Brandenburg-Preu├čen

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Brandenburg-Preu├čen
Wappen der kurf├╝rstlichen Markgrafschaft Brandenburg und der sp├Ąteren Provinz Preu├čens
Wappenadler des Herzogtums Preu├čen 1525-1633, hier auf einer Fahne

Der Name Brandenburg-Preu├čen bezeichnet die gesamten Herrschaftsgebiete der Kurf├╝rsten von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern f├╝r die Zeit zwischen dem Erwerb des Herzogtums Preu├čen 1618 und dessen Erhebung zum K├Ânigreich 1701.

Urspr├╝nglich beschr├Ąnkten sich die Besitzungen der hohenzollernschen Markgrafen auf die Mark selbst. Durch dynastische Erbschaften und K├Ąufe zu Anfang des 17. Jahrhunderts vergr├Â├čerten sie ihren Besitz, so dass ein weit verstreutes Herrschaftsgebiet entstand, das anfangs nur durch die Person des Herrschers miteinander verbunden war.

Verwendet wird der Begriff vorwiegend in der Geschichtswissenschaft, um im jeweiligen Kontext die gesamten Hohenzollernlande von den einzelnen Landesteilen zu unterscheiden. Mit der K├Ânigskr├Ânung Friedrichs III. am 18. Januar 1701 wurden die zersplitterten und nur lose zusammengehaltenen Landesteile mit dem neugegr├╝ndeten K├Ânigreich Preu├čen in eine Realunion umgewandelt, in deren Folge ein Zentralstaat entstand. Der Ausdruck Brandenburg-Preu├čen wird aber auch manchmal f├╝r die Zeit nach 1701 verwendet, um den Bezug zum brandenburgischen Ursprung des preu├čischen Staates zu betonen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erwerb neuer Landesteile (1614ÔÇô1618)

Orange = Brandenburg vor 1608
Rot = Erwerbungen Johann Sigismunds 1608-1619
Gr├╝n und gelb = Erwerbungen des Gro├čen Kurf├╝rsten 1640ÔÇô1688
Allegorische Darstellung des Erwerbs Preu├čen und der Rheinlande durch das brandenburgische Kurf├╝rstenpaar. Preu├čen und die Rheinlande sind als Seegottheiten an den Seiten des Thrones dargestellt
Lithographie aus dem 19. Jahrhundert

Die Politik der Hohenzollern war auf Machtzunahme durch Erwerbung neuer L├Ąnder charakterisiert. Dies versuchten die jeweiligen Herrscher durch geschickte Heiratspolitik zu erreichen, um Erbanspr├╝che im Falle von ausgestorbenen Herrscherh├Ąusern zu erhalten.

So heiratete der damalige Kurprinz Johann Sigismund am 30. Oktober 1594 Anna, die Tochter des preu├čischen Herzogs Albrecht Friedrich.

Der Vater des Kurprinzen, der brandenburgische Kurf├╝rst Joachim Friedrich ├╝bernahm 1605 f├╝r den preu├čischen Herzog die Regentschaft ├╝ber das Herzogtum Preu├čen, nachdem der geisteskranke Albrecht Friedrich regierungsunf├Ąhig geworden war. 1608 wurde Johann Sigismund neuer brandenburgischer Kurf├╝rst.

Nach dem Tod von Johann Wilhelm ÔÇô dem letzten Herzog von J├╝lich-Kleve-Berg brach 1609 zwischen den Haupterben, den brandenburgischen Kurf├╝rsten Johann Sigismund und Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg Streit, den so genannten J├╝lich-Klevischen Erbfolgestreit um das vakante Herzogtum aus. Im Vertrag von Xanten vom 12. November 1614 gelang es dem brandenburgischen Kurf├╝rsten den Anspruch auf das Herzogtum Kleve, die Grafschaft Mark und die Grafschaft Ravensberg erfolgreich f├╝r sich durchzusetzen.

Mit dem Tod seines Schwiegervaters, dem letzten fr├Ąnkischen Hohenzollern als Herzog von Preu├čen, Albrecht Friedrich, wurde Johann Sigismund 1618 auch offiziell Herzog von Preu├čen. Brandenburg und Preu├čen waren seither in Personalunion verbunden. Der brandenburgische Kurf├╝rst erhielt zuk├╝nftig das Herzogtum Preu├čen vom polnischen K├Ânig bis zum Vertrag von Wehlau 1657 zu Lehen.

