Britische Ostindien-Kompanie

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Britische Ostindien-Kompanie
British East India Company
Flag of the British East India Company (1801).svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gr√ľndung 31. Dezember 1600
Auflösung 1. Januar 1874
Sitz London
Die Flagge der englischen Ostindien-Kompanie 1600-1707
Flagge 1707-1801
Flagge 1801-1858

Die Britische Ostindien-Kompanie (British East India Company), fr√ľher English East India Company, abgek√ľrzt EIC, war eine Ostindien-Kompanie, die durch einen Freibrief entstand, den K√∂nigin Elisabeth verschiedenen reichen Londoner Kaufleuten am 31. Dezember 1600 ausstellte. Die Gesellschaft erhielt den Namen Governors and Company of merchants of London trading to the East-Indies. Ihr wurde das Recht zugestanden, auf 15 Jahre s√§mtlichen Handel zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und der Magellanstra√üe abzuwickeln. Sie erhielt auch ein Siegel, konnte ihren Gouverneur und die 24 Direktoren selbst w√§hlen und durfte sich selbst Korporationsgesetze (by-laws) geben.

Zun√§chst r√ľstete man mit 72.000 Pfund Sterling f√ľnf Schiffe aus, die unter der F√ľhrung von Kapit√§n James Lancaster am 5. Juni 1602 bei Aceh auf Sumatra landeten. 1604 und 1610 folgten weitere Expeditionen dieser Art. Eine Gesandtschaft an den Gro√ümogul erwirkte das Recht, Handelsstationen an der Westk√ľste von Vorderindien einzurichten. Doch konnte man erst nach dem Sieg √ľber die widerstrebenden Portugiesen im Jahre 1612 dieses Privileg aus√ľben. In Madras und Hugli konnte die Kompanie gar erst 1640 wirksam werden, da dort die Holl√§nder Widerstand leisteten.

Karl II. best√§tigte am 3. April 1661 die fr√ľheren Privilegien und verlieh der Kompanie auch die Zivilgerichtsbarkeit, die Milit√§rgewalt und das Recht, mit den ‚ÄěUngl√§ubigen‚Äú in Indien Krieg zu f√ľhren und Frieden zu schlie√üen. Zudem √ľberlie√ü er der Kompanie die Stadt Bombay als Dank f√ľr die geleistete Arbeit und den abgelieferten Profit zum Lehen.

Sp√§ter erhielt die Kompanie von Jakob II. noch das Recht, Festungen zu bauen, Truppen auszuheben und M√ľnzen zu schlagen, um sie der Niederl√§ndischen Ostindien-Kompanie gleichzustellen. 1694 wurden die Privilegien erneut best√§tigt, jedoch nur unter gro√üen Protesten der vom Monopol ausgeschlossenen Kaufmannschaft im Londoner Parlament. Zunehmende Kritik erntete man auch aufgrund der dr√ľckenden Herrschaft in Indien. Die Regierung erteilte deshalb 1698 einer Konkurrenzgesellschaft die gleichen Rechte wie der ‚ÄěCompany of merchants‚Äú. Sie war deshalb gezwungen, sich 1708 mit dieser zur ‚ÄěUnited East-India Company‚Äú zusammenzuschlie√üen. Die Gesch√§fte der Gesellschaft bl√ľhten in nie gekanntem Ausma√ü und man erhielt einen bedeutenden Einfluss auf die politischen Verh√§ltnisse in Indien. In der Indiabill der Regierung Pitt wurde die Kompanie unter die Aufsicht eines Kontrollamts gestellt, das als Ministerialabteilung fungierte. In Handelsangelegenheiten behielt die Kompanie ihre alte Selbstst√§ndigkeit, doch wurde die Anstellung der h√∂heren Beamten, Richter und Heerf√ľhrer unter staatliche Aufsicht gestellt.

