Bund Deutscher MĂ€del

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Bund Deutscher MĂ€del
Erinnerungsplakette

Der Bund Deutscher MĂ€del (BDM oder BdM) war in nationalsozialistischer Zeit der weibliche Zweig der Hitlerjugend (HJ). Darin waren im Sinne der totalitĂ€ren Ziele des NS-Regimes die MĂ€dchen im Alter von 10 bis 18 Jahren organisiert, den JungmĂ€delbund (JM) der 10- bis 13-jĂ€hrigen MĂ€dchen eingeschlossen.

Aufgrund der ab 1936 gesetzlich geregelten Pflichtmitgliedschaft aller weiblichen Jugendlichen, sofern sie nicht aus „rassischen GrĂŒnden“ ausgeschlossen waren, bildete der BDM die damals zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte weibliche Jugendorganisation der Welt mit 4,5 Millionen Mitgliedern im Jahr 1944.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Entwicklung

AnfÀnge in der Weimarer Republik

Schon 1923 entstanden innerhalb der NSDAP die ersten „MĂ€dchenschaften“, auch als „Schwesternschaften der Hitler-Jugend“ bezeichnet. Diese Gruppen hatten aber noch wenige Mitglieder und wurden erst im Juni 1930 zum Bund deutscher MĂ€del zusammengeschlossen. Die bis 1931 auf 1 711 Mitglieder angewachsene Organisation wurde im selben Jahr unter BundesfĂŒhrerin Elisabeth Greiff-Walden in die Hitlerjugend eingegliedert.

Die ersten GrĂŒndungen von Ortsgruppen des BDM, des Nationalsozialistischen SchĂŒlerinnenbundes (NSS) und der JungmĂ€dchengruppen der NS-Frauenschaft, fallen in die Jahre 1930/31. Die Ortsgruppe Berlin wurde im Februar 1930 gegrĂŒndet, eine BDM-Gruppe in Danzig im Juli 1931. ZunĂ€chst noch verboten war die im Dezember 1930 gebildete Ortsgruppe Achern des badischen NSS.

Erzwungener Mitgliederzuwachs ab 1933

Vereidigung, 1935

Der am 17. Juni 1933 zum ReichsjugendfĂŒhrer ernannte Baldur von Schirach erließ sogleich Verordnungen, die die bis dahin bestehenden, konkurrierenden JugendverbĂ€nde auflösten oder verboten. Durch die Zwangseingliederung dieser Jugendgruppen – soweit sie sich nicht selbst auflösten, um sich dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen â€“ erfuhren HJ und BDM einen großen Mitgliederzuwachs. Noch nicht gleichgeschaltete Jugendgruppen (aufgrund des Reichskonkordates betraf das ausschließlich die katholische Jugendarbeit) waren oft Schikanen mit dem Ziel der erzwungenen Eingliederung in die nationalsozialistischen JugendverbĂ€nde ausgesetzt. Mit dem „Gesetz ĂŒber die Hitlerjugend“ vom 1. Dezember 1936 wurden alle Jugendlichen des Deutschen Reichs zur Mitgliedschaft in HJ oder BDM zwangsverpflichtet.

Leitbilder nach Art des Regimes

Hitlers grundlegende Vorgabe fĂŒr die Ausrichtung der weiblichen Jugend lĂ€sst sich einer Rede auf dem Frauenkongress 1935 in NĂŒrnberg entnehmen:

„Die Gleichberechtigung der Frau besteht darin, daß sie in den ihr von der Natur bestimmten Lebensgebieten jene HochschĂ€tzung erfĂ€hrt, die ihr zukommt [
] Auch die deutsche Frau hat ihr Schlachtfeld: Mit jedem Kinde, das sie der Nation zur Welt bringt, kĂ€mpft sie ihren Kampf fĂŒr die Nation.“[1]

Die BDM-Reichsreferentin Jutta RĂŒdiger hat fĂŒr ihren ZustĂ€ndigkeitsbereich im ersten Kriegsjahr 1939 schriftlich erklĂ€rt:

