Boston Tea Party

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Boston Tea Party
Die Vernichtung von Tee bei der Boston Tea Party; Lithografie von Sarony & Major (1846)

Boston Tea Party ist die Bezeichnung f√ľr einen Akt des Widerstandes gegen die britische Kolonialpolitik im Hafen der nordamerikanischen Stadt Boston am 16. Dezember 1773. An diesem Tag drangen symbolisch als Indianer verkleidete Bostoner B√ľrger in den Hafen ein und warfen drei Ladungen Tee (342 Kisten) der britischen East India Trading Company von dort vor Anker liegenden Schiffen ins Hafenbecken. Wer die verkleideten Aktiven tats√§chlich waren, l√§sst sich kaum mehr rekonstruieren, doch bildeten sie wohl ein breites Spektrum der Bostoner Gesellschaft ab, auch einige Bauern aus den umliegenden D√∂rfern waren vermutlich unter ihnen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Der Steuer- und Zollstreit

Die Boston Tea Party bildete den H√∂hepunkt eines lange schwelenden Streits zwischen den 13 nordamerikanischen Kolonien und dem Mutterland Gro√übritannien.

Der Siebenj√§hrige Krieg in Europa (1756‚Äď1763) bzw. der Franzosen- und Indianerkrieg in Nordamerika (1754‚Äď1763) hatte die britische Staatskasse stark belastet. Die Schulden der Krone hatten sich in wenigen Jahren fast verdoppelt und lagen 1763 bei 132 Millionen Pfund. Au√üerdem stiegen die Kosten, die die Kolonien direkt verursachten. Nach Kriegsende hatte der britische K√∂nig Georg III. Kolonien und Indianergebiete durch die sogenannte Proklamationslinie trennen lassen. In der Folge kam es entlang dieser Linie immer wieder zu Konflikten, da die Siedler trotz Verbots weitere Gebiete am Ohio River erschlie√üen wollten. Nur durch die Stationierung zus√§tzlicher Truppen konnte man den Ausbruch eines Krieges zwischen Siedlern und Indianern verhindern.

Angesichts der hohen Staatsschulden sah es das Parlament in London als gerechtfertigt an, dass die Kolonisten zumindest einen Teil des Unterhalts der zu ihrem Schutz entsandten Truppen trugen. Die f√ľr diesen Zweck erlassenen Gesetze wie der Sugar Act (Zuckergesetz) von 1764 oder der Stamp Act (Stempelgesetz) von 1765 bedeuteten eine eher milde Besteuerung der Kolonisten, die deutlich unter der Durchschnittsbelastung der Untertanen im Mutterland lag. Dort war die Steuerbelastung fast f√ľnfzigfach h√∂her.[2]

Trotzdem stie√üen die steuerpolitischen Ma√ünahmen auf zum Teil erbitterten Widerstand in Nordamerika. Die Kolonisten waren als britische B√ľrger zwar wahlberechtigt, konnten dieses Recht wegen der gro√üen Distanz aber de facto nicht aus√ľben. F√ľhrende Vertreter der Kolonien argumentierten daher, das Londoner Parlament k√∂nne keine direkten Steuern in Nordamerika erheben, wenn die Kolonisten in ihm nicht vertreten seien. Diese Haltung fasste man mit dem Slogan ‚Äěkeine Besteuerung ohne Repr√§sentation‚Äú (‚Äěno taxation without representation‚ÄĚ) zusammen. Britische Staatsrechtler widersprachen mit der These, die Repr√§sentation der Kolonien erfolge indirekt √ľber die im Parlament vertretenen K√∂rperschaften wie Adel, St√§dte, Geistlichkeit und einfaches Volk.

Aus diesen beiden Positionen ergab sich ein ernsthafter staatsrechtlicher Konflikt, bei dem das individuelle Verst√§ndnis von Repr√§sentation, das in den Kolonien dominierte, mit den korporativen Vorstellungen in Gro√übritannien aufeinanderprallte. Das implizierte jedoch noch keinen Bruch der Kolonien mit dem Mutterland. Die Kolonisten begriffen sich im Gegenteil weiterhin als britische B√ľrger, die sich auf √ľberkommene Freiheitsrechte berufen konnten, wie sie sich in der englischen Rechtstradition mit ungeschriebener Verfassung entwickelt hatten. Bis zur Eskalation der Krise im Verh√§ltnis zum Mutterland in den Jahren 1775/1776 kamen Forderungen nach Unabh√§ngigkeit von Gro√übritannien und nach Einrichtung einer eigenen Rechtsordnung nur vereinzelt auf.

