Bruno Kreisky

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Bruno Kreisky
Bruno Kreisky (1980)

Bruno Kreisky (* 22. JĂ€nner 1911 in Wien; † 29. Juli 1990 ebenda) war ein österreichischer Politiker (SPÖ) und von 1970 bis 1983 Bundeskanzler der Republik Österreich. Teilweise gleichzeitig mit ihm waren die Sozialdemokraten Willy Brandt und Olof Palme Regierungschefs, mit denen er in der Sozialistischen Internationale eng zusammenarbeitete.

Kreisky engagierte sich schon als SchĂŒler fĂŒr die Sozialdemokratische Partei und wurde 1936 wegen seiner politischen TĂ€tigkeit vom austrofaschistischen Staat zu einem Jahr Kerker verurteilt. Nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten musste er nach Schweden emigrieren. Nach der Befreiung Österreichs war er zunĂ€chst in Schweden als Diplomat, dann ab 1951 in Wien als StaatssekretĂ€r und Minister in der österreichischen Außenpolitik tĂ€tig. 1967 ĂŒbernahm er den Parteivorsitz der nunmehrigen Oppositionspartei SPÖ, die er 1970 zur relativen Mehrheit fĂŒhrte.

Als Bundeskanzler regierte er daher zunĂ€chst mit einer von den Freiheitlichen tolerierten Minderheitsregierung; 1971, 1975 und 1979 erreichte er mit der SPÖ jeweils die absolute Mehrheit. War die erste HĂ€lfte seiner Regierungszeit von vielfĂ€ltigen Reformen geprĂ€gt, trat nach den Ölschocks von 1973 und 1979 die BekĂ€mpfung der Rezession in den Vordergrund. Um den Preis starker Budgetdefizite konnten lange ein hohes Wirtschaftswachstum und die von Kreisky stets als prioritĂ€r angesehene VollbeschĂ€ftigung gehalten werden.

Bei der Nationalratswahl 1983 ging die SPÖ von der absoluten auf die relative Mehrheit zurĂŒck; Kreisky trat als Kanzler zurĂŒck und zog sich aus der Innenpolitik zurĂŒck. In der Sozialistischen Internationale blieb er, so lang es seine Gesundheit zuließ, weiterhin aktiv.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Ausbildung (1911–1938)

Gedenktafel an Kreiskys Geburtshaus in Wien Margareten

Bruno Kreisky wurde als zweitĂ€ltester Sohn einer wohlhabenden assimilierten jĂŒdischen Familie in Wien Margareten geboren. Sein Vater Max Kreisky (1876–1944) war Generaldirektor der Österreichischen Wollindustrie AG und Textil AG, Zensor der Österreichischen Nationalbank, Mitglied des Zentralvereins der kaufmĂ€nnischen Angestellten und in der Emigration (ab 1942) Leiter einer Textilfabrik in Schweden. Seine Mutter war Irene Kreisky, geborene Felix (1885–1969), aus einer Familie von Lebensmittelproduzenten; die Marke Felix besteht bis heute.[1]

WĂ€hrend seiner Schulzeit kam er mit der Sozialdemokratie in Kontakt. Er trat zunĂ€chst dem Verband Sozialistischer MittelschĂŒler bei, wechselte aber 1927 zur Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Nach anfĂ€nglichem Widerstand gegen den BĂŒrgersohn stieg Kreisky in der Organisation auf: 1930 wurde er Vorsitzender der Regionalorganisation fĂŒr die Wiener Umlandgemeinden Purkersdorf, Klosterneuburg und Tulln, 1933 leitete er die Bildungs- und Kulturarbeit der SAJ.[2]

1931 trat Kreisky aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus. SpÀter bezeichnete er sich als Agnostiker.[3]

1929 begann Kreisky an der UniversitĂ€t Wien das Studium der Rechtswissenschaften. Er hatte ursprĂŒnglich Medizin studieren wollen. Otto Bauer, den Kreisky im gleichen Jahr kennengelernt hatte, ĂŒberzeugte ihn jedoch mit den Worten: „Die Partei braucht gute Juristen.“ WĂ€hrend der FebruarkĂ€mpfe 1934 gegen die autoritĂ€re Regierung Dollfuß war Kreisky an der Verteilung von Propagandamaterial beteiligt.

Nach der Niederschlagung der Sozialdemokratie nahm er am 18. Februar 1934 an einem Treffen ehemaliger SAJ-FunktionĂ€re im Wienerwald teil, wo die RevolutionĂ€re Sozialistische Jugend unter der Leitung von Roman Felleis und Kreisky gegrĂŒndet wurde. Kreisky nahm mehrfach an Treffen der nun illegalen Partei in der Tschechoslowakei teil.

Aufgrund seiner illegalen TĂ€tigkeit wurde Kreisky am 30. JĂ€nner 1935 wie auch Franz Jonas, Otto Probst und Anton Proksch verhaftet. In der Untersuchungshaft lernte er vom StĂ€ndestaat verfolgte Nationalsozialisten als „LeidensgefĂ€hrten“ kennen; darauf wurde zurĂŒckgefĂŒhrt, dass Kreisky spĂ€ter Beobachtern zufolge ehemalige Austrofaschisten weitaus heftiger ablehnte als ehemalige Nationalsozialisten.

Am 16. MĂ€rz 1936 begann unter großer Anteilnahme der auslĂ€ndischen Presse der sogenannte Sozialistenprozess. Die von Kreisky gehaltene Verteidigungsrede erregte in der auslĂ€ndischen Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit. Kreisky wurde wegen Hochverrats zu einem Jahr Kerker verurteilt. Am 3. Juni 1936 wurde er, da die Zeit der Untersuchungshaft auf die Strafe anzurechnen war, enthaftet sowie von allen Hochschulen relegiert.

Erst Anfang 1938 konnte Kreisky sein Studium fortsetzen. In der Zwischenzeit setzte er seine illegale TĂ€tigkeit fĂŒr die RevolutionĂ€ren Sozialisten fort. Am 14. MĂ€rz 1938, einen Tag nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, legte Kreisky das letzte Rigorosum ab. Der PrĂŒfer forderte ihn u. a. auf, den „Anschluss“ juristisch zu begrĂŒnden. Kreisky antwortete seinen eigenen Worten zufolge, er könne keine positive Antwort geben, da er die Rechtsgrundlage des Anschlusses bestreite. Der PrĂŒfer ließ ihn trotz dieser offenherzigen Antwort durchkommen.

Am 15. MĂ€rz 1938 wurde Kreisky in „Schutzhaft“ genommen. Im August wurde er unter der Bedingung, das Land zu verlassen, enthaftet. Kreisky stellte zunĂ€chst ein Auswanderungsansuchen fĂŒr Bolivien, erhielt dann aber vom Vorsitzenden der schwedischen Jungsozialisten, Torsten Nilsson, eine Einladung nach Schweden.[2]

Exil (1938–1950)

Kreisky emigrierte nach Schweden, wo er sich in Stockholm niederließ. Er konnte sich rasch etablieren; dabei halfen ihm seine Kontakte zu den Sozialdemokraten wie auch seine Verwandtschaft: Sein Cousin Herbert Felix war mit einer Schwedin verheiratet und fĂŒhrte das Unternehmen AB Felix.

Anfang 1939 fand Kreisky mit UnterstĂŒtzung seiner Freunde im Sekretariat der Stockholmer Konsumgenossenschaft eine Stellung als ökonomischer Berater. Daneben schrieb er Artikel fĂŒr schwedische und auslĂ€ndische Zeitungen. Im Juli 1939 nahm er in Lille am Kongress der Sozialistischen Jugendinternationale teil, wo er sich vehement gegen eine Fusionierung mit den kommunistischen JugendverbĂ€nden aussprach. Im sowjetisch-finnischen Winterkrieg war er als Kriegsreporter tĂ€tig. Im Februar 1940 trafen seine Eltern aus Wien in Schweden ein.[4]

Im Sommer 1940 lernte Kreisky den im norwegischen Exil lebenden Willy Brandt kennen, – der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Mit Brandt arbeitete Kreisky in der Internationalen Gruppe demokratischer Sozialisten, die auch "Kleine Internationale" genannt wurde, an Fragen der Nachkriegsordnung Europas.

1941 wurde Kreisky Obmann des Klubs österreichischer Sozialisten in Schweden. Er setzte sich frĂŒh fĂŒr die österreichische Eigenstaatlichkeit ein, die von den Exilanten etwa in London und New York noch abgelehnt wurde. Ebenso verwahrte er sich gegen Vereinnahmungsversuche durch die Kommunisten. Kreisky gelang es auch, dass die in Schweden internierten Wehrmachtssoldaten, die sich als Österreicher bekannten, als MilitĂ€rflĂŒchtlinge und nicht als Deserteure anerkannt wurden, wodurch sie den zivilen Behörden unterstanden. SpĂ€ter, 1953, sollten ihm deutschnationale Kreise in Österreich genau dies zum Vorwurf machen.[4]

Kreiskys Bruder Paul war 1938 nach PalĂ€stina ausgewandert. Er hatte auch nach dem Krieg wenig Kontakt mit seinem Bruder, was Kreisky in der Presse mehrmals vorgeworfen wurde. TatsĂ€chlich hat er seinen Bruder jahrzehntelang finanziell unterstĂŒtzt. Paul war nach frĂŒhen Krankheiten und einer Kopfverletzung psychisch labil und hatte Probleme, mit Geld umzugehen. Nach dem Tod Brunos setzte sein Sohn Peter die UnterstĂŒtzung fort. 25 von Bruno Kreiskys anderen engsten Verwandten fielen dem Holocaust zum Opfer.[5]

1942 heiratete Kreisky Vera FĂŒrth (1916–1988) aus einer jĂŒdischen Industriellenfamilie. Sohn Peter kam 1944 in Schweden auf die Welt, 1948 Tochter Suzanne.[4]

Nach der Befreiung Österreichs 1945 organisierte Kreisky schwedische Hilfslieferungen nach Österreich, ab Oktober 1945 als offizieller Beauftragter der schwedischen Regierung. So gelangten Medikamente, Trockenmilch und andere Lebensmittel besonders fĂŒr Kinder nach Österreich. Parteifreunde ließen ihm regelmĂ€ĂŸig Wunschlisten zugehen, die auch technische GerĂ€te und anderen zu dieser Zeit in Österreich nicht erfĂŒllbaren Bedarf umfassten.