„Die Jungen werden zu politischen Soldaten und die MĂ€del zu starken und tapferen Frauen erzogen, die diesen politischen Soldaten Kameraden sein sollen – und unsere nationalsozialistische Weltanschauung spĂ€ter in ihrer Familie als Frauen und MĂŒtter leben und gestalten – und so wieder großziehen eine Generation der HĂ€rte und des Stolzes. Wir wollen darum bewußt politische MĂ€del formen. Das bedeutet nicht: Frauen die spĂ€ter in Parlamenten debattieren und diskutieren, sondern MĂ€del und Frauen, die um die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes wissen und dementsprechend handeln.“[2]

Bereits 1934 stand in dem offiziellen Publikationsorgan MĂ€del im Dienst zu lesen, dass die 10–14jĂ€hrigen JungmĂ€del sich in Handarbeit und Kochen auskennen und fĂŒr „die WĂ€rme des heimatlichen Herdes“ sorgen mĂŒssten. Auch sollten sie es verstehen, ein Heim behaglich einzurichten.[3] Im Zentrum der BDM-Erziehung stand nach Klönne „die Synthese von körperlicher und hauswirtschaftlicher ErtĂŒchtigung“ in Verbindung mit der Aufgabe, „den Zucht- und Auslesegedanken der gesamten weiblichen Jugend zu Bewußtsein zu bringen. Der Typ der deutschen Frau tritt ergĂ€nzend neben den Typ des deutschen Mannes, ihre Vereinigung bedeutet die rassische Wiedergeburt unseres Volkes.“[4] Im Hinblick auf die fĂŒr die Erhaltung der Volksgemeinschaft zu erfĂŒllenden eugenischen Aufgaben erklĂ€rte man die MĂ€dchen zum „Rassegewissen der Nation“. Die „echte deutsche Maid“ habe „HĂŒterin der Reinheit des Blutes und des Volkes zu sein und Helden aus den Söhnen des Volkes zu erziehen“.[5]

AktivitÀten und Alltag

JungmÀdel in Worms, 1933

Ähnlich wie bei den Jungen lag ein Schwerpunkt des AktivitĂ€tenangebots im BDM bei AusflĂŒgen, Wanderungen und rucksackbeladenen MĂ€rschen in freier Natur, oft gefolgt von Lagerfeuer mit Kochen und gemeinsamem Gesang. Auch Vollmond-Beobachtungen mit anschließender Übernachtung in Heuschobern waren im Sommerhalbjahr gĂ€ngig. MĂ€rchen- und TheaterauffĂŒhrungen, teils mit Puppen und Marionetten, Volkstanz und Flötenmusik sowie verschiedene Sportangebote, hĂ€ufig als Gruppenspiel, zĂ€hlten zum Standardprogramm. Anders als fĂŒr die mĂ€nnlichen Gliederungen der HJ gab es außer dem „GesundheitsmĂ€deldienst“ und dem fĂŒr beide Geschlechter vorgesehenen Landdienst keine BDM-Spezialabteilungen. Der Zugang zu den Sonderformationen der Hitler-Jugend, wie Motor-, Reiter- und Flieger-HJ, war den MĂ€dchen versperrt, weil nur mĂ€nnliche Bewerber in sie aufgenommen wurden.

WĂ€hrend es bei den Jungen um die Förderung von Kraft und ZĂ€higkeit ging, sollten die MĂ€dchen durch gymnastische Schulung vor allem Anmut entwickeln. „An die Stelle athletischen Kraftaufwands trat in der Regel die rhythmische Gymnastik mit ihrer Betonung auf Harmonie und dem GefĂŒhl, im eigenen Körper zu ruhen und Teil des Gruppenkörpers zu sein. So praktizierten die MĂ€dchen eine organische ‚Volksgemeinschaft’, gleichzeitig war der Fluss der gymnastischen Bewegungen auf die weibliche Anatomie und die kĂŒnftige Mutterrolle abgestimmt.“[6]

Im Winterhalbjahr gehörten Handarbeits- und Bastelabende in den BDM-Heimen zum Regelangebot. In den Erinnerungen einer Zeitzeugin heißt es dazu:

„Die Heimabende, zu denen man sich in einem dunklen und schmutzigen Keller traf, waren von einer fatalen Inhaltslosigkeit. Die Zeit wurde mit dem Einkassieren der BeitrĂ€ge, mit dem FĂŒhren unzĂ€hliger Listen und dem Einpauken von Liedertexten totgeschlagen, ĂŒber deren sprachliche DĂŒrftigkeit ich trotz redlicher MĂŒhe nicht hinwegsehen konnte. Aussprachen ĂŒber politische Texte – etwa aus ‚Mein Kampf‘ â€“ endeten schnell in allgemeinem Verstummen. Unsere GruppenfĂŒhrerin war VerkĂ€uferin in einem OptikgeschĂ€ft

