Bukarest

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Bukarest
București
Bukarest
Wappen von Bukarest
Bukarest (RumÀnien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: RumÀnien
Historische Region: Große Walachei
Kreis: București
Koordinaten: 44° 26â€Č N, 26° 6â€Č O44.43333333333326.1Koordinaten: 44° 26â€Č 0″ N, 26° 6â€Č 0″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
FlĂ€che: 228 kmÂČ
Einwohner: 1.628.426 (2011)
Agglomeration: 2.000.000 (2011)
Bevölkerungsdichte: 7.142 Einwohner je kmÂČ
Postleitzahl: 010011 - 062397
Telefonvorwahl: (+40) 02 1
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Munizipium
Gliederung: 6 Sektoren
BĂŒrgermeister: Sorin Oprescu (unabhĂ€ngig)
WebprÀsenz:
Bukarest: Blick vom Vereinte-Nationen-Platz auf Finanzplatz und Hotel Intercontinental

Bukarest (rumĂ€nisch: București [bukuˈreʃtÊČ]) ist die Hauptstadt RumĂ€niens. Sie ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern[1] und einer urbanen Agglomeration von 2,6 Millionen Einwohnern die sechstgrĂ¶ĂŸte Stadt der EuropĂ€ischen Union.

Nachdem Bukarest 1659 TĂąrgoviște als Landeshauptstadt endgĂŒltig abgelöst hatte, wurde es zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der Walachei und spĂ€ter von RumĂ€nien. Die Stadt verfĂŒgt ĂŒber mehrere UniversitĂ€ten, verschiedene andere Hochschulen sowie zahlreiche Theater, Museen und weitere Kultureinrichtungen.

Die kosmopolitische Hochkultur und der dominierende französische Einfluss in der Architektur der Stadt brachten ihr den Beinamen Micul Paris („Kleines Paris“, auch „Paris des Ostens“) ein.[2] In der Amtszeit des rumĂ€nischen Diktators Nicolae Ceaușescu wurden weitrĂ€umig historische Stadtviertel zerstört, um dem monumentalen ZuckerbĂ€ckerstil des Diktators Platz zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage Bukarests in RumÀnien

Bukarest liegt in 55 bis 96,3 Meter Meereshöhe im Zentrum der Walachischen Tiefebene 68 Kilometer nördlich der Donau und 280 Kilometer westlich des Schwarzen Meeres. Die Stadt wird von der DĂąmbovița durchflossen; ihr Nebenfluss, die Colentina, bildet im Norden der Stadt eine Kette von neun natĂŒrlichen Seen.[3]

Geologie

Die Stadt liegt sĂŒdlich des östlichen Karpatenbogens und der Vrancea-Zone zwischen der Schwarzmeer-Mikroplatte und der Moesischen Platte in einem der am meisten von Erdbeben betroffenen Gebiete Europas. Starke Erdbeben stellen eine erhebliche Bedrohung fĂŒr die rumĂ€nische Hauptstadt dar. Innerhalb der vergangenen 60 Jahre ereigneten sich vier starke Erdbeben (10. November 1940, 4. MĂ€rz 1977, 30. August 1986 und 30. Mai 1990) unterhalb der sogenannten Vrancea-Region etwa 130 Kilometer von Bukarest entfernt[4]. Wegen des sehr inhomogenen Untergrundaufbaus besteht eine fĂŒnfzigprozentige statistische Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Magnitude M = 7.6 innerhalb von 50 Jahren.[5] Entscheidend fĂŒr das seismische Risiko in Bukarest ist die ErdbebenaktivitĂ€t in der Vrancea-Zone im östlichen Karpatenbogen, die mit postorogenetischen Ereignissen an einer miozĂ€nen Subduktionszone im Zusammenhang steht. Die mitteltiefen Beben in dieser eng umgrenzten Region sind die Ursache fĂŒr die mitunter katastrophalen ErdbebenschĂ€den in Bukarest.[6]

Klima

Das Klima ist gemĂ€ĂŸigt kontinental. In den Monaten Juni, Juli und August liegt die durchschnittliche Temperatur ĂŒber 20 Â°C. Die Wintertemperaturen bewegen sich hĂ€ufig unter 0 Â°C. Sie fallen jedoch selten unter -10 Â°C. Im Januar 1888 wurde mit -30 Â°C die niedrigste Temperatur und am 20. August 1945 mit 41,1 Â°C die höchste Temperatur in Bukarest gemessen.[7] BerĂŒchtigt ist im Winter der Crivăț, ein kalter kontinentaler Wind, der aus nordöstlicher Richtung weht und Dauerfrost und SchneestĂŒrme mit sich bringt.


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Bukarest
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 3 10 16 22 26 27 27 23 17 8 3 Ø 15,3
Min. Temperatur (°C) −5 −3 0 5 10 14 15 15 11 6 0 −2 Ø 5,5
Niederschlag (mm) 43 36 35 47 69 87 55 49 30 44 43 41 ÎŁ 579
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Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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43 36 35 47 69 87 55 49 30 44 43 41
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [8]

Die Jahresniederschlagssumme in Bukarest liegt bei 579 Millimetern. Im Jahresmittel liegt die Temperatur bei 11,1 Â°C. Der kĂ€lteste Monat im Jahr ist der Januar, mit einer durchschnittlichen Tiefsttemperatur von -5 Â°C. Die heißesten Monate sind der Juli und der August, mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 27 Â°C.

Gewitter ĂŒber Bukarest

Stadtgliederung

Bukarest besitzt einen besonderen Verwaltungsstatus in RumÀnien und untersteht keiner Bezirksverwaltung. Die Stadt wurde 1968 in sechs administrative Sektoren (sectoare) unterteilt[9], deren Grenzen im Sommer 1979 neu festgelegt wurden[10]. Die Sektoren und ihre Distrikte sind:

Sektoren in Bukarest
Sektoren Distrikte
Sektor 1 Aviatorilor, Aviației, Băneasa, Bucureștii Noi,
Dămăroaia, Domenii, Dorobanți, Floreasca, Gara de Nord,
Grivița, Pajura, Pipera, Primăverii, Victoriei
Sektor 2 Colentina, Iancului, Pantelimon, Tei
Sektor 3 Balta Albă, Centru Civic, Dudești, Titan, Vitan
Sektor 4 Berceni, Olteniței, Timpuri Noi, Văcărești
Sektor 5 Cotroceni, Ferentari, Rahova
Sektor 6 CrĂąngași, Drumul Taberei, Giulești, Militari

Jeder dieser Sektoren verfĂŒgt ĂŒber einen Rat mit 27 Sitzen, ein Rathaus und einen BĂŒrgermeister. Derzeit ist eine StadtgebietsvergrĂ¶ĂŸerung geplant. Die Verantwortlichen planen eine Eingemeindung der nördlich von Bukarest gelegenen Kleinstadt Otopeni.[11]

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte von Bukarest

Bukarest wurde einer Legende nach von einem Hirten namens Bucur gegrĂŒndet.[12] Bucurie bezeichnet im RumĂ€nischen glĂŒckhafte Freude, und Bucur ist ein verbreiteter Familienname. Im etymologischen Sinn bedeutet Bucur: Du bist froh.[13] Eine weitere ErzĂ€hlung berichtet von dem getischen König Dromichaites,[14] der Freudenstadt errichtete.

StadtgrĂŒndung, Residenz der FĂŒrsten der Walachei

Urkunde von FĂŒrst Radu vom 14. Oktober 1465 (Faksimile)

Bukarest wird in einer auf den 20. September 1459 datierten Urkunde erstmals erwĂ€hnt.[15] Die Urkunde wurde von dem Woiwoden und Feldherrn Vlad Țepeș, mit dem Beinamen Drăculea, ausgestellt.

In der zweiten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest, wo sich schon nach 1400 eine Handwerkersiedlung mit Schmiede, Töpferei und Gerberei nachweisen lĂ€sst, zum Curtea (FĂŒrstensitz) der Walachei. FĂŒrst Radu der Schöne bezeichnete am 14. Oktober 1465 Bukarest in einer Urkunde als FĂŒrstensitz.[16] Die Stadt erlangte ihre zentralstĂ€dtische Bedeutung als fĂŒrstliches Macht- und Handelszentrum, das in einem Verdichtungsraum von Siedlungen lag. Zwischen 1459 und 1625 erscheinen allein 41 Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Bukarest.

Nachfolgend war Bukarest abwechselnd mit TĂąrgoviște Hauptstadt der Walachei. Der Hauptmarkt entstand um die Lipscani-Straße.

Osmanische Epoche

Das Osmanische Reich dehnte sich im 14. Jahrhundert von Kleinasien auf das Gebiet des heutigen RumĂ€nien aus. Bereits 1394 drang eine erste osmanische Armee ĂŒber die Donau vor. Danach wurde das FĂŒrstentum Walachei erstmals tributpflichtig.[17]

Unter dieser osmanischen SuzerĂ€nitĂ€t erlebte das noch immer dörflich geprĂ€gte Bukarest durch die Anwesenheit des Hofes sowie durch die RĂŒckkehr der auslĂ€ndischen HĂ€ndler einen Aufschwung. Die Bevölkerungszahl stieg und es entwickelte sich eine stĂ€dtische Struktur, die durch eine Vielzahl neuer GebĂ€ude zum Ausdruck kam. 1545 errichtete FĂŒrst Mircea Ciobanul die erste Stadtmauer in Form eines Palisadenwalls.[18] Auch ein großer Teil des die Stadt umgebenden landwirtschaftlich genutzten Landes wurde nun als „das Land der StadtbĂŒrger“ (moșia orășenilor) mit Grenzsteinen markiert.

Bukarest 1717

Dreißig Jahre spĂ€ter erhob sich die Bukarester Bevölkerung in den Jahren 1574 und 1575 sowie im Jahr 1594 gegen die wachsenden Tribute der Hohen Pforte. Zudem beteiligte sie sich an den KĂ€mpfen Mihai Viteazul (Michael der Tapfere) gegen die Osmanische Armee, die aber letztlich erfolglos blieben.[19] Nachdem dieser von den Osmanen abfiel, eroberte im August 1595 Großwesir Koca Sinan Pascha nach der Schlacht bei Călugăreni die Stadt. Dabei kam es zu einem Stadtbrand. Im Herbst desselben Jahres kam es in der NĂ€he von Bukarest zu einer weiteren Schlacht, bei der sich die TĂŒrken zurĂŒckzogen und dabei einen Teil der Stadt zerstörten. Aus diesem Grund verlagerte man anschließend den FĂŒrstensitz bis 1626 nach TĂąrgoviște. Kurz nach seiner MachtĂŒbernahme verlegte FĂŒrst Alexandru Coconul am 10. November 1626 die Residenz wieder nach Bukarest.