1813 verlor die Gesellschaft ihre Sonderrechte auf den Handel, behielt aber die oberste Gewalt in den b√ľrgerlichen und milit√§rischen Angelegenheiten. Zunehmende Aufst√§nde, zuletzt derjenige der Sipahi 1857, f√ľhrten dazu, dass man die Rechte der Kompanie an die britische Krone √ľbertrug. Hierzu erlie√ü das britische Parlament am 2. August 1858 eine neue Indiabill. Die letzte Sitzung der Direktoren fand am 30. August 1858 statt.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Von ihrem Hauptquartier in der Leadenhall Street in London organisierte sie die Gr√ľndung der britischen Kolonie Indien. Im Jahr 1717 erhielt die Gesellschaft ein kaiserliches Dekret vom Mogulkaiser in Indien, der sie von der Zahlung von Z√∂llen in Bengalen befreite. Dadurch erhielt sie einen bedeutenden Vorteil gegen√ľber ihren Konkurrenten. Ein entscheidender Sieg durch Sir Robert Clive in der Schlacht von Plassey 1757 lie√ü die Britische Ostindien-Kompanie auch zu einem milit√§rischen Machtfaktor werden. Bis zum Jahr 1760 konnten die Franzosen weitgehend aus Indien vertrieben werden. Nur einige Handelsniederlassungen an der K√ľste wie Pondicherry verblieben.

Die Kompanie hatte auch Interessen entlang der Routen von Gro√übritannien nach Indien. Schon 1620 versuchte die Kompanie, die Gegend um den Tafelberg in S√ľdafrika zu beanspruchen. Sp√§ter besetzte und beherrschte sie St. Helena. Ebenso wurden Niederlassungen in Hongkong und Singapur etabliert. Die Kompanie engagierte Kapit√§n Kidd, um gegen die Piraterie vorzugehen. Ebenfalls erweiterte sie die Teeproduktion in Indien. Ein anderes denkw√ľrdiges Ereignis in der Kompaniegeschichte war die Bewachung des Gefangenen Napoleon auf St. Helena. Auch bildeten ihre Waren den Gegenstand der Boston Tea Party in der Kolonie Amerika.

Die Flagge der Britischen Ostindien-Kompanie soll als Vorlage f√ľr die US-Flagge Stars and Stripes gedient haben.[1] Die britische Flagge stammt aus den Gr√ľndungsjahren im 17. Jahrhundert, Stars and Stripes wurde 1777 geschaffen.

Die Werften der Ostindien-Kompanie dienten als Vorbild f√ľr diejenigen in Sankt Petersburg, Teile ihrer Verwaltung sind in der indischen B√ľrokratie erhalten geblieben, und ihre Gesellschaftsstruktur war das erfolgreichste Modell einer Aktiengesellschaft.

Die Tributforderungen von Managern der Kompanie an das Schatzamt in Bengalen trugen zur gro√üen Hungersnot 1770‚Äď1773 bei, die Millionen von Menschenleben forderte.

Geschichte

Die Gr√ľndungsjahre

Die Gesellschaft wurde als The Governor and Company of Merchants of London Trading into the East Indies von einer Gruppe unternehmungslustiger und einflussreicher Gesch√§ftsm√§nner gegr√ľndet, die einen k√∂niglichen Freibrief mit einem exklusiven Recht (Monopol) zum Handel mit Indien f√ľr eine Dauer von 15 Jahren erhielt. Die Kompanie hatte 125 Anteilseigner und ein Grundkapital von 72.000 Pfund. Anf√§nglich konnte sie jedoch die niederl√§ndische Kontrolle √ľber den Gew√ľrzhandel kaum ersch√ľttern. Auch gelang es ihr zun√§chst nicht, einen dauerhaften St√ľtzpunkt in Indien zu errichten. Schlie√ülich erreichten ihre Schiffe Indien und legten in Surat an. Dort wurde dann auch 1608 ein Handelsst√ľtzpunkt errichtet. In den folgenden zwei Jahren konnte sie ihr erstes Handelskontor in Machilipatnam an der Koromandelk√ľste in der Bucht von Bengalen aufbauen. Die hohen Gewinne, die von der Kompanie in Indien gemeldet wurden, veranlassten K√∂nig James I., auch anderen britischen Handelsgesellschaften Lizenzen zu erteilen. Doch 1609 erneuerte er den Freibrief der Kompanie f√ľr unbestimmte Zeit, mit der Einschr√§nkung, dass der Freibrief nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Gewinne au√üer Kraft treten w√ľrde.