Im Mai 1946 fuhr Kreisky nach Wien; er wollte wieder in die österreichische Politik einsteigen. Dies gelang ihm zunĂ€chst, wie vielen anderen, nicht: Remigranten waren damals nicht gern gesehen, auch fĂŒrchtete die SPÖ, wie in der Ersten Republik als „Judenpartei“ verunglimpft zu werden. Auf DrĂ€ngen von Renner, SchĂ€rf und Figl ging Kreisky nach drei Monaten zurĂŒck nach Schweden, um dort die österreichische Gesandtschaft aufzubauen, was ihm mit finanzieller UnterstĂŒtzung des schwedischen Außenministeriums auch gelang.

Ab 1947 war Kreisky LegationssekretĂ€r erster Klasse unter dem neuen österreichischen Botschafter Paul Winterstein. Kreisky setzte sich weiterhin fĂŒr die Österreichhilfe ein. Ende 1950 wurde Kreisky nach Wien zurĂŒckberufen, womit 12 Jahre Exil zu Ende gingen.[6]

Vom Berater zum Politiker (1951–1959)

Kreisky trat am 2. JĂ€nner 1951 seine neue Stelle als Legationsrat dritter Klasse in der wirtschaftspolitischen Abteilung der Sektion fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt in Wien an. Er war mit Hans Igler, spĂ€ter PrĂ€sident der Industriellenvereinigung, verantwortlich fĂŒr die Erstellung von WirtschaftsplĂ€nen und DevisenĂŒbersichten. Im April ĂŒbersiedelte auch Kreiskys Familie nach Wien.[6]

Berater BundesprĂ€sident Körners (1951–1953)

Am 27. Mai 1951 wurde der Wiener BĂŒrgermeister Theodor Körner, damals bereits 78, zum BundesprĂ€sidenten gewĂ€hlt, zum ersten Mal durch das Volk. Im Juni 1951 wurde Kreisky zu dessen außenpolitischem Berater (spĂ€ter mit dem Titel eines Kabinettsvizedirektors) ernannt. SPÖ-Chef Vizekanzler Adolf SchĂ€rf wollte damit dem als eigenwillig, zwanglos und gelegentlich wenig diplomatisch bekannten Körner einen versierten Assistenten zur Seite stellen.

Kreisky und Körner hatten einander bereits in den spĂ€ten zwanziger Jahren in einem von SchĂ€rf gebildeten Diskussionskreis kennengelernt. Nun war Kreisky in jeder Beziehung eine große Hilfe fĂŒr den alten Mann, mit dem ihn langjĂ€hrige Freundschaft und gegenseitige WertschĂ€tzung verband.[7] Kreisky nahm an Körners GesprĂ€chsrunden mit den sozialistischen Regierungsmitgliedern teil und kam so in engen Kontakt mit der obersten Spitze der SPÖ.

FĂŒr eine Rede Körners wĂ€hrend der Feiern anlĂ€sslich des 30-Jahre-JubilĂ€ums der Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich in Eisenstadt am 11. November 1951 konzipierte Kreisky den Teil der Rede, in dem Körner als erster Vertreter des offiziellen Österreich eine mögliche NeutralitĂ€t des Landes zur Sprache brachte. Die Idee war schon 1944 von Julius Deutsch im amerikanischen Exil formuliert worden. Die Rede sorgte fĂŒr einiges internationales Aufsehen, auch wenn die Idee zunĂ€chst bei den alliierten BesatzungsmĂ€chten eher auf Ablehnung stieß.[6]

Am 31. MĂ€rz 1953, als bereits klar war, dass Kreisky von der Hofburg auf den Ballhausplatz ĂŒbersiedeln wĂŒrde, bezeichnete Körner Kreisky in einem Brief an SchĂ€rf prophetisch als den kommenden Mann in der Partei.[8]

StaatssekretĂ€r im Bundeskanzleramt (1953–1959)

Das Bundeskanzleramt in Wien, von 1953 bis 1966 sowie von 1970 bis 1983 Arbeitsplatz von Bruno Kreisky

Bei der Nationalratswahl vom 22. Februar 1953 behielt zwar die ÖVP (41,3 % der Stimmen) die Mandatsmehrheit, die SPÖ erreichte aber die Stimmenmehrheit (42,1 %). Dadurch politisch gestĂ€rkt, erhob sie in den Regierungsverhandlungen Anspruch auf zusĂ€tzliche StaatssekretĂ€re im Außen- und im Handelsministerium. Der bisherige Bundeskanzler Leopold Figl, von seiner Partei wegen zu großer Kompromissbereitschaft gegenĂŒber der SPÖ kritisiert, trat zurĂŒck.

Im April 1953 wurde Kreisky StaatssekretĂ€r fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten in der neuen Bundesregierung Raab I unter Außenminister Karl Gruber (ÖVP), der im November des gleichen Jahres durch Leopold Figl ersetzt wurde.

Kreisky war mit Figl an den Verhandlungen zum Staatsvertrag beteiligt. Er bildete im April 1955 mit Raab, SchĂ€rf und Figl die österreichische Delegation, die auf Einladung der Sowjetunion zu abschließenden Verhandlungen nach Moskau flog.

Dort gelang mit der von der Sowjetunion gewĂŒnschten Zusage der NeutralitĂ€t (womit die Einbindung Österreichs in die NATO verhindert werden sollte) der Durchbruch zum Vertragsabschluss. Man einigte sich darauf, dass Österreich nach dem In-Kraft-Treten des Staatsvertrages und dem Abzug der Besatzungstruppen seine immerwĂ€hrende NeutralitĂ€t nach dem Muster der Schweiz beschließen werde (Moskauer Memorandum).[9]

Den Wunsch Moskaus, dies im Staatsvertrag zu verankern, lehnten SchĂ€rf und Kreisky ab. Kreisky hĂ€tte den Begriff militĂ€rische BĂŒndnisfreiheit bevorzugt[10] (der der spĂ€teren RealitĂ€t besser entsprochen hĂ€tte); Raab hatte fĂŒr solche juristischen Feinheiten nichts ĂŒbrig.

Der Tag der Unterzeichnung des Staatsvertrages, der 15. Mai 1955, war fĂŒr Kreisky „der grĂ¶ĂŸte Tag [s]eines politischen Lebens“.[11]

Der beginnenden europĂ€ischen Integration stand die SPÖ positiv gegenĂŒber; wegen der NeutralitĂ€t und der Vorbehalte der Sowjetunion bezĂŒglich des staatsvertraglichen Anschlussverbotes war der Beitritt zur neugegrĂŒndeten EWG jedoch nicht möglich. Kreisky und die Regierung unterstĂŒtzten daher die britische Initiative einer Freihandelszone, die schließlich 1960 mit Österreich als Mitglied unter dem Namen EFTA gegrĂŒndet wurde.[12]

Abgeordneter zum Nationalrat (1956–1983)

Im November 1955 wurde Kreisky beim SPÖ-Parteitag in den Parteivorstand gewĂ€hlt, ohne auf der Kandidatenliste gestanden zu sein. Das gleiche wiederholte sich 1956. Bei der Nationalratswahl 1956 wurde StaatssekretĂ€r Kreisky im Wahlkreis St. Pölten in den Nationalrat gewĂ€hlt, dem er bis zu seinem Ausscheiden aus der Politik 1983 neben seinen RegierungsĂ€mtern angehören sollte. Dass Kreisky nicht in seiner Heimatstadt Wien kandidieren konnte, war darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass ihm die von Felix Slavik dominierte SPÖ-Landesorganisation Wien lang andere Politiker vorzog (auch als er 1967 fĂŒr den Parteivorsitz kandidierte).

Außenminister (1959–1966)

Nachdem die SPÖ bei der Nationalratswahl vom 10. Mai 1959 wie 1953 stimmenstĂ€rkste Partei geworden war (44,8 % gegenĂŒber 44,2 % fĂŒr die ÖVP) und nur um ein Mandat weniger erhalten hatte als die Kanzlerpartei, bot Raab der SPÖ das Finanzministerium an, die Kreisky dafĂŒr vorsah. Raab konnte sich allerdings in der ÖVP mit diesem Schachzug nicht durchsetzen und bot der SPÖ daher das Außenministerium an. Kreisky war dazu bereit, forderte aber, dass das Außenamt nicht mehr als AnhĂ€ngsel des Bundeskanzleramtes, sondern als eigenstĂ€ndige Institution gefĂŒhrt werde.[13]

Kreisky wurde nun im Sommer 1959 als Nachfolger Figls Außenminister im wie seit 1945 von einer „großen Koalition“ getragenen Kabinett Raab III. Das Außenamt, bis dahin formal eine Sektion im Bundeskanzleramt, wurde zum Bundesministerium fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten mit eigener Struktur aufgewertet. Dies brachte Kreisky das Wohlwollen der vorwiegend konservativen Beamtenschaft, auf die er sich auch weiterhin stĂŒtzte. Lediglich den Einfluss des ÖCV versuchte er einzudĂ€mmen. Einer seiner SekretĂ€re dieser Zeit war der parteilose spĂ€tere BundesprĂ€sident Rudolf KirchschlĂ€ger, zu den wenigen Sozialisten unter den Diplomaten zĂ€hlte Peter Jankowitsch.

Kreisky hielt seit den fĂŒnfziger Jahren stĂ€ndigen persönlichen Kontakt mit wichtigen Journalisten. Er beriet sich mit ihnen und „integrierte sie de facto phasenweise in sein politisches Wirken. 
 Gegen starke WiderstĂ€nde der Berufsdiplomaten heuerte er PR-Fachleute an, die ihm Zugang zu US-EntscheidungstrĂ€gern verschafften, so auch einen Privattermin bei John F. Kennedy“.[14]

Ost-West-Kontakte

Kreisky war als Außenminister wie vorher als StaatssekretĂ€r als politischer Kommunikator zwischen Ost und West tĂ€tig. Er erhielt aus der Sowjetunion und aus ihren Satellitenstaaten vertrauliche politische EinschĂ€tzungen, die er, wie Rathkolb festhielt, mit seinen eigenen Interpretationen und Analysen versah und an die USA oder andere westliche Politiker weiterleitete. Kreisky habe in Folge dessen gute Kontakte zum deutschen Bundeskanzler Adenauer und zum französischen StaatsprĂ€sidenten de Gaulle gehabt. Kreisky sei zwar ein ĂŒberzeugter Antikommunist gewesen, habe aber auf die friedliche Erosion des Ostblocks gesetzt. Am wichtigsten sei er als Übermittler gewesen, als er 1962 wĂ€hrend der Kubakrise einen sowjetischen Vorschlag zur Deeskalation an die Kennedy-Administration weitervermittelt habe; der Vorschlag sei angenommen worden.[15]

Gipfeltreffen 1961

Auf Initiative Kreiskys schlug US-PrĂ€sident Kennedy 1960 Wien als neutralen Ort zwischen den beiden großen Machtblöcken fĂŒr das Gipfeltreffen mit SowjetfĂŒhrer Nikita Chruschtschow vor, das im Juni 1961 hier stattfand. Auf Fotos und im Fernsehen war aber meist BundesprĂ€sident SchĂ€rf als offizieller Gastgeber zu sehen.