Nachdem FĂŒrst Matei Basarab 1632 als letzter aus der vorherrschenden walachischen Familie auf dem Thron kam, errichtete er in Bukarest zahlreiche Bauten. Wegen seines gespannten VerhĂ€ltnisses zu den Osmanen ĂŒbersiedelt der FĂŒrst um 1640 nach TĂąrgoviște. Der FĂŒrstensitz verblieb wĂ€hrenddessen in Bukarest. Basarabs Nachfolger, FĂŒrst Constantin Șerban, zog nach Amtsantritt im Mai 1654 erneut nach Bukarest. Im darauffolgenden Jahr kam es am Sitz der heutigen Nationalbank zum Aufstand der Dorobantzen und Infanteristen gegen die Bojaren. AnlĂ€sslich der Ausschreitungen ließ FĂŒrst Șerban, beim seinem Abzug nach TĂąrgoviște und der Verlegung des FĂŒrstensitz, den FĂŒrstenhof und die Stadt in Brand setzen.

Im Jahre 1659 kam es nochmals zu einer Residenzverlegung. Nach seiner Inthronisation verlegte FĂŒrst Gheorghe Ghica am 20. Dezember 1659 den FĂŒrstensitz wieder nach Bukarest. Im selben Jahr wurde die Stadt auf Druck des Osmanischen Reiches auch zur alleinigen Residenzstadt der Woiwoden. Bukarest blieb von diesem Jahr an endgĂŒltig Landeshauptstadt der Walachei. 1668 folgte dem FĂŒrsten auch die religiöse FĂŒhrung der Orthodoxie nach Bukarest. In diesem Zeitraum wuchs die Stadtbevölkerung bis auf rund 60.000 Einwohner an, die sich auf mittlerweile 21 Stadtviertel (so genannte mahalale) verteilten. Zu dieser Zeit bestanden etwa 100 Kirchen.[20] In den Regierungszeiten von Șerban I. Cantacuzino und Constantin BrĂąncoveanu erlebte Bukarest eine lĂ€ngere BlĂŒte. Auf Direktive der FĂŒrsten entstanden erste KrankenhĂ€user, Druckereien, Lehranstalten, zahlreiche Kirchen, Schloss Mogoșoaia sowie die Pracht- und Ausfallstraße Podul Mogoșoaia. Der machthungrige FĂŒrst BrĂąncoveanu schaffte allerdings auch den Schultheiß und Stadtrat ab und behielt sich das Regierungsrecht vor. [21]

Übergabe der Stadt an die Österreicher, 1789

In der Phanariotenzeit (1716–1821) nahm die Belastung der Bevölkerung durch höhere Abgaben und Tribute, aber auch durch Vetternwirtschaft und Korruption so sehr zu, dass diese Phase bis heute in RumĂ€nien als Inbegriff der Ausbeutung, Korruption und Misswirtschaft gilt. 1753 kam es wegen unertrĂ€glicher Steuerlasten auf Intervention der Bukarester zur Amtsenthebung des FĂŒrsten Matei Ghica durch die Hohe Pforte. Zwölf Jahre spĂ€ter traf beim Aufstand der ZĂŒnfte Stephen Racoviƣă das gleiche Schicksal. Der FĂŒrst besiegte zwar die AufstĂ€ndischen, wurde aber wegen seiner von ihm verhĂ€ngten Repressalien von der Hohen Pforte abgesetzt.[22]

Die Mitglieder der FĂŒrstenfamilie Ypsilantis hingegen machten sich sichtbar um Bukarest verdient. WĂ€hrend der Regentschaft Alexander Ypsilantis erfolgten viele Stadtverschönerungen und der Bau der ersten Wasserleitung (1779).[23] Der FĂŒrst ließ wegen der hĂ€ufigen Überschwemmungen der DĂąmbovița zudem einen Umleitungskanal bauen. Zugleich begann in der Stadt eine erste industrielle Entwicklung durch Manufakturen. So entstand 1764 eine Manufaktur fĂŒr Wachs, 1766 eine fĂŒr Kleider, 1767 fĂŒr Papier. 1811 arbeiteten bereits 2.981 Menschen im Bereich von Handel und Handwerk.

WĂ€hrend des Russisch-Österreichischen TĂŒrkenkriegs wurde diese Entwicklung kurzzeitig unterbrochen, als FĂŒrst Nicolae Mavrogheni am 26. Oktober 1789, begleitet von einer rund tausend Mann starken Armee, aus der Stadt floh. Die Stadt wurde zwei Wochen spĂ€ter am 10. November 1789 von den Österreichern eingenommen und erst im Frieden vom 4. August 1791 wieder herausgegeben. Nachfolgend trafen in der Zeit von 1793 bis 1812 verschiedene Naturkatastrophen, eine Feuersbrunst und Epidemien die Stadt.

Übergangszeit (1807 bis 1861)

Stadtbrand 1847
Revolution, 1848

1807 geriet Bukarest wĂ€hrend des Russisch-TĂŒrkischen Krieges unter den Oberbefehl des Kommandanten der russischen Truppen. Der erste Friede von Bukarest beendete am 28. Mai 1812 den seit 1806 anhaltenden Krieg[24] zwischen Russland und dem Osmanischen Reich.

Die verschĂ€rfte Ausbeutung der walachischen Volksmassen und die Verbreitung revolutionĂ€rer Ideen des französischen BĂŒrgertums sowie die HetĂ€rie beeinflussten um die Jahrhundertwende die antiosmanische öffentliche Meinung. WĂ€hrend des folgenden Aufstandes hielt sich der walachische AnfĂŒhrer Tudor Vladimirescu in der Zeit von MĂ€rz bis Mai 1821 in Bukarest auf. Dies fĂŒhrte zu heftigen Vergeltungsmaßnahmen der tĂŒrkischen Truppen, die Bukarest anschließend besetzten. Diese Repressalien endeten erst mit dem Abzug des Heeres im September 1822 und der Thronbesteigung von FĂŒrst Grigore IV. Ghica.

Nach dem Frieden von Adrianopel im Jahre 1829 wurde Bukarest unter russische Protektion gestellt. Von diesem Jahr an verwaltete General Pawel Kisseljow bis 1834 die Stadt. In seiner Amtszeit wurde das Dekret des Organischen Reglements (RĂšglement organique) eingefĂŒhrt und ein Komitee zur Verschönerung der Stadt einberufen. Es kam zur Neufestlegung der Stadtgrenzen. Weitere stĂ€dtebauliche Maßnahmen, wie das Anlegen von Promenaden und MarktplĂ€tzen, wurde effektuiert.[25]

Ein großer Brand im Handelsteil der Stadt zerstörte am 23. MĂ€rz 1847 etwa 2.000 HĂ€user. Nach dem Brand folgte ein planmĂ€ĂŸiger Wiederaufbau.[26] Im folgenden Jahr war Bukarest Zentrum der Walachei-Revolution. Die am 11. Juni 1848 begonnene Revolution wurde drei Monate spĂ€ter am Abend des 13. September am Spirei-Berg blutig niedergeschlagen. Ein Denkmal an dieser Stelle erinnert heute noch an das Ereignis. Zwischen den Jahren 1853 bis 1856 wurde Bukarest nacheinander von russischen, tĂŒrkischen und österreichischen Truppen besetzt.[27]

Als erste rumĂ€nische Stadt fĂŒhrte Bukarest im Mai 1857 Petroleumlampen in die Straßenbeleuchtung ein.[28] Im selben Jahr trat auf Erlass des Sultans in Bukarest die „Diwan Ad-hoc-Versammlung" zusammen. Die Versammlung verabschiedete am 9. Oktober 1857 eine Resolution, die unter anderem die Vereinigung RumĂ€niens zu einem Staat vorsah.

Hauptstadt RumÀniens, Industrialisierung bis zum Ersten Weltkrieg

Einzug von FĂŒrst Carol I., 1866

Alexandru Ioan Cuza proklamierte am 24. Dezember 1861 die Bildung des FĂŒrstentums RumĂ€nien aus den DonaufĂŒrstentĂŒmern Moldau und Walachei. Ein Jahr spĂ€ter kam es auch formal zur Vereinigung der beiden FĂŒrstentĂŒmer mit Bukarest als Hauptstadt. Der StaatsgrĂŒnder Alexandru Ioan Cuza geriet jedoch in die Kritik und musste deshalb 1866 abdanken. Eine provisorische Regierung setzte auf Empfehlung im selben Jahr Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen zum FĂŒrsten ein. Dieser zog nach seiner offiziellen Wahl zum FĂŒrsten als Carol I. am 10. Mai 1866 in Bukarest ein.

1869 erhielt die Hauptstadt ihre erste Eisenbahnlinie.[29] Sie verband Bukarest mit Giurgiu. Zwei Jahre spĂ€ter wurde die erste Straßenbahnlinie (damals noch eine Pferdebahn) vom Nordbahnhof ĂŒber die Piața St. Georg bis zur Piața Obor eröffnet. Nach vierjĂ€hriger Bauzeit eröffnete 1872 der Nordbahnhof, ebenso der Eisenbahnverkehr zwischen Bukarest und Ploiești.[30]

Nach dem Berliner Kongress wurde RumĂ€nien im Jahr 1878 als unabhĂ€ngig anerkannt. In der Folge proklamierte sich am 26. MĂ€rz 1881 das FĂŒrstentum zum Königreich RumĂ€nien. Bukarest wurde dabei zur imperialen Stadt umgestaltet. [31] Das junge Königreich orientierte sich in Richtung Westen, insbesondere nach Frankreich. Bei der anknĂŒpfenden Modernisierung war Preußen Ideen- und Techniklieferant.

Pferdebahn, 1871

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bukarest dann allmĂ€hlich zu einem Industriezentrum, vor allem in der Leichtindustrie. FĂŒnf grĂ¶ĂŸere Bankinstitute – darunter die Nationalbank, die Bank von RumĂ€nien, die Landwirtschaftbank und seit 1898 auch die Diskontbank – machten Bukarest zum nationalen Finanzzentrum. Auf der Calea Victoriei wurde 1890 elektrisches Licht eingefĂŒhrt. In dieser Zeit wurde auch die neue Verkehrsader von Obor nach Cotroceni freigegeben. 1896 folgte auf derselben Strecke der Linienverkehr der ersten elektrischen Straßenbahn.[30]

1886 beendete der Frieden von Bukarest den Krieg zwischen Serbien und Bulgarien. Auch der Zweite Balkankrieg wurde 1913 durch Unterzeichnung des Friedensvertrags von Bukarest zwischen Serbien, Griechenland und RumÀnien auf der einen Seite und Bulgarien auf der anderen Seite in der Stadt beendet.

Vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg

Der Boulevard Magheru in der Zwischenkriegszeit

WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges war Bukarest vom 6. Dezember 1916 als Folge der Schlacht am Argesch bis zum Friedensvertrag vom 7. Mai 1918 durch deutsche Truppen besetzt.[30] Mit der Flucht des König und der Regierung wurde Iași in dieser Zeit provisorische Hauptstadt RumĂ€niens. Die Bedeutung der Stadt nahm erst nach dem Ersten Weltkrieg als Hauptstadt „GroßrumĂ€niens“ wieder zu.