Das britische Parlament erkannte die Haltung der Kolonien nicht an und bestand auf seinem souver√§nen Besteuerungsrecht. Trotzdem bem√ľhte sich Finanzminister Charles Townshend schlie√ülich um eine Entsch√§rfung des Konflikts. Die direkten Steuern ‚Äď die bekannteste davon die Stempelsteuer ‚Äď wurden wieder aufgehoben und durch eine ‚Äě√§u√üere Besteuerung‚Äú √ľber Z√∂lle ersetzt. Durch den sogenannten Townshend Act wurden ab dem 29. Juni 1767 Z√∂lle auf die Einfuhr von Leder, Papier und Tee in Nordamerika gelegt.

Die Kolonisten reagierten heftig auf diese Z√∂lle. Eine Gruppe zum Widerstand bereiter M√§nner, die sich Sons of Liberty nannte, rief zu Boykotten auf. Am 5. M√§rz 1770 kam es in Boston zu einem blutigen Zusammensto√ü von Kolonisten mit britischen Ordnungstruppen, die in der Stadt stationiert worden waren, um die Eintreibung der Townshend-Z√∂lle zu garantieren. Bei dem als Massaker von Boston bekannt gewordenen Ereignis starben f√ľnf Menschen.

Rein fiskalisch waren die nordamerikanischen Importz√∂lle von Beginn an wenig sinnvoll. In London kalkulierte man, dass lediglich der Teezoll Eink√ľnfte in nennenswertem Umfang abwerfen w√ľrde. Selbst das erwies sich als Milchm√§dchenrechnung, weil der Absatz britischen Tees in Nordamerika wegen der resultierenden Boykotte und des Schmuggels von Tee von den niederl√§ndischen Antillen stark zur√ľckging. Die britische Ostindiengesellschaft, die ein Monopol f√ľr den Handel mit den Kolonien besa√ü, importierte nun weniger Tee nach Gro√übritannien, wo die Ware in Londoner Lagerh√§usern zur sp√§teren Umschiffung in die Kolonien zwischengelagert wurde. Dadurch entgingen der Krone in erheblichem Umfang Eink√ľnfte aus britischen Importz√∂llen, die sogar h√∂her als die Townshend-Z√∂lle waren. Im Saldo ergab sich daraus ein Einnahmeverlust f√ľr den Fiskus, der die Finanzmisere noch verst√§rkte.

Unter dem neuen Premierminister Lord North wurden die nordamerikanischen Importzölle im Jahr 1770 größtenteils wieder abgeschafft. Ausgenommen davon war der Teezoll. Das belegt, dass es auch der britischen Regierung in dieser Frage inzwischen weniger um eine Verbesserung der Etatlage als ums Prinzip ging. Während die Boykotte der anderen Waren praktisch wieder endeten, kauften die Kolonisten weiterhin vornehmlich geschmuggelten niederländischen Tee.

Der Tea Act vom 10. Mai 1773

Der weitgehende Wegfall des nordamerikanischen Marktes brachte die East India Trading Company bald in Bedrängnis. Unverkaufter Tee verrottete tonnenweise in ihren Londoner Lagerhäusern. Die britische Regierung konnte sich den drohenden Bankrott der Gesellschaft jedoch nicht leisten, auch weil diese aus eigenen Ressourcen die britischen Kolonialtruppen in Indien unterhielt.

Um den Ruin der East India Trading Company abzuwenden, beschloss das britische Parlament im Mai 1773 auf Betreiben von Premierminister Lord North den Tea Act. Er bezweckte ein Absenken des Endpreises, was den Verkauf von Tee in den Kolonien wieder stimulieren und so den Profit der Ostindiengesellschaft erhöhen sollte. Kurioserweise konnte man sich zum Erreichen dieses Ziels jedoch nicht auf den simpelsten Weg einigen, nämlich eine Aufhebung der nordamerikanischen Importzölle, die eigentlicher Auslöser der Misere waren. Stattdessen wurden die von der Ostindiengesellschaft beim Import nach England zu entrichtenden Zölle beseitigt. Außerdem erhielt die Gesellschaft nun größere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels und konnte beispielsweise auf amerikanische Zwischenhändler beim Absatz ihres Tees verzichten.