Niederlassungen in Indien

Ihre H√§ndler waren h√§ufig in Zusammenst√∂√üe mit ihren niederl√§ndischen Gegenspielern im Indischen Ozean verwickelt. Vielleicht sah man die Nutzlosigkeit von Handelskriegen in fernen Gew√§ssern ein, jedenfalls entschlossen sich die Briten, M√∂glichkeiten einer dauerhaften Niederlassung auf dem indischen Festland zu erkunden. Man veranlasste die britische Regierung, eine diplomatische Initiative zu beginnen. 1615 wurde Sir Thomas Roe von James I. beauftragt, den Mogulkaiser Jahangir aufzusuchen, der 70 Prozent des Subkontinents beherrschte. Das Ziel dieser Mission war es, ein Handelsabkommen abzuschlie√üen, das der britischen Ostindien-Kompanie exklusive Rechte geben w√ľrde, sich in Surat und anderen Gegenden niederzulassen und Kontore zu gr√ľnden. Im Gegenzug bot die Kompanie an, den Kaiser mit Waren und Luxusg√ľtern aus Europa zu versorgen. Die Mission war √ľberaus erfolgreich, und Jahangir √ľbermittelte ein Schreiben an James I., in dem er schrieb:

Auf die Versicherung Ihrer k√∂niglichen Liebe hin habe ich allgemeinen Befehl an alle K√∂nigreiche und H√§fen meiner Herrschaft gegeben, alle H√§ndler der englischen Nation als die Untertanen meines Freundes zu empfangen; dass sie, wo auch immer sie w√§hlen zu wohnen, sie vollkommene Freiheit ohne Einschr√§nkung genie√üen; und wo auch immer sie ankommen sollen, weder Portugal noch irgendjemand anderes es wagen soll, ihre Ruhe zu st√∂ren; und wo auch immer sie sich niedergelassen haben, habe ich meine Gouverneure und Hauptleute angewiesen, ihnen diejenige Freiheit einzur√§umen, die sie sich selbst w√ľnschen; zu verkaufen, zu kaufen und in ihr Land zu transportieren, wie sie es belieben.
Zur Best√§tigung unserer Liebe und Freundschaft w√ľnsche ich mir von Ihrer Majest√§t, ihren H√§ndlern zu befehlen, auf ihren Schiffen alle Arten von Luxusg√ľtern und pr√§chtige Waren zu transportieren, die meines Palastes w√ľrdig sind; und dass Sie mir Ihre k√∂niglichen Briefe bei jeder Gelegenheit senden, so dass ich mich Ihrer Gesundheit und erfolgreichen Angelegenheiten erfreuen kann; dass unsere Freundschaft gegenseitig und ewig w√§hrte.

Expansion

Mogulkaiserreich um 1700

Mit derartiger Unterst√ľtzung gelang es der Kompanie bald, die Portugiesen zu √ľbertreffen, die Niederlassungen in Goa und Bombay gegr√ľndet hatten. Ihr gelang es, Niederlassungen in Surat (Kontorgr√ľndung 1612), Madras (1639), Bombay (1668) und Kalkutta zu gr√ľnden. Im Jahr 1647 hatte die Kompanie 23 Kontore und 90 Angestellte in Indien. Die Hauptkontore wurden die Festungen Fort William in Bengalen, Fort St. George in Madras und Bombay Castle. Im Jahr 1634 erweiterte der Mogulkaiser seine Gastfreundschaft f√ľr die englischen H√§ndler in der Region Bengalen (und im Jahr 1717 befreite einer seiner Nachfolger sie vollst√§ndig von den Z√∂llen f√ľr Waren). Das Kerngesch√§ft der Kompanie waren nun Baumwolle, Seide, Indigo-Farbstoff, Salpeter und Tee. W√§hrend der gesamten Zeit versuchte sie, in das niederl√§ndische Gew√ľrzmonopol in der Stra√üe von Malakka vorzudringen. Im Jahr 1711 errichtete die Kompanie eine Handelsniederlassung in Kanton, China, um mit Tee Silber einzutauschen. 1657 erneuerte Oliver Cromwell den Freibrief von 1609, und veranlasste geringf√ľgige Ver√§nderungen in der Eigent√ľmerstruktur der Kompanie.

