Bueri

Gherardo Bueri (* um 1386 in Florenz; † 1449 in Lübeck) war ein Kaufmann und Bankier des 15. Jahrhunderts, der in der Hansestadt Lübeck tätig war.

Biografie

Die Hansestädte an der Ostsee fanden im Spätmittelalter nur schwer Anschluss an das Bankensystem, das die Italiener über die internationalen Handelsplätze (Brügge, Venedig, Barcelona, London, Genf usw.) entwickelt hatten. Das fast vollständige Fehlen von Banken in Deutschland, die in dieses Netzwerk eingebunden waren, ist es, was die Person Gherardo di Nicola Bueris für die Wirtschaftsgeschichte Lübecks und der Hanse heraushebt.

Bueri kam von Venedig nach Lübeck, wo er um 1407 als Angestellter der Medici-Niederlassung erwähnt wird. Deswegen wurde er auch Gerhard de Wale, also der Welsche genannt. Die in der Literatur behauptete Tätigkeit Bueris in Brügge beruht auf der Verwechslung mit einem Kaufmann namens de Buur.

Bueri, ein enger Verwandter der Medici,[1] gründete um das Jahr 1410 gemeinsam mit Ludovico Baglioni aus Perugia in Lübeck eine Bank. Offensichtlich hatte Giovanni de' Medici einen direkten Einfluss auf dieses Unternehmen.[2] Etwas später heiratete er die Tochter eines Lübecker Bürgermeisters und erwarb im Jahr 1428 auch das Bürgerrecht Lübecks.

Die Bank entwickelt sich aufgrund der guten Geschäftsverbindungen mit dem Bankhaus der Medici und zum Heiligen Stuhl gut, litt aber unter den wechselhaften Beziehungen zwischen Deutschland und dem Papsttum während des Schismas von Felix V.. Daneben wurden auch Warengeschäfte getätigt, unter anderem mit Rosenkränzen aus Bernstein und Fellen aus Russland. Zentraler Umschlagplatz all seiner Geschäfte war Venedig. Die Aktivitäten erstreckten sich neben den italienischen Bank- und Handelsplätzen auf Basel und Brügge. Die Bank war damit binnen kurzem für den Handel der Städte von Lüneburg über Lübeck bis nach Danzig und deren Kaufleute als Zahlstelle und Kreditgeber von nicht unerheblicher Bedeutung.

Die Bank wurde nach Bueris Tod 1449 von Benedict Stefani aus Lucca als Beauftragtem Cosimos von Medici und seiner Banca dei Medici als Gläubigerin liquidiert. Fortgesetzt wurde seine wirtschaftliche Aktivität bis 1472 durch seinen ehemaligen Angestellten Francesco di Filippo Rucellai. Dieser arbeitete jedoch nicht mehr als Korrespondent der Medici-Bank in Lübeck, sondern arbeitete mit dem in Rom tätigen Tommaso Spinelli zusammen. Versuche von Lübecker Bürgern unter Führung von Bürgermeister Hinrich Castorp unter eigenem finanziellen Engagement[3] mit Godeman van Buren einen Nachfolger zu installieren, scheiterten mit der Insolvenz van Burens 1472. Danach führten oberdeutsche Kaufleute, wie die aus Nürnberg kommenden Brüder Mulich diese Finanzgeschäfte vom Platz Nürnberg aus fort.[4] Ab 1619 übernahm die Hamburger Bank diese internationale Zahlungs- und Verrechnungsstellenfunktion für die nordostdeutschen Hansestädte bis zur Gründung der Reichsbank (1875).

Literatur

  • Jörgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse — Lebenswirklichkeit und Mythos, 2 Bde., Hamburg 1989. In: Katalog der Ausstellung des Museums für Hamburgische Geschichte in Hamburg 24. August - 24. November 1989. Textteil in 4. Auflage, Schmidt-Römhild, Lübeck 2006.
  • Philippe Dollinger: Die Hanse, 2. Auflage Stuttgart 1976 ISBN 3520371022
  • Gerhard Fouquet: Ein Italiener in Lübeck: der Florentiner Gherardo Bueri (gest. 1449). In: ZVLGA 78, 1998, S. 187-220.
  • Kurt Weissen: Briefe in Lübeck lebender Florentiner Kaufleute an die Medici (1424-1491). In: ZVLGA 83, 2003, S. 53-81.