In besserer Erinnerung sind mir die Wochenendfahrten mit den Wanderungen, dem Sport, den Lagerfeuern und dem Übernachten in Jugendherbergen. Gelegentlich gab es GelĂ€ndespiele mit benachbarten Gruppen. Wenn zwischen ihnen RivalitĂ€ten bestanden, artete das Spiel manchmal in zĂŒnftige PrĂŒgeleien aus. Was fĂŒr einen Anblick die sich um einen Wimpel raufenden MĂ€dchen einem Außenstehenden geboten haben mögen, will ich mir lieber nicht ausmalen.[7]“

NĂ€hstube des BDM, in der Kleidung des Jungvolks ausgebessert wird, 1942; an der Wand ein PortrĂ€t von Adolf Hitler mit der Unterschrift „Wir folgen Dir“

Standardbekleidung im BDM waren dunkelblauer Rock, weiße Bluse und schwarzes Halstuch mit Lederknoten. Die Art der KniestrĂŒmpfe und der Frisur ließen noch individuellen Spielraum. Nicht erlaubt waren hochhackige Schuhe und SeidenstrĂŒmpfe; Schmuck war nur in Gestalt von Fingerring und Armbanduhr zugelassen.[6] Zur Bekleidung Jugendlicher lauteten Hitlers frĂŒhe Vorgaben:

„Gerade bei der Jugend muß auch die Kleidung in den Dienst der Erziehung gestellt werden. Der Junge, der im Sommer mit langen Röhrenhosen herumlĂ€uft, eingehĂŒllt bis an den Hals, verliert schon in seiner Bekleidung ein Antriebsmittel fĂŒr seine körperliche ErtĂŒchtigung. [
] Das MĂ€dchen soll seinen Ritter kennen lernen. WĂŒrde nicht die körperliche Schönheit heute völlig in den Hintergrund gedrĂ€ngt durch unser laffiges Modewesen, wĂ€re die VerfĂŒhrung von Hunderttausenden von MĂ€dchen durch krummbeinige, widerwĂ€rtige Judenbankerte gar nicht möglich. Auch dies ist im Interesse der Nation, daß sich die schönsten Körper finden und so mithelfen, dem Volkstum neue Schönheit zu schenken.[8]“

Die von HJ und BDM angebotenen Ferienreisen, die ĂŒber ZuschĂŒsse auch Kindern aus sozial schwachen Familien Fahrten ins Winter-Skilager oder ins Sommer-Zeltlager ermöglichten, gehörten zu den gern wahrgenommenen Freizeitangeboten.[9] Zur Vorbereitung der MĂ€dchen fĂŒr den Dienst an Volk und Familie gab es zudem – zunĂ€chst auf freiwilliger Basis, von 1938 an verpflichtend â€“ ein Dienstjahr als hauswirtschaftliche oder landwirtschaftliche Hilfe (sog. Landfrauenjahr). Die MĂ€dchen wohnten und arbeiteten dabei in den Haushalten bzw. auf den Bauernhöfen. Die Vorbereitungslager fĂŒr den Landdienst von MĂ€dchen und Jungen lagen oft dicht nebeneinander, was zur Folge hatte, dass es vor allem 1936 gehĂ€uft zu Geschlechtsverkehr kam. Allein bei 900 der BDM-Mitglieder, die in jenem Jahr vom Reichsparteitag in NĂŒrnberg zurĂŒckkehrten, wurden anschließend Schwangerschaften festgestellt.[10]

Schlesien, Pommern und Ostpreußen waren die Schwerpunktregionen fĂŒr den Landdienst, der nach 1936 noch weiter ausgebaut wurde. In Schulungs- und Umschulungszentren wurden nicht mehr nur Grundlagen fĂŒr die Binnenkolonisation des lĂ€ndlichen Raums gelegt, sondern es wurde auch eine Basis fĂŒr die Neukolonisierung des nichtdeutschen Ostens hergestellt, den das „Herrenvolk“ als „Lebensraum“ nach den KriegsplĂ€nen des NS-Regimes erobern sollte.[11]