SĂŒdtirolproblem

Besonderes Augenmerk legte Kreisky auf die SĂŒdtirol-Frage. Das mehrheitlich deutschsprachig besiedelte SĂŒdtirol war 1918 / 1919 in Folge des Ersten Weltkriegs gegen den Willen eines Großteils der lokalen Bevölkerung an Italien angeschlossen worden; 1945 unternommene Initiativen zur RĂŒckgliederung an Österreich waren erfolglos geblieben. Auch die 1946 im Rahmen der Friedensverhandlungen von Paris im Gruber-De-Gasperi-Abkommen zugesicherte Landesautonomie war von Seiten des italienischen Staates faktisch nicht hinreichend umgesetzt worden. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten gefĂŒhrte bilaterale Verhandlungen zwischen Österreich und Italien brachten diesbezĂŒglich keine zufriedenstellenden Resultate im Sinne der deutschsprachigen SĂŒdtiroler.

In seiner Funktion als Außenminister brachte Kreisky das Problem daher 1960 als Streitfall zwischen Österreich und Italien vor die UNO-Generalversammlung und machte die SĂŒdtirol-Frage dadurch zu einer internationalen Angelegenheit, wobei die Vereinten Nationen Österreich und Italien schließlich offiziell zur Fortsetzung der GesprĂ€che aufforderten. Kreisky erzielte daraufhin 1964 bei einer Geheimkonferenz mit dem italienischen Außenminister Giuseppe Saragat erste nennenswerte Ergebnisse, welche die Grundlage fĂŒr das 1969 unter der ÖVP-Alleinregierung Josef Klaus verabschiedete SĂŒdtirol-Paket bildeten, nach dessen Realisierung beide Staaten 1992 (!) vor der UNO eine „StreitbeilegungserklĂ€rung“ abgaben. Kreisky hatte darĂŒber hinaus im Rahmen seines Engagements in SĂŒdtirol auch auf parteipolitischer Ebene bereits 1964 die Formierung eines sozialdemokratischen FlĂŒgels innerhalb der SĂŒdtiroler Volkspartei (SVP) unterstĂŒtzt, aus dem 1966 die Soziale Fortschrittspartei SĂŒdtirols (SFP) hervorgehen sollte.

Aktive Außenpolitik

Kreisky verfolgt eine sehr aktive Nachbarschaftspolitik mit den Staaten des Ostblocks. Seine Besuche in RumĂ€nien, Bulgarien und Ungarn waren jeweils die ersten eines westlichen Außenministers.[12] Weiters baute er die Beziehungen zu den Staaten der Dritten Welt aus. 1962 veranstaltete er eine Konferenz fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft. In der dort beschlossenen „Wiener ErklĂ€rung“ wurde zum ersten Mal Kreiskys Idee eines Marshallplans fĂŒr die Dritte Welt formuliert. Im Anschluss an die Konferenz grĂŒndete Kreisky das Wiener Institut fĂŒr Entwicklungsfragen (Vienna Institute for Development Studies), bis in die 80er Jahre der wichtigste Think-Tank in Österreich fĂŒr entwicklungspolitische Fragen.

1964 grĂŒndete Kreisky in der Tradition der 1754 von Maria Theresia gegrĂŒndeten und in der NS-Zeit geschlossenen Akademie die Diplomatische Akademie Wien.

Probleme der SPÖ

WĂ€hrend sich 1964 die ÖVP mit dem Wechsel von Josef Gorbach zu Josef Klaus als Kanzler personell erneuerte, befand sich die SPÖ in der Krise: Das Rundfunkvolksbegehren beschrĂ€nkte den Einfluss auf den ORF, die FußachaffĂ€re fĂŒhrte das UnterschĂ€tzen des Föderalismus durch die Partei vor Augen. Am schwersten wog aber die Olah-AffĂ€re um den SPÖ-GewerkschaftsprĂ€sidenten und Innenminister, der mit Gewerkschaftsgeldern die FPÖ und die „Kronen-Zeitung“ finanziert hatte. Zudem lehnte im Wahlkampf 1966 SPÖ-Chef Bruno Pittermann eine Wahlempfehlung durch die KPÖ nicht eindeutig ab.

Absolute Mehrheit der ÖVP (1966)

All dies kostete die SPÖ bei der Nationalratswahl 1966 viele Stimmen und brachte der ÖVP die absolute Mehrheit. Dennoch trat die ÖVP in Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ ein. Die Verhandlungen, die Kreisky neben Pittermann und Alfred Schachner-Blazizek auf Seiten der SPÖ fĂŒhrte, erwiesen sich bald als schwierig. Die SPÖ war in der Frage des Ganges in die Opposition gespalten: Pittermann, Karl Waldbrunner und Anton Benya etwa waren fĂŒr die Opposition, wĂ€hrend vor allem Kreisky vor dem Gang in die Opposition warnte und einen RĂŒckfall in die Erste Republik befĂŒrchtete. Die ÖVP bildete schließlich eine Alleinregierung, die SPÖ ging in Opposition.[16]

OppositionsfĂŒhrer (1967–1970)

Kreisky verblieb als Abgeordneter im Nationalrat. Beim Parteitag am 1. Februar 1967 kam es um die Nachfolge von Bruno Pittermann als Parteivorsitzendem zu einer Kampfabstimmung zwischen dem ehemaligen Innenminister und Gewerkschafter Hans Czettel, einem nĂŒchternen Pragmatiker, und Bruno Kreisky, der durch seine Aufbruchsstimmung und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Nicht-Parteimitgliedern polarisierte. Kreisky wurde beim Parteitag von ÖGB-PrĂ€sident Anton Benya und Teilen der Wiener Partei scharf angegriffen. Dennoch stimmten im Parteivorstand 33 gegen 19 Personen fĂŒr eine Kandidatur Kreiskys.

Er wurde gegen den Widerstand einer Gruppe um Pittermann, Waldbrunner und Benya[17] – dieser attackierte Kreisky am Parteitag besonders offensiv[18] – von 347 von 497 Delegierten (69,8 %) zum Vorsitzenden der SPÖ gewĂ€hlt. Kreisky bemĂŒhte sich, die innerparteilichen GrĂ€ben rasch zuzuschĂŒtten. Besonders mit Benya gelang es ihm, zu einem guten EinverstĂ€ndnis zu gelangen. Dies wird als entscheidend fĂŒr Kreiskys spĂ€teren Erfolg als Parteivorsitzender gewertet.[16]

Kreisky ließ vom FrĂŒhjahr 1967 an ein umfassendes Reformprogramm unter dem Namen „FĂŒr ein modernes Österreich“ ausarbeiten, bekannter als „Kampagne der 1400 Experten“. In ihm wurden die Grundlinien der Wirtschafts-, Sozial-, Rechts- und Bildungspolitik festgeschrieben, die spĂ€ter die Anfangsjahre von Kreiskys Kanzlerschaft prĂ€gen sollten.[16] Hatte wenige Jahre vorher der Vorwurf eines GesprĂ€chs mit der bĂŒrgerlichen Tageszeitung „Die Presse“ noch wesentlich dazu beigetragen, im Parteivorstand die Absetzung Franz Olahs als Innenminister zu begrĂŒnden, so zeigte Kreisky, fĂŒr die SPÖ völlig neu, keinerlei BerĂŒhrungsangst mit Fachleuten, die keiner oder einer anderen Partei angehörten.

Den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei 1968 verurteilte Kreisky kategorisch. Die SPÖ organisierte humanitĂ€re Maßnahmen und Informationsveranstaltungen, wĂ€hrend die ÖVP-Regierung opportunistisch und taktisch vorging.[16] Dass Rudolf KirchschlĂ€ger, damals Botschafter in Prag, sich nicht an Ă€ngstliche Anweisungen aus Wien hielt, trug wesentlich dazu bei, dass ihn Kreisky 1970 zum Außenminister vorschlug.

Bundeskanzler (1970–1983)

Kreisky (sitzend 4. von links) bei der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki (1975)
Bruno Kreisky bei einem USA-Besuch im Februar 1983

Die ÖVP plakatierte im Wahlkampf 1970 Bundeskanzler Josef Klaus als „echten Österreicher“, womit sie indirekt auf Kreiskys jĂŒdische Herkunft und seine Emigration hinwies.[19] Die SPÖ zeigte Kreisky als wĂŒrdigen Staatsmann mit seiner bei Auftritten zu legendĂ€ren Gesten eingesetzten Brille in der Hand und verbreitete Schallplatten mit dem Wahlkampflied „Nimm dein Schicksal in die Hand“, gespielt von Jazzmusiker Erich Kleinschuster und seinem Ensemble, mit einer Stellungnahme Kreiskys und mit einem Interview mit Karl-Heinz Böhm, Kaiserdarsteller aus den ĂŒberaus erfolgreichen „Sissi“-Filmen mit Romy Schneider.

