Burg Alvensleben

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Burg Alvensleben
Anco Wigboldus: Burgen von Norden 1937 - vorn die Veltheimsburg, im Hintergrund Bergfried der Bischofsburg

Anco Wigboldus: Burgen von Norden 1937 - vorn die Veltheimsburg, im Hintergrund Bergfried der Bischofsburg

Alternativname(n): Veltheimsburg
Entstehungszeit: Bischofsburg: Ersterwähnung 1180
Markgrafenburg: vor 1245
Burgentyp: Spornburg
Erhaltungszustand: erhaltener Bergfried, umgebaut
Ständische Stellung: Bischofsburg bzw. Markgrafenburg
Ort: Bebertal
Geographische Lage 52° 14′ 22″ N, 11° 19′ 50″ O52.23944444444411.330555555556Koordinaten: 52° 14′ 22″ N, 11° 19′ 50″ O
Burg Alvensleben (Deutschland)
Burg Alvensleben

Die Burg Alvensleben ist ein ehemaliger Burgenkomplex in der heutigen Gemeinde Hohe Börde (Ortsteil Bebertal), die 1950 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Alvensleben und Dönstedt entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis

Frühgeschichte und Namen

Markt und Dorf Alvensleben, Lithographie von Eyraud bei Behrends (1826)
Lageplan des Burgberges in Alvensleben nach der Separationskarte 1833/35

Das Archidiakonat Alvensleben gehörte zu den ältesten Niederlassungen des Hochstifts Halberstadt. Zu seinem Schutz gründeten die Bischöfe auf einem Felsmassiv über dem Tal der Bever eine Burg, in deren Obhut im 10. Jahrhundert ein Marktflecken entstand (erste, allerdings ungesicherte urkundliche Erwähnung 964). Nach ihr nannte sich die bischöfliche Ministerialfamilie von Alvensleben, die das Amt der Burgvögte im 12. und 13. Jahrhundert innehatte. Neunzehn Gemeinden gehörten zu ihrem Verwaltungsbezirk.

Der Name Alvensleben leitet sich ab aus dem Personennamen Albwin (althochdeutsch: „alp“ = Elf, Naturgeist, „wini“ = Freund, also Elfenfreund) oder Alf (abgekürzte Form von Alfert = Albenprächtig) sowie aus der Endung -leben (= Hinterlassenschaft, Erbe). Die Bedeutung des Ortsnamens ist somit als „Besitz oder Erbe von Albwin oder Alf“ zu verstehen. Er ist wahrscheinlich in die vorkarolingische Zeit zu datieren.

Im Mittelalter war Markt Alvensleben – von Mauern und Toren umschlossen – ein von Türmen starrendes Gebilde. Der Mauerring des Ortes umschloss zwei Kirchen und mehrere Turmhöfe der dienstpflichtigen Ritterschaft. In der Umgebung wurde Silberbergbau betrieben.

Die nebenstehende Karte zeigt den Lageplan des Burgberges nach der Separationskarte von 1833/35.

Der Ort wurde überragt von zwei Burgen, der bischöflichen, deren Hauptturm in der Zeichnung von Anco Wigboldus (Stand 1937) im Hintergrund sichtbar ist, und der markgräflich-brandenburgischen im Vordergrund. Die Lage einer dritten Burg ist ungeklärt.

Bischofsburg und Amt Alvensleben

Die Bischofsburg war 1180 im Besitz der Bischöfe von Halberstadt (erste urkundliche Erwähnung), ist aber vermutlich sehr viel älter. Sie gelangte Anfang des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Erzbischöfe von Magdeburg, die die Burg zumeist verpfändeten, zuletzt von 1534 bis 1598 an Gebhard XVII. von Alvensleben und dessen Söhne Ludolf X. und Joachim I., die die bereits stark verfallenen Gebäude wiederherstellten. Danach wurde die Burg als Amt von landesherrlichen Amtsleuten verwaltet. 1649 wurde der Wirtschaftsbetrieb, 1685 auch der Sitz des Amtmanns in den Markt Alvensleben verlegt. Die Burg verfiel bis auf den Turm.