FĂŒhrung und Schulung

BDM-FĂŒhrerinnen beim Besuch des Konzentrationslagers Dachau, 1936

Wie in der HJ galt auch im BDM, dass Jugend durch Jugend gefĂŒhrt werden sollte. Allerdings bedingte die in der NS-Ideologie fixierte nachgeordnete Stellung des weiblichen Geschlechts, dass BDM-FĂŒhrerinnen in der Regel nicht eine den HJ-FĂŒhrern vergleichbar starke Stellung erlangten. Schon auf ihre weltanschauliche Unterweisung wurde minderer Wert gelegt. So stand die 1939 in Braunschweig eröffnete JugendfĂŒhrungsakademie den MĂ€dchen nur wĂ€hrend einer kurzen Zeit offen, in der nicht genĂŒgend geeignete Jungen fĂŒr die Kursteilnahme zur VerfĂŒgung standen.[12]

Die strenge Trennung der ZustĂ€ndigkeiten bewirkte, dass selbst eine höhere BDM-FĂŒhrerin einem einfachen Hitlerjungen keinen Befehl erteilen konnte. Die ReichsfrauenfĂŒhrerin Gertrud Scholtz-Klink dagegen hatte in NSDAP-Amtsleiter Erich Hilgenfeldt ihren mĂ€nnlichen Vorgesetzten.[13] An der Spitze von BDM und JM stand die „Reichsreferentin“, die der ReichsjugendfĂŒhrung (RJF) unterstellt war. Diesen Posten bekleideten von 1930 bis 1937 Trude Mohr und von 1937 bis 1945 Jutta RĂŒdiger.

Die Schulung der MĂ€del fand an den Heimabenden statt. Zu deren UnterstĂŒtzung gab es die monatlich erscheinende MĂ€delschaft, gemĂ€ĂŸ Titelblatt „BlĂ€tter fĂŒr Heimabendgestaltung im Bund Deutscher MĂ€del“. Den FĂŒhrerinnen standen zur ideologischen und praktischen Orientierung „FĂŒhrerinnenblĂ€tter“ zur VerfĂŒgung, die auf Gauebene herausgegeben wurden. Sie hatten auch an Wochenendschulungen teilzunehmen, die im Winter monatlich stattfanden. Dazu wurde vom Amt fĂŒr weltanschauliche Schulung der RJF Material zur „Wochenendschulung“ herausgegeben, das bis zur RingfĂŒhrerin einschließlich verteilt wurde.

Die Sonderausgabe vom September 1937 umreißt das Ziel dieser Wochenendschulungen wie folgt: „Es muß erreicht werden, daß 
 die FĂŒhrerin das unbedingt sichere GefĂŒhl der Geborgenheit innerhalb der Gemeinschaft der anderen FĂŒhrerinnen bekommt. Wie wichtig das ist, zeigt sich besonders bei FĂŒhrerinnen, die, dauernden Angriffen ausgesetzt, in kleinsten Standorten arbeiten mĂŒssen. Sie mĂŒssen allmĂ€hlich eine klare und unerschĂŒtterliche weltanschauliche Haltung bekommen, um ihren MĂ€deln etwas sein zu können. Sie sollen weiter durch die Wochenendschulung zur selbstĂ€ndigen Arbeit erzogen werden, um aus sich selbst heraus (aus eigener Arbeit und eigener Haltung), unter Hinzuziehung der Mappen der RJF. einen Heimabend gestalten zu können.“

Weitere Sonderausgaben wurden zu den Sommerlagern herausgegeben. Außerdem kursierten LiederbĂŒcher wie „Wir MĂ€del singen“.

Mitglieder und Organisationsformen

Die Mitgliedschaft in BDM/JM war seit 1936 fĂŒr MĂ€dchen des entsprechenden Alters obligatorisch. Junge Frauen von 17 bis 21 Jahren konnten dem 1938 gegrĂŒndeten Werk Glaube und Schönheit beitreten, das ein altersgemĂ€ĂŸes Programm bot und die Zeit bis zum Eintritt in die Nationalsozialistische Frauenschaft ĂŒberbrĂŒcken sollte.

