Amnon von Mainz

Amnon von Mainz (auch Amnon von Mentz) ist die Hauptfigur der wohl bekanntesten mittelalterlichen jüdischen Legende.

Er soll um 940–1040 (nach dem jüdischen Kalender um 4700–4800) in Mainz gelebt haben.

Inhaltsverzeichnis

Die Legende

Holzschnitt von Mainz aus der Schedelschen Weltchronik (um 1493)

Amnon ist ein weltgewandter und geachteter Mainzer Jude, welchen der Erzbischof von Mainz wiederholt versucht, zum Christentum zu bekehren (anderen Überlieferungen nach ist es ein Herzog von Hessen.) Um den Bischof eines Tages wieder einmal loszuwerden, bat sich Amnon drei Tage Bedenkzeit aus, um in sich zu gehen. Kaum hatte er dies gesagt, bereute er es auch schon, da er es sich selbst als einen Zweifel an seinem eigenen Glauben auslegte.

Da aus diesem Grunde Amnon am verabredeten Tag nicht kommen wollte, ließ ihn der Erzbischof von seinen Wächtern abholen und in den Bischofssitz bringen. Amnon, untröstlich über das was er gesagt hatte, ließ den Bischof wissen, man möge ihm die Zunge abschneiden für seine Worte. Der Bischof antwortete ihm, dass er ihm die Zunge nicht abschneiden lassen würde, da sie gut gesprochen habe, dafür jedoch die Füße, weil sie nicht gekommen sind und auch die Hände und so geschah es. Anschließend ließ man den Geschändeten nach Hause tragen.

Wenig später ist Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest. Amnon lässt sich mitsamt seinen inzwischen eingesalzenen abgetrennten Gliedmaßen in die Synagoge bringen und neben den Vorbeter setzen. Als dieser mit dem Vortrag beginnen will, unterbricht ihn Amon. Er selbst will den Namen Gottes heiligen und rezitiert laut den pijjutUnd nun lasst uns die gewaltige Heiligkeit dieses Tages schildern ...“, die des göttlichen Gerichtstages, der mit Rosch ha-Schana verbunden ist. Kaum fertig mit dem pijjut verschwindet er vor den Augen der Anwesenden, denn sein Gott hat ihn zu sich genommen. Drei Tage später erscheint Amnon jedoch dem Rabbi Kalonymos ben Meschullam, lehrt ihn dieses Gebet und beauftragt ihn, es zu seinem Andenken zu verbreiten.

Geschichte

Die älteste Aufzeichnung dieser Geschichte findet sich in den Schriften des Israel von Krems um 1400 später im Vilnaer Talmud, die älteste gedruckte Überlieferung ist in der Machzor Roma von 1540. Von dort übernahm sie Gedalja ibn Jachja in sein Schalschelet haqabbala, von wo aus sie ihre Popularität erlangte.

Dem russischen Schriftsteller Simon Frug diente sie als Vorlage für einen Roman, Maxim Sakaschansky verarbeitete sie zu einem deutschsprachigen jüdischen Drama.

Literatur

  • Lucia Raspe: Jüdische Hagiographie im mittelalterlichen Aschkenas. Tübingen, Mohr-Siebeck, 2006, S. 130 f.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Amnon (Begriffsklärung) — Amnon ist der Name folgender Personen: Amnon, im Alten Testament der Bibel der älteste Sohn des israelitischen Königs David Amnon von Mainz (auch Amnon von Mentz), Hauptfigur einer mittelalterlichen jüdischen Legende; soll um 940 bis 1040 gelebt… …   Deutsch Wikipedia

  • Wernher von Braun — Von Braun at his desk at Marshall Space Flight Center in May 1964, with models of the Saturn rocket family Born March 23, 1912(1912 03 23) Wirsitz, German Empire …   Wikipedia

  • Unetaneh tokef — (hebr. Wir wollen die Macht der Heiligkeit des Tages schildern) sind die Anfangsworte einer Pijjut, das während Rosch ha Schana und an Jom Kippur von aschkenasischen Juden in der Synagoge gelesen wird. Das Gebet stammt aus Deutschland und geht… …   Deutsch Wikipedia

  • Kalonymos ben Meschullam — († Mai 1096) war ein jüdischer Dichter, Gelehrter und Rabbiner, Sohn des Meschullam ben Kalonymos und bis zur Judenverfolgung des Jahres 1096 n. Chr. („Verfolgung des Jahres 4856“/Gezerot Tatnu) Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde von Mainz.… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Am — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • List of German Jews — The Jewish presence in Germany is older than Christianity; the first Jewish population came with the Romans to the city Cologne. A Golden Age in the first millennium saw the emergence of the Ashkenazi Jews, while the persecution and expulsion… …   Wikipedia

  • MUSIC — This article is arranged according to the following outline: introduction written sources of direct and circumstantial evidence the material relics and iconography notated sources oral tradition archives and important collections of jewish music… …   Encyclopedia of Judaism

  • Josef Tal — im Jahr 2002 Josef Tal (* 18. September 1910 in Pinne bei Posen; † 25. August 2008 in Jerusalem; eigentlich: Grünthal, auch Joseph Tal) war ein israelischer Komponist …   Deutsch Wikipedia

  • biblical literature — Introduction       four bodies of written works: the Old Testament writings according to the Hebrew canon; intertestamental works, including the Old Testament Apocrypha; the New Testament writings; and the New Testament Apocrypha.       The Old… …   Universalium

  • Zionismus — (von Zion) bezeichnet eine politische Ideologie und die damit verbundene Bewegung, die auf Errichtung, Rechtfertigung und Bewahrung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina abzielen. Als Eretz Israel wird dabei ein aufgrund historischer und… …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.