Von 1918 bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vergrĂ¶ĂŸerte sich die StadtflĂ€che um 5600 auf 7800 Hektar. Die Zahl der Bevölkerung stieg im gleichen Zeitraum von 380.000 auf 870.000 Einwohner.[32] Internationales Interesse erregte ein Streik der Erdölarbeiter und Eisenbahner, die wegen der verschlechterten Lebensbedingungen ihre Arbeit niedergelegt hatten. Im Jahre 1933 wurde der Streik bei den Bukarester Grivița-Werken blutig niedergeschlagen.

Mit dem Bau der Achse Piața Victoriei und Piața Sf. Gheorghe zwischen 1936 und 1940, nach dem Pariser Vorbild des Boulevard Henri Martin und dem BrĂŒsseler Entwurf des Boulevard Louise, bekam die Stadt den Beinamen „Paris des Ostens“. In den 1940er Jahren setzte sich die rege BautĂ€tigkeit nach westlichem, diesmal jedoch in modernem, internationalem Stil fort, der durch Namen wie Le Corbusier oder Bezeichnungen wie „Form und Funktion“ geprĂ€gt war.

Bukarest im Zweiten Weltkrieg

Truppen der Roten Armee in Bukarest, 1944
Der Bahnhof „Gara de Nord“ bei der Bombardierung durch die United States Army Air Forces am 4. April 1944

Im Zweiten Weltkrieg trat RumĂ€nien nach anfĂ€nglicher NeutralitĂ€t am 23. November 1940 dem DreimĂ€chtepakt zwischen dem Deutschen Reich, dem Kaiserreich Japan und dem Königreich Italien bei. Dies war die direkte Folge der Bildung der Regierung eines „nationallegionĂ€ren Staats“ am 4. September 1940 durch die Eiserne Garde und General Ion Antonescu und fĂŒhrte zur Abdankung Carols II. zugunsten seines 19-jĂ€hrigen Sohns Mihai. Einen Monat spĂ€ter ĂŒberschritten am 8. Oktober deutsche Truppen die rumĂ€nische Grenze. Kurz danach zog die Wehrmacht in Bukarest ein. Anfang 1941 scheitert ein Putschversuch der ultrarechten LegionĂ€re der Eisernen Garde gegen die totalitĂ€re Regierung Antonescu. Bei einem anschließenden Pogrom gegen die Bukarester Juden verloren 118 Juden ihr Leben.

Ab April 1944 kam Bukarest in die Reichweite der amerikanischen und englischen Airforce. Am 4. April 1944 erfolgte der erste Großangriff durch die 15th US Air Force. Dabei wurden 875 Tonnen Bomben abgeworfen. Auch der Hauptbahnhof (Gara de Nord) wurde bombardiert. Ein Teil der Bomben fiel durch starke Winde in Wohngebiete. Dabei gab es viele zivile Opfer. Die Angaben zu den Opfern variieren zwischen 2000 und 5000 Toten, wobei die Anzahl von 2942 Toten und 2126 Verletzten als offizielle Zahl genannt wird. [33][34][35][36][37][38]

Am 15. April folgte ein weiterer schwerer Angriff der englischen Royal Air Force, diesmal mit Brandbomben. Es wurde dabei auch die Bukarester UniversitĂ€t schwer beschĂ€digt.[39] Gegen Ende des Krieges verbĂŒndete sich RumĂ€nien, durch einen Staatsstreich von König Michael, am 23. August 1944 mit den Alliierten. Darauf ordnete Adolf Hitler noch in der gleichen Nacht die Bombardierung von Bukarest an, welche auch in der darauffolgenden Nacht weitergefĂŒhrt wurde. Es kamen dabei 182 Personen ums Leben. Viele RegierungsgebĂ€ude, sowie historische GebĂ€ude wurden beschĂ€digt bzw. zerstört. [40] Einen Tag spĂ€ter erklĂ€rte RumĂ€nien Deutschland den Krieg. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Bukarest am 31. August kam es am 12. September 1944 zu einem Waffenstillstand zwischen RumĂ€nien und der Sowjetunion.

Infolge von Streitigkeiten im Jahr 1945 zwischen dem neuen Premierminister Petru Groza und dem König Michael I., verweigerte dieser die Unterzeichnung jeglicher Gesetze, worauf Groza entschied, die Gesetze auch ohne königliche Unterschrift in Kraft zu setzen. In diesem Zusammenhang kam es am 8. November 1945 in Bukarest zu einer antikommunistischen Demonstration vor dem Königspalast. Bei der gewaltsamen Auflösung der Demonstration gab es viele Verhaftungen, Verletzte und Tote.

Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart

In den vier Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Stadt um mehr als das Doppelte ihrer Einwohnerzahl. Vor allem in den peripheren Bereichen wurde Bukarest zu einer riesigen Baustelle. Die StadtflĂ€che verdreifachte sich in dieser Zeit auf 21.700 Hektar. Es zog insbesondere Bauern in die Stadt, die hier in den großen Industriebetrieben ihre neuen ArbeitsplĂ€tze fanden. Sie brachten ihre lĂ€ndliche Lebensweise in die Millionenstadt mit und bestimmen ihr Bild bis heute.[41] Um der starken Wohnungsnachfrage entsprechen zu können, setzte die kommunistische StaatsfĂŒhrung ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm in Gang.

Erdbeben, 1977

Internationale Beachtung fand die sogenannte Bukarester Deklaration („Deklaration fĂŒr die GewĂ€hrleistung des Friedens und der Sicherheit in Europa“)[42] die von einer in der Zeit vom 4. bis 6. Juli 1966 stattfindenden Konferenz des Warschauer Paktes verabschiedet wurde. Am 4. MĂ€rz 1977 erschĂŒtterte ein Erdbeben das Gebiet um Bukarest. Dabei starben insgesamt ĂŒber 1.500 Menschen.[43] Durch die ErschĂŒtterungen wurde auch die historische Bausubstanz in Teilen zerstört.

Mit den AufrĂ€umarbeiten begann eine neue Phase der Stadtentwicklung, die sich durch einen radikalen Umbau der Innenstadt auszeichnete. Denn nach dem Erdbeben sah Nicolae Ceaușescu die Möglichkeit, die traditionelle urbane Struktur großer innerstĂ€dtischer Bereiche fast vollstĂ€ndig mit einem kolossalen politisch-administrativen Zentrum zu ersetzen. An ihre Stelle traten neue Symbole monumentaler Machtdemonstration. Kern und dominierendes Element ist der Parlamentspalast, mit dessen Bau ca. 70.000 Arbeiter beschĂ€ftigt waren. Die Stadt erhielt zudem eine funktionierende U-Bahn.

Mitte Dezember 1989 begann in Timișoara der Volksaufstand gegen Nicolae Ceaușescu. Dieser erreichte am 21. Dezember Bukarest, weil das Ceaușescu-Regime eine öffentliche Kundgebung vor das Zentralkomitee der RumĂ€nischen Kommunistischen Partei bestellte, um ihren RĂŒckhalt in der Bevölkerung nach den Unruhen in Timișoara zu prĂ€sentieren.[44] Die staatlich organisierte Demonstration schlug jedoch ins Gegenteil um. Securitate-Truppen, ScharfschĂŒtzen und mit Panzern ausgerĂŒstete Armeeeinheiten richteten innerhalb eines Tages ein Massaker in der empörten Menschenmenge an. Es kam zu BrĂ€nden im ehemaligen königlichen Palast und in der UniversitĂ€tsbibliothek. Einen Tag spĂ€ter, am 22. Dezember 1989, verkĂŒndete der staatliche Fernsehsender TVR RumĂ€nien als befreit. Allein in Bukarest gab es rund 500 Tote. Nach dem Aufstand stellte sich heraus, dass in Bukarest einige Bunkersysteme und Tunnel [45] bestehen, manche davon stammen aus dem Mittelalter. Aus dem ehemaligen GebĂ€ude des ZK fĂŒhrt beispielsweise ein Fluchttunnel von der Zone Calea Victorei bis zur U-Bahn Universitate. Zudem hat der Parlamentspalast einen großen Bunker mit verschiedenen AusgĂ€ngen. Ein Jahr spĂ€ter kam es auf dem UniversitĂ€tsplatz erneut zu Protesten, die sich gegen die Wahl von Ion Iliescu zum rumĂ€nischen StaatsprĂ€sidenten richteten. Die Demonstrationen wurden jedoch von den herbeigerufenen Bergarbeitern aus dem Jiu-Tal gewaltsam aufgelöst („Mineriaden“).

Am 30./31. Mai 1990 erschĂŒtterten erneut zwei Erdbeben der StĂ€rke 6,7 bzw. 6,0 die Stadt.[46] 1995 wird Bukarest stĂ€ndiger Sitz der SECI. Am Ende der 90er Jahre besucht Papst Johannes Paul II. bei seinem RumĂ€nienbesuch die rumĂ€nische Hauptstadt. Bei einem Fest der Versöhnung zwischen der orthodoxen und katholischen Kirche ĂŒberreichte der Papst dem Patriarchen Teoctist I. auf der zentralen Bukarester Piața Unirii am 14. Mai 1999 symbolisch eine namhafte Spende fĂŒr den Bau der grĂ¶ĂŸten orthodoxen Kathedrale an der Piața Unirii.[47]

Nach der Jahrtausendwende fand 2006 in Bukarest der 11. Gipfel der Internationalen Organisation der Frankophonie statt. Im Jahr des rumĂ€nischen EU-Beitritts starb der fĂŒnfte Patriarch Teoctist I. Vier Tage nach seinem Tod erfolgte am 3. August 2007 seine Beisetzung in der Patriarchenkirche. In der Zeit vom 2. April bis 4. April 2008 war die Stadt Gastgeber des XX. NATO-Gipfels.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl der Stadt stieg seit 1778 bis zum Jahre 1992 kontinuierlich an. Bukarest zog schon immer zahlreiche Arbeitssuchende an, was zu einem raschen Bevölkerungszuwachs in der Stadt fĂŒhrte. Besonders die planwirtschaftliche Entwicklung der Ceaușescu-Ära fĂŒhrte zu einem starken Bevölkerungszuwachs, was die Errichtung neuer Stadtteile erforderte. Eine Abwanderung begann in der ersten HĂ€lfte der 1990er-Jahre. Viele der in den 1980er-Jahren zugewanderten Arbeiter, die im folgenden Jahrzehnt arbeitslos wurden, gingen zurĂŒck in ihren Herkunftsorte. Seit etwa 1995 zogen zudem viele (vor allem wohlhabende) Bukarester ins lĂ€ndliche Umfeld der Stadt. Bukarest hat heute 1,9 Millionen Einwohner und ist damit die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt RumĂ€niens. In Bukarest leben rund die HĂ€lfte der rumĂ€nischen Straßenkinder. Sie sind am Bahnhof București Nord oder Stationen wie Piața Victoriei nicht zu ĂŒbersehen.