Die Stellung der Kompanie wurde durch die Wiederherstellung der Monarchie in Gro√übritannien erh√∂ht. Durch eine Folge von 5 Gesetzeserl√§ssen um das Jahr 1670 stattete K√∂nig Charles II. sie mit den Rechten aus, selbstst√§ndig Territorien zu erwerben, Geld zu pr√§gen, Festungen und Truppen zu befehligen, B√ľndnisse einzugehen, Krieg zu erkl√§ren, Frieden zu schlie√üen und sowohl Zivil- als auch Strafgerichtsbarkeit in den erworbenen Gebieten auszu√ľben. Die Kompanie, von Handelskonkurrenten, anderen imperialen M√§chten und zeitweilig feindlich gesinnten einheimischen Herrschern umgeben, hatte einen wachsenden Bedarf an milit√§rischem Schutz. Deshalb war die Freiheit, ihre milit√§rischen Angelegenheiten selbst zu regeln, ein willkommenes Geschenk, und die Kompanie stellte ab 1680 rasch ihre eigenen Streitkr√§fte auf, die sie haupts√§chlich aus der einheimischen Bev√∂lkerung rekrutierte. Somit kann man dar√ľber diskutieren, ob die Kompanie ab 1689 auf dem indischen Festland einen Staat darstellte, da sie weitgehend souver√§n war. Sie verwaltete die riesigen Gebiete von Bengalen, Madras und Bombay, zudem besa√ü sie vortreffliche und ehrfurchtgebietende milit√§rische Schlagkraft.

Der Weg zum vollkommenen Monopol

Handelsmonopol

Der Wohlstand, den die Angestellten der Kompanie genossen, erm√∂glichte ihnen, in ihre Heimat zur√ľckzukehren und dort gro√üe Verm√∂gen und Unternehmen zu erwerben, und dadurch politische Macht zu erlangen. Daraus folgend entwickelte die Kompanie ihre eigene Lobby im Parlament. Trotz allem geriet sie unter Druck ehrgeiziger Gesch√§ftsleute und fr√ľherer Partner der Kompanie (absch√§tzig von der Kompanie Gespr√§chspartner genannt), die ebenfalls private Handelsfirmen in Indien etablieren wollten. Dies f√ľhrte zur Verabschiedung eines Deregulierungsgesetzes 1694. Dieses Gesetz erlaubte es jeder englischen Firma, mit Indien zu handeln, sofern es nicht ausdr√ľcklich durch ein Parlamentsgesetz verboten war. Hierdurch wurde der Freibrief aufgehoben, der beinahe 100 Jahre in Kraft gewesen war. Durch ein Gesetz von 1698 wurde eine neue ‚Äěparallele‚Äú Ostindien-Kompanie (offiziell English Company Trading to the East Indies genannt) ins Leben gerufen, die √ľber eine staatliche B√ľrgschaft von 2 Millionen Pfund verf√ľgte. Doch bald erwarben die m√§chtigen Anteilseigner der alten Kompanie f√ľr 315.000 Pfund Anteile an dem neuen Konzern und beherrschten die Gesellschaft. Die beiden Gesellschaften konkurrierten eine Zeit lang sowohl in England als auch in Indien um Marktanteile. Schnell wurde jedoch klar, dass die urspr√ľngliche Gesellschaft kaum messbaren Wettbewerb sp√ľrte. Beide Gesellschaften fusionierten im Jahr 1702 unter einem dreiseitigen Abkommen zwischen dem Staat und den zwei Gesellschaften. Diesem Abkommen zufolge lieh die fusionierte Gesellschaft dem Finanzministerium eine Summe von 3.200.000 Pfund und erhielt im Gegenzug f√ľr drei Jahre exklusive Handelsrechte ‚Äď danach sollte die Situation erneut begutachtet werden. Die verschmolzene Gesellschaft wurde zur United Company of Merchants of England Trading to the East Indies (Vereinigte Gesellschaft der H√§ndler Englands, die mit Ostindien handeln).

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein Hin-und-Her zwischen der Lobby der Ostindien-Kompanie und dem Parlament. Die Kompanie versuchte, ihre Privilegien dauerhaft zu etablieren, w√§hrend das Parlament nicht freiwillig die M√∂glichkeit aufgeben wollte, die Gewinne der Kompanie abzusch√∂pfen. Im Jahr 1712 erneuerte ein Gesetz den Status der Kompanie, doch die Verbindlichkeiten wurden zur√ľckgezahlt. Im Jahr 1720 kamen 15 % der britischen Einfuhren aus Indien, und beinahe alle davon wurden √ľber die Ostindien-Kompanie abgewickelt. Dies verst√§rkte den Einfluss ihrer Lobby. Im Jahr 1730 wurde die Lizenz durch ein neuerliches Gesetz bis 1766 verl√§ngert.