Bei der Nationalratswahl am 1. MĂ€rz 1970 erzielte die SPÖ die relative Mehrheit. Kreisky bildete eine Minderheitsregierung der SPÖ unter Duldung der FPÖ. Als Gegenleistung kam es zu einer Reform des Wahlrechts, das bis dahin große Parteien bevorzugt und kleine Parteien wie die FPÖ benachteiligt hatte. Pelinka hielt es fĂŒr die politische AtmosphĂ€re in Österreich typisch, dass Kreisky als neuer Regierungschef „seinen ersten Â»Antrittsbesuch« bei niemandem anderen als beim Kardinalerzbischof von Wien absolvierte.“[20]

Der als Wiener „Nazi-JĂ€ger“ international bekannte ehemalige KZ-HĂ€ftling Simon Wiesenthal, AnhĂ€nger der ÖVP, kritisierte, dass vier Minister Kreiskys (Hans Öllinger, Josef Moser, Erwin FrĂŒhbauer und Otto Rösch) der NSDAP, der SS oder der SA angehört hatten. Kreisky kritisierte daraufhin den Kritiker: SS-Mann Öllinger, dem Kanzler von der SPÖ KĂ€rnten empfohlen, wurde ausgetauscht; die anderen waren nach Rathkolb „reine MitlĂ€ufer“.[21]

Bei den vorgezogenen Wahlen am 10. Oktober 1971 erreichte die SPÖ die absolute Mehrheit an Stimmen und Mandaten. Kreisky bildete sein zweites Kabinett. Das Wahlresultat sollte sich 1975 (Bildung der dritten Regierung Kreisky) und 1979 (letzte Regierung Kreisky) wiederholen (und ist nach 1979 fĂŒr keine Partei mehr der Fall gewesen).

Als die SPÖ bei der Nationalratswahl 1983 nicht mehr die absolute Mehrheit erhielt, lehnte es Kreisky (vermutlich auch durch sein Alter und seine angegriffene Gesundheit bewogen) ab, Vorsitzender einer Koalitionsregierung zu werden, und ĂŒbertrug diese Aufgabe seinem bisherigen Unterrichtsminister Fred Sinowatz. Er legte auch den Parteivorsitz zu dessen Gunsten nieder und zog sich, nachdem er zuvor eine „Kleine Koalition“ mit der FPÖ ausverhandelt hatte, ins Privatleben zurĂŒck. Die SPÖ ernannte ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden.

Allgemeine Politik

Der Zeitgeschichte-Experte Oliver Rathkolb analysierte 2005, „wie bei keinem Kanzler der Zweiten Republik vor ihm sprachen alle internen politischen Strukturbedingungen gegen Kreisky, aber alle sozialen und internationalen Trends fĂŒr ihn.“[22] Er schrieb Kreiskys Regierungszeit eine „Hochphase sozialer und politischer Zufriedenheit in den siebziger Jahren“ zu. Kreiskys Konzept einer aktiven und selbstbewussten NeutralitĂ€tspolitik und das Bestreben, außenpolitische Fragen und Themen breit und öffentlich zu diskutieren, hĂ€tten laut Rathkolb „diese Transformation von NeutralitĂ€t in einen Code fĂŒr Wohlstand, Sicherheit und internationale Reputation tief im kollektiven Bewusstsein verankert“.[23]

Andererseits thematisierte Rathkolb die „autoritĂ€ren KontinuitĂ€ten“, derer sich Kreisky bewusst gewesen sei, und nennt als Beispiel den Ortstafelsturm 1972 in den gemischtsprachigen Gebieten KĂ€rntens. Kreisky sei beim Versuch, Landeshauptmann Hans Sima in Klagenfurt zu Hilfe zu kommen, „selbst bei SPÖ-Mitgliedern auf teilweise offene feindselige Ablehnung“ gestoßen und habe daraufhin sein Engagement zu Gunsten der slowenischen KĂ€rntner reduziert.[24]

Rathkolb nahm 2005 einen Vergleich der FĂŒhrungsqualitĂ€ten der Kanzler seit 1945 vor:[25]

  • Er attestierte Bruno Kreisky einen hohen Grad an AuthentizitĂ€t und betont, dieser habe sie mit einem hohen Grad an Emotion versehen können.
  • Bei Kreisky war nach Rathkolb IntegritĂ€t ein zentraler Bestandteil seiner politischen Strategie.
  • Kreisky wurde besonderer Aktionismus< zugeschrieben, mit der er politische GestaltungsfĂ€higkeit gezeigt habe.
  • Der FĂŒhrungsstil Kreiskys wurde von Rathkolb als eher autokratisch eingeschĂ€tzt, obwohl er die Eigenkompetenz prominenter Minister wie Hertha Firnberg oder Christian Broda anerkannt habe.
  • Pionierleistungen habe Kreisky als internationaler Kommunikator und innenpolitischer Garant fĂŒr sozialen Ausgleich und stillen österreichischen Patriotismus erbracht.
  • Als Kommunikator sei Kreisky im Vergleich mit den anderen Bundeskanzlern seit 1945 der absolute Superstar gewesen.

Armin Thurnher verwies dazu darauf, dass Kreisky „es war, der regelmĂ€ĂŸig SonntagsspaziergĂ€nge mit einem Mann unternahm, den Passanten 
 fĂŒr den zustĂ€ndigen Staatspolizisten hielten: Hans Dichand.“ Denn die von Dichand dirigierte Kronenzeitung und der ORF hĂ€tten die Bilder und Vorstellungswelten jener Jahre gestiftet.[26]

Vier Minister gehörten allen vier Regierungen Kreiskys von 1970 bis 1983 auf volle Amtsdauer an: Justizminister Christian Broda, Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg, Otto Rösch, bis 1977 Innen-, dann Verteidigungsminister, und Handelsminister Josef Staribacher. Finanzminister Hannes Androsch gehörte ebenfalls allen vier Regierungen an, schied aber 1981 vorzeitig aus. Kreisky-Nachfolger Fred Sinowatz gehörte den drei Kabinetten ab 1971 an.

Aus dem Kabinett Kreisky IV wurden FrauenstaatssekretĂ€rin Johanna Dohnal (ab 5. November 1979) und Sozialminister Alfred Dallinger (ab 9. Oktober 1980) sehr bekannt. Umstritten war der 1971–1977 als Verteidigungsminister amtierende, möglicherweise in Waffenhandel verstrickte Berufsoffizier Karl LĂŒtgendorf, der Selbstmord verĂŒbt haben soll.

Innenpolitik

Sozialpolitik

Unter Vizekanzler und Sozialminister Rudolf HĂ€user (1970–1976) wurde der Wohlfahrtsstaat stark ausgebaut. 1970 wurden die Witwenpensionen erhöht. 1971 wurde der dreiwöchige Mindesturlaub eingefĂŒhrt. 1972 wurde die freiwillige jĂ€hrliche Gesundenuntersuchung auf Kosten der Sozialversicherung begonnen und fĂŒr Studierende die Möglichkeit zur freiwilligen staatlichen Krankenversicherung geschaffen. Ebenso wurden Studienzeiten und Arbeitslosigkeit in der Pensionsberechnung zum Vorteil des Versicherten besser berĂŒcksichtigt. 1974 wurden Familienbeihilfe und Geburtenbeihilfe erhöht. 1976 verkĂŒndete Kreisky, der Wohlfahrtsstaat sei weitgehend vollendet,[27] ab 1978 wurden Nettoausgaben bremsende Regeln eingefĂŒhrt.

Wissenschaftsministerium 1970 und Hochschulreform 1975

FĂŒr die Hochschulen wurde 1970 mit dem Bundesministerium fĂŒr Wissenschaft und Forschung unter Hertha Firnberg, der ersten sozialdemokratischen Ministerin Österreichs, erstmals ein eigenes Ministerium geschaffen; die StudiengebĂŒhren wurden abgeschafft: beides Signale fĂŒr die von Kreisky im Wahlkampf angekĂŒndigte Modernisierung des Landes. Mit dem UniversitĂ€ts-Organisationsgesetz 1975 sollte die Demokratisierung der UniversitĂ€ten erfolgen; in den UniversitĂ€tsgremien wurde die DrittelparitĂ€t zwischen Professoren, Mittelbau und Studenten festgeschrieben.[28]

VerkĂŒrzung des Wehrdiensts 1971

Ein Wahlslogan von 1970 war der Reduzierung der Wehrdienstzeit gewidmet gewesen: „Sechs Monate sind genug“. Diese VerkĂŒrzung trat mit einer Wehrrechtsnovelle per 1. JĂ€nner 1971 in Kraft. Die acht Monate Wehrdienst wurden allerdings durch sechs Monate Wehrdienst plus 60 Tage WehrĂŒbungen ersetzt. 1975 wurde das Konzept der Umfassenden Landesverteidigung beschlossen. Unter der FederfĂŒhrung von General Emil Spannocchi wurden die Grundlinien des Milizheeres, des Jagdkampfes und der Raumverteidigung festgelegt. [28]

Ortstafelsturm 1972 (siehe dort)
Leichterer Zugang zur Bildung

In der Schulfrage waren grundlegende Reformen aufgrund der nötigen Zweidrittelmehrheit in diesen Fragen nicht möglich, weshalb die von der SPÖ angestrebte Gesamtschule nicht verwirklicht werden konnte. Umfangreiche Maßnahmen sollten möglichst vielen jungen Menschen den Zugang zu höherer Bildung ermöglichen: kostenlose SchulbĂŒcher (1972), freie Schulfahrten (1972), Ausbau der Schulbeihilfen, Forcierung von Schulneubauten. Zur Demokratisierung des Schulbereiches wurde mit dem Schulorganisationsgesetz 1974 die Mitsprache von SchĂŒler- und Elternvertretern festgeschrieben. [28]

ArbeitszeitverkĂŒrzung 1974

1969 hatte die oppositionelle SPÖ ein Volksbegehren zur schrittweisen EinfĂŒhrung der 40-Stunden-Woche veranstaltet; rund 890.000 Menschen hatten dafĂŒr unterschrieben. Die Regierung Kreisky verkĂŒrzte am 28. November 1974, in Kraft getreten am 6. JĂ€nner 1975, die 1969 auf 43 Stunden begrenzte Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden.[29]

Familien- und Strafrechtsreform bis 1975

Unter Justizminister Christian Broda erfolgte die umfassende Modernisierung besonders des Familien- und Strafrechts, stammten deren Grundlagen noch aus den Jahren 1811 bzw. 1804. In der Minderheitsregierung fand die sogenannte kleine Strafrechtsreform statt, die unter anderem die Entkriminalisierung der HomosexualitÀt und der Ehestörung enthielt.