Jahr Einwohner
1798 30.030
1831 60.587
1877 178.000
Jahr Einwohner
1900 282.000
1930 633.355
1948 1.025.000
Jahr Einwohner
1956 1.237.000
1966 1.367.000
1977 1.807.000
Jahr Einwohner
1992 2.067.000
1998 2.029.000
2002 1.926.000
Jahr Einwohner
2011 1.628.426[48]

Die ethnische Bevölkerungsstruktur in der Stadt ist ausgesprochen homogen. Nach offiziellen Statistiken (2002) sind 97 % ethnische RumĂ€nen. Die zweitgrĂ¶ĂŸte Gruppe sind die Roma mit 1,4 % (= 27.322 Personen).[49] Die Bevölkerungsanteile der nĂ€chstfolgenden grĂ¶ĂŸeren Gruppen, wie 0,3 % Ungarn sowie je 0,1 % RumĂ€niendeutsche, Juden, Griechen, Russen und Lipowaner, TĂŒrken und Chinesen, sind nur gering. Weitere insgesamt 0,4 % gehören anderen Ethnien (vor allem Bulgaren, Armenier, Albaner, Italiener, Ukrainer und Polen) an. Das durchschnittliche jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrĂ€gt −0,7 %. 11,6 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt, 5,9 % sind ĂŒber 75 Jahre.

Religionen

Das Stadtbild wird durch rumĂ€nisch-orthodoxe Sakralbauten geprĂ€gt. 1885 gab es bereits 124 Kirchen in der Stadt,[50] heute befinden sich in Bukarest noch rund 100 Kirchen. Zu den bekanntesten gehören die Kirche Curtea Veche (1545–1554), die Patriarchenkirche (1654–1658), die Stavropoleoskirche (1724), die Domnița-Bălașa-Kirche (1751) und die römisch-katholische Kathedrale Sankt Josef (1883).

Im Jahre 2002 bekannten sich 96,05 % der Bukarester Einwohner zur RumĂ€nisch-Orthodoxen Kirche. Die grĂ¶ĂŸte Kirche RumĂ€niens untersteht in Bukarest S.S. Daniel Ciobotea, der als sechster Patriarch seit 2007 im Amt ist.

Patriarchskathedrale

Römisch-katholischen Glaubens waren im selben Jahr 1,21 % der Einwohner. Das Erzbistum Bukarest entstand am 27. April 1883 durch die Erhebung des Apostolischen Vikariates der Walachei zum Erzbistum. Am 5. Juni 1930 wurde der Erzbischof von Bukarest, infolge der Unterzeichnung des Konkordates zwischen dem rumĂ€nischen Staat und dem Heiligen Stuhl, zum Primas von RumĂ€nien erhoben.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in RumĂ€nien wurde 1921 als „Synodal-Presbyteriale Evangelisch-Lutherische Kirche“ gegrĂŒndet und trug bis zum Jahr 2001 die Bezeichnung „Evangelische Synodal-Presbyterianische Kirche A.B. in RumĂ€nien“. Derzeit gibt es die weltweit einzige rumĂ€nischsprachige lutherische Gemeinde in Bukarest mit etwa 70 Mitgliedern, die u. a. auf den Judenchristen Richard Wurmbrand zurĂŒckzufĂŒhren ist.

Zum muslimischen Glauben bekannten sich im Jahr 2002 0,49 % der Bukarester Bevölkerung. 0,39 % der Einwohner waren rumĂ€nischen griechisch-katholischen Glaubens.[51] Die Juden stellen mit rund 4.000 Mitgliedern eine der grĂ¶ĂŸten ethnischen Gemeinschaften in Bukarest dar. Seit 1990 wird diese nationale Minderheit im kulturellen und politischen Bereich durch die Föderation der jĂŒdischen Gemeinschaften in RumĂ€nien, mit Sitz in Bukarest, vertreten.[52] Der JĂŒdische Friedhof in der rumĂ€nischen Hauptstadt umfasst 35.000 GrĂ€ber.

Politik

Politik und Verwaltung

Rathaus

Bukarest besitzt zwei Verwaltungsebenen. FĂŒr die gesamte Stadt ist die dem OberbĂŒrgermeister unterstellte Stadtverwaltung (Primăria Generală) zustĂ€ndig. Ihre Kompetenzen betreffen unter anderem Wasserversorgung, öffentlichen Verkehr und Hauptstraßen.

Die BĂŒrgermeister bzw. Verwaltungen in den sechs Sektoren Bukarests sind unter anderem fĂŒr zweitrangige Straßen, Schulen und MĂŒllentsorgung zustĂ€ndig.

Bei den Kommunalwahlen vom Juni 2008 ergab sich fĂŒr den Stadtrat folgende Sitzverteilung:

Partei Mandate
PD-L 24
PSD 16
PNL 8
PNG-CD 4
PRM 3
Gesamt 55

Die Wahlbeteiligung fiel in Bukarest mit durchschnittlich 31 Prozent gering aus. Von den insgesamt sechs BĂŒrgermeisterĂ€mtern in den Bukarester Sektoren stellen PD-L und PSD jeweils zwei und PNL und die Konservative Partei PC jeweils einen BĂŒrgermeister.[53]

Die BĂŒrgermeister werden alle vier Jahre direkt gewĂ€hlt. Der derzeitige OberbĂŒrgermeister Sorin Oprescu gehört keiner Partei an und erhielt im Juni 2008 56,55 % der im zweiten Wahlgang abgegebenen Stimmen.

Wappen

Das Stadtwappen von Bukarest wurde im 19. Jahrhundert unter Alexandru Ioan Cuza entworfen und bis zur heutigen Zeit mehrfach geĂ€ndert. 1868 bestand das Wappen aus einer Mauerkrone mit sieben TĂŒrmen, einem Wappenschild mit dem Heiligen und heutigen Stadtpatron Dimitrie Basarabov sowie der Inschrift: PATRIA ȘI DREPTUL MEU (rumĂ€nisch fĂŒr: „Das Vaterland und mein Recht“). Das Wappen wurde unter Nicolae Ceaușescu in der Zeit von 1970 bis 1989 gegen ein anderes Wappen ausgetauscht.

Das seit 1994 gĂŒltige Stadtwappen ĂŒbernahm die Mauerkrone mit sieben TĂŒrmen, den Wappenschild mit dem Heiligen Dimitrie Basarabov sowie der genannten Inschrift.[54] Hinzu kamen die Staatsflagge mit der gleichen Inschrift, ein goldener Adler mit blauer Krone, Schwert und lateinischem Kreuz sowie ein Adler mit einem lateinischen Kreuz im Schnabel, der auf der Mauerkrone thront.

StÀdtepartnerschaften

Satellitenfoto von Bukarest

Bukarest unterhÀlt mit folgenden StÀdten Partnerschaften.

Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten

Stadtbild

Blick auf den Justizpalast

Das Stadtbild von Bukarest ist geprĂ€gt von einer vielfĂ€ltigen Architektur mit einem bunten Stilgemisch auf engem Raum. Nach dem tĂŒrkischen Sultanat wandte sich die Architektur westlichen Bauarten zu. Vorbilder waren Paris und die österreichische Monarchie.[55] Neben PalĂ€sten im französischen eklektisch-akademischen Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts stehen Villen im neurumĂ€nischen BrĂąncoveanu-Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts, der orientalische und italienische Baumotive in sich vereinigt. Kleine lĂ€ndliche HĂ€uschen ducken sich zwischen Blöcken im Bauhaus-Stil der 1930er-Jahre und typischen sozialistischen Plattenbauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Hinzu kommt der ZuckerbĂ€ckerstil aus den letzten Amtsjahren Nicolae Ceaușescus.

Zentrum dieses neuen und noch immer nicht fertiggestellten Stadtteils ist das ehemalige „Haus des Volkes“, von den Bukarestern damals als „Haus des Sieges ĂŒber das Volk“ bezeichnet. Heute befinden sich in dieser gigantischen Stufenpyramide das rumĂ€nische Parlament, Tagungszentren und ein Museum. Nebenan soll die grĂ¶ĂŸte orthodoxe Kathedrale RumĂ€niens errichtet werden.

Die Altstadt liegt zwischen dem Platz der Vereinigung (Piața Unirii), dem Cișmigiu-Park, der Nationaloper und dem Platz der Revolution. Ein FĂŒnftel der Altstadt wurde abgerissen, um Platz fĂŒr das neue sozialistische Zentrum, das Centrul Civic, zu schaffen. Kilometerlange Boulevards (vor allem der Boulevard Unirii, der um 60 Meter lĂ€nger als die Champs-ÉlysĂ©es ist), gesĂ€umt von neostalinistischen Wohnblöcken fĂŒr die Nomenklatura, prĂ€gen hier das Bild, sowie verzierte Springbrunnenanlagen.

Vier FĂŒnftel der Altstadt blieben allerdings unangetastet. In Bukarest gibt es, von wenigen großen Achsen abgesehen, an denen die Adligen frĂŒher ihre PalĂ€ste und ReprĂ€sentationsbauten errichteten, auch gewachsene Viertel mit krummen Straßen, kleinen, alten (teilweise auch verfallenden) HĂ€usern und viel GrĂŒn.

Im Jahr 2007 waren EinfamilienhĂ€user die dominierende Wohnform in Bukarest. Von den insgesamt 115.000 WohngebĂ€uden entfallen rund drei Viertel auf EinfamilienhĂ€user. Wohnblöcke machen rund 12 % aus. 2007 gab es rund 785.700 Wohnungen in Bukarest. SchĂ€tzungen gehen davon aus, dass rund 10 % der Wohnungen leer stehen. Ein Großteil der GebĂ€ude in Bukarest ist in einem schlechten baulichen Zustand.[56]

Bauwerke

Triumphbogen

Der heutige Arcul de Triumf (Triumphbogen) wurde nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Am Ende der Kiseleff-Avenue errichtete man 1878, nach Erlangung der SelbstĂ€ndigkeit des Landes, zunĂ€chst ein provisorisches Monument. Dieses Bauwerk wurde 1922 durch ein grĂ¶ĂŸeres, aber immer noch vorĂŒbergehendes aus Holz und Stuck ersetzt – woraufhin der berĂŒhmte rumĂ€nische Musiker und Komponist George Enescu einen spöttischen Brief an den BĂŒrgermeister mit der Frage schrieb, wann denn die Hauptstadt einmal einen echten Triumphbogen erhalten werde. Besagter „dauerhafter“ Triumphbogen wurde dann 1935 bis 1936 von Petre Antonescu zu einem riesigen Bauwerk nach klassisch-römischer Art vollendet und zum Nationalfeiertag am 1. Dezember 1936 eingeweiht – ein Beispiel dafĂŒr, dass jahrzehntelange bombastische Provisorien in Bukarest durchaus Tradition haben.[57] Der Arcul de Triumf ist mit zahlreichen Eintragungen und bemerkenswerten Reliefs verziert. Bekannte Bildhauer, wie Frederick Storck, Ion Jalea und Cornel Medrea und haben zur Fertigung dieses Denkmals beigetragen. Wie in Paris strömt auch hier der Verkehr von einer Reihe großer Straßen sternförmig auf den mĂ€chtigen Bogen zu.