Drei├čigj├Ąhriger Krieg (1618ÔÇô1648)

Kurf├╝rst Georg Wilhelm (1619ÔÇô1640) Nicht zeitgen├Âssische Darstellung von 1896

Die neu gewonnenen Nebenterritorien blieben zun├Ąchst vom Kernstaat, der Mark Brandenburg r├Ąumlich, politisch und wirtschaftlich isoliert. Lediglich durch die herrschende Person aus dem Hohenzollern Geschlecht blieben die einzelnen Landesteile miteinander verbunden. Ein gemeinsames Landesbewusstsein oder eine gesamte betriebene Landespolitik unter Kurf├╝rst Georg Wilhelm gab es nicht. Stattdessen behielten die einzelnen Landesteile ihre eigenen Landesverfassungen, Traditionen, Strukturen und Regionaleliten bei.[1]

Als 1618 der Drei├čigj├Ąhrige Krieg ausbrach, blieben die Hohenzollernlande zun├Ąchst verschont. Der neue Kurf├╝rst Georg Wilhelm, der Ende 1619 Johann Sigismund folgte, war nicht in der Lage von seiner Zentralprovinz seiner Herrschaft aus entschlossen den au├čenpolitischen Entwicklungen zu trotzen. Ab 1626 wurde die Mark Brandenburg zusehends verheert. Die Mark wurde abwechselnd in dieser Zeit von den kaiserlichen Truppen oder den Schweden beherrscht, w├Ąhrend der Kurf├╝rst zum Ende seiner Regierungszeit, unter Zur├╝cklassung eines Statthalters h├Ąufig in sein Herzogtum Preu├čen (so u.a. von 1627 bis 1630) und seine Rheinprovinzen floh. Durch die Flucht des Kurf├╝rsten war die Kurmark jeder Willk├╝r preisgegeben. Am 1. Dezember 1640 verstarb der Kurf├╝rst in K├Ânigsberg.

Der neue Kurf├╝rst, Friedrich Wilhelm, begann aus dem Flickenteppich durch Etablierung gemeinsamer institutioneller Strukturen, einen zentralen Staat zu entwickeln.

Ausbau des Zentralstaates (1640ÔÇô1701)

Unter Friedrich Wilhelm (1640ÔÇô1688)

Kurf├╝rst Friedrich Wilhelm (1640ÔÇô1688)

Im Westf├Ąlischen Frieden 1648 konnte der Kurf├╝rst Hinterpommern, die Anwartschaft auf das Erzstift Magdeburg (Anfall 1680) sowie das Hochstift Halberstadt und das F├╝rstentum Minden erwerben, welche zusammengenommen einer Fl├Ąche von etwa 20.000 km┬▓ entsprachen. Trotz dieser Landgewinne verschlechterte sich die Situation f├╝r den Kurf├╝rsten, da die Landesteile zum Teil isoliert und weit voneinander entfernt lagen.

Umgeben von ├╝berm├Ąchtigen Staaten wie der neuen Gro├čmacht Schweden im Norden, die die Mark und das Herzogtum Preu├čen jederzeit bedrohen konnte, Frankreich, das jederzeit Zugriff auf die westlichen Rheinprovinzen hatte, Polen im Osten, das Lehnsherr des Herzogtums Preu├čen war, und im S├╝d-Osten grenzte Brandenburg-Preu├čen an die Habsburgische Hausmacht. Somit waren die Schicksale der einzelnen Landesteile zunehmend aufs engste mit denen der anderen verkn├╝pft, so dass sich die Geschichte der einzelnen Gebiete von da an auf die inneren und lokalen Verh├Ąltnisse der jeweiligen L├Ąnder beschr├Ąnkte.

So betrieb Kurf├╝rst Friedrich Wilhelm, sp├Ąter der ÔÇ×Gro├če Kurf├╝rstÔÇť genannt, nach dem Krieg eine vorsichtige Schaukelpolitik zwischen den Gro├čm├Ąchten, um seine wirtschaftlich und milit├Ąrisch schwachen L├Ąnder zu entwickeln. Als infolge des Nordischen Kriegs von 1656 bis 1660 Polen-Litauen geschw├Ącht war, konnte der Kurf├╝rst 1657 im Vertrag von Wehlau das Herzogtum Preu├čen aus der polnischen Oberhoheit l├Âsen. Im Frieden von Oliva von 1660 wurde die Souver├Ąnit├Ąt des Herzogtums endg├╝ltig anerkannt. Dies war eine entscheidende Voraussetzung f├╝r seine Erhebung zum K├Ânigreich unter dem Sohn des Gro├čen Kurf├╝rsten.