Die große Strafrechtsreform 1975 war innenpolitisch grĂ¶ĂŸtenteils unumstritten, ausgenommen die Fristenlösung, die Broda und Firnberg gegen die von Kreisky favorisierte Indikationslösung durchsetzten. Dieser Punkt belastete Kreiskys ansonsten gutes Einvernehmen mit der katholischen Kirche, besonders mit Kardinal Franz König. Im Familienrecht kam es zur Gleichstellung der Ehegatten, der Verbesserung der Rechtsstellung des ehelichen Kindes, der Gleichstellung unehelicher und ehelicher Kinder und zur Erleichterung der Scheidung. [28]

In Umfragen erwies sich allerdings, „dass eine Reihe von inhaltlichen Reformen 
 im Justizbereich keine breite Zustimmung fanden. Selbst die bereits vor 1970 abgeschaffte Todesstrafe wĂ€re bei einer Volksabstimmung wieder bejaht worden.“[30] SpĂ€ter wurde bei der Aufarbeitung des VerhĂ€ltnisses Österreichs zum Nationalsozialismus die „kalte Amnestie“ kritisiert, die darin bestand, dass mit Kreiskys Zustimmung unter Broda die Staatsanwaltschaften Verbrechen aus der NS-Ära nicht mehr vor Gericht brachten, nachdem mutmaßliche NS-TĂ€ter einige Male gegen die Evidenz von Geschworenengerichten freigesprochen worden waren.

Auseinandersetzung mit Simon Wiesenthal 1975

Simon Wiesenthal stieß vor der Nationalratswahl vom 5. Oktober 1975 darauf, dass FPÖ-Obmann Friedrich Peter bei einer im besetzten Osten aktiven SS-Terroreinheit tĂ€tig war. Er informierte BundesprĂ€sident Rudolf KirchschlĂ€ger, weil Kreisky keine absolute Mehrheit erwartete und eine SPÖ-FPÖ-Koalitionsregierung mit Peter als Vizekanzler anpeilte. KirchschlĂ€ger leitete die Information an Kreisky und Peter weiter.

Vier Tage nach der Wahl, bei der Kreisky zum zweiten Mal die absolute Mehrheit erreichte, veröffentlichte Wiesenthal seine Kritik an Peter bei einem PressegesprĂ€ch. Worauf bei Kreisky die Sicherungen durchbrannten (Lingens[31]); Rathkolb nannte Kreiskys Reaktion„ extrem und ĂŒberzogen“.[32] Kreisky begann am 10. Oktober 1975 mit heftigen, emotionalen Untergriffen gegen den persönlich untadeligen Wiesenthal, den er in die NĂ€he der Gestapo rĂŒckte.[33] Jedenfalls kam kaum jemand dem Juden Simon Wiesenthal gegen den „Sonnenkönig“ zu Hilfe (Lingens[34]). Die Wiederholung der bereits widerrufenen Behauptung fĂŒhrte spĂ€ter zur Verurteilung Kreiskys wegen ĂŒbler Nachrede. Kreisky blieb bis zum Ende seines Lebens Feind Wiesenthals. Siehe: Kreisky-Peter-Wiesenthal-AffĂ€re.

Volksabstimmung gegen Atomkraft 1978

Bruno Kreisky trat wie seine Partei fĂŒr den Bau von Kernkraftwerken in Österreich ein; die Atomenergie wurde fĂŒr die modernste Form der Energieerzeugung gehalten. In der Zivilgesellschaft waren aber Atomkraftgegner sehr erfolgreich, so dass sich Kreisky, um diesen den Wind aus den Segeln zu nehmen und in Erwartung der Zustimmung der Mehrheit, zu einer Volksabstimmung ĂŒber die Inbetriebnahme des vom Parlament beschlossenen und bereits gebauten Kernkraftwerks Zwentendorf entschloss. Bei dieser ersten Volksabstimmung in der Geschichte Österreichs stimmten allerdings 50,47 % der Abstimmenden gegen die Inbetriebnahme, womit die Atomenergie fĂŒr Österreich erledigt war. Kreisky verschmerzte die Niederlage bei der Abstimmung schnell und erzielte bei der Wahl im nĂ€chsten Jahr neuerlich die absolute Mehrheit. (Das 1978 beschlossene Atomsperrgesetz wurde 1999 einstimmig zum Verfassungsgesetz erweitert. Das Kraftwerk wird heute zu Schulungen auslĂ€ndischer Atomtechniker verwendet.)

Konferenzzentrum-Volksbegehren 1982

Kreisky war stets der Meinung, dass Österreich durch aktive Außenpolitik besser geschĂŒtzt werden könne als durch MilitĂ€r. Der UNO wurde wĂ€hrend des 1973–1979 erfolgten Baus der Wiener UNO-City in Aussicht gestellt, der Staat wĂŒrde neben dem exterritorialen internationalen Amtssitz- und Konferenzzentrum ein allgemein zugĂ€ngliches österreichisches Konferenzzentrum errichten, das von der UNO fĂŒr Tagungen, die in der UNO-City keinen Platz fĂ€nden, benĂŒtzt werden könne.

Die ÖVP argumentierte mit den hohen Baukosten und lehnte den Bau des Konferenzzentrums strikt ab. Sie initiierte 1982 das Volksbegehren dagegen, das von 1.361.562 Projektgegnern unterzeichnet wurde. Kreisky ließ das 1987 eröffnete heutige Austria Center Vienna dennoch bauen und bĂŒĂŸte dadurch an PopularitĂ€t ein (schon wenige Jahre spĂ€ter war des Konferenzzentrum völlig unbestritten).

Wirtschaftspolitik

Grundlegendes

Die Regierung Kreisky ĂŒbernahm von der ÖVP-Regierung Klaus ein geringes Budgetdefizit und geringe Staatsverschuldung (3 Milliarden €). Die ÖVP hatte 1968 versucht, höhere Schulden durch neue Steuereinnahmen (SPÖ: „Belastungspaket“) zu vermeiden, was angeblich 1970 zu ihrer Wahlniederlage beitrug. Die neue Regierung ĂŒbernahm auch eine im Vergleich zu anderen LĂ€ndern große Verstaatlichte Industrie, die im Wesentlichen 1945 unmittelbar nach dem Krieg entstanden war. Gemeinsam mit traditionellen Staatsbetrieben wie Bundesbahnen und Post lag somit eine betrĂ€chtliche Staatsquote in der Wirtschaft vor, die, was sich die Sozialdemokratie lang nicht eingestehen wollte, mit der zunehmenden wirtschaftlichen Liberalisierung in Europa nicht harmonieren sollte.

Bis heute kritisiert die ÖVP die unter Kreisky stĂ€ndig gestiegenen Staatsschulden, die 1980 mit 27 Milliarden € das Neunfache des Werts von 1970 erreichten.[35] Keiner Regierung nach Kreisky ist es gelungen, die Staatsschulden nennenswert zu reduzieren; die prozentuelle Steigerung der Schulden fiel etwas geringer aus als in der Ära Kreisky. (2011 liegen die österreichischen Staatsschulden bei 198 Milliarden €.)

2011 wurde anlĂ€sslich des 100. Geburtstags Kreiskys kritisch vermerkt: Die Schuldenkrise der EuropĂ€ischen Union scheint Kreisky 
 zu immunisieren; die Interventionen der EU und die Investitionsprogramme der Mitglieder werden gerne mit seiner Vorgehensweise verglichen. 
 
 intervenierte Kreisky ja nicht mit Staatsgarantien und Schulden, um einen Kollaps der FinanzmĂ€rkte in letzter Sekunde abzuwenden. Vielmehr basierte sein Handeln 
 auf einer Philosophie, die sich doch grundsĂ€tzlich vom Denken moderner Politiker unterscheidet, nĂ€mlich auf dem Glauben, dass sich ganze Volkswirtschaften, wenn nicht sogar die Welt, mit ökonomischen Eingriffen langfristig steuern lassen. 
 Recht hat Ortner in der „Presse“ 
 damit, dass in den siebziger Jahren der Grundstein fĂŒr eine nonchalante Verschuldungspolitik, fĂŒr ein Leben und einen Wohlstand auf Pump, gelegt wurde, von der sich Österreich bis dato weniger deutlich distanziert als viele andere Staaten.[36]

Partnerschaft und Konflikt mit Hannes Androsch

Kreisky fĂŒhrte zunĂ€chst die Wirtschaftspolitik der letzten 25 Jahre weiter; die KontinuitĂ€t ergab sich durch die hohe Bedeutung, die von Regierung und Opposition der Sozialpartnerschaft zugemessen wurde. Mit seinem langjĂ€hrigen und in Österreich bis heute populĂ€ren, aber auch umstrittenen Finanzminister Hannes Androsch kam Kreisky ĂŒberein, Infrastrukturprojekte und andere fĂŒr wichtig gehaltene neue Leistungen des Staates durch Kredite zu finanzieren. Den vormaligen ÖVP-Finanzminister Stephan Koren, der im Parlament als „Kassandra“ gegen die Defizitpolitik agierte, schlug Kreisky 1978 erfolgreich als PrĂ€sidenten der Österreichischen Nationalbank vor.

Gegen Ende der siebziger Jahre entfremdete sich Kreisky zunehmend von seinem „Jungstar“ und „Kronprinzen“ Androsch (beides Bezeichnungen der Medien), der ihn angeblich mit anderen jĂŒngeren SPÖ-Politikern 1974 in das durch den Tod Franz Jonas' frei gewordene Amt des BundesprĂ€sidenten wegloben wollte, um die Regierung selbst ĂŒbernehmen zu können. Dass Androsch in Wien eine grĂ¶ĂŸere Steuerberatungskanzlei betrieb, war Kreisky von Anfang an bekannt; er gab aber spĂ€ter an, nicht gewusst zu haben, dass diese Kanzlei auch AuftrĂ€ge staatseigener Betriebe annahm, und bezeichnete dies dann als unvereinbar mit den Aufgaben des Finanzministers. Dazu kam, dass Androsch Einnahmen ungeklĂ€rter Herkunft nicht versteuert hatte, was nach seiner Amtsperiode zu langwierigen Steuer- und Strafverfahren fĂŒhrte.

Der Konflikt Kreisky – Androsch fĂŒhrte, da beide Politiker ihre AnhĂ€nger mobilisierten, zu einer schweren innerparteilichen Belastungsprobe fĂŒr die SPÖ und letztlich 1981 auf Druck Kreiskys zum Ausscheiden des Vizekanzlers aus der Spitzenpolitik.