AthenÀum

Das RumĂ€nische AthenĂ€um erbaute man in den Jahren 1885 bis 1888 nach den PlĂ€nen des Architekten Albert Galleron. In dem kuppelgedeckter Rundbau befindet sich das Konzerthaus, das inzwischen Sitz der Staatsphilharmonie George Enescu ist. Der Konzertsaal verfĂŒgt ĂŒber 652 SitzplĂ€tze. Das Fresko auf der Innenseite des Tambours der Kuppel stammt von Costin Petrescu und schildert Höhepunkte der rumĂ€nischen Geschichte ab der Römerzeit. Zwischen den SĂ€ulen des Portikus befinden sich auf nachtrĂ€glich hinzugefĂŒgten runden Goldmosaiken PortrĂ€ts bedeutender FĂŒrsten der Geschichte. Vor dem Portal befindet sich eine Bronzestatue von Mihai Eminescu (RumĂ€niens DichterfĂŒrst).

Das Bukarester Königschloss (Palatul Regal) hat einen U-förmigen Grundriss. Das GebĂ€ude wurde von 1927 bis 1937 nach PlĂ€nen von Nicolae Nenciulescu im neuklassizistischen Stil errichtet. Der rumĂ€nische König Michael I. wohnte hier bis 1947. Seit 1950 ist in einem Teil des GebĂ€udes das Nationale Kunstmuseum von RumĂ€nien (Muzeul Național de Artă al RomĂąniei) untergebracht. Im anderen Teil der monumentalen Schlossanlage bezogen nach 1947 die kommunistischen Herrscher RumĂ€niens Quartier. Am 22. Dezember 1989, um 11:30 Uhr, versuchte Ceaușescu von einem Balkon des riesigen Komplexes, an dem damals das ZK-GebĂ€ude lag, ein letztes Mal zu den vor dem ZK-GebĂ€ude versammelten Menschen zu sprechen. Die Ceaușescus mussten kurz danach vom Dach des GebĂ€udes aus per Hubschrauber flĂŒchten. Die Szene wurde durch FernsehĂŒbertragungen weltbekannt.

Hanul lui Manuc 1841
Parlamentspalast

In der Seitenstraße Strada Iuliu Maniu stĂ¶ĂŸt man auf die Überreste des ersten Bukarester FĂŒrstenhofs Curtea Veche (Alter Hof) aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert erreichte der FĂŒrstenhof ein FlĂ€che von 25.000 Quadratmetern. Curtea Veche wurde spĂ€ter von BrĂ€nden und Erdbeben zerstört. Die im Jahre 1958 entdeckten Überreste bestehen aus ein paar Ruinen und der gut vierhundertjĂ€hrigen Dreikonchenanlage Alte Hofkirche (Biserica Curtea Veche). Beeindruckend an dieser Anlage ist auch die Blatt- und BlĂŒtenornamentik des spĂ€ter hinzugefĂŒgten BrĂąncoveanu-Portals.

Das Hanul lui Manuc ist eine gut erhaltene mittelalterliche SchĂ€nke. Das heutige Hotel und Restaurant ist die einzige in der Stadt erhalten gebliebene ehemalige Karawanserei aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Das GebĂ€ude wurde 1808 von dem armenischen Kaufmann und Politiker Manuc Bei auf einem 1798 ersteigerten Baugrund errichtet, der zuvor dem frĂŒheren FĂŒrstenhof gehörte. In der SchĂ€nke wurde 1812 der Vertrag von Bukarest zwischen Russland und der TĂŒrkei unterzeichnet.[58] 1880 entstand in der Herberge ein Saal, in dem nachfolgend zahlreiche Arbeiterversammlungen stattfanden.

Der Parlamentspalast (rumĂ€nisch: Palatul Parlamentului), auch bekannt als Haus des Volkes (rumĂ€nisch: Casa Poporului) ist nach dem Pentagon das zweitgrĂ¶ĂŸte GebĂ€ude der Welt. Seine GrundflĂ€che betrĂ€gt 65.000, die ĂŒberbaute FlĂ€che 265.000 Quadratmeter. Der grĂ¶ĂŸte Saal des GebĂ€udes ist 16 Meter hoch und 2200 Quadratmeter groß.

Zu den sehenswerten KirchengebĂ€uden gehören die Patriarchalkirche (Catedrala Patriarhală), der Patriarchenpalast, die Stavropoleos-Kirche, die VerkĂŒndigungskirche (Curtea Veche) und die Kretzulescu-Kirche. Weitere sehenswerte Bauwerke sind der Cretzulescu-Palast, der Justizpalast, Schloss Mogoșoaia, Schloss Cotroceni und das Denkmal der Luftheroen.

Museen, Galerien

Muzeul Satului ‱ Dorfmuseum
Cercul Militar National ‱ Offizierskasino
Muzeul Național de Artă al RomĂąniei ‱ Nationales Kunstmuseum

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es die ersten MuseumsgrĂŒndungen in der Stadt. Bukarest besaß bereits in den 1970er Jahren 39 Museen und Sammlungen.[59] Seit 2005 veranstaltet die Stadt eine Kunstbiennale, die Bucharest Biennale.

Das naturgeschichtliche Museum Grigore Antipa ist das grĂ¶ĂŸte derartige Museum in RumĂ€nien.[60] 1834 gegrĂŒndet verfĂŒgte in den 1970er Jahren ĂŒber nahezu 300.000 Exponate. Mit 82.000 Exemplaren hat das Museum eine der wichtigsten und reichhaltigsten Schmetterlingssammlungen weltweit. Aktuell besitzt das Museum mehr als 2 Millionen Exponate.[61]

Im Jahre 1951 wurde die EuropĂ€ische Galerie eröffnet. In den 15 MuseumssĂ€len findet man Skulpturen und GemĂ€lde von berĂŒhmten rumĂ€nischen und auslĂ€ndischen KĂŒnstlern wie Tizian, Rembrandt, Veneziano, Tintoretto, Zurbaran, El Greco, Renoir, Monet, Pissarro, Breughel, Delacroix, Sisley und Rubens.

Das Muzeul Național de Artă al RomĂąniei (Nationales Kunstmuseum von RumĂ€nien) befindet sich im ehemaligen königlichen Palast (Palatul Regal), der 1937 fertiggestellt wurde. 1948, nach der Abschaffung der Monarchie, wurde der Palast zum Sitz des Nationalen Kunstmuseums. Zwei Jahre spĂ€ter wurde das Museum eröffnet. Es beherbergt die Nationale Galerie mit ĂŒber 70.000 Exponaten. Die Sammlung zeigt rumĂ€nische Malerei von Nicolae Grigorescu bis Camil Ressu, Meisterwerke italienischer, niederlĂ€ndischer, spanischer und russischer KĂŒnstler sowie spĂ€tbyzantinische Ikonen und Plastiken der Moderne.

Sammlungen und Ausstellungen von der Urgeschichte bis zum 20. Jahrhundert findet man im Nationalmuseum fĂŒr die Landesgeschichte RumĂ€niens. BerĂŒhmt ist unter anderem die umfangreiche Schatzkammer mit kostbaren Objekten aus allen Epochen. Das Museum befindet sich im GebĂ€ude des ehemaligen Postpalastes.

Das Zambaccian-Museum (rumĂ€nisch: Muzeul Zambaccian) in Bukarest ist ein Museum im ehemaligen Wohnhaus Krikor Zambaccians (1889–1962), eines armenischen GeschĂ€ftsmannes und Kunstsammlers. Hier sind das einzige CĂ©zanne-GemĂ€lde in RumĂ€nien sowie eine bedeutende Sammlung rumĂ€nischer Maler zu sehen.

In der Calea Victoriei befindet sich das Museum George Enescu. Das Museum ist in dem zwischen Jahren 1901–03 errichteten, französisch inspirierten Jugendstilpalais, des Großgrundbesitzers, Premierministers und Chefs der Konservativen Partei Gheorghe Grigore Cantacuzino, untergebracht. Das Palais war spĂ€ter kurzzeitig Wohnhaus des rumĂ€nischen Komponisten Enescu.

Außerhalb des Zentrums liegt das Dorfmuseum (Muzeul satului). Es unterhĂ€lt unzĂ€hlige, gut erhaltene HĂ€user unterschiedlicher Epochen. Hier findet man seit der Eröffnung im Jahre 1936 jahrhundertealte BauernhĂ€user und Holzkirchen aus ganz RumĂ€nien[62] sowie mehr als 50 Haushalte, WerkstĂ€tten und MĂŒhlen.

Weitere bekannte Bukarester Museen sind das Museum Cercul Militar Național, das Museum Gheorghe Tattarascu, das Museum Theodor Pallady sowie das JĂŒdische Museum (zentrumsnah in der ehemaligen Schneider-Synagoge).

Parks

Bukarest besitzt neben einer Reihe von Seen am Rande des Stadtgebietes auch einige Parkanlagen. Der Ă€lteste Park Bukarests ist der rund 17 Hektar große Cișmigiu-Park (amtlich: Grădina Cișmigiu, also Cișmigiu-Garten). Erste Arbeiten in dem ParkgelĂ€nde begannen im Jahre 1798. Sie dauerten mehrere Jahrzehnte. Der Wiener Gartenarchitekt Meyer wurde 1849 mit dem Anlegen eines erweiterten Parks betraut. 1910 bekam der Park sein endgĂŒltiges Aussehen durch den Architekten Friedrich Rebhuhn.[63] Cișmigiu verfĂŒgt ĂŒber einen französischen Garten, das „Gebiet der Schriftsteller“, das „römische Gebiet“, einen Rosengarten und drei Seen.

Der im Norden gelegene Herăstrău-Park ist das grĂ¶ĂŸte VergnĂŒgungsgebiet in Bukarest, mit einer FlĂ€che von 187 Hektar. Mit gut gepflegten Alleen und Blumenbeeten, mit Statuen, SĂ€ulen, BrĂŒcken und Tausenden von Weiden hat Herăstrău eine ĂŒberwĂ€ltigende Wirkung durch seine GrĂ¶ĂŸe.