Er f├╝hrte Wirtschaftsreformen durch und baute als Machtgrundlage ein schlagkr├Ąftiges stehendes Heer auf. Die Landst├Ąnde wurden zugunsten einer absolutistischen Zentralverwaltung entmachtet, wodurch es ihm zunehmend gelang, die Territorien effektiv miteinander zu verbinden.

Der Geheime Rat, m├Ąchtigste Beh├Ârde im Kurf├╝rstentum Brandenburg seit seiner Gr├╝ndung im Jahr 1604, der im Schloss zu C├Âlln tagte, wuchs nach 1648 ├╝ber seine urspr├╝ngliche Funktion als kurbrandenburgische Landesbeh├Ârde hinaus und erlangte eine gesamtstaatliche Bedeutung.[2] Nach erhaltenen Akten behandelte der Geheime Rat Landessachen der au├čerbrandenburgischen Gebiete des Gesamtstaats ab 1654. Damit wurde das oberste brandenburgische Landeskollegium Zentralbeh├Ârde Brandenburg-Preu├čens. Die Landeskollegien der anderen Gebiete wurden stattdessen mehr und mehr dem Geheimen Rat untergeordnet. Der Geheime Rat hatte jedoch zu diesem Zeitpunkt seinen Machtzenit ├╝berschritten. So hatte die 1689 gegr├╝ndete Hofkammer als gesamtstaatliche Beh├Ârdenorganisation eine gr├Â├čere Bedeutung. Weitere gesamtstaatliche, in Berlin ans├Ąssige Beh├Ârden waren die Lehnskanzlei, die Geheime Kanzlei und das Kammergericht. Deren Unterhalt wurde jedoch im 17. Jahrhundert weitgehend aus brandenburgischen Mitteln bezahlt, w├Ąhrend die Hofstaatskasse bereits aus gesamtstaatlichen Mitteln gespeist wurde.

Als der Gro├če Kurf├╝rst am 9. Mai 1688 starb, hatte er sein Land aus einem in der Au├čenpolitik hilf- und machtlosen, zerrissenen Staatsgebilde zu einer von allen Gro├čm├Ąchten der damaligen Zeit anerkannten Mittelmacht gemacht. Zudem war Brandenburg-Preu├čen zum nach ├ľsterreich m├Ąchtigsten Territorium im Reich aufgestiegen.

1688 betrug die Gr├Â├če der Hohenzollerlande insgesamt 112.660 km┬▓ mit 1,5 Mio Einwohner (1640: etwa 1 Million Einwohner). Das Steueraufkommen belief sich auf 1,677 Mio Taler, die Subsidienzahlungen betrugen 1688 1,7 Mio Taler. Zusammen verf├╝gte der Staat Brandenburg-Preu├čen also ├╝ber ein Staatsbudget von 3,4 Mio Talern, welches eine Verdreifachung der Staatseink├╝nfte im Vergleich zum Amtsantritt des Kurf├╝rsten im Jahre 1640 (insgesamt 1 Mio Taler, 400.000 Taler aus Steuern) darstellt.

Unter Friedrich III. (1688ÔÇô1701)

Eine Woche nach dem Tode des Kurf├╝rsten tagte der Geheime Rat zum ersten Male unter dem Vorsitz des neuen Kurf├╝rsten Friedrich III. zwecks Er├Âffnung des v├Ąterlichen Testaments. Unter Versto├č gegen die seit 1473[3] geltenden Hausgesetze der Hohenzollern sollte Brandenburg-Preu├čen auf die f├╝nf S├Âhne Friedrich Wilhelms, Friedrich und seine vier Halbbr├╝der, aufgeteilt werden. Nach langwierigen Verhandlungen und ausf├╝hrlichen Rechtsgutachten, unter anderem von Eberhard von Danckelman, gelang es dem Thronfolger, sich bis 1692 gegen seine Geschwister durchzusetzen und die Einheit des Landes zu bewahren. Sie wurden als Markgrafen von Brandenburg-Schwedt abgefunden.

