Buraburg

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Buraburg
Blick vom B√ľraberg auf Fritzlar; rechts die Domt√ľrme, in der Mitte der Graue Turm; im Hintergrund am linken Bildrand die Obernburg von Gudensberg

Die B√ľraburg auf dem B√ľraberg war eine fr√§nkische Burg oberhalb des Fritzlarer Ortsteils Ungedanken im Schwalm-Eder-Kreis, Hessen (Deutschland). Von der Anlage sind heute nur noch Reste erhalten. Auf dem fr√ľheren Burggel√§nde findet sich heute eine im 6. Jahrhundert entstandene Kirche inmitten eines baumbestandenen Friedhofs. Die Kirche, von der der Blick weit √ľber das Edertal hin√ľber nach Fritzlar f√§llt, ist bis heute Ziel j√§hrlicher Prozessionen und Wallfahrten.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Burg stand auf dem B√ľraberg (275¬†m¬†√ľ.¬†NN), der nord√∂stlichsten Randh√∂he des Kellerwalds, einem auf drei Seiten steil zum Tal der Eder abfallenden Bergsporn, der oberhalb bzw. √∂stlich der Ortschaft Ungedanken bzw. 2,5¬†km s√ľdwestlich von Fritzlar in das Edertal vorspringt. Mit dem gegen√ľberliegenden Eckerich bildet der B√ľraberg am Austritt der Eder aus dem Wildunger Senkenland in das Fritzlar-Waberner Becken die sogenannte ‚ÄěPorta Hassiaca‚Äú.

√úber den Gipfel des B√ľrabergs verl√§uft ein Teilst√ľck des Bonifatiuswegs ("x12"), der unter anderem auch durch Fritzlar und Borken f√ľhrt.

Geschichte

Auf dem seit Jahrtausenden immer wieder besiedelten Platz (u.a. Jungpaläolithikum, Michelsberger Kultur, Latènezeit und Römische Kaiserzeit) wurde auf den Resten einer Befestigung der Völkerwanderungszeit eine Großburg an der Nordostflanke des Frankenreiches zum Schutze des Edergebietes errichtet.

Um 680 wurde eine fr√§nkische Reichsburg mit etwa 8 Hektar Innenraum, einer wenigsten 1,50¬†m breiten M√∂rtelmauer, mehreren T√ľrmen und drei Toren errichtet. An den besonders gef√§hrdeten Stellen wurden mehrere Spitzgr√§ben gezogen. Auf dem √∂stlichen Teil des Bergsporn befand sich eine Vorburg, in der b√§uerliche Geh√∂fte und Handwerker angesiedelt waren.

Um 700 wurde die Befestigung durch neue, breitere (ca. 1,80¬†m) Mauern verst√§rkt. Die Tore wurden ausgebaut, die Innenbesiedlung wurde dichter und planvoll angelegt (Pfostenbauten, St√§nderh√§user auf steinernem Unterz√ľgen oder Kellern, Grubenh√§user). Auf dem zentralen Gipfelplateau wurde das Brigidenkloster erbaut.

723 diente die B√ľraburg dem heiligen Bonifatius als Operationsbasis und milit√§rischer Schutzschirm, als er bei dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Geismar, vermutlich auf dem heutigen Domplatz in Fritzlar, die Donareiche f√§llte. Aus dem Holz der Eiche lie√ü er eine Kapelle errichten, die er dem Apostel Petrus weihte. Diese Holzkirche war die Keimzelle des 724 von Bonifatius begr√ľndeten Benediktinerklosters Fritzlar, zu dessen erstem Abt er St. Wigbert ernannte. Dieses Kloster wurde 1005 in ein S√§kularkanoniker-Stift umgewandelt.

742 erhob Bonifatius B√ľraburg zusammen mit W√ľrzburg und Erfurt zu Bist√ľmern. Erster Bischof wurde Bonifatius' Weggef√§hrte Witta. Schon 747 wurde das Bistum jedoch, zusammen mit dem ebenfalls von Bonifatius gegr√ľndeten Bistum Erfurt, durch Lullus dem Sprengel Mainz eingegliedert, da beide der weiteren Ausdehnung seines Bistums Mainz nach Osten hinderlich waren. B√ľraburg behielt jedoch bis 786 als Chorbistum eine gewisse Eigenst√§ndigkeit und war danach als Archidiakonat (sp√§ter nach Fritzlar verlegt) das Zentrum mainzischer Autorit√§t in Nordhessen und auf dem Eichsfeld. Witta lebte bis zu seinem Tod nach 760 weiterhin in der B√ľraburg. Um 750 wurden die Mauern wegen der Gefahr weiterer Sachseneinf√§lle noch einmal verst√§rkt, auf ca. 2,70¬†m Breite.