Im Verh√§ltnis zu den nordamerikanischen Kolonien f√ľhrte der Tea Act zu einer entscheidenden Eskalation. Die Ostindiengesellschaft w√§re jetzt in der Lage gewesen, den Endpreis des weiterhin mit den nordamerikanischen Importz√∂llen belasteten Tees so stark zu senken, dass dieser in den Kolonien sogar billiger h√§tte verkauft werden k√∂nnen als der weit verbreitete niederl√§ndische Schmuggel-Tee.

Die Kolonisten erkannten im Tea Act einen Versuch der britischen Regierung, die Boykottbewegung gegen die als unberechtigt angesehenen Z√∂lle zu unterlaufen und einen Keil zwischen die eher von prinzipiellen und die eher von √∂konomischen √úberlegungen geleiteten Kolonisten zu treiben. Au√üerdem sahen einflussreiche nordamerikanische Zwischenh√§ndler ihre Interessen verletzt. Die im Tea Act verankerte M√∂glichkeit des direkten Endverkaufs durch die Ostindiengesellschaft h√§tte den Zwischenhandel √ľberfl√ľssig gemacht. Es zeichnete sich ab, dass die Gesellschaft auch in den nordamerikanischen Kolonien ein Handelsmonopol errichten werde. Schlie√ülich bef√ľrchteten die Kolonisten, erwartete Mehreinnahmen der Krone durch die Importsteuern k√∂nnten zur Finanzierung von Institutionen der k√∂niglichen Gouverneure herangezogen werden. Dadurch schien wiederum die Selbstregierung der Kolonisten durch die eigenen parlamentarischen Versammlungen bedroht.

Die Interessen der amerikanischen Teeimporteure und -händler einerseits und der Sons of Liberty andererseits fielen nun zusammen. Beide Gruppen beschlossen, Landung und Verkauf des verbilligten Tees der Ostindiengesellschaft unter allen Umständen zu verhindern. Ein erster Schritt hierbei stellten zwischen den Kolonien koordinierte Appelle an die Kapitäne von Lotsenschiffen dar, mit britischem Tee beladene Schiffe nicht mehr in die Häfen zu navigieren. Diese Appelle waren größtenteils erfolgreich.

Der Ablauf der Boston Tea Party

Kupferstich von Daniel Chodowiecki (Vorlage) und Daniel Berger (Graveur) 1784 mit Darstellung der Boston Tea Party. Die Bildunterschrift (mit falscher Datierung) besagt: ‚ÄěDie Einwohner von Boston werfen den englisch-ostindischen Tee ins Meer am 18. Dezember 1773.‚Äú

Eine besondere Situation ergab sich in Boston, wo am 28. November 1773 die Dartmouth vor Anker ging. Sie war das erste von vier mit billigem Tee beladenen Schiffen, die die Ostindiengesellschaft nach Massachusetts entsandt hatte. Bostoner Gegner der Krone wie John Hancock, der selbst betr√§chtlich am Schmuggel mit niederl√§ndischem Tee verdiente, und Samuel Adams waren entschlossen, die Entladung des Tees unter allen Umst√§nden zu unterbinden. Dabei setzten sie auch auf Drohungen gegen Kapit√§n, Besatzung und Hafenarbeiter.

Gouverneur Thomas Hutchinson erkl√§rte, die Dartmouth unterliege seit dem Einlaufen im Hafen der Jurisdiktion des Bostoner Zollamtes. Er verbot Kapit√§n Francis Rotch, dem als Miteigent√ľmer des Schiffes an einer friedlichen L√∂sung des Konflikts gelegen war, das Wiederauslaufen ohne Zahlung der angefallenen Importz√∂lle. Hutchinson wies die Royal Navy an, die Dartmouth notfalls gewaltsam daran zu hindern, den Hafen zu verlassen. Au√üerdem k√ľndigte er an, den Tee zwangsweise l√∂schen und verkaufen zu lassen, falls die Abgaben nicht innerhalb einer Frist von drei Wochen entrichtet w√ľrden. Bei Hutchinsons strikter Position spielten auch private Motive eine Rolle, denn zwei seiner S√∂hne hatten als Agenten der Ostindiengesellschaft ein gesch√§ftliches Interesse am Verkauf des Tees.