Rangeserhebung ÔÇô Gr├╝ndung des K├Ânigreichs Preu├čen 1701

Die neue preu├čische K├Ânigskrone ÔÇô Symbol f├╝r die Gr├╝ndung des Einheitsstaates
Kupferstich von Peter Schenk, 1703

Um die jederzeit durch Erbteilung drohende Aufl├Âsung Brandenburg-Preu├čens zu verhindern, verfolgte der neue Kurf├╝rst seit 1691 die Idee einer Rangeserh├Âhung, um die verstreuten hohenzollerschen Territorien zu einen und eine zusammenhaltende Klammer zu geben. Dieses Projekt schloss er 1701 mit seiner K├Ânigskr├Ânung ab.

Der neue preu├čische K├Ânig durfte sich allerdings nur K├Ânig in Preu├čen, nicht von Preu├čen nennen, weil der ihm unterstehende Teil Preu├čens nicht ganz Preu├čen umfasste, sondern nur den ├Âstlichen Teil davon. Der andere Teil, Preu├čen k├Âniglichen Anteils, unterstand bis 1772 der polnischen Krone.

Innenpolitisch f├Ârderte die K├Ânigskr├Ânung die staatliche Einheit der geografisch weit auseinander liegenden und wirtschaftlich stark unterschiedlichen hohenzollerschen Territorien. Botschafter, Beh├Ârden und Armee des Herrschers hie├čen fortan ÔÇ×k├ÂniglichÔÇť und f├╝hrten Farben und Wappen Preu├čens. Der Name ÔÇ×Preu├čenÔÇť und ÔÇ×preu├čischÔÇť ├╝bertrug sich daher im Laufe des 18. Jahrhunderts auf alle Gebiete der Hohenzollern. Die Bezeichnung des jederzeit wichtigsten Landesteils der Hohenzollern, der Kurmark Brandenburg, verlor demgegen├╝ber an Bedeutung.[4]

F├╝r eine weitergehende Geschichte ab 1701 siehe K├Ânigreich Preu├čen

Wirtschaftsgeschichte

Kameralistische Wirtschaftspolitik (1640ÔÇô1675)

Die Mark Brandenburg, die w├Ąhrend des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges besonders verheert worden war, war 1648, verglichen mit den anderen deutschen Staaten wie Sachsen oder auch dem habsburgischen ├ľsterreich, stark verarmt. Weite Landstriche der Mark Brandenburg waren menschenleer, die allgemeine Wirtschaftst├Ątigkeit lag danieder.

Unter dem Gro├čen Kurf├╝rsten Friedrich-Wilhelm blieb die Wirtschaftspolitik bis 1675 noch dem Denken des deutschen Kameralismus verhaftet.[5] Es war ein wichtiges Ziel des Kurf├╝rsten, die eigenen Einnahmen zu vermehren, vornehmlich aus den kurf├╝rstlichen Dom├Ąnen. Eigene regelm├Ą├čige Einnahmen machten n├Ąmlich den Kurf├╝rsten unabh├Ąngig von den St├Ąnden und steigerten damit die f├╝rstliche Macht. Im 17. Jahrhundert war der St├Ąndestaat in Brandenburg-Preu├čen noch stark ausgepr├Ągt und die St├Ąnde genehmigten auch die finanziellen Mittel des Kurf├╝rsten. Sie besa├čen damit ein wichtiges Machtinstrument, um Druck auf die Politik des Kurf├╝rsten aus├╝ben zu k├Ânnen.[6]

Bedeutendes wurde in jenen Jahren auf dem Gebiet der Infrastruktur geleistet. Der Kurf├╝rst gr├╝ndete 1649 das Brandenburgische Staatspostwesen und bem├╝hte sich seit 1653, die Binnenschifffahrt in Gang zu bringen. Der Bau des M├╝llroser Kanals (Verbindung zwischen Oder und Spree) von 1662 bis 1669 stellte die erste gro├če verkehrswirtschaftliche Ma├čnahme eines deutschen Landesherren dar. Die Ma├čnahmen im Bereich der Infrastruktur schufen neue, beschleunigte und verbilligte Verkehrsverbindungen und setzten damit Anreize f├╝r eine regere Handelst├Ątigkeit.

Bis zur Schlacht bei Fehrbellin 1675 stand die Beseitigung unmittelbarer Sch├Ąden des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges im Mittelpunkt der staatlichen Wirtschaftspolitik. Erst in der folgenden Phase ab 1676 ging es um den Gesamtaufbau einer breit angelegten Wirtschaft. Von da an machten sich die merkantilistischen Ma├čnahmen des Kurf├╝rsten im Sinne einer gezielten, langfristigen ├Âkonomischen Entwicklung bemerkbar.