Zu dieser Zeit wurden Gro√übritannien und Frankreich zu erbitterten Rivalen, und es kam zu h√§ufigen Gefechten zwischen ihnen um die Kontrolle ihrer kolonialen Erwerbungen. Im Jahr 1742 f√ľrchtete die britische Regierung die finanziellen Auswirkungen eines Krieges und stimmte der Ausweitung des Handelsmonopols der Ostindien-Kompanie mit Indien bis 1783 zu. Im Gegenzug erhielt sie einen weiteren Kredit von einer Million Pfund. Die Gefechte m√ľndeten in dem bef√ľrchteten Krieg, und zwischen 1756 und 1763 lenkte der Siebenj√§hrige Krieg die staatliche Aufmerksamkeit auf die Verst√§rkung und Verteidigung ihrer Territorien in Europa und Nordamerika. Der Krieg fand auch auf dem indischen Subkontinent statt, zwischen den Truppen der Ostindien-Kompanie und franz√∂sischen Streitkr√§ften. Um dieselbe Zeit gewann Gro√übritannien durch die Ankunft der industriellen Revolution einen Vorsprung vor den europ√§ischen Rivalen. Die Nachfrage nach indischen Rohstoffen wurde durch den Bedarf der Wirtschaft und zur Unterhaltung der Truppen in Kriegszeiten angeschoben. Als Ausgangspunkt der industriellen Revolution erfuhr Gro√übritannien einen h√∂heren Lebensstandard, und dieser Zyklus aus Wohlstand, Nachfrage und Produktion hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den √úberseehandel. Die Ostindien-Kompanie wurde zum gr√∂√üten einzelnen Teilnehmer im britischen Welthandel, und reservierte sich eine unangreifbare Position in den Entscheidungsprozessen der Regierung.

Kolonialmonopol

Der Krieg endete mit einer Niederlage der franz√∂sischen Streitkr√§fte und begrenzte die franz√∂sischen imperialen Ambitionen. Auch begrenzte die Niederlage den Einfluss der industriellen Revolution in den franz√∂sischen Gebieten. Robert Clive, der Generalgouverneur von Indien, f√ľhrte die Ostindien-Kompanie zu einem bemerkenswerten Sieg gegen Joseph Fran√ßois Dupleix, den Kommandeur der Franzosen in Indien, und eroberte Fort St. George von diesen zur√ľck. Durch den Vertrag von Paris (1763) wurden die Franzosen gezwungen, ihren Handel durch kleine Enklaven in Pondicherry, Mah√©, Karaikal, Yanam und Chandernagor ohne milit√§rische Pr√§senz abzuwickeln. Obwohl diese kleinen Au√üenposten f√ľr zwei Jahrhunderte in franz√∂sischem Besitz blieben, wurden die franz√∂sischen Ambitionen auf indische Gebiete de facto begraben. Der Ostindien-Kompanie wurde dadurch ein gr√∂√üerer potenzieller Wettbewerber erspart. Im Gegensatz dazu war die Ostindien-Kompanie nach diesem kolossalen Sieg und mit dem R√ľckhalt ihrer disziplinierten und erfahrenen Armee in der Lage, ihren Einfluss weiter auszudehnen.