Herăstrău-Park

Insgesamt ist jedoch durch Baumaßnahmen der GrĂŒnflĂ€chenanteil in Bukarest von 1989 bis 2008 um 50 % zurĂŒckgegangen.[64]

Theater

Odeon-Theater

In Bukarest gibt es 19 Theater, eine Operette und mit der Opera Națională București die grĂ¶ĂŸte der vier rumĂ€nischen Nationalopern.[65] Das Nationaltheater wurde 1852 eröffnet. Seit 1973 ist das Theater in einem modernen GebĂ€ude mit einer FlĂ€che von 10.000 Quadratmetern am Nicolae-Bălcescu-Boulevard untergebracht.

Die Nationaloper Bukarest wurde 1919 gegrĂŒndet. Sie ist seit 1953 in einem neuen GebĂ€ude untergebracht. Heute ist die Nationaloper ein Repertoirebetrieb fĂŒr Oper und Ballett.[66] Das aktuelle Repertoire besteht aus ĂŒber 150 Oper- und BallettvorfĂŒhrungen.

1946 wurde das Teatrul Odeon gegrĂŒndet. Der Majestic-Saal verfĂŒgt ĂŒber eine in Europa einzigartige gleitende Decke.[67] Unter dem Namen Armeetheater wurde 1947 das heutige Nottara-Theater gegrĂŒndet. Ende der 1940er-Jahre wurde das Teatrul Bulandra gebaut. Es befindet sich in der Jean-Louis-Calderon-Straße. Im Jahr 1961 grĂŒndete der rumĂ€nischen Schauspieler Radu Beligan das Komödientheater in der SfĂąntu-Dumitru-Straße.

Straßen, Orte

Strada Lipscani ‱ Leipziger Straße
HĂ€user in Lipscani

Die Lipscani-Zone (deutsch: Leipziger Zone) ist eine Straße und ein Bezirk in der NĂ€he der Piața Unirii. Der Bezirk war im Mittelalter eine wichtige Handelszone. Die erste urkundlich erwĂ€hnte Gasse Bukarests hieß zunĂ€chst „Große Gasse beim alten FĂŒrstenhof“ und spĂ€ter „Deutsche Gasse“. Ihr heutiger Name stammt aus der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Damals standen dort LĂ€den von meist siebenbĂŒrgischen HĂ€ndlern, die Waren aus Leipzig anboten.[68] Die mittelalterliche Architektur ist heute noch erhalten. Zurzeit werden dort neue archĂ€ologische Funde gehoben. Heute gibt es in der Lipscani-Zone eine große Konzentration von CafĂ©s und Bars.

Zu den Ă€ltesten Boulevards Bukarests gehört außerdem die Calea Victoriei. Die von dem Herrscher BrĂąncoveanu gebaute Straße verbindet die Piața Splaiului mit der Piața Victoriei. Sie wurde errichtet, um eine gerade Zufahrt zum Mogoșoaia-Palais zu haben. Ihren jetzigen Namen erhielt sie im Jahre 1877 zum Gedenken an den Sieg der rumĂ€nischen Armee im UnabhĂ€ngigkeitskrieg. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Verkehrsader der Stadt fast ausschließlich von den Landesherren und den Hofleuten benutzt.[69] In der Calea Victoriei reihen sich PalĂ€ste und Prachtbauten wie der Cantacuzino-Palast (heute das Museum von George Enescu), das Ateneul RomĂąn (RumĂ€nisches AthenĂ€um) oder das Palatul Regal (Bukarester Königschloss) aneinander.

Der Boulevard Unirii (Boulevard der Einheit) ist der heutige Name des frĂŒheren Boulevard des Sieges des Sozialismus, den der rumĂ€nische Diktator Nicolae Ceaușescu in den 1980er-Jahren anlegen ließ.

Kulinarische SpezialitÀten

In den zahlreichen Restaurants und LokalitĂ€ten werden Speisen aus internationaler und einheimischer KĂŒche serviert. Es gibt jedoch keine originĂ€ren Bukarester SpezialitĂ€ten, die nicht auch anderswo angeboten werden. Die rumĂ€nische KĂŒche ist eine Symbiose aus den Erfahrungen einer bĂ€uerlichen Kultur mit ihren Okkupanten. Beeinflusst wurden die rumĂ€nischen GeschmacksansprĂŒche durch zahlreiche Varianten der balkanischen KĂŒche, der KĂŒche des Wiener Kaiserreichs, der ungarischen und deutschen KĂŒche.[70] Eines der am weitesten verbreiteten Gerichte ist das mămăligă, ein Maisbrei, der lange Zeit als Arme-Leute-Essen galt. Hauptspeisen sind die Krautwickel mit Fleisch (sarmale), die Mousakas, das șnițel (Wiener Schnitzel), Wild als Braten und tochitură. Angeboten werden auch diverse Kuchen, plăcintă (nach lat.: placenta) und FleischbĂ€llchen (chiftele) (mit Knoblauch, schwarzem Pfeffer und Bohnenkraut). Eine ĂŒberall angetroffene GrillspezialitĂ€t sind die mititei oder mici, eine Form von Ćevapčići, die mit Senf oder scharfen Paprika gegessen werden. Zu den heimischen SpezialitĂ€ten gehören auch Suppen und Eintöpfe wie Kuttelsuppe, aber auch Bohnensuppe, GemĂŒsesuppe, Rindfleisch- und HĂŒhnersuppe sowie zacuscă, ein Eintopf aus Tomaten, Auberginen und Pilzen.

Sport

Lia-Manoliu-Stadion in Bukarest

Bukarest besitzt diverse sportliche Einrichtungen. Bis Ende 2007 war das Lia-Manoliu-Stadion in Bukarest das grĂ¶ĂŸte Stadion in RumĂ€nien. Es bot nach offiziellen Angaben 60.120 Menschen Platz und wurde 2008 abgerissen, um dem Neubau der National Arena (Fertigstellung Juli 2011) Platz zu machen. In der neuen Arena findet 2012 das UEFA Europa League-Finale statt. Die Stadt war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Austragungsort von Welt- und Europameisterschaften.

Welt- und Europameisterschaften

In Bukarest fanden 1938 das Drei-Nationen-Turnier in Rugby, 1953 die 20. Tischtennis-Weltmeisterschaft, 1955 die Volleyball-Europameisterschaft der Frauen, 1957 die ersten Turn-Europameisterschaften der Frauen, 1967 die Ringer-Weltmeisterschaft und 1979 die Ringer-Europameisterschaft, 1969 die Boxeuropameisterschaft sowie 1955 und 1963 die Volleyball-Europameisterschaft statt.

Fußball

In Bukarest sind fĂŒnf große Fußballvereine beheimatet. Sportul Studențesc ist davon der Ă€lteste Verein. Er wurde am 11. Februar 1916 vom Mathematiker Traian Lalescu gegrĂŒndet. Zu den grĂ¶ĂŸten Erfolgen des Clubs gehört der Gewinn des Balkan-Cups. Der Verein trĂ€gt seine Heimspiele im Stadionul Regie aus.

Rapid Bukarest (offiziell: Fotbal Club Rapid București) wurde am 11. Juni 1923 von Eisenbahnern (siehe auch: CFR) gegrĂŒndet. Der heutige Liga 1 Club ist der einzige rumĂ€nische Vorkriegsverein, der nicht von dem kommunistischen Nachkriegsregime aufgelöst wurde. Heimstadion von Rapid Bukarest ist das Giulești-Valentin Stănescu Stadion.

F.C. Dinamo Stadion

1944 wurde der Fußballverein FC Progresul Bukarest gegrĂŒndet. Im Verlauf seiner Geschichte hatte der Verein zahlreiche verschiedene Namen. Die HeimspielstĂ€tte des Clubs, das Cotroceni-Stadion, bietet Platz fĂŒr 14.452 Zuschauer. Der heutige Liga 2 Verein gewann 1960 den rumĂ€nischen Pokal und in den Jahren 1996, 1997 sowie 2002 die rumĂ€nische Vizemeisterschaft.

Steaua Bukarest (offiziell: Fotbal Club Steaua București), einer der erfolgreichsten osteuropĂ€ischen Fußballvereine, wurde 1947 gegrĂŒndet. Er war 1986 der erste osteuropĂ€ische Club, der den Europapokal der Landesmeister und den europĂ€ischen Supercup gewinnen konnte. HeimspielstĂ€tte ist das Stadion Ghencea.

Der am 14. Mai 1948 gegrĂŒndete Fußballverein Dinamo Bukarest (offiziell: Fotbal Club Dinamo București) ist ein sehr erfolgreicher rumĂ€nischer Fußballverein. Die Heimspiele des Vereins werden im Dinamo-Stadion ausgetragen. Der Liga 1 Club war achtzehnmal RumĂ€nischer Meister, zwölfmal RumĂ€nischer Pokalsieger und einmal RumĂ€nischer Supercup-Sieger.

Tennis

Jedes Jahr im Herbst findet in Bukarest das Internationale Tennis-Turnier BCR Open RomĂąnia statt.

Rennsport

Im Mai 2007 wurde erstmals eine Rennveranstaltung auf dem Bukarest Ring ausgerichtet. Die temporĂ€re Rennstrecke ist 3180 Meter lang. Sie fĂŒhrt in einem unregelmĂ€ĂŸigen Viereck im Uhrzeigersinn um den Parlamentspalast.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bancorex GebÀude

Bukarest ist das bedeutendste Wirtschaftszentrum RumĂ€niens. Fast alle großen Dienstleistungsunternehmen RumĂ€niens, insbesondere Banken und Firmen des Finanzwesens, haben ihren Sitz in Bukarest.

Bereits Ende 1971 lag das Gesamtvolumen der Bukarester Industrieproduktion bei 17,3 Prozent der Landesproduktion. Zu dieser Zeit waren 235 Industrieanlagen in Betrieb, darunter 175 von landesweiter Bedeutung. Der bedeutendste Industriezweig war, mit 39,3 % der Gesamtproduktion der Stadt, die Maschinenbau- und Metallverarbeitungsindustrie.[71]

Die Region um Bukarest ist auch heute noch vor allem durch die Maschinenbau- und elektrotechnische Industrie geprÀgt. Seit den 1990er-Jahren werden vermehrt Anstrengungen unternommen, multinationale Konzerne anzusiedeln.