32 Jahre nach der Bistumsgr√ľndung wurde die Reichsfestung im Grenzbereich zwischen Franken und Sachsen nochmals in den fr√§nkischen Reichsannalen zum Jahr 774 im Zusammenhang mit den Sachsenkriegen Karls des Gro√üen erw√§hnt. W√§hrend Karl in Italien weilte, fielen die Sachsen in Nordhessen ein. Die Fritzlarer Bev√∂lkerung widerstand der Belagerung erfolgreich auf der B√ľraburg, sodass die Invasoren sich letztlich mit der Pl√ľnderung und Brandschatzung Fritzlars zufriedengeben mussten.

Nach der Unterwerfung der Sachsen im Jahre 804 verlor die B√ľraburg nach dem vorhergehenden Verlust der kirchenpolitischen Funktion nun auch ihre milit√§rische Bedeutung. Sp√§testens ab der Mitte des 9. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt der Besiedlung nach Fritzlar, und schon im 13. Jahrhundert war der B√ľraberg nicht mehr bewohnt.

Bischöfe

  • Witta (741-746)
  • Meginoz von B√ľraburg (Chorbischof, 747-786?)

Anlage und heutiger Zustand

Brigida-Kapelle auf dem B√ľraberg
Kreuzwegstationen auf dem B√ľraberg
Reste des S√ľdost-Tors der B√ľraburg

Auf dem Gipfelplateau des B√ľrabergs befindet sich die der irischen Nationalheiligen Brigida geweihte Kapelle. √Ąltester erhaltener Bauteil ist die Chorbogenwand, die mittels C-14-AMS-Analysen (ETH Z√ľrich, 2002) von Holzkohlepartikeln im Kalkm√∂rtel in den Zeitraum 543-668 bzw. 558-667 (kalibriert) datiert werden konnte. Damit w√ľrde es sich um den in seinen Urspr√ľngen √§ltesten Kirchenbau √∂stlich des Limes handeln.

An der Genauigkeit der C-14-Analysen besteht kein Anlass zu zweifeln, jedoch ist zu fragen, ob die aus dem Mauerm√∂rtel der Chorbogenwand entnommenen Holzproben, die f√ľr diese Analysen verwendet wurden, nicht von H√∂lzern stammen, die erst in Zweitnutzung bei der Herstellung des M√∂rtels verwendet wurden. Nach den Ergebnissen der Ausgrabung im nicht weit von der B√ľraburg entfernten Sondershausen ist auch nicht auszuschlie√üen, dass die St. Brigida-Kapelle urspr√ľnglich ein sakraler Bau gewesen ist, der heidnische Bez√ľge aufwies und erst durch die angels√§chsischen Missionare (zu denken w√§re hier an den vor Bonifatius in Th√ľringen wirkenden Willibrord) christlich umgewidmet wurde. √Ąhnliches wird von dem in Sondershausen ausgegrabenen zweischiffigen Geb√§ude am Rande des merowingischen Friedhofs angenommen (D. Walter, siehe Literatur).

Die Annahme, dass das Brigida-Patrozinium auf irisch-schottische M√∂nche zur√ľckzuf√ľhren sei, ist inzwischen widerlegt, da nachgewiesen wurde, dass es erstmals in einer Ablassurkunde aus dem Jahre 1289 bezeugt ist (M. Werner, S. 252- siehe Literatur) und auf dem Kontinent die √§ltesten Zeugnisse der Verehrung der Heiligen aus dem 8. Jahrhundert stammen (M. Werner S. 257). Beides l√§sst darauf schlie√üen, dass das Patrozinium im Laufe der An- und Umbauten der Kapelle gewechselt haben muss, wobei das urspr√ľngliche unbekannt ist.

Die j√ľngsten Ausgrabungen der Arch√§ologischen Denkmalpflege Hessen (2005) haben innerhalb der Kapelle am so genannten "Westturm" keine Hinweise auf ein vorkarolingisches Bauwerk erbracht. Das Mauerwerk des Turms sitzt auf den Resten einer Vorg√§ngerbebauung, die wiederum direkt auf dem gewachsenen Buntsandstein fu√üt und durch einen Skelettfund mittels einer C-14-AMS-Analyse in die Zeit zwischen dem Ende des 9. und dem Beginn des 11. Jahrhunderts datiert werden konnte.

