Adachi Hatazō

Adachi Hatazō 1945

Adachi Hatazō (jap. 安達 二十三; * 17. Juni 1890 in der Präfektur Ishikawa; † 10. September 1947 in Rabaul) war ein General der Kaiserlich Japanischen Armee.

Inhaltsverzeichnis

Vorkriegszeit

Adachi wurde als Kind einer verarmten Samurai-Familie in der Präfektur Ishikawa geboren. Sein Geburtsjahr, 1890, war das 23. Regierungsjahr des Tennō Meiji, weshalb sein Vater die Kanji für 23 für den Vornamen seines Sohnes, Hatazō, auswählte, ähnlich bei seinen fünf Brüdern. Seine Familie war zu arm, ihn auf eine militärische Grundschule gehen zu lassen, was als Voraussetzung für die Offizierslaufbahn in der Kaiserlich Japanischen Armee galt. Aus diesem Grund nahm er in seiner Jugend an den Eignungsprüfungen zur Aufnahme an der Heeresoffizierschule teil, welche er bestand. Er schloss seine dortige Ausbildung 1910 mit dem insgesamt 22. Jahrgang als Leutnant ab.[1]

Im Anschluss daran diente er in der Kaiserlichen Garde, bevor er die Heereshochschule besuchte, an der er 1922 seinen Abschluss machte. Anders als viele andere Offiziere der Japanischen Armee war Adachi nicht sonderlich politisch engagiert und vermied es, eine zu große Nähe zu den verschiedenen politischen Fraktionen aufzubauen, die besonders in den 1930er Jahren wiederholte Umsturzversuche durchführten. Nach seinem Abschluss diente er in der Verwaltung des Generalstabs der Armee und reiste von September 1932 bis April 1933 durch Europa, bevor er daran anschließend bis August 1935 das Eisenbahnkommando der Kwantung-Armee führte, welches für den Schutz der Südmandschurischen Eisenbahn zugeständig war. Von August 1935 bis Dezember 1936 wurde er in den Stab des Oberbefehlshabers des Heeres verlegt, wo er die Abteilung Transportwesen im Büro für Transportwesen und Kommunikation leitete.[1]

Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg

Nach seiner Beförderung zum Oberst 1934 übernahm Adachi im Dezember 1936 sein erstes Kommando über das 12. Infanterieregiment. Während der Schlacht um Shanghai im kurz zuvor ausgebrochenen Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg machte er sich einen Namen, indem er seine Truppen im am stärksten umkämpften Abschnitt von vorderster Front aus führte. Hierbei wurde er im September durch Granatsplitter verwundet, was eine bleibende Beeinträchtigung seines rechten Beines nach sich zog.

Im März 1938 wurde er für seine Verdienste zum Generalmajor befördert und bis November in das Hauptquartier der Kwantung-Armee verlegt. Anschließend war er bis August 1940 Kommandierender General der 26. Infanteriebrigade bevor er bis Oktober 1941 in selber Position mit der 37. erstmals eine Division führte. Manche Quellen geben an, dass er bei Übernahme dieses Kommandos gleichzeitig zum Generalleutnant befördert wurde, während andere dies nicht erwähnen.[2][1] Mit dieser Division nahm er an der Schlacht um Südshanxi teil. Ab November war er für 12 Monate bis zum November 1942 Stabschef der Regionalarmee Nordchina, wo er sich den Ruf machte, ein "Soldatengeneral" zu sein. Er teilte die oft schlechten Lebensbedingungen der ihm untergebenen Soldaten und galt als Freund der offenen Diskussion sowohl mit den ihm unterstellten Offizieren als auch den einfachen Mannschaften.[3] Parallel hierzu erreichte die Taktik der verbrannten Erde in seinem Befehlsbereich zu dieser Zeit einen Höhepunkt. Es wurde versucht, durch die exzessive Zerstörung von Infrastruktur und landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben die mit einer Guerillataktik kämpfende Chinesische Rote Armee auszuhungern.

Pazifikkrieg

Am 9. November 1942 wurde Adachi Oberbefehlshaber der neu formierten 18. Armee, welche der Südarmee unterstand, die für den südostasiatischen Kriegsschauplatz verantwortlich war. Adachis Befehlsbereich lag dabei an der Nordküste Neuguineas. Anfangs unterstand ihm auf diesem Kommando lediglich die 41. Division, welche mit etwa 7.300 Soldaten unterbesetzt war. Mit dieser Division versuchte er ab Dezember 1942 die Orte Buna, Gona und Sananda sowie die umliegenden Gebiete zu halten. Nach dem Verlust von Gona noch im selben Monat zog er sich nach Salamaua und Lae zurück, welche er um jeden Preis halten sollte. Ab Januar 1943 wurden ihm hierfür zusätzlich die 20. und die 51. Division unterstellt, die jedoch beide ebenfalls nicht auf Sollstärke waren.[1] Während die 20. Division ohne Zwischenfälle nach Neuguinea verlegt werde konnte, geriet der Transport der 51. Division von Rabaul nach Lae, der von Adachi begleitet wurde, anfang März in die Schlacht in der Bismarcksee, wobei alle acht Transporter und die vier Begleitzerstörer durch alliierte Luftangriffe versenkt wurden. Adachi und 2.426 weitere Männer konnten später lebens geborgen werden, während 3.664 Mann umkamen.