In RumĂ€niens reichster Wirtschaftsregion Bukarest-Ilfov lebten am 1. Januar 2006 2,215 Millionen BĂŒrger, das waren rund 12 Prozent der rumĂ€nischen ErwerbstĂ€tigen. Sie erwirtschafteten in den Jahren 2005 und 2006 ein ĂŒber dem Landesdurchschnitt liegendes Wachstum von 7,3 bzw. 7,8 Prozent. In der Region wurden außerdem 20 Prozent der rumĂ€nischen Ausfuhren und 40 Prozent der Einfuhren abgewickelt. Die Arbeitslosigkeit in der Region lag im Jahr 2006 bei 2,3 Prozent. Ein Angestellter verdiente 2005 in der Region Bukarest-Ilfov im Durchschnitt 977 Lei, das war um fast ein Drittel mehr als im Rest des Landes.[72]

Das Bukarester MessegelĂ€nde (Complexul Expozițional ROMEXPO) ist der grĂ¶ĂŸte Ausstellungskomplex in RumĂ€nien. Die GesamtflĂ€che der Anlage betrĂ€gt 421.700 mÂČ. Zum MessegelĂ€nde gehören 42 Hallen und 2.200 ParkplĂ€tze.[73] Auf dem GelĂ€nde finden jĂ€hrlich ĂŒber 40 Messen statt.

Zu den grĂ¶ĂŸeren Unternehmen mit Sitz in Bukarest gehören unter anderem die Firmen Dacia, ein zu Renault gehörender rumĂ€nischer Automobilhersteller, FAUR SA, ein rumĂ€nischer Fahrzeug- und Maschinenhersteller, Softwin, eine der fĂŒhrenden europĂ€ischen Firmen fĂŒr Sicherheitssoftware und Dienstleistungen fĂŒr Datensicherheit sowie der rumĂ€nische Erdöl- und Erdgaskonzern Petrom. Das Unternehmen ist im Aktienindex BET 10 gelistet. Die Bukarester Börse (rumĂ€nisch: Bursa de Valori București) ist die Wertpapierbörse RumĂ€niens. Sie wurde am 21. April 1995 im GebĂ€ude der Bank von RumĂ€nien gegrĂŒndet.

Geplante Großprojekte

In Bukarest sind die nachfolgenden Großprojekte im Bau, in der Ausschreibung bzw. Vorbereitung.

Projekt Wert Stand 2006 Anmerkung
Karpaten-Autobahn, (Bukarest-Brașov) rund 1,4 Milliarden Euro Ausschreibungen laufen; Bau von Anfang 2007 bis 2009 Staatliche Finanzierung oder PPP
StÀdtische Infrastrukturprojekte in Bukarest circa 5,7 Milliarden Euro Ausschreibungen bis 2008 StÀdtische Eurobondanleihe, Bankkredite und private Finanzierungen
Metro-Erweiterungsprojekt in Bukarest, Linie V 1 Milliarde Euro in Vorbereitung EIB-Kredit von 370 Millionen Euro genehmigt

Verkehr

Flughafen Băneasa
U-Bahn in Bukarest
Metroplan von Bukarest

Bukarest hat zwei zivile FlughĂ€fen. Der Flughafen Bukarest Henri Coandă in Otopeni ist der grĂ¶ĂŸte und wichtigste Flughafen RumĂ€niens. Neben Henri Coandă ist in Bukarest auch noch der Ă€ltere, jedoch deutlich kleinere Flughafen Băneasa in Betrieb. Der Flughafen Băneasa ist der Heimatflughafen der Fluggesellschaften Blue Air und Jet Tran Air.

Als grĂ¶ĂŸter Verkehrsknotenpunkt RumĂ€niens besitzt Bukarest den internationalen Bahnhof (Gara de Nord, Nordbahnhof). Er ist der grĂ¶ĂŸte Bahnhof in RumĂ€nien. Hier fahren sowohl ZĂŒge des Nahverkehrs (betrieben von Căile Ferate RomĂąne), als auch Fern- und internationale ZĂŒge. Viele Hauptlinien des Landes beginnen oder enden im Gara de Nord. In Bukarest gibt es darĂŒber hinaus noch mehrere regionale Bahnhöfe (Progresul, Obor) und den allerdings schon teilweise stillgelegten Rangierbahnhof București Triaj.

Etwa eine Million Pendler besuchen tĂ€glich die Hauptstadt.[74] Die Stadt besitzt ein gut ausgebautes U-Bahn-, O-Bus-, Straßenbahn- und Busnetz. Die Bukarester Metro wurde am 16. November 1979 eröffnet. Die vier Bukarester U-Bahnlinien verkehren auf einer GesamtstreckenlĂ€nge von 63 km und halten an 45 Stationen. Die Metro wird von der Firma Metrorex, das Straßenbahn- und Busnetz von der Firma RATB betrieben. 2006 wurden von der RATB 25 Straßenbahnlinien bedient. Das Bussystem ist das dichteste aller Transporttypen in Bukarest. 101 Buslinien werden von 1.000 RATB-Bussen unterhalten, wobei die meisten davon im unmittelbaren Stadtgebiet von Bukarest verkehren. Daneben fahren einige Busse in die StĂ€dte und Dörfer, die an Bukarest grenzen. Die Trolley-Busse der RATB decken zusĂ€tzlich 20 weitere Linien ab.[75] Das Busnetz wurde seit dem Jahr 2005 stark ausgebaut. Aus diesem Grund hat die Stadt Bukarest in den Jahren 2006 und 2007 500 neue Niederflurbusse in Betrieb genommen. Weitere 500 Niederflurbusse befinden sich seit Anfang 2008 in der Auslieferung [76] Auch die anderen Verkehrsmittel wurden oder werden modernisiert; so hat man auch neue O-Bus- und U-Bahn-Fahrzeuge angeschafft und damit begonnen, einige Straßenbahnlinien auf eigene Bahnkörper zu verlegen (als metrou ușor, Stadtbahn, bezeichnet). Die einfache Fahrt mit dem Bus kostete im Jahr 2010 1,30 Lei (~0,35 Euro), eine doppelte mit der Metro 2,50 Lei.

FĂŒr LKW ĂŒber 7,5 Tonnen zulĂ€ssiges Gesamtgewicht gilt in Bukarest zwischen 7:00 und 21:00 Uhr ein ganzjĂ€hriges Fahrverbot. FĂŒr den Zeitraum vom 15. September bis 15. Juni ist die Zufahrt mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. Das rumĂ€nische Autobahnnetz ist erst im Aufbau begriffen. Die erste rumĂ€nische Autobahn (rumĂ€nisch autostradă, Plural autostrăzi) war die 113 km lange Strecke Bukarest–Pitești, die in den 1960er Jahren erbaut wurde. Die Strecke ist heute TeilstĂŒck der A1. Radwege wurden in der Hauptstadt bisher nicht angelegt.[77] Auch gibt es keine ausgedehnten FußgĂ€ngerzonen in Bukarest.

Medien

Nach der rumĂ€nischen Revolution stieg die Zahl der privaten Medien in Bukarest innerhalb kurzer Zeit an. In staatlicher Hand blieben die Nationale Rundfunkgesellschaft, die Nationale Nachrichtenagentur sowie die öffentlich-rechtliche Fernsehgesellschaft TVR mit den KanĂ€len TRV1, TVR2, TVR International und TVR Cultural. TVR 1 strahlt wöchentlich auch ein eineinhalbstĂŒndiges Programm in deutscher Sprache aus. Zu den nationalen Tageszeitungen mit Sitz in Bukarest gehören die Zeitungen Adevărul, Cotidianul, RomĂąnia liberă und Evenimentul Zilei. Bis 1992 hieß die in Bukarest erscheinende Zeitung fĂŒr die deutschsprachige Minderheit in RumĂ€nien Neuer Weg. 1993 wurde sie in Allgemeine Deutsche Zeitung fĂŒr RumĂ€nien umbenannt. Die ADZ ist die einzige deutsche Tageszeitung in Osteuropa.

Bildung

Die Stadt beherbergt 16 staatliche und 12 private UniversitĂ€ten, fĂŒnf Hochschulen sowie zahlreiche Akademien, Forschungs- und Bildungseinrichtungen. In Bukarest befindet sich auch der Sitz der RumĂ€nischen Akademie. Das höchste Forum der Wissenschaft und Kultur in RumĂ€nien wurde 1866 gegrĂŒndet und hat derzeit 181 auf Lebenszeit gewĂ€hlte Mitglieder.

Die Wirtschaftsakademie Bukarest (rumĂ€nisch: Academia de Studii Economice din București, kurz ASE) ist die grĂ¶ĂŸte UniversitĂ€t der Stadt. Sie ist eine staatliche wirtschaftswissenschaftliche UniversitĂ€t mit insgesamt 49.000 Studenten und rund 2000 wissenschaftlichen Angestellten. König Carol I. grĂŒndete die UniversitĂ€t im Jahre 1913. Die UniversitĂ€t Bukarest ist heute eine staatliche UniversitĂ€t mit 30.000 Studenten und 18 FakultĂ€ten. Ihr HauptgebĂ€ude befindet sich am UniversitĂ€tsplatz. An der Polytechnischen UniversitĂ€t Bukarest gibt es aktuell 13 FakultĂ€ten mit insgesamt rund 15.000 Studenten und ĂŒber 4.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Im Jahre 1854 wurde die Technische UniversitĂ€t fĂŒr Bauwesen Bukarest (rumĂ€nisch: Universitatea Tehnică de Construcții București, kurz UTCB) gegrĂŒndet. An der technischen UniversitĂ€t mit sechs FakultĂ€ten studieren knapp 10.000 Studenten. Die Medizinische und Pharmazeutische UniversitĂ€t Carol Davila (rumĂ€nisch: Universitatea de Medicină și Farmacie Carol Davila) mit drei FakultĂ€ten wurde drei Jahre spĂ€ter gegrĂŒndet. Die Ă€lteste Landwirtschaftshochschule des Landes ist die 1852 gegrĂŒndete Landwirtschaftliche und VeterinĂ€rmedizinische UniversitĂ€t Bukarest, auch: UniversitĂ€t fĂŒr Landwirtschaft und VeterinĂ€rmedizin Bukarest (rumĂ€nisch: Universitatea de Științe Agronomice și MedicinĂŁ VeterinarĂŁ București). Die Nationale UniversitĂ€t der KĂŒnste Bukarest (rumĂ€nisch: Universitatea Națională de Arte București – oft abgekĂŒrzt als UNArte) ist die bedeutendste Kunsthochschule in RumĂ€nien. Sie wurde am 5. Oktober 1864 von FĂŒrst Alexandru Ioan Cuza gegrĂŒndet. Im selben Jahr kam es zur GrĂŒndung der UniversitĂ€t fĂŒr Architektur und Stadtplanung Ion Mincu.

In den letzten Jahrzehnten wurden auch einige PrivatuniversitĂ€ten gegrĂŒndet. Dazu gehört die 1990 gegrĂŒndete UniversitĂ€t Titu Maiorescu (rumĂ€nisch: Universitatea Titu Maiorescu) mit sechs FakultĂ€ten und die im Jahr 2004 gegrĂŒndete RumĂ€nisch-Amerikanische UniversitĂ€t (rumĂ€nisch: Universitatea RomĂąno-Americană, englisch: Romanian-American University). Zu den großen Akademien mit Sitz in Bukarest gehört die 1949 gegrĂŒndete Technische MilitĂ€rakademie Bukarest (rumĂ€nisch: Academia Tehnică Militară din București). Die Akademie ist eine militĂ€rische AusbildungsstĂ€tte fĂŒr die rumĂ€nischen StreitkrĂ€fte.

