Straßenverkehr spielt in Bordeaux eine bedeutende Rolle: Der internationale Warenverkehr von Portugal und fast ganz Spanien wird ĂŒber die Stadt geleitet. Im Sommer kommen mehrere Reisewellen von Individualurlaubern hinzu. Privater und gewerblicher Verkehr haben dazu gefĂŒhrt, dass Bordeaux bereits sehr frĂŒh ins französische Autobahnnetz eingebunden wurde. Hier kreuzen sich heute die A 10 (Paris-Bordeaux), die sĂŒdlich als N 10 nach Spanien weiterfĂŒhrt, die A 62 (Bordeaux-Toulouse-Narbonne), die A 63 (Bordeaux-Arcachon) zum Meer und die 2007 fertig gestellte A 89 (Bordeaux-Lyon).

Schon in der frĂŒhen Nachkriegszeit wurden die Verkehrsprobleme derart offensichtlich, dass ein durchgehender Autobahnring erforderlich war. Die A 10 wird seit 1967 ĂŒber den Pont d’Aquitaine, eine gewagte HĂ€ngebrĂŒckenkonstruktion, gefĂŒhrt. Im Verlauf der siebziger und achtziger Jahre konnte der Ring geschlossen werden. Im SĂŒden ĂŒberquert diese so genannte Rocade, die Garonne ĂŒber den Pont François Mitterrand ein zweites Mal. Bis dahin wurde der Straßenverkehr ausschließlich ĂŒber die beiden innerstĂ€dtischen BrĂŒcken (Pont de Pierre und Pont St. Jean) gefĂŒhrt.

Bahn:

Die EisenbahnbrĂŒcke Pont Saint-Jean auf einer Postkartendarstellung um 1900

Bordeaux ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt: Der Hauptbahnhof Gare Saint-Jean, 1898 erbaut, zeugt von der Bedeutung, die die Stadt bereits im vorvergangenen Jahrhundert hatte. Dieser war zunĂ€chst Kopfbahnhof und nordwestlicher Knoten der Compagnie des Chemins de Fer du Midi, deren Streckennetz fast ganz SĂŒdfrankreich abdeckte. Auf der anderen Seite der Garonne befand sich sein â€“ kleineres â€“ GegenstĂŒck, der Gare d’OrlĂ©ans, der sĂŒdwestlicher Endpunkt der Compagnie des Chemins de Fer Paris-OrlĂ©ans war.

Schon frĂŒh wurde der Pont Saint-Jean als erste EisenbahnbrĂŒcke ĂŒber die Garonne geschlagen. Nach der Fusion der beiden Eisenbahngesellschaften 1934 konnte der Hauptbahnhof zum Durchgangsbahnhof ausgebaut werden und der Gare d’OrlĂ©ans verlor seine Bedeutung. Nach dessen Aufgabe war er zwischenzeitlich vom Abriss bedroht â€“ heute ist in dem kernsanierten GebĂ€ude ein Multiplexkino untergebracht.

Über Bordeaux verlĂ€uft heute die wichtige Achse Paris-Irun, die in ihrer ganzen LĂ€nge vom TGV bedient wird. Zwischen Paris und Bordeaux ist sie fast durchgĂ€ngig als Schnellstrecke ausgebaut; 15 Verbindungen verkehren tĂ€glich zwischen beiden StĂ€dten. Der geplante Ausbau der fast 600 Kilometer langen Gesamtstrecke wird die Fahrzeit zwischen den beiden StĂ€dten bis 2010 auf zwei Stunden verringern. Außerdem befindet sich eine TGV-Verbindung ĂŒber Toulouse in den Mittelmeerraum in Planung.

Luft:

Flugverbindungen gewinnen in Bordeaux zunehmend an Bedeutung. Der Flughafen Bordeaux befindet sich in MĂ©rignac im Westen des Ballungsraums und kann mit einem Zubringerbus erreicht werden. In den neunziger Jahren hat der Flughafen seine KapazitĂ€ten bedeutend erweitert, indem ein neues Terminal errichtet wurde. Über MĂ©rignac werden auch GĂŒter abgefertigt.

Schiff:

Der ehemalige Stadthafen von Bordeaux an der Garonne. Im Vordergrund das Kriegsschiff Colbert.