Austro-Keynesianismus

Unter Kreisky kam es zum Freihandelsabkommen mit der EG, zum Übergang zum Mehrwertsteuersystem, zu einer liberalen Reform der Gewerbeordnung und zur Konzentration in der staatlichen Stahlbranche (Stahlfusion, Edelstahlfusion), die sich letztlich nicht als erfolgreich erwies.[37] Die „Verstaatlichte“ blieb stĂ€ndig im Visier von Kritikern, weil hoher Gewerkschaftseinfluss in diesen Betrieben und politische Interventionen die europĂ€ische KonkurrenzfĂ€higkeit stark behinderten.

Die Rezession nach dem Ölschock 1973–1975, der nach Jahren des BudgetĂŒberschusses 1973 erstmals ein Defizit von 1,3 % des BIPs, 1975 von 4,5 % brachte und dann stabilisiert wurde, verlangte hohe Aufmerksamkeit der Regierung Kreisky fĂŒr die Wirtschaft. Damals endete auch das Bretton-Woods-System der stabilen Wechselkurse. Mit dem erklĂ€rten Ziel, die VollbeschĂ€ftigung zu halten, setzte die Regierung auf eine Mischung von politischen Maßnahmen („Policy Mix“), die spĂ€ter von Hans Seidel, StaatssekretĂ€r im letzten Kabinett Kreisky, als „Austro-Keynesianismus“ bezeichnet wurde: Steuerpolitik, HartwĂ€hrungspolitik, Wirtschaftspolitik im Einvernehmen mit den Sozialpartnern und weiterhin hoher Anteil an staatlichen Unternehmen.

Durch hohe (kreditfinanzierte) Investitionen konnte (ausgenommen 1975) bis 1980 ein hohes Wachstum des BIPs erzielt werden. Hohes Wirtschaftswachstum, VollbeschĂ€ftigung, niedrige Inflationsraten, geringer Anstieg der Lohnkosten, sozialer Friede mit Ă€ußerst wenigen Streiks machten Österreich zum „Musterland“ oder „Sonderfall“.[37]

Die HartwĂ€hrungspolitik fĂŒhrte aber auch zu einer sehr schlechten Leistungsbilanz, bis 1977 mit der Staffelung der Mehrwertsteuer (30 % auf LuxusgĂŒter, besonders Autoimporte) gegengesteuert wurde. Die Verstaatlichte Industrie behielt nach dem Konjunktureinbruch 1975 ihre hohen Investitionen bei und hielt auch den BeschĂ€ftigtenstand. Nötige Strukturanpassungen unterblieben, die Kapitalbasis der Betriebe wurde ausgehöhlt.[37]

Grenzen der Politik, Mallorca-Paket

Kreisky fasste sein Ziel der VollbeschĂ€ftigung in einem legendĂ€ren Ausspruch zusammen: „Mir sind ein paar Milliarden Schilling Schulden lieber als ein paar hunderttausend Arbeitslose.“[37] Dies ließ sich nicht auf Dauer erreichen. Die Abgabenquote erreichte in den siebziger Jahren 40 %, die Staatsschulden nahmen dramatisch zu. Mit Beginn der weltweiten Rezession 1981 war wegen der lĂ€ngst angespannten Budgetlage expansive Konjunkturförderung („Durchtauchen“ der Rezession) nicht mehr möglich.

1982 versuchten Kreisky und sein neuer Finanzminister Herbert Salcher, wie Rathkolb beschreibt, „in einem Überraschungscoup, den WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern vor der Wahl reinen Wein einzuschenken“[38]: Ein Steuerpaket sollte die Budgetsanierung bewirken. Kern des von Medien „Mallorca-Paket“ genannten MaßnahmenbĂŒndels, das in Kreiskys Ferienhaus auf Mallorca ausgearbeitet wurde, war eine heftig kritisierte Quellensteuer auf KapitalertrĂ€ge, die erst zehn Jahre spĂ€ter als Kapitalertragsteuer verwirklicht werden konnte.

Ab 1982 stieg die Arbeitslosigkeit deutlich, auch wenn sie im internationalen Vergleich niedrig blieb. Die verstaatlichten Unternehmen, insbesondere die Grundstoffindustrie wie VOEST und Vereinigte Edelstahlwerke (VEW) erhielten zwischen 1981 und 1985 fast 21 Milliarden Schilling Staatszuschuss, konnten aber spĂ€ter trotz Milliardenverlusten doch nicht im Staatseigentum gehalten werden. Neben ihrer Rolle in der VollbeschĂ€ftigungspolitik (nötige Rationalisierungen waren unterblieben) waren auch gescheiterte Spekulations- und AuslandsgeschĂ€fte Grund fĂŒr hohe Verluste (wie Intertrading-Skandal, Stahlwerk Bayou).[37]

Die Wirtschaftspolitik Kreiskys wurde 2011 anlÀsslich seines 100. Geburtstages öffentlich zumeist nicht speziell erwÀhnt.

Außenpolitik

Außenminister unter Kreisky

Das große Engagement, das Kreisky schon zuvor fĂŒr die Außenpolitik Österreichs gezeigt hatte – der zweite Band seiner Memoiren listete von 1953 bis zum Amtsantritt 1970 insgesamt 166 berufliche Auslandsreisen auf[39] –, setzte er als Bundeskanzler uneingeschrĂ€nkt fort. Er suchte fĂŒr die Position des Außenministers in seiner Regierung parteilose Diplomaten aus, die es von vornherein in Kauf nahmen, zumeist im Schatten des national und international sehr prĂ€senten Kreisky zu stehen: Rudolf KirchschlĂ€ger, in der Folge BundesprĂ€sident, Erich Bielka und Willibald Pahr. Die Bewerbung des 1970 ausgeschiedenen ÖVP-Außenministers Kurt Waldheim als UNO-GeneralsekretĂ€r (er wurde 1971 gewĂ€hlt) unterstĂŒtzte er voll.

Nahostkonflikt

Kreiskys weltweites Auftreten als Außenpolitiker ĂŒberstieg die Erwartungen an einen Politiker eines Kleinstaates bei weitem, umso mehr, als er sich nicht nur um Fragen im unmittelbaren Interesse Österreichs sorgte, sondern auch den Weltfrieden, Entwicklungshilfe und den Nahostkonflikt in seine Arbeit einbezog.

Er pflegte gute Beziehungen zu arabischen Politikern wie dem Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Sadat und dem libyschen Machthaber Gaddafi, den er in Wien begrĂŒĂŸte. Der palĂ€stinensischen Befreiungsorganisation PLO ermöglichte er die offizielle Einrichtung eines BĂŒros in Wien („PLO-Botschaft“). Gleichzeitig fungierte Österreich aber als Transitland fĂŒr sowjetische Juden, die nach Israel auswandern wollten, und setzte diese UnterstĂŒtzung der am 28. September 1973 erfolgten Geiselnahme in Marchegg zum Trotz, wenn auch weniger öffentlich, fort.

In Israel wurde aber heftig kritisiert, dass Kreisky wĂ€hrend der Geiselnahme im ORF die Schließung des jĂŒdischen Transitlagers in Bad Schönau in Niederösterreich zugesagt hatte. MinisterprĂ€sidentin Golda Meir gelang es bei ihrem Besuch bei Kreisky am 2. Oktober 1973 nicht, den Kanzler diesbezĂŒglich umzustimmen. In ihrer Verbitterung darĂŒber behauptete sie nach dem Besuch, man habe ihr im Bundeskanzleramt in Wien nicht einmal ein Glas Wasser angeboten.

SpĂ€ter erwarb sich, Pelinka zufolge, Kreisky durch seine Aussagen zu Menachem Begin speziell und zu Israel generell dort den Ruf, dem Typus „des sich selbst hassenden Juden“ zu entsprechen; oder, schlimmer noch, ein „jĂŒdischer Antisemit“ zu sein. Jedenfalls hĂ€tten Kreiskys Positionen zum Nahostkonflikt ihn zum Feindbild fĂŒr viele Israelis gemacht.[40]

Die OPEC-Geiselnahme von 1975 in Wien beirrte Kreisky in seiner Nahostpolitik ebenfalls nicht; als 1985 ein Terrorkommando einen Anschlag auf den Flughafen Wien unternahm, war Kreisky nicht mehr im Amt.

Zusammenarbeit mit Brandt und Palme

Gemeinsam mit dem deutschen Bundeskanzler Willy Brandt und dem schwedischen MinisterprĂ€sidenten Olof Palme, beide wie Kreisky Sozialdemokraten, förderte Kreisky den Nord-SĂŒd-Dialog und setzte sich fĂŒr eine aktive Friedens- und Entwicklungspolitik ein. Mit diesen beiden arbeitete er (auch nach seinem RĂŒcktritt als Bundeskanzler) auch in der Sozialistischen Internationale zusammen.

2011 wurde zum 100. Geburtstag Kreiskys betont, er sei als Außenpolitiker in der Geschichte der Republik Österreich eine singulĂ€re Erscheinung gewesen.

Altkanzler (1983–1990)

Nach Installierung der Kleinen Koalition zog sich Kreisky aus der Innenpolitik zurĂŒck. Als Kanzler wurde er am 24. Mai 1983 auf seinen Vorschlag von Fred Sinowatz abgelöst, im Oktober auch als Parteivorsitzender. Am 28. September 1983 schied er mit einer bewegenden Abschiedsrede aus dem Nationalrat aus, dem er seit 1956 angehört hatte. Wie er sagte, hatte er zum RĂŒcktritt als Bundeskanzler Tausende Briefe erhalten: Am eindrucksvollsten waren die Briefe Ă€lterer Frauen. Sie reichen von den Hilfsarbeiterinnen bis hinĂŒber zur ehemaligen Kaiserin von Österreich, und jeder wĂŒrde lĂŒgen, der sagte, daß ihm das gleichgĂŒltig sei.[41]

Danach entfremdete er sich immer mehr von der Partei. Dies begann mit der von Sinowatz 1984 vorgenommenen Entlassung seiner Minister Herbert Salcher und Erwin Lanc und erreichte seinen Höhepunkt, als die SPÖ unter Franz Vranitzky 1987 der ÖVP nach der Nationalratswahl, bei der sie Nr. 1 blieb, „sein“ Außenministerium ĂŒberließ und an Alois Mock ĂŒbergab, der als Oppositionspolitiker Kreiskys außenpolitischen Kurs stark kritisiert hatte. Aus Protest legte er den Ehrenvorsitz der Partei zurĂŒck. Erst im MĂ€rz 1990 sollte es zu einer vorsichtigen Versöhnung mit seinen Nachfolgern Sinowatz und Vranitzky kommen.[42]

Schwer trafen ihn die Ermordung seines Freundes Olof Palme 1986 und der Tod seiner Frau am 5. Dezember 1988. In diesen Jahren arbeitete Kreisky auch an seiner Autobiographie, deren dritter und letzter Band erst posthum erschien.[42]

Seine außenpolitischen Initiativen setzte Kreisky auch im Alter und trotz Krankheit fort: Er setzte sich fĂŒr den Nord-SĂŒd-Dialog ein sowie im Nahostkonflikt, wo er unter anderem nach dem Libanon-Krieg bei der Vermittlung eines israelisch-palĂ€stinensischen Gefangenenaustausches tĂ€tig war, was ihm heftige Kritik seitens der israelischen Rechten einbrachte.