Lokaler Widerstand

Die Ostindien-Kompanie erfuhr jedoch weiterhin Widerstand von einheimischen Herrschern. Robert Clive f√ľhrte die Streitkr√§fte der Kompanie gegen Siraj-ud-Daula, der √ľber franz√∂sische Unterst√ľtzung verf√ľgte, in der Schlacht von Plassey 1757 zum Sieg. Hierdurch beseitigte er den letzten nennenswerten Widerstand in Bengalen. Dieser Sieg entfremdete die Briten und die Mogulkaiser, denen Siraj als autonomer Herrscher gedient hatte. Aber das Mogulkaiserreich befand sich nach dem Tod von Aurangzeb bereits im Niedergang und zerbrach in der Folge in St√ľcke und Enklaven. Nach der Schlacht von Baksar √ľbergab der nur noch formal herrschende Kaiser, Shah Alam, die Verwaltungsrechte √ľber Bengalen, Bihar und Orissa. So wurde Clive zum ersten britischen Gouverneur von Bengalen. Haider Ali und Tipu Sultan, die legend√§ren Herrscher von Mysore, machten den Briten das Leben schwer. Sie hatten sich mit den Franzosen verb√ľndet und setzten ihren Kampf gegen die Kompanie mit den vier Kriegen von Mysore fort. Mysore wurde schlie√ülich 1799 von den Briten eingenommen. Dabei wurde Tipu erschlagen. Mit dem allm√§hlichen Machtverlust des Maratha-Imperiums in der Folge des Krieges mit den Briten sicherten sich diese Bombay und dessen Umgebung. Bei diesen Feldz√ľgen bewies Arthur Wellesley, der sp√§tere Herzog von Wellington, das erste Mal seine F√§higkeiten, die schlie√ülich zu seinem Sieg in Spanien und in der Schlacht von Waterloo f√ľhrten. Ein besonders bemerkenswertes Zusammentreffen von Streitkr√§ften unter seinem Kommando war die Schlacht von Assaye. Damit sicherten sich die Briten das gesamte s√ľdliche Indien (mit Ausnahme der franz√∂sischen Enklaven und einiger einheimischer Herrscher), Westindien sowie Ostindien. Die letzten √úberreste der lokalen Verwaltung waren auf die n√∂rdlichen Regionen um Delhi, Avadh, Rajputana und Punjab begrenzt, wo sich die Pr√§senz der Kompanie inmitten der lokalen Auseinandersetzungen und zweifelhaften Schutzangeboten seitens der Kompanie immer weiter ausdehnte. 1848, nach dem Ersten und Zweiten Sikh-Krieg wurde auch der Punjab dem Gebiet der Kompanie angegliedert. Drohungen und Diplomatie verhinderten, dass die einheimischen Herrscher sich gegen die Kompanie verb√ľnden konnten. Die hundert Jahre zwischen dem Sieg in der Schlacht von Plassey bis zum gro√üen indischen Aufstand von 1857 waren eine gl√ľckliche Zeit f√ľr die Kompanie, die sich von einer Handelsgesellschaft immer mehr zu einem Staat entwickelte.

Regulierung der Angelegenheiten der Ostindien-Kompanie

Finanzielle Schwierigkeiten

Obwohl die Ostindien-Kompanie bei der Unterwerfung widerspenstiger Staaten immer brutaler und ehrgeiziger vorging, wurde es von Tag zu Tag offensichtlicher, dass die Kompanie nicht in der Lage war, die riesigen neu erworbenen Gebiete zu verwalten. Die Hungersnot von Bengalen, bei der ein Sechstel der einheimischen Bev√∂lkerung ums Leben kam, lie√ü zu Hause die Alarmglocken schrillen. Die Ausgaben f√ľr Milit√§r und Verwaltung in Bengalen stiegen wegen des Niedergangs der Produktivit√§t steil an. Zur selben Zeit herrschte in ganz Europa wirtschaftliche Stagnation und Depression, ausgel√∂st durch die Nachwehen der industriellen Revolution. Gro√übritannien wurde mit einer Rebellion in Nordamerika (einem der Hauptimporteure f√ľr Tee) konfrontiert, und Frankreich stand am Rande einer Revolution. Die verzweifelten Direktoren der Ostindien-Kompanie versuchten durch einen Appell an das Parlament, den Bankrott abzuwenden. Hierin baten sie um finanzielle Unterst√ľtzung. Daraufhin wurde der Tea Act von 1773 erlassen, in dem der Kompanie gr√∂√üere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels in Nordamerika einger√§umt wurde. Durch die monopolistischen Aktivit√§ten wurde jedoch die Boston Tea Party ausgel√∂st. Dies war eines der wichtigsten Ereignisse, die sp√§ter zum amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg f√ľhrten.