Die Lage eskalierte am Abend des 16. Dezember 1773, kurz vor Ablauf von Hutchinsons Ultimatum. Bei einer Versammlung der Sons of Liberty im Old South Meeting House feuerte Samuel Adams die Anwesenden mit dem Hinweis auf die in wenigen Stunden bevorstehende Entladung des Tees von der Dartmouth an. Die Versammlung entsandte daraufhin Kapit√§n Rotch mit einer letzten Petition zu Gouverneur Hutchinson. Darin wurde die Forderung wiederholt, der Dartmouth und den zwei zwischenzeitlich angekommenen Schiffen Eleanor und Beaver das Wiederauslaufen ohne Entladung des Tees und Zahlung der Z√∂lle zu erm√∂glichen. Gouverneur Hutchinson wies die Petition zur√ľck.

Als Rotch dies den im Meeting House versammelten Menschen mitteilte, liefen etwa 50 Teilnehmer des Treffens unter Kriegsgeheul zum Hafen. Die Mehrzahl von ihnen hatte sich aus Protest gegen die Kolonialregierung als Mohawk-Indianer ‚Äěverkleidet‚Äú. Am Hafen angekommen, st√ľrmten die M√§nner in drei Gruppen die Schiffe und kippten die gesamte Ladung von immerhin 45 Tonnen Tee ins Wasser. Die mehrst√ľndige, spektakul√§re Aktion lief v√∂llig gewaltfrei ab. Tausende Zuschauer sahen dem n√§chtlichen Treiben feierlich vom Ufer aus zu, ohne einzugreifen. Obwohl sie das Vorgehen der 'Mohawks' unterst√ľtzten, gab es nur wenige Anfeuerungsrufe. Versuche einzelner Anwesender, sich unter die M√§nner auf den Schiffen zu mischen und dort Teebl√§tter f√ľr den privaten Konsum in die Taschen zu stecken, wurden unterbunden.

Am Ende der Aktion s√§uberten die M√§nner die Schiffe und entschuldigten sich sogar bei den Hafenwachen f√ľr ein aufgebrochenes Schloss. Der insgesamt √§u√üerst disziplinierte Ablauf spricht f√ľr deren sorgf√§ltige Planung. Tats√§chlich war eine Zerst√∂rung des Tees bereits bei den in den Wochen zuvor abgehaltenen B√ľrgerversammlungen mehrmals aus der Menge heraus angeregt worden. Jedoch hatte sich anf√§nglich nur einer der f√ľhrenden M√§nner der Sons of Liberty die Forderung zu eigen gemacht.

John Adams vermerkt zu den Ereignissen des 16. Dezember 1773 in seinem Tagebuch:

‚ÄěGestern Abend wurden drei Ladungen Bohea-Tee ins Meer gesch√ľttet. Heute Morgen segelte ein Kriegsschiff los.
Dies ist die bisher gro√üartigste Ma√ünahme. Dieses letzte Unternehmen der Patrioten hat eine W√ľrde [‚Ķ], die ich bewundere. Das Volk sollte sich nie erheben, ohne etwas Erinnerungsw√ľrdiges zu tun ‚Äď etwas Beachtenswertes und Aufsehen Erregendes. Die Vernichtung des Tees ist eine so k√ľhne, entschlossene, furchtlose und kompromisslose Tat, und sie wird notwendigerweise so wichtige und dauerhafte Konsequenzen haben, dass ich sie als epochemachendes Ereignis betrachten muss.‚Äú

‚Äď John Adams: Diary and Autobiography of John Adams, 17. Dezember 1773

Der Sekret√§r der St. Andrews Lodge, die in der Green Dragon Tavern arbeitete, gab am Abend des 16. Dezember 1773 zu Protokoll, die Loge habe ihre Versammlung auf den n√§chsten Abend vertagt und schrieb als Begr√ľndung √ľber die gesamte Seite ein gro√ües ‚ÄěT‚Äú.[3]