Von 1986 bis 1989 leitete Kreisky die „UnabhĂ€ngige wissenschaftliche Kommission fĂŒr BeschĂ€ftigungsfragen in Europa“, deren Bericht „Zwanzig Millionen suchen Arbeit“ zugleich sein politisches VermĂ€chtnis darstellt.[42] 1989 beendete er seine TĂ€tigkeit fĂŒr die Sozialistische Internationale, deren stellvertretender Vorsitzender er seit 1976 gewesen war.[43]

Krankheit und Tod

Kreisky hatte in den siebziger Jahren Bluthochdruck und Diabetes. Im Dezember 1979 erlitt er nach der Eröffnung des Arlbergtunnels einen GefĂ€ĂŸverschluss im Auge. (Er selbst behauptete, aus Ärger und Aufregung ĂŒber den angeblich betrunken bei einem Empfang erschienenen Finanzminister Androsch plötzlich auf einem Auge erblindet zu sein. Andere behaupteten, ein vorbeifahrendes Auto habe ein Steinchen in sein Auge geschleudert.)

Ärzte in Boston, die Kreisky nach dem Fehlschlagen der Behandlung am Wiener AKH 1981 konsultierte, therapierten nach vom Wiener Augenarzt Anton Hommer 2011 veröffentlichten Unterlagen seines Vaters Peter GrĂŒn, dessen Patient Kreisky war, diesen wegen eines SekundĂ€rglaukoms mit Diamox. Dabei wurde anscheinend seine Schrumpfniere ĂŒbersehen und eine auf das Achtfache erhöhte Dosis verordnet. Dadurch wurde seine Niere anscheinend stark geschĂ€digt, am Auge nichts verbessert.

1982 beauftragte Kreisky in Hinblick auf die Nationalratswahl 1983 ein prominentes Ärzteteam mit einem Gutachten, da er den Gesundheitszustand des Bundeskanzlers als Wahlkampfthema befĂŒrchtete. Das Team hielt fest, der lebensbedrohliche Zustand der letzten Monate sei vorbei, es blieben aber die Gefahr der Überforderung des Herzens und die eingeschrĂ€nkte Nierenfunktion als Probleme. Kreisky zog es vor, diese Version nicht zu veröffentlichen.[44]

Im April 1984 unterzog sich der Dialysepatient Kreisky einer Nierentransplantation, nach der er sich besser fĂŒhlte. Ab Mitte der achtziger Jahre verschlechterte sich sein Zustand zunehmend. 1986 bis 1988 erlitt er mehrere SchlaganfĂ€lle, ein Oberschenkelhalsbruch schrĂ€nkte seine MobilitĂ€t ab 1987 stark ein, zuletzt erblindete er auch am anderen Auge.

Am 29. Juli 1990 starb Bruno Kreisky an Herzversagen. Er wurde am 7. August in einem StaatsbegrĂ€bnis am Wiener Zentralfriedhof (Ehrengruppe 32 C, Nummer 21 B) beigesetzt, die Grabrede (Lebwohl, mein lieber, schwieriger Freund) hielt Willy Brandt, fast ein halbes Jahrhundert lang sein politischer GefĂ€hrte und Lebensfreund.

Schriften (Auswahl)

Von Bruno Kreisky wurden unter anderen folgende Werke verfasst:

  • Zwischen den Zeiten. Erinnerungen aus fĂŒnf Jahrzehnten. Siedler, Berlin 1986, ISBN 3-88680-148-9.
  • Im Strom der Politik. Der Memoiren zweiter Teil. Siedler/Kremayr & Scheriau, Berlin/Wien 1988, ISBN 3-218-00472-1.
  • Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Herausgegeben von Oliver Rathkolb, Johannes Kunz und Margit Schmidt. Kremayr & Scheriau, Wien 1996, ISBN 3-218-00622-8.

Verschiedenes

AussprĂŒche und Anekdoten

Bruno Kreisky verfolgte den Leitspruch: „Ich bin 24 Stunden am Tag fĂŒr meine BĂŒrger erreichbar.“ In diesem Sinne stand seine Telefonnummer im öffentlichen Telefonbuch und wurde von vielen „einfachen Menschen“ auch genutzt.[45]

Bekannt ist das Zitat Bruno Kreiskys, mit dem er den ORF-Redakteur Ulrich Brunner am 24. Februar 1981 vor laufender Kamera maßregelte: „Lernen S' a bisserl Geschichte, Herr Reporter!“ Dass er in der Sache gegenĂŒber dem Journalisten, ĂŒbrigens einem loyalen Sozialdemokraten, eigentlich nicht recht hatte, ist aber beinahe vergessen.

Ebenso bekannt geworden ist sein mit sonorer Stimme gesagter Einleitungssatz „Ich bin der Meinung“, dem die eigentliche Botschaft in Kreiskys langsam artikulierter Sprechweise folgte.

Bruno Kreisky nannte die FebruarkĂ€mpfe 1934 Franz Endler zufolge spĂ€ter eine „Legende“. Weil „der Zufall regierte. Schlechter vorbereitet konnte nĂ€mlich ein Aufstand gar nicht sein.“[46]

Österreich versuchte nach 1945, möglichst viel ehemals deutsches Eigentum zu verstaatlichen. Kanzler Konrad Adenauer hielt dagegen: So, österreichisches Eigentum in Deutschland? Wissen Sie, Herr Kreisky, wĂŒĂŸte ich, wo die Gebeine Hitlers zu finden sind, wĂŒrde ich sie Ihnen liebend gern als österreichisches Eigentum zurĂŒckstellen.[47]

Meinungen ĂŒber Bruno Kreisky

  • „Er war ein Mann, der auf mich den Eindruck machte, als ob er alles besser wĂŒsste. Aber soweit ich mich erinnern kann, hat er sich nicht ĂŒber die deutsche Innen- und Außenpolitik geĂ€ußert, sodass es auch gar keinen Grund gab, miteinander stundenlang zu reden. Außer ĂŒber die Weltlage im Großen. Er hatte guten Überblick ĂŒber die Welt. 
 Er hatte wahrscheinlich einen besseren Überblick ĂŒber die Welt als De Gaulle oder dessen Nachfolger Pompidou und einen viel besseren als irgendeiner der amerikanischen PrĂ€sidenten, die ich gekannt habe. Denn Kreisky hatte immer die Geschichte sowohl der europĂ€ischen Staaten als auch der ganzen Welt im Hinterkopf. 


 dass ich von den ideologischen Debatten in der Sozialistischen Internationale nie viel gehalten habe. Ich hielt sie immer fĂŒr einen Klub von Leuten, die sich gegenseitig Ideologien erzĂ€hlten und hinterher in der Praxis etwas anderes machten. Sie hielten auch nicht viel von den Initiativen, die von diesem Gremium gesetzt wurden: im Nord-SĂŒd-Dialog oder in der Nahostpolitik? Richtig. Die ĂŒberschĂ€tzten alle ihre Bedeutung. 

An und fĂŒr sich war Österreich zu klein als Staat, um tatsĂ€chlich Einfluss nehmen zu können auf die Meinungsbildungsprozesse im Nahen Osten. Nachdem das nicht einmal die amerikanischen PrĂ€sidenten zustande gebracht hatten, konnte das der österreichische Bundeskanzler auch nicht. 
“ Helmut Schmidt[48]
  • „An der Bedeutungslosigkeit Österreichs leiden 
 Gewiss, es gab Ausnahmen: Bruno Kreisky und, zur Strafe, Kurt Waldheim. Der eine ein Monument politischen Talents, der andere ein Monument österreichischer Durchschnittlichkeit.“ Armin Thurnher[49]
  • „Die zweite Republik braucht 
 keine starken MĂ€nner 
 Aber das darf nicht zugegeben werden, weil ein solcher Zustand der 
 Sehnsucht widerspricht, doch um Himmelswillen endlich den großen Â»leader« vorgesetzt zu bekommen 
 