Neue Merkantilistische Wirtschaftspolitik ab 1676

Die neue merkantilistische Wirtschaftspolitik des Kurf├╝rsten orientierte sich stark am Vorbild Frankreich, wobei hier die F├Ârderung von Gewerbe und Manufakturen im Vordergrund stand. Diese neue ÔÇ×GewerbepolitikÔÇť ging von der Mark Brandenburg aus und wurde allm├Ąhlich auf die anderen Gebiete ├╝bertragen.
Beispiele f├╝r die neue merkantilisitsche Wirtschaftspolitik:

  • Eine 1679 in Berlin angelegte Zuckersiederei wurde 1680 in die erste brandenburgische Aktiengesellschaft umgewandelt. Hierbei beteiligte sich der Kurf├╝rst mit 10.000 Talern.
  • 1681 wurde eine Tabakspinnerei errichtet (von den Berliner B├╝rgermeistern Bartholdi und Senning)
  • 1686 Gr├╝ndung einer Gold- und Silberdrahtzieherei von Johann Andreas Krautt.

Vielfach bestanden diese Gr├╝ndungen nur vor├╝bergehend. Die Gr├╝nde lagen im Geldmangel des Staates und bei der zu geringen Zahl und Potenz der privaten Investoren, um die defizit├Ąre Anfangszeit zu ├╝berstehen. So setzte die neue Manufakturpolitik entschieden auf die F├Ârderung der einheimischen Produktion, besonders der Wollmanufakturen. Eine typische merkantilistische Erscheinung stellten dar├╝ber hinaus die Gr├╝ndungen von Commercien-Collegien (23. Februar 1684) dar, die als eine Art Beh├Ârde ├╝ber administrative Befugnisse verf├╝gten und zugleich durch Beratung die Wirtschaftspolitik des Staates betrieben. Die Anf├Ąnge f├╝r die wirtschaftliche Gesundung des Landes vollzogen sich in vielen kleinen Schritten.

Die Staatsfinanzen konnten durch ein neues Steuersystem, bei dem 1684 die Akzise als Verbrauchssteuer eingef├╝hrt wurde, saniert und vermehrt werden. Gleichzeitig erlaubte die Akzise eine genauere Kontrolle der Warenerzeugung und -bewegung, aber auch der ├ťberwachung von Aus- und Einfuhrverboten, als es mit Z├Âllen allein gehandhabt werden konnte. Durch umfangreiche Peuplierungsma├čnahmen, das hei├čt die Anlockung und Ansiedlung von Fachleuten aus vielen L├Ąndern Europas (Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685), gelang es Friedrich Wilhelm neues Fachwissen und Arbeitskraft in das technologisch zur├╝ckgebliebene Brandenburg zu bringen.

Durch dieses F├Ârderungsb├╝ndel vor dem Hintergrund eines gesamteurop├Ąischen Wirtschaftswachstums entstanden als neue Gewerbszweige in Brandenburg-Preu├čen:

  • Seidenmanufaktur
  • Sergemanufaktur
  • Gazemanufaktur
  • B├Ąndermanufaktur
  • Tapetenmanufaktur
  • Seidenbau
  • Gold- und Silberzwikerei
  • Ziselier- und Emaillierkunst
  • Verfertigung feiner Tuche und H├╝te
  • Strumpfwirkerstuhltechnik
  • Zeugdruckerei
  • Sch├Ânf├Ąrberei
  • ├ľlbereitung
  • Lichtergie├čen
  • Spiegelfabrikation
  • Spielkartenfabrikation

Anders als in den f├╝hrenden Wirtschaftsm├Ąchten England, Frankreich und vor allem den Niederlanden fehlte in den Hohenzollerlanden jedoch ein starkes wirtschaftlich t├Ątiges B├╝rgertum, das Tr├Ąger des ├Âkonomischen Fortschrittes h├Ątte sein k├Ânnen. So konnten Innovationen und wirtschaftliche Wachstumsstrategien in erster Linie nur durch die Staatsverwaltung in Gang gesetzt werden. Eine weitere Besonderheit dieses Staatsgebildes, stellte das calvinistische Bekenntnis der Landesherrn dar. Die calvinistische Lebensf├╝hrung lie├č die preu├čische Staatselite eine Arbeitsmoral entwickeln, bei der wirtschaftlicher Erfolg, Effizienz und Gemeinn├╝tzigkeit das oberste Ziel der Staatsverwaltung war. Diese Eigenschaften der Staatsf├╝hrung stellten einen durchaus wichtigen Faktor f├╝r den wirtschaftlichen Erfolg Preu├čens dar.

