Buhnenwerder (Plauer See)

Die Insel Buhnenwerder von Süden, vom Breitlingsee her aufgenommen

Buhnenwerder ist eine Insel im Seengebiet der Brandenburger Havelseen. Sie wird unterschieden von der Möweninsel Buhnenwerder im Beetzsee bei Brandenburg an der Havel.[1] Sie gehört zum 192 Hektar großen Naturschutzgebiet „Buhnenwerder-Wusterau“.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Katasterkarte von Buhnenwerder mit Bearbeitungsvermerk aus dem Jahre 1933

Buhnenwerder ist umgeben vom Plauer See (Nordwesten und vom Breitlingsee von Südwesten bis Osten).

Buhnenwerder hat eine Fläche von 32 ha bei einer Länge (größte Nordnorost-Südsüdwest-Ausdehnung) von 1,19 km und einer Breite (größte Nordwest-Südost-Ausdehnung) von 450 m. Dabei gleicht der Grundriss der Insel annähernd einem Rechteck, das auf seine Südsüdwest-Spitze gestellt, an seinen Südsüdwest-, Ost- und Nordostecken mit ausgeprägten Landvorsprüngen versehen ist. Das Gelände steigt zur Mitte der Insel leicht an.

Entstehung

Buhnenwerder gehört mit den anderen Inseln des Plauer Seengebietes zu den „Resten einer Talsandebene östlich und südlich der Brandenburger Havelseen, die sich am Ende des Pleistozäns beim Abtauen der Gletscher der Weichseleiszeit zum Teil über Toteis ausbildete. Nach dem Austauen des Toteises blieben die zwischen verschiedenen Toteisblöcken liegenden Areale als isolierte Plateaus übrig, die heute die Inseln dieser Seen bilden.“[2]

Geschichte

Baumlose Ansicht der Insel um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert
Ein Steinhaus auf der Nachbarinsel Kiehnwerder aus den 1920er Jahren

Bereits zur Steinzeit wurde Buhnenwerder als Rastplatz, aber wohl eher nicht als dauerhafte Siedlungsstätte, benutzt. Auf der Insel wurde eine retuschierte Feuersteinklinge gefunden.

Fragmente einer aus der späten römischen Kaiserzeit datierenden Schale aus dem 3. bis 4. Jahrhundert nach Christus liegen ebenfalls vor. Doch auch hier kann keine dauerhafte Besiedlung angenommen werden.

In die Zeit der slawischen Besiedlung des Brandenburger Gebietes lassen sich Funde einiger Scherben von der Westhälfte Buhnenwerders datieren.

Im 13. Jahrhundert gingen die Gewässer des Plauer Seengebietes und ihre Inseln in den Besitz der Zisterzienser-Klosters Unserer Lieben Frau am See zu Lehnin über. Das Kloster bewirtschaftete diesen Besitz vorwiegend durch Fischfang. Die Insel Buhnenwerder diente den Fischern des Klosters als zeitweiliger Aufenthaltsort, worauf noch heute ein als „Klosterstelle“ bezeichneter Platz im Westen der Insel verweist.[1]

Im 19. Jahrhundert diente die Insel den Bauern der angrenzenden Gemeinde Kirchmöser, heute ein Ortsteil von Brandenburg an der Havel, als Weidegebiet für Schafe und Ziegen. Dadurch wurde ein natürliches Aufkommen von höherer Vegetation und eine Sukzession verhindert. Die Oberfläche ähnelte einer Steppenlandschaft.

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden auf der Insel erste, kleine Hütten gebaut. Betuchtere Grundbesitzer wie Frau von Bornstedt und der Siemens-Ingenieur Hans Apel errichteten erste Häuser aus Stein.

Am 25. März 1926 kaufte die Brandenburger Ortsgruppe des Touristenvereines „Die Naturfreunde“ (TVDN), ein der Arbeiterklasse nahestehender Wanderverein des frühen 20. Jahrhunderts mit heutigem Sitz in Wien, für 1150 Reichsmark den Gebrüdern Steinert aus Kirchmöser einen Hektar Land auf der Insel ab. Die Naturfreunde begannen an der Steinertschen Hütte mit Erweiterungsbauten, um ihren Mitgliedern ein neues, attraktives Wanderziel mit Unterkunft zu bieten. Ein tragisches Unglück überschattete die Aktivitäten des Vereins, als am 22. Mai 1926 ein Kahn mit acht Naturfreunden vor der Insel sank. Zwei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 18 und 32 Jahren ertranken. In Folge dieses Unglücks bauten die Naturfreunde ein größeres und wettertüchtiges Boot mit Namen „Nie Verzagt“, das fortan für Über- und Versorgungsfahrten genutzt wurde.