 Bruno Kreisky war Meister in der Kunst, diesen Widerspruch – scheinbar – aufzulösen. 
 er genoss bei Vertretern der gegensĂ€tzlichsten Interessen GlaubwĂŒrdigkeit. 
 Das, was Renner in höchst unruhigen Zeiten war, war Kreisky in – vergleichsweise – ruhigen: Â»a man for all seasons«.“ Anton Pelinka[50]
  • „Trotzdem hat es mir ungleich mehr VergnĂŒgen bereitet, in der Folge Bruno Kreisky zu wĂ€hlen, der dem Land rundum Öffnung beschert hat: Öffnung der Sozialdemokratie hin zur Mitte, Öffnung der Gesellschaft hin zum Linksliberalismus seines Justizministers Christian Broda, Öffnung eines, nach der Niederlage in zwei Weltkriegen, in sich zurĂŒckgezogenen Landes gegenĂŒber der internationalen Politik. Und leider auch Öffnung gegenĂŒber jenen braunen Geistern, die Österreich die schmerzlichste dieser Niederlagen beschert hatten.“ Peter Michael Lingens[52]
  • „Die WĂ€hlermehrheit war fĂŒr ihn kein vorgegebenes Faktum“, erinnert sich 
 die Journalistin Trautl Brandstaller, „sondern eine Mehrheit, um die er mit Argumenten kĂ€mpfte.“[53]
  • „
 hat 
 Kreisky durch Handschlag mit 
 Dr. Otto Habsburg“ [dieser fand 1972 statt] „– ohne sich im geringsten mit den mehr als problematischen politischen Äußerungen dieses Mannes zu identifizieren, zu befreunden – den Habsburgerstreit staatspolitisch beendet, der dazu beitrug, die Jahre der Ersten 
 und die der Zweiten Republik Österreich zu vergiften. 1978 wurde bekannt, dass Kreisky bereits Jahrzehnte zuvor Otto Habsburg als Botschafter Österreichs am Vatikan vorgeschlagen hatte.“ Friedrich Heer[54]
  • „Jedes zweite Obwohl, so konstatierte Marcel Proust in der Suche nach der verlorenen Zeit, ist ein verkapptes Weil. Nicht obwohl er Jude war, sondern weil er damit seine jĂŒdische Herkunft zu relativieren glaubte, bestellte Österreichs sonst so vernĂŒnftiger Bundeskanzler Bruno Kreisky gleich vier Ehemalige zu Ministern.“ Peter Michael Lingens[55]
  • „
 dass sich auch ein anderer Österreicher, der gut mit den Medien umgehen konnte, gerne mal als politischen Erben Kreiskys bezeichnet: Jörg Haider. Das ist natĂŒrlich grober Unfug. Bruno Kreisky selbst hat zu seinen Lebzeiten deutlich gesagt, was er von dem KĂ€rntner hielt, und hat dafĂŒr eine Geldstrafe von 21.000 Schilling wegen Beleidigung zahlen mĂŒssen: Er hatte Haider als lebensgefĂ€hrlichen Nazi bezeichnet.“ Franz Kotteder[56]
  • „Was Bruno Kreisky auszeichnete, war nicht ĂŒberragender Intellekt, sondern gesunder Hausverstand, gepaart mit sehr viel Fantasie und noch mehr Intuition. Diese Trias bescherte Österreich einen atemberaubenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruch und der SPÖ einen einzigartigen Höhenflug – aber seine UnfĂ€higkeit, Probleme analytisch zu Ende zu denken, bereitete ihren heutigen Niedergang vor.“ Peter Michael Lingens[57]
  • „Trotz Äußerungen wie Wenn die Juden ein Volk sind, sind sie ein mieses will ich nicht so weit gehen, Bruno Kreisky Antisemitismus zu unterstellen 
“ Peter Michael Lingens[58]

Auszeichnungen (Auswahl)

Bruno Kreisky erhielt folgende Auszeichnungen:

BĂŒste im Bruno-Kreisky-Park

Bruno-Kreisky-Preise

Nach Kreisky benannte Objekte (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

  • Andreas P. Pittler: Bruno Kreisky, rororo-Monographie, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-50583-5
  • Elisabeth Röhrlich: Kreiskys Außenpolitik. Zwischen österreichischer IdentitĂ€t und internationalem Programm (= Zeitgeschichte im Kontext; Bd. 2), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89971-553-8. (Rezension)
  • Gerald Szyszkowitz: Kreisky, Textbuch eines BĂŒhnenstĂŒcks, Freie BĂŒhne Wieden, Wien 2009

Einzelnachweise

  1. ↑ Website der Fa. Felix
  2. ↑ a b Biographischer Überblick und Chronologie. In: Bruno Kreisky: Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Herausgegeben von Oliver Rathkolb, Johannes Kunz und Margit Schmidt. Kremayr & Scheriau, Wien 1996, ISBN 3-218-00622-8, S. 333–365.
  3. ↑ Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 29.
  4. ↑ a b c Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 69-86.
  5. ↑ Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 19f, 230f.
  6. ↑ a b c Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 87–99.
  7. ↑ Eric C. Kollman: Theodor Körner. MilitĂ€r und Politik, Verlag fĂŒr Geschichte und Politik, Wien 1973, ISBN 3-7028-0054-9, S. 156 und 363
  8. ↑ Kollman, a. a. O., S. 373
  9. ↑ Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 101–113.
  10. ↑ Oliver Rathkolb: Die paradoxe Republik. Österreich 1945 bis 2005, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005, ISBN 3-552-04967-3, S. 177
  11. ↑ Bruno Kreisky: Zwischen den Zeiten. Erinnerungen aus fĂŒnf Jahrzehnten. Siedler, Berlin 1986, ISBN 3-88680-148-9, S. 476.
  12. ↑ a b Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 115–142.
  13. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 179
  14. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 188
  15. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 276 f.
  16. ↑ a b c d Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 143–171.
  17. ↑ Zum 15. Todestag Bruno Kreiskys. Ein RĂŒckblick politischer Kontrahenten aus der Distanz, Zitate aus Robert Kriechbauer: Die Ära Kreisky, Böhlau, Wien 2004 / 2005, ISBN 3-205-77262-8, ORF-Wissenschaftsredaktion, 2005
  18. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 189
  19. ↑ Klaus-Plakat 1970, Website des Demokratiezentrums Wien
  20. ↑ Anton Pelinka: Nach der Windstille. Eine politischeAutobiografie, Lesethek Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-99100-006-8, S. 42
  21. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 384
  22. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 184
  23. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 29
  24. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 72 f.
  25. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 213 ff.
  26. ↑ Armin Thurnher: Das Trauma, ein Leben. Österreichische Einzelheiten, Paul Zsolnay Verlag, Wien 1999, ISBN 3-552-04926-6, S. 185
  27. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 347
  28. ↑ a b c d Oliver Rathkolb: Die Kreisky-Ära (1970–1983). In: Rolf Steininger, Michael Gehler (Hrsg.): Österreich im 20. Jahrhundert. Band 2: Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Böhlau, Wien 1997, ISBN 3-205-98527-3, S. 305-343.
  29. ↑ BGBl. Nr. 2 / 1975 (= S. 361)
  30. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 71
  31. ↑ Peter Michael Lingens: Ansichten eines Außenseiters, Kremayr & Scheriau, Wien 2009, ISBN 978-3-218-00797-9, S. 148
  32. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 386
  33. ↑ Klaus Vogelauer: Die AffĂ€re Kreisky / Peter / Wiesenthal. Chronologie und HintergrĂŒnde eines atypischen Politskandals, Seminararbeit, UniversitĂ€t Wien, Wien 2002
  34. ↑ Lingens, a. a. O., S. 149
  35. ↑ Kreisky und das Geld, Leserbrief Bernhard Henning und Replik von Herausgeber Christian Rainer, in: Wochenmagazin profil, Wien, Nr. 5, 31. JĂ€nner 2010, S. 6
  36. ↑ Christian Rainer: Kreisky und das Geld, in: Website des Wochenmagazins profil, Wien, 22. JĂ€nner 2011
  37. ↑ a b c d e Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ueberreuter, Wien 1995, ISBN 3-8000-3981-8, S. 486–493.
  38. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 138
  39. ↑ Kreisky, Memoiren II, S. 413 f.
  40. ↑ Pelinka, a. a. O., S. 158
  41. ↑ Stenographisches Protokoll, 11. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich, XVI. Gesetzgebungsperiode, 28. September 1983, S. 710 ff.
  42. ↑ a b c Wolfgang Petritsch: Bruno Kreisky: Die Biografie. Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg 2010, ISBN 978-3-7017-3189-3, S. 373–401.
  43. ↑ Werner A. Perger: Abschied auf Raten. In: Wochenzeitung Die Zeit, Hamburg, Nr. 42, 14. Oktober 2010, Österreich-Ausgabe, S. 16.
  44. ↑ Herbert Lackner: Fatale Nebenwirkungen, in: Wochenmagazin profil, Wien, Nr. 5, 31. JĂ€nner 2011, S. 24 f.
  45. ↑ Georg Markus: Bruno Kreisky: Vor 25 Jahren endete eine Ära. Reihe „Geschichten mit Geschichte“. Kurier, 27. April 2008, S. 44–45. Artikel auf androsch.com (PDF; S. 2). Abgerufen am 11. JĂ€nner 2011.
  46. ↑ Franz Endler: Österreich zwischen den Zeilen. Die Verwandlung von Land und Volk seit 1848 im Spiegel der „Presse“, Verlag Fritz Molden, Wien 1973, ISBN 3-217-00467-1, S. 248
  47. ↑ Rathkolb, Paradoxe Republik, S. 39
  48. ↑ Joachim Riedl: Die Chemie war nicht gĂŒnstig, Interview mit Helmut Schmidt ĂŒber seinen Amtskollegen Bruno Kreisky und die Aussichtslosigkeit von dessen Nahost-Initiativen; in: Wochenmagazin Die Zeit, Hamburg, Nr. 4, 20. JĂ€nner 2011
  49. ↑ Thurnher, Trauma, a. a. O., S. 29
  50. ↑ Pelinka, a. a. O., S. 184
  51. ↑ Endler, a. a. O., S. 321
  52. ↑ Lingens, a. a. O., S. 13
  53. ↑ zitiert aus Franz Kotteder: Staatsmann mit vielen Gesichtern. Die Pasinger Fabrik zeigt eine sehenswerte Ausstellung ĂŒber Bruno Kreisky und seine Zeit, in: Tageszeitung SĂŒddeutsche Zeitung, MĂŒnchen, 22. November 2000
  54. ↑ Friedrich Heer: Der Kampf um die österreichische IdentitĂ€t, Hermann Böhlaus Nachf., Graz 1981, ISBN 3-205-07155-7, S. 113 f.
  55. ↑ Lingens, a. a. O., S. 91
  56. ↑ Kotteder in der SZ, a. a. O.
  57. ↑ Lingens, a. a. O., S. 115
  58. ↑ Lingens, a. a. O., S. 162
  59. ↑ RK-Terminvorschau vom 18. bis 27. Mai 1998. Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 15. Mai 1998. Siehe auch Wiener SchulfĂŒhrer des Stadtschulrates fĂŒr Wien: KMS Dr. Bruno-Kreisky-Schule und GTVS-Leberberg, Dr. Bruno-Kreisky-Schule. Alle: Abgerufen am 11. JĂ€nner 2011.
  60. ↑ Zu Suzanne (Schreibweise): vgl. auch Döbling: BV Tiller enthĂŒllte Bruno-Kreisky-BĂŒste. Presseaussendung des Presseinformationsdienstes der Stadt Wien, 18. Oktober 2000. Abgerufen am 11. 2011.
  61. ↑ Eintrag ĂŒber Bruno Kreisky im Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie abgerufen am 11. JĂ€nner 2011

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