Belege

  1. Cosimo Medicis Vater Giovanni di Bicci war mit Piccarda Bueri verheiratet.
  2. Baglioni (Beiname: Il collettore) war bereits seit 1402 von Lübeck aus im Auftrag von Papst Bonifatius IX. als päpstlicher Nuntius für den Transfer in Skandinavien erhobener Kollekten wie den Peterspfennig nach Rom zuständig.
  3. Sie stellten eine vom Rat geforderte Bürgschaft über 6.000 Mark lübisch.
  4. Diese Verlagerung der Handels- und Finanzwege auf den Messeplatz Frankfurt und die süddeutschen Städte war nicht zuletzt Folge der politischen Unsicherheit (Zerfall Burgunds) und wirtschaftlichen Rezession in Brügge aufgrund der Rosenkriege und der damit in Zusammenhang stehenden Bankenzusammenbrüche, nicht zuletzt der Banca dei Medici selbst. Vgl. Michael North: Oberdeutsche Konkurrenz in: Die Hanse - Lebenswirklichkeit und Mythos S. 161 - 164

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gherardo Bueri — (* um 1386 in Florenz; † 1449 in Lübeck) war ein Kaufmann und Bankier des 15. Jahrhunderts, der in der Hansestadt Lübeck tätig war. Biografie Die Hansestädte an der Ostsee fanden im Spätmittelalter nur schwer Anschluss an das Bankensystem, das… …   Deutsch Wikipedia

  • Piccarda de bueri — Piccarda de Bueri, dite Nannina, est l épouse de Jean de Médicis (1360 1429). Elle est décédée en 1432. Elle est la mère de : Antoine de Médicis (?? 1398) Damien de Médicis (?? 1390) Cosme de Médicis l Ancien (1389 1464) Laurent de Médicis l …   Wikipédia en Français

  • Piccarda de Bueri — Piccarda de Bueri, dite Nannina, est l épouse de Jean de Médicis (1360 1429). Elle est décédée en 1432. Elle est la mère de : Antoine de Médicis (?? 1398) Damien de Médicis (?? 1390) Cosme de Médicis l Ancien (1389 1464) Laurent de Médicis l …   Wikipédia en Français

  • Buchrain LU — LU ist das Kürzel für den Kanton Luzern in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Buchrainf zu vermeiden. Buchrain …   Deutsch Wikipedia

  • Medici Bank — For the private bank in Austria that failed due to its investment in Bernard Madoff s Ponzi scheme, see Bank Medici. Medici Bank Industry Banking Key people Giovanni di Bicci, Cosimo de Medici, Piero di Cosimo, Lorenzo de Medici, Francesco… …   Wikipedia

  • Liste der Biografien/Bud–Buj — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Mulich — Mathias Mulich (* vor 1470 in Nürnberg; † 1528 in Lübeck) war ein deutscher Fernhandelskaufmann des Spätmittelalters aus der Nürnberger Kaufmannsfamilie Mulich. Inhaltsverzeichnis 1 Herkunft 2 Geschäfte 3 Vermögen 4 Portrait …   Deutsch Wikipedia

  • Cosimo de' Medici — This article is about the founder of the Medici dynasty. For the Grand Duke of Tuscany, see Cosimo I de Medici, Grand Duke of Tuscany. Cosimo di Medici Portrait by Bronzino Spouse(s) …   Wikipedia

  • Medici bank — Infobox Defunct Company company name = Medici bank company fate = Shut down by authorities successor = foundation = c. 1397 defunct = 1494 location = Various; home branch in Florence, Italy industry = Banking key people = Giovanni di Bicci,… …   Wikipedia

  • Sagrestia Vecchia — Interior The Sagrestia Vecchia, or Old Sacristy, is a Christian building in Florence, Italy, one of the most important monuments of the early Italian Renaissance architecture. It is accessed from the inside of San Lorenzo[1] …   Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.