Anfang des Jahres 1939 betrug die Mitgliederzahl des BDM insgesamt 3.425.990. In den „BlutmĂ€ĂŸigen Anforderungen“ wurde 1939 der Ariernachweis zur Voraussetzung fĂŒr die Zugehörigkeit zum BDM/JM gemacht. FĂŒr JĂŒdinnen, die seit den AnfĂ€ngen der NS-MachtĂŒbernahme diskriminiert und ausgegrenzt, durch die NĂŒrnberger Gesetze 1935 staatsbĂŒrgerlich entrechtet und seit den Novemberpogromen 1938 zunehmend verfolgt worden waren, bedeutete dies den endgĂŒltigen Ausschluss.

Nicht nur die Mitwirkung in Partei und Staat, auch das normale Berufsleben war von der HJ- beziehungsweise BDM-Zugehörigkeit mitbestimmt. So schrieb 1933 der Landeshandwerksmeister von Hessen an seine Kollegen: „Die Jungen und MĂ€del, die die weltanschauliche Schulung der HJ in sich aufnehmen, haben einzig und allein die Anwartschaft darauf, in die Lehre des Handwerks aufgenommen zu werden. Von Euch erwarte ich, daß Ihr nur solche Lehrlinge und LehrmĂ€dchen aufnehmt, die den Organisationen der Jugend des FĂŒhrers angehören
“[14]

Wie die mĂ€nnliche Hitler-Jugend waren auch BDM und JungmĂ€delbund sowohl nach Alter als auch horizontal (nach Regionen) und vertikal (nach VerbandsgrĂ¶ĂŸen) untergliedert:

Deutsches Jungvolk Hitlerjugend JungmÀdel Bund Deutscher MÀdel
Gebiet Obergau
Bann Untergau
Jungstamm Stamm JungmÀdelring MÀdelring
FÀhnlein Gefolgschaft JungmÀdelgruppe MÀdelgruppe
Jungzug Schar JungmÀdelschar MÀdelschar
Jungenschaft Kameradschaft JungmÀdelschaft MÀdelschaft

Eine „MĂ€delschaft“ umfasste etwa 10 bis 15 MĂ€dchen, eine „MĂ€delschar“ 3 MĂ€delschaften, eine „MĂ€delgruppe“ wiederum 3 MĂ€delscharen, ein „MĂ€delring“ 4 MĂ€delgruppen (etwa 360 bis 540 MĂ€dchen). Der „Untergau“ kam auf 5 MĂ€delringe, der „Obergau“ auf etwa 25 Untergaue und der „Gauverband“ etwa auf 5 Obergaue (insgesamt etwa 225 000 bis 337 500 MĂ€dchen). Vom Obergau ab waren fĂŒr BDM und JM gemeinsame Dienststellen eingerichtet.

Kriegszeit und Auflösung

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurden BDM-Mitglieder als Lazarett-, Luftschutz- und Landhelferinnen und auf vielfĂ€ltige andere Weise außerhalb des Waffendienstes in den Kriegseinsatz einbezogen.

Nach dem Ende des Polenfeldzugs erhielten BDM-Mitglieder in dem annektierten westpolnischen Reichsgau Wartheland neue Aufgaben. Innerhalb des Pflichtjahres oder bei freiwilligen EinsĂ€tzen hatten sie den nach der Vertreibung von etwa einer Million Polen dort neu angesiedelten etwa 350 000 „volksdeutschen“ Bauern aus anderen Regionen Polens bei der HaushaltsfĂŒhrung, im Umgang mit der deutschen Sprache sowie bei der Kindererziehung zu helfen: „Zur UnterstĂŒtzung bei der nationalsozialistischen Resozialisation wurden nach und nach 19 000 BDM-Mitglieder und deren junge FĂŒhrerinnen aus dem Reich ins ‚Wartheland’ geholt und in 160 Sonderlagern konzentriert. Ihr Einsatz dauerte vier bis sechs Wochen und erfolgte in Gruppen von bis zu 15 MĂ€dchen. Jede Gruppe betreute vier oder fĂŒnf Dörfer und arbeitete dabei oftmals mit der SS zusammen, die kurz zuvor die polnischen Einwohner vertrieben hatte.“[15] Die Begegnung mit den Polendeutschen verlief hĂ€ufig ernĂŒchternd fĂŒr die jungen MĂ€dchen, die mit verbreitetem Analphabetismus, mangelnder Hygiene und AlkoholabhĂ€ngigkeit konfrontiert wurden.[16]