Auf der anderen Seite trat der Staat als gr├Â├čte Wirtschaftsbelastung auf, denn f├╝r das Milit├Ąrwesen wurden ├╝ber den Fiskus erhebliche Geldmengen aus dem Wirtschaftskreislauf abgezogen.

Hohenzollersche Herrschaftsgebiete

Brandenburg-Preu├čen um 1700 (rot und gr├╝n)
Karte aus F.W. Putzgers Historischer Schul-Atlas, 1905

Das Herrschaftsgebiet Friedrichs III. untergliederte sich in verschiedene Gebiete, die sich vom Rhein bis zum Memel erstreckten. Dabei ragten zwei Landesteile auf Grund ihrer Gr├Â├če heraus: die Mark Brandenburg sowie das unabh├Ąngige Herzogtum Preu├čen.

Im wichtigsten hohenzollerschen Landesteil, der Mark Brandenburg betrugen 1619 die Staatsschulden 2.142.000 Reichstaler.[7] Die Mark lebte ausschlie├člich vom Ackerbau. Gehobenere G├╝ter mussten alle importiert werden. Eher als Brandenburg war das Herzogtum Preu├čen weiter entwickelt. Die vom Deutschen Orden im Mittelalter hereingeholte Deutsche Oberschicht hatte sich zu einer erfolgreich produzierenden und handeltreibenden Klasse entwickelt. Diese Schicht kam in den St├Ądten zu einem beachtlichen Reichtum. Das Herzogtum Preu├čen blieb lange Zeit wirtschaftlich vom Gesamtstaat isoliert. Dies gilt im besonderen f├╝r die wichtigste Handelsstadt Brandenburg-Preu├čens K├Ânigsberg. Die Stadt bl├╝hte in der ersten H├Ąlfte des 17. Jahrhundert wirtschaftlich auf, jedoch verlor sie durch Kriege, Pest und Steuerbelastung einen Gro├čteil des erreichten Wohlstandes wieder. Das Handelsvolumen welches K├Ânigsberg im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg hatte, wurde erst wieder im 18. Jahrhundert erreicht.

Die Provinzen im Westen bildeten im 17. Jahrhundert und noch weit dar├╝ber hinaus keine wirtschaftlichen Beziehungen zum Gesamtstaat aus. Dies lag an der r├Ąumlichen Distanz und an den vielen Zollstellen entlang der Handelsstra├čen (zwischen Cleve und Mark Brandenburg allein 46).

Hohenzollersche Landesteile:

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ÔćĹ Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte, S. 292
  2. ÔćĹ Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte, S. 326
  3. ÔćĹ Werner Schmidt, S. 85
  4. ÔćĹ Preu├čenJahrBuch ÔÇô Ein Almanach, S. 29
  5. ÔćĹ Friedrich-Wilhelm Henning: Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800, Sch├Âningh, Paderborn, 3. Aufl. 1977, Kapitel Die Bl├╝tezeit des Kameralismus, S. 233ÔÇô287, bes. Abschnitt 2 Der Drei├čigj├Ąhrige Krieg und seine Folgen, S. 238 ff.
  6. ÔćĹ Francis L. Carsten: Gutsherrschaft und Adelsmacht, in: Manfred Schlenke (Hrsg.): Preu├čen. Beitr├Ąge zu einer politischen Kultur, S. 28 ff., und das Kapitel Die st├Ąndische Agrargesellschaft, in: Peter Brandt (Bearb.): Preu├čen. Zur Sozialgeschichte eines Staates, S. 23 ff.
  7. ÔćĹ Hans Bentzien: Unterm Roten und Schwarzen Adler, Verlag Volk & Welt, Berlin 1992, Seite 58

Literatur

  • Ludwig H├╝ttel: Friedrich-Wilhelm von Brandenburg der Gro├če Kurf├╝rst 1620ÔÇô1688, S├╝ddeutscher Verlag, M├╝nchen 1981, ISBN 3-7991-6108-2
  • Ingrid Mittenzwei, Erika Herzfeld: Brandenburg-Preu├čen 1648 bis 1798. Das Zeitalter des Absolutismus in Text und Bild, Berlin (Ost) 1987, ISBN 3-373-00004-1. Anhang mit Sigelverzeichnis, Personenregister und Bildnachweis.
  • Ingo Materna, Wolfgang Ribbe, Kurt Adamy: Brandenburgische Geschichte, Akademie Verlag, ISBN 3-05-002508-5

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