Die Nationale MusikuniversitĂ€t Bukarest (rumĂ€nisch: Universitatea Națională de Muzică București) wurde 1864 durch ein Dekret des FĂŒrsten Alexandru Ioan Cuza gegrĂŒndet. Mihail Kogălniceanu unterzeichnete die GrĂŒndungsurkunde in seiner Funktion als MinisterprĂ€sident.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Bukarest war Geburtsort zahlreicher bekannter Persönlichkeiten. Dazu gehören der Musikproduzent Michael Cretu, der Chemiker Lazăr Edeleanu, der Physiologe Nicolae Paulescu, der Bandleader Peter Herbolzheimer, der Schauspieler und Filmemacher John Houseman, der Arzt und Psychiater Jacob Levy Moreno, der Tennisspieler Ilie Năstase, der Schauspieler Edward G. Robinson, der Historiker Eugen Weber sowie der Pfarrer Richard Wurmbrand.

Literatur

  • Marin Mihalache: Die Museen von Bukarest, Meridiane Verlag, 1963, ISBN 978-3-7025-0430-4
  • Ion Marin Sadoveanu, Elga Oprescu: Jahrhundertwende in Bukarest, Der Morgen (Verlag), 1964
  • Merian: Bukarest und RumĂ€niens SchwarzmeerkĂŒste, Heft 6/XIX, Hoffmann und Campe, Juni 1966
  • Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu (wissenschaftlicher Sachbereich: Șerban Cioculescu, Grigore Ionescu): Bukarest von A bis Z, Pontica HandbĂŒcher, Verlag fĂŒr Tourismus, Bukarest 1974
  • Constantin C. Giurescu: Geschichte der Stadt Bukarest, Sport- und Touristikverlag, Bukarest, 1976
  • Axel Barner: StadtfĂŒhrer Bukarest, Kriterion Verlag, 1995, ISBN 973-26-0436-0
  • Axel Barner: Europa erlesen. Bukarest, Wieser Verlag, 1999, ISBN 3-85129-284-7
  • Ana G. Cast Branco dos Santos, Horia Georgescu, Pierre Levy: Moderne in Bukarest, Pustet Verlag, 2001, ISBN 3-7025-0430-3
  • Joachim Vossen: Bukarest – Die Entwicklung des Stadtraums. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart, Reimer Verlag, 2004, ISBN 3-496-02753-3
  • Birgitta Gabriela Hannover: Bukarest entdecken – Die rumĂ€nische Hauptstadt und ihre Umgebung, Trescher Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89794-120-5

Weblinks

 Wikisource: Bukarest â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Bukarest â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Bukarest â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ citypopulation.de, RumĂ€nien, Stand Januar 2009
  2. ↑ Geschichte der Stadt vom 21. Juli 2008
  3. ↑ Merian, Bukarest und RumĂ€niens SchwarzmeerkĂŒste, S. 95, Heft 6/XIX, Hoffmann und Campe (Juni 1966)
  4. ↑ Mihnea Corneliu Oncescu, Klaus-Peter Bonjer: A note on the depth recurrence and strain release of large Vrancea earthquakes, Tectonophysics 202, 1997
  5. ↑ F. Wenzel: Reduzierung von ErdbebenschĂ€den – eine Herausforderung fĂŒr Geo- und Ingenieurwissenschaften, TU-Berlin vom 21. Juli 2008
  6. ↑ Geotechnische und seismische Mikrozonierung von Bukarest, Uni Karlsruhe vom 21. Juli 2008
  7. ↑ Homepage von Bukarest vom 22. Juli 2008
  8. ↑ Weatherbase.com, Geoklima 2.1
  9. ↑ Michael Cismarescu: Die verfassungsrechtliche Entwicklung der Sozialistischen Republik RumĂ€niens 1965–1975, S. 238, in Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, Band 24, 1975, ISBN 3-16-637762-X
  10. ↑ Decretul nr. 284 din 31 Iulie 1979 (rumĂ€nisch)
  11. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken, S. 54, 2008
  12. ↑ Ein Dokumentarfilm mit dem Titel „City of Bucur“ (Regie, Herstellung, Drehbuch Aurelia Mihai) wurde 2006 von der deutschen Bundesregierung mit 12.000 € gefördert (s. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Pressemitteilung Nr. 124: Staatsminister Neumann vergibt Produktionsförderungen fĂŒr Kurzfilme).
  13. ↑ Gerrit E. Ulrich: Ein Lied vom Land im HĂ€usermeer der Stadt, S. 4, aus Merian, Bukarest und RumĂ€niens SchwarzmeerkĂŒste, Heft 6/XIX, Hoffmann und Campe (Juni 1966).
  14. ↑ Guide to Bucharest (PDF) vom 21. Juli 2008
  15. ↑ Offizielle Homepage von Bukarest (www.pmb.ro) vom 21. Juli 2008
  16. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 13, Pontica HandbĂŒcher, Verlag fĂŒr Tourismus, Bukarest (1974)
  17. ↑ Klaus Kreiser: Der osmanische Staat 1300–1922, Oldenbourg 2000, S. 21.
  18. ↑ Joachim Vossen: Bukarest – Die Entwicklung des Stadtraums. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart.
  19. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 13
  20. ↑ So mutmaßt Joachim Vossen: Bukarest, Uni Klagenfurt am 11. September 2008.
  21. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken, S. 42, 2008
  22. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 16.
  23. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 17
  24. ↑ Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, 1885-1892
  25. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken, S. 44, 2008
  26. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 18
  27. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 21
  28. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 22
  29. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 23
  30. ↑ a b c Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 24
  31. ↑ Horst G. Klein, Katja Göring: RumĂ€nische Landeskunde, S. 76, Gunter Narr Verlag, 1995, ISBN 3-8233-4149-9
  32. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken, S. 48, 2008
  33. ↑ IFZ-MĂŒnchen
  34. ↑ Scribd.com, Narcis-Gherghina-Istoria-Bombardamentelor-Americare (Seite 43)
  35. ↑ Etd.ceu.hu
  36. ↑ h[ttp://www.history-cluj.ro/Istorie/anuare/2002/Otto%20-%20Bombardamentele%20anglo.htm History-cluj.ro]
  37. ↑ Jurnalul.ro
  38. ↑ Pit Pietersen: Kriegsverbrechen der Alliierten SiegermĂ€cht, S. 552, ISBN 3-8334-5045-2
  39. ↑ Constantin C. Giurescu, "Istoria BucureƟtilor. Din cele mai vechi timpuri pĂźnă Ăźn zilele noastre" ("Geschichte von Bukarest. Von der FrĂŒhzeit bis zum heutigen Tag"), Ed. Pentru Literatură, Bucharest, 1966
  40. ↑ aviatori.ro - contribuƣiile d-voastră - articole
  41. ↑ Axel Barner: Bukarest Bild in der Deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vom 21. Juli 2008 [1]
  42. ↑ Manfred Görtemaker: Vom Kalten Krieg zur Ära der Entspannung, bpb.de vom 9. August 2008
  43. ↑ Erdbebensicheres Bauen – Einzigartige Versuchsanordnung in Bukarest eingeweiht, Uni-Protokolle vom 21. Juli 2008
  44. ↑ Armin Heinen: Der Tod des Diktators und die Gegenwart der Vergangenheit RumĂ€nien 1989–2002, Zeitblicke.de (PDF) vom 21. Juli 2008
  45. ↑ Romulus Cristaea: Doar despre tuneluri, buncare si forturi abgerufen am 17. Februar 2010
  46. ↑ Siebenbuergen.de, abgerufen am 13.Oktober 2008
  47. ↑ Religion.orf, abgerufen am 13. Oktober 2008
  48. ↑ insse.ro, Institutul National de Statistica, 1. November 2011
  49. ↑ J. Vossen. Bukarest – Die Entwicklung des Stadtraums. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart, Berlin, 2004
  50. ↑ Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, 1885-1892
  51. ↑ Ghid-Bucaresti.ro vom 21. Juli 2008
  52. ↑ Bukarest-Info vom 27. Juli 2008
  53. ↑ Konrad-Adenauer-Stiftung, Hoger Dix, Kommunalwahl in RumĂ€nien, am 10. November 2008 abgerufen
  54. ↑ Homepage von Bukarest vom 21. Juli 2008
  55. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken, S. 57, 2008
  56. ↑ Bukarest: Die stĂ€dtische Bevölkerung und ihre Wohnversorgung, aus Wohnungsbauforschung.at vom 28. Juli 2008
  57. ↑ M.Rute/R.Schediwy in Wiener Zeitung vom 21. Juli 2008
  58. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 102
  59. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 247
  60. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 153
  61. ↑ Museum Grigore Antipa (ro) vom 21. Juli 2008
  62. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 161
  63. ↑ A.T. Razvan, Cișmigiu – oder TrĂ€umerei unter BĂ€umen, S. 30, aus Merian, Bukarest und RumĂ€niens SchwarzmeerkĂŒste, Heft 6/XIX, Hoffmann und Campe (Juni 1966)
  64. ↑ ADZ.ro, 22. November 2008, abgerufen am 25. November 2008
  65. ↑ Theater in Bukarest vom 21. Juli 2008
  66. ↑ CEE Musiktheater, Nationaloper Bukarest vom 21. Juli 2008
  67. ↑ Teatrul Odeon (engl.) vom 21. Juli 2008
  68. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 196
  69. ↑ Sinziana Pop: Calea Victoriei – die Siegstraße, S. 11, aus Merian, Bukarest und RumĂ€niens SchwarzmeerkĂŒste, Heft 6/XIX, Hoffmann und Campe (Juni 1966)
  70. ↑ Horst G. Klein, Katja Göring: RumĂ€nische Landeskunde, S. 169, Gunter Narr Verlag, 1995, ISBN 3-8233-4149-9
  71. ↑ Sebastian Bonifaciu, Emanuel Valeriu: Bukarest von A bis Z, S. 27
  72. ↑ Allgemeine Deutsche Zeitung fĂŒr RumĂ€nien vom 27. Februar 2007, abgerufen am 27. Juli 2008
  73. ↑ Romexpo.org vom 9. August 2008
  74. ↑ Birgitta Gabriela Hannover, Bukarest entdecken,S. 53, 2008
  75. ↑ Bukarester Verkehr, goruma.de, vom 25. Juli 2008
  76. ↑ Parc autobuze R.A.T.B. (rum.) vom 10. November 2008 (Link nicht mehr abrufbar)
  77. ↑ GefĂ€hrlich und unbeliebt – Radfahren in RumĂ€nien, Deutsche Welle, dw-world.de vom 28. Juli 2008

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