Abbauverfahren

Als Abbauverfahren oder Abbaumethode bezeichnet man im Bergbau eine Technik, die dazu dient, eine Lagerstätte wirtschaftlich optimal und zielgerichtet auszubeuten bzw. abzubauen. Das jeweilige Verfahren wird gekennzeichnet durch die Bauweise, die örtliche Bewegung und die Dachbehandlung. Die Bauweise spiegelt sich dabei in der Gestalt, der Form und der Größe des Abbauraumes wider. Die örtliche Bewegung ist kennzeichnend für die Abbaurichtung und den Verhieb.[1] Der Strossenbau ist das älteste Abbauverfahren für den Untertagebau.[2]

Inhaltsverzeichnis

Einteilung der Abbauverfahren

Die erste grobe Einteilung der Abbauverfahren geschieht nach in die Verfahren Tagebau und Untertagebau. Ob ein Mineral im Tagebau oder im Tiefbau (Untertagebau) abgebaut wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidende Kriterien sind unter anderem die Art und Stärke des Deckgebirges. Ein weiterer Faktor ist das Verhältnis zwischen Deckgebirgsschicht und Höhe des auszubeutenden Bodenschatzes. Je wertvoller das Mineral und je größer die Lagerstätte ist, umso größer kann das Verhältnis zwischen Abraummenge und Bodenschatz sein. Ein weiteres Kriterium ist die Menge des mit dem jeweiligen Abbauverfahren zu gewinnenden Bodenschatzes pro Zeiteinheit.[3]

Beim Untertagebau muss der Bergmann bei jedem Abbau ein besonderes Augenmerk auf das Gebirge und die Beherrschung der mit dem Gebirgsdruck zusammenhängenden Kräfte haben. Hier ist die erste grobe Einteilung abhängig von der Behandlung des Hangenden. Bezüglich dieser unterschiedlichen Gebirgsbehandlung gibt es drei erste Einteilungsgruppen:

  • Abbauverfahren mit Absenkung des Hangenden auf Bergeversatz
  • Abbauverfahren mit Zubruchgehen des Hangenden
  • Abbauverfahren mit Stützung des Hangenden durch Gebirgsfesten

Eine weitere Einteilung ist die Einteilung nach Bauweise. Hier unterscheidet der Bergmann insgesamt fünf Bauweisen:

  • Langfrontartige Bauweise
  • Stoßartige Bauweise
  • Pfeilerartige Bauweise
  • Kammerartige Bauweise
  • Blockartige Bauweise

Diese Bauweisen lassen eine genauere Einordnung zu. Sie stellen in sich zwar noch kein Abbauverfahren dar, sind aber ein wesentliches Merkmal jedes einzelnen Verfahrens. Als weitere Einteilungskriterien werden die Verhiebeart, die Abbaurichtung und die Behandlung des Hangenden berücksichtigt.

Auswahlgesichtspunkte

Die Wahl des Abbauverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab. Durch Abwägung aller für und wider entscheiden sich die Planungsingenieure in der Regel für das billigste und zugleich sicherste Verfahren. Dabei müssen sie auch berücksichtigen, dass nicht jedes Abbauverfahren für jede Lagerstätte geeignet ist.

Bei der Wahl des Abbauverfahrens müssen die Planungsingenieure das Einfallen und die Mächtigkeit der Lagerstätte berücksichtigen, außerdem die Reinheit der Lagerstätte und die eventuell anfallende Menge des Bergematerials. Bei erhöhtem Bergeanfall kann die Entscheidung zugunsten einer Abbaumethode mit Bergeversatz fallen, um diese Berge nicht Übertage deponieren zu müssen. Das Vorhandensein zahlreicher Ablösen in einer bestimmten Streichrichtung ist ebenso zu berücksichtigen wie das Verhalten des Nebengesteins. Beim Abbau von Steinkohlenlagerstätten können Schlagwetter und Kohlenfall auftreten. Letztendlich wird auch die optimale Ausbeute dadurch bestimmt, wie viel Anteile der Lagerstätte stehen bleiben müssen.[4]

Literatur

  • Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962

Einzelnachweise

  1. Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7
  2. Bergstadt Schneeberg: Abbauverfahren
  3. Wirtschaftsvereinigung Bergbau e.V.: Das Bergbau Handbuch. 5. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1994, ISBN 3-7739-0567-X
  4. Emil Stöhr, Emil Treptow: Grundzüge der Bergbaukunde einschließlich der Aufbereitung. Spielhagen & Schurich Verlagsbuchhandlung, Wien 1892

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