Weitere Einsatzbereiche der BDM-Angehörigen im Verlauf des Krieges waren Erste-Hilfe-Maßnahmen fĂŒr Verwundete in KrankenhĂ€usern und Lazaretten, die Betreuung ankommender FlĂŒchtlinge auf Bahnhöfen und die UnterstĂŒtzung von im Bombenkrieg obdachlos Gewordenen. Etwa 3 000 MĂ€dchen ließen sich vom BDM direkt zum SS-Gefolge abwerben und wurden zum Teil KZ-Aufseherinnen.[17]

Wenn BDM-MĂ€dchen bei ihren EinsĂ€tzen, rĂ€umlich getrennt von ihren Familien, mit MĂ€nnern, wie z. B. Soldaten der Wehrmacht, zusammen lebten und arbeiteten, ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten zu sexuellen Kontakten. Die kriegsbedingte Lockerung der Sexualmoral brachte den BDM zunehmend in schlechten Ruf: „Der Volksmund interpretierte die AbkĂŒrzung BDM schließlich als ‚Bund Deutscher Matratzen’ oder ‚Bubi DrĂŒck Mich’.“[18]

Als Untergliederung der Hitler-Jugend wurde die Organisation Bund Deutscher MÀdel nach Kriegsende durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten und aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt.

Siehe auch

Literatur

Quellen
  • Gisela Miller-Kipp (Hrsg.): „Auch Du gehörst dem FĂŒhrer.“ Die Geschichte des Bundes Deutscher MĂ€del (BDM) in Quellen und Dokumenten. Juventa-Verlag, Weinheim u. a. 2001, ISBN 3-7799-1131-0 (Materialien zur historischen Jugendforschung ).
  • Dienstvorschrift der Hitlerjugend: Der JungmĂ€deldienst. ReichsjugendfĂŒhrung, Berlin 1940, (Online, archive.org).
  • Gerhard Honekamp: "Straff, aber nicht stramm - herb, aber nicht derb" - 'Erziehung zur deutschen Frau' durch den Bund Deutscher MĂ€del, in: Geschichte lernen 24/1991 (Themenheft Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus), S. 44-47 (Quellensammlung fĂŒr den Unterricht).
SekundÀrliteratur
  • Birgit JĂŒrgens: Zur Geschichte des BDM (Bund Deutscher MĂ€del) von 1923 bis 1939. 2. unverĂ€nderte Auflage. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-30602-4 (EuropĂ€ische Hochschulschriften Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 593), (Zugleich: Rostock, Univ., Diss., 1993).
  • Michael H. Kater: Hitler-Jugend. Aus dem Englischen von JĂŒrgen Peter Krause. Primus-Verlag, Darmstadt 2005, ISBN 3-89678-252-5.
  • Gabriele Kinz: Der Bund Deutscher MĂ€del. Ein Beitrag zur außerschulischen MĂ€dchenerziehung im Nationalsozialismus. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1990, ISBN 3-631-42549-X (EuropĂ€ische Hochschulschriften. Reihe 11: PĂ€dagogik 421), (Zugleich: Bielefeld, Univ., Diss., 1989).
  • Martin Klaus: MĂ€dchen im Dritten Reich. Der Bund Deutscher MĂ€del. 3. aktualisierte Auflage. PapyRossa-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-89438-152-3 (Neue kleine Bibliothek 55).
  • Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und Analysen. Diederichs, DĂŒsseldorf u. a. 1982 1982, ISBN 3-424-00723-4.
  • Gisela Miller-Kipp: „Der FĂŒhrer braucht mich“. Der Bund Deutscher MĂ€del (BDM). Lebenserinnerungen und Erinnerungsdiskurs. Juventa Verlag, Weinheim u. a. 2007, ISBN 978-3-7799-1135-7 (Materialien zur Historischen Jugendforschung).
  • Dagmar Reese (Hrsg.): Die BDM-Generation. Weibliche Jugendliche in Deutschland und Österreich im Nationalsozialismus. Verlag fĂŒr Berlin-Brandenburg, Berlin 2007, ISBN 978-3-86650-530-8., (Potsdamer Studien 19).
  • Dagmar Reese: MĂ€dchen im Bund Deutscher MĂ€del. In: Elke Kleinau, Claudia Opitz (Hrsg.): Geschichte der MĂ€dchen- und Frauenbildung. Band 2: Vom VormĂ€rz bis zur Gegenwart. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-593-35413-6.
  • Dagmar Reese: Straff, aber nicht stramm – herb, aber nicht derb. Zur Vergesellschaftung von MĂ€dchen durch den Bund Deutscher MĂ€del im sozialkulturellen Vergleich zweier Milieus. Beltz, Weinheim u. a. 1989, ISBN 3-407-58310-9 (Ergebnisse der Frauenforschung 18), (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Diss., 1987).