Die Bedeutung der Indianer-Verkleidung

Historiker haben lange Zeit vers√§umt, eine √ľberzeugende Antwort auf die Frage zu geben, warum f√ľr den Protest bei der ‚ÄěBoston Tea Party‚Äú die Verkleidung als Indianer gew√§hlt worden war. Traditionelle Erkl√§rungen, wie die, wonach die Identit√§t der an der Aktion beteiligten Personen verschleiert werden sollte oder man gar den Mohawks die Schuld in die Schuhe schieben wollte, k√∂nnen auf Grund der oben geschilderten Umst√§nde und der Oberfl√§chlichkeit der Verkleidung als unzul√§nglich gelten. Letztere war rein symbolischer Art und bestand haupts√§chlich aus einer an den Hut gesteckten Feder, einem schwarz gemalten Gesicht, einem einfachen √úberwurf und einem zum ‚ÄěTomahawk‚Äú umdeklarierten Beil, das man mitschleppte. Einige der Beteiligten waren sogar √ľberhaupt nicht verkleidet. Zeitgen√∂ssische und sp√§tere Illustrationen, die den M√§nnern ein vollst√§ndig ‚Äěindianisches‚Äú Aussehen samt nacktem Oberk√∂rper und Lendenschurz andichten, sind insofern irref√ľhrend (nicht zuletzt weil die Boston Tea Party in einer kalten Dezembernacht stattfand). Abgesehen von ihrem Erscheinungsbild unterstrichen die Teilnehmer ihr ‚ÄěIndianertum‚Äú dadurch, dass sie sich untereinander in einem pseudoindianischen Pidgin-Englisch verst√§ndigten.

J√ľngere Arbeiten verweisen auf plausiblere Hintergr√ľnde der Maskerade: Als Opfer einer scharfen Repression durch die britischen Beh√∂rden und die Armee (an welcher die Kolonisten freilich in vollem Umfange teilgenommen hatten) standen die Indianer nach diesen Darstellungen bereits seit Beginn der Protestbewegung in den 1760er Jahren f√ľr die Unterdr√ľckung der Kolonien durch das britische Parlament und die Regierung seiner Majest√§t. Gleichzeitig symbolisierten sie eine sich neu entwickelnde amerikanische Identit√§t, die sich von den europ√§ischen Urspr√ľngen abgrenzte und insbesondere eine Freiheit von √ľberkommenen Gesetzen und Standesgrenzen beinhaltete.

Im Bostoner Fall kam das Element einer entschiedenen Widerstandshaltung mit asymmetrischer Kriegf√ľhrung hinzu, bei welcher der ‚ÄöUnderdog‚Äė jedoch am Ende die Oberhand behalten sollte. Im Zusammenhang mit den Protesten gegen die britischen Z√∂lle gab es allerdings noch eine spezielle Assoziation der Indianer mit Tee: Boykottbef√ľrworter hatten seit mehreren Jahren als Alternative zu Importen der Ostindiengesellschaft einen Tee propagiert, der aus einer in Neuengland wachsenden Porst-Art gebr√ľht wurde und diesen dabei als einzig echten ‚ÄěIndian tea‚Äú (bedeutet im Englischen sowohl ‚Äěindischer Tee‚Äú wie auch ‚ÄěIndianer-Tee‚Äú) bezeichnet.

Die Verkleidung bei der Boston Tea Party war nur der ber√ľhmteste Fall einer in der amerikanischen Revolutionszeit und der sp√§teren Nationalgeschichte immer wieder anzutreffenden Praxis der Verkn√ľpfung der Freiheitsideale mit dem Symbol des Indianers. Der Historiker Philip J. Deloria res√ľmiert: ‚ÄěDas Ausspielen eines indianischen Amerikanertums gew√§hrte eine wirkungsm√§chtige Grundlage f√ľr nachfolgendes Bestreben um eine nationale Identit√§t. [‚Ķ] ‚ÄöIndianerspiel‚Äė ist eine dauerhafte Tradition in der amerikanischen Kultur geworden, die sich vom Moment des nationalen Urknalls bis zur sich best√§ndig ausdehnenden Gegenwart und Zukunft fortsetzt.‚Äú[4]

Folgen und Rezeption

In den Monaten nach der Boston Tea Party kam es in den nordamerikanischen Kolonien zu einer Reihe weiterer Aktionen gegen vermeintliche Vertreiber britischen Tees. Wiederholt wurden Wanderh√§ndler gezwungen, ihre Waren zu verbrennen. In Weston, Massachusetts, wurde ein Wirtshaus von einem Trupp als Indianer verkleideter B√ľrger demoliert, nachdem das Ger√ľcht umgegangen war, der Besitzer verkaufe Bohea-Tee der Ostindiengesellschaft. In gr√∂√üeren St√§dten versammelten sich B√ľrger, um ihre privaten Teevorr√§te √∂ffentlich auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Dabei legten sie Schw√ľre gegen einen weiteren Konsum des Getr√§nks ab. In Zeitungen erschienen Artikel, in denen behauptet wurde, Bohea-Tee sei abtr√§glich f√ľr die Gesundheit. Der offizielle, also zollrelevante Import von Tee in die amerikanischen Kolonien fiel vom bereits niedrigen Niveau des Jahres 1773 in den folgenden zw√∂lf Monaten um √ľber 90 %.

