Böse Menschen – Böse Lieder

Böhse Onkelz – Böse Menschen – böse Lieder
Veröffentlichung

1985

Label

Rock-O-Rama Records

Format(e)

LP

Genre(s)

Oi!, Ska, Rock'n'Roll

Anzahl der Titel

10

Laufzeit

37 min 24 s

Besetzung
Produktion

Laslo Viragh

Studio(s)

MTV Studio Frankfurt

Chronik
Der nette Mann
(1984)
Böse Menschen – böse Lieder Mexico
(1986)

Böse Menschen – böse Lieder ist das zweite Studioalbum der Band Böhse Onkelz, welches 1985 erschien.

Die Schreibweise des Bandnamens weicht auf diesem Album ab („Böhse Onkels“). Das Cover zeigt eine schwarz-weiße Zeichnung von Quasimodo, der im rechten Arm Esmeralda und im linken Arm ihre Ziege hält und davonrennt; es hat keinen besonderen Hintergrund. Die Zeichnung stammt aus einer „Der Glöckner von Notre Dame“-Fortsetzungsserie von der „Pilot“-Comicserie. Das Album steht nur noch mit den Liedern Hässlich, brutal und gewalttätig, 7 Tage ohne Sünde und Hass in der Oi!-Tradition. Auch optisch begannen die Onkelz sich langsam von der Oi!-Szene abzugrenzen. [1]

Wie auch bei Onkelz wie wir... gab es zu diesem Album ein VHS-Studio-Video, bei dem die Band das Album einfach live vor einer Kamera einspielte.

Inhaltsverzeichnis

Titelliste

  1. Heute trinken wir richtig – 4:52
  2. Das Signum des Verrats – 4:47
  3. Stunde des Siegers – 4:59
  4. Was kann ich denn dafür – 2:39
  5. Ein Mensch wie Du und ich – 1:49
  6. Keiner wusste, wie’s geschah – 4:55
  7. Hässlich, brutal und gewalttätig – 3:08
  8. Nennt mich Gott – 4:13
  9. 7 Tage ohne Sünde – 2:57
  10. Hass – 3:17

Versionen

Neben der Originalversion existieren eine Bootlegversion des Albums, die um sogenannte „Raritäten“ ergänzt wurden. U.a. sind auf ihnen die Stücke vom Soundtracks zum Untergang 2-Sampler, die Titel vom Rock-O-Rama-Sampler No Surrender Vol. 2, der Lügenmarsch-Picture-Disc, der Finde die Wahrheit-Single, sowie zwei unveröffentlichte Lieder. Daneben erschienen eine Picture-Disc-Version sowie eine Zusammenfassung mit dem Nachfolger Mexico.

Bedeutung der Songtexte

Heute trinken wir richtig

Eins der für die frühen Jahre onkelztypischen Trinklieder. Das im Song abgekürzte Zitat „So ein Tag (so wunderschön) wie heute, (so ein Tag) der dürfte nie vergehen“ kommt aus einem Mainzer Karnevalslied von 1954.

Das Signum des Verrats

Der Text beschreibt eine Person, die aufgrund ihres Verhaltens ein „Signum des Verrats“ (Signum = Zeichen) trägt, welches diese, wenn auch nicht für das menschliche Auge sichtbar, durch soziale Eigenschaften „prägt“. Diese Prägung findet laut Text Ausdruck im Verraten von freundschaftlichen Beziehungen gegen finanzielle Vorteile, dem Spinnen von Intrigen und einem nicht näher beschriebenen sogenannten „schleimigen Wesen“. Mit „Verrätern“ waren in dem Text Menschen gemeint, die in der Hooligan-Szene Aussagen gegenüber der Polizei und Sozialarbeitern gemacht haben. [2]

Das Stück wurde 2000 für die Maxi-CD-Veröffentlichung von Dunkler Ort erneut eingespielt. Teile aus diesem Song, vor allem der Titel, wurde in den 1990er Jahren von neonazistischen Bands wie Landser gegen die Band verwendet.

Im Song „KPS“ der neonazistischen Band Landser wird auf dieses Lied angespielt: „Kennt ihr noch eure alten Lieder? Hören wollt ihr sie nicht – Denn das Signum des Verrats steht euch mitten im Gesicht“.

Stunde des Siegers

Dieses Lied beschreibt, dass man auch als Außenseiter eines Tages der große Gewinner sein kann, der über alle anderen triumphiert. Der Titel des Liedes ist eine Anlehnung an den gleichnamigen Film „Die Stunde des Siegers“.

Was kann ich denn dafür

Der Text enthält Referenzen auf den Schlager Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist von Robert Gilbert.[3]

Keiner wusste, wie’s geschah

Der Text enthält Anspielungen auf das Gedicht Die Gesänge von Johann Gottfried Seume. [4]

Nennt mich Gott

„Nennt mich Gott“ setzt sich kritisch mit Religionen auseinander.

7 Tage ohne Sünde

In diesem Lied werden eine nicht namentlich genannte Geschlechtskrankheit und die daraufhin vom Arzt verordneten „7 Tage ohne Sünde“ behandelt. Laut dem Buch „Böhse Onkelz - Danke für nichts“ handelt dieser Song von Gonorrhoe. Das Lied bedient sich eines Ska-Rhythmuses.

Hass

In diesem Stück drückt der Texter seinen „Hass“ auf von ihm empfundene soziale Missstände aus, die seines Erachtens von Politikern verursacht werden. Er beklagt, diese würden nichts für das Wohl des Volkes tun und stellt für sich ein Ungleichgewicht an der Tatsache fest, dass auf der einen Seite immer mehr Jugendliche keine Arbeit fänden (und dieser Zustand bereits als „normal“ angesehen würde), während auf der anderen Seite „die Reichen immer reicher“ würden.

Häßlich, brutal und gewalttätig

Neonazismusvorwürfe der Medien bzgl. der Skinheadszene werden in diesem Lied thematisiert. „Tragen alle Hakenkreuze, Skinheads haben nur Gewalt im Sinn, ist es das was ihr hören wolltet, dass wir hirnlose Schläger sind?“ „In den Medien steht es immer wieder, dass wir Schlägertrupps für Nazis sind, doch wir haben uns nichts vorzuwerfen, denn es ist ihr Gerede, das stinkt!“. Ironischerweise wurde der kritische Text mehrmals von der Zeitschrift Der Spiegel als Beleg für die neonazistische Gesinnung der Band und zweimal als Überschrift für Berichte über rechtsextreme/neonazistische Teile der Oi!-Szene. [5]

Singleauskopplungen

Die Rock-o-Rama-Tochter Street Rock’n’Roll koppelte 1989 die Stücke Hass und Was kann ich denn dafür als Single aus. Die Veröffentlichung wurde von der Band nicht autorisiert.

Einzelnachweise

  1. Farin, Klaus / Eberhard Seidel: Skinheads. 5., neubearbeitete und erweiterte Auflage. München: 2002, ISBN 3406475833, S. 93
  2. Eberwein, Markus/Josef Drexler: Skinheads in Deutschland, Selbstverlag 1987, ISBN 3926794267 zitiert nach Dunklerort.net
  3. Songinfo auf DunklerOrt.net
  4. Songinfo auf DunklerOrt.net
  5. Farin, Klaus / Eberhard Seidel: Skinheads. 5., neubearbeitete und erweiterte Auflage. München: 2002, ISBN 3406475833, S. 94

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