Ab April 1943 wurde Adachi mit seinen Truppen zuerst in der Salamaua-Lae-Kampagne und später in der Aitape-Wewak-Kampagne von der Küste ins Landesinnere abgedrängt. Mehrere Gegenoffensiven scheiterten, sodass die 18. Armee bis Mitte 1945 in den Bergen eingeschlossen worden war. Zu diesem Zeitpunkt waren durch die Versorgungsengpässe und Krankheit bereits mehr Soldaten Adachis umgekommen als durch direkte Feindeinwirkung. Um zumindest die Nahrungsmittelknappheit einzudämmen, ordnete Adachi den Anbau von Nahrungspflanzen an, dessen Effekt jedoch großteils hinter den Erwartungen zurückblieb. Nach einem letzten Ausbruchsversuch mit den verbliebenen 13.500 Mann im Juli 1945 begann die Munition ebenfalls auszugehen. Als die Nachricht von der Kapitulation Japans die 18. Armee erreichte und Adachi den Willen zeigte, dieser zu folgen, befahlen einige Offiziere ihren Einheiten noch Selbstmordangriffe auf die feindlichen Stellungen, welche von Adachi verboten worden waren und denen immer gefolgt wurde. Am 13. September 1945 unterzeichnete Adachi schließlich auf dem Flugfeld von Cape Wom gegenüber dem australischen Generalmajor Horace Robertson die Kapitulation aller Truppen unter seinem Kommando. Etwa 13.000 überlebende Japaner wurden anschließend entwaffnet und gingen in Kriegsgefangenschaft.[1]

Generalmajor Horace Robertson der Australian Army akzeptiert das Schwert und damit die Kapitulation Adachi Hatazōs und seiner Truppen

Kriegsverbrecherprozess und Tod

Nach seiner Kapitulation wurde Adachi durch die australische Regierung als Kriegsverbrecher angeklagt. Er wurde der unmenschlichen Behandlung und willkürlichen Exekution Kriegsgefangener beschuldigt. Obwohl er an den ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht persönlich beteiligt war, nahm Adachi als Oberbefehlshaber die Verantwortung für die Taten seiner Untergebenen auf sich. Am 12. Juli 1947 wurde er daher von einem Militärtribunal zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 10. September 1947 erhängte er sich im Kriegsverbrechergefängnis auf der Insel Manus, nachdem er mehrere Abschiedsbriefe geschrieben hatte.[1]

Einer dieser Briefe war an die mit ihm in Rabaul internierten Soldaten der ehemaligen 18. Armee gerichtet:

„Es war eine große Ehre für mich, im November 1942 den Oberbefehl zu einer Zeit zu übernehmen, als die Befehle klar gegeben und von strategischer Wichtigkeit waren, zu einer Zeit als das Kriegsglück auf unserer Seite stand. Ich war dankbar für meine Berufung. Trotzdem, obwohl meine Offiziere und Männer ihr bestes unter den gegebenen Umständen taten, alle Schwierigkeiten überwanden und meine Untergebenen mich so gut sie konnten unterstützten, konnte das angestrebte Ende aufgrund meiner Unfähigkeit nicht erreicht werden. Hiermit ebnete ich für mein Land den Weg in das momentane Dilemma. Dies ist ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft werden muss. Während der vergangenen drei Jahre im Einsatz sind mehr als 100.000 junge und vielversprechende Offiziere und Soldaten umgekommen und die meisten von ihnen starben an Mangelernährung. Wenn ich an dies denke, weiß ich nicht, wie ich mich vor Ihrer Majestät, dem Kaiser, rechtfertigen soll und ich fühle das ich selbst von Schande erdrückt werde […] Ich habe Ausdauer weit über das menschenmögliche hinaus von meinen Offizieren und Männern erwartet, die bereits erschöpft und ausgemergelt waren durch die andauernden Operationen und den Mangel an Nachschub. Trotzdem, meine Offiziere und Männer folgten meinen Befehlen alle in Stille und ohne sich zu beklagen und, wenn sie erschöpft waren, erlagen dem Tod wie Blüten, die im Wind fallen. Gott weiß wie ich mich fühlte, als ich sie sterben sah, mein Herz ist voller Mitleid für sie, aber es war einzig und allein für ihr Land und sie widmeten ihm ihr Leben. In diesem Augenblick fasste ich den Entschluss, die Küsten meines Landes nicht wieder zu betreten sondern wie meine 100.000 Offiziere und Soldaten ein Klumpen Erde in der Südsee zu werden, selbst wenn eine Zeit kommen sollte in der ich in der Lage wäre, im Triumph in mein Land zurück zu kehren.“[4]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Richard Fuller: Japanese Generals 1926–1945. 2011, S. 23.
  2. Pacific War Online Encyclopedia.
  3. Pacific War Online Encyclopedia.
  4. Long, Gavin, Volume VII – The Final Campaigns (1st edition), Chapter 15 TAZAKI AND SHIBURANGU, page=386-387 in the series Australia in the War of 1939–1945.

Quellen

Literatur

  • Edward J. Drea: Adachi Hatazo: A Soldier of His Emperor. in In the Service of the Emperor: Essays on the Imperial Japanese Army. Bison Books, 2003, ISBN 978-0-8032-6638-4.
  • Richard Fuller: Japanese Generals 1926–1945. 1. Auflage. Schiffer Publishing Ltd., Atglen, PA 2011, ISBN 978-0-7643-3754-3.
  • Saburō Hayashi und Alvin D. Coox: Kōgun: the Japanese army in the Pacific War. Greenwood Press, 1978, ISBN 978-0-313-20291-9.

Weblinks

Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Adachi der Familienname, Hatazō der Vorname.

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