Regulierungsgesetz von 1773

Nachdem die Vereinigten Staaten die Unabh√§ngigkeit von Gro√übritannien erlangt hatten, wechselte der Blickpunkt der Briten auf die andere Seite des Globus nach Indien. Die f√ľr Indien bestimmten Armeen als auch diejenigen der Ostindien-Kompanie wuchsen, und mit ihnen auch die Betriebskosten. Die Kompanie wurde durch den Regulating Act for India 1773 gezwungen, sich einer Abfolge von Reformen der Verwaltung und der Wirtschaftlichkeit zu unterziehen. Trotz hartn√§ckigen Widerstandes der Ostindien-Lobby im Parlament und durch die Anteilseigner der Kompanie wurde das Gesetz verabschiedet. Es f√ľhrte bedeutsame Kontrollen durch die Regierung ein und erm√∂glichte es, Land formal unter die Kontrolle der Krone zu stellen, danach jedoch auf zwei Jahre zur Pacht von 40.000 Pfund an die Ostindien-Kompanie abzugeben. Unter diesen Bedingungen wurde der Gouverneur von Bengalen Warren Hastings in den Rang eines Generalgouverneurs bef√∂rdert. Ihm unterstand die Verwaltung von ganz Britisch-Indien. Diese sahen vor, dass seine Nominierung in Zukunft durch einen Viererrat geschehen sollte, der durch die Krone ernannt wurde. Ihm wurde die Macht √ľber Krieg und Frieden gegeben. Au√üerdem sollten britische Juristen nach Indien gesandt werden, um die Anwendung britischen Rechts sicherzustellen. Der Generalgouverneur und der Rat hatten damit vollst√§ndige legislative Kompetenzen. So wurde Warren Hastings zum ersten Generalgouverneur von Indien. Der Ostindien-Kompanie wurde es erlaubt, ihr Handelsmonopol zu behalten. Im Gegenzug musste sie alle zwei Jahre einen Betrag an die Krone leisten und sich verpflichten, ein Minimum an Waren nach Gro√übritannien zu exportieren. Auch die Verwaltungskosten mussten durch die Kompanie aufgebracht werden. Diese Bedingungen, die zun√§chst von der Kompanie begr√ľ√üt wurden, hatten jedoch ein negatives Nachspiel: der Kompanie waren j√§hrliche Lasten auferlegt, und ihre finanzielle Situation verschlechterte sich anhaltend.

Niedergang der Ostindien-Kompanie

In der Zwischenzeit fiel Hastings beim Viererrat in Ungnade. Der Rat kehrte nach Gro√übritannien zur√ľck und leitete ein Verfahren wegen Korruption gegen ihn ein, das schlie√ülich zu seiner Absetzung f√ľhrte. Der Regulating Act wurde als Fehlschlag betrachtet, da auf Anhieb klar wurde, dass die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen der Regierung und der Kompanie in h√∂chstem Ma√üe ungewiss und Auslegungssache war. Die Regierung f√ľhlte sich auch verpflichtet, humanit√§re Gesuche zu beachten, die sich um eine bessere Behandlung der einheimischen Bev√∂lkerung in britisch-besetzten Gebieten bem√ľhten. Edmund Burke, ein fr√ľherer Anteilseigner der Ostindien-Kompanie und Diplomat f√ľhlte sich veranlasst, die Situation durch das Einbringen einer India Bill 1783 zu entsch√§rfen. Das Gesetz wurde jedoch auf Grund intensiver Lobbyarbeit durch die Ostindien-Kompanie und wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft bei der Benennung von R√§ten verworfen. Trotz allem war dieses Gesetz ein wichtiger Schritt hin zur Zur√ľckdr√§ngung der Ostindien-Kompanie, und in dem Indien-Gesetz von 1784 wurde der Konflikt freundschaftlich beigelegt. Hierin wurde die Kontrolle von Regierung und Handel zwischen der Krone und der Kompanie sauber abgegrenzt. Nach diesem Wendepunkt funktionierte die Kompanie als reguliertes Tochterunternehmen der Krone, und die Kompanie dehnte ihren Einfluss auf die benachbarten Gebiete durch Zwang und Drohungen aus. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckte sich die Herrschaft der Kompanie √ľber weite Teile Indiens, Burmas, Singapur und Hong Kong, und 20 % der Weltbev√∂lkerung standen unter ihrer Kontrolle.