Die Provokation der Tea Parties und der anderen Widerstandsaktionen wollte sich die britische Regierung nicht bieten lassen. Premierminister Lord North erkl√§rte, nur ‚Äěneuengl√§ndische Fanatiker‚Äú k√∂nnten sich einbilden, von verbilligtem Tee unterdr√ľckt zu werden. Im Parlament in London kam die Forderung nach einer Strafaktion gegen Boston auf; sogar die Zerst√∂rung der Stadt wurde vorgeschlagen. Edmund Burke, der bedeutende Staatstheoretiker und Debattenredner, stand isoliert mit seinem Appell zur M√§√üigung und der Forderung nach dem Zugest√§ndnis an die Kolonien, sich selbst besteuern zu d√ľrfen.

Die Regierung von Lord North erhob eine Reihe von Gesetzen, die unter dem Namen Intolerable Acts bekannt wurden. Diese beinhalteten die Schlie√üung des Hafens von Boston ab dem 1. Juni 1774 und die Einschr√§nkung der Freiheiten der Kolonien, insbesondere diejenigen von Massachusetts. Die Vertreter aus zw√∂lf Kolonien trafen sich daraufhin vom 5. September bis zum 26. Oktober 1774 in Philadelphia zum ersten Kontinentalkongress. Dieser empfahl, eine eigene Miliz, die Kontinentalarmee, zu bilden und √∂konomische Sanktionen gegen Gro√übritannien zu verh√§ngen. Die weitere Eskalation des Konfliktes f√ľhrte ab April 1775 zum Ausbruch des Amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieges.

Die ‚ÄěBoston Tea Party‚Äú ist auch Thema des Romans Johnny Tremain. Ein Roman f√ľr Alt und Jung (Johnny Tremain. A Novel for Old and Young) von Esther Forbes, der 1957 von Robert Stevenson f√ľr Walt Disney verfilmt wurde.

Die konservative US-amerikanische Tea-Party-Bewegung, die sich unter anderem gegen Steuererhöhungen einsetzt, hat sich ebenfalls nach der Boston Tea Party benannt.

Boston Tea Time

Drei Jahre nach der Boston Tea Party 1773 etablierte sich der Brauch, am Nachmittag des 16. Dezembers eine Teestunde, die ‚ÄěBoston Tea Time‚Äú, abzuhalten. [5] Aufgrund der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung der Vereinigten Staaten am 4. Juli 1776 [6] , gewann die Bev√∂lkerung eine neue amerikanische Identit√§t. In ihrem neuen Selbstbewusstsein karikieren sie die britische Lebensart. Besonders dem Nachmittagstee, der nach bestimmten Regeln abl√§uft, wird in Gro√übritannien eine gro√üe Bedeutung beigemessen. Dieser wird von den Bewohnern Bostons j√§hrlich sp√∂ttisch imitiert. Im letzten Jahrhundert wird der Brauch aber immer weniger praktiziert und verliert allm√§hlich an Bedeutung.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Robert Middlekauff: The Glorious Cause: The American Revolution 1763-1789. 2., erweiterte Ausgabe. Oxford University Press, Oxford und New York 2005. S. 232.
  2. ‚ÜĎ vgl. z.B. Bill Bryson: Made in America: an Informal History of the English Language in the United States, Black Swan, 1998, ISBN 0-552-99805-2, S.38.
  3. ‚ÜĎ Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage 2006, Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2478-6, Lemma Boston Tea Party, S. 148.
  4. ‚ÜĎ Philip J. Deloria, Playing Indian, New Haven & London: Yale UP, 1998, 7. (aus dem Englischen √ľbersetzt)
  5. ‚ÜĎ Christoph Harsen: General Education: Massachusetts, March, 2010
  6. ‚ÜĎ Harlow Giles Unger: American Tempest: How the Boston Tea Party Sparked a Revolution, 8. M√§rz 2011

Literatur

  • Philip J. Deloria: Playing Indian. New Haven und London: Yale UP, 1998.
  • Bruce E. Johansen: Mohawks, Axes and Taxes: Images of the American Revolution. In: History Today 35:4, April 1985. S. 10-16.
  • Benjamin Woods Labaree: The Boston Tea Party. Oxford University Press, New York 1964.

Weblinks

 Commons: Boston Tea Party ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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