Die Schifffahrt spielte in Bordeaux immer eine herausragende Rolle. Zeitweise der grĂ¶ĂŸte Hafen Frankreichs, ist die Stadtmitte heute nur noch Anlaufziel von Kreuzfahrtschiffen und Ausflugsbooten. Mit 16 Kreuzfahrtschiffen und 13.000 Passagieren alleine im Jahr 2004 belegt Bordeaux in dieser Hinsicht allerdings Platz zwei der französischen HĂ€fen. Die industriellen Hafenanlagen befinden sich heute außerhalb des Stadtgebiets in einem Streifen von Bassens an der Bordelaiser Stadtgrenze bis Le Verdon, ĂŒber 100 km entfernt.

Im Rahmen der Neugestaltung des UfergelÀndes der Garonne wurde auch der Kreuzer Colbert abgezogen.

Die Garonne aufwĂ€rts liegt der Flusshafen, der fĂŒr die Binnenschifffahrt und die Touristik eine gewisse Bedeutung hat. FĂŒr Diskussionen hat der Bau des Airbus A 380 gesorgt, der teilweise in Toulouse gefertigt wird: FĂŒr den Transport der Bauteile auf der Garonne wurde erwogen, den historischen Pont de Pierre baulich anzupassen, d. h. die BrĂŒckenbögen teilweise zu verbreitern, was Konservatoren, die sich die VerĂ€nderungen in der BrĂŒcke deutlich vorstellen konnten, auf den Plan rief.

Um die großen Airbus-Teile, wie Rumpf und Cockpit unter der Pont Pierre transportieren zu können, werden diese Teile in Pauillac auf kleinere Barken verladen, die diese Teile bis Langon transportieren. Dennoch ist die Durchfahrt nur bei niedrigem Wasserstand der Garonne, also bei Ebbe möglich.

Tram der Linie B in der NĂ€he der Kathedrale

Personennahverkehr:

Der ÖPNV hat sich seit einiger Zeit gemausert: Durch die TBC werden zahlreiche Bus- und seit 2004 wieder Straßenbahnlinien (Linie A, B, C) betrieben. Die Straßenbahnen verfĂŒgen dabei ĂŒber ein neu entwickeltes System, durch welches in der Innenstadt die Oberleitungen aus Ă€sthetischen GrĂŒnden in den Boden verlegt werden konnten. Die Entscheidung fiel, als die Buslinien im Dauerstau nicht mehr vorwĂ€rts kamen und der Bau einer U-Bahn aufgrund der NĂ€he zum Meer und der tiefen Lage der Stadt nicht möglich war. Nach anfĂ€nglichen technischen Schwierigkeiten, welche die Bevölkerung der Stadt oft gegen das neue Straßenbahnsystem aufgebracht hatten, funktioniert die Straßenbahn nun zufriedenstellend.

Literatur

  • Graneri-ClavĂ©, Mario (Hrsg.): Le Dictionnaire de Bordeaux. Nouvelles Editions LoubatiĂšres, Portet-sur-Garonne 2006, ISBN 2-86266-478-2
  • Robert Coustet, Marc Saboya: Bordeaux - La conquĂȘte de la modernitĂ©. Editions Mollat, Bordeaux 2005, ISBN 2-909351-85-8
  • Don Kladstrup, Petie Kladstrup: Wein & Krieg. Deutscher Taschenbuchverlag, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-423-34152-1
  • Michel Figeac, Pierre Guillaume (Hrsg.): Histoire des Bordelais. Editions Mollat, Bordeaux 2003, ISBN 2-909351-75-0
  • Robert Joseph: Bordeaux und seine Weine. Hallwag, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-7742-0978-2
  • GĂ©rard Nahon, Juifs et judaĂŻsme Ă  Bordeaux, Paris 2003
  • Manfred Görgens: Bordeaux & AtlantikkĂŒste. DuMont Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-5851-2
  • RenĂ© Terrisse: Bordeaux 1940-1944. Editions Perrin, Paris 1993, ISBN 2-262-00991-0
  • Paul Butel: Les nĂ©gociants bordelais, l’Europe et les Ăźles au XVIIĂšme siĂšcle. Aubier Montaigne, Paris 1992, ISBN 2-7007-1975-1

Einzelnachweise

  1. ↑ Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 537.
  2. ↑ www.andreas-praefcke.de - Bordeaux: Grand ThĂ©Ăątre, abgefragt am 6. April 2010
  3. ↑ Jean Ziegler: Der Hass auf den Westen. 3. Auflage. C. Bertelsmann Verlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-570-01132-4, S. 65.

Weblinks

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