Markgrafenburg, später Veltheimsburg

Die Markgrafenburg wurde vor 1245 von den Markgrafen von Brandenburg unmittelbar neben der Bischofsburg errichtet und war Teil der Befestigungsanlage. Sie gelangte 1439 an die Herren von Veltheim und erhielt den Namen Veltheimsburg. Im 18. Jahrhundert wurde sie durch ein Herrenhaus erweitert und im 19. Jahrhundert in romantisierender Form ausgebaut und ergänzt. Sie blieb bis zur Bodenreform 1945 im Besitz der Familie von Veltheim.

Ritterburg oder „Musikenburg“

Eine dritte Burg, die Ritterburg oder „Musikenburg“, wurde Anfang des 13. Jahrhundert von Gebhard I. von Alvensleben (erwähnt 1197-1216) gebaut, aber von dessen Sohn Johann II. von Alvensleben (erwähnt 1232–1248) an den Bischof von Halberstadt verkauft. Sie soll sich auf dem Hügel an der rechten Bildseite befunden haben. Allerdings konnte dies durch archäologische Untersuchungen bisher nicht bestätigt werden, so dass die Lage dieser Burg ungeklärt ist. Sie trug seinen Namen der Sage nach, weil „der Schall der Trompeten, Hörner und Cymbeln beim Klange der Becher und dem Wirbel der Tänze darinnen fast nie aufgehöret“.

Heutiger Zustand

Schloss Veltheimsburg, Parkseite, Ansicht vor dem Zweiten Weltkrieg

Dokumente, die eine Rekonstruktion der bedeutenden Anlage ermöglicht hätten, existieren nicht. Bis auf den runden Bergfried und die im Bilde sichtbaren Reste der romanischen Marienkapelle sind alle mittelalterlichen Gebäude abgebrochen. Vorhanden sind außerdem das Herrenhaus und ein Hofgebäude der Veltheimsburg. Der dazugehörige Park, unter dem sich ein Labyrinth unterirdischer Gänge hinziehen soll, bedeckt das Gelände der ehemaligen Bischofsburg und den rings abfallenden Burgbergfelsen. Die Gebäude der Veltheimsburg dienten nach 1945 u.a. als Kinderheim. Nach der Wende 1990 erwarb der Braunschweiger Unternehmer Hans-Dieter Neddermeyer den gesamten Burgkomplex und führt seitdem umfassende Renovierungen durch. Ein Teil der Gebäude wird als Standesamt und gastronomisch genutzt. Auf dem Burggelände werden Flohmärkte und Gartenfestivals veranstaltet.

Literatur

  • Gebhard von Alvensleben: Topographia oder General-Beschreibung des Primats und Erzstifts Magdeburg. Magdeburg 1655.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Band I, Berlin 1819, S. 1f.
  • Peter-Wilhelm Behrends: Neuhaldenslebensche Kreis-Chronik, Band 2, Neuhaldensleben 1826
  • George Adalbert von Mülverstedt: Codex Diplomaticus Alvenslebianus. Urkundensammlung des Geschlechts von Alvensleben. Erster Band bis zum Jahre 1412, Magdeburg 1879
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor: Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Dortmund 1960.
  • Marie-Luise Harksen: Die Kunstdenkmale des Kreises Neuhaldensleben. Leipzig 1961, S. 120–124
  • Ulrich Hauer: Die Burgen im unteren Bebertal, eine Zwischenbilanz. Archäologie in Sachsen-Anhalt, 2, 2004, S. 99–106
  • Harald Blanke: Romanische Ruinen im Romantischen Landschaftsgarten, ein Sonderfall, dargestellt am Beispiel der Veltheimsburg in Bebertal. Jahresschrift der Museen des Ohrekreises – Haldensleben und Wolmirstedt, Band 11 (44) 2004, S. 27–46

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