Die Kapelle bildet das Zentrum der zumindest vom Ende des 7. bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts bestehenden, f√ľr die damalige Zeit h√∂chst aufw√§ndig und repr√§sentativ gebauten fr√§nkischen Befestigungsanlage, die aus bis zu drei hintereinander gestaffelten tiefen Erdgr√§ben und einem durchgehenden Mauerring mit drei Toren aus kalkgem√∂rteltem Buntsandstein bestand. Im Zuge der mehrj√§hrigen Ausgrabungskampagnen w√§hrend der 1960er und 1970er Jahre konnten mehrere Ausbauphasen festgestellt werden, deren letzte in die Zeit der Sachsenkriege Karls des Gro√üen datiert wird. Sie umfasste einen ca. 8 ha gro√üen Innenbereich mit nachweislich dichter, regelm√§√üiger Bebauung und eine dem befestigten Bereich nach Osten angrenzende, unbefestigte Vorburg von etwa 4 ha Fl√§che. Auf dieser, der Hauptverteidigungsrichtung entgegengesetzten Seite wurden eine Reihe von Pfostensetzungen und Grubenh√§user gefunden, die wahrscheinlich von Wirtschaftsgeb√§uden herr√ľhren. In diesem Bereich lag auch eine Quelle, die die Hauptwasserversorgung der Befestigung darstellte.

Die bemerkenswertesten heute noch zu besichtigenden Befunde auf der Bergkuppe sind gemauerte Keller- und Zisternenreste neben der Kirche und im Bereich des S√ľdosttores die Toranlage selbst mit Pfostenspuren und Herdplatten einer kasemattenartigen Reihenbebauung l√§ngs der Befestigungsmauern.

Auf dem Friedhof auf dem B√ľraburg-Gel√§ndes liegt der Arch√§ologe des B√ľrabergs, Prof. Dr. Norbert Wand (Bensheim) begraben, der am 30. September 2004 verstarb.

Literatur

  • Thiedmann, Andreas: St. Brigida auf dem B√ľraberg bei Fritzlar-Ungedanken - neue Einblicke in die Baugeschichte, in: Hessen Arch√§ologie 2005, Stuttgart 2006, S. 99-102
  • Thiersch, Katharina: Die Kapelle St. Brigida auf dem B√ľraberg bei Fritzlar-Ungedanken, in: Denkmalpflege & Kulturgeschichte, hrsg. Landesamt f√ľr Denkmalpflege Hessen, Heft 2/2003, S. 22-26
  • Vonderau, Joseph: Die Ausgrabungen am B√ľraberg bei Fritzlar 1926/31. Die festgelegten fr√§nkischen Festungsanlagen, sowie die Grund-Linien der √§ltesten Kirchenbauten am ersten hessischen Bischofssitz inmitten des Kastells. 22. Ver√∂ffentlichungen des Fuldaer Geschichtsvereins, hrsg. von Prof. Dr. h.c. Joseph Vonderau, Fuldaer Actiendruckerei, Fulda 1934
  • Walter, Diethard: Reportage Sondershausen: Im Zeichen des Reiches, in: Arch√§ologie in Deutschland 6/2006, S. 66 f.
  • Wand, Norbert: Die B√ľraburg bei Fritzlar - eine fr√§nkische Reichsburg mit Bischofssitz in Hessen, in: Fr√ľhmittelalterlicher Burgenbau in Mittel- und Osteuropa, Tagung Nitra vom 07. - 10. Oktober 1996, hrsg. Joachim Henning und Alexander T. Ruttkay, Bonn 1998 (dort weitere Literaturhinweise)
  • Werner, Matthias: Iren und Angelsachsen in Mitteldeutschland. Zur vorbonifatianischen Mission in Hessen und Th√ľringen, in: Heinz L√∂we (Hrsg.): Die Iren und Europa im fr√ľheren Mittelalter, Stuttgart 1982, S. 239-329

51.1205555555569.23638888888897Koordinaten: 51¬į¬†7‚Ä≤¬†14‚Ä≥¬†N, 9¬į¬†14‚Ä≤¬†11‚Ä≥¬†O


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