Die Naturfreunde bemühten sich gemeinsam mit dem Berliner Ingenieur Hans Apel, der 1928 beinahe die Hälfte der Insel kaufte, um eine Wiederaufforstung der Insel und schufen zusammen mit dem Gartenbaumeister Jens-Jörg Sörensen aus Marzahne bei Brandenburg an der Havel eine parkähnliche Struktur. Zunächst wurden Pionierpflanzen wie die aus Nordamerika stammenden Roteiche und rotblühende Traubenkirsche, sowie Kiefern und Weiden gepflanzt, die sich mit den kargen Bodenverhältnissen ausgezeichnet zu arrangieren vermochten. Später kamen Latschenkiefern, Pechkiefern, Hakenkiefern, Jeffreys Kiefern, Weymouths-Kiefern, Robinien, sowie europäische, japanische und sibirische Lärchen hinzu. Im Zuge dieses Aufforstungsprogramms entwickelte sich Apel in der Zeit der Rezession zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber des unweit des Havelgemündes gelegenen Dorfes Neuendorf (heute Ortsteil von Brandenburg an der Havel).

Blumen und Gräser auf der Insel Buhnenwerder

Nach der Machtergreifung der deutschen Nationalsozialisten wurde der Verein, welcher der SPD und der KPD nahestand, enteignet. Das Eigentum an Grund und Boden, die Schutzhütte und das Boot wurden an den nationalsozialistischen Wassersportverein Kirchmöser für 500 Reichsmark verkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg internierte die Rote Armee einige von ihr befreite sowjetische Kriegsgefangene, denen pauschal Landesverrat und Feigheit vorgeworfen wurde, unter freiem Himmel auf der Insel Buhnenwerder.

Später nutzte die Kasernierte Volkspolizei der DDR die Insel ungeachtet der fortbestehenden Eigentumsverhältnisse als Übungsgelände. Dabei wurden die Steinhäuser Buhnenwerders vollständig zerstört.

Anfangs der 1950er Jahre veranstaltete die FDJ auf dem Eiland Sonnenwendfeuer.

Erst mit dem Inkrafttreten des 1. Naturschutzgesetzes der DDR im Jahre 1954 begannen Fauna und Flora der Insel sich ein wenig von der jahrelangen missbräuchlichen und schonungslosen Nutzung zu erholen.

Zusammen mit Apel begannen sich die Familie Weggen und der Oberförster Schulz aus Brandenburg an der Havel mit Gleichgesinnten um die naturschutzgerechte Pflege der Insel zu kümmern.

Das Naturschutzgebiet „Buhnenwerder-Wusterau“

Übersichtskarte für die Insel Buhenwerder am Naturlehrpfad
Am Naturlehrpfad auf der Insel Buhnenwerder

Im März 1991 schlug die Stadt Brandenburg an der Havel Buhnenwerder zusammen mit der Halbinsel Wusterau als gemeinsames Naturschutzgebiet vor. Seit 2002 besitzt Buhnenwerder gemeinsam mit der ihr benachbarten Wusterau den Status eines Naturschutzgebietes.

Sie ist Heimat seltener und wertvoller Pflanzen und Tiere. Sowohl Bewuchs als auch Besatz ähneln in etwa dem der Wusterau, wenngleich Unterschiede auf der Wusterau bezüglich der dortigen toxischen Bodenbeschaffenheit anzumerken sind. Buhnenwerder ist auch ein beliebter Anlaufpunkt für Ornithologen. Es ist gestattet, die Insel an ausgewählten Orten zu betreten. Auf der Insel gibt es einen didaktisch und informativ sehr gut und liebevoll ausgestatteten, rund um das Eiland führenden Naturlehrpfad.

Quellen

Fußnoten

  1. a b Brandenburg an der Havel und Umgebung, Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Brandenburg an der Havel, Pritzerbe, Reckahn und Wusterwitz. S.31, S.266 f., S.397,
  2. Wikipedia-Artikel: Wusterau

52.39416666666712.4702777777787Koordinaten: 52° 24′ N, 12° 28′ O


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