Die britische Einflusssph√§re dehnte sich weiter aus; im Jahr 1845 wurde die d√§nische Kolonie Tranquebar durch Gro√übritannien erworben. Die Kompanie hatte bei verschiedenen Gelegenheiten ihren Einfluss in China, auf den Philippinen und auf Java ausgeweitet. Ihren kritischen Mangel an Barmitteln zum Erwerb von Tee behob die Gesellschaft dabei durch den Export von in Indien hergestelltem Opium nach China. Die Anstrengungen Chinas, diesen Handel zu unterbinden, f√ľhrten zum ersten Opiumkrieg mit Gro√übritannien.

Eigene Ausbildung der Angestellten

1806 beauftragte die Gesellschaft den Architekten William E Wilkins mit dem Bau eines Colleges zur Ausbildung ihrer Zivilangestellten f√ľr Indien. Auf der Heide von Hertford, in der N√§he des Herrenhauses von Haileybury, erstellte er ein gro√ües Geb√§ude im Neo-klassischen Stil. Hier erfuhren Jungen zwischen 16 ‚Äď 18 Jahren, die von ihren Direktoren f√ľr eine "writership" ausgew√§hlt waren, ihre allgemeine und berufliche Ausbildung in zwei Jahren f√ľr den Dienst der Kompanie in Indien. In Indien erfolgte dann eine weitere Ausbildung in Fort William in Kalkutta, u. a. um die Sprache zu lernen. Haileybury College war eines der herausragenden Zentren f√ľr Lehren und Lernen und legte den Grundstein f√ľr viele Generationen, die sp√§ter Indien an ma√ügeblicher Stelle regierten. Das Internat der East India Company bestand 50 Jahre und schlo√ü 1858, als die Britische Regierung die Verwaltung Indiens √ľbernahm.[2]

Das Ende

Die Anstrengungen der Kompanie, Indien zu verwalten, dienten der britischen Zivilverwaltung als Vorbild, besonders im 19. Jahrhundert. Nachdem die Kompanie 1833 ihr Handelsmonopol verlor, wurde sie wieder zu einer reinen Handelsgesellschaft. Im Jahr 1858 verlor die Kompanie ihre Verwaltungsfunktion an die britische Regierung, nachdem ihre indischen Soldaten 1857 meuterten.

Dies geschah mit dem Government of India Act 1858, den das britische Parlament am 2. August 1858 unter dem Einfluss Palmerstons verabschiedete. Kernpunkte des Gesetzes waren:

  • die √úbernahme aller Territorien in Indien von der Ostindien-Kompanie, die zugleich die ihr bisher √ľbertragenen Macht- und Kontrollbefugnisse verlor.
  • die Regierung der Besitzungen im Namen der K√∂nigin Viktoria als Kronkolonie. Es wurde ein Secretary of State for India an die Spitze der beh√∂rdlichen Verwaltung gestellt.
  • die √úbernahme allen Verm√∂gens der Gesellschaft und das Eintreten der Krone in alle zuvor geschlossenen Vertr√§ge und Abmachungen.

Danach wurde Britisch-Indien zu einer formellen Kronkolonie. In den folgenden Jahren wurden die Besitzt√ľmer der Kompanie durch die Krone verstaatlicht. Die Kompanie verwaltete noch immer den Teehandel im Auftrag der Regierung, besonders nach St. Helena. Durch den East India Stock Dividend Redemption Act wurde die Kompanie am 1. Januar 1874 aufgel√∂st. Die Times berichtete:

Sie erreichte ein Werk, das als solches in der Menschheitsgeschichte nie zuvor von einem anderen Unternehmen versucht wurde, und das als solches wohl in Zukunft auch nicht wiederholt werden wird.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ The STRIPED FLAG of the EAST INDIA COMPANY, and its CONNEXION with the AMERICAN "STARS and STRIPES" - Article by Sir Charles Fawcett (englisch)
  2. ‚ÜĎ Geschichte des Haileybury College

Literatur

  • John Keay: The Honourable Company. History of the English East India Company. Harper Collins, London 1993, ISBN 0-00-638072-7 (englisch).
  • J√ľrgen G. Nagel: Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-18527-6.
  • Nick Robins: The Corporation that Changed the World. The East India Company and the Imperial Gene. How the East India Company Shaped the Modern Multinational. Pluto Press London u. a. 2006, ISBN 0-7453-2523-8 (englisch).

Weblinks

 Commons: Britische Ostindien-Kompanie ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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