Weblinks

 Commons: Bund Deutscher MĂ€del â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Zitiert nach Werner Klose: Generation im Gleichschritt. Die Hitlerjugend. Ein Dokumentarbericht. MĂŒnchen unter anderem 1982, Seite 177–178. Bereits in Hitlers Mein Kampf stand zu lesen: „Auch die Ehe kann nicht Selbstzweck sein, sondern muß dem einen grĂ¶ĂŸeren Ziele, der Vermehrung und Erhaltung der Art und Rasse dienen. [
] Daher schon ist die frĂŒhe Heirat richtig, gibt sie doch der jungen Ehe noch jene Kraft, aus der allein ein gesunder und widerstandsfĂ€higer Nachwuchs zu kommen vermag.“ (85.–94. Auflage, MĂŒnchen 1934, Seite 275-276).
  2. ↑ Zitiert nach Klönne: Jugend im Dritten Reich. Lizenzausgabe. MĂŒnchen 1995, Seite 83.
  3. ↑ Zitiert nach Kater, Seite 75.
  4. ↑ Zitiert nach Klönne: Jugend im Dritten Reich. Lizenzausgabe. MĂŒnchen 1995, Seite 84.
  5. ↑ Zitiert nach Kater, Seite 91.
  6. ↑ a b Kater, Seite 74.
  7. ↑ Melita Maschmann: Fazit. Kein Rechtfertigungsversuch. Stuttgart 1963; zitiert nach Harald Focke / Uwe Reimer: Alltag unterm Hakenkreuz. Reinbek 1979, Seite 43.
  8. ↑ Adolf Hitler: Mein Kampf. 85.–94. Auflage. MĂŒnchen 1934, Seite 454.
  9. ↑ Klönne: Jugend im Dritten Reich. Lizenzausgabe. MĂŒnchen 1995, Seite 128.
  10. ↑ Kater, Seite 95, der auch einen Fall berichtet, wonach ein eben Mutter gewordenes BDM-MĂ€dchen 13 Personen als mögliche VĂ€ter benannte. „Um wenigstens den schlimmsten Ausschweifungen Einhalt zu gebieten, wurde daraufhin dem BDM 1937 das Kampieren im Freien untersagt.“(ebenda)
  11. ↑ Kater, Seite 75–76
  12. ↑ Kater, Seite 92. Allerdings hat das Regime bereits von Kindesbeinen an intensiv propagandistisch eingewirkt, wie das folgende Tischgebet aus dem Fundus der NS-Volkswohlfahrt zeigt: „FĂŒhrer, mein FĂŒhrer, von Gott mir gegeben, / beschĂŒtz’ und erhalte noch lange mein Leben! / Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not, / Dir danke ich heute mein tĂ€glich Brot. / Bleib’ lang noch bei mir, verlaß mich nicht, / FĂŒhrer, mein FĂŒhrer, mein Glaube, mein Licht! / Heil, mein FĂŒhrer!“ (Zitiert nach J. NeuhĂ€usler: Kreuz und Hakenkreuz. Der Kampf des Nationalsozialismus gegen die Katholische Kirche und der kirchliche Widerstand. MĂŒnchen 1946, Seite 251.)
  13. ↑ Kater, Seite 65.
  14. ↑ Zitiert nach Harald Focke / Uwe Reimer: Alltag unterm Hakenkreuz. Reinbek 1979, Seite 29.
  15. ↑ Kater, Seite 79.
  16. ↑ Kater, Seite 80.
  17. ↑ Kater, Seite 82.
  18. ↑